Bucket List für Anfänger

Einmal im Leben: Die Tour du Val d'Anniviers. (Photo: Jürg Buschor)

Einmal im Leben: Die Tour du Val d'Anniviers. (Photo: Jürg Buschor)

«Den Neujahrstag erkennt man am einfachsten an den vielen übergewichtigen Joggern», hat der deutsche Aphoristiker Hauke Harms einmal geschrieben. Mit guten Vorsätzen ins neue Jahr zu starten, ist ja nichts grundsätzlich Schlechtes. Was übrigens bereits der deutsche Dichter und Philosoph Friedrich Nietzsche mit leicht zynischem Unterton festhielt: «Pläne machen und Vorsätze fassen bringt viel gute Empfindungen mit sich, und wer die Kraft hätte, sein ganzes Leben lang nichts als ein Pläne-Schmiedender zu sein, wäre ein sehr glücklicher Mensch: aber er wird sich gelegentlich von dieser Tätigkeit ausruhen müssen, dadurch, dass er einen Plan ausführt – und da kommt der Ärger und die Ernüchterung.»

Die Frustration liegt aber nicht ausschliesslich daran, dass wir unsere Zielsetzungen unrealistisch hoch ansetzten. Manchmal liegt der Grund darin, dass wir die Ziele gar nicht erst definieren, festhalten und nötigenfalls gewichten. Mir geht es jedenfalls regelmässig so, dass ich das letzte Kalenderblatt wende und daran denke, welche Singletrails ich im abgelaufenen Jahr nicht gefahren bin, welche Destinationen ich noch nicht besucht habe und mit welchen Freunden die Terminfindung für eine gemeinsame Tour einmal mehr nicht geklappt hat. Zur Vermeidung solcher Situationen gibt es die sogenannte Bucket List, die mit dem gleichnamigen Spielfilm («Das Beste kommt zum Schluss», mit Morgan Freeman und Jack Nicholson) Berühmtheit erlangte. Ein Krebskranker (gespielt von Morgan Freeman) schreibt in seiner persönlichen Wunschliste alle Dinge nieder, die er schon immer einmal tun wollte, es aber immer an Zeit, Geld oder dem dafür nötigen Mut mangelte. Natürlich ist das Leben kein Film und es fehlt den meisten ein finanzkräftiger Freund, der willens ist, einem all die Wünsche zu erfüllen. Das soll allerdings niemanden daran hintern, jetzt zu Kugelschreiber und Papier zu greifen. Die potentiell heiklen Themen «Fettverbrennung», «Ruhepuls» und «das andere Geschlecht» lasse ich in meiner kleinen Anleitung zur Erstellung einer Bucket List jetzt mal weg. Stattdessen empfehle ich je einen Listeneintrag zu erstellen für diese drei Bereiche:

1. Neue Horizonte

Die Versuchung ist gross, immer wieder an dieselben Orte zurückzukehren, die man mit grossartigen Erinnerungen verbindet. Natürlich sind Davos, Zermatt oder Finale Ligure immer eine Reise wert. Aber es gibt allein im Alpenbogen so viele unentdeckte (oder wieder zu entdeckende) Regionen, dass man mindestens einmal pro Jahr unbekanntes Terrain befahren sollte. Auf meiner persönlichen Bucket List für 2013 steht das Val Aosta ganz zuoberst.

2. Geteilte Freude

Am meisten Spass macht das Mountainbiken dann, wenn man mit Freunden unterwegs ist. Vorallem dann natürlich, wenn man dieselben Vorstellungen des «perfekten Trails» hat und auf vergleichbarem (technischen und physischen) Niveau fährt. Deshalb sollte mindestens ein Wochenende reserviert sein, um mit Freunden zusammen einen der persönlichen Top-5-Trails zu befahren. Meine Auswahl für 2013 steht. Aus meiner 100 Touren umfassenden Auswahl «Singletrails in den Schweizer Alpen – Die 100 schönsten Mountainbike-Touren» sind dies die Touren «Landwassertal», «La traversata infinita», «Bistinepass», «Tour du Val d’Anniviers» und «Les Sept Bisses».

3. Man gönnt sich ja sonst nichts

Ich gebe es gerne zu – ein neues Mountainbike macht Freude. Und weil 26 Jahre mit 26“-Rädern eventuell genug sind, leiste ich mir jetzt ein 29-Zoll-Mountainbike. Ausprobieren geht über studieren – auf meiner Shortlist stehen drei Kandidaten.

Mit total drei Punkten ist die Bucket List immer noch relativ überschaubar. So übersichtlich jedenfalls, dass man sich getrost an den französischen Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal halten kann, der einmal gesagt hat: «Es gibt bereits alle guten Vorsätze, wir brauchen sie nur noch anzuwenden.» In diesem Sinne – ich wünsche einen guten Start in ein unvergessliches Mountainbike-Jahr!

Nehmen Sie sich jeweils Vorsätze fürs neue Jahr? Was sollte man Ihrer Meinung im 2013 keinesfalls verpassen?

In eigener Sache: Mountainbike-Blogger Jürg Buschor zeigt im Rahmen des Explora Bike Festivals seinen Diavortrag mit dem Titel «Mountainbike-Traumtouren – die Faszination der Singletrails». Das Festival dauert vom 4. bis 6. Januar 2013, Jürg Buschors Vortrag ist am Sonntag, 6. Januar, um 16.00 Uhr im Volkshaus Zürich. Informationen und Tickets gibt es online.

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