Wenn Rennen Kopfweh macht

Teilnehmerin des Dublin-Marathons 2008. (Flickr/infomatique)

Sport kann Kopfschmerzen verursachen: Teilnehmerin des Dublin-Marathons 2008. (Flickr/infomatique)

Es ist dunkel, das Wetter garstig. Auf dem Programm steht ein intensives Intervalltraining. Der Kampf gegen meinen inneren Schweinehund dauert die ganze Fahrt von der Redaktion nach Hause – endgültig niedergerungen habe ich ihn aber erst, als ich meine Laufschuhe schnüre. Ich reihe ein Intervall ans nächste, ziehe frische Luft in meine Lungen, setze die aufgestaute Energie frei – eine kräftezehrende Wohltat. Die Intervalle hinterlassen nicht nur in meiner sportlichen Leistung ihre Spuren. Der Lohn dieser anstrengenden Trainingseinheiten ist eine tiefe Zufriedenheit und eine innere Balance. Das ist aber nicht immer so. Die anstrengenden Einheiten fordern immer wieder einen qualvollen Tribut: hämmernde Kopfschmerzen.

Walter O. Frey ist ärztlicher Leiter des Swiss Olympic Medical Center balgrist move>med der Universitätsklinik Balgrist. Zu seinen Patienten zählen Ausdauersportler, Skifahrer, Eisläufer sowie Unihockeyspieler. Er kennt dieses Phänomen und weiss: «Die Schmerzen treten nicht nur bei Läufern auf und werden meist von verschiedenen Faktoren ausgelöst.» Will man den Ursachen auf den Grund gehen, verordnet der Arzt als erstes eine kurze Ahnenforschung. «Kommen Migränen oder Kopfschmerzen in der Familie häufig vor, liegt der Schluss nahe, dass es sich um eine genetische Veranlagung handelt.»

Die sportliche Anstrengung fungiere in diesen Fällen als Trigger für diese Schmerzen. «Dagegen hilft weder gründliches Aufwärmen, viel trinken noch eine gewissenhafte Vorbereitung.» Um den Schmerzen keine Chance zu geben, könne ein Sportler aber seinem Körper optimale Rahmenbedingungen schaffen. «Und dazu gehört beispielsweise, dafür zu sorgen, dass der Wasserhaushalt stimmt.»

Hat die Ahnenforschung indes keine vererbten Kopfschmerzen an den Tag gefördert, wurzeln die Qualen nach intensiven Trainingseinheiten oder Wettkämpfen oft in der Durchblutung des Gehirns. Als Ursache dafür kommen Flüssigkeitsmangel, zu hoher Blutdruck, Training in höheren Lagen und starke Sonnenbestrahlung in Frage. Als weiteren Grund für die Kopfschmerzen nennt Frey den veränderten Atemrhythmus. «Ein Mensch atmet bei sportlicher Ertüchtigung nicht etwa schneller, weil es ihm an Sauerstoff mangelt. Er wird durch die Atemluft die Säure los, welche seine Muskeln bei der Anstrengung freisetzen.»

Atmet der Läufer zu stark, sinkt die Säure zu tief. Dies kann dies zu Krämpfen in den Blutgefässen im Hirn führen – zu Kopfschmerzen also. «Und wie gegen einen Wadenkrampf, kann auch in diesem Fall Magnesium helfen.» Freys Erfahrungen haben gezeigt, dass oft eine Verbindung dieser verschiedenen Ursachen die leistungsbedingten Kopfschmerzen auslösen, sie begünstigen einander. «Es gilt darum, mit einfachen Mitteln wie einem Sonnenschutz, genügend Flüssigkeit oder gründliches Aufwärmen das Risiko der einzelnen Faktoren zu mindern.»

Der Sportmediziner warnt aber grundsätzlich davor, Kopfschmerzen auf die leichte Schulter zu nehmen. «Egal, wodurch sie verursacht werden, sie sind ein Alarmsignal des Körpers und müssen ernst genommen werden.» Läufern, die immer wieder darunter leiden, empfiehlt er deshalb diese abklären zu lassen. Es gebe Menschen, die erst durch diese Kopfschmerzen in Erfahrung bringen, dass sie unter Bluthochdruck litten. «Immerhin – denn sonst bleibt dies ein stiller Feind und damit eine latente Gefahr.» Zwar sei es durchaus möglich, einen Marathon mit zu hohem Blutdruck zu beenden. «Nur ist dann mit der Laufleidenschaft vielleicht nicht erst im hohen Alter Schluss. Denn ein Hirnschlag kann den Sportler jederzeit auf die Ersatzbank verbannen.»

Meine Ahnenforschung sowie meine eigenen Erfahrungen haben zu einem eindeutigen Resultat geführt: Die Schmerzen schlummern in meinen Genen und machen sich glücklicherweise nur selten bemerkbar. Ich weiss nun aber, wie ich meinem Körper Schützenhilfe leisten kann. Dies zu unterlassen wäre fahrlässig, denn mein Sport macht mich für meine Umwelt erst erträglich.

Dr. Walter O. Frey ist ärztlicher Leiter des Swiss Olympic Medical Center balgrist move>med der Universitätsklinik Balgrist. Er war Olympia-Arzt in Nagano, Sidney, Salt Lake City, Torino und Vancouver und ist Verbandsarzt der Verbände Swiss Ski, Swiss Skating, Swiss Unihockey und Swiss Sliding.

47 Kommentare zu «Wenn Rennen Kopfweh macht»

  • Marcel sagt:

    Wir erleben es immer wieder, dass vor allem Sportler bei zu hoher Leistung oft auch zu wenig trinken und die Kopfschmerzen so ihren Weg finden. Deshalb immer genug trinken, auch wenn dieser Tipp einfach ist, schafft er oft Probleme der Kopfschmerzen aus dem Weg.

  • hallo mitenand

    das spielt doch alles keine rolle woher die kopfschmerzen kommen…
    das gehört einfach zum sport dazu. wegen dem stirbt man ja nicht gleich. oft ist es einfach der flüssigkeitsverlust, die sonneneinstrahlung, und die anstrengung. ist doch normal.

    ich wünsche allen viel spass beim joggen.
    gute zeit.

    gruss von
    raphael wellig http://www.raphaelwellig.ch

  • Andreas sagt:

    @Philipp Rittermann
    Bitte kommentieren Sie weiter, habe mich köstlich amüsiert

  • Hugo sagt:

    Ich versuche immer noch, zu erkennen, ob auf dem Bild eine Frau oder ein Mann abgebildet ist.
    Ob das Kopfschmerzen verursacht, weiss ich nicht. Aber wer seinen Körper so zerschandelt, muss sich auf weit mehr Schmerzen gefasst machen als das bisschen, das im Kopf statfindet…
    Falls irgendjemand behauptet, dass das wirklich gesund ist (und nicht nur von Fachkreisen als gesund attestiert wird), soll sich doch mal wieder Bilder von richtig weiblichen und/oder männlichen Menschen ansehen.
    Wenn auf dem Bild ein Mann dargestellt ist, fehlen im einige Muskeln im Oberarmbereich und ein anständiger Brustkasten. Und dort, wo die Rennhose eng ist, sollte sich doch auch etwas (zumindest kleines) zu erkennen geben.
    Ist es aber eine Frau, was ich vermute, fehlen ihr die weiblichen Rundungen. Wie soll da bei diesen Verhärtungen ein Kind natürlich rein und wieder raus? Und wo soll es nachher trinken?
    Das kann nicht gesund sein…!

    • Ernst Weber sagt:

      Die Hose identifiziert sie als Frau. Diese Typen sind doch alle masochistisch veranlagt, wer will denn schon mit 40 wie eine 70 jährige Person aussehen. Das ganze Leben rennen, dazu muss man schon ziemlich einfältig sein. Solche Frauen sind für mich der Albtraum schlechthin.

    • Roland K. Moser sagt:

      Ein Busenblitzer ist wohl nicht möglich.

  • pto sagt:

    Eigenartig, bei mir ist das gerade umgekehrt. Ich habe oft Kopfschmerzen die verschwinden sobald ich auf einen (leichten) Lauf gehe. Das funktioniert bei mir so gut dass das inzwischen die beste Kur fuer mich ist!

  • running rock sagt:

    Habe mich nie viele Gedanken gemacht, wo die Kopfschmerzen bei mir genau herkamen, weil immer klar war, dass ich mit sehr intensivem Intervalltraining oder Wettkampf den Körper in Grenzbereiche gebracht hatte..

    Aber: atmen hilft ! Am schlimmsten hatte es mich immer in 800m-Wettkämpfen erwischt, wo ich dann in den letzten 50-80 Meter (etwas verkrämptf) mich ins Ziel gekämpft habe und dann tatsächlich vergessen habe, den Mund offen zu lassen zum atmen. Ergebnis: 1 Stunde nach Wettkampf immer noch mit dem Kopf zwischen den Knien weil mir sonst der Schädel explodiert wäre (so empfand ich das zumindest).

    Leistungssport ist nicht immer ganz gesund ;-)

  • Ruedi Schmid sagt:

    „Es ist dunkel, das Wetter garstig. Auf dem Programm steht ein intensives Intervalltraining …. Ich reihe ein Intervall ans nächste..“ Möglicherweise war das auch zu intensiv und der Grund für die Kopfschmerzen. Weniger Intensität bringt oft auch mehr Leistungssteigerung.

  • D.Wider sagt:

    @Richard Oaten

    Selbst ich als Fleischesser muss sagen, dass Sie keine Ahnung haben. Mit Rindsfleisch und Schweinefleisch werden Sie Ihren Magnesiummangel auch nicht beheben.

  • marc sagt:

    Hatte ähnliche Migräne-Erfahrungen gemacht bei Ausdauersport (Laufen, Radfahren, Schwimmen). Migräne stellte sich jeweils 4-5 Stunden nach dem Sport in der Erholungsphase ein und dauerte 10-12 Stunden an. Bei mir stellte sich ein Problem mit der Bandscheibe heraus, woraus sich die üblen Schmerzen ergaben. Dehnübungen und das übliche Rückenstärekenprogramm hat mir geholfen, jetzt praktisch schmerzfrei..

  • Richard Oaten sagt:

    In einer (grünen) Gesellschaft, die mit Sandalen im Tram Sitzt und nur Vegi’s isst, ist es kein Wunder, dass Leistungssport Kopfschmerzen verursacht. Die Top-Atlethen im MMA z.B. essen bis zu 8 kg Fleisch pro Tag und siehe da, KEINER beklagt sich je über Kopfschmerzen. Also Boys und Girls, zieht endlich diese Steaks rein und noch besser fügt dem Speiseplan mehr Schweinefleisch bei, den es enthält Aminosäuren, welche KEIN anderes Fleisch enthält !
    Ich habe in meinem Leben noch NIE und in KEINER Sportart wirklich fitte Vegetarier erlebt, sondern nur blasse und kränkliche lebendige Skelette…….

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