Friedlicher Start, brutales Ende

Diese Woche über den Lindenberg (LU/AG)


Der Zug von Lenzburg braucht nicht lange, schon sind wir in Mosen. Wir steigen aus, finden uns zurecht, ziehen gleich los zur Südspitze des Hallwilersees – und mir fällt jene Wanderung ein, bei der wir den See umrundeten: auch sehr schön und die ganze kalte Jahreszeit über machbar.

Durch den Campingplatz erreichen wir das Seeufer, das sich und seine Vögel mit einem Ried schützt. Dann queren wir stille Felder auf dem Weg nach Aesch. Das Dorf hat eine sehr schöne Kirche, St. Luzia; ich empfehle einen Abstecher, muss allerdings beifügen, dass auf dieser Wanderung an Kirchen kein Mangel herrschen wird.

In Aesch passieren wir ein steinernes Wegkreuz von 1799 mit verdoppeltem Querbalken, Totenkopf und zwei gekreuzten Knochen. Hernach beginnt unser Pfad zur Krete des Lindenberges zu steigen. Im Wald sehen wir auf ebendiesem Pfad etwas Schwarzes, Klobiges liegen. Ein Hufschuh. Zehn Minuten später treffen wir
junge Reiterinnen. Sie suchen einen Hufschuh. Wir können helfen, was immer ein gutes Gefühl ist.

Pilger und Märtyrer

Im Weilerchen Rüedikon passieren wir ein Kapellchen, das der Heiligen Agatha gewidmet ist; das ist jene Heilige, die auf manchen Darstellungen dem Betrachter ein Tablett mit zwei blassen Kugeln entgegenstreckt. Es sind ihre abgeschnittenen Brüste, denn sie ist eine Märtyrerin. In Mettmenschongau kommen wir an der gewaltigen Pfarrkirche vorbei. Und in Oberschongau steht gleich wieder eine Kirche, speziell für die Wallfahrer – dies ist eine Pilgerroute. Am Osthang des Lindenberges gibt es übrigens einen Weiler namens Galizi. Der Name verweist auf die vorbeiziehenden Jakobspilger, die seit Jahrhunderten nach Santiago de Compostela in Galizien streben.

Zurück zu unserer Route: In Oberschongau liegt in besagter Kirche ein Buch auf, in das der Gläubige seine Wünsche und Nöte eintragen kann. Jemand hat geschrieben: «Liebi Muetter Gottes, geb em Vati d’Hand, wener nöme mag.»

Bald sind wir auf der Krete des Lindenberges, die man sich nicht als Kante vorstelle, sondern als weiten Rücken. Als wir aus dem Wald kommen, sehen wir vor uns das weite Land zur Reuss, das Säuliamt, die Albiskette mit dem Üetliberg und der Felsenegg. Und bald schon sind wir, wieder etwas weiter unten, beim Guggibad, einer währschaften Wirtschaft an der Strasse. Wir kehren ein. Das Cordonbleu schmeckt – mit einer Einschränkung: Der Mann am Nebentisch erzählt seiner Begleiterin von seiner Hühneraugen-Behandlung. Sie erfragt immer neue Details.

Herrscher und Heilige

Via Buttwil halten wir hinab Richtung Muri. Unter unseren Füssen knacken liegengebliebene Baumnüsse. Der Wanderweg führt an der Begrenzung der Landebahn des Flugplatzes Buttwil entlang, Warnschilder weisen darauf hin, und ich sehe mich schon von der Kufe einer wildgewordenen Cessna geköpft. Der Unfall meiner Phantasie tritt natürlich nicht ein. Das Kloster Muri mit seinen roten Doppeltürmen kommt nun immer näher – und à propos geköpft: Besonderen Eindruck machen uns einige Zeit später im Kloster, das auch die Herzen des letzten österreichischen Kaisers und seiner Gattin beherbergt, die berühmten Glasfenster von strahlender Farbkraft.

Eines der Fenster zeigt einen Heiligen. Er hält seinen Kopf in Händen und streckt ihn dem Betrachter entgegen als Zeugnis seines Leidens; der Hals ist ein Stumpf. Sage keiner, Gewaltdarstellungen seien eine Erfindung des Fernsehzeitalters.

Route: Mosen – Aesch – Rüedikon – Mettmenschongau – Oberschongau – Guggibad – Buttwil – Muri.

Gehzeit: 3 3/4 Stunden.

Höhendifferenz: Je 380 Meter auf und ab.

Wanderkarte: 225 T «Zürich», 1: 50 000.

Charakter: Mittelstreng, mässig coupiert. Eine Route im Zeichen des Glaubens und der Kirchen.

Höhepunkte: Der winterliche Hallwilersee. Das Wegkreuz von Aesch. Die alte Wallfahrtskirche von Oberschongau. Die Glasfenster im Kloster Muri.

Kinder: Keine besonderen Probleme.

Hund: Keine besonderen Probleme.

Eingekehrt: Guggibad (Buttwil), Mo/Di Ruhetag. Auch bei der Kirche von Oberschongau gibt es ein Restaurant: St. Ulrich,  Mi Ruhetag.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

2 Kommentare zu «Friedlicher Start, brutales Ende»

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