Appenzeller Höhlenbewohner

Diese Woche Wildkirchli, Ebenalp und Lehmen (AI)

Ende Monat schliesst das Gros der Wirtschaften im Alpstein – jetzt ist die Zeit, sie noch einmal zu geniessen. Und à propos Alpstein: Seit dem letzten Jahr gibt es im Internet einen 15-minütigen Clip zu betrachten. Ein Schauvergnügen: die 28 Bergwirtschaften und sechs Seilbahnen des Gebirges um den Säntis gefilmt aus dem Helikopter.

Nun zu unserer Wanderung, die an einem ausserordentlich warmen Spätherbsttag vonstatten ging. Wir starteten in Weissbad, dem Innerrhoder Dorfweiler mit Bahnstation und renommiertem Hotel. Schnell gelangten wir ins Wiesland, der Aufstieg zur Ebenalp begann. Die meiste Zeit sahen wir sie vor uns, ein begrüntes, sanft geneigtes Pultdach, von dem aus gern Gleitschirmler starten. Mal zur Linken, mal im Rücken hatten wir die klassische Kulisse der Appenzeller Bauernmalerei: Fähneren, Kamor, Hoher Kasten.

Das Kirchli in der Höhle

Später wichen wir von der Direttissima ab. Via Eugst und Bommen hielten wir auf die böse Seite der Ebenalp zu: Gegen Südosten protzt und droht sie mit einer Wand aus gelblichem Kalk, in der man oft Kletterer sieht. Unser Pfad zum Fuss dieser Wand war ein wenig ruppig, mehr nicht. Dann die Wirtschaft Aescher. In ihr hockt jeweils enorm viel Volk. Das liegt am Wildkirchli gleich nebenan, das in einer Kalkhöhle untergebracht ist. In der Höhle lebten zuvor zwei Jahrhunderte lang Einsiedler. Dann wurde sie mit einem Altar, Bänken und einem roten Kapellchen als Vorbau ausstaffiert. Bringt «Geo» mal wieder eine Reportage über die Schweiz, ist das reizende Ensemble garantiert abgebildet.

Auf dem mit einem Geländer gesicherten Weg zogen wir zur nächsten Höhle. Jäger lagerten in ihr schon vor rund 50 000 Jahren; das manierliche Holzhüttchen am Eingang ist ein Minimuseum und zeigt Bärenzähne, -knochen sowie primitives Werkzeug aus Stein. Waren diese Frühmenschen bereits Appenzeller? Dies diskutierend, stiegen wir auf einem geschotterten Spiralpfad durch die Höhle auf zu deren oberem Ausgang, kamen hernach bald zum Gipfel der Ebenalp. Wir kehrten ein, tranken etwas. Und wir blickten uns um; man hat hier oben viel Sicht. Am meisten Eindruck machte mir der verschattete Seealpsee.

Unter Sennen

Schliesslich stiegen wir ab durch steilen Wald zum Lehmen und der Bauernwirtschaft gleichen Namens im engen Tal der Triberen. Irgendein Geburtstag wurde dort gefeiert, vier Sennen zäuerleten: der landestypische Naturjodel ohne Worte. Unser Essen kam und schmeckte, hernach zogen wir hinab zum Weissbach, querten ihn und langten nach langem Auslaufen endlich beim Weissbad an – Wanderschluss.

Im Zug lachten wir noch einmal über die Witze der Sennen. Hier der eine: Toni Brunner fährt nachts an einem Polizisten vorbei. Er ruft aus dem Autofenster: «Sie, ich bin der Toni Brunner, ich bin SVP-Präsident, war an einer Versammlung, habe aber fast nichts getrunken und bin auf dem Heimweg!» Der Polizist winkt Brunner weiter. Kurz darauf fährt Brunner wieder an einem Polizisten vorbei. Er ruft wieder: «Sie, ich bin der Toni Brunner, ich bin SVP-Präsident, war an einer Versammlung, habe aber fast nichts getrunken und bin jetzt auf dem Heimweg!» Auch dieser Polizist winkt Brunner weiter. Dann passiert das Ganze ein drittes Mal:  «Sie, ich bin der Toni Brunner, ich bin SVP-Präsident…»

Der Polizist antwortet: «Ischt scho recht. Aber etz fahr emol oss dem Kreisel use!»

Route: Weissbad – Ebnet – Bieberen – Bommen – Aescher – Wildkirchli – Höhlenweg – Ebenalp – Lehmen – Eugst – Tüllen – Rechböhl – Weissbad.

Gehzeit: 5 Stunden.

Höhendifferenz: je 870 Meter auf- und abwärts.

Kurzvariante: Auf die Ebenalp steigen, dann mit der Seilbahn hinab nach Wasserauen (Zug). Gut 2 3/4 Stunden, 820 Meter aufwärts.

Wanderkarte: 227 T «Appenzell», 1: 50 000.

Charakter: Die meiste Zeit voralpines Wandern, kurz auch einmal im Geröll. Stotzige Passagen. Grandiose Aussicht.

Höhepunkte: Die Lage des Wildkirchlis. Der schummrige Wanderweg durch die Höhle zur Ebenalp. Der Gipfelblick von der Ebenalp und im Kontrast der verschattete Seealpsee tief unten. Die Einkehr im urigen Lehmen.

Hund: Machbar, aber anstrengend.

Clip: www.appenzell.info/de/alpstein/filme-alpstein-von-oben.html

Einkehr: Die Gasthäuser Aescher-Wildkirchli und Ebenalp sind im Oktober immer offen, der Lehmen am Dienstag zu.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

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9 Kommentare zu «Appenzeller Höhlenbewohner»

  • Thomas Widmer sagt:

    Liebe Frau Schmutz, ev. im November mal zusammen? Mailen Sie mir mal Ihre Koordinaten auf thomas.widmer@tages-anzeiger.ch?

  • Wanderungen im Herbst sind wunderbar: Nebelfetzen, das spezielle Licht, die Ruhe. Dazu eignet sich das Alpsteingebiet sehr gut.
    Eine weitere Wanderung in der Nähe führt vom Hohen Kasten (Seilbahn) zur Saxer-Lücke (Halt bei der Stauberenhütte), hinunter zum Fälensee und zurück nach Brülisau.

  • U. Knecht, leider in letzter Zeit zu wenig! Da treffen Sie voll in eine Schwäche.

  • hallo thomas

    guten abend.
    danke für den super tipp.

    gute zeit.
    gruss von
    raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch

  • U. Knecht sagt:

    Wandern Sie eigentlich auch mal im Tessin?

    • René Loepfe sagt:

      Warum in die Ferne schweifen, wenn ebenso Schönes näher liegt.
      Spart dazu noch Kosten und Nerven.

  • Philipp Rittermann sagt:

    der witz mit brunner zeigt die doch eher pragmatische haltung der „appenzöller“ auf sympathische weise. meine gattin und ich verbrachten die weihnachtstage vor 2 jahren in heiden. war ein absolutes highligth – vor allem die offenen und äusserst freundlichen einheimischen machten den aufenthalt zum genuss.
    -> wellness Hotel Heiden: kulinarik und entspannung pur – am abend musikeinlagen eines heimischen hackbrett-spielers untermalt mit ein paar (deftigen) appenzeller-witzen – äusserst empfehlenswert.

    machbar und nicht anstrengend – sogar mit frau! :)

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