Eine junge Frau so hart wie Fels


Anna Stöhr, Daila Ojeda, Mélissa Le Nevé, Barbara Zangerl. Sie sind jung, ehrgeizig, fokussiert und gehören zu den stärksten Sportkletterfrauen, die die Welt bisher gesehen hat. Unter den weiblichen Koryphäen in der Vertikalen schwingt Sasha DiGiulian ganz obenauf. Die 19-jährige Amerikanerin gewinnt einen Hallenwettkampf nach dem anderen, punktet aber auch draussen in der Natur mit ausserordentlichen Leistungen. Als jüngste Frau durchstieg sie vor einem Jahr eine 9a-Felsroute («Pure Imagination» in den USA). Im Frühling schaffte sie in Spanien im selben Schwierigkeitsgrad die Route «Era Bella» (siehe Bildstrecke oben).

Ihr Durchhaltewillen ist enorm. Am Fels blutig geschundene Hände halten sie nicht davon ab, hartnäckig ihre Ziele zu verfolgen. Als gebe es keinen Schmerz. Doch das kann sich rächen. Vor einigen Wochen wurde Sasha DiGiulian ausgebremst – von einer ernsthaften Verletzung an den Fingern. Nichts mehr ging. Vor wenigen Tagen hat sie wieder angefangen, «langsam» zu trainieren und ist ganz «psyched», aus dem Häuschen, deswegen. Jeder Tag ohne Sport «macht mich groggy», sagt sie. «Nur wenn ich trainieren kann, fühle ich mich gut.»

Leicht untergewichtig

Wer selber klettert, weiss: Je höher das Körpergewicht, desto höher das Verletzungsrisiko, insbesondere an den Fingern. Und je schlanker, desto agiler, desto beweglicher, desto schneller kann man sich in der Vertikalen bewegen. Darum wird den jungen Spitzenkletterinnen oft nachgesagt, sie würden sich wie Fashion-Models bis in ungesunde Gewichtskategorien hungern. Auch die zierliche Sasha DiGiulian gilt als «leicht untergewichtig», sie misst 157 Zentimeter  und wiegt 44 Kilo. Eine Esstörung will sie bei sich  jedoch nicht gelten lassen. «Als seriöse Sportlerin muss ich meinen Körper richtig ernähren, um genug Kraft und Ausdauer fürs Training zu haben», sagt sie. «Man kann auch gesundes Essen kochen, das yummy schmeckt.» Sie backe auch Kuchen, Guetsli und ihre eigenen Energieriegel.

Im Trailer zum Film «No Expectations» spricht Sasha DiGiulian über ihre Motivation und Technik:

Zwölfjährige klettern heute das Topniveau der Topkletterinnen vor zwanzig Jahren

Während die «Rockstars» früherer Generationen das Klettern noch ausschliesslich am Fels gelernt und trainiert haben, sind die heutigen Girls on the Rocks in der Kletterhalle aufgewachsen. Stark gemacht von farbigen Plastikgriffen. Dank des deutlich geringeren Sturz- und Verletzungsrisikos an den gut gesicherten und sicherheitsgetesteten künstlichen Wänden, können sich die jungen Mädchen rasch verbessern und ihre Leistungsgrenzen nach oben verschieben. Heute beherrschen schon Zwölfjährige das Topniveau der Topkletterinnen vor zwanzig Jahren. Erfolg motiviert. Viele junge Kletterinnen wie Sasha DiGiulian lassen sich aber von der rauen Natur nicht abschrecken und stossen auch an den scharfen, kleinen Griffen am Fels in neue Dimensionen vor.

Mit ihren Top-Leistungen und ihrem sonnigen Wesen hat es Sasha DiGiulian dieses Jahr auch in die «Reel Rock Tour» geschafft, wo jeweils die besten Extremsportler gezeigt werden. In der Schweiz startet die Tour am 24. Oktober und gastiert bis 20. November in verschiedenen Städten (Daten, Infos und Tickets hier). Zu sehen sind unter anderem auch Chris Sharma, Adam Ondra oder der unerschrockene Alex Honnold, der mit seinen Free-Solo-Begehungen der Bigwalls die Nerven der Zuschauer bestimmt wieder strapazieren wird. Honnold sagt: «Niemand sollte so klettern, wie ich es tue. Aber ich mache es trotzdem gerne.»

Trailer zur Reel Rock Tour 2012:

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39 Kommentare zu «Eine junge Frau so hart wie Fels»

  • hallo mitenand

    ich finds super was sasha di giulian leistet. jeder soll und darf mit seinem körper das tun was er will, und verantworten kann.
    es ist doch bewundernswert wenn junge menschen mit so viel leidenschaft einer passion frönen. das ist für ausstehende
    einfach nicht nachvollziehbar.
    ich habe mit 19 jahren auch eine nordwand nach der andern bestiegen… immer weiter, höher, schneller, schwieriger… eine
    solche phase hat doch fast jeder sportler einmal erlebt. ich kann das voll und ganz nachvollziehen.
    ich bin ueberzeugt, durch gezieltes professionelles training wird sasha gesund bleiben. diese frau weiss genau was sie tut…

    ich wünsche allen viel spass beim klettern.

    gruss von
    raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch

  • Raphi Imsand sagt:

    „Zwölfjährige klettern heute das Topniveau der Topkletterinnen vor zwanzig Jahren“

    Vor 20Jahren hatte man noch keine staatliche Förderung und andere Bedingungen fehlten (keine genauen Ergebnisse bezüglich effektivem/professionellem Training, Ernährung, Trainingsmöglichkeiten etc.) Ich denke das war ein grosser Schritt, worum heute solche Leistungen überhaupt möglich sind.
    Diesen Effekt sieht man aktuell auch bei anderen Sportarten wo in kurzer Zeit, aufgrund besserer Trainingsbedingungen und staatlicher Förderung (Professionalisierung) massive Fortschritte erzielt wurden und Kinder das Niveau erreichen, welches vor 5Jahren noch unerreichbar schien. Ich denke da zum Beispiel an Freeskiing etc.

    Wie es aussieht falls Klettern irgendwann mal olympisch werden sollte, darüber kann man nur spekulieren. Wahrscheinlich werden dann eine Horde chinesischer Ninja-Kids zum Spitzenkletterer hochgezüchtet und die Schwierigkeitsgrenzen werden nochmals ein Stückchen nach oben verschoben. Spätestens dann wird Doping wohl ein Thema sein.

    „Zwölfjährige klettern heute das Topniveau der Topkletterinnen vor zwanzig Jahren“
    Dazu habe ich ein schönes Beispiel an der EuropeanFilmTour 11/12 gesehen. Der Film heisst „Outside the box“. Jule Wurm und Anna Stöhr (beides „Boulderinnen“ an der Weltspitze) sind mit Lynn Hill beim Rissklettern in Utah. Dort wird denn beiden der Tarif von der „Altmeisterin“ gleich mal durchgegeben. Wahrscheinlich tun sich viele Kletterer/innen heutzutage in dieser Art von Kletterei einfach schwer, weil man diese in der Kletterhalle nicht trainieren kann, mit Plattenkletterei siehts ähnlich aus.

  • U. Knecht sagt:

    Irgendwann fällt sie runter und wird ein Fall für die SUVA.

  • daniel sagt:

    Daila Ojeda ist 32. Das ist zwar jung, aber sie gehört damit kaum zu dieser neuen Generation.

  • Eduardo sagt:

    Faszinierend, was diese Frau (und andere derartige Athleten) zustandebringt, und dabei äusserst beruhigend, dass dies in der sicheren Halle und am Fels per Seilsicherung geschieht. Aber Zweifel an der ganzen Sache bekomme ich, wenn ich im Internet Fotos sehe, auf denen Sasha DiGiulia offensichtlich besonders stolz ihre völlig kaputten, blutenden Finger und Hände zeigt. Und ihre Aussage „Jeder Tag ohne Sport «macht mich groggy», (…) «Nur wenn ich trainieren kann, fühle ich mich gut.» klingt nach unkontrollierbarem Suchtverhalten.

    • Daniele sagt:

      ob unkontrollierbar weiss ich nicht. Aber Tatsache ist, dass Extremsport Endorphine ausschüttet und unglaubliche Glücksgefühle auslöst, die immer wieder geSUCHT werden. Endorphine sind in der Wirkung nichts anderes als körpereigenes Opium. Medizinisch belegt.
      Ich verurteile nicht: ich stelle nur fest.

    • Frank Baum sagt:

      Das trifft auf sehr viele Leistungssportler zu: ab einem gewissen Punkt wird der Körper überstrapaziert und man kann fast nicht mehr ohne Training auskommen, weil es einem einen Kick versetzt. Ist das schlimm? Ich finde nicht. Wenn man dabei etwas erreicht, auf das man stolz ist, ist das eine tolle Sache.

      • Daniele sagt:

        Nein, das finde ich auch nicht schlimm. Schlimm fände ich, jemandem vorzuschreiben, ob er/sie dieses Glück und den Kick suchen darf oder nicht. In der Vielfalt der Lebensentwürfe liegt nämlich der Reichtum einer Gesellschaft.

        • Eduardo sagt:

          Die Frage nach der Sucht ist in diesem Fall keine moralische, sondern eine ganz praktische: Lohnt es sich für den permanenten „Kick am Berg“, die eigenen Finger und Hände (und weitere Körperteile bei Stürzen und Aufprallen an die Felswände) lebenslang zu ruinieren? An Kletterwänden in der Halle ist die Gefahr sicherlich wesentlich kleiner als an scharfkantigen Felsen, wenn beispielsweise durch einen Sprung versucht wird, einen winzigen Vorsprung zu erreichen und sich dann dort mit einem oder wenigen Fingern festzuhalten. Die Kletterkünste, die Energie und der Mut all dieser Freikletterer sind unglaublich und schier übermenschlich, aber eben, wenn ich nicht nur die üblen Verletzungen von Sasha DiGiulian, sondern auch vieler anderer Kletterer anschaue (sie werden auf diversen Internetseiten und in YouTube oft mit Stolz und recht dümmlichem Grinsen präsentiert), dann zweifle ich halt.

          • wolfgang redak sagt:

            eduardo, sie klettern wohl nicht, oder?

            das stürzen gehört zum klettern dazu, wie beim schlittschuhlaufen auf dem hintern zu landen. das verletzungsrisiko ist, je nach fähigkeit des sichernden, sehr gering. dazu kommt, dass man abschätzen kann/soll, wie gut das sturzgelände ist. die meisten unfälle/verletzungen habe ich übrigens in hallen gesehen, nicht am fels..

            das erreichen von griffen per sprung (dynamo) kommt idR nur in schwierigen routen vor, in denen die kletternden einen bereits gut angepassten sekundären bewegungsapparat haben.
            dass man sich einen hautfetzen von den fingern reisst, ist völlig normal und banal, etwa einer schürfung beim fussball ähnlich. sieht schlimmer aus als es ist. da haben die meisten büezer kapputtere hände

            selbstverständlich können schwere verletzungen entstehen, sind aber meist die folge von menschlichem oder material-versagen. da ist die zahl von verletzungen bei fussball/ schneesport/ etc. um einiges höher (relativ gesehen).

            also, alles in allem ist ihr beitrag wohl eher der eines internet-„gebildeten“ denn der eines kletterkundigen..

  • R. Einhold sagt:

    ganz klar, starke Leistung der kleinen Frau. Das das Kletterniveau kontinuierlich in der Breite zunimmt ist nichts neues. Bemerkenswert trotzdem dass viele Toprouten der „alten“ Cracks immer noch zu den Testpiece gehören, die selten wiederholt werden (action direkt von Güllich, A. Hubers Routen etc.). Dh die Aussage dass „12jährige das Niveau der Topkletterer vor 20 Jahren“ haben stimmt so sicher nicht! Dazu kommen noch alpne Hämmer wie Nose am ElCap (erste freie Begehung durch L.Hill vor 20? Jahren, Kammerlanderrouten im Rätikon etc) die heute auch für die Jungen grosse Herausforderungen sind! Übrigens haben wir auch eine starke Frau: Nina Caprez! Die kommt in diesem Blog selten vor, wieso eigentlich?

  • Joachim Adamek sagt:

    Sasha DiGiulian ist wirklich sehr smart. Und der überzeugendste Beweis, dass die heutige Jugend weit besser ist als ihr Ruf (“lacking in drive”). Sie klettern zu sehen ist ein Genuss vom Feinsten. Dass sie ohne Kletterhalle zu solchen Leistungen fähig wäre, ist in der Tat schwer vorstellbar. Ich glaube, wir werden bald neue Schwierigkeitsgrade geklettert sehen …

  • Lucky_Looser sagt:

    So viel Leistung mit soviel Eleganz/Anmut! Das können wohl nur weibliche Körper! Wow!

    Habe mein Sportklettern vor 20 Jahren aufgegeben, kriege aber immer noch feuchte Hände wenn ich das sehe.
    Wie schaut es denn mit Langzeitschäden in den Fingergelenken in diesem Sport aus?

  • jörgi sagt:

    Gratulation, super Leistungen! Ein BMI von unter 18 sagt viel und die Überbelastungen (Verletzungen) an den Fingern geben zu denken.
    Eigentlich logisch. Hoffentlich bleibt sie dem Sport erhalten und findet die Balance in der Extreme.

    • Peter Banz sagt:

      Ein BMI von unter 18 sagt alleine nicht viel aus, sondern nur genau eines – dass der BMI unter 18 ist. Ohne die genauen Umstände zu kennen, sind Schlüsse über die Ursache pure Spekulation.

    • Pauline S. sagt:

      Bevor sie urteilen lesen sie zuerst die Nurses Health Study. Leichtes Untergewicht hat KEINE beweisbaren Auswirkungen auf die Gesundheit.
      (Ich bin 20, 178 gross BMI 17.7 , und phaaaaa ich liebe mein Leben und finde mich wunderschön, ich bin Gott sehr dankbar!!!)

      • Thomas sagt:

        Mmh! Ich kann Sie nur bestärken! 178 cm gross und schlank – sehr schön! Bleiben Sie so!

      • Roland K. Moser sagt:

        Schlank oder verdorrt? Gewicht?

        • Joel sagt:

          Schlank würde ich sagen. Sie gibt den BMI an, und die Grösse…mit etwas Kopfarbeit finden sie sogar das Gewicht heraus…Primarschulstoff würde ich sogar sagen. Aber ich bin so lieb und helfe ihnen ein bisschen: 56kg!

  • Philipp Rittermann sagt:

    süss, die kleine! :)

    • Lucky_Looser sagt:

      Die „Süsse“ kann wenigstens etwas.

      Was kann wohl der saure Rittermann?

      :-)

    • Pat Sibler sagt:

      Was ist falsch daran, wenn Herr Rittermann eine kleine Frau „süss, die Kleine“ betitelt? Er beleidigt niemanden, er stellt keine negativen Eigenschaften in den Vordergrund, er sagt nichts objektiv Unwahres.

      • Lucky_Looser sagt:

        Das ist sehr wohl beleidigend!

        Eine „süsse Kleine“ klettert keine 9a Route. Da braucht es ganz andere Qualitäten, z.B. absoluten Willen.

        • lukas sagt:

          offensichtlich klettert diese hübsche dame eine 9a-route. wo liegt dein problem, lucky looser? dürften da nur hässliche leute rauf? :)

      • Lucky_Looser sagt:

        Sind Sie schon mal unter einer 9a Wand gestanden? Man kann sich nicht vorstellen, wie man da rauf klettern kann! Wenn Sie also jemand da hoch klettern sehen, kommt ihnen sicher alles ausser „süsse Kleine“ in den Sinn.

        • Roland K. Moser sagt:

          Ich war im Herbst (ich glaube) 1987 am Gardasee klettern. In Torbole oder dort wo. Im Sommer war dort die WM im Sportklettern. Ich kann nicht glauben, dass dort jemand raufgeklettert ist. Hätte man die Magnesium-Spuren nicht gesehen, würde ich es heute noch nicht glauben.
          Der Schnägg sieht gut aus und klettert gut. Wenn sie will, soll sie eine erfolgreiche Kletter-Karriere haben.

        • Pat Sibler sagt:

          Also MIR kommt sowie nicht „süsse Kleine“ in den Sinn. Mir käme bei IHREM Anblick vielleicht „süsser Kleiner“ in den Sinn, aber das glaube ich nicht. Seien Sie nicht so verkrampft. „Süsse Kleine“ können gut sein in Mathe und Wände hochklettern und schiessen und reiten und Kuchen backen und und und und und….

          • Lucky_Looser sagt:

            Das ist alles Theorie.
            Stehen Sie einfach mal unter eine 9a Wand, dann werden Sie sehen, an was Sie denken.

          • wolfgang redak sagt:

            @lucky looser: nimm’s locker. ich habe auch schon mädels bei 8a bouldern und routen zugeschaut (jaja, ich weiss, nicht 9a…) und während des kletterns gestaunt. sobald sie nach dem durchstieg aber wieder unten waren, hatte ich bei einigen auch eher das rittermann’sche „süsse kleine“ im sinn ;)
            menschen bestehen halt nicht nur aus „harten“ superlativen. soldaten können im einsatz ja „knallhart“, zu hause aber fürsorgliche väter sein (so als beispiel)
            und ja, ich stand auch schon unter 9a routen..

          • Philipp Rittermann sagt:

            :) !

      • stefan barsch sagt:

        ich finde den kommentar äusserst unangebracht!
        wir wissen ja nicht ob sasha diguilian gerne klein ist und als beleidigung warnehmen würde…
        wie fänden sie es wenn man sie als „affenartig“ bezeichnen würde, auch wenn das vielleicht die wahrheit wäre?

        und allgemein sollte ein mann eine frau nicht als „süsse, kleine“ bezeichnen welche er nicht kennt, ist doch irgendwie beschämend (für beide).

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