Die Tür zum Jura

Diese Woche Froburg und Wisenberg (SO/BL)


Fünf Minuten dauert die Fahrt vom Bahnhof Olten nach Trimbach Post. Wir steigen aus, erblicken das Restaurant Kapelle und ein süsses Kapellchen. Der Wanderweg führt nun auf den Hang über dem Ort zu. Wir queren auf einer Überführung die Bahngeleise, keuchen aufwärts und sprechen im Stillen ein Stossgebet: Oh Herr, erlöse uns von dieser Einfamilienhäuschen-Zone!

Wir werden erhört und landen bald im Grünen. Kommen zum Marenacher, einem Bauernhof in der Geborgenheit einer Geländerinne. Ziehen am unteren Rand des Dottenbergs im Wald nordostwärts. Zur Rechten haben wir die Dampffahne des AKWs Gösgen, sehen aber auch das hollywoodeske Säli-Schlössli über Olten, den Steinbruch am Born, den Engelberg.

Schliesslich Schloss Wartenfels. Wer den Prunkbau besichtigen will, muss an einem Sonntag hin. Unser Wandertag ist ein Samstag; macht nichts, denn ohnehin drängt es uns weiter. Die Fortsetzung ist kurios: Im uns zugewandten, vordersten Teil der Schlossanlage gibt es zur Linken eine Art Remise. Der Wanderweg führt durch sie zu einer Tür, die wie im Märchen in eine andere Welt führt. Wir öffnen sie und finden uns sogleich in einem stillen, dem Mittelland abgewandten Tobel; wir sind auf einen Schlag vollends im Jura.

Vier Jahreszeiten

Nach dem Punkt Ziegelacher geht es schweisstreibend wieder aufwärts. Oben erwartet uns ein hügeliges Hochland – und vielleicht ist hier der Moment, das Wetter des Tages zu erwähnen. Denn just in diesem Moment kommt eine Wolke und lässt wie eine mobile Sprinkleranlage ihr Wasser auf uns niedergehen. Das erinnert an April. Wir haben aber August; eine Stunde später wird die Sonne auf uns niederbrennen. Und anschliessend wird ein Biswind aufkommen, der an die Nieren geht und dem tiefsten Februar zu entspringen scheint. Am Boden wiederum raschelt mancherorts Laub wie im Herbst. Dies ist eine Vierjahreszeitenwanderung.

Vorbei am dicken Sendeturm, den man jedes Mal sieht, wenn man im Zug von Zürich nach Bern fährt, gelangen wir zum Restaurant Froburg. Wir kehren ein, essen, spötteln ein bisschen über die Gruppe im Nebenraum. Die Leute absolvieren einen Kurs in Rebirthing. Wieder draussen, konsultieren wir den Wegweiser und entscheiden: Wir sind drei Stunden gelaufen und wollen mehr, als in der Direttissima retour nach Trimbach zu halten. Wir fassen als neues Ziel Läufelfingen ins Auge.

Naturpoesie

Wir bereuen es nicht. Die Juralandschaft wird immer kecker, mit bleckenden Fluhen und Hügeln, die sich zu Hörnern aufschwingen. Der Blick von der Wisnerhöchi lässt nichts zu wünschen übrig. Oben auf dem Wisenberg ist er noch besser. Man hat auf dieser Erhebung aus Muschelkalk Runsicht dank eines Turmes. Sein Fundament entstammt dem ersten Weltkrieg; später, zu Friedenszeiten, musste er zweimal aufgestockt werden, weil rundum der Wald gewachsen war.

Durch den Wald steigen wir ab nach Läufelfingen. Die Ruine Homburg kommt als Überraschung. Sie ist riesig, man kann ihre Zinnen erklimmen und staunt dort über den Stil der Restaurierung: Die Mauern sind geweisselt und geschmirgelt, dass man das Gefühl hat, man stehe auf einem Dach in Kreta. Wir schauen, bis wir uns satt gesehen haben. Und dann sind wir schon bald in Läufelfingen und nehmen einen Schlusstrunk im Restaurant Warteck, in dem ein kulanter Romand wirtet. Müde sind wir ­und zufrieden mit der abwechslungsreichen Wanderung durch zwei Kantone.

Route: Trimbach Post – Marenacher – Schloss Wartenfels – Ziegelacher – Birmatt – Froburg Restaurant – Wisnerhöchi – Wisen – Martinsgrund – Wisenberg – Bad Ramsach – Ruine Homburg – Läufelfingen Bahnhof.

Gehzeit: 5 3/4 Stunden.

Höhendifferenz: 950 Meter auf-, 800 abwärts.

Wanderkarte: 224 T «Olten», 1: 50 000.

Charakter: Jura, viel Abwechslung, immer neue Fluhen und Hügel. Anstrengend.

Höhepunkte: Die Tür von Schloss Wartenfels. Der Blick von der Wisnerhöchi. Der Wisenberg mit dem Aussichtsturm. Die geweisselte, griechisch anmutende Ruine Homburg.

Hund: keine Hindernisse.

Einkehr unterwegs: www.restaurant-froburg.ch, Mo Ruhetag.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

8 Kommentare zu «Die Tür zum Jura»

  • Vielen Dank für all die klugen Ergänzungen. Und auch für die Kritik. Ich weiss beides zu schätzen. Müde Wandergrüsse nach einem endlos schönen Wochenende.

  • Dieter Neth sagt:

    Als Alternative fuer ambitioniertere Wanderer ohne Hund kommt auch eine Westroute in Frage, ebenfalls mit der S9 bis Trimbach, dann den Panoramaweg entlang bis zum Rest Eisenbahn (Motorradtreff am Donnerstag) von dort in Richtung Graben. Man kommt vorbei an tollen Felsen und einer canyonartigen Waldschlucht, sogar ein etwa 30 m hoher Wasserfall wird geboten. Dann in Richtung Rankbruenneli und hoch nach Ifenthal und hinunter nach Laeufelfingen. Wenn ein Abstecher auf den 1098 m hohen Gipfel des Belchen (oder Boelchen auf Baseldeutsch) geplant wird, sollte man 3 Stunden extra einplanen. Man kann an klaren Tagen von dort die anderen beiden Berge gleichen Namens in den Vogesen und Schwarzwald ausmachen. An solchen Tagen muss man aber auf Menschenmassen gefasst sein. Auch die Route vom Restaurant Eisenbahn hinauf auf die imposante Geissflue ist innert 45 min machbar,von dort kommt man dann rasch auf die Frohburg (Das „h“ entspricht der neuen Schreibweise) Die Ruine kann ebenfalls besichtigt werden, ist aber nicht besonders gut erhalten. Das Gebiet ist auch geologisch sehr interessant, weil sich am Belchen die 3 Hauptketten des Jura zusammenscharen und ein Gewirr an Kreten und Graeben geformt wird, welche zum Aargau hin sich rasch verschmaelern und niedriger werden

  • Maria Baumann sagt:

    Ich weiss gar nicht, weshalb sich solche Wanderfreaks wie Herr Widmer so hysterisch von normalen Dingen wie Einfamilienhäuschen abgrenzen müssen. Seien wir froh, dass es in der Schweiz in der letzten und unserer Generation noch möglich war, die eigenen vier Wände zu finanzieren. Mal sehen, wie das dann noch möglich ist, wenn auf jeder freien Fläche ein subventionierter Solarpark oder Windradfarm steht und die Grundstückspreise dadurch ganz und gar unerschwinglich werden, wie derziet in D. Dann ist die Dampffahne des AKW Gösgen vermutlich das kleinste Problem, das die CH-Bevölkerung haben wird.

  • Von Läufelfingen kann man mit der Oberen Hauensteinlinie durch das Homburgertal auf der Anhöhe über Viadukte nach Sissach fahren. Ich kann den Sceenig Drive mit wunderschönen Ausblicken jedem empfehlen. Zurück anschliessend von Sissach nach Olten über die neue Linie.

  • Margrit Balscheit sagt:

    Ich möchte empfehlen, vom Bahnhof Olten nach Trimbach nicht den Bus, sondern die Bahn zu nehmen (S9 Olten-Läufelfingen-Sissach). Die Fahrt dauert nur 3 Minuten und ist viel schöner als mit dem Bus. Zudem ist der Wanderweg ab Station Trimbach mit Infotafeln zur Geschichte dieser historisch interessanten, ältesten juraquerenden Bahnlinie bestückt. Wem 5 3/4 Std. Wanderzeit zu viel ist, kann den Schwenker übers Schloss Wartenfels weglassen und vom Marenacker direkt zur Froburg hinauf steigen. Dadurch verkürzt sich die Wanderung auf ca. 4 Std.

  • Martin Cesna sagt:

    Wenn man beim Abstieg vom Wisenberg etwas müde wird, gibt es da noch „Bad Ramsach“, Der Jurabalkon mit Sicht in den Schwarzwald, versehen mit einem Ausflugsrestaurand, mit eigenem Wasser und auch Hotelmöglichkeit für den völlig erschöpften Wanderer. Im Keller gibt es dort auch ein Bad zum entspannen.
    Im Herbst kann es sein, dass man den „Bölcheneffekt“ miterleben kann: Im Mittelland Hochnebel, auf der Nordseite der Jura-Krete wolkenloser blauer Himmel. Man glaubt es erst, wenn man es sieht!
    Oberhalb von Läufelfingen, in der Flanke des Wisenberg gibt es noch einen Tierfreidhof. Da liegen teilweise die verbliebenen Freunde und Lieblinge von Menschen, die ihm noch blieben, nachem er von den anderen Menschen genug Enttäuschung erlebt hatte.

  • Otto Liebschitz sagt:

    Zu jedem Bünzlidorf gehören seine Einfamilienhäuser. Wir müssen uns daran gewöhnen.

  • hallo thomas

    vielen dank für den tipp.
    diese route werde ich auf jedenfall einmal angehen.

    ich wünsche allen viel spass beim wandern.

    gruss von
    raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch

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