2013 auf dem Serviertablett


Gestern hat die internationale Leitmesse der Fahrradindustrie zum 21. Mal die Tore geöffnet – die Eurobike im deutschen Friedrichshafen ist in vollem Gange und dauert noch bis Samstag. 1250 Aussteller aus 49 Nationen zeigen in 14 Hallen ihre Neuigkeiten. Als eine der wenigen internationalen Fachmessen kennt sie einen Besuchertag und ermöglicht es so den Endkonsumenten, sich zeitgleich mit dem Fachhandel über die Produkt-Neuheiten des kommenden Jahres zu informieren. Nicht nur deshalb hat sich der Ausliefer-Zeitpunkt in den letzten Jahren laufend nach vorne verschoben. Bereits ab September werden von einigen Herstellern die ersten neuen Fahrrad-Modelle an den Fachhandel ausgeliefert.

Eigentlich – würde man jedenfalls meinen – müssten sich bei mir nach über 20 Jahren Fahrradmesse-Besuchen erste «Abnützungserscheinungen» zeigen. Doch weit gefehlt! Die Eurobike ist für mich nach wie vor ein gigantisches Spielwarengeschäft in dem das einzige Problem darin zu bestehen scheint, sich entscheiden zu müssen. Früher noch war ich jederzeit über alle technischen Neuerungen auf dem Laufenden und sog wie ein Schwamm alle Informationen zu den Produkten auf. In den letzten Jahren hat sich mein Fokus jedoch stark verschoben – statt über Bikes und Teile zu lamentieren, mach ich mich lieber auf die Suche nach den schönsten Singletrails der Alpen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die heutigen Mountainbikes technisch sehr ausgereift sind und es das Risiko eines kompletten Fehlkaufs de facto kaum mehr gibt. Wenn ich mich also heute mit der technischen Seite der Mountainbikes beschäftige, dann konzentriert sich das sehr stark auf die Messezeit und die danach folgenden Produkttests für mein Magazin.

In diesem Jahr ist jedoch alles irgendwie anders. Ich habe mich besonders auf die Messe gefreut. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass im Rahmen der ganzen Debatte um Laufradgrössen einige der wichtigsten Marken komplett neue Touren- und Enduro-Mountainbikes angekündigt haben. Die Diskussionen sind – zumindest in der Schweiz – durch das olympische Mountainbikerennen zusätzlich befeuert worden. 26 Zoll, 27,5 Zoll oder doch 29 Zoll – um diese Frage drehen sich auf der Eurobike viele Diskussionen. Die meisten Hersteller bekennen sich nicht klar zu einer Laufradgrösse und haben teilweise gar alle Radmasse im Angebot. Und wenn man sich auf der Messe herumhört, liegt der Schluss nahe, dass wohl alle drei Masse da sind, um zu bleiben. Zumindest mittelfristig. Besondere Spannung verspricht der «markeninterne» Vergleich, wenn Bikemodelle mit (fast) gleicher Kinematik in zwei Laufradgrössen angeboten werden. So beispielsweise beim neuen Scott Genius oder Rocky Mountain Element, um nur zwei zu nennen.

In Friedrichshafen dreht sich allerdings nicht alles um den Raddurchmesser. Von den angekündigten 350 Weltpremieren hat insbesondere SRAMs XX1 Schaltung mein Interesse geweckt. Die Aussicht auf Simplizität und damit weniger Defektanfälligkeit (dank einem Kettenblatt vorne und Elffach-Ritzel hinten) vermag mir durchaus zu gefallen.

Viel Aufmerksamkeit ziehen nach wie vor die Elektrofahrräder auf sich, die von den befestigten Strassen längst auch auf die Trails «abgebogen» sind. Mit AEG steigt nach Bosch ein weiterer deutscher Industrie-Riese ins Geschäft ein, was für weiteren Schub in diesem Segment sorgen könnte.

Oft sind es allerdings nicht die ganz gross angekündigten Premieren, die letztendlich im Bikealltag am meisten Freude bereiten. Eine schön designte Fahrradpumpe, ein bequemer Tourenrucksack oder ein cleveres Multifunktionswerkzeug – wer mit offenen Augen durch die Messehallen schlendert, kann vieles entdecken. Das einzige Problem besteht darin, dass spätestens nach Tag drei die Aufnahmefähigkeit rapide abnimmt. Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, nicht mehr über Mountainbikes zu reden, sondern sie zu fahren. Nach einem Zwischentief sieht die Wetterprognose fürs Wochenende ja verheissungsvoll aus.

Planen Sie, die Eurobike-Messe in Friedrichshafen zu besuchen? Welche Produkt-Innovation 2013 ist Ihrer Meinung nach am vielversprechendsten? Interessieren Sie sich stark für Produktneuheiten oder nur dann, wenn eine Investition ansteht?

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23 Kommentare zu «2013 auf dem Serviertablett»

  • Paul Mircher sagt:

    Eine Neuheit, die durch ihre Einfachheit überzeugt: SRAM XX1. Falscher gehts nicht :) Die XX1 ist alles andere als „einfach“. Neuer Freilaufstandard, schmale nicht haltbare Kette, 11 Ritzel viel vergnügen im Schlamm, Superkompliziertes Schaltwerk damit man das 42er Ritzel überhaupt schalten kann… Das Ding ist für Rennfahrer und nicht für den Normalbiker. @Marcel Zufferey: Ein Kettenblatt vorne ist bei Bikes mit 160mm und mehr nach meiner Meinung nach zwingend. Zweifach oder dreifach Kettenführungen funktionieren nicht zuverlässig, Ausnahme die von Syntace, passt aber nur ans Liteville. Ich persöhnlich verzichte gerne vorne auf ein grössers Kettenblatt, solange ich mit meinem Enduro (fast) jede Steigung hinauf komme. Ich denke wenn man ein wenig trainiert ist sollte man mit vorne 30 Zähnen und hinten 11-36 auch 1000 Hm und mehr fahren können. Die XX Kurbel gibt es auch nur in 28-42 und 26-39… @cibiman: Du kommts problemlos jeden Tag rein, dein Bikehändler kann dir Tickets besorgen. Es hat an allen Tagen immer sehr viel „normales“ Publikum.

  • Mike sagt:

    Von einer vielversprechenden Wetterprognose seh ich da bei Meteo Schweiz also nicht viel, und heute hat’s mich auch ordentlich verregnet.

    Von den ganzen Neuerungen interessiert mich die Sram XX1-Schaltung eindeutig am meisten. Ob das was taugt, muss sich für mich auch erstmal noch zeigen, aber ich behalte es auf jeden Fall im Auge. Ausserdem gefallen mir die neuen Race Face-Teile, die ich bis jetzt so gesehen habe, aber das ist keine grosse Überraschung.

    Die ewigen Glaubenskriege über Radgrössen und Elektromotoren kann ich hingegen langsam nicht mehr hören…

  • Otto Liebschitz sagt:

    Mit Elektroantrieb in die Berge – pfffh! Entweder pure Muskelkraft (ist ja wohl Ehrensache) oder dann kauft ihr euch besser gleich eine rechte Enduro.

  • Ich glaube immer noch, dass Nino Schurter die Goldmedaille verpasst hat, weil ihm ca. 2 längere Gänge gefehlt haben. Weil er nur 1 Blatt vorne hat.

    • tömsi sagt:

      Der hat nicht Gold gewonnen weil er, 200 Meter vor dem Ziel dachte, ich gewinne! Das waren seine eigenen Worte. Was ist 200 Meter vor dem Ziel passiert?

  • Marcel Zufferey sagt:

    Ein Kettenblatt vorne und Elffach-Ritzel hinten? Klingt auf den ersten Blick verlockend! Aber als ausgesprochener Mountainbiker, der gerne steile Steigungen in Angriff nimmt, frage ich mich, ob der Schaltweg nicht etwas zu lang gerät bei unregelmässig verlaufenden Steigungen, bei denen häufig geschaltet werden muss. Vor allem vom kleinen zum mittleren Kettenblatt, der Kürze halber, wenn’s zwischendurch kurz obenabe gaht, habe ich gerne die Wahl. Und da zuerst drei, vier oder fünf Mal schalten zu müssen, bevor ich richtig Gas geben kann, na ja, ich weiss nicht.

  • Stefan Mühlinghaus sagt:

    Quintana Roo hat vor 20 Jahren die Triathlon-Bikes mit 650c Laufräder eingeführt.
    Aber durchgesetzt hat es sich glaub auch nicht.
    Die Begründung: Aerodynamischer, Schwerpunkt und Position des Körpers soll besser sein.

  • jegerlehner paul sagt:

    E- Bike hat doch mit Fahrradfahren nichts mehr zu tun. Durch diese E-Bike Euphorie wird das herkömmlich Fahrrad in die Ecke gedrängt. Schade.

    • Philipp Rittermann sagt:

      das glaube ich nicht, herr jegerlehner. e-bike-käufer sind eine ganz andere zielgruppe. aktive radsportler werden nach wie vor das konventionelle bike kaufen; ich finde die e-bikes eine sinnvolle ergänzung für dito zielgruppe.

      • Mit ihrem Bier-Riesen-Bauch können Sie gar kein richtiges Velo fahren. Die E-Bikes wurden für die Alkis erfunden: Damit er meint, er tue sich etwas gesundes, wenn er Velo fährt und den Kreislauf nicht belastet. Realitätsverlust des Alkis eben.

        • Philipp Rittermann sagt:

          herr moser. was zur hölle macht sie so aggressiv?? kann ich ihnen irgendwie helfen? irgendwann muss jeder mal seine vergangenheit bewältigen; auch wenn sie nicht immer einfach war.

          • Roland K. Moser sagt:

            :-)
            Ich bin nicht aggressiv. Sie nehmen es nur so wahr. Realitätsverlust eben – Vom in ihrer werten Droge Alkohol verpackt in Bier
            :-)
            Sie schreiben immer, dass Sie ein Bierfass und Antivelöler seien.

          • Beat Steiner sagt:

            Mein Gott Herr Moser und ob Sie Agressiv sind! Realitätsverlust zeigen Sie und nicht Herr Rittermann. Es gibt noch Menschen die sich einfach gerne in der Natur bewegen und nicht die gefahrenen Kilometer als Mass für erreichtes ansehen. Es ist nur ein Armutszeichen Ihrerseits gleich von Alkoholiker zu schreiben. Ich würde mich schämen sowas zu schreiben!

    • Andreas Durrer sagt:

      Für mich machen E-Bikes in erster Linie vorallem für den Arbeitsweg Sinn. Da man einerseits schneller und anderseits weniger verschwitzt ans Ziel kommt, insbesondere in hügligen Gegenden. Daher sehe ich keinen Grund zur Sorge, dass das klassische Bike abgelöst werden sollte. Im Gegenteil kommen sicher viele Menschen per Ebike wieder auf den Geschmack in der Freizeit mehr Fahrrad zu fahren und das Auto auch mal stehen zu lassen.

      Aktuell heute auf 3SAT vernommen: Unter 5 km Arbeitsweg ist das Fahrrad unbestritten das effizienteste Nahverkehrsmittel überhaupt. Jetzt müssten die Verkehrsplaner nur noch clevere Wege finden für den einfachen Transport per ÖV für weite Strecken und die Autos können zu Hause bleiben:-)

      • wolfgang redak sagt:

        @Moser: Seit Rittermann nicht mehr trollt, sind seine Beiträge zwar nicht mehr so lustig, aber deutlich besser und zum Thema passend geworden. Also dürfen Sie sich auch die (angriffigen) Alkohol-Verweise sparen. Danke.

        Zum Thema: e-Velos können für einige Leute sicher Sinn machen, oder auch etwas eher zu Sport animieren. Und auch ein Gesundheitlicher Nutzen ist sicher vorhanden.
        Aber der Trend hin zu e-Fullys finde ich einen ziemlichen Quatsch..

  • cibiman sagt:

    Eine Messe wo nur ein Tag für das Publikum ist, will vermutlich auch keine „normale“ Besucher…

  • commes_tu_veux sagt:

    Die 27.5″ und 29″ sind nicht, wie immer behauptet wird eine Ablöse für 26″ sondern eine Erweiterung des Segments. Kein Grund zur Sorge also!

    • Carl Over sagt:

      So ist est. Für grössere Fahrer (ab 190cm) kann es durchaus empfehlenswert sein, zumindest ein 29″ mal zu testen. Die Fahreigenschaften unterscheiden sich doch relativ stark. Ein 29″ den Berg hinaufzutreten ist herrlich ;o)

      • Sam Burkhalter sagt:

        Man hört für Enduros sollte man bei den 26″ bleiben (grössere Wendigkeit etc), aber gerade grossen Menschen > 190 cm wird ein Umstieg auf 29″ empfohlen… Da kommt man um einen Test wohl nicht rum, wenn beide Kriterien auf einem zutreffen. Oder gibt es da schon Erfahrungen?

        • Carl Over sagt:

          Das stimmt, ein 26″ wird immer wendiger bleiben. Für einen Umstieg auf ein 29″ ist aber nicht nur die Grösse entscheidend, sondern auch das Gewicht. Die Verlagerung des Schwerpunkts bei grösseren Laufrädernn hat den Vorteil, dass sich das Bike ruhiger und damit stabiler fährt.

          Extrem technische Trails sind wohl immer noch einfacher mit einem 26″ zu fahren. Es wird sich aber auch zeigen, welche Räder die Elite in Zukunft fährt. Ich selber fahre keine Rennen, gehe deshalb nicht ans Limit und kann die Unterschiede nicht so genau herausfiltern, wie ein Experte. Ich schätze schlicht die einfachere Handhabung eines 29″ (bei meinen 1.93 und 80kg) und nehme dafür das etwas schwerere Gewicht des Bikes in Kauf. Ich werde mir aber auf jeden Fall mal ein 650er anschauen, resp. testen.

          • Hans Meier sagt:

            Ich habe seit einem Monat ein 29er Fully/Marathon, es fährt sich nach meinem Dafürhalten in fast allen Situation besser als mein 26er (Hardtail) mit Ausnahme der Wendigkeit. Den Kauf bereue ich auf jeden Fall nicht, würde mich wieder so entscheiden.

        • Adam Gretener sagt:

          Ja, ich habe solche Erfahrungen gemacht. Das Velo läuft sehr viel ruhiger und entspannter, die Rolleigenschaften sind souveräner. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass einfach ein gewisser Radstand nicht unterschritten werden sollte, weil man dann quasi die Vorteile wieder teilweise aufhebt. Just my 2 pences. Kann das jemand widerlegen oder bestätigen?

    • wieso sorgen? solange sie mit ihrem bike zufrieden sind, kann es ihnen doch egal sein was andere fahren oder kaufen.

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