Zigerbrötli zum Zmittag

Diese Woche via Oberblegisee nach Braunwald


Die Frage, die unseren Tag lange belastete, hiess: Kommt das Gewitter oder kommt es nicht? Unwetter waren angesagt. Doch als wir in Schwändi aus dem Bus kletterten, der uns vom Bahnhof Schwanden in die Höhe getragen hatte, war der Himmel nicht schwarz. Nein, grau war er. Verhangen. Morgendunst waberte. In den Tagen zuvor hatte es viel geregnet.

Auf einem sanft steigenden Fahrsträsschen gelangten wir mühelos nach Leuggelen. Bei dem Geländepunkt hoch über dem Tal der Linth sichteten wir eine Wirtschaft. Wir kehrten ein und beobachteten fasziniert das Geschehen. Die Glarner trinken schon vormittags Alkohol: Bier und Kafi Schnaps.

Wir zogen weiter, immer noch auf dem Strässchen, bis zum Abzweiger in Richtung Oberblegisee. Der folgende Aufstieg hatte es in sich: Absonderlich steil war der Hang, wir gingen die meiste Zeit im feuchten Wald, die Tritte waren glitschig, viel Fallholz lag am Boden und moderte im Moos. Bei Unter Stafel dann eine freudige Überraschung, als wir ins offene Gelände traten: die Sonne!

Werden und Vergehen

Der Rest des Weges hinauf zum See war leichter und vollzog sich auf einem breiten Fahrweg. Schliesslich der See: Als ich ihn sah, fiel die Strapaze von mir ab, ich landete in der reinen Gegenwart, in einem Zustand der glückseligen Schau. Dies ist ein selten herrliches Gewässer. Hinter dem Oberblegisee heben sich senkrechte Bergmauern, die Wand des Glärnischmassivs ist 1500 Meter hoch. Im Wasser tummelten sich Schwärme von Kaulquappen, manche von ihnen wagten sich weit ins Seichte, weil es dort am wärmsten ist. Sanfter Wellenschlag beförderte immer wieder Kaulquappen ins Trockene; dort verendeten sie, der Sand war übersät von Leichen. Hund Emil beschnupperte sie alle, er und ich waren gleichermassen gefesselt vom Werden und Vergehen des Lebens.

Wir rasteten lange, man will diesen See im Grunde nie mehr verlassen. Dann taten wir es doch, weil der Himmel sich zu verdüstern begann. Kurz darauf kehrten wir bei Bösbächi in der Bächi-Alpbeiz ein. Catherine bestellte Zigerbrütli, Brötchen, die mit grünem, streng riechenden Ziger oder Zigerpulver bestreut waren. Man muss den Geruch mögen, sonst hasst man ihn – Ziger ist Polarisierungsware. Schön die Dekoration des Tellers mit Birnenschnitzen und Dörrfrüchten.

Knüppelwege und Holzstege

Nach der Einkehr ein kurzer Abstieg ins Loch der Bächialp, dann wieder hinauf, nun waren wir eingespurt für die Schlussstrecke nach Braunwald. Herrlich die Aussicht jetzt und im folgenden auf die Gipfel rundum: Man sieht je nach Standort und Blickwinkel den Tödi, den Kärpf, den Ortstock sowie weitere Berge mit dem Potenzial zur grossen Show. Wir verweilten freilich nicht mehr, denn es begann zu tröpfeln, derweil wir eine sumpfige Buschwald-Passage auf Knüppelwegen und Holzstegen überwanden.

Vor Braunwald brach die Sonne wieder hervor. Wir legten die Regenjacken und Pelerinen ab. Im autofreien Hangdorf machten wir den Umweg zum «Tödiblick», assen auf der Terrasse gut und genüsslich, machten uns endlich auf zur Standseilbahn, die uns hinab zur Eisenbahn trug. Das Gewitter war ausgeblieben und kam glücklicherweise erst in der Nacht. 

Route: Schwändi (Bus ab Bahnhof Schwanden) – Leuggelen – Unter Stafel – Oberblegisee – Bösbächi – Mittler Stafel – Rubschen – Braunwald.

Gehzeit: 4 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 920 Meter auf-, 380 abwärts.

Wanderkarten: 236 T «Lachen» und 246 T «Klausenpass», 1: 50 000.

Charakter: Einlaufen und Auslaufen auf Hartbelag. Der Rest Naturwege. Zum Teil steil, anstrengend. Viel Aussicht.

Höhepunkte: Der Oberblegisee. Tipp: Wer früh geht, hat ihn für sich; ab Mittag kommen von Braunwald her die Picknicker. Die Bächialp-Beiz, der Blick von ihrer Terrasse, die Zigerbrütli (für Zigermöger).

Hund: Gut machbar.

Einkehr: Die Wirtschaft von Leuggelen, www.leuggelen.ch. Und die Bächialp-Beiz, www.braunwald.ch (weiter zu „Gastronomie“). Beide sind momentan durchgehend offen.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

3 Kommentare zu «Zigerbrötli zum Zmittag»

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