Rotviolett kolorierte Bergwelt

Diese Woche in der Flumserberg-Gegend (SG)


Street-Parade in Zürich, wir fliehen frühmorgens, fahren an den Walensee. In Unterterzen nehmen wir die Gondel zur Tannenbodenalp, steigen um auf die nächste Gondel zum Maschgenkamm. Das Schnöden über die hässlichen Masten und plattgewalzten Skihänge verkneifen wir uns. Hey, unsere Tageswanderung wäre ohne die Bahnen, die uns in einer halben Stunde 1500 Meter höher transportieren, nicht möglich!

Im Gipfelrestaurant trinken wir etwas. Die Chillout-Liegestühle sind ausgeklappt, doch noch fehlt die Sonne: grauer Himmel, Nebelfetzen. Der abgebrochene schwarze Zahn des Spitzmeilen, Wahrzeichen dieser Wanderung, ist noch nicht zu sehen. Aber die Bergkette im Norden, die ich bei jeder Gelegenheit die schönste der Schweiz zu nennen pflege, bietet sich schon dar: die Churfirsten, dieser Riegel zum Walensee mit den unheimlich dekorativen Horizontalbändern.

Rast in der Spitzmeilenhütte

Wir ziehen los zur Zigerfurgglen; es gibt mehrere Wegvarianten, die eine ist rollstuhlgängig. Somit sind wir eingelaufen. Der weite Weg via Calans zur Spitzmeilenhütte, der einigermassen der Höhenlinie folgend hoch am Rand des Kessels von Fursch verläuft, ist hernach klassisches Alpwandern. Der Boden ist weich und streckenweise sumpfig, dann wieder felsig und geröllig.

Die Spitzmeilenhütte, eine Holzschachtel, 2007 neu gebaut, aber bereits etwas abgewittert, liegt in einer Traumlandschaft. Der Fels der Gegend ist violettrot und koloriert die Bäche und Moorseelein nach seinem Ebenbild; das wirkt, als hätte einer Farbe ins Wasser geschüttet. Wir setzen uns, sind vollends glücklich, als das «Spitzmeilenplättli» kommt: Zwei Sorten Speck, Rauchwurst, Alpkäse, Geisskäse, selbstgebackenes Brot. Alles ist frisch und hat Geschmack.

Anstrengender Abstieg nach Flums

1600 Höhenmeter wird es im folgenden bis Flums praktisch nur abwärts gehen. Für die Gelenkstrapaze werden wir entschädigt: Das Schilstal ist eine Welt für sich, die mit dem benachbarten Skigebiet nichts zu tun hat. Ein Reich der Sennen und Älpler. Ein Pflanzenparadies. Bisweilen geht es in ihm aber auch höllisch zu: 2010 raffte der wilde Schils Brücken und Strassenabschnitte hinweg, schnitt Alpen vom Unterland ab. Die Armee musste mit Helikoptern die Versorgung sicherstellen.

Der Abstieg vollzieht sich so: Von der Hütte ein wenig retour und durch einen Felskorridor in rot über hohe Stufen hinab zum Lauiboden. Und nun Terrasse um Terrasse tiefer. Nach dem Stausee bei der Bruggwiti bleiben wir auf dem Strässchen, blicken zurück: Der Spitzmeilen zackt am Horizont. Nur konsequent, dass die Wirtschaft, in der wir ein Bier nehmen, sich Spitzmeilenblick nennt. Hernach noch einmal etwas Asphalt, dann ein Wanderabzweiger nach rechts, und abwärts, abwärts, abwärts auf einem Naturpfad.

Durch Flums, dessen lateinische Namenswurzel («Flumen», Fluss) von der einstigen Gegenwart der Rätoromanen am Walensee zeugt, halten wir zum Bahnhof. Wir nehmen den Zug, steigen in Ziegelbrücke um, sind bald wieder in Zürich. Alles voller Street-Paradeler. Einige sind total hinüber vom Alkohol, später in meinem Bus koksen vier Junge und ich denke, dass ich froh um den Rausch bin, den mir das Wandern verschafft.

Route: Maschgenkamm (Gondelbahnen ab Unterterzen SBB mit Umsteigen auf der Tannenbodenalp) – Zigerfurgglen – Calans – Abzweiger Punkt 2069 – Spitzmeilenhütte – Lauiboden – Bruggwiti – Flums – Flums Bahnhof.

Gehzeit: 6 Stunden.

Höhendifferenz: 240 Meter auf-, 1820 abwärts.

Wanderkarte: 237 T «Walenstadt», 1:50’000.

Kürzer: Vom Maschgenkamm zur Spitzmeilenhütte wie beschrieben. Retour zum Abzweiger am Punkt 2069 und via First und Fursch wieder zum Maschgenkamm. 3 3/4 Stunden. Je 500 Meter auf- und abwärts.

Charakter: Zuerst müheloses Horizontalwandern. Tolles Panorama. Nach der Spitzhütte dann das einsame Schilstal mit einem endlosen, sehr anstrengenden Abstieg.

Höhepunkte: Der Rundblick vom Maschgenkamm. Die roten Pfade im grünen Gras und die roten Seelein rund um die Spitzmeilenhütte. Das idyllische Schilstal.

Hund: Machbar, aber sehr anstrengend.

Einkehr: Maschgenkamm, www.maschgenkamm.ch. Spitzmeilenhütte, www.spitzmeilenhuette.ch. Restaurant Spitzmeilenblick, Do ganz, Fr bis 16 Uhr geschlossen.

Wanderblog: widmerwandertweiter.blogspot.com

7 Kommentare zu «Rotviolett kolorierte Bergwelt»

  • Ditmar Friedli sagt:

    Ich habe die Wanderung gestern gemacht. In der Tat ist der Abstieg etwas lang und geht auch ziemlich in die Knie. Statt auf dem flachen Weg vom Maschgenkamm zur Spitzmeilenhütte zu wandern, empfehle ich indessen den etwas längeren, aber deutlich spannenderen Weg über den Leist und den Gulmen mit wunderschönen Ausblicken ins Murgtal, zu den Murgseen und ins Glarnerland. Das verlängert die Wanderung wohl um etwa 1 Stunde, verleiht ihr aber zusätzliche Würze.

  • hallo thomas

    danke für den interessanten wandertipp.
    werde diese tour bestimmt mal unternehmen.

    gute touren.

    gruss von
    raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch

  • Der Abstieg lohnt sich wirklich!

  • Philipp Rittermann sagt:

    musste doch tatsächlich den spitzmeilen googeln, ich armseliger eidgenosse, ich! coole aussicht von der spitzmeilenhütte aus!
    im übrigen ist langes abwärts-marschieren in der tat ermüdend und geht ziemlich in die knie.

  • Philipp Rittermann sagt:

    Frau: machbar, aber sehr anstrengend. :)

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