Mario Botta und der Eber Anton

Diese Woche über die Rigi (LU/SZ)

Letzten Herbst stieg ich von Weggis nach Rigi-Kaltbad auf und stieg wieder ab zur Seebodenalp. Wenn ich die Route hier und jetzt propagiere, dann, weil seit Anfang Woche das Thermalbad von Mario Botta auf Kaltbad offen hat. Ist doch die ideale Kombination: streng wandern. Viel sehen. Die Muskeln im warmen Wasser lockern – und später den Neugierigen zuhause erzählen, wie der sich der Neubau anfühlt.

Sträflinge am Werk

Zu meinem Startort Weggis nahm ich das Schiff. Dabei fiel mir das Lied ein, das wir in der Schule sangen: «Vo Luzern gägä Wäggis zue. Jololodioh, Jololodieh. Bruucht me weder Strümpf na Schueh. Jolololdieh ai-oh.» Es stimmt: Man kann barfuss aufs Schiff. Das einzige, was man für die Passage über den Vierwaldstättersee benötigt, ist ein gültiger Fahrausweis.

In Weggis stieg ich aus, mit mir viele Inder. Sie blieben fotografierend und filmend am Quai zurück, während ich zur Kaltbad-Seilbahn über dem Dorf hielt. Dort fand ich Wegweiser, schwenkte am Hang nach rechts, der eigentliche Aufstieg begann. Via Bodenberg und Säntiberg kam ich zu einer Art Gassenweg durch die Wiesen, erkennbar ein historischer Pfad. Im Wald verlor ich die Prachtskulisse mit Bergen wie Stanser- und Buochserhorn aus den Augen. Dafür wurde mir die Kapelle «Heilig Kreuz» geschenkt, ein Kirchlein im Steilwald. Hernach geriet ich in ein Reich der Nagelfluh-Wasserfälle. Das Wegstück heisst Sprenggi. Es wurde in den Fels gesprengt, von Sträflingen offenbar.

Gesättigt und gemästet

Auf der Stöckalp lag eine Sau und grunzte wohlig. Am Zaun ein Schild: Der Eber Anton sei lieb, doch grad streicheln müsse man ihn nicht wollen. Ich ging weiter, vorbei an dem Alphäuschen, von dem ich später erfuhr, dass in ihm die Franziskanerschwester Theresia wohnt, die auch ein Altersheim für ausrangierte Hennen betreibt. Ihr Gelände gehört zur Stiftung Felsentor. Deren Haupthaus, einst Hotel, heute spirituelles Bildungszentrum, erreichte ich fünf Minuten später. Zwei haushohe Felspfeiler, gedeckt von einem Flachstein, machen als monumentale Pforte den Ort zur Klause. Von der Aussichtsplattform blickte ich hinab auf den Vierwaldstättersee.

Bei Romiti erreichte ich das Trassee der Zahnradbahn. Parallel, aber in gutem Abstand wanderte ich hinauf nach Kaltbad, einem Unruhe-Areal mit Baukränen, tiefen Gruben, Absperrzäunen – aber das dürfte jetzt ja grossteils vorbei sein, das Thermalbad ist gebaut. Im «Alpina» ass ich gut, wenn auch mastig. Und weil ich nun Lust auf ein sportives Supplement verspürte, wanderte ich weiter. Ich kam zum Kalten Bad. Man verpasse nicht den Abzweiger; hinter einem Felsschlitz warten eine Kapelle und die Quelle, die dem ganzen Höhendorf den Namen gab. Schon im 16. Jahrhundert kamen die Leute, badeten im Wasser, das als heilsam galt, flehten zur Muttergottes um Beistand.

Beim Chänzeli musste ich noch einmal innehalten und, ja, gaffen: die Tief- und Weitsicht war auch hier formidabel! Hernach stieg ich auf gutem Weg durch die Nagelfluh ab zur Räbalp, zur Altruodisegg und Seebodenalp. Der Boden unter der Rigi frappierte mich: diese wie von Planierraupen gewalzte Flachheit! Gesättigt von den Naturspektakeln des Tages, nahm ich die Seilbahn hinab nach Küssnacht.

Route: Weggis Schifflände – Weggis Seilbahn (Kaltbad-Bahn) – Bodenberg – Säntiberg – Kapelle Heilig Kreuz – Sprenggi – Felsentor – Romiti (Bahnstation) – Kaltbad – Chänzeli – Räbalp – Altruodisegg – Seebodenalp (Seilbahn nach Küssnacht am Rigi).

Gehzeit: 4 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 1050 Meter aufwärts, 480 abwärts.

Charakter: Anstrengend am Anfang, mit steilen Partien. Promenade ums Kaltbad im Mittelteil. Dann gemässigt ruppiger Abstieg zur Seebodenalp.

Höhepunkte: Nagelfluhzauber um die Waldkapelle Heilig Kreuz. Das Felsentor, einer der schönsten Orte der Schweiz. Das Kalte Bad auf Kaltbad in seinem Felsschlitz. Der Blick vom Chänzeli.

Hund: Machbar, aber anstrengend.

Einkehr: Gartenkiosk beim Felsentor. Mehrere Möglichkeiten auf Kaltbad, u.a. das Alpina, www.alpina-rigi.ch. Räbalp, www.raebalp.ch. Ruodisegg, www.ruodisegg.ch/joomla

Buch: Adi Kälin, «Rigi. Mehr als ein Berg.» Hier + Jetzt, 73 Franken, mit vielen Bildern.

Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com

5 Kommentare zu «Mario Botta und der Eber Anton»

  • Thomas sagt:

    Wer eine halbe Stunde mehr Zeit hat, wandert vom Chänzeli via Rigi-Staffelhöhe nach Rigi-Staffel und geniesst den schönen Ausblick übers Mittelland. Bei der Haltestelle Rigi Staffel führt links ein schöner Wanderweg via Skihütte Holderen hinunter auf die Seebodenalp und zwar direkt zur Bergstation der Seilbahn nach Küssnacht. Circa in der Hälfte des Abstiegs befindet sich eine der über die ganze Rigi verstreuten Rasthütten mit Feuerstelle, Brennholz und fantastischer Aussicht.

    Nach Küssnacht kann man auch gut laufen (ca. 45 Min.). Der Wanderweg beginnt an der Strasse unter der Seilbahn. Kurz vor Küssnacht führt er am Restaurant Alpenhof, einem beliebten Ausflugsziel mit Kletterpark und vielen Attraktionen für Kinder vorbei.

    Alternativ steigt man von der Seebodenalp (beim gleichnamigen Hotel an den Häusern vorbei) nach Immensee ab. Vorteil man kommt praktisch direkt zum Bahnhof, während man in Küssnach noch ca. 1.5 km quer durch das Dorf laufen oder den Bus erwischen muss.

  • Otto Liebschitz sagt:

    Warum hochwandern, wenn sogar mehrere Bahnen hochfahren? Wäre mir zu frustrierend.

  • SomeintPhia sagt:

    .. „der Pilates erscheint“ .. ;-) .. oder umgekehrt „ich hab mich im Pilatus erholt“

  • pater zuellig sagt:

    Mir neu dass Pilates ein Berg ist.

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