Wandli, Richtershüttli, Mördergruebi

Diese Woche auf den Roggenstock im Hoch-Ybrig-Gebiet (SZ)


Die Hoch-Ybrig-Gegend bietet auf konzentriertem Raum Bergdramatik. Den Grossen Mythen, ein weitherum sichtbares Matterhorn light, kennt jeder. Der isolierte Zahn des Gross Schijen hingegen bleibt ein Geheimtipp für Augenschwelger. Zusätzlich begeistert auf unserer Wanderung zum Roggenstock im Zentrum des Ybrig-Kessels die Pflanzenwelt: sumpfige Wiesen, Alpenblumen, Knorzbäumchen, die sich hysterisch im Fels festkrallen. Last not but least gilt der Roggenstock als Freilichtmuseum der Gesteinsarten.

Wir nehmen den Bus von Einsiedeln zur Talstation Oberiberg-Laucheren. Ab morgen Samstag fährt an Wochenenden bei gutem Wetter die Sesselbahn bergwärts, mit ihr könnten wir im Folgenden eine knappe Stunde Gehzeit sparen. Garantiert schöner ist meine Variante: zuerst hinauf zum Buoffengaden mit Rückblick auf Oberiberg. Und hier, wo sich die Wege teilen, nicht direkt zur Bergstation der Bahn auf dem Steinboden, sondern in weitem Bogen via Wandli, Richtershüttli, Mördergruebi. Keine Angst, man wird die bedrohlichen Namen überleben! Die Schleife bringt Sicht, schafft Abstand zu den Bahnmasten und bietet eine abenteuerliche, dabei sichere Passage unter bröckelnden Felspfeilern.

Die Legföhren bannen den Schwindel

Schliesslich sind wir beim Steinboden und halten hinüber zur Fuederegg, wo wir erschaudern angesichts der Ferienwohnungen und –häuser; hier stehen Blockbauten wie in der städtischen Agglo. Wenigstens bleiben wir um diese Jahreszeit vom Eventrummel verschont. Die Ybrig-Touristiker forcieren Nervenkitzel-Angebote wie den Sternensauser, auch „Flying Fox“ genannt, jene laut Werbung längste Seilrutsche der Welt, an der man hängend mit bis zu 120 Stundenkilometern zu Tale rast. Derzeit fahren die Bahnen des Gebiets aber noch nicht, die das Publikzum zum Funspot transportieren. Saisonstart ist, mit Ausnahme der erwähnten Sesselbahn, erst Ende Monat.

Nun nähern wir uns unserem Ziel, dem Roggenstock. Schnell wird alles wieder würdevoll. Bei der Alp Ober Roggen haben wir den Grat vor uns, erreichen auf ihm einen Einschnitt; steil keuchen wir alsbald dem höchsten Punkt entgegen, wobei die Legföhren Halt bieten und Schwindel bannen. Oben ist die Sicht derart generös, dass man den Rest der Kolumne mit Bergnamen füllen könnte. Besonders gefällt der nahe Druesberg, dessen Horizontalbänder bei Föhn von der Zürcher Quaibrücke gut erkennbar sind.

An der Lourdesgrotte innehalten und Kraft schöpfen

Unter dem Roggenstock liegt Oberiberg. Zurück zum Einschnitt, den steilen Wiesenweg hinab, auf einem Strässchen weitergetippelt – schon sind wir im Dorf. Empfehlenswert ist der „Hischen“ bei der Kirche: die Wirtsleute sind nett, das Essen sehr gut. Unsere Wanderung braucht aber nicht im Kalorienexzess zu enden. Nach dem Essen kann man so weiterwandern: Vom „Hirschen“ führt ein Bauernsträsschen zum Guggerenchopf. In der östlichen Waldflanke verbirgt sich an der Felskante eine Lourdesgrotte. Vor dem groben Abstieg auf einem Zickzwackweg den Wald hinab nach Unteriberg zur Haltstelle „Post“ lohnt es sich innezuhalten und Kraft zu schöpfen.

Route: Laucheren, Talstation (Bus) – Buoffengaden, Abzweiger – Wandli – Richtershüttli – Mördergruebi – Steinboden (Sesselbahn-Bergstation) – Fuederegg – Ober Roggen – Roggenstock-Grat – Roggenstock – retour zum Abzweiger auf dem Grat – Oberiberg, Kirche – Lourdesgrotte – Unteriberg, Post (Bus).

Gehzeit: 5 1/2 Stunden.

Höhendifferenz: 880 Meter auf-, 1140 Meter abwärts.

Charakter: Anstrengend. Trittsicherheit vonnöten auf dem Roggenstockgrat, der aber nicht wirklich ausgesetzt ist. Aussichtsreich. Besonders schöne Vegetation und Geologie.

Höhepunkte: Die Felspfeiler zwischen Wandli und Steinboden. Die Zacken Gross Schijen und Grosser Mythen. Der Rundblick vom Roggenstock. Die Abgeschiedenheit der Lourdesgrotte direkt an der Felswand.

Kurzvariante: Mit dem Sessellift Laucheren zum Steinboden. Via Fuederegg zur Roggenegg (also nicht auf den Roggenstock, sondern an dessen Ostflanke entlang) und via Tubenmoos nach Oberiberg. 2 ½ Stunden, 140 m auf-, 540 abwärts.

Spaziergang: Oberiberg Post – Kirche – Lourdesgrotte und retour. 1 1/4 Stunde.

Hund: Abrupte Partien, bedingt tauglich.

Einkehr: Sehr empfehlenswert ist der Hirschen Oberiberg. www.gasthaushirschen.ch.
Mi, Do geschlossen.

Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com

5 Kommentare zu «Wandli, Richtershüttli, Mördergruebi»

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