Eiger-Nordwand bald für jedes Kind kletterbar?

Die Erschliessung der Bergwelt für den Tourismus ist umstritten: Ein Mädchen mit ihrer Mutter auf einem Klettersteig in Nax (Wallis). (Bild: Keystone)

Was ist echter Alpinismus? Wollen wir die Berge als Ort der Freiheit bewahren, oder sie weiterhin für Tourismus und Sport ausbeuten? Wie kann man den alpinen Raum retten und wer hat die Verantwortung? Diese und weitere Fragen wurden kürzlich an der Bergsteiger-Begegnung «Quo CLIMBis?» diskutiert – eine Veranstaltung, die das Messner Mountain Museum, der International Mountain Summit und das TrentoFilmfestival gemeinsam auf Schloss Sigmundskron bei Bozen organisiert haben.

Hausherr und Gastgeber Reinhold Messner leitete die Diskussionsrunde und vertrat auch die prägnanteste Meinung. Es ging ihm weniger um alpine Techniken, oder den egoistischen Willen der Bergsteigerelite. Sondern um die Erschliessung der Bergwelt für den Tourismus. Ein allgegenwärtiger Wettlauf, der Umweltverschmutzung und die Zerstörung der Wildnis zur Folge hat – und gestoppt werden müsse. Der Berg sei seit jeher ein Raum für Abenteuer, Risiko und ermögliche den Versuch, das Unmöglichen zu schaffen. Das Gebirge erlaube uns, «sich mit sich selber und den eigenen Grenzen auseinanderzusetzen und einmalige Erfahrungen zu sammeln». Aber für wie lange bleibt das noch möglich?

Den Tourismus vom Alpinismus trennen

Messner warnt vor den Folgen, wenn dem Ausbau der Infrastrukturen am Berg keine Grenzen gesetzt werden, wenn die Wildnis für jeden immer einfacher zu erreichen ist. «Wir müssen den Tourismus, den wir alle brauchen, vom Alpinismus trennen. Der Alpinismus beginnt da, wo der Tourismus aufhört.»

Ein Beispiel sei der Mount Everest, «der bereits als Opfer des Tourismus betrachtet werden kann.» Wenn dort jedes Jahr Hunderte über vorgespurte Pisten und mit Hilfe von Fixseilen, Sauerstofflaschen und Trägern auf den Gipfel steigen, frage er sich: Wo beginnt denn der Alpinismus, wenn wir schon mit dem Tourismus auf dem Gipfel des Everest angekommen sind? Es werde langfristig zu irreparablen Schäden im hochalpinen Raum kommen.

Bald ein Klettersteig in der Eiger-Nordwand?

Eine bedenkliche Entwicklung sieht Reinhold Messner aber nicht nur im Himalaja, sondern auch in den Alpen: «Nach meiner Meinung haben die Alpenvereine, etwa der Schweizer Alpen-Club, die Verpflichtung, die alpinistische Kultur weiter zu tradieren, also zwischen Kletterhalle und Wildnis aufzuklären! Das tun sie nicht. Gerade die Schweizer sind Weltmeister darin, Berge in Kletterhallen zu verwandeln, überall werden neue Routen in den Fels eingebohrt. Ich schliesse nicht aus, dass irgendwann einmal in der Eigernordwand ein Klettersteig gebaut wird.» (Anmerkung: Das sagte er in einem Interview, das ich zu einem früheren Zeitpunkt mit ihm führen konnte.)

Klettersteig Eiger-Rotstock

Einen Klettersteig am Eiger-Rotstock, «mit Nordwand-Ambience», gibt es bereits. (Foto: Myswitzerland.com)

Nur wenn die Berge wild und gefährlich bleiben, hätten sie einen Wert für den Menschen. Nur so würden sie uns Erfahrungsmöglichkeiten bieten. Nur so könne der Alpinismus in alle Zukunft gerettet werden. «Wenn da niemand eingreift, sehe ich schwarz», so Messner. «Die alpinen Vereine werden das nicht tun, denn die haben ein touristisches Interesse, die Hütten zu füllen und am Laufen zu halten, sie werden alles tun, um ihre Mitgliederzahlen zu erhöhen.»

Dem Alpinismus langfristig eine Zukunft geben

Nicht alle Berge müssten zu Attrappen gemacht werden, «wo jeder sein Spielchen spielen kann». Das klassische Bergsteigen habe zu tun mit Eigenverantwortung und mit Erfahrung. Und die Erfahrung sei nur machbar, weil wir Menschen im Grunde gar nicht gemacht seien, um in die Wildnis zu gehen, und wir sehr viel über uns lernen, indem wir uns langsam in die Gefahrenräume hineintasten. Als Bergsteiger, Kletterer, Wanderer.

Wenn es nur noch «Pisten» und abgesicherte Felswände gebe, werde es in hundert Jahren keine Erfahrungen mehr geben, nur noch den Bergsport. Doch echter Alpinismus sei weit mehr als nur Sport: Er umfasse Abenteuer, Exposition, Kultur, Abgrund. «Bergsteigen heisst, sich infrage zu stellen.»

Bleibe die Wildnis wild, entscheide die Natur, wer sich am Berg bewegen kann, wer zur Elite gehört. «Die Angst wird die anderen vertreiben. Nur so kann die Zukunft des Alpinismus und der Berge garantiert werden. Der Berg muss wild bleiben.»

Ihre Meinung interessiert uns.

38 Kommentare zu «Eiger-Nordwand bald für jedes Kind kletterbar?»

  • kurt sagt:

    Ein Mädchen und ihre Mutter? Wessen Mutter? Dem Mädchen ihre?
    Kurt

  • ln sagt:

    Reinhold Messner hat 2 seiner Brüder verloren in den Bergen. Einen beim Abstieg vom Nanga Parbat, den andern in den Dolomiten durch Blitzschlag als er als Bergführer unterwegs war mit einer Person.

  • Joachim Adamek sagt:

    Im Guardian erschien am gleichen Tag wie dieser Blog ein interessanter Artikel mit eindrucksvollen Fotos von Ralf Dujmovits über
    seine jüngsten Erlebnisse am Everest (Crowding by ‚hobby climbers‘ is path to tragedy). Ich denke, die Fotos zeigen, wovor Messner zurecht warnt: Dass es gefährlich wird, wenn der Alpinismus zum Breitensport wird.

  • Ruth Strässler sagt:

    Wenn ich das Titelbild der Mutter mit dem Kind anschaue, stelle ich mir die Frage ob sich Mama und Tochter wirklich bewusst sind auf was sie sich einlassen. Ein Klettersteig lässt sich einfach nicht so gut begehen mit Schuhen auf denen man in Zürich aufs Tram geht. Die kleine trägt keine Handschuhe und wenn sie sich am Stahlseil verletzt kann sich bei Kindern daraus ein Drama ergeben dass sie nicht mehr weiter will. Als Mutter von zwei Kindern die regelmässig klettern, besuchen wir Klettersteige prinzipiell nur mit J+S Leitern oder mit einem Bergführer.Zudem beteiligen wir uns als Familie immer wieder an Sicherheitstrainings und Weiterbildungsanlässen rund ums Klettern. Ich werde immer wieder wütend wenn ich sehe wie selbstsicher Familien in die Berge gehen mit wenig Fachkenntnissen und alles wollen und dabei ihre Kinder und sich selber überfordern. Mehr Erschliessungen ergeben auch mehr Risiken.

  • ln sagt:

    Auch in einem Modegebiet kann man für sich selbst tolle Erlebnisse haben. Ich hatte dies zum Beispiel im wunderschönen Göschenertal als ich vor ca. 25 Jahren den Hoschschijen-Südgrat (leichte Plaisirkletterei) im Alleingang seilfrei kletterte. Ich hatte nach der Durchsteigung ein unbeschreibliches, wunderbares Gefühl. Vorausgegangen waren intensives Trainings im Granit an unbekannten Blöcken und Routen im Göschenertal. Zuerst wollte ich damals eigentlich den Bergseeschijen-Südgrat im Alleingang machen. Als ich mich noch unterhalb des Einstiegs befand rief mir eine Frauenstimme zu (ich sah von dort die Seilschaft nicht) ich solle die Rega alarmieren, da ihr Kollege bei einem Sturz den Fuss verletzt habe. Damals gab es noch keine Handys. Ich rannte hinunter in Rufnähe zur Bergseehütte und rief, dass man die Rega kommen lassen solle. Dann stieg ich wieder auf zum Hochschijen.

  • ln sagt:

    Auch auf einem Klettersteig braucht es immer grosse Wachsamkeit. Eine kleine Unaufmerksamkeit hat dem bekannten Rotpunktbegründer Kurt Albert das Leben gekostet.

  • ln sagt:

    Ich mache mir über dieses Thema eigentlich keine grossen Sorgen mehr, weil die Natur immer stärker sein wird als der Mensch.

  • hallo mitenand

    ich stimme rheinhold messner in sämtlichen punkt zu. die erschliessung und markierung der alpen geht zu weit… z.B. es braucht
    doch nicht alle 20-40m einen farbstrich auf dem felsen…
     
    ich danke frau natascha knecht, das Sie dieses thema aufgegriffen hat.
     
    bereits im februar 2000 griff ich mit einem leserbrief dieses wichtige thema mit
    einem leserbrief auf… im wallis wurde dieser leserbrief nicht mit wohlwohlen
    aufgenommen… es gibt halt leute, welche die wahrheit nicht verkraften…
     
    mein damaliger leserbrief:
    ALPEN – „URLANDSCHAFT“
     
    als kind (1970 – 1980 ) bin ich auf die heimatlichen berge gestiegen, und sie erschienen mir wild, unerschlossen, unbegreiflich gross. mit zunehmenden alter bin ich weiter in den alpen herumgekommen… wir benutzen hütten, markierungen und seilbahnen. erst später gegann ich meine eigene route zu suchen, abseits der routen.das abenteuer berg verblasst schnell, wenn der ehrgeiz den geissfuss der technik einsetzt. ein gebirge schrumpft schnell, wenn man zuviele hütten baut, und dem gebirge mit modernsten technischen mitteln zu leibe rückt. dennoch wird und wurde alles getan, um sie zu verändern, unserem sicherheitsbedürfnis anzupassen. wir brauchen unsere natürlichen instinkte, gefühle nicht mehr, um in den bergen zurechtzukomm… das heutige industriezeitalter hat die alpen in wenigen jahren verstümmelt, ihrer gemeinnisse beraubt…
     
    jetzt scheint es an der zeit, mit einigen wahren freunden die letzten stillen flecken der alpen aufzusuchen… und diese gibts noch… und wird die grosse masse nicht aufsuchen… es ist gut, dass es modegebiete gibt, so
    werden die letzten stillen orte geschont.
     
    unsere aufgabe muss sein, die alpen als urlandschaft zu bewahren, und mit respekt und ehrfurcht sie zu besuchen.
     
    gruss von
    raphael wellig   /   http://www.raphaelwellig.ch
     

  • pierre bourdon sagt:

    Dass die zunehmende Umweltverschmutzung zwar ’schade‘ ist, stimmt schon. Aber der Schw*nzlängenvergleich ist etwas lächerlich. Es kann zwar gut tun, gut abzuschneiden aber man sollte nie vergessen, dass gute Leistungen vor allem auf idealen Voraussetzungen aufbauen, zu denen der Leistungsträger, der die Lorbeeren dann einsackt, nicht besonders viel beigetragen hat. Es lässt sich nicht aus jedem Körper gleichviel herausholen, auch unter optimalsten Bedingungen.

    • captain kirk sagt:

      “Es lässt sich nicht aus jedem Körper gleichviel herausholen, auch unter optimalsten Bedingungen.“

      So ist es, nur wollen das sehr viele Leute nicht wahr haben. Desshalb gibt es auch so viele Tote am Everest. Denn viel dort sind schlicht überfordert. Die würden besser auf einen Berg hoch der ihren Fähigkeiten entspricht.

  • Renato sagt:

    Liebe Natscha Knecht, Herr Messner lebt in Saus und Braus und nicht zuletzt deshalb, weil seine Heimat Südtirol schon seit 1912 (z.B. Pössnecker Steig an der Sella) von der Alpenclubsektion Pössneck (ehemalige DDR) gebaut wurde. Der Klettersteigboom begann damals und heute sind es über hundert Steige, die dem Land neben dem Winter- Wohlstand durch Sommertourismus brachten. Messner sollte sich auf seine Eltern und Gosseltern besinnen und Ihnen dankar sein, dass es ihm heute so gut geht. Jeder, der die Berge liebt, möchte auch den Nervenkitzel, wenn auch gesichtert, erleben und sich auch nur 650 Höhenweter fast senkrecht die Wand hoch krampfen. Die Berge sind für alle da, nicht nur für eine gewisse Elite.

  • Ott sagt:

    Ich persönlich bin auch strikt gegen eine Übererschliessung in den Alpen. In jeder Hinsicht. Vor allem bis jetzt fast unberührte Gipfel und Geländekammern sollte man unbedingt schonen. Es gilt jedoch auch folgende Punkte zu beachten:

    – Wenn ein Tourismusangebot ein paar 100 Schweizer und Deutsche dazu verleitet, in der Schweiz Ferien zu machen statt mit dem Flieger eine weiter entfernte Destination zu besuchen, ist das ökologisch und ökonomisch sinnvoll.

    – Angebote schaffen zwar auch eine Nachfrage, sie lenken und konzentrieren die Besucherströme aber auch.

    – Tourismusangebote schaffen Arbeitsplätze. Wir im Flachland haben unsere Landschaft oft auch für Arbeitsplätze versaut.

    Ich denke, es ist Platz genug, um Alpinismus und Breiten-Bergsport nebeneinander laufen zu lassen. Wenn man bedenkt, wie Outdoor gross in die Mode gekommen ist, schlagen wir uns bis jetzt gar nicht so schlecht. Verbandsbeschwerderecht und gesunder Menschenverstand sei Dank.

  • Ovy Ho sagt:

    Hier noch der erwähnte Link, ist im Text untergegangen:
    http://www.fullmoons.ch/index.php?p=427

  • Ovy Ho sagt:

    Herr Messner hat zwar einige Argumente auf seiner Seite, trotzdem neigt er zu Extremen und scheint einiges, was die Klettergeschichte betrifft, einfach zu ignorieren. Das ist erstaunlich, gilt er doch als einer der profundesten Kenner ebendieser und ich habe viele seiner Bücher mit vergnügen gelesen.

    Vor gut 10 Jahren hatte ich mal die Gelegenheit, mit Jürg von Känel zu sprechen, der mit seiner Idee des Plaisirkletterns den Zorn von Herrn Messner auf sich gezogen hat und als Vater allen (Plaisir)Uebels gilt. Auf das Plaisirklettern angesprochen, meinte er, er hätte 50 Seillängen im 8. Und 9. Grad auf deren Absicherung überprüft und dabei festgestellt, dass viel dieser Seillänge sogar besser abgesichert wären, als die meisten Routen in einfachen und mittleren Graden (auch nachzulesen hier).
    Sicher ist das übereifrige Erschliessen von Wänden nicht nötig, Klettersteige sind auch nicht meine Wahl und man sollte sich wohl überlegen, wo man solche platziert. Aber gerade in diesem Bereich spielt Oesterreich eine extreme Rolle und hier würde Herr Messner besser vor der eigenen Haustüre kehren anstatt auf die Schweiz zu verweisen (obwohl hier die Klettersteigmanie um sich zu greifen droht).

    Fakt ist aber auch, dass es nach wie vor schwer zugängliche Gebiete mit anspruchsvollen Routen gibt. Diese Gebiete sollten erhalten bleiben und werden es wohl auch, denn viele Kletterer halten nicht viel von Zustiegen, die mehr als zwei Stunden in Anspruch nehmen. Das gilt genauso für Routen, die psychisch anspruchsvoll sind, grosse Hakenabstände und lange Runouts aufweisen. Plaisirkletterer lassen in der Regel die Finger von solchen Routen oder kommen in einen Grenzbereich, den sie fluchtartig verlassen.

    Ein grösseres Problem stellt meiner Ansicht nach die Erschliessung von Regionen mit Bahnen oder deren Kapazität dar, das Erstellen von Seilparks an vielen, mit dem Auto zu erreichenden Orten, oder generell Funparks (s. Hochstuckli) dar. Diese Dinge dürfen mit Fug und Recht in Frage gestellt werden.

    Trotzdem hat es immer noch für alle genug Freiräume und ich kann dem Trubel aus dem Weg gehen. Extrem zu reagieren hilft nicht und vermeidet die weitere Aufrüstung nicht. Gefragt sind definierte Räume, in denen jeder nach seinem Geschmack sich bewegen kann oder die er/sie hat selber suchen muss…

  • Stefan Moser sagt:

    Der SAC spricht mit gespaltener Zunge. Einerseits Wildnis, Natur, Berge blabla andererseits machen sie dick Reibach mit Nordisch Schlafen in Hotelqualität auf 3’500 Metern und fördern auch die unsäglichen Klettersteige. Die Diskussion, wieviel Metall in den Fels soll, ist uralt. Spätestens seit den siebziger Jahren hat sich jedoch der Gedanke des Freikletterns etabliert(Routen befreien hiess dazumals, Routen im Kletterstil hochzukommen und nicht technisch, in dem man sich an Haken hochzog). Zum Glück. Egal ob nun Plasirklettern (gut abgesichert mit Bohrhaken) oder selber legen (Klemmgeräte und anderes Material, welches nach der Durchsteigung wieder aus dem Fels entfernt wird) eine Regel gab es: Eine Wand gilt nur dann als geklettert, wenn man ohne künstliches Hilfsmittel hochgekommen ist.
    Tonnen von Eisen nun in alle Felswände zu versenken, damit man im Leiterstil überall hochkommt ist eine Idee der Tourismusorganisationen, nicht der Kletterer. Letztere machen leider mit, damit sie Geld verdienen. By the way: Wer nagelt die Tonnen von Eisen wieder aus, wenn sie durchrosten? Abenteuer werden berechenbar – in jeder Hinsicht.

    • Otto Lindauer sagt:

      Gut gesprochen, Genau meine Sichtweise. Darum bin ich schon vor zwanzig Jahren aus dem SAC ausgetreten, da ich diese Doppebödigkeit nicht mehr aushielt. A propos, Eisen aus den Felswänden entfernen, machen sie sich deswegen keine unnötigen Sorgen, Die Natur wird schon ganz allein mit diesem „Problem“ fertig. Sie hat alle Zeit der Welt.

  • Urban Zuercher sagt:

    „Quo CLIMBis?“ Im Ernst? Was ist das, LatEnglish? Da frag ich mich doch glatt: „Quo nitis, lingua?“

  • christoph sagt:

    Die Bedenken sind höchst berechtigt. Und ich frage mich tatsächlich schon länger, ob ein Alpenverein, der selbst keine Hütten besitzt, sich nicht besser für die Belange der Alpinisten einsetzen könnte. Historisch gesehen mag das widersinnig sein, aber heute stellt sich diese Frage.

    Schade aber, dass im Artikel nur der ‚Leiter der Diskussionsrunde‘ – der sich in dieser Funktion ja eigentlich hätte zurückhalten sollen… – zu Wort kommt.

  • Markus Müller sagt:

    Ich bin auch eher der Meinung man sollte die Alpen und die Berge nicht zu einem Disneyland machen bzw. einen schonenden Weg für zwischen Tourismus und Alpinismus finden. Andererseits hab ich selber zum Outdoorboom beigetragen da ich mich erst seit ca. 4 Jahren im hochhalpinen Raum bewege. Ich finde aber auch die Alpen bzw. Berge sollten nicht nur den professionellen oder extremen Bergsteigern zur Verfügung stehen.

    Was mich aber ein bischen an Herrn Messner stört ist, dass er ja eigentlich der (Mit-)Auslöser für diesen ganzen Outdoorboom ist. Er war ja quasi der erste der aus sich und den Bergen Kapital geschlagen hat. Das er jetzt päpstlicher sein will als der Papst mutet schon auch ein bischen seltsam an.

    • mel sagt:

      genau dort sehe ich auch das problem.
      alpinisten, die schon länger aktiv sind, legen oftmals ein sehr elitäres verhalten „anfängern“ gegenüber an den tag. dabei haben 1. auch sie mal klein angefangen und sich vielleicht vorgebohrte routen geklettert oder haben sogar einen ach-so-uncoolen klettersteig begangen. und 2. gelten einige der bekannteren unter ihnen auch als eine art vorbild, beziehen sponsorengelder von namhaften outdoorfirmen etc. und sind so massgeblich an der „kommerzialisierung“ der ganzen aplinismusszene beteiligt.

  • Klaus Bruggisser sagt:

    Es werden wohl dereinst die gleichen Eltern sein, die am Wochenende mit ihren Kindern die Eigernordwand besteigen, die unter der Woche ihre Kinder zu Memmen erziehen und im Auto zur Schule chauffieren. Manchmal ist die Welt schon schizophren. Keinen Schritt zuviel laufen, aber Tennis, Golf, Klettern, etc. Es geht nur noch um den Kick und das Prestige. Hauptsache, man kann überall erzählen, man habe diesen oder jenen Gipfel erzwungen.

  • Philipp Rittermann sagt:

    die natur steht über dem menschen. und deshalb lässt sie die unfähigen ja auch abstürzen und fordert ihren tribut – und das ist gut so.

  • Matthias sagt:

    Was soll an einem Stück Land in den Alpen so viel wertvoller sein al an einem Stück Land im Mittelland. Würde man das Land im Mittelland nicht bewirtschaften gäbe es dort viel mehr seltenen Pflanzen und Tiere wie in den Alpen. Eine Felswand entspricht ja etwa einer Wüste. Wenn man da Gondelbahnen, Drehrestaurants, Radarstationen Stauseen, und in Zukunft Solarpaneele hinstellt macht man weniger kaputt als was man schon längst im Flachland zerstört hat. Zudem gibt es so viele Berge, das man gar nicht auf jeden einen Bergbahn bauen kann. Diese Berge haben nicht so berühmte Namen wie Eiger oder Mount Everest klettern kann man dort aber genausogut. Man sollte das Land in den Alpen genau so intensiv Nutzen wie sonst wo. Alles andere ist doch heuchlerisch.

  • mel sagt:

    die frage, wie viel tourismus die bergwelt braucht oder erträgt, ist eine ewige gratwanderung, auf die es wohl keine für alle parteien zufriedenstellende lösung geben wird…

  • Ali Ferkous sagt:

    Was heisst Klettersteig? Ein „E-Bike“ Single-Trail wird es an der Eigernordwand geben – ist ja so umweltfreundlich und sympathisch, wenn man mit Strom aus der Steckdose (72 % fossil, 26 % nuklear, und ein wenig mit Sonne, Wasser, Wind produziert) statt eigener Kraft fährt…

  • Martin sagt:

    Das sind aus meiner Sicht ganz heikle Themen. Einerseits investiert die Outdoorbranche unheimlich viel Geld in den Bergsport. (z.b. Adidas) In den „Städten“ werden die Sehnsucht und das Bedürfnis nach Natur geweckt. Dies wiederum bringt Wertschöpfung in den Berggebieten.

    Auf der anderen Seite verursachen die zunehmende Zahl an Gästen Schäden an der Natur. Das beginnt bereits bei der Anfahrt in die Berggebiete. Jeder will zurück zur Natur- am liebsten mit dem Auto.
    Hier könnte man ewig weiter diskutieren. Schlussendlich macht es das Mass aus. Wir brauchen eine gesunde Mischung aus Sicherheit und Risiko. Oder wie heisst es so schön: eine Nachhaltige Entwicklung.

    • geri sagt:

      Ich finde auch, dass es eine Nachhaltige ‚gesunde‘ Entwicklung braucht. Dass viele mit

      Wenn Sie in die Alpen gehen, so auf 1500 -2000m, schauen Sie sich mal um und überlegen mal, wer oder was die grössten Schäden in der Landschaft verursachen. Ich sage es nicht gerne und möchte niemandem zu nahe treten, aber es ist nunmal die übermässige Viehzucht. Wenn man einen abgelegenen Teil der Alpen (ev. ausserhalb der CH) begeht, der wild und nicht bewirtschaftet ist, geht einem das Licht auf. Trotzdem möchte ich nicht auf die Bergbauerei verzichten. Das gehört einfach zur Schweiz.

  • geri sagt:

    Klettersteige, Plaisir-Routen, Heli-Skiing, Bunker, Radaranlagen, Funkstationen, Skilifte, Gondelbahnen, Rodelbahnen, Gipfelrestaurants, Gebirgslandeplätze, Passstrassen, Lehrpfäde, Seilpärke, Hängebrücken. Hab ich noch was vergessen? Messner hat recht, läuft aber gegen eine ‚Wand‘. Das Interessante an der Geschichte ist, dass diese ‚Wand‘ der SAC ist, der von sich selber behauptet, viel für die Bergwelt und die Umwelt zu tun.

    • Ali Ferkous sagt:

      lieber geri – etwas übertrieben: der SAC hat was gegen Bunker, Radaranlagen, Skilifte, Gondel- und Rodelbahnen, hingegen stimme ich dir zu, wenn es um Heli-Skiing („uphill mit Schlemmereien für die Hüttenbesucher“, „downhill mit dem REGA-Heli“), Gebirgslandeplätze & Passstrassen zur Erschliessung der eigenen „Gipfelrestaurants“ geht, dann investiert der SAC gerne auch in Klettersteige, Hängebrücken, etc. Passt schlecht zu einem Verein, der sich aufgrund historischer politischer Vorrechte als „Naturschutzverein“ ausgibt.

  • James Lehm sagt:

    Meint er im Ernst, dass am Everest Touristen sind? Wohl zu wenig Sauerstoff gehabt… das ist auch Teil der sogenannten Bergsteigerelite… zuerst kommen die Touristen, dann die Elite… dann lange nichts merh und dann irgendwann Messmer oder wie?

    • Tenzing Norgay sagt:

      HÄ?
      Auf den Everest schleppte ich noch jeden hoch, der einen Fuss vor den anderen setzen kann und wenigstens die Kondition eines Bauarbeiters hat – und das für einen Hungerlohn.
      Wenn das die Westliche Elite sein soll, dann gute Nacht, wenn erst Mal die Chinesen Seil und Pickel ergreifen.
      Messner hats eben schon ziemlich drauf. Selbst meine Stammesbrüder würden sich nicht sämtliche Zehen abfrieren für zwei durchschnittliche Jahresgehälter oder eben ein bisschen Ruhm.
      Selbstamputationen auf 8000 Metern sind übrigens eine delikate Sache, da will man sich diese „Erfahrung“ nicht von irgendwelchen Grossstadt-Yuppies mit mp3-Player im Klettersteig am K2 relativieren lassen.

      Berg Heil!

    • Aschi sagt:

      Viele haben das erste Mal Steigeisen an am Everest. Nur wenige sind Bergsteiger, nebst den Sherpas.

      • hallo aschi

        danke für deinen kurzen text.
        ich stimme aschi voll und ganz zu.

        ich war im 1992 am everest bis auf 8200m… damals waren junge bergsteiger mit respekt und ehrfurcht am berg…
        es stimmt viele haben zum erstenmal steigeisen an… wer zahlt darf rauf…wird mitgenommen… das ist respektlos, keine
        ehrfurcht vor dem berg…
        1994 war ich am mount-mc-kinley 6194m, dem höchsten nordamerikaner. dort hatten amerikaner zum erstenmal
        steigeisen an. folge, in 16 tagen, 4 tote.
        jeder der einen so hohen berg besteigen will… muss z.B. mönch-nollen oder lenzspitze-nordwand seilfrei
        besteigen können… und das könnten diese nie… aschi sagt das richtig, das sind keine bergsteiger…

        viel spass mit richtigen bergsteigern… die respekt und ehrfurcht haben…

        gruss von
        raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch

        • captain kirk sagt:

          Uli Steck hat mal gesagt, dass ein richtiger Alpinist den Everset nicht besteigt. Nun hat er es selber doch getan aber auf eine Art die Respekt verdient. Aus eigener Kraft und ohne Künstlichen Sauerstoff.
          Sehr viele die dort hoch gehen, gehen nur hoch um später damit Angeben zu können. Einfach nur Traurig.

          • mel sagt:

            genau, US jüngste leistung hätte eigentlich in diesem blog auch etwas mehr erwähnung & respekt verdient. er ist schliesslich erst der 3. schweizer überhaupt, der ohne künstlichen sauerstoff auf dem everest steht…

    • Heidi Müller sagt:

      Ich glaube er meint diejenigen Bergsteiger, die „über vorgespurte Pisten und mit Hilfe von Fixseilen, Sauerstoffflaschen und Trägern“ den Mount Everest erklimmen. Die Sauerstoffflasche ist das Eine, aber die Elite steigt nicht mit den kommerziellen Touren auf den Berg. Ueli Steck bspw. hat die vorgespurten Pisten und Fixseilen nicht in Anspruch genommen (wenn es mir recht ist). Ausserdem ist es bekannt, dass einige Bergsteiger auf den Mount Everest ‚gestossen & gezogen‘ werden und die Sherpas die grösste Arbeit haben.

      Aber natürlich ist es immer noch eine Wahnsinnstat, den Mount Everest zu besteigen.

      • Alexandra Schenker sagt:

        Ich war anfangs Mai 2012 unter dem Mount Everest beim Touristen Base Camp (5000m). Mir hatte die Höhe (trotz Aklimatisation) ziemlich zugesetzt und konnte mir nicht vorstellend, dass ich noch weiter hoch gehen könnte. War allerdings auch nicht der Plan, wir blieben nur eine Nacht dort.

        „Touristen“, die momentan auf den Mount Everest „wandern“ haben sich schon ziemlich vorebereitet und haben einiges an Geld an die chinesischen Behörden abgeliefert. Ohne das Passieren von x chinesischen Militär Kontrollpunkten kommt man nicht Mal in die Nähe des M. Everest!

        Wenn jemand auf einen der Berge rauf klettern kann und sich gut vorbereitet finde ich das generell ok. Es sollten aber dann eben Alpinnisten und NICHT Touristen sein.

        Fix-Seile an einem Eiger (oder M. Everest) anbringen sollte deshalb NICHT gemacht werden. Wer da rauf will, soll auch dafür kämpfen… und nicht nur genug viel Geld (und beim M. Evererst Zeit) auf dem Bankkonto haben.

        Wenn die Schweiz Touristen auf den Eiger lassen will, hoffe ich doch, dass sie nach chinesichen Vorbild auch ein paar Check-Points zur Kontrolle der Reise- und Bergbesteigungsbewilligungen haben! Sonst viel Spass bei der Rega!

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