Sind Bergsteiger Egoisten mit stinkenden Socken?

Italienische Bergsteiger in alter Ausrüstung auf der Dufour-Spitze. (Keystone)

Die Freunde des Heliskiings wollen, dass auch Bürogummis auf höchste Berggipfel gelangen können: Italienische Bergsteiger in historischer Ausrüstung auf der Dufour-Spitze anlässlich der 150-Jahr-Feier der Erstbesteigung, 1. August 2005. (Keystone)

Geschätzte Bergfreunde

Heute möchte ich Sie um Ihren Rat bitten. Doch dazu muss ich Ihnen erst berichten, welch grosse Ehre mir zuteil wurde. Das Blatt «Berner Oberländer» widmete mir eine ganze Zeitungsseite. Stellen Sie sich vor: Mir und dem Alpin-Blog! Ich wurde bereits im ersten Satz namentlich erwähnt. Ohne dass man mich vorher oder danach informiert hätte. Erst jetzt bin ich zufällig darauf gestossen. Anlass zur Ehre gab mein Blog-Beitrag vom 4. April über das Heliskiing im Unesco Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch (hier nachlesen). Obschon dieses einzigartig schöne Gebiet rechtlich durch das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung geschützt ist, finden dort jährlich 3500 Flüge statt, die rein dem touristischen Vergnügen dienen.

Der kollegiale Schreiber vom «Berner Oberländer» startete seinen Printartikel in der Samstagsausgabe vom 14. April wie folgt:

«Die kurze Berichterstattung dieser Zeitung vom 2. April nahm Natascha Knecht zum Anlass, sich im Tagi online einmal mehr über das Thema Heliskiing auszulassen. Die im Berner Oberland aufgewachsene junge Journalistin des Tages-Anzeigers schrieb: Es war ein gefundenes Fressen für die Anbieter der touristischen Gebirgsfliegerei. In der Folge schoben sich im Alpin-Outdoorblog des Newsnet (u. a. www.berneroberlaender.ch) die Gegner und Befürworter der Helikopterfliegerei in den Bergen auf mehr oder weniger niveauvoller, dafür umso emotionellerer Ebene gegenseitig den Schwarzen Peter zu. (…)»

Werter Journalist vom «Berner Oberländer»,

ein paar Anmerkungen:

  • Dass Sie mich als «jung» bezeichnen, schmeichelt einer Frau in meinem Alter so fest, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Damit haben Sie nicht nur meinen Tag gerettet – nein, you made my week, my month, my year!
  • Herzlichen Dank auch dafür, dass Sie so grosszügige Werbung für den Outdoorblog machen. Fantastisch!
  • Gestatten Sie mir bitte eine klitzekleine Korrektur: Nicht Ihre kurze Berichterstattung vom 2. April nahm ich zum Anlass, mich «einmal mehr über das Thema Heliskiing auszulassen». Mit Verlaub: Ihre Selbstüberschätzung amüsiert mich. Alle relevanten Schweizer Medien wurden von Mountain Wilderness (der Alpenschutzorganisation, die sich für mehr Respekt gegenüber der Bergwelt einsetzt) im Vorfeld darüber informiert, dass am 1. April Kundgebungen gegen das Heliskiing stattfinden. «Konditionsstarke Skitouren- und gletschererfahrene Medienschaffende» waren eingeladen. Teilgenommen hat kein einziger Journalist. Ich selber war privat im Gebiet Jungfrau-Aletsch unterwegs und nicht, wie Sie vermuten, «offensichtlich als Aktivistin». Das hatte ich in meinem Text übrigens geschrieben und eine kurze Recherche hätte genügt, um herauszufinden, dass ich Mountain Wilderness hier im Outdoorblog schon mehr als ein Mal kritisiert habe, auch im Zusammenhang mit dem Heliskiing.
  • Unbestritten hingegen: Es ist oberpeinlich, dass eine Aktivistin von Mountain Wilderness ausgerechnet nach deren Kundgebung auf der Aebeni Flue stürzt, sich verletzt und von der Air-Glaciers-Basis Lauterbrunnen mit dem Helikopter ins Spital gebracht werden muss. Aber ist deswegen nachhaltige Schadenfreude lustig? Mountain Wilderness hat ja nicht versucht, den Vorfall zu verheimlichen oder zu verwedeln. In einem Communiqué informierten die «Fahnenträger» transparent, viele Medien im ganzen Land berichteten dann über diese Rettungsaktion, Sie im «Berner Oberländer» als allererster, die Schweiz hat darüber geschmunzelt (ich übrigens auch), ca. fünf Minuten lang, danach war die Sache gegessen und vergessen. Es gibt Wichtigeres auf der Welt und vor allem gabs schon weitaus peinlichere Fälle, die mit dem Heli geholt werden mussten. Leute, die sich am Berg überschätzen oder unbedarft mit Sandalen und Hotpants unterwegs in eine Gletscherspalte fallen. Mir haben Retter gesagt, sie hinterfragen nicht, Not sei Not. Meine Bewunderung für die Bergretter ist grenzenlos – eben auch, weil sie nicht urteilen, sondern einfach helfen, wenn sie gerufen werden, oft mit spektakulären Einsätzen.
  • Ob ein Helikopter für eine Rettung aufbricht, ist deshalb auch nicht vergleichbar mit den durchschnittlich zehn Rotationen pro Tag für touristische Spassflüge durch ein geschütztes Gebiet von nationaler Bedeutung. Da nützt es nicht mal der Heli-Lobby, wenn Sie in ihrem «Schwerpunkt-Artikel» Fälle auflisten, bei denen angeblich schon mehrmals Aktivisten von Mountain Wilderness nach ihren Kundgebungen gerettet werden mussten – ohne die Akten anzufordern, welche diese Behauptung stützen. Prompt musste Ihre Zeitung danach eine Gegendarstellung publizieren, weil es offenbar gar nie solche Fälle gegeben hat. Das ist auch etwas lustig, würde mich aber nichts angehen, hätten Sie mich nicht namentlich erwähnt.

In Ihrem Tun liessen Sie sich aber möglicherweise von Ihrem beruflichen Vorbild Herrn G. aus Thun motivieren? Herr G. war früher Journalist in leitender Stellung. Heute wäre er pensioniert. Aber weil er wohl noch nicht ganz loslassen kann, arbeitet er jetzt als Medienberater und unterhält die Redaktionen im Kanton Bern mit seiner Meinung. Jedenfalls mailte Herr G. an mehrere Journalisten folgendes:

·  Ich fahre genau seit 40 Jahren zum Skifahren im März nach Zermatt. Die Helis dort empfindet man nicht als Belästigung, sondern als Attraktion – wenn man sie denn hört.

·  Als Nicht-Bergsteiger flog ich vor längerer Zeit mal mit einem Bergführer auf die Monte-Rosa-Schulter und dann mit den Skis zurück ins Tal. Ich erlebte ein grandioses Natur- und Bergerlebnis, das mir Bürogummi ohne Heli vorenthalten gewesen wäre. Zudem unterstützte ich damit ein Heli-Unternehmen, über das schon mancher Bergsteiger froh gewesen ist – wie die Umweltaktivistin am Sonntag.

·  Man müsste wohl mal abklären, in wie manchem anderen Unesco-Weltnaturerbe ein Heliverbot gilt.

·  Letzte Woche war ich wieder in Zermatt. Meine Frau verletzte sich auf 3200 m am Knie und musste abtransportiert werden. Sie verzichtete auf den Heli und wurde mittels Schneetöff, Bergbahn und Ambulanz in eine Arztpraxis gefahren organisiert von der Air Zermatt, auf terrestrischem Weg…

Und nachdem Herr G. auf meinen Heliski-Beitrag vom 4. April aufmerksam gemacht wurde, mailte er wieder mit «cc» an mehrere Journalisten (auch an mich):

Ach lieber B. (Anmerkung: «B» ist der Journalist vom «Berner Oberländer»)

Es ist ja unglaublich, was die Jammertante Natascha Knecht alles von sich gibt (aber die Fotos sind toll!) und dann all die eindimensionalen Blogger hinterher… Ich frage mich bloss, warum sie ausgerechnet die Ebnefluh besteigt, um sich dort über die Helis zu ärgern, statt einen der hundert anderen Gipfel in der Umgebung, um sich dort am Bergerlebnis zu freuen? Was mich an ihr stört und warum ihre Nachfolgeblogger eindimensional sind: Sie kommen in ihrer Arroganz gar nicht auf die Idee, dass es Menschen gibt, die aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage sind, Berggipfel zu besteigen und Abfahrten von dort zu erleben. Dank dem Heliskiing auf weniger als 1 Prozent der CH-Berggipfel ist auch diesen Menschen dieses Erlebnis vergönnt. Und nebenbei bringen sie Bergführern und Heliunternehmen noch etwas Verdienst. All die Anti-Heli-Fundis sind vor allem Egoisten, die sich nicht an 99% Heli-freien Gipfeln freuen, sondern in Tabula-rasa-Manier alles nach ihrem Gusto befehlen wollen. Mountain Wilderness? Mountain Egoism! Motto: «Die Berge gehören nur uns echten Bergsteigern mit Fellen, Schweiss und stinkenden Socken. Und die Helis brauchts nicht. Ausser natürlich wir verdrehen uns das Knie oder landen in einer Gletscherspalte.» Ich freue mich, wenn Du als Top-Bergsteiger und Journalist mit Augenmass das Thema im BO wieder mal aufgreifst! Alles Gute, harte Ostereier und lieber Gruss

Liebe Bergfreunde,
auf diesen «Steilpass» habe ich Herrn G. noch nicht geantwortet. Was soll ich ihm schreiben? Dass ich richtig herzhaft lachen musste über seine «Bürogummi»-Argumente? Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, mit den «eindimensionalen Bloggern hinterher» meint er Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, die in «Arroganz» einen Kommentar geschrieben haben. Muss ich ihm den Unterschied zwischen einem Blog und einem Printartikel erklären? Soll ich erwähnen, dass es absolut keine Rolle spielt, auf welchen Gipfel man in diesem Gebiet steigt – die Helitouristen sieht und hört man von weitem. Ich selber wusste bis anhin nie genau, was für Leute sich fürs Heliskiing begeistern, aber dass jemand in allen Facetten dem Klischee-Bild entspricht, hätte ich in dieser Form nicht erwartet. Neu ist für mich auch, dass es im «Berner Oberland» so viele «harte Ostereier»  gibt – was soll ich als «junge Journalistin» davon halten?

50 Kommentare zu «Sind Bergsteiger Egoisten mit stinkenden Socken?»

  • hallo mitenand

    ich bin erstaunt was hier miteinander verglichen wird… bohrkaken, und klettersteige machen keinen lärm, kein CO2…
    das eine hat mit dem anderen nichts zu tun… also verwechselt nicht wein und wasser… einverstanden.

    hier ein volltreffer gegen das helisking, ich mit voller helisking gegner: dem schreiber, der die verletzte aktivistin von Mountain
    wilderness, wegen Ihrer verletzung am knie, und anschliessendem heliflug angreift… ( dieser helibefürworter kann einfach nicht
    zwischen einem vergnügungsflug, und rettungsflug unterscheiden, bedenklich )

    will ich folgendes beispiel nennen: „und was ist mit dem bergführer der helisking machte am 22.4.2012 am petit combin, und dann
    in eine lawine kam… den airbag zog ???
    ich sags nochmals, helisking ist auch kein respekt, und keine ehrfurcht vor dem berg… unverantwortlich…

    helisking muss abgeschafft werden. die ruhe in den bergen, darf nicht gestört werden…

    gruss von
    raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch

  • Vögtli Christine sagt:

    Hey Natascha
    Di artiku schint d gmüeter ja so richtig ufzmischle…. Guet so! Für alli lärmfans i de bärge: im haslital isch z militär zur zit grad wider am gäud usgäh! Herrlech däm zue z lose wenni grad ire schöne chlätterrute hange (borhäge scho dinne!), oder ufere skitour i de schöne haslibärge ungerwägs bi. Enjoy

  • Joachim Adamek sagt:

    Die Debatte über die Heliflüge im Weltkulturerbe Jungfrau/Aletsch wurde diese Woche im Blog abermals teilweise sehr heftig geführt. Ich nehme an, dass sich gewisse Herren genüsslich die Hände gerieben haben, weil sie es wieder einmal fertigbrachten, Unfrieden zu stiften. — Tröstlich, dass ihre Freude nur von kurzer Dauer sein dürfte.
    Obschon ich gegen die touristische (Sport-)Fliegerei in den Alpen bin, bin ich gleichfalls gegen ein radikales Verbot. Es ist ein grandioses Erlebnis, die Alpen “von oben” zu sehen, und ich denke, es macht einen Unterschied, ob ich ein Gebiet überfliege oder in ihm lande. Bei aller Skepsis, @Verena: Ich glaube, dass die Vernunft über kurz oder lang immer die Oberhand behält. Sonst wären die Menschen zweifellos schon längst ad acta gelegt.

  • björn sagt:

    herlich so eine mediale schlammschlacht.

    ob zu berg oder tal, der mensch sucht seinen vorteil. sei es der steinbeissende stinkige skitourengeher oder der faule ungelenkige helibenützer.

    ich wünsche allen lesern mehr toleranz. tauscht doch mal die rollen. heliskier, geht mal auf skitour und erlebt die schönheit der berge. und die ökopuristen könnten sich mal an einem powdertag in einen heli setzen und die vorzüge der kommerziellen fliegerei geniessen.

    mir scheint die ganze diskussion in ihrem aktuellen stand müssig. wieso lässt ein gut recherchierender journalist (jeglichen alters und egal woher sie kommt) nicht betroffene (ausser die militanten gegner blog) z.b. einen rega piloten zu wort kommen oder besser, startet gleich eine umfrage bei den piloten: was halten die piloten davon: pro und contra, wieviele flugstunden waren sie fürs heliskiing unterwegs, hätten sie die erfahrung auch sonst sammeln können? Wie viel kerosin wird pro passagier im mittel verbaten? was kostet der spass? co2 bilanz. lärm: lässt sich messen in dB, wie weit lässt sich der lärm hören. wie hoch ist die wertschöpfung vom heliskiing für eine bergregion z.b. zermatt. wer darf über die nutzung der berge bestimmen?

    wenn man sich schon mit dem thema mehrmals beschäftigt, dann bitte mit facts unterlegen.

    ansonsten wünsche ich viel spass in den bergen, hoffentlich findet jeder das was er sucht.

  • Verena B. sagt:

    Naja, wo hier Lesegenuss aufkommen soll ist mir irgendwie schleierhaft…
    Das Heliskiing ist ein leidiges Thema… Aber wie so oft sollte man beiden Seiten Beachtung schenken. Natürlich ist es extrem nervenaufreibend, wenn einem den ganzen Tag diese komischen Dinger um die Ohren knattern. Andererseits ist es nunmal Fakt, dass vor allem für die Pilotenausbildung das Heliskiing unentbehrlich ist. Es erstaunt mich immer wieder, wie naiv gewisse Leute sind. Scheinbar gibt es wirklich Leute die denken, man kann sich mit einer Berufspilotenlizenz einfach mal direkt bei der Rega bewerben und bekommt dann natürlich auch noch gleich einen Job. Jedoch ist es so, dass man min. 1000h Flugerfahrung braucht. Zusätzlich muss man eine spezielle Gebirgsausbildung absolvieren und solche Gebirgslandungen auch regelmässig durchführen. Ich nehme mal an JEDER Regapilot hat im Verlaufe der Jahre bei Helifirmen gearbeitet, die Heliskiing angeboten haben. Falls diese Argumente noch nicht reichen, eine Flugstunde kostet je nach Helimodel mehrere 1000.-. Also sollte nun auch dem hintersten und letzten klar sein, dass solche Heliskiflüge für Jungpiloten unentbehrlich und eine riesen Chance sind. Irgendwo müssen Piloten ja Erfahrungen sammeln können. Und schlussendlich sind wir doch alle froh, wenn uns die Rega in einer Notsituation gekonnt vom Berg fliegt. Das Argument mit Lärm etc. zieht meiner Meinung nach auch nicht. Den Wildtieren etc. ist es ziemlich egal, ob nun die Rega über sie hinweg fliegt oder bloss ein läpischer Heliski-Tourist. Und sind wir mal ehrlich, die Helifliegerei ist bei uns sehr strikte reglementiert. Berge mit Helilandeplätze sind bekannt und können daher gemieden werden. Aber nein, lieber auf einen Gipfel mit einem der bestbesuchtesten Helilandeplätze und dann über das Heliskiing hinwegziehen… Ist einfacher! Natürlich ist es stossend, wenn in einem UNESCO-Weltnaturerbegebiet im hohen Masse geflogen wird. Aber dann sollte man den Flugbetrieb über solchen Gebieten gänzlich verbieten. Wenn schon sollte man dann auch wirklich konsequent sein….
    Schlussendlich finde ich genau diese Inkonsequenz extrem nervig. Solange man einen Nutzen hat, ist es vollkommen ok. So bald man aber nicht davon profitieren kann geht das gezetter los… Nun gut Frau Knecht, sie wollten ja unsere Meinung. Sie haben sich nun mal gegen das Heliskiing eingeschossen, dann müssen sie es aber auch annehmen können, wenn ihre Meinung nicht von aller Welt goutiert wird. Es ist nunmal eine Grundsatzdiskussion. Genau so, wie die vielen Borhacken in den schönsten Wänden der Schweiz oder die vielen überdiemensionierten Bergbahnen die wir alle rege benutzen…

    • Hans Müller sagt:

      „Aber wie so oft sollte man beiden Seiten Beachtung schenken…“ Nach dieser Einleitung hätte ich eigentlich etwas anderes erwartet als einen einseitigen Werbespot für das Heliskiing. Also Verena, was ist mit der anderen Seite? Oder war’s doch nur eine Floskel?

      • Verena B. sagt:

        Also Werbespot fürs Heliskiing ist nun aber auch ein bisschen übertrieben mein guter Hans. Die Anti-Heli-Fraktion kam ja hier schon genügend zu Worte, deshalb habe ich jetzt eher mal einen Blickwinkel auf die andere Seite geworfen. Und da ich sonst schon den ganzen Tag vor dem PC sitze, muss ich nicht noch meine freie Zeit damit verbringen, einen halben Roman zu einem Thema zu schreiben, dass sowieso nie auf sachlicher Ebene ausdiskutiert werden kann… Ich verherrliche das Heliskiing in meinem Beitrag in keinster Weise, ich wollte nur darauf hinweisen, dass es z.B. für Piloten unentbehrlich ist. Ich finde einfach, man sollte das ganze nicht so extrem eng sehen, wie es gewisse Leute hier tun. Die Intoleranz die im Bergsport herrscht, geht mir einfach auf den Sack.

        • Joachim Adamek sagt:

          @Verena: Danke, für die Kritik. Ich habe meinen Beitrag heute mittag in der Tat ein wenig zu schnell verfasst. Ich bestreite keineswegs, dass für die Alpenländer ― insbesondere der Schweiz ― ein gutes Helicopternetz und erfahrene Piloten von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind. Ich bin allerdings der Meinung, dass man die Zahl der Flüge nicht unaufhörlich durch bestimmte “Erlebnisangebote” immer weiter steigern sollte, bis irgendwann alles kollapiert.
          Es ist schlicht nicht wahr, dass von Helicopterflügen kein Stress für Tiere und Menschen ausgeht oder die Existenz von geschätzten 1.2oo Piloten in der Schweiz gefährdet ist, sobald gewisse Servicebereiche nicht weiter expandieren. Recherchieren Sie einmal in der einschlägigen Literatur, wieviele Rohstoffe die Welt in den letzten hundert Jahren verheitzt hat, und dann werden Sie vielleicht erkennen, wie bitter nötig ein Umdenken oder zumindest der nachhaltige Umgang mit Ressourcen ist: Regional, international und global.
          Ihr Schweizer habt so viele tolle Sachen am Laufen, angefangen bei selbstverwalteten Ferienhäusern bis zu mietbaren Elektroautos für abenteuerliche Passfahrten, dass ich einfach nicht verstehe, weshalb Helis zu Gipfeln fliegen müssen, die auch mit anderen Mitteln für “Bürogummis” ereichbar sind.

        • Markus sagt:

          Werte Verena. Es gibt tatsächlich grundsätzliche Gegner des Helisiing in diesem Blog. Ich selber zähle mich jedoch nicht dazu und Frau Knecht ist wohl auch nicht grundsätzlich dagegen.Es geht darum, dass es ausgerechnet Mitten im UNESCO-Weltnaturerbe sein muss. Es gibt genügend Landeplätze und Gipfelziele ausserhalb, die angeflogen werden könnten und den Ausbildungszweck erfüllen. Nur lassen sich diese bei der Kundschaft vermutlich nicht so gut verkaufen also geht es nur sekundär um die Ausbildung sondern primär ums schnöde Geld.

          • Verena B. sagt:

            Wie ich in meinem Beitrag gesagt habe, ich finde es auch extrem stossend, wenn in einem UNESCO-Weltnaturerbe in diesem Masse geflogen wird. Aber wie meinem Beitrag zu entnehmen ist, bin ich sogar dafür, dass man die gesamten Flugbewegungen über solchen Gebieten unterbindet (wie z.B. auch über dem Nationalpark). Also ALLE heliflüge, kleinmotorflugzeuge etc. Hier sollte man dann konsequent sein und keine Unterschiede machen. Ich finde nähmlich im Aletschgebiet auch die Motorflugzeuge extrem nervig… Aber lustigerweise scheint das hier gar niemand zu stören… Vielleicht weil diese Flüge so erschwinglich sind und sie nicht so einen elitären Hauch haben. Kein Ahnung wieso… Nur so eine Vermutung.

        • Hans Müller sagt:

          „…man sollte das ganze nicht so extrem eng sehen, wie es gewisse Leute hier tun…“ So wie Du zum Beispiel? Und das mit der Intoleranz ist halt so eine Sache. Es ist von jemandem dem der Lärm egal ist natürlich eine einfache Sache, von den anderen Toleranz zu fordern. Das erinnert mich an die Raucherdiskussion. Da haben die Raucher von den Nichtrauchern auch immer mehr Toleranz gefordert…Dass es einen Raucher nicht stört wenn ein Nichtraucher nicht raucht ist ja logisch und dass es einen Heliskifahrer nicht stört wenn ein Tourenskifahrer nicht fliegt wohl auch.

  • Joachim Adamek sagt:

    Die unaufgeregte und souveräne Art und Weise, wie Frau Knecht wieder einmal Unterstützer, Verteidiger und Befürworter des Heliskiing im UNESCO Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch vorführt, ist ein Lesegenuß. Chapeau!
    Ich gehöre, was ich nicht verschweigen will, zu den Berggängern, die die touristische Helifliegerei in den Westalpen lieber heute als morgen eingestellt sehen möchte und die die oft angeführten wirtschaftsfördernden Argumente schlicht für schlechten Hokuspokus halten. Auch die Forderung der anderen Seite, doch bitt’-schön-ein-wenig Toleranz zu zeigen, halte ich für Sirenengesang.
    An einem Punkt stimme ich dem Medienberater aus Thun uneingeschränkt zu: Gipfelerlebnisse gehören zu den schönsten Erlebnissen, die das Leben zu bieten hat. Wo, wenn nicht auf dem Berg, lernt man Überblick zu gewinnen? Manchen geht der Überblick allerdings rasch wieder verloren, sobald sie z’ Tal gehen.

  • Franz Schäli sagt:

    Was Sie davon halten sollen? Das will ich Ihnen sagen: D.h., die Jungs im BO bekommen bei der Lektüre Ihres Blogs wortwörtlich harte Eier, das genau heisst das.
    Das ist umgangssprachlich eines der wertvollsten, wenn auch ein etwas verstecktes Kompliment, welches man als Frau überhaupt bekommen kann. Freuen Sie sich doch drüber, ich würd’s tun.

  • wohnen im berneroberland und sind weder zu fuss noch mit dem heli auf den bergen und beneiden niemanden, aber blogger lieben wir.

  • Markus sagt:

    Ich finde die Diskussion nicht so einfach wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Spontan würde ich auch sofort sagen: „Heliskiing gehört verboten“, „Heliskiing ist schwachsinn“ etc.

    Ich muss aber zugeben je länger ich darüber nachdenke muss ich sagen, dass ist etwas anmassend! Warum soll jemand definieren dürfen was in den Bergen richtig und was falsch ist. Beispielsweise könnte man dann auch Argumentieren, dass
    Borhaken ebenfalls verboten werden sollen – das würde mich aber sehr treffen, weil ich sie auf gewissen Routen schlicht und ergreiffend brauche, somit möchte ich das lieber nicht. Für die Puristen und Cracks bin ich somit vielleicht auch etwas wie ein
    Heliskiing Gast? Wenn die nun sagen dürften Borhaken gibts keine mehr, fände ich das auch falsch dass jemand mir das vorschreiben darf, nur weil die der Meinung sind das mein Weg der falsche ist.

    Was ist mit Klettersteigen ?? Da regt sich auch niemand auf und diese bringen viel Volk in die Berge, welches da eigentlich auch nicht immer so hingehört.

    Gefühlsmässig denke ich immer noch dass Heliskiing ein Scheiss ist. Der Verstand sagt mir aber dass es auch falsch ist wenn eine Gruppe der anderen sagen will was in den Bergen richtig ist und was nicht.

    • Jurakraxler sagt:

      Ich find Klettersteige doof ;-) (Off Topic aber wollt’s halt trotzdem mal loswerden, merci für den Steilpass)

  • Peter Aemisegger sagt:

    Liebe Frau Knecht, liebe Ein- und Mehrdimensionale Blogger Kolleginnen und Kollegen

    Das ganze ist doch eigentlich nur noch eine Frage der Emotionen. Die einen sind dafür, die anderen strikte dagegen. Und wie meistens gibt es ja für beide Meinungen gute und auch achtenswerte Begründungen. Mir ist keine Helifirma in der Schweiz bekannt, die uneingeschränkt Flüge anbieten und ausführen kann. Das erfolgt immer mit Bewilligungen und mit maximalen Bewegungen pro Jahr. Und statt gegeneinander muss es doch möglich sein, ein vernünftiges Miteinander zu akzeptieren. Ich nehme ja auch die Bergbahn, wenns denn eine hat und steige dann erst von der Bergstation zur Hütte auf. Ich muss ja niemandem beweisen, was für ein harter Kerl ich doch bin. Und wenn halt ein Bürogummi auf den Berg will und dann die Abfahrt geniesst, jo nu dä halt. Ein bisschen Toleranz – und dann sind (fast) alle zufrieden – so hoffe ich doch. Wünsche allen eine tolle, sonnige und vor allem unfallfreie Saison 2012!

  • Luise sagt:

    Hab alles mit Interesse gelesen. Am Fluss sitzen und warten, bis die Leichen der Feinde vorbeischwimmen ist in diesem Fall wohl das Beste. Es ist schon so: Im BO darf sicher nichts Kritisches über Heli-Skiing geschrieben werden. Dass mann sich bei der Recherche vertut und dann noch Mails cc an die Betroffene verschickt ist entweder Zufall oder Taktik. Etwas, dass im Alltagsstress passieren kann, aber nicht muss. Schlimm ist, wenn mann persönlich wird (Jammertante…), nun, man kann das ganze Geschreibsel auf gut Berndeutsch einfach als Gschtürm abtun und so rasch als möglich vergessen Frau Knecht.

  • Peter Steiner sagt:

    Och, ich möchte bitte auch einen eigenen Blog beim Tagi erhalten um meine persönlichen Eitelkeiten pflegen zu können.

    Wer Frau Knecht kritisiert wird entweder verklagt oder in der Öffentlichkeit lächerlilch gemacht – eine nette Persönlichkeit.

  • Simon Honegger sagt:

    Ein Fussballer, der keine Ahnung vom Fussball hat, darf nicht in den grossen Stadien vor vielen Fans spielen. Weshalb soll dann ein Bürogummi, der keine Ahnung vom Bergsport hat, auf die schönen Berge müssen?

  • Werner van Leyen sagt:

    Typisches Neider-Syndrom, Frau Knecht. Sie ärgern sich wenn Andere angenehm oben landen während sie zu Fuss hochsteigen müssen. Das war auf der Titanic nicht anders. Wenn es anstatt Heli-Skiing, ein Maulesel Skiing wäre und sie die Esel noch 25km entfernt hören würden, wäre es ihnen vermutlich egal. Wenn es absolut geräuschlose Helis gäbe, jedoch nicht, gell.

    • Simon Honegger sagt:

      Wissen sie, es geht nicht um die Lautstärke der Helikopter. Es geht um die Faulheit der Leute, die darin sind. Da gibt es halt gewisse Bergler-Ideale. Um einen schönen Spitz richtig geniessen zu können, soll man auch aus eigener Kraft nach oben gehen. Dies ist mit Bergführer für jederman möglich. Allerdings halt nur auf die Berge, die vom Nieau her geeignet sind.

      • Ali Ferkous sagt:

        Faulheit der Leute, das stimmt – aber dazu gehört auch der eingeflogene Salat, die Schlemmermenus, Duvet statt kratzende Wolldecke, dass man sich auf de Hütte wieder verproviantieren kann, stat ins Tal absteigen zu müssen. Erinnert mich an diese urbanen Grünen, die gegen SUVs in der Stadt demonstrieren und dann in die Ferien fliegen…

        • Markus sagt:

          Dies hat etwas mit der Hüttenpolitik des SAC zu tun (mit ein Grund warum ich ausgeteten bin), den hier bin ich ganz Deiner Meinung. Ich bin Bergägner und erwarte in der Hütte nicht zwei Menus zur Auswahl und wer vegi essen will, lässt soll seinen Tofu selber rauftragen, genauso wer Wein und Bier etc. konsumieren will. Die berghütte ist schliesslich keine Festhütte. Ich nehem das Wasser zum Zähneputzen noch selber im Rucksack mit und nach einer Dusche zu fragen käme mir nie in den Sinn. Aber die Hütten müssen rentieren und der Hüttenweg für Sandalengänger zugänglich gemacht werden (siehe Trifthütte). Genauso wie es Leute gibt, die im Strassenverkehr nichts zu suchen haben, gibt es Leute, die in den Bergen nichts zu suchen hätten.

    • Alex sagt:

      Hoi,
      von „Neidersyndrom“ kann nicht die Rede sein. Es ist schlichtweg eine Tatsache dass Helis eben nicht geräuschlos sind und diese daher nerven, und das bereits auf eine ordentlich Entfernung. Wir können aber gerne einmal gemeinsam los und solch eine Ecke bewundern. An der Dufourspitze konnte ich über Ostern miterleben, wie sich die ruhige Welt in einen kleinen Flugplatz verwandelte, als im Minutentakt die Helis eingeschwebt kamen.
      Auch der Palü bietet sich an, dort landen zwar meines Wissens nach keine Helis, aber bei der Menge an Rundflügen dort kommt man sich manchmal vor wie King Kong, dem die Luftwaffe auf den Pelz rückt.

      Wäre der Krach nicht, wäre mir es zumindest egal und das zusätzliche Geschäft gönne ich ebenso den Hüttenwirten wie den Bergführern und Helipiloten, solange ich nicht als zweitklassiger (Ski)wanderer angesehen und auf die billigen Plätze geschoben werde (geschehen an der Planurahütte sowie Schwarzwasserhütte). Oberhalb der Landeplätze sieht man die Leute nämlich kaum, da diese weder über die Ausrüstung noch die Technik verfügen.

  • Markus sagt:

    Als Abonnement (bzw. meine Frau) des Berner Oberländers kann ich Ihnen nur recht geben :-). Journalistisch ein Käseblatt, dass wir kaum wegen den politischen Artikeln und Ansichten abonniert haben. Der pensionierte R. E. G. mit Betonung auf das E. – wie Georg W. Bush oder besser Alftred E. Neumann – hält sich doch für einen zweiten R. Köppel, einfach ein paar intellektuelle Stufen tiefer. Seine Kommentare – wie auch die von B.P. – entbehren zum Teil jeder fachlichen Grundlage oder journalistischen Unabhängigkeit. Das Beste in der Veranstaltungskalender und z.T. die lokale Berichterstattung. Ausser es handelt sich um einen zweiseitigen Bericht über Schiessanlässe oder eine Miss Euter-Wahl. Also Natascha, frei nach den Pinguinen in Magadaskar: „Einfach lächeln und winken!“ und sich seine Sache denken.

    • Markus sagt:

      Ach ja, zum Thema Helisiing: Ich bin nicht grundsätzlich ein Gegner und sehe z.T auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit, aber sicher nicht im UNESCO-Weltnaturerbe! Es gibt genügen Landeplätze auf Gipfeln im Berner-Oberland, die ausserhalb des Gebietes liegen. Wenn der Hang halt schon mit Spuren durchzogen ist, ist dies das Problem der Heliskiing-Nutzer, wenn sie nicht um 4 Uhr aus dem warmen Bett kommen. Es gibt halt Gipfel, die sollen nur aus eigener kraft erklommen werden und Punkt.

  • Thomas sagt:

    Eine amüsante Lehrstunde über das „Funktionieren“ des Journalismus im Berner Oberland und auch sonstwo.

    Logischweweise stehen sich die Meinungen (eigentlich Interessen) bei diesem Thema diametral entgegen. Wie Dani Kobler obenstehend sehr gut dargelegt hat, ist wenn schon unser ganzes Mobilitätsverhalten in Frage zu stellen. Fragwürdig bleiben aber Heliflüge in einem UNESCO-Weltnaturerbe oder aber die entspechende Einzonung.

    Tip für nächstes und alle folgenden Jahre: Frau ist so jung, wie sie sich fühlt. :-)

  • hallo mitenand
    hallo natascha

    sehr gut, das du dieses thema aufgegriffen hast. schreiben sie diesem berner oberländer journalisten einfach:

    diesen journalisten kann ich man nicht ernst nehmen, weil:

    – ja, ueber seine büro argumente muss man herzhaft lachen
    – dieser journalist verwechselt wein mit wasser
    – er kann nicht unterscheiden zwischen einem rettungs einsatz, und einem vergnügungs flug,
    – dieser journalist soll natascha auf die frage antworten: „ob es vereinbar sei, mit UNESCO welterbe zu werben, wenn
    lärm und gestank da ist ?“ bin gespannt was er da sagen will, wird???

    – und was sagt dieser journalist zum tödlichen lawinenunfall im 2011 mit bergführer beim helisking im berner oberland?
    – heliski leute haben keinen respekt und ehrfurcht vor der natur und bergen… ( unverantwortlich )

    – leute die, die gipfel nicht erreichen können… die können mit der bahn aufs jungfraujoch… es hat genug bahnen in der schweiz…

    – dem journalisten teile ich mit:“wir helisking gegner wollen nichts bestimmen und befehlen… wir wollen nur unsere Ruhe… das
    will dieser journalist doch auch… oder???
    – der journalist geht ja gar nicht auf unsere argumente gegen heliski ein… er soll doch diese widerlegen… aber das schafft er
    halt nicht… weil die argumente gegen heliski zu stark sind… und das macht Ihn wütend…

    ich bin ueberzeugt, bei einer demokratischen abstimmung wird das helisking abgeschafft.
    noch eine bitte, schreibt doch immer den vollen namen hin… wenn ihr männer und frauen sein wollt… einverstanden.

    ich wünsche allen viel spass in den bergen… bald ohne helisking.

    gruss von
    raphael wellig / http://www.raphaelwellig.ch

    • Renato sagt:

      Lieber Raphael Wellig, Ihre Töne betr. Abstimmung (d.h. Gesetzesinitiative zum Verbot des Heliskiing in der Schweiz) klingen gut und könnten sogar zur erfolgreichen Oper werden. Nur, lassen Sie ihren Worten Taten folgen. Übernehmen Sie die Organisation eines Anti-Heliskiing-Komitees, sammeln Sie 100´000 Unterschriften. Meine Stimme und 50 meiner Freunde sind Ihnen gewiss. NB Voller Name René Loepfe

  • Liebe Frau Knecht,

    ich habe Ihnen rein rechnerisch nur eines voraus, und dass sind ein paar Jahre mehr Journalismus auf dem breiten Buckel. Was ich mit Ihnen zweifelsfrei teile, ist die Freude an den Bergen und das Spiel mit den Worten. Ersteres mögen Sie nicht unbedingt als Verdienst werten und das Zweite ermöglicht es mir, manches nach zu vollziehen, was dem geschriebenen Wort in der Öffentlichkeit oft folgt. Nämlich die Schelte dafür. Die Berge und das Wort, zu diesem Schluss komme ich mit zunehmenden Berufsjahren (es sind inzwischen über 35, immerhin), pflegen ein besonderes Miteinander. Denn es ist das Wort, dass den Berg publik macht, meist erst nach der Atemlosigkeit des Besteigungsvorganges. So gesehen ist es wirklich bemerkenswert, was der Berg noch so alles gebärt, wenn längst schon alles vorbei ist.

    Liebe Frau Knecht, sie sind mir erstmals aufgefallen, als Sie sich vor gar nicht allzu langer Zeit dem Thema Hans Kammerlander und seiner Besteigung des Mount Logan nebst anschließenden Nickeligkeiten um Höhen und Tiefen, Landkarten und GPS, Neid und Missgunst, Unverständnis und „Unter-der-Gürtellinie-Journalismus“ gewidmet haben. Damals dachte ich: Schau an, da hat eine „junge“ Journalistin (biiiiiiitte, darf ich das aufgreifen, es ist einfach so nett, wenn wir Journalisten in die Schublade des Alters gesteckt werden, als sei es ein Verdienst oder auch noch nicht?!) einen Sachverhalt aus einem anderen Medium aufgegriffen und sich Gedanken darüber gemacht. Ausgewogen, ruhig, sachlich, unaufgeregt. Es war dies eine der ganz wenigen Publikationen, in denen diesem Thema mit den „falschen“ Kammerlander-Gipfel auf ziemlich faire Weise Rechnung getragen wurde. Ja, da sind Sie mir erstmals aufgefallen.

    Jetzt habe ich diesen Eintrag gelesen. Ich habe natürlich verstanden, dass es um Heil-Skiing geht und eine offenkundig entstandene breitflächige Diskussion darum. Die haben wir hier in Südtirol und in den Dolomiten übrigens auch. Heuer wurden die Flüge auf die Marmolada eingestellt. Ich kenne die Ausgangsartikel für Ihre Zeilen übrigens nicht. Es ist mir auch ein wenig mühselig, sie ernsthaft zu suchen. Aber ich glaube verstanden zu haben um was es da geht und wie man Ihnen begegnet. Das ist der Grund, warum ich hier ein paar Zeilen schreibe. Es ist ein Wonne, zu lesen, wie Sie den Kritikern begegnen. Wie Sie sie bei der Nase nehmen und sie am Ring durch die Arena der Worte führen. Man könnte das auch giftig machen und sie „vor“-führen. Aber nein, sie tun genau das nicht. Sie nehmen Florett und lassen den Säbel stecken. Herrlich. Wunderbar. Lesenswert.

    Es steht mir nicht zu, mich in innere Schweizer Angelegenheiten einzumischen, aber dieser Umgang mit einem Thema, liebe Frau Knecht, kann ganz leicht Kult-Charkater bekommen, weil es eben lesenswert ist. Gratuliere also. Und es wäre eine Fortdauer der „Auseinandersetzung“ zu wünschen. Schon allein wegen Ihres Umgangs damit. Aber ich befürchte, dass sich die Kritiker an Ihnen bald die Zähne ausbeißen werden, wenn Sie weiter so durch- und den Stil beibehalten. Das wäre wünschenswert.

    Ich mag Klischees ja überhaupt nicht. Aber es hat sich nachhaltig in meinem Kopf eingefressen, dass die Berner ein wenig langsam seien. Aber das stimmt, wie jedes andere Klischee, überhaupt nicht. Die Bernerinnen und Berner sind unübersehbar hellwach! Ganz besonders offenbar „junge“ Journalistinnen mit Sonnenbrille und dem Kopf voller Worte. Ich verarbeite das Thema Kammerlander und Logan (unter anderem) übrigens zusammen mit dem Protagonisten gerade in einem Buch. Gut möglich, dass Ihr Artikel zum Thema dort noch einmal als Aufschlag zum fünften Satz dienen wird. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

    Beste Grüße und herzlich aus Südtirol.

    Und bitte, erklären Sie einen Orts- und Sprachunkundigen eines: Was um Himmelswillen ist ein „Bürogummi“? Ist das Mundart oder Fremdsprache – für einen Fremden

    • Fabian sagt:

      Die Bezeichnung Bürogummi dient nicht der Abgrenzung gegenüber dem Fremden (sie hat auch nichts zu tun mit der Bezeichnung „Gummihals“ für unsere nördlichen Nachbarn), sondern der Unterscheidung zwischen Menschen, die ihre Arbeit sitzend erledigen, und denjenigen, die dabei stehen und gehen. Büro ist eine Abwandlung des französischen Bureau. Gummi ist hier die kurzform von Radiergummi, ein Werkzeug, das im Büro verwendet wird, um mit Bleistift geschriebenes zu entfernen. Die Kombination der beiden Wörter Büro und Gummi steht semiotisch für einen Menschen, der vom vielen sitzen einen gummiartigen Körper bekommen hat. Die Hangwaage zum Beispiel, ein Übung aus dem Kunstturnen, ist für ihn nicht zu bewältigen, und auch nicht mehr erlernbar, wenn er von 16 bis spätestens 30 im Büro gearbeitet hat. Ähnliche Bezeichnungen die Nicht-Bürogummis für Bürogummis verwenden sind auch „Kopfmensch“, „Antitalent“, „Härdopfusack“, „Zivilisationskranker“, „Flachlandw***“, etc. Wie immer bei solchen undifferenzierten Bezeichnungen, die aber eben gerade ein starke Differenz herstellen, geht es um Abgrenzung gegenüber dem Anderen, um seine eigene Identität konstruieren und bestätigen zu können. Ich selber durfte die Seiten auch schon wechseln und musste feststellen, dass die Stereotypen beidseitig selten zutreffen. Es gibt schlaue Handwerker und sportliche Bürogummis. Wer hätte es gedacht.

      • Archibald sagt:

        nicht ganz, lieber Fabian. Das Wort ‚Bürogummi‘ stammt vom Wort Kommis,oder franz. Commis. Das war bis Ende 19. Jhd ein Büroangestellter, der Texte auf Papier schrieb, schönschrieb und vervielfältigte. Schreibmaschinen gab es bis dann nicht.

  • Renato sagt:

    @ Dani Kobler, endlich Einer, der es auf den Punkt bringt. Ich gehe zberg, wandere, wähle nicht grün, bin aber völlig Ihrer Meinung.

  • Frank Baum sagt:

    Man sollte die Natascha Knechts diese Welt liegen lassen, wenn sie das nächste Mal in den Bergen in Schwierigkeiten geraten. Leute wie Natasche Knecht sind die widerlichsten Egositen schlecht hin. Immerhin hat sie den Titel ihres Artikels richtig hingebracht. Sie begeben sich aus eigenem Antrieb in Gefahr und erwarten dann, von der Allgemeinheit gerettet zu werden. Sie glauben dann auch noch, anderen Leuten vorschreiben zu können, was diese in den Bergen tun dürfen und was nicht. Ohne Heli Touristen sind die Rettungs-Helis nicht finanziert. Dann bleibt es an der Öffentlichkeit hängen und dafür habe ich absolut kein Verständnis. Entweder Heli Skiing ist OK oder wir schenken uns die Rettungs Helis.

    • Markus sagt:

      Aha, habe gar nicht gewusst, dass die REGA auch Touristenflüge durchführt. Werd mir bei meiner nächsten Heliskiing-Tour eine Offerte bei denen bestellen.

    • Adriano Tinger sagt:

      … Ohne Touristen sind die Rettungsheli nicht finanziert …
      Wie viele Touristen fliegt denn die Rega auf die Berge?
      Nur dort wo die Rega nicht fliegt, braucht es Touristen um die Helis zu finanzieren…

      Ich schlage vor: Nur jene Piloten, die jährlich ein bestimmte Anzahl Rettungen fliegen, sollen im nächsten Jahr Touristen auf Gebirgslandeplätze fliegen dürfen.

      Im aktuellen System geht es darum, dass sehr viele Piloten Ihr know-how erhalten können, dass weniger Piloten auch ohne dies Flüge hätten. Und um viel Geld.

      • Ali Ferkous sagt:

        ..und wenn die Schweizer Heli-Piloten alle pensioniert sind, die nicht Millionärssöhne sind und sich deshalb die die Anzahl Flüge, die sie ableisten müssen nicht aus eigener Tasche finanzieren können, bis sie die Rega erst anschaut, importieren wir den Nachwuchs einfach aus dem Ausland – für das gibt’s ja die PFZ… Aber dann bitte nicht lästern, wenn der Pilot kein Schwiizertütsch versteht.

    • ivo sagt:

      So eine sinnbefreite Ansammlung von Textbausteinen habe ich selten gelesen, ich hoffe das war ironisch. Ansonsten könnte man das weiterführen zu „Rettungsfahrzeuge sind nur finanziert, weil sich Verkehrsteilnehmer nicht an die Vorschriften halten. Entweder wir lassen die Verletzten liegen oder wir heben alle Regeln auf“….

    • Simon Honegger sagt:

      Autsch, manchmal wäre kein Kommentar zu hinterlassen besser… Lieber Frank Baum, sie blasen genau ins gleiche, lächerliche Horn und sehen offensichtlich die Sache nicht. Keine Angst wegen unbezahlbaren Rettungsflügen: Diese Kosten trägt nicht die „Fluggesellschaft“, sondern meist die Versicherung. Bei der Rega auch der Gönnerbeitrag. Die Flugstunden der Heliskier sind vorallem wichtig, um Erfahrung für Jungpiloten zu sammeln. Ist dies allerdings in diesem Ausmasse nötig?

    • christine schreiber sagt:

      Frank Baum hat offensichtlich keine Ahnung von den finanziellen Reserven der REGA. CEO Ernst Kohler bestätigt im Migros-Magazin von heute, 2. Mai 2012, dass die REGA ohne Probleme zwei Jahre lang ohne Mitgliederbeiträge auskommen könnte.

      • Verena B. sagt:

        Das ist jedoch keine Eigenheit der Rega. So gut wie alle Institutionen der Schweiz, die auf Spenden- bzw. Gönnerbeiträge angewiesen sind, haben Reserven um zwei Jahre ohne Beiträge auszukommen.

        • Ali Ferkous sagt:

          und zwei Jahre sind wirklich fern in der Zukunft – deshalb keine Bange machen lassen (?)

  • Urban Städtler sagt:

    Das ist doch überhaupt kein Grund, sich zu ereifern. Ich nehme einmal an, die Herren B. und G. haben sich Mühe gegeben, und gescheit geschrieben, wie sie es eben können. Leider geht es beim Verteilen der Begabungen nicht immer ganz gerecht zu.

  • mel sagt:

    hoppla, jetzt aber!

    … am meisten lachen musste ich über den fakt, dass der herr B. jenes mail, in welchem er über „jammertante knecht“ ablästert, offenbar ihr selbst auch im cc geschickt hat. wie dumm muss man sein? :D

    freundliche grüsse
    von einem eindimensionalen blogger ;-)

  • Dani Kobler sagt:

    Lachen sie ruhig Frau Knecht, das tut man heute eh viel zuwenig, dannach erklären sie mir aber bitte:
    wo genau schon wieder der Unterschied ist wenn sich ein Bürogummi am Sonntag von 500 auf 3000 MüM fliegen lässt oder ob er von Mo bis Fr mit seinem 1500 kg und 180 PS Auto 20 km von Wohung ins Büro fährt?
    Beides verbrennt Öl in der einen oder anderen Form. Und Bürogummis sind wir doch alle ein bisschen. Gibt es Bergsteiger die Auto fahren?
    Und was ist wenn ich mit dem Zug unterwegs bin (bin ich tatsächlich), bin ich dann ein Grüner (die wähle ich tatsächlich). Der Zug braucht ja auch Land, Finanzen, Energie, verursacht Lärm und fördert die Mobilität.
    Was ist nachhaltiger: 10 km mit dem Auto oder 100 km mit den Zug?
    Und was ist mit ihren Berichten von den berühmten Bergsteigerkollengen über deren Heldentaten im Himalaya. Die kommen ja sicher nicht ohne Lärm, Kerosin und sonstige Emisionen auf über 8000M hoch?
    Irgendeine Kritik an deren Projekten?
    Oder ganz generell: Was ist nachhaltiger: Im Februar Bio Erdbeeren aus Marokko kaufen oder im Juni mit dem Auto 2 km zum Bauer fahren um dort die Erdbeeren selber zu pflücken?
    Meine „grenzenlose Bewunderung“ gilt übrigens solchen Typen wie dem hier: youtube „Kein Öl mehr! Übung für den Ernstfall“. Schauen und dann realiseren das unser jetztger Lebenstil meilenweit davon entfernt ist Bio, Nachhaltig oder sonstwie natürlich zu sein, da spielt es auch kaum eine Rolle ob ich ein VW Golf oder GA habe, Skitouren mache oder Ski(lift)fahre.
    Also doch ein bisschen eindimensional?
    Freundliche Grüsse

    • Martin Kallmann sagt:

      Lieber Daniel K.
      Es besteht sehr wohl ein Unterschied, ob ich mit lautem Geknatter (das im Umkreis von 15km zu hören ist) mit dem Heli auf den Gipfel geflogen werde, wo andere sich erholen möchten. Oder ob ich im Mittelland aus beruflichen Gründen (ich bin noch nicht Privatier) zur Arbeit fahre. Das hat nichts mit ökologischem Gewissen zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand.

  • Stephan Bächli sagt:

    Jammertante ist eine absolute Beleidigung. Andere würden so einen Journalisten verklagen. Und einer dieser eindimensionalen Blogger antwortet B folgendermassen: Ich bin zu faul um auf einen Berg zu steigen um dann runter zu fahren. Also lass ich es sein, auch wenn ich es mir leisten könnte, denn diese Helikopterflüge sind generell und in einem UNESCO Weltnaturerbegebiet definitiv daneben.

  • Hans Müller sagt:

    Einfach nicht ernst nehmen. Die „Journis“ des Berner Oberländer Käseblattes hocken doch selber mittem im Kuchen drin. Wenn die etwas anderes schreiben würden als das, was die Stimmungsmacher im Oberland diktieren, wären sie sehr schnell weg vom Fenster. Ich habe das selber einmal hautnah miterlebt als an einer Informationsveranstaltung zu einem anderen Thema der Stimmungsmacher dem Journi des „Berner Oberländer“ vor der ganzen Versammlung lautstark diktiert hat, was in die Zeitung komme und was nicht. Der Journi hat sich 1:1 daran gehalten. Soviel zum Thema „harte Eier“ und Eindimensionalität.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.