Die Muslima grüsste überaus freundlich

Diese Woche im Berner Jura


Ein diesiger, verhangener Märztag, ich fuhr nach Biel, stieg um auf die S-Bahn, fuhr weiter zur Station «Frinvillier-Taubenloch». Dort weitet sich die Taubenlochschlucht, um gleich in die nächste Klus überzugehen. Eng ballen sich in dem Kropf die Häuser; Fabriken kommen hinzu, Strassenüberführungen und Tunnellöcher: Nein, das ist kein schöner Ort.

Oder doch? Bekanntlich liegt jede Eigenschaft dieser Welt im Auge des Betrachters. Ich ging vom Perron hinab zur Strasse, wo der Wanderwegweiser stand. Eine verschleierte junge Muslima kam mir entgegen. Sie grüsste überaus freundlich auf Bielerdeutsch, das ich prinzipiell mag, weil es urban und pragmatisch klingt, nicht so demonstrativ gemütlich-heimelig. Mir wurde hell im Gemüt.

Selbst Robert Walser geriet ins Schwärmen

Ich zog los, stetig leicht aufwärts, durch den Jurawald. Dann die Strasse nach Vauffelin, der ich kurz folgte; Vauffelin heisst auf Deutsch übrigens Füglisthal oder auch Wölflingen, doch sind die beiden Namen nicht mehr im Gebrauch. Nun gelangte ich zu einem grossen, industriell wirkenden Firmenareal. «Dynamic Test Center» stand auf einem Schild. Das Internet machte mich schlauer. Die Firma testet Autos in jeder Hinsicht: Gurte, Auspuffe, Fahr- und Kollisionsverhalten, Aerodynamik.

Leider sah ich weder Stuntmänner noch eine saftig simulierte Kollision. Ich ging weiter und summte noch eine Weile das Lied «Mmm Mmm Mmm Mmm», das zu meinen Langzeitfavoriten gehört; es war mir eingefallen, weil der Bandname zum Center passte: «Crash Test Dummies». Sicher und schön führte mein Weg im folgenden durch den steilen Waldhang Richtung Südwesten. Dann eine Spitzkehre und bald freies Gelände: typische, steindurchsetzte Juraweide mit einzelnen Bäumen. Schon war ich auf dem Bözingenberg.

Herrlich der Blick, der Himmel hatte sich einigermassen geklärt. Der Dichter Robert Walser bezeichnet den Bözingenberg als den «schönsten Berg mit der schönsten Aussicht» und schwärmt von den drei Seen, die man sieht. Ich sah einen, war damit aber zufrieden: Der Bielersee streckte sich in seinem Becken, die schmale Landbrücke zur Petersinsel erinnerte mich wieder einmal an eine Nabelschnur.

Indianerpfad, Industrielärm inklusive

Im Restaurant, einem gepflegten Bau mit roten Läden und gemütlichem Intérieur, ass ich. Und zwar gut, das Cordonbleu schmeckte. Da mir zur Konversation ein Gegenüber fehlte, liess ich mich von den drei Männern am Tisch in der Nähe unterhalten, indem ich sie belauschte. Nicht der Inhalt ihres Gespräches interessierte mich dabei, sondern die Form. Sie konversierten im regionstypischen Idiom: Mundart mit vielen organisch eingepassten französischen Brocken.

Später stieg ich ab und hatte Spass an dem Weg durch den Wald mit seinen Kalkfelsen und dem Geröll; es war eine Art Indianerpfad, allerdings mit Industrielärm aus der Ebene unter mir. Bözingen wurde1917 von Biel eingemeindet; auf Französisch heisst es Boujean; ich liebe dieses Doppelspiel der Ortsnamen in der Region der Trois Lacs. Kurz vor dem Stadtrand kam ich am Tierpark vorbei, einer offenen Anlage. Den Schluss der kleinen, feinen Wanderung machte die Busfahrt zum Bahnhof. Unterwegs passierten wir in der Gegend der Mühlebrücke charmant abgewitterte Häuserzeilen und Ecken, die mich an französische Provinzstädtchen erinnert. Auch das fehlt in Zürich, dachte ich.

Route: S-Bahn-Station «Frinvillier-Taubenloch» – Bözingenberg/Restaurant – Vorbergwald – Tierpark Biel – Biel-Bözingen (Bus zum HB Biel).

Gehzeit: 2 ½ Stunden.

Höhendifferenz: 400 Meter auf-, 500 abwärts.

Charakter: Bisweilen etwas steil, als Ganzes aber nicht wirklich anstrengend. Aussichtsreich auf dem Berg. Jurasetting mit Kalkbrocken im Laub, Vorsicht beim Gehen!

Höhepunkte: Der Jurawald, die Juraweiden. Der Bielersee mit der Petersinsel vom Berg aus betrachtet. Die Einkehr auf dem Berg. Der Tierpark Biel (eine offene Anlage).

Hund: Allenfalls sind einige Steiltritte für alte Hunde schwierig.

Einkehr: www.boezingenberg.ch. Mo/Di zu.

Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com

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10 Kommentare zu «Die Muslima grüsste überaus freundlich»

  • Bitta sagt:

    Herr Widmer ist diplomierter Arabist, also wird rr von Muslima auch was verstehen. Glauben wir’s ihm. Aber, Schuster bleib bei Deinen Leisten, denn:

    Was ich hingegen nicht glaube ist, dass der Bözingerberg jener mit der schönsten Aussicht sein soll. Das ist nämlich der Wachthubel ob Schangnau. :-)

  • Liebe Frau Capaul. Die meisten verschleierten Musliminnen, Betonung auf „verschleiert“, grüssen keine fremden Männer. Wenigstens wage ich es aufgrund meiner Erfahrungen, auch in arab. Ländern, diese Regel zu formulieren. Und deshalb fand ich den Gruss auffällig. Und auch erfreulich. Muss man da gleich Rassismus wittern? Freundlichen Gruss, TW.

  • Ursula Capaul sagt:

    „Die Muslima grüsste überaus freundlich“
    was hat das mit der Beschreibung zu tun? und warum soll eine Muslimin nicht freundlich gruessen.

    Bauer gruesst freundlich? Metzger gruesst unfreundlich?

    Grenzt das nicht an Rassismus?

    • Peter sagt:

      Warum eine Muselmanin nicht freundlich grüssen soll? Sie soll, aber sie tut es oft nicht, weil sie uns offenbar nicht ins Gesicht schauen darf.

  • Liebe Bieler und Bielkenner, danke für die Ergänzungen. Die Taubenlochschlucht will ich mal separat machen, aber vielleicht war das ein Fehler….

  • Amüsierter sagt:

    Aha, die Sektion der politisch Korrekten hat den Wanderbereich als Propagandafeld entdeckt. Überaus freundlich grüssende Muslima als anscheinend nicht selbstverständliches Highlight, wie traurig ist das denn? Grenzt das nicht an Rassismus? Wir wiederholen alle: Islam ist Frieden. Und weiter zusammen im Biedermann-Chor: Verschleierte Musliminnen sind integriert, wenn sie überaus freundlich grüssen (egal, ob sie in ihre Länder zurückgebracht oder getötet werden, wenn sie den Schleier abziehen wollen). Islam heisst Unterwerfung. Was wir daran sehen werden, dass wir vergebens auf einen Titel „Und die Christin/Jüdin/Hinduistin/Buddhistin/Animistin/usw. grüsste überaus freundlich“ warten werden. Die haben halt kein Gesetzbuch, welches das Leben von allen Andersgläubigen regelt. Für weitere Unterschiede lesen Sie bitte z.B. das hier: http://europenews.dk/de/node/53511

  • Lorenz Hurni sagt:

    Als Exil-Bieler in ZH kann ich auch folgende Variante empfehlen: Anstatt Zug nach Frinvillier: Ab Biel Bahnhof den Bus 71 bis Romont/BE nehmen. Von dort über den vordersten Jurarücken durch Weiden und Wälder bis zum Berghaus Bözingenberg wandern, Weg ist markiert. Bei gutem Wetter immer wieder prächtige Aussicht aufs Mittelland und die Alpen. Kläffende Hunde bei „La Bergerie“. Abstieg und gesamter Zeitbedarf wie gehabt. Viel Vergnügen!

  • Brigitte Moser sagt:

    Weshalb haben Sie denn die Taubenlochschlucht links liegen gelassen? Sehr empfehlenswert ist der Aufstieg nach Frinvillier zu Fuss durch diese wilde Schlucht. In Biel beim Bahnhof Bus Nr. 1 Richtung Eisbahn bis Haltestelle Taubenloch. http://www.taubenloch.org

  • Walter Schmid sagt:

    Super, der Link bei „Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com“ erzeugt bei mir die Meldung „Fehler 404 – Nicht gefunden“

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