Mit Schürze, Werkzeug und Smartphone

Wir begrüssen heute im Outdoorblog Laurens van Rooijen als neuen Autor im Ressort Biken. Aufmerksamen Lesern ist sein erster Beitrag hier im Blog sicher nicht entgangen. Willkommen!


Smartphones sind allgegenwärtig, Freundschaften pflegt der moderne Mensch im Netz, und auch eingekauft wird in den Weiten des Internets. Velofahrer sind da keine Ausnahme – und finden auf Plattformen wie Youtube Anleitungen zum Selberschrauben.

Nicht erst seit vergangenem Sommer, als die Wechselkurse verrückt spielten, sind viele Velofahrer auf das Internet als Quelle für Ersatz- und Anbauteile aufmerksam geworden. Denn grosse Online-Anbieter kaufen nicht nur zu besseren Konditionen ein, sondern können sich auch die Kosten für Ladenlokal und Verkaufspersonal sparen. Dies erklärt die unschlagbar günstigen Preise von Chainreaction.com, Bike-Mailorder.de und Konsorten. Bei manchen Teilen zahlt der Endverbraucher sogar weniger als ein schweizerischer Fachhändler, der offiziell beim Importeur bestellt.

Was passt und wie wird’s montiert?

Bloss: Ein Fahrradteil will auch noch montiert werden. Und da fängt die Crux an, gerade bei sicherheitsrelevanten Bauteilen wie Bremsen. Denn das Velo hat sich längst vom Status des Drahtesels aus kommunem Stahl emanzipiert. Stattdessen kommen Leichtmetalle und immer öfters auch Kohlefasern zum Einsatz. Dies stellt besondere Anforderungen an die Sorgfalt bei der Montage. Im Prinzip müssten alle Schrauben per Drehmoment-Schlüssel angezogen werden, und die Kontaktflächen zwischen Aluminium und Titan sind besonders zu behandeln, um ein Festfressen zu vermeiden.

Und da wäre noch das leidige Thema der Anbau-Standards, oder eher des Mangels an solchen. Wer nicht nur Geld, sondern sich auch Ärger ersparen und die Nerven schonen will, ist darum nach wie vor beim Fachhändler besser aufgehoben. Oder darf sich darüber ärgern, dass die zum Schnäppchenpreis gekauften Bremsen nun doch nicht auf die ebenfalls neue Federgabel passen, sondern umgetauscht werden müssen. Einige grundlegende Arbeiten kann man aber auch ohne handwerkliches Talent und eine Menge spezialisierter Werkzeuge erledigen.

Velotechnik für Dummies – Youtube bringt’s!

Und auf Youtube finden sich eine Menge Kurzfilme, die mal nützlicher und mal weniger hilfreich sind – weil Filme mit deutschem Kommentar Mangelware sind, sollte man aber Englisch verstehen (siehe Videostrecke oben). Ein Klassiker, den sich alle Velobesitzer zutrauen sollten, ist der Wechsel von Reifen und Schläuchen. Dafür muss man aber zuerst einmal die Räder ausbauen. Gemein ist, dass dies umso mühsamer wird, je technisch simpler das Fahrrad ist. Nach einem harten Winter empfiehlt sich zudem der Wechsel der Bremsbeläge, weil die oft mit Metallspänen kontaminiert sind. Auch dies klappt ohne Spezialwerkzeug, aber meist muss danach auch die Bremse korrekt eingestellt werden.

Wer angerostete Schalt- und Bremskabel ersetzen will, braucht bereits eine Zange, um die Kabel sauber abzulängen. Und er sollte bei der Bremse wissen, was er tut. Nochmals kniffliger wird es mit hydraulischen Bremssystemen: Hier ist neben der richtigen Bremsflüssigkeit auch das passende Werkzeug-Set vonnöten. Und wenn Öl oder Fett auf die Bremsbeläge kommen sollte, kann man die gleich auch wechseln. Wegen der angezeigten Sorgfalt und der benötigten Spezialwerkzeuge empfiehlt es sich daher, Arbeiten an Bremsen und eventuell vorhandenen Federelementen der Fachwerkstatt zu überlassen. Und auch die Schnäppchenjäger täten oft gut daran, ihre Beute vom Fachmann montieren zu lassen. Als Kompromiss für Selberschrauber mit Ambitionen bieten sich schliesslich offene Velowerkstätten an, wo man mit vorhandenem Werkzeug selbst Hand anlegen darf.

Wie halten Sie es mit Einkäufen im Netz?
Haben Sie schon Ersatzteile oder ganze Fahrräder im Web bestellt?

Und: Welche Arbeiten erledigen Sie an Ihren Velos selbst, und wo vertrauen Sie lieber dem Fachmann?

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15 Kommentare zu «Mit Schürze, Werkzeug und Smartphone»

  • Robert sagt:

    Es wäre mir ein Rätsel, wie man das Velo immer zum „Mech“ bringen sollte, wenn man es jeden Tag benutzt. Dinge wie ein „Carbonlenker“ sind ja das eine – aber Velos neigen nun mal dazu, schnell kaputtzugehen im Alltagsbetrieb. Den Platten beheben, neue Bremsklötze montieren, Seilzüge und Kette schmieren – das kann man doch nicht ernsthaft jedesmal von jemand anders machen lassen??? Ganz abgesehen von all denen, die es nicht mal schaffen, dass das Licht am Velo geht, sind das doch Kleinigkeiten – man schafft es doch auch, den Teppich zu saugen, Würstchen warm zu machen oder den Hintern abzuwischen…

  • tömsi sagt:

    @Heiris: ich kann meist nicht einmal mit „meinen“ 2 Kettenblättern sprechen, wie du das mit 4 machen willst ist mir schleierhaft;)

  • Heiris Marolf sagt:

    Ich mache eigentlich auch alles selbst, ausser Dämpfer und Gabeln auseinandernehmen, da bin ich etwas vorsichtig. Aber vor allem wenn es um Bremsen oder Schaltung geht, dann meide ich Fachleute, denn da wurde ich regelmässig enttäuscht. Beim letzten Mal, als ich die Schaltung „richten“ liess, wurde es lediglich verschlimmbessert und ich konnte ganze 4 Kettenblätter nicht mehr ansprechen…also extrem miese Arbeit abgeliefert. Ich schätze, dass ich etwas 400-500 Franken für verschiedenes Werkzeug ausgeben musste aber mittlerweile hat sich das bestimmt amortisiert. Unterwegs habe ich natürlich immer ein kleines Rep-Kit dabei, Ersatzschlauch und Mini Pumpe. Schön, wenn man so auch einen Mitradler in Not helfen kann.

  • Marcel sagt:

    Ich mache eigentlich ausnahmslos alles am Bike selbst, also auch den Gabelservice und den Luftkammerservice am Dämpfer. Die benötigten Teile hole ich mir je nach Zeitdruck, Preis und Laune im Internet oder beim Fachhändler. Meiner Meinung nach gehört das Schrauben und die Pflege/Wartung einfach zum Mountainbikesport mit dazu. Nur so kennt man den genauen Zustand des Bikes und wird von bösen Überraschungen normalerweise verschont.
    Wer nicht zumindest die grundlegenden Arbeiten am Bike (Reifen tauschen, Schaltung/Bremsen einstellen, Bremsen entlüften, Bremsbeläge wechseln, etc.) selbst erledigen kann, der wird im Gelände immer ein mulmiges Gefühl haben müssen, da selbst im Falle eines simplen Plattens die Tour zwangsläufig vorbei ist. Auch wenn einem bei der Samstagstour ein Schaltzug reisst, so ist es doch ideal wenn man diesen daheim schnell ersetzen kann und nicht die geplante Sonntagstour absagen muss. :-)

  • Sebastian sagt:

    Ich mache mittlerweile alles am Bike selber. Sei das Federgabel einbauen, Kurbel und Tretlager tauschen, Bremsen anbauen, warten und entlüften. Ich finde, da kommt man als ambitionierter Biker auch nicht drum rum. Ich kann ja schlecht 5-10 mal im Jahr zum Händler gehen und das machen lassen. Wie soll ich mir das als Student leisten? Nee, da ist schon selbst schrauben angesagt.
    Letztes Jahre habe ich mir ein Singlespeed MTB für die Stadt aufgebaut. Das Projekt hat sich über 3 Monate gezogen, weil ich die Teile nach und nach zum größten Teil gebraucht gekauft habe. So konnte ich mir für ~250 Euro ein Bike aufbauen, was mit Neuteilen mindestens das doppelte gekostet hätte.
    Das Schrauben ist halt ein Hobby – und mal ehrlich, wenn man nicht ganz blöd ist, kann man da auch nicht so viel falsch machen.
    Klar, alles kann man nicht selber machen. Z.B. Steuersatz einpressen. Und einen Drehmomentschlüssel hab ich auch nicht, war mir bisher noch zu teuer. Allerdings habe ich auch keine Carbon-Teile verbaut.

  • Stefan Meier sagt:

    Zum Velomech? Sicher nicht mehr. Hatte die U-Scheibe der Radmutter auf der innenseite der Achse montiert, sodass der Wechsler und die Kränze um diese U-Scheibendicke falsch liefen – Fahrrad ratterte fortan. Reklamation brachte nichts, er sagte, das Velo sei eben alt und ich solle doch ein neues kaufen. Quintessenz: Wer will, dass sein Velo ANSTAENDIG gemacht ist, muss es selber machen.

    • Paul Mircher sagt:

      Nur weil sie schlechte Erfahrungen mit einen „Velomech“ gemacht haben sind nicht alle schlecht. Diese Verallgemeinerungen gehen mir auf den … Es gibt in der Schweiz sehr viele gute Mechaniker!

  • Tom sagt:

    Grundsätzlich bestelle ich amerikanische Teile wie Chris King in Amerika über Aspire Velotech oder aber bspw. bei Paul direkt über den eigenen Webshop. Kundenservice ist in beiden Fällen hervorragend, jedoch lohnt es sich wegen der unverschämt hohen „Vorweisegebühr“ sich mit Kollegen zu einer Sammelbestellgemeinschaft zusammenzuschliessen.
    In der Schweiz halte ich bike-import.ch ebenfalls für eine gute Online-Adresse mit ebenfalls sehr gutem Kundenservice. Auch finden sich dort teilweise auch noch ältere Shimanokomponenten. Ab und zu lässt sich das eine oder andere Teil auch mit einem Velofreund tauschen oder über die entsprechenden virtuellen velospezifischen Occasionsplattformen kaufen oder verkaufen. Auch diesbezüglich habe ich bis auf vielleicht ein- oder zweimal immer sehr gute Erfahrungen gemacht.

  • tömsi sagt:

    Ich mach alles selber ausser Gabeln und Dämpfer. Die Bikes kauf ich im Fachhandel, aber auch occasion oder neu von Privaten. Ersatzteile aller Art gelegentlich im Netz, aber nur in der Schweiz. Im Markt von http://www.traildevils.ch findet man preiswerte und meist neue oder gut erhaltene Komponenten. Ebenfalls auf http://www.acefactory.ch, ist ein Versender wie auch ein herkömmlicher Bikeshop in Thun.

  • Guter Tipp. Zauhause ziehe gedruckte Anleitungen oder den Rat von KollegInnen vor. Aber unterwegs, besonders in Ländern deren Sprachen man nicht versteht, sind die Online Anleitungen einen gute Sache.
    Nur keine Angst, der Respekt vor der Radtechnik ist oft grösser, als die Schwierigkeit sie zu erlernen.
    Bervor es auf die grosse Tour geht, lohnt es sich sein Velo zuhause einige Male auseinander zu nehmen und wieder zusammen zu schrauben.
    In grossen Flächenstaaten wie Kanada oder auch schon in Bayern, sind Fachleute dünn gesät.

  • Rolf Gisler sagt:

    Das Internet macht aus jedem Analphabeten einen Nobelpreisträger…

  • Paul Mircher sagt:

    Die Seite heisst www . chainreactioncycles . com und ist nicht günstiger als wenn man es bei bikeimport . ch bestellt. Viele vergessen das man noch Zoll zahlen muss, aber es gibt Teile die bekommt man hier gar nicht.

    Ich mache eigentlich alle Arbeiten an meinem Bike selber, Gabel montieren, Bremsen entlüften, Reifen wechseln… nur z.B. den Steuersatz einpressen mache ich nicht selber, weil mir das Werkzeug fehlt und ich es auch nicht kaufen will.

    Ein Mountainbike sollte nie rostig sein, sonst hat man grundlegend etwas falsch gemacht und sollte das bike besser einem Fachändler/Mechaniker überlassen. Bei sogenannten Stadtvelos ist dies etwas anderes, auch mein „Urban Racer“ hat ein paar Roststellen, aber dies stört mich nicht, solange alles funktioniert. Ich müsste im Winter jeden Tag mein Stadtvelo waschen und fetten wenn ich Rost komplett vermeiden will.

    Alle die keinen Drehmomentschlüssel zuhause haben sollten die Montage von sicherheitsrelevanten Teilen aus Carbon auf jedenfall einem Fachmann überlassen. Wenn man z.B. einen Carbonlenker falsch montiert, könnten die Bewegeungen eine Kerbe ins Material arbeiten und dann bricht der Lenker ohne Vorwarnung komplett durch. Nicht auszudenken wenn dies genau in einer Abfahrt bei Höchstgeschwindigkeit passiert. Darum, wenn man schon 5000.-+ für das Bike ausgegeben hat, sollte man nicht bei der Wartung sparen und mit null Ahnung alles selber dranzuwurschteln.

    Jeder der anfangen will selber sein Bike zu reparieren und warten, sollte sich mal richtiges Werkzeug anschaffen. Bitte kein billiges Werkzeug kaufen, damit macht man nur mehr kaputt und lange halten tut es auch nicht. Mit PB Swiss kann man nie etwas falsch machen und so teuer ist es auch nicht. Ein Inbussatz (z.B. Rainbow) und Kreuz-, Schlitz- und Torx-Schraubenzieher, dann noch Reifenheber und einen Kettenieter, damit sollte man für die meisten Sachen gerüstet sein. PB Swiss hat auch ein Biketool mit fast allem was wichtig ist, aber leider fehlt der Kettennieter. Als Alternative das Alien von Topeak, hat alle Werkzeuge im Taschenmesser-Style integriert. Diese Tools ersetzen aber nie richtiges Werkzeug. Eine gute Pumpe sollte man auch noch kaufen, z.B. eine SKS Rennkompressor. Im Big Blue Book of Bike Repair von ParkTool steht alles was man wissen muss, wenn man sich nicht auch Youtube Videos verlassen will.

    • hjm sagt:

      kann nur zustimmen einkaufen bei bike import schnell zuvelässig und günstig

      • Patrick sagt:

        Selber machen ist gut, da bin ich einverstanden. Aber das mit bikeimport.ch seh ich schon ein wenig anders. Die Leute sind extrem unzverlässig. Wenn was an Lager ist funktionierts gut, aber wenn was bestellt werden muss erfährt man Wochenlang nicht wie der Stand der Dinge ist, trotz mehrfacher Anfragen. Das hab ich nun leider schon 3 mal so erlebt. Ich werde auf jeden Fall nicht mehr bei bikeimport bestellen, es gibt ja noch andere gute schweizer onlineshops.

  • Daniel Küttel sagt:

    Gangschaltung einstellen, Bremskabel anziehen und Pneuwechseln trau ich mir noch selber zu. Andererseits habe ich oftmals mitten auf dem Weg einen Platten und dann geh ich gleich zum Fachmann. Ich find das immer noch entspannend. Gemütlich zugucken wie er mit ein paar kurzen Handgriffen das Rad abmontiert, Schlauch rauszieht und kontrolliert ob sich noch Restelemente im Reifen befinden, die den neuen Schlauch schädigen könnten. Rein mit dem Neuen, etwas Luft run, Rad aufsetzen, Bremsen ansetzen und richten: Weiter gehts! Speziell die Radlager zu wechseln mache ich nie wieder selber, da hatte ich mich schon einmal vertan. Schon mal mit einem Fahrrad gefahren dessen Kugellager kaputt ist? Jessas…….. das ersetzt jede Glocke, man hört einem schon von X-Metern. *g*

    Aber nach dem fiesen Winter wäre eine Grossreinigung wirklich nicht zu verachten. Andererseits gehöre ich zu den Leuten die nach einem Winter oftmals die Velokette eh ersetzen müssen. Oftmals ist die nach dem Winter fast abgefahren oder aber so verrostet, dass es eine Neue braucht. Die Kette jeden Morgen oder Abend neu zu fetten kotzt mich an. Na ja, bei einem Velo von 1500 Franken ist das wohl auch etwas anderes, als wenn Leute ihre 5000-10000 Franken Velos pflegen ;o)

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