Es reicht!

Für diese Menge an Teilnehmenden sind die Gassen der Altstadt eindeutig zu eng: Zürcher Silvesterlauf 2011.

Die Gassen der Zürcher Altstadt sind langsam zu eng: Silvesterlauf 2011.

Die Weihnachtszeit. Sie steht für Romantik. Kalte Winterabende bei Raclette und Kerzenlicht. Sie steht für verschneite Gassen. Friedliches Beisammensein. Sie steht für den traditionellen Silvesterlauf. Auch wenn der Name täuscht, denn die Teilnehmer rennen durch weihnachtlich geschmückte Strassen der Zürcher Innenstadt.

Lucy und ihre unzähligen, sanft leuchtenden Schneeflocken boten dieses Jahr die ideale Kulisse für einen romantischen Lauf – ganz im Zeichen der friedlichen Jahreszeit. Die besinnliche Atmosphäre blieb aber aus – zumindest in einigen Kategorien. Noch schlimmer: Sie wich hitzigen Wortwechseln und aggressiven Schubsereien.

Eine luxuriöse Runde

Die Strassen sind schmal und kurvig – eigentlich wie geschaffen für eine malerische Szenerie. Der Nachteil dieser idyllischen Gassen: Sie sind eng. Zu eng. Zu eng für die Anzahl Läufer, welche der Veranstalter in einigen Kategorien aufs Mal auf die Strecke schickte. Jahr für Jahr verbucht er steigende Teilnehmerzahlen – nicht nur in den Familienkategorien, welche das Organisationskomitee heuer löblicherweise wegen dem Ansturm aufgeteilt hat. Jahr für Jahr kommen also mehr Läufer in den Genuss der Zürcher Idylle und Jahr für Jahr wird der Beigeschmack bitterer.

Jeder könnte sich damit abfinden, wenn das Gerangel einen Kilometer nach dem Start ein Ende hätte. Mit der steigenden Teilnehmerzahl steigt aber auch die Anzahl Runden, die die Läufer zurücklegen müssen, um sich frei bewegen zu können, um unbehelligt vorwärts zu laufen. Diesen Luxus konnte ich nur eine Runde lang geniessen, denn in den ersten beiden hatte ich mich vor den Ellbogen meiner Mitstreiter in Acht zu nehmen. Der dritte Umgang brachte schliesslich den lang ersehnten Platz, während ich im vierten langsam zu überrunden begann und damit diesen Luxus gleich wieder vergab.

Humor weicht der Frustration

Ähnlich erging es einem Redaktionskollegen: «In der ersten Runde war es unmöglich das eigene Tempo zu laufen, ich musste teilweise aufs Trottoir ausweichen», lautete das enttäuschte Fazit des Silvesterlauf-Novizen. Selbstkritisch wie er ist, räumt er gleich ein, dass er sich möglicherweise einfach für eine zu langsame Kategorie angemeldet habe. «Lerneffekt fürs nächste Mal… .»

Allerdings häuft sich die Kritik der Teilnehmer. Und der Tenor bleibt derselbe. Nils Pfändler, ein junger Teilnehmer, resümiert: «Überholen, Abbremsen und Stehenbleiben in unregelmässigen Abständen.» Er erinnert sich, dass insbesondere in den engen Passagen, wie beim Rennweg, zeitweise sogar gar nichts mehr lief. «Auffällig war, dass die Sportler diesen hitzigen Slalomlauf am Anfang mit Humor nahmen. Je länger, je mehr herrschte aber Frustration vor.»

Pendler im HB als Trainingspartner

Pfändler hat jedenfalls seinen Humor im Ziel wieder gefunden, für ihn zähle letztlich die Teilnahme, meint er leicht ironisch. «Und wer das anders sieht, kann sich als Trainingsvorbereitung fürs nächste Jahr ab sofort regelmässig in Laufschuhen durch den Pendlerverkehr im HB schlängeln.»

Es reicht! Verständlich, wenn die Kasse letztlich stimmen muss; verständlich wenn ein Laufveranstalter profitieren will – unter dem Strich sind grosse Volksläufe ein Geschäft. Darf auch so sein. Aber bevor die Läufer die Pendler am Hauptbahnhof als Trainingspartner missbrauchen, täte der Organisator des Silvesterlaufs gut daran, dem Lauf jene Atmosphäre zurückzugeben, die ihm gebührt: ein weihnachtlicher Wettkampf in besinnlicher Kulisse und friedlicher Gesellschaft.

29 Kommentare zu «Es reicht!»

  • Felix sagt:

    Es war auch dieses Jahr wieder extrem mühsam. Bin im „hinteren Mittelfeld“ bei der Premium-Kategorie gestartet. Die erste Runde war nur ein Kampf, die zweite Runde ein wenig besser, aber im Bereich Rennweg und Bahnhofstrasse immer noch zu eng.
    Die Veranstalter müssen sich was überlegen, so gehts nicht mehr. Entweder gibt es eine modifizierte, veränderte Strecke mit längerer Runde oder aber – einfacher – man lässt in den 4 langen Kategorien maximal 2’000 Athleten starten.

  • taranis sagt:

    meinen ersten Lauf habe ich 1999 absolviert und ich bin gerne jedes Jahr mit dabei. am Samstagabend haben wir ohne anstehen zu müssen, unsere Startnummern geholt. dass es beim Lauf zu Beginn „stop’n’go“ gibt, gehört dazu und dass es in jeder Kategorie schnellere und langsamer gibt auch. der Lauf ist toll, die Stimmung ist gut, ich bin nächstes Jahr wieder dabei!

  • Peter sagt:

    Hee, das Thema ist ja von 2011. Und jetzt war soeben der Lauf 2012, mit nochmals 2’000 mehr Läufern. In der Sache, es hat nicht genug Garderoben, die Turnhalle im Schulhaus ist völlig leer und zugesperrt, auf dem Bürkliplatz hätte es locker Raum für noch 4 Umzieh-Alphütten, früher war der Start anscheinend im Limmatquai, jetzt ist der Startblock zehn Läufer breit, nach 123m kommt die Münsterbrücke, welche fünf Läufer nebeneinander durchlässt, am Rennweg haben nur noch vier Platz, uUnd wenn zwei zusammengehörige nebeneinander laufen, das ist schon wie eine Mauer. Der Lichtblick ist datasport, und dieses Knowhow hat der Lauf eingekauft. Wahrscheinlich hat die Fun-Kategorie am meisten davon, wenn sie nach 40 Minuten/2 Runden erschöpft vom Kostüm das Zielband queren.

  • Alfred Diethelm sagt:

    Ich mag Chüngeli, sie sind äusserst delikat,, ergo bin ich gegenüber Chüngeli-Züchter durchwegs positiv eingestellt.

  • Adi sagt:

    Vielleicht eine einfache Lösung wäre in Altersklassen on geschlechtklassen zu Starten dann wird alles Besser eingeteilt. ZeitKlassensin sind sinvoller auf längere Strecke.Da wäre mögolicerweise eine Lösung um eine sanfte Wachstum der Silvesterlauf. Das OK sollte aber am besten wissen die Richtige Lösung Eine solce verantstaltung ist immer einen grosse Arbeit Hut ab.

  • Heike sagt:

    Leben und leben lassen. Platz machen für die Schnellen, rücksichtsvoll und vorausschauend selbst laufen. Eine schnelle Zeit ist doch bei so vielen Läufern und engen Gassen gar nicht möglich. Einfach ein schöner, stimmungsvoller Abschluss des Läuferjahres.

  • Marco Wolle sagt:

    Definitiv kein Lauf um sich zu enstpannen, oder um ihn genüsslich zu joggen. Deswegen nehme ich auch nicht mehr teil. Gute Idee, am Zürich Marathon einen HM zu machen, das wäre sinnvoll.

  • Lorenz Meier sagt:

    Was soll diese Miesemache? Beide Male an denen ich teilgenommen habe blieben mir als äusserst stimmungsvolle und friedliche Ereignisse in Erinnerung. Kleiner Tip: in der Kategorie „55 min +“ ist das Feld sehr viel heterogener als in den schnelleren Kategorien, so dass sich die Leute bereits nach 500m gut verteilen. Da können auch schnelle Läufer durchziehen, und ausserdem ist die Stimmung im Dunkeln viel schöner.

    Miesepeter sollen doch zu Hause bleiben, dann hats mehr Platz für positiv eingestellte Leute. Einen herzlichen Dank an die Veranstalter!

  • Rimmen sagt:

    Ich war als Zuschauer am Silvesterlauf…und musste auch sehen, dass es eher eine Schubserei als ein Lauf war. Mann müsste einfach die Rennstrecke breiter machen dann funktioniert dass schon (Aber nein…man pfärcht die Läufer ein anstatt zB die Bahnhofstrasse zu sperren). Die Zuschauer braucht es eigentlich gar nicht die klatschen nicht und feuern auch nicht an (ausgenommen vielleicht seine/n Gotte/Götti oder Frau/Mann) Ich war enttäuscht…und kam mir fast schon blöd vor als ich alle anfeuerte….Da gehe ich lieber wieder an den New York Marathon und die Läufer freuen sich über die Anfeuerung

  • Sepp Rohner sagt:

    Zürich ist eh keine Destination für herausragende Laufveranstaltungen. Die Organisatoren sind allesamt abgehalfterte Diletanten und unqualifizierte möchtegern OK Manager.

    • Michi sagt:

      dann kannst du ja gerne mal so einen Event organisieren. Mal schauen wie gut du das kannst. Im übrigen stehen die gleichen Leute hinter dem Silvesterlauf wie hinter dem Zürich Marathon – also sicher nicht irgendwelche Chüngeli-Züchter.
      Zuerst überlegen und dann schreiben.

      • Janine sagt:

        @ Michi: wenn man die Organisation der Strecke, der Sicherheit, der Startnummernausgabe und der Expo des Silvesterlaufes mit vergleichbar grossen Veranstaltungen wie beispeilsweise dem GP Bern, dem Frauenlauf usw. vergleich dünkt mich das ganze doch recht chaotisch! Ob der ZH-Marathon besser organisiert ist, kann ich leider nicht beurteilen!

      • Rudolf Zingg sagt:

        @Michi
        Also ich bin der gleichen Meinung wie Sepp Rohner. Das übrigens die gleichen Leute auch den Zürich Marathon organisieren (wenn man hier von „organisieren“ sprechen will..) überrascht mich keineswegs. Und ich denke Chüngeli-Züchter sind nicht nur besser organisiert, sondern bringen Know-how und Leidenshaft mit. Alles Eigenschaften, die bei diesen möchtegern-international-„Organisatoren“ bei weitem fehlt.

  • Danielle sagt:

    Der Zürcher Silvesterlauf ist einer der unsympathischsten Läufe der CH. Schon vor Jahren stellte es uns angesichts der Unfreundlichkeit von Teilnehmern und Zuschauern und der allgemein ‚Lätsch‘-Stimmung ab. Von wegen vorweihnächtlich und friedlich. Dass man an einem solchen Volks(auf)lauf teilnimmt, um sich sportlich zu profilieren, ist ohnehin kindisch.

  • Noel sagt:

    Ich verstehe schon gar nicht das ambitionierte Läufer an so einem Lauf teilnehmen?! Und wer meint das man an so einem Anlass ein Rekord aufstellen kann, irrt sich gewaltig….

  • Tom sagt:

    Ich sehe das Problem weniger bei den Veranstaltern, als eher bei der Stadt, die wohl auch hier nur zimperlich mit Bewilligungen für Verlängerung oder allfällige Streckenänderungen umgeht!

    @Tronic: Schneller als „Züri-Fit“ gibts nichts. Die Schnellsten laufen da eine Runde in etwas über 7 Min. (=28 Min), somit überrunden sie die Langsamsten (10′ / Runde), die ohnehin ein paar Minuten später los liefen, nach gut zwei Runden.

    • Tronic sagt:

      Ok, das Argument zählt :) Mein Irrtum.

      Dann bezieht sich mein Kommentar nur auf diejenigen Läufer, die später gestartet sind. Denn auch ich wurde nach 2 Runden überholt, obwohl ich (für meine Verhältnis) gut in der Zeit und in der „angemeldeten“ Zeit lag.

  • Jordan Belfort sagt:

    Nun, ich war eigentlich positiv überrascht, wie gut es dieses Jahr geklappt hat. Weniger gedränge als im letzten Jahr in meiner Kategorie (Premium) und obwohl ich schneller war als gedacht musste ich nicht gross überholen…. Dennoch, eine Beschränkung der Teilnehmer wäre sinnvoll.

    Gruss,
    JB

  • Tronic sagt:

    Helft mir auf die Sprünge?

    Ihr überholt bereits in der 3. Runde – seid ihr dann nicht in der falschen Kategorie gestartet?

    Es macht den Eindruck, dass ihr von andern Leuten Dinge erwartet, die ihr selbst nicht einhaltet. Das mag aber nur mein Eindruck sein.

  • Hans sagt:

    Der Silvesterlauf hat meiner Meinung nach die Kapazitätsgrenze schon länger erreicht. Für ambitionierte Läufer ist die Situation schon seit ein paar Jahren eine ziemliche Katastrophe, weil man (in der Kategorie „unter 40 Minuten“) nach 2,5 Runden die ersten Läufer einholt und man sich in der letzten Runde regelrecht durch die Masse durchkämpfen muss. Ohne blaue Flecken geht das schon lange nicht mehr, und ich überlege mir, in Zukunft schweren Herzens auf den Silvesterlauf zu verzichten. Scheinbar ist es auch in den anderen Kategorien nicht viel besser. Ein gewisses Mass an Gedränge nimmt man sicher in Kauf, aber es ist nirgends (nicht einmal am Basler Stadtlauf) so schlimm wie in Zürich.
    Als Möglichkeiten sehe ich entweder die Einführung zusätzlicher Kategorien oder eine andere zeitliche Einteilung. Und schliesslich sollte man halt doch gerade für die Originalstrecke eine Teilnehmer-Obergrenze einführen. Mehr ist nicht immer besser.

  • bruno sagt:

    Insgesammt war es doch auch dieses Jahr wieder ein gelungerner, schöner Anlass und auch die Organisation hat grossmehrheitlich funktioniert. Die Startnummern habe ich am Freitag ohne Stress für die ganze Familie abgeholt.

    Das Laufen an sich- na ja wie jedes Jahr schön, aber schwierig. Insbesondere in der Kategorie „Züri-fit“. Da hat es leider jedes Jaher zu ehrgeizige Läufer im Block die nie und nimmer unter 40 Minuten laufen können. Aber eben auch Läufer die in 30 oder weniger ins Ziel kommen. Obwohl mit 37 Minuten Laufzeit in der richtigen Kategorie gestartet, wurde ich schon früh überrundet. Dies ist mühsam für die Ueberrundeten, teilweise gar gefährlich für die Ueberholenden.
    Vielleicht bringt man es ja irgendwie noch in den Zeitplan eine Kategorie „unter 35 Minuten“ einzuschieben.
    @pecos Halbmarathon bis Erlenbach und dann mit dem Schiff zurück? Im 2012 gibt es neu den City-run über 10 KM – ideal für alle die (noch) nicht fit genug für den Marathon sind, aber dennoch die tolle Stimmung geniessen wollen.

  • Georg sagt:

    Man kann machen, was man will. Steht man ganz vorne ein, entgeht man dem Gedränge, läuft aber spätestens in der 3-4 Runde auf die Hintersten auf. Startet man weiter hinten, ist man voll im Getümmel und kommt nicht vom Fleck.
    Die Startblöcke sind einfach zu gross, trotzdem will und kann der Veranstalter nichts machen. Gemäss seiner Aussage liegen aufgrund des engen Zeitplans keine zusätzlichen Kategorien mehr drin.
    Wünschte mir ein System à la Escalade Genf, dort startet man nur in der Kategorie „Escaladélite“, wenn man im Vorjahr eine bestimmte Zeitlimite erreicht hat.

  • Roger sagt:

    Ich war dieses Jahr eher überrascht wie gut es ging. Die erste Runde war etwas eng, danach ging hat es sich eingependelt und es ging gut vorwärts.
    Bei meinem ersten Start (noch ohne Chipzeitmessung) hab ich mich auch noch ziemlich über die Läufermasse geärgert. Seither zählt beim Silverstelauf nur noch das dabeisein. Es soll doch einfach nur spass machen! Für eine gute Zeit muss man einen anderen (kleinen) Lauf suchen!

    • Sabrina sagt:

      @Roger: Du hast absolut recht. Den Silvesterlauf muss man geniessen, ob als Läuferin oder als Zuschauerin. Spitzenzeiten überlassen wir doch den Afrikanern. Ein gutes Beispiel ist der l’escalade in Genf. Man soll dort in der Kat. Marmite starten, dann weiss man, was ein Genuss und X-Mas ist.

  • Nada sagt:

    Da kann ich der Schreibenden nur beipflichten. Die erste Runde ging gar nichts, die Zweite und Dritte können als Überholen mit gerempel und ellbögeln bezeichnet werden. Am Besten wars noch in der letzten Runde, als sich das Feld etwas in die Länge gezogen hatte. Allerdings frage ich mich auch, weshalb es immer so viele Teilnehmende gibt, die ihre Leistung nich einschätzen können und viel zu weit vorne im Startblock stehen, um dann die Strasse zu verstopfen…

  • Janine sagt:

    Das OK des Silvesterlaufes könnte sich noch in vielen Bereichen bei anderen Gross-Läufen ein Stück Erfahrung abschneiden! Dies betrifft nicht nur die Streckensicherung, sondern primär auch die Starartnummernausgabe und die Läufer-Expo. Für 19’000 Läufer definitiv nicht weit genug gedacht!

  • Pecos sagt:

    Als erfahrener Läufer (mehr als 30 Marathons und x ZKB etc. Läufe) meide ich solche Grossanlässe. Da macht mir eine schnelle Runde durch den Wald mehr Spass. Das OK sollte die TeilnehmerInnen Zahl beschränken. Dafür könnte es beim Züri Marathon einen 1/2 Marathon einführen. Dort hat es lustigerweise jedes Jahr weniger LäuferInnen über die volle Distanz!

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