Aufstieg zum Kalbscarré

Der Berner René P. Moor, Kolumnist der Tierwelt, legt ein Buch vor, das ich mag. Das Format von «Hin und weg» ist sympathisch bescheiden. Die kurzen Texte pointiert. Und die Fotos Sinnierstoff. Moor zog von jedem Kantonshauptort zu Fuss los. Seine Miniaturreportagen dokumentieren den Versuch, aus dem Verbauten ins Unverbaute zu gelangen, was bisweilen nicht so einfach ist. Es geht um das Kuriose in der Agglomeration, aber auch um touristische Inszenierungen im Zentrum. Über den Disneyflecken Appenzell schreibt Moor treffend: «Das Authentischste ist in der Hauptgasse liegengebliebener Pferdemist.»

Und damit zur Route der Woche. Sie führte mich und meine Wandertruppe «Fähnlein Fieselschweif» letzten Samstag auf den Pfannenstiel, den Höhenzug über dem rechten Zürichsee-Ufer. Wir starteten in Stäfa. Beim Wanderwegweiser auf der Nordseite des Bahnhofs wählten wir nicht die Direttissima zum Pfannenstiel. Sondern wir zogen Richtung Rapperswil los, um dann gleich wieder nach links ins Dorf abzubiegen.

Nur kurz der Strasse entlang

An dessen oberem Rand erwartete uns eine erfreuliche Überraschung. Das Risitobel präsentiert auf kleinem Raum eine trotzige Wildheit; steil ist der Hang und braun durch das Herbstlaub, über eine Nagelfluhwand stürzt ein Bächlein. Ein manierlicher Pfad macht aus dem Aufstieg ein Vergnügen und ermöglicht den Schaugenuss in der Bonsaischlucht.

Beim Punkt Risi blickten wir weit über den Zürichsee in die Innerschweiz. Freilich begann es nun zu regnen. Wir hielten jedoch an unserem Plan fest, via Obsirain zu gehen, was ein Umweg ist. Die nächsten zwei Stunden waren lockeres Wandern meist geradeaus, dazwischen sanft aufwärts. Eine kurze Strecke war unschön: In der Gegend ums Türli, den Pass von Männedorf nach Oetwil, geht man auf einem separaten Kiesstreifen, aber eben doch der Strasse entlang.

Der Vollmond erhellt die Landschaft

Wir erreichten den Vorderen Pfannenstiel. Von dort fährt stündlich bis in den Abend hinein ein Bus zum Bahnhof Meilen. Wir strebten nach Höherem, hielten noch etwas weiter aufwärts und langten eine Viertelstunde später bei der Hochwacht an. Im gleichnamigen Restaurant fand um 16 Uhr unser Weihnachtsessen statt: Rüebli-Ingwer-Suppe, Kalbscarré mit Kartoffelgratin, Rotwein und ein Kafi-Schnaps als Krönung.

Hernach teilte sich die Gruppe. Eine Minderheitsfraktion ging retour zum Vorderen Pfannenstiel und nahm den Bus nach Meilen. Wir anderen marschierten weiter und fanden im folgenden die Dunkelheit gar nicht so dunkel: Der Vollmond erhellte, obwohl von Wolken bedrängt, die Landschaft, so dass wir die Taschenlampen kaum brauchten. Unten auf der Forch fanden wir das Nachtwandern derart nett, dass wir verlängerten.

Unsere – wintertaugliche – Weihnachtswanderung endete in Zumi’s Bistro am Dorfplatz von Zumikon. Das Restaurant läuft nicht besonders, was wohl an der Sterilität des Platzes liegt; schon der frühere Wirt tat sich schwer. Dem jetzigen Wirt hat die Gemeinde als Besitzerin gekündigt, was er aber nicht akzeptiert. Ich kann nur sagen: Ich mag das Bistro, gehe von meinem Wohnort Zollikerberg oft hin und stelle fest, dass alle Gäste, auch die mit Kindern, auch gebrechliche Alte, anständig behandelt werden. Nasse, schmutzige Wanderer ebenfalls, wie ich seit Samstag weiss.

Route: Bahnhof Stäfa – Risitobel – Risi – Obsirain – Türli – Vorderer Pfannenstiel (Busstation/Restaurant) – Hochwacht (Restaurant) – Guldener Höchi – Forch (Bahnstation) – Forchdenkmal – Zumikon (Bahnstation).

Gehzeit: Knapp viereinhalb Stunden. Wer in der Forch aufhört, braucht eine gute halbe Stunde weniger.

Variante: Wer von der Hochwacht wieder zum Vorderen Pfannenstiel absteigt (15 m), braucht ingesamt drei Stunden.

Höhendifferenz: (für die ganze Wanderung Stäfa – Pfannenstiel – Zumikon) 400 Meter aufwärts, 150 abwärts.

Charakter: Leicht. Ausser im Risitobel breite Wege. Viel Wald. Die Route eignet sich daher auch für den Winter; einzig im Risitobel muss man bei Schnee und Eis vorsichtig sein.

Höhepunkte: Das trotzig wilde, durch seine Kleinheit aber herzige Risitobel. Der Blick von der Risi aus über den Zürichsee. Die Einkehr in der Hochwacht. Der 360-Grad-Rundblick vom Hochwachtturm.

Einkehr unterwegs: Hochwacht auf dem Pfannenstiel (www.hochwacht-pfannenstiel.ch). Sieben Tage in der Woche offen. Einkehren kann man auch beim Vorder Pfannenstiel (www.restaurant-pfannenstiel.ch) und in der Krone, Forch, (www.kroneforch.ch).

Buch: René P. Moors Buch «Hin und weg» kann man auf www.wanderwerk.ch bestellen.

Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com

2 Kommentare zu «Aufstieg zum Kalbscarré»

  • ralph kocher sagt:

    Ich täte meine Wanderungen auch gerne weiterempfehlen (eine nun von): Ab Arvenbühl (mit Bus vom Bhf. Ziegelbrücke her) gemütlich anwärmend zur Alpbeiz „Looch“ (hier Mut antrinken falls Regenwetter und nur mit Turnschuhen, ähem…), anschliessend bekömmlicher Aufstieg für Fotoshootings zum Leistchamm. Dann ein Stück wieder runter und vor dem Abzweiger richtung Walenstadtberg (blau markiert) den Steinböcken Hallo sagen. Weiter nur für jenige, welche die Angst hinter sich haben: Das „Goocht“ passierend und steil über’s Geröll runter an den Gemsen vorbei. Später die Möglichkeit nach Quinten zu gelangen (nach rechts) oder beim Entscheid nach „links“ (etwas weniger „gääch“) vor Walenstadtberg Stippvisite beim Paxmal. Ab Walenstadtberg muss eine Transportmöglichkeit eingeplant werden, ab Quinten eine Seequerung rüber nach Murg. Der Trip dauert ab dem ersten Bus ab Ziegelbrücke frühmorgens bis in den späten Abend hinein! Let’s go (back to your roots…)!

  • Daniel sagt:

    Im übrigen eine Wanderung wo auch sehr gut nicht geübte Wanderer machen können, vorallem im Frühling oder Spätherbst nur schon Traumhaft von der Landschaft hergesehen!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.