Wählen Sie die Abenteurer des Jahres!

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Rekord: Sano Babu Sunuwar und Lakpa Tsheri Sherpa schwebten mit dem Gleitschirm 30 Meter über den Gipfel des Mount Everest. (Bild: Nationalgeographic.com)

Zum siebten Mal vergibt «National Geographic» den Titel «Abenteurer des Jahres». Nominiert sind zehn Abenteurer, welche Aussergewöhnliches geleistet und in ihren Disziplinen einen neuen Meilenstein gesetzt haben: Kletterer, Bergsteiger, Wanderer, Kajakfahrer, Biker, Skifahrer, Snowboarder, Surfer. Wer die renommierte Auszeichnung bekommt, bestimmt das Publikum – wählen auch Sie mit!

Ich möchte die Möglichkeit nutzen und eine Lanze brechen für die beiden nominierten Nepalesen Sano Babu Sunuwar (29) und Lakpa Tsheri Sherpa (37), welche aufgrund minimalster Sponsoring-Unterstützung wahrscheinlich wenig Chancen auf den Titel haben. Aber: Die beiden lieferten 2011 zweifelsohne die spannendste, ehrlichste und einzigartigste Geschichte, die mir zu Ohren gekommen ist. Zwei herzerwärmende Helden. Wir haben hier bei «alpin im Outdoorblog» schon einmal über die beiden berichtet – Anfang Juni 2011, als eine der allerersten Medien ausserhalb von Nepal («Schwebend über den Berg der Berge»). Damals steckten Babu und Lakpa noch mitten in ihrem Rekordabenteuer. Heute folgt nun die ganze Zusammenfassung ihres wochenlangen Wagnis-Unternehmens.

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Babu und Lakpa: Die beiden erlebten auf ihrem beispiellosen Abenteuer Unglaubliches. (Nationalgeographic.com)

Vom Everest Gipfel mit dem Gleitschirm und mit dem Kajak bis zum Golf von Bengalen –
10 Gründe, weshalb Lakpa Tsheri Sherpa und Sano Babu Sunuwar den Titel «Abenteurer des Jahres» verdienen:

1. Sano Babu Sunuwar ist begnadeter Gleitschirmpilot und Kajakfahrer, war aber vorher noch nie richtig Bergsteigen. Sein Partner Lakpa Tsheri Sherpa ist Bergführer und erfolgreicher Gipfelstürmer. Vom Gleitschirmfliegen hatte er bis dahin nur geträumt, ein Selbstversuch endete mit einer Landung in einem Baum. Ihre verrückte «Para-Bergsteiger»-Idee kam ihnen spontan, nachdem sie sich zufällig getroffen hatten.

2. Einer konnte also nicht klettern, der andere nicht fliegen – aber gemeinsam schafften sie es am 21. Mai 2011 auf den Gipfel des Mount Everest (8865 Meter), danach flogen sie mit dem Tandem-Gleitschirm hinab ins Tal. Aber nicht nur das: Sie flogen sogar 30 Meter über den höchsten Gipfel der Erde. Eine solche Höhe hatte vorher noch nie ein Gleitschirmpilot erreicht, der danach auch noch lebend und sicher auf dem Boden landete.

3. Bis anhin gab es überhaupt erst drei erfolgreiche Gleitschirmflüge vom Everest-Gipfel. Die beiden Nepalesen waren mutig. Der Wind sei weder gut noch schlecht gewesen, berichteten sie danach. Für diesen höchsten Rekordflug erhielten sie von der internationalen Gleitschirmgemeinde Anerkennung. Sehen Sie diesen einzigartigen Flug in dünner Luft im Video hier.

4. Beim Everest-Aufstieg verlor Babu Sunwar auf 7900 Meter seine Sauerstofflasche. Der Gleitschirmflieger und Kajaker erreicht den Gipfel nur, weil ihm Sherpa Lakpa Tsheri seine gab. Trotzdem habe er in dieser dünnen Luft kaum atmen können. Aber Lakpa habe ihm eingetrichtert, stark zu bleiben.

5. Vom Fuss des Everest ging ihr Abenteuer weiter. Ziel war, via Wasserweg mit dem Doppelkajak bis zum Golf von Bengalen zu paddeln. Und das, obschon Sherpa Lakpa Tsheri vorher noch nie Kajak gefahren war und als Bergler nicht schwimmen konnte. Er vertraue Sano Babu, meinte er zuversichtlich.

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Wahrer Abenteuergeist: Nach ihrem Rekordflug vom höchsten Gipfel der Erde paddelten Babu und Lakpa mit dem Kajak bis auf Meereshöhe hinab – auf dem Ganges bis zum Golf von Bengalen. Das gabs noch nie. (Nationalgeographic.com)

6. Um den Ganges zu erreichen, mussten sie erst in Nepal den Wildwasser-Fluss Kosi überwinden. Dort gerieten sie in einen massiven Strudel. Während sich Babu mit dem Kajak heftig im Kreis drehte, wurde Nichtschwimmer Sherpa Lakpa mit der Strömung flussabwärts getrieben.

7. Endlich im ruhigen Gewässer des Ganges angelangt, mussten sie sich bald mit den Gepflogenheiten eines ihnen unbekannten Landes auseinandersetzen. Mancherorts seien die Bewohner ganzer Dörfer runter zum Fluss gekommen, um die beiden Nepalesen zu sehen – und um sie dann mit vorgehaltenen Messern auszurauben. «Wir konnten unsere Kamera retten, gaben ihnen aber Geld.» Sie seien darum so schnell wie möglich den Ganges hinab gepaddelt. «Einmal wurden wir mit Motorbooten verfolgt, fanden aber eine Insel mit hohem Gras, wo wir uns versteckten. Das Kajak durften wir nie verlassen, mussten sogar darin schlafen, damit es nicht gestohlen wurde.» Ernährt haben sie sich von Obstbäumen. Das Wasser, das sie zum Trinken fanden, sei schlecht gewesen. Am unangenehmsten empfanden sie jedoch die vielen Käfer und Ameisen. «Dort sind die Tiere unglaublich aktiv, ebenso die Menschen. Bei uns in den Bergen bewegen sich sowohl die Tiere, wie auch die Menschen langsam. Aber in Indien sind alle immer in rasanter Bewegung und rasten nie.» Erschrocken seien sie wegen der Leichen im Ganges. «In Nepal verbrennen wir die Toten. Pro Tag haben wir zwei bis drei tote Körper im Wasser treiben gesehen.»

8. Am 27. Juni, fünf Wochen nach ihrem Gleitschirmflug vom Everest, erreichten die beiden den Golf von Bengalen. «Als wir dort am Strand ankamen, bekamen wir grosse Angst. Wir waren umgeben von riesigen roten Skorpionen», erzählte Babu. Später stellte sich heraus: Es waren keine Skorpione, sondern harmlose Krebse, welche über den Sand krabbelten.

Sano Babu Sunuwar und Lakpa Tsheri Sherpa haben eine erfrischend ehrliche Art, von ihrem Abenteuer zu erzählen. Mehr noch: Was die beiden vom Everest-Aufstieg bis zum Golf von Bengalen geleistet und erlebt haben, ist sowohl am Berg, in der Luft wie im Wasser ein ausserordentliches und höchst riskantes Unternehmen. Sie verdienen Respekt, Ehre und den Titel «Abenteurer des Jahres 2012» auch aus folgenden zwei Gründen.

9. Sie finanzierten ihr Abenteuer weitgehend aus ihrem bescheidenen Ersparten, das sie als gewöhnliche Bergführer und Kajaklehrer in Nepal verdient haben. Einen grossen Teil ihrer Ausrüstung haben sie von Freunden ausgeliehen. Es war eine Expedition ohne namhafte Sponsoren – etwas, das es in dieser Form heute eigentlich nicht mehr gibt. Kein Kommerz, keine inszenierte Show. Doch damit unterliegen sie möglicherweise den anderen Nominierten, die mit ihren kräftigen Sponsoren, Fanclubs und sozialen Netzwerken bei dieser Wahl einiges bewirken können.

10. Babu und Lakpa knackten 2 Rekorde in 1 Allround-Abenteuer: Mit dem Gleitschirm 30 Meter über den Everest-Gipfel. Und noch nie vorher wagte sich ein Mensch vom höchsten Gipfel der Erde in einem Zug bis hinab auf Meereshöhe, zum Indischen Ozean. Das ist beispiellos und noch nie dagewesen. Was die beiden ans Ziel brachte, war die Kombination von Vision, sportlicher Leistung, Risikobereitschaft, Naivität, Kreativität, Teamwork, Vertrauen – und Freundschaft.

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Aus dem Bereich Alpinismus ebenfalls nominiert: Der Filmemacher Cory Richards, dem zusammen mit den Top-Bergsteigern Simone Moro und Denis Urubko die erste Winterbesteigung des Gasherbrum II gelang.

Falls Ihnen Sano Babu Sunuwar und Lakpa Tsheri Sherpa – wie mir – ans Herz gewachsen sind: Stimmen Sie für die beiden Nepalesen (The Ultimative Descent – der ultimative Abstieg) bei adventure.nationalgeographic.com. Pro Tag kann eine Stimme pro Nominierten abgegeben werden. Das Voting dauert noch bis 18. Januar 2012. Und: Aktivieren Sie Ihre sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter für die beiden.

Wie gefällt Ihnen das Allround-Rekordabenteuer der zwei bislang völlig unbekannten Nepalesen?

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9 Kommentare zu «Wählen Sie die Abenteurer des Jahres!»

  • Sambu sagt:

    Sano Babu Sunuwar und Lakpa Tsheri Sherpa sind die «Abenteurer des Jahres» geworden. Herzlichen Glückwunsch!

  • Karl sagt:

    Ein wirklich tolles Abenteuer! Meine Stimme haben sie bestimmt. Habe noch einen Vorschlag an FRAU KNECHT. Wie ihr gesehen habt ist auch der Snowboarder Travic Rice nominiert. Auch wenn ich denke, dass für diesen Award die Leistung von Lapka und Badu geeigneter ist, sollte mal ein Outdoorblog über den neuen Film „The Art of Flight“ gemacht werden. Dies aus mehreren Gründen. Das Snowbaorden fand in ihren Blogs bisher so gut wie keinen Platz (bis auf den Freeridecontest am Corvatsch). „The Art of Fligth“ hebt nicht nur Backcountry-Snowboarden auf eine neue Ebene. Auch die Kameratechnik und die „Schönheit“ der Bilder in diesem Film ist unglaublich. Ausserdem könnte an dieser Stelle dann auch der Schweizer Snowboarder Nicolas Müller etwas thematisiert werden. Auch wenn er hierzuland viel zu wenig bekannt ist, gehört er in der Snowboardszene zu den ganz grossen Legenden! Viel grösser als z.B. iPod oder Gian Simmen. Freue mich auf eine Antwort von Ihnen Frau Knecht oder noch mehr über den Blog.

  • Joachim Adamek sagt:

    Es gibt sicherlich viele, die es verdient haben, auf der Kandidatenliste des Abenteuerpreises 2012 des National Geopgraphic aufgeführt zu werden. Wenn ich meine Stimme dem Duo Lakpa Tsheri Sherpa und Sano Babu Sunuwar gebe, dann weil es mich jedes Mal auf Neue begeistert, wie sie ihr Projekt gemeinsam geplant und umgesetzt haben.
    Gewiss hätte das Unternehmen weniger Aufsehen erregt und wäre bestimmt auch nicht derart eindrucksvoll geworden, wenn am Anfang nicht eine herbe Niederlage gestanden hätte: Lapkas erster Flugversuch mit einem Gleitschirm endete ziemlich unsanft in einem Baum. Man darf annehmen, dass er bei dieser Gelegenheit erkannt hat, dass einer allein nur schwer auf allen Gebieten gleich grosser Experte sein kann während man zu zweit oftmals weiterkommt.
    Wie auch immer, Lapka und Babu haben mich nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch menschlich: Sie wurden bei Ihrem Projekt nicht wenig vom Wissensdurst angetrieben, von dem Wunsch, mit eigenen Augen zu sehen, durch welche Gegenden die Wasser ihrer Berge fliessen und wo sie ins Meer münden. Dieser Wissensdurst hat sich schliesslich als ein ungemein spannendes Abenteuer entpuppt. — Nicht nur für sie, sondern auch für die Internet-Community.

  • Paul sagt:

    Frau Knecht, vielen Dank!
    Solche Einträge bereichern und inspirieren mich sehr und geben Lebensfreude. Einträge über Ihre Aversion gegen Hunde und Kampfflugzeuge führen hier nur zu Streit und viel Ärger. Bleiben Sie bitte bei der Lebensfreude.
    Freundliche Grüsse
    Paul

  • Daniel sagt:

    Danke für diesen versöhnlichen Artikel jenseits des üblichen Medienhypes und Extremitäten. Habe gevoted und promoted ;-)

  • Mr. Spock sagt:

    Respekt! Das ist ein richtiges Abenteuer, beim lesen wurden meine Augen immer grösser! Finds einfach toll was die beiden gemacht haben.

  • Jörg Ewald sagt:

    Danke für die gebrochene Lanze!
    Kleine Anmerkung zum zweiten Punkte: „Eine solche Höhe hatte vorher noch nie…“ – müsste vielleicht erweitert werden zu „erreichte vorher noch kein männlicher Pilot“ – oder „erreichte vorher noch kein Pilot freiwillig…“: Ewa Wisnierska überlebte schliesslich ihren 40-Minuten-Flug bewusstlos auf fast 10’000m in einer Gewitterwolke Anfang 2007 in Australien und landete anschliessend auch wieder sicher auf dem Boden.
    Die grosse Hoffnung ist nun, dass Babu beim X-Alps 2013 mit dabei ist – 2011 hatten die Organisatoren noch Zweifel daran, ob er dafür geeignet sei. Die sollten nun ausgeräumt sein. Dann aber halt ohne Kayak…

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