Wehen während des Marathonlaufs

Amber Miller unterwegs am Chicago Marathon.

Liess sich von ihrem Neunmonatsbauch nicht beirren: Amber Miller unterwegs am Chicago Marathon. (Bild: WGNTV)

Gestern Sonntag standen im Big Apple rund 44’000 Läufer an der Startlinie des New York Marathons. Ganz nach dem Grundsatz des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten war das Teilnehmerfeld bunt gemischt: von Viktor Röthlin über die ambitionierte Hobbyläuferin und die rüstige Seniorin bis hin zum übergewichtigen Klischee-Amerikaner. Sie alle kamen, um ihre Grenzen auszuloten – und darüber hinweg zu laufen. Selbstbestimmt. Ob Eliteläufer oder mit Übergewicht, sie trugen die Risiken, die 42,195 Kilometer bergen können.

Anders erging es einem ungeborenen Mädchen vor rund einem Monat in einer anderen amerikanischen Stadt. Am 7. Oktober standen in Chicago ebenfalls weit über 40’000 Teilnehmer am Start des Städtemarathons. Unter ihnen Amber Miller, 27 Jahre alt, im neunten Monat schwanger. Sie lief 6 Stunden und 25 Minuten später durchs Ziel, fasste sich ein Sandwich und fuhr ins Krankenhaus. Die Wehen hatten bereits während des Laufs eingesetzt. Sieben Stunden später erblickt ihre Tochter June Audra das Licht der Welt. In einem Fernsehinterview gab die Amerikanerin an, sie habe sich so lange auf diesen Anlass vorbereitet, dass sie sich die Teilnahme nicht habe nehmen lassen wollen. Ein Arzt habe aber ihre Teilnahme am Chicago Marathon abgesegnet.

42’195 Schritte lang mitgehangen

Amber Miller und Familie nach ca. 7 Stunden Marathon und 7 Stunden im Gebärsaal.

Nochmal alles gut gegangen: Amber Miller und Familie nach 6,5 Stunden Marathon und 7 Stunden Gebärsaal. (Bild: Reuters)

Was für ein selbstsüchtiger Entscheid. Miller hatte Glück. Nicht auszudenken, was für Konsequenzen ihr Entschluss hätte haben können. Ich weiss, wie hoch der Trainingsaufwand für einen Marathon ist, wie gross die Vorfreude. Ich kann die Enttäuschung nachvollziehen, die ein allfälliges Veto vom Arzt auslöst. Trotzdem, die Strapazen eines Marathons sind nicht zu unterschätzen – ganz egal, ob die angestrebte Zeit 6,5 oder 2,5 Stunden beträgt. Nicht umsonst laufen auch Profis nur selten die volle Distanz. Miller hat aber nicht wie die anderen 40’000 Teilnehmer nur für sich entschieden. Sie nahm die Marathon-Risiken auf sich und bürdete sie gleichzeitig ihrer Tochter auf – die Kleine hatte keine Wahl, sie musste die ganzen 42’195 Schritte durchhalten. Und das, weil ihre Mutter an ihre eigenen Grenzen gehen wollte.

Professor Christian Breymann, Facharzt für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der Klinik Hirslanden, findet für den Entscheid der Amerikanerin klare Worte: «Das ist verantwortungslos.» Vor allem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft sei Vorsicht geboten. Er rät eindringlich von einer Marathonteilnahme während der Schwangerschaft ab. Das gefährde die Gesundheit von Mutter und Kind.

Kind kann Hirnschaden erleiden

Bei solchen Extrembelastungen werden primär die Muskeln der Mutter versorgt: Professor Christian Breymann, Facharzt für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der Klinik Hirslanden

Solche Extrembelastungen entziehen dem Ungeborenen Sauerstoff: Professor Christian Breymann, Facharzt für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der Klinik Hirslanden.

«Bei Extrembelastungen wie einem Langstreckenlauf, steigt die Kerntemperatur des Körpers an und kann bis 41 Grad erreichen.» Der Körper versorge notgedrungen in diesem Fall primär die gestresste Muskulatur mit Blut sowie die Haut, welche die Hitze abtransportiert. Das führe beim Ungeborenen zu einem Sauerstoffmangel. «Kurzfristig kann ein Kind das kompensieren. Dauert dieser Zustand aber länger als 20 Minuten, kann es beispielsweise einen Hirnschaden erleiden.»

Prinzipiell rät der Professor der Hirslanden-Klinik davon ab, den Puls über 140 Schläge pro Minute ansteigen zu lassen. «Das Herz der werdenden Mutter leistet ohnehin schon Schwerstarbeit.» Je schneller es schlage, desto weniger Blut vermöge es umzuverteilen. Nach 20 Wochen wachse die Plazenta, wodurch  das Blutvolumen deutlich zunehme und damit die Herzarbeit.

Grundsätzlich empfiehlt Breymann, auch während der Schwangerschaft Sport zu treiben. Das senke das Thromboserisiko, verhindere eine extreme Gewichtszunahme, reduziere den Insulinbedarf und steigere das subjektive Wohlbefinden. «Wir haben beobachtet, dass sportliche Frauen kürzere Geburten aushalten müssen und sie sich danach schneller erholen.» Er rät den werdenden Müttern aber, dabei auf ihren Körper zu horchen.

Alarmzeichen beim Sport in der Schwangerschaft:

  • Schmerzen im Bauchbereich
  • Blutungen
  • Schwindel oder Ohnmacht
  • Atemnot
  • Abnahme der Kindbewegung
  • Vorzeitige Kontraktionen

Was halten Sie von Amber Millers Marathonlauf?

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40 Kommentare zu «Wehen während des Marathonlaufs»

  • Nadine sagt:

    Ein halbinteressanter Artikel – aber die Kommentare machen so einiges wieder gut…
    Viel Amusement, über was sich gewisse Menschen aufregen können… und die bissigen Männer, die sich wiedermal kleiner fühlen.

  • summermatter franziska sagt:

    Da die Frau offenbar gut trainiert ist, dürfen wir davon ausgehen, dass ihr Kind solche Strapazen gewöhnt ist. Die Durchblutung ist bei Leuten, die regelmässig Sport treiben,bekanntlich besser. Wenn man nun bedenkt, dass die Dame mit etwa 7kmh unterwegs war, entspricht das einem zügigen Walking- Tempo und ist für das Baby völlig ungefährlich. Die Frau ist Sportlerin durch und durch, kennt ihren Körper gut und hat auch gut und spontan gebären können. Das alles spricht dafür, dass sie verantwortungsbewusst gehandelt hat. Auf jeden Fall ist es gesünder, als mit einem massiven Übergewicht die Strecke abzuspuhlen und sich als dicker, untrainierter Mensch was beweisen zu müssen.
    F. S., Hebamme

    • Markus sagt:

      Danke für den positiven Kommentar. Ich denke, das der Mensch zu viel mehr fähig ist, als man glaubt. Tolle Storie, und wenn es eine Idee gibt, wie ein Mann eine änlich spektuakuläre Leistung erbringen kann, bitte melden!

  • Seti sagt:

    diesem Artikel nach zu urteilen sind sie vor allem dümmer als Männer…

  • Hans Bär sagt:

    Hat es diesen letzten Beweis noch gebraucht? Die Frauen sind zäher als wir Männer, so what? Einige Frauen scheinen auch dümmer zu sein als wir Männer, das habe ich bis jetzt so noch nicht gewusst! Danke Frau Miller.

  • Marco Wolle sagt:

    Was gibt es intelligenteres, als hochschwanger an einem Marathon teilnehmen. Ist auf jeden Fall besser, als zu Hause rumzuliegen. Wenn das Baby während des Laufs kommt, gibt es doch alle 100 Meter eine Ambulanz. Als, was soll den da passieren… Schade, waren es keine Trillinge, oder schade, kam das Baby nicht während des Laufes auf die Welt…. Als Idee denke ich wäre es noch ganz interessant, so alle 5 km, ein Liegezelt einzurichten, sodass man sich noch kurz bei km 25 paaren kann. Das gäbe dan garantiert Läufernachwuchs..(paaren mit der Freundin,meine ich, die dort wartet, oder selber mitläuft). Tja, früher, als wir noch im Urwald lebten, ranten wir vor den Löwen davon, die Frauen gebaren Kinder im Laufen, und schleuderten das Kind auf den Rücken, um es zu tragen. Die Nabelschnur wurde dann späte durchgebissen… das waren noch Zeiten, die ich mir zurückwünsche würde… :-)geb

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Sauerei, dieser Ego-Trip auf Kosten eines wehrlosen Ungeborenen. Muss verboten werden von Staates wegen, falls dies die Organisatoren nicht zustande bringen. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.

  • Ruth Esslinger sagt:

    Verantwortungslos!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • Mad sagt:

    Verantwortungslos! Einige die hier schreiben, sie sei doch nur langsam gelaufen, möchten bitte bedenken, dass wir immer noch über 42,195 km reden und zudem sie im Training gewiss nicht auf der Couch gesessen hat. Es geht also nicht nur um das Rennen, sondern auch um das Training.
    Außerdem, warum müssen einige Menschen immer an Ihre Grenzen gehen? Gibt es nicht mehr genug Alltagsherausfoderungen?

    • Palindrom sagt:

      @Mad: wer sagt, dass die junge Frau an ihre Grenzen gegangen ist? Es war immerhin ihr achter Marathon und ihr zweites Kind! Jede Wette, dass der überwiegende Teil der sich hier Enervierenden noch nie eine solche Strecke zu Fuss zurückgelegt haben! Nicht, weil sie es nicht schaffen würden, sondern sie es sich nicht vorstellen können!

      • Palindrom sagt:

        PS: damit ich nicht falsch verstanden werde: ich bin durchaus der Auffassung, dass es viele Läufer gibt, die M.E. aus medizinischen Gründen nicht einen Marathon gehören! Ich halte gar nichts von diesen 0-42Km-sich-selbst-Beweisern, die mit dem regelmässigen Laufen erst 6 Monate vorher begonnen haben. Bei denen muss es dann unbedingt auch gerade NY sein, weil der ja der grösste und wichtigste ist… Wer den Halbmarathon nicht unter 2 Stunden läuft, gehört M.E. nicht an einen Marathon (Zeit: > 4:15).

  • hans scholl sagt:

    jedenfalls wünsche ich mir für kein kind eine solche mutter. sie hätte ja jederzeit mit gewichten etc. – also einer art simulierter schwangerschaft – einen marathon laufen können … wenn sie denn sowas braucht (und denau darum geht es: egomanie) – bitte keine kommentare zu diesem vorschlag“. und klar, die 6,5 std sind keine extremleistung per se (wobei in dem zustand sicherlich „nicht ohne“) und die med. versorgung an einem marathon ist sicherlich ausgezeichnet. aber es ist und bleibt eine egoistische und verantwortungslose handlung. und da jetzt auch noch weltweit alle medien darüber schreib, hat es ich für diese sog. „mutter“ allemal gelohnt – (das echte) ziel erreicht.

  • Walter Winter sagt:

    Dieser Lauf hat nichts mit Härte zu tun. Das ist reine Mediengeilheit. Ob dieses Verhalten einem Ungeborenen schadet spielt dabei keine Rolle. Tragisch, dass die Medien mit solchen Berichten dieses krankhafte Fehlverhalten noch unterstützen.

  • Markus sagt:

    Nun, ab einer gewissen Grenze wird das Trainieren und sich Beweisen sehr dumm. Aber das sehen Egomanen natürlich anders. Ich will ein kein Gejammere betreffend Fehlgeburt hier im Blog lesen.

    • Palindrom sagt:

      @Markus: was gibt Ihnen das Recht, über Trainingsintensität und Motivation eines andern zu richten? Soll Ihr Lebenstil das Mass für alle andern sein? Das wäre wahrlich egomanisch! Zudem wären dann ohne weiteres alle Teilnehmer an einer WM (und somit Spitzensportler) automatisch Egomanen und dumm! Zudem: im 9 Schwangerschaftsmonat (ab Woche 37) gibt es keine Fehl und Frühgeburten mehr…

      • Markus sagt:

        Dumme Leute tun dumme Dinge! Im Nachhinein werden betr. Folgen dann gemammert. Das sehe ICH „Palindrom“ fast jede Woche 2x! Und…. Fehlgeburten gibt es auch im 9. Monat, wenn der Frau den gesunden Menschenverstand abhanden gekommen ist! Habe ich bei Ihnen etwa einen Nerv getroffen? ;-)

        • Palindrom sagt:

          :-) Nein, Sie haben bei mir keinen „Nerv“ getroffen! Ich finde es bloss anmassend, von sich aus ungefragt und ohne Wissen der konkreten Verhältnisse auf andere zu schliessen. Meine persönliche Erfahrung und Hintergrund habe ich bewusst aussen vor gelassen. Wenn Sie sich vorher etwas schlau gemacht hätten, dann hätten Sie berücksichtigt, dass die Frau weder als Marathonläuferin noch als Mutter unerfahren war.

          • Markus sagt:

            Unerfahren hin oder her. Schwangerschaft ist ein Risiko. Wer seinem Ego nicht nachgeben kann, muss auch mit den Konsequenzen rechnen. Ich finde es anmassend von werdenden Müttern, das ihr Ego auf Kosten vom Ungeborenen geht. Es ist immer daselbe….. wenn nichts passiert ist alles ok. Wenn aber was ist, dann muss subito ein Care-Team herangeschaft werden. Und nicht selten treffe ich einen Nerf Palindrom!

  • Hampi sagt:

    Nicht härter aber in dem Fall gewiss dümmer…..

  • als passionierte langjährige outdoor sportler wundern wir uns doch sehr über die themen hier in diesem blog. in der natur erleben wir doch zu 99% ganz normale menschen die ihren sport einfach geniessen. mehr schmerzen als ein anderer auszuhalten, finden wir auf alle fälle nicht erstrebenswert.

  • Palindrom sagt:

    Viel Aufregung um nichts! Die gute Dame ist den Marathon nicht gelaufen, sondern in 6 Stunden 25 Minuten gewandert resp. gewalkt! Pro Kilometer brauchte sie über 9 Minuten, was ca. 6 Km/Std entspricht. Das ist für eine trainierte Frau ganz sicher keine „Extrembelastung“. Die medizinische Versorgung an so einer Veranstaltung (Boston: alle 2 Km) ist zudem vermutlich besser, als sich viele vorstellen können. Die Mutter hatte jede Sekunde die Möglichkeit, ihren Marsch abzubrechen und sich auf schnellstem Weg ins Spital zu begeben. In der Stadt Zürich hätte es vom einen zum anderen Ende garantiert länger gebraucht… Schade, der Artikel ist reisserisch, weil viele LeserInnen bereits an der Vorstellung von 10 Km laufend – geschweige denn 42 scheitern. Eine journalistisch fundierte, positive Beschreibung von Bewegung und Sport während der Schwangerschaft und dessen Nutzen wäre sinnvoller gewesen!

    • Daniel sagt:

      @Palindrom: Ihrem Kommentar schliesse ich mich an, dem ist nichts hinzuzufügen!

      • independent sagt:

        Volle Zustimmung. 140 Puls wird diese Frau vermutlich nicht nur nicht überschritten, sondern nicht mal ansatzweise erreicht haben. Dazu ist 6.5 km/h für eine trainierte Person viel zu wenig. Ich würde auf Grund von eigenen Erfahrungen etwas um 100 bis 110 Puls erwarten.

        • Esther Lusser sagt:

          Super. Da wird endlich mal gerechnet. Das tut in dieser Zeitung schon lange mal not. Ob AKW-Hysterie, Solar- oder Windstromträume oder jetzt Marathon-Übertreibungen. Mehr Rechnen. Plausibilität prüfen. Endlich!

    • Aura sagt:

      Ich stimme zu. Selbst für nur bedingt trainierte sind 6km/h mit schnellem Gang machbar, wenn bei solchen der Puls auch ansteigt.
      Hat sie so lange trainiert wie beschrieben, wird ihr das kaum etwas ausgemacht haben (ich habe selbst einen normalen Laufschritt von ca. 5-6 km/h, und ich glaube nicht, dass das bei ihr sehr anders ist..)

    • Erica sagt:

      Sie haben aber schon gelesen, dass die Frau im 9. Monat schwanger war, und während des Laufs die Wehen bekommen hat? Wir reden hier nicht von einer „normalen“ trainierten Frau.

      • Palindrom sagt:

        @Erica: Sie haben recht: nach sieben erfolgreichen Teilnahmen war die Frau keine „normal“ trainierte Frau. Sie hatte sich vorher mit Ihrem Gynäkologen und dem sie begleitenden Ehemann abgesprochen. Zudem war es ihr zweites Kind. Aus beiden Erfahrungen darf geschlossen werden, dass sie über ein sehr gutes Körpergefühl verfügte. Erste Wehen begannen erst kurz vor dem Ziel. Nach dem Zieldurchlauf wurden diese regelmässiger, so dass sie sich entschloss, langsam das Spital aufzusuchen. Die Wehen können jedoch nicht allzustark gewesen sein, gönnte sie sich doch vorher noch einen Imbiss.

  • Kiser sagt:

    Wieso sollen Frauen „härter“ sein als Männer, obwohl Männer gar keine Wehen haben können? Ich möchte mal sehen, welche Frau die körperlichen Strapazen eines ordentlichen Samenstaus auszuhalten vermag, dann können wir weiterreden.

  • Markus Schnetzer sagt:

    Haile Gebrselassie habe ich gestern nicht gesehen.

  • R.S. sagt:

    Was wollen sich die Frauen den noch alles beweisen………………………?

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