Weshalb so viele Alpinisten tödlich verunglücken


An keinem anderen Schweizer Berg sind dieses Jahr so viele Menschen tödlich verunfallt wie am Mönch: Fünf Personen stürzten da im Verlauf dieser Saison ab und konnten nur noch leblos geborgen werden. Ausgerechnet am Mönch! Er gilt als einer der einfachsten Viertausender, gleich nach dem Breit- und Allalinhorn im Wallis. Aber ist der Mönch wirklich so einfach zu begehen? Die  Normalroute, welche über den Südarm des Südostgrats führt, ist für geübte Berggänger bei guten Verhältnissen zwar keine extreme Herausforderung. Aber ein Sonntagsspaziergang ist sie sicher nicht. Auf dem Gipfelgrat wird es schmal und ausgesetzt (siehe Bildstrecke), bei schlechten Bedingungen wartet sogar Blankeis. Ein falscher Schritt, Stolpern oder Rutschen kann fatal enden.

Was ist schwierig, was einfach?

Der alpine SAC-Tourenführer «Jungfrau Region» stuft die Schwierigkeit der Normalroute am Mönch mit «ZS-» ein, die Begehung über den Westgrat mit «ZS+ III». «ZS» bedeutet «ziemlich schwierig». Der Mönch ist also nicht «L» (leicht) oder «WS» (wenig schwierig), wie andere Viertausender.

Als «einfach» gilt der Mönch, weil man den 4107 Meter hohen Gipfel relativ bequem erreichen kann – als Tagestour. Dank der Jungfraubahn erreichen die Alpinisten das Joch (3454 Meter) sitzend im geheizten Zug – ab Interlaken überwindet man knapp 3000 Höhenmeter in gut zwei Stunden. Als Nebenwirkung dieses rasanten Aufstiegs sind Symptome von Höhenkrankheit keine Seltenheit. Der Mönch steht gleich neben der Station. Bis zum Gipfel sind es nur noch 653 Höhenmeter. Der Tourenführer gibt 3 Stunden Zeitbedarf an, und nochmals so viel für den Abstieg. Nicht viele Viertausender sind für so wenig körperliche Anstrengung zu haben. Kein Wunder also, stapfen an Schönwettertagen gegen 100 Leute Richtung Mönch-Gipfel und zurück. Darunter leider auch viele ungeübte Alpinisten.

Aufschlussreiche Statistik

Die Analyse der Unfall-Statistik 2011 am Mönch gibt bedenkliche Aufschlüsse. Urs Schäfer, Rettungschef der SAC-Rettungsstation Lauterbrunnen macht exklusiv für «alpin im Outdoorblog» folgende Angaben:

  1. Die Rettungsstation Lauterbrunnen hatte seit 1. Januar 2011 bis heute 7 Einsätze am Mönch (Normalroute und Westgrat). Davon 5 Einsätze mit Totenbergung und 2 Einsätze, bei denen Erschöpfte/Verletzte gerettet wurden.
  2. Bei diesen 7 Einsätzen waren 13 Alpinisten betroffen:
    – 5 Tote
    – 3 Erschöpfte
    – 5 Unverletzte (Begleitpersonen der Toten)
  3. Die 5 tödlich Verunfallten waren Männer. Unter den 3 Erschöpften/Verletzten gabs 1 Frau.
  4. Nationalitäten der 13:
    – 4 Deutsche
    – 3 Holländer
    – 3 Franzosen
    – 2 Tschechen
    – 1 Österreicher
  5. Nationalitäten der 5 Toten:
    Deutschland, Holland, Frankreich, Österreich
  6. Sechs der sieben Einsätze erfolgten am Nachmittag:
    1 Mai            16 Uhr               2 Erschöpfte evakuiert
    8. Juli           *11 Uhr             1 Totenbergung
    22. Juli         14.50 Uhr        1 Person verletzt geborgen
    4. August     *14.25 Uhr       1 Totenbergung
    10. August    *13.50 Uhr      1 Totenbergung
    31. August    *17 Uhr            1 Totenbergung
    1. Oktober    * 16.25 Uhr      1 Totenbergung
    (* Absturzzeit)
  7. Von den 5 Toten waren 2 Alleingänger. 3 waren in einer Gruppe unterwegs, aber unangeseilt. 1 Alleingänger wurde verletzt geborgen.

Besonders die Punkte 6 und 7 geben zu denken:

  1. 4 der 5 tödlichen Abstürze ereigneten sich am Nachmittag, zwei sogar nach 16 Uhr. Als Faustregel gilt allgemein, bis Mittag zurück vom Gipfel zu sein, insbesondere bei unsicherer Wetterlage oder bei Gipfelzielen, die deutlich unter der Nullgradgrenze liegen.
  2. Alle 5 tödlich Verunfallten waren unangeseilt und ungesichert unterwegs. 2 von ihnen waren Alleingänger.

Selbstüberschätzung und alpinistische Unkenntnis

Dass immer mehr ungeübte Hochgebirgsgänger den Mönch ohne Bergführer in Angriff nehmen, bestätigt Urs Schäfer, Rettungschef von Lauterbrunnen, ebenso wie Marc Ziegler, Rettungschef von Grindelwald. «Manche Leute überschätzen sich. Sie glauben der Mönch sei vergleichbar mit einer Wanderung in den Voralpen. Doch das stimmt nicht. Es braucht einen sicheren Umgang mit dem Seil, Trittsicherheit und Erfahrung», sagt Ziegler. Und Schäfer fügt an: «An den meisten heiklen Stellen sind sehr gute Sicherungsstangen angebracht, aber sie werden oft zu wenig oder gar nicht genutzt.»

Bei vielbegangenen Bergen wie dem Mönch sind die Sicherungsstangen in der Hochsaison aufgrund mangelnder Seiltechnik sehr häufig so blockiert, dass man gar nicht mehr hinkommt. Nicht selten sind Leute zu beobachten, die zwar mit Skistöcken ausgerüstet zum Mönch-Gipfel aufbrechen, aber ohne Steigeisen an den Schuhen und ohne Seil, was auf grosse alpinistische Unkenntnis deutet.

Alleingänger gefährden auch andere Alpinisten

Auch Alleingänger und unangeseilte Gruppen sind häufig zu sehen – nicht nur am Mönch. Ich selber habe schon Dutzende angetroffen, die frischfröhlich ohne Seil über Alpen-Gräte stiegen. Selbst an grossen Viertausendern wie etwa dem Weisshorn. Die meisten stammen – subjektiv erlebt – aus dem Ausland, was die Statistik vom Mönch allerdings bestätigt. «Mentalitäten am Berg sind verschieden», sagt auch Rettungschef Marc Ziegler.

Als ich zum Beispiel diesen Sommer in einer Zweierseilschaft via Festigrat auf den Dom (4545 Meter) stieg, kletterten da auch zwei junge Frauen und zwei junge Männer aus München als unangeseilte Gruppe hoch. Später, als wir zurück in der Hütte waren, habe ich sie darauf angesprochen. Sie sagten, da keiner von ihnen die Kurzseiltechnik beherrsche, hätten sie das Risiko als kleiner eingestuft, ungesichert aufzusteigen. Wären sie am Seil verbunden gewesen und einer wäre ausgerutscht, wären die anderen mitgegangen.

Problematisch ist, dass Leute, die sich ungesichert oder mit laienhafter Seilhandhabung am Berg bewegen, nicht nur sich selber gefährden. Sondern auch Seilschaften unter ihnen, die sie bei einem Sturz mitreissen könnten (siehe Bildstrecke).

Eine Prüfung wie im Strassenverkehr?

Bergführer Emanuel Schroth, der an 240 Tagen pro Jahr am Berg unterwegs ist, hat schon unzählige Fahrlässigkeiten beobachtet. Auch Leute, die zwar mit Seil unterwegs waren, aber derart dilettantisch, dass einem Angst und Bange wird (siehe Bildstrecke). «Es ist ein Wunder, dass nicht mehr Unglücke geschehen», sagt er. «Wenn ich als Bergführer solche Leute auf ihre fehlerhafte Seilhandhabung aufmerksam mache, werden sie noch hässig.» Darum würde er es befürworten, wenn Alpinisten eine Ausbildung mit Prüfung absolvieren müssten, bevor sie an den Berg dürften. Bei Widerhandlung sollte es Bussen geben, findet er. «Wie im Strassenverkehr, da darf man auch nicht ohne Ausweis losfahren. Am Berg soll hingegen alles erlaubt sein?» Er ist überzeugt, dass sich rund 80 Prozent aller Unfälle vermeiden liessen, wenn die Leute richtig ausgebildet wären und sich an die Regeln halten würden.

Am 10. August, als ein Holländer am Mönch tödlich abstürzte, war Emanuel Schroth ebenfalls am Mönch unterwegs. «Wäre er mit einem kompetenten Seilpartner unterwegs gewesen, wäre das nicht passiert», sagt der Bergführer und Ausbildner der Gebirgskampfschule der Schweizer Armee. Auf das Argument, dass es manchmal vielleicht besser ist, dass Gruppen ungesichert auf- und absteigen, wenn keiner die Seilhandhabung beherrscht, antwortet er: «Was haben Leute an einem Viertausender zu suchen, solange sie die Technik nicht beherrschen? Es kann ja nicht sein, dass man aufgrund mangelndem bergsteigerischen Können und Fachwissen sein eigenes und das Leben anderer gefährdet, nur um auf einen Gipfel zu steigen.»

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60 Kommentare zu «Weshalb so viele Alpinisten tödlich verunglücken»

  • Lieber Niki
    Warst Du schon mal im gefährlichen Gelände unterwegs und oberhalb von Dir spaziert der Tod (in Form eines ungeübten Alpinisten).
    Wir als Bergführer erleben das die ganze Saison hindurch jedes Jahr ein paar mal mehr wie das Jahr zuvor.
    Darf am Berg wirklich der eine den anderen auf Grund seiner Unkentniss mit dem Tod bedrohen ohne zur Rechenschaft gezogen zu werde? Ist für mich die einzige Mölgichkeit um dem auszuweichen, meinen Beruf nicht mehr ausüben zu dürfen auf Grund des Fehlverhaltens der anderen.
    Ich werde das Gefühl nicht los das da etwas nicht stimmt?
    Entwickelt sich da eine „Jeder kann und darf alles Geselschaft am Berg inkl. der Todesbedrohung der anderen“
    Ist das die Zukunft?

    • Niki sagt:

      Lieber S.E.
      Wie ich schon im Text geschrieben habe: Wer ausschliesslich sich selber gefährden will soll das auch tun.
      Bei Fehlverhalten gibt es schon eine gesetzliche Regelung. Ein Permit ist schwachsinnig. Und ja, jeder darf selber entscheiden was er in den Bergen macht. Das ist die Freiheit vom Bürger.

  • Niki sagt:

    Risiko ist nicht immer beherrschbar und im alpinen Bereich bleibt der Tod eine Seilgefährte. Aber Berge ohne Gefahr sind keine Berge.
    Der Erwachsene Mensch ist grundsätzlich mündig und frei in seinen Entscheidungen. Es ist sein Recht, Abenteuer, Unsicherheit, Gefahr, Wagnis und Risiko zu suchen. Der Staat hat von Verfassungs wegen nicht das Recht, seinen erwachsenen und zur freien Willensbestimmung fähigen Bürger zu bessern oder zu hindern, sich selber zu schädigen (BVerfGE 22). Wer ausschliesslich sich selber gefährden will, kann das tun.

  • Werner Meier sagt:

    Nicht noch mehr regulieren, es gibt schon zuviele Gesetze in unserem Leben. Das Leben ist lebensgefährlich und dumme Leute trifft man überall. Nur die REGA oder die SAC-Rettungskolonne sollten mal zuhause bleiben dürfen, statt einen solchen Dummkopf bergen zu müssen.

  • Boris Günther sagt:

    Ich bin der Meinung, dass man nicht generell von „gefährlich“ reden kann wenn jemand alleine unterwegs ist. Der berühmteste schweizer Bergsteiger ist ums Leben gekommen weil er (falsch?) am Seil mit seiner Tourenpartnerin gegangen ist. (Sie hat ihn in den Abgrund gerissen, nach Aussage der Tourenpartnerin). Alleine wäre er wahrscheinlich noch am Leben.

    Wer sein eigenes Leben aufs Spiel setzen will (schlechte Vorbereitung, schlechte Wettereinschätzung, zu hohes Risiko) dann soll er dies tun dürfen sofern er keine anderen Menschen gefährdet. Ein „Brevet“ fürs Berggehen oder ähnliche Überreglementierungen halte ich für falsch und für eine Bevormundung der Bürger.
    Auch müssen Informationen (ob redaktionelles Tourenbuch oder online Tourenführer wie bergtour.ch) immer selbst bewertet und interpretiert werden. Oder glauben sie alles was in irgendwelchen Büchern oder im Internet steht?

  • Matthias sagt:

    Ich gehe über 30 Jahre in die Berge, habe deshalb über 30 Jahre Entwicklung beobachtet und entsprechende Ausbildung, auch zum Führen, absolviert. Das Hauptproblem scheint mir der Massentourismus zu sein, vor 30 Jahren einsetzend, von der Outdoorwirtschaft, Tourismusmanagern und Bergführern (jawohl!), heute auch von massenhafter Werbung, gefördert. Verknüpft mit fahrlässigen Berichten in entsprechenden Medien.
    Fehlende Kompetenz habe ich bei vielen ausgemacht. Allerdings: Alleingänger, ich gehe auch immer wieder allein oder unangeseilt mit dem Partner, weil mir das sicherer ist, müssen nicht notgedrungen von Übel sein. Ein Seil habe ich immer dabei, oft reicht ein Halbseil (siehe Seilentwicklung). Gleichzeitiges Gehen am kurzen, fixierten Seil ist kein Allheilmittel, oft gefährlicher (springt der andere geistesgegenwärtig auf die andere Seite des Grates, wenn sein Seilpartner abstürzt…?). Ich sehe auch Überausrüstung, mit deneń die Leute nicht umgehen können und ein übersteigertes, unhinterfragtes Sicherheitsdenken, oft aus mangelnder Erfahrung. Es fehlt schlicht an Kompetenz (Lernen, Erfahrung, Können, Beurteilungs-/Denkvermögen etc)! Allgemein fehlt mir der Respekt vor den Bergen, der Natur. Man meint, die dritte Tour muß auf den Mont Blanc oder Matterhorn (oder Mönch) gehen, vor allem bergferne Bergsteiger vernachlässigen den Aufbau, das Steigern der Anforderungen. Permits u. a. helfen nichts: Wir brauchen selbstständig handelnde und denkende, kompetente Bergsteiger, wollen diese jedoch die Bergführer(unternehmen – ich sage bewußt nicht -schulen)?

  • ln sagt:

    So lange man lebt kann einem etwas passieren. Jedem kann etwas passieren. Auch dem besten Bergprofi wie zum Beispiel Erhard Loretan, den Bergführern der Schweizer Armee an der Jungfrau, dem Rotpunktbegründer Kurt Albert auf einem Klettersteig, der Kletterlegende Wolfgang Güllich mit dem Porsche um nur ganz wenige der Bekanntesten zu nennen.

  • Carlo sagt:

    Mir fällt auf, dass viele Hochtouren vergleichsweise schlecht dokumentiert sind. Während für Sportklettereien sozusagen jede Zwischensicherung im Topo ersichtlich ist, finden wir in der einschlägigen (SAC-)Führerliteratur oft nur wenige Zeilen Autoren-Prosa für mehrstündige Routen und Anstiege. J. v. Känel hat mit „Plaisir Alpin“ eine gangbare Alternative aufgezeigt, die allerdings in den Anfängen steckengeblieben ist, indem die Beschreibungen auch noch nicht wirklich detailliert sind. Zusammen mit den falsch interpretierbaren Bewertungen („WS“ etc.) und den im Artikel und den Postings schon erwähnten Faktoren (mangelnde Erfahrung, falsche Ausrüstung, unsachgemässe Handhabung der Ausrüstung, mangelnde Kondition etc.) ergibt sich ein fataler Mix, der oft zu Unfällen führt. Die „Touren ins Ungewisse“ könnten mit neuen, Web-basierten Formaten der Tourendokumentation (z.B. Gipfelbuch.ch, Youtube etc.) transparenter, besser planbar und sicherer werden. Ich habe diesen Sommer zufällig auf Youtube ein Handyfilmchen zum Spraunzagrat am Piz Morteratsch gefunden, das durchaus einen interessanten Einblick in diese Tour gegeben hat. Der SAC-Führer, verfasst von einem lokalen Bergführer, begnügt sich mit einer halben Seite Text für den 7stündigen Aufstieg über 1200 Höhenmeter, davon ca. 700 Hm Gratkletterei. Ich bin davon überzeugt, dass die ganze Community einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit leisten könnte, wenn sie ihre Erfahrungen mit den KollegInnen online teilt. Dass diese Beiträge allerdings auch kritisch beurteilt werden müssen, weiss jede/r, der/die schon dilettantische oder unseriöse Einträge im „Gipfelbuch.ch“ gelesen hat. Eine redaktionelle Betreuung/Filterung könnte auch hier die gröbsten Böcke vermeiden. Buona notte & weiterhin viel Spass in den Bergen.
    PS. Die hohe Ausländerquote unter den Verunfallten ist in der Tat besorgniserregend. Das heisst aber umgekehrt nicht, dass alle mit dem Roten Pass sicher am Berg unterwegs sind; die Nationalität korrelliert nicht wirklich mit der alpinistischen Kompetenz…

    • captain kirk sagt:

      Plaisir ist ja gut und schön. Hat aber den Nachteil, dass deswegen viele schlecht ausgebildete Leute losziehen ohne das nötige Rüstzeug mitzubringen.
      Animiert durch die guten Beschriebe fällt dies auch leichter.
      Die Angaben in den SAC-Tourenbüchern sind in der Tat oft etwas dürftig, sollten aber zusammen mit einer Karte 1:25 -/ 50`000 ausreichen um eine Tour Seriös zu planen. Wer dies nicht kann, muss sich wohl Hilfe holen. Dies kann im Privaten Umfeld dem SAC, Internet oder was auch immer geschehen. Danach muss man dann vor Ort die Lage beurteilen. Hierzu gehört auch ein Gespräch mit dem Hüttenwart. Hier gilt im Zweifelsfall umkehren. Wer dies beherzigt und auch sonst das nötige Rüstzeug mitbringt wird schöne Tage in den Bergen verbringen.

  • Joachim Adamek sagt:

    Das sind sehr interessante Fakten, die der Alpin-Outdoorblog heute mit der diesjährigen Unfallstatistik am Mönch präsentiert. Mag sein, dass viele Unfälle an diesem Berg darauf zurückzuführen sind, weil die örtlichen Begebenheiten für manchen eine große Versuchung darstellen.

    Ich selbst mache immer wieder die Erfahrung, dass in der Regel stets diegleichen Fehler zu Unfällen am Berg führen: Schlechte Tourenvorbereitung, mangelndes Können und übertriebener Ehrgeiz.

    Dass man eine Tour spätestens am frühen Nachmittag beendet haben sollte, ist sicherlich
    richtig. Urlauber werden diese Empfehlung allerdings nur schwer umsetzen können.

    Der Hinweis auf die amerikanische “Permit-”Praxis stimmt mich keineswegs glücklich. Denn Volksvertreter und Behörden sind ausgiebige Zeitungsleser. Und “Permit-Scheine”eine tolle Möglichkeit, die öffentlichen Finanzen ein wenig zu “rekapitalisieren”. Ob das von den entsprechenden Bloggern bedacht wurde?

    • Lukas sagt:

      betr. Permit: wenns Leben rettet?… Muss man nicht immer zuerst polarisieren, damit eine Anstossenergie freigesetzt wird und somit überhaupt etwas geschieht?

      • Joachim Adamek sagt:

        Sicher, Anstossenergie ist manchmal nötig, um Missstände abzustellen. Ich frage mich allerdings, ob ein “Permit” wirklich hilft, die Unfallzahlen am Berg zu senken. Aus meiner Sicht sind manche Berge besonders unfallträchtig, weil sie in der Tat entweder relativ leichte oder sehr begehrte Ziele sind. Wenn ich mich nicht täusche, passieren allerdings die meisten Bergunfälle im harmlosen Gelände, und nicht auf Klettersteigen oder Hochtouren. Darüber hinaus taucht neuerdings die Gruppe 50+ extrem häufig in den Unfallstatistiken auf. Dabei handelt es sich meist um “spätberufene” Tourengeher, die erst am Ende des zweiten Lebensalters die Berge für sich entdeckt haben.
        Sehr lobenswert finde ich die jüngsten Initiativen von ÖAV und DAV, ihr Know-how auch an Nicht-Mitglieder weiterzugeben und viele Ausbildungsprogramme und Kletteren-Touren für alle Interessenten zu öffnen.
        Auch habe ich so meine Zweifel, ob ein “Permit” ein geeignetes Instrument ist, um den Massenansturm auf bestimmte Berge und Regionen in den Griff zu bekommen. Hier gibt es andere Möglichkeiten, beispielsweise Förderprogramme für strukturschwächere Regionen und besondere Marketingaktivitäten, die weit effektiver sind.

  • ln sagt:

    Mich erstaunt immer wieder, dass nicht viel mehr passiert in den Bergen, auf den Strassen usw.

  • Mueller sagt:

    Das Problem ist, dass viele Berge mit Bergbahnen, Seilbahnen, Skiliften und dergleichen mehr behängt sind wie Christbäume. Daher ist das ganze Problem hausgemacht. Jeder Unerfahrene kann mit der Bahn hochfahren und dann losgehen. Verantwortlich sind also nicht nur und ausschließlich diejenigen, die ohne jegliche Erfahrung und Ausbildung unterwegs sind, sondern auch diejenigen, die die Seilbahnen dort hingestellt haben und nun damit fetten Profit machen und auch noch die Landschaft verschandeln. Die Seilbahnbetreiber sollten meiner Meinung verpflichtet werden, von jedem eingenommenen Franken einen gewissen Prozentsatz an die Bergrettung und die Krankenhäuser abzugeben, schließlich sind die allermeisten Verunglückten auch nur deshalb hochgekommen, weil ihnen die Seilbahn dies ermöglicht hat.
    Anstatt sich Gedanken über einen solch hirnverbrannten Schwachsinn, wie Permit oder ähnliches zu machen, sollte überlegt werden , ob es wirklich gut für Mensch und Natur ist, den großen Massen den Zugang zu den Bergen mit Hilfe motorisierter Technik so einfach zu machen. Im Übrigen könnte man ja die Bergstationen zu reinen Aussichtsplattformen umgestalten, an denen nur ausgewählten Personen, wie beispielsweise Bergführern, Tourenleitern, etc. Ausgang in Richtung Berge gewährt wird. Wer sonst noch auf den Gipfel will muss dann eben von unten zu Fuß losgehen.
    Aus Gründen der Sportlichkeit und des Naturschutzes habe ich übrigends noch nie eine Bergbahn benutzt um einen Gipfel zu erreichen und werde das auch niemals tun.

    • Markus Vogel sagt:

      Einerseits schreiben Sie von verschandeln der Landschaft und andererseits machen Sie den Vorschlag Aussichtsplattformen einzurichten.?. Habe ich die Ironie nicht erkannt?
      Sorry, aber die Bahnen treffen m.M. nach keine Mitschuld. Sie machen ja auch nicht den Brückenbauer dafür verantwortlich, wenn sich jemand von einer Brücke stürzt.

      • Mueller sagt:

        Oh, vielleicht ein Seilbahnbetreiber, der um seinen Profit fürchtet???
        Der Vergleich hinkt aber gewaltig! Leute die von Brücken springen tun dies in selbstmörderischer Absicht, Leute die mit der Bahn auf einen Berg fahren jedoch nicht. Tatsache ist, dass Brücken notwendig und unvermeidbar sind, um Menschen und Völker zu verbinden, Seilbahnen jedoch ziemlich überflüssig und in den meisten Fällen die Landschaft verschandeln und nicht zum Wohl der Natur beitragen.
        Vielleicht wäre es mal ganz interessant zu erfahren, wieviel Prozent der Verunglückten mit Hilfe von Seil- und Bergbahnen hochgekommen sind? Das dürften sicherlich die allermeisten sein und genau hier liegt das Problem.
        Da aber in unserer Welt der Profit regiert, ist es sinnlos, den Rückbau von Bergbahnen zu fordern, daher wäre die Sperrung der oberen Ausgänge wohl die einzige Möglichkeit.

        • Andreas Kaufmann sagt:

          Beim Mönch mag es zutreffen, dass 99% der Verunglückten mit der Bahn hochgefahren sind. Denn wer es vom Tal her bis zum Mönch schafft, hat in der Regel die nötige Ausrüstung und Erfahrung.
          Am Matterhorn tummeln sich auch viele Unerfahrene, die es auch ohne Bahn in die Hörnlihütte geschafft haben.
          Allein den Bergbahn-Betreibern die Schuld an Bergunfällen zu geben ist trotzdem sehr einseitig gedacht. Ob es die Bergbahnen nun braucht oder nicht und ob sie schön oder hässlich sind, ist eine andere Diskussion.
          Ich gebe ihnen ein anderes Beispiel, wenn sie das mit der Brücke nicht akzeptieren: Wenn ein Autofahrer sich nicht an die Regeln des Strassenverkehrs hält und einen Unfall baut bei dem Dritte geschädigt werden, dann ist natürlich auch der Autohersteller schuld, der ein Auto baute, dass über die max. Zulässige Höchstgeschwindigkeit fahren konnte. ;-)

          • Mueller sagt:

            Wenn der Autoverkäufer ein Auto an jemanden verkauft, der aus welchen Gründen auch immer im Straßenverkehr eigentlich nichts zu suchen hat nimmt er stlillschweigend in Kauf, dass der Kunde oder auch Dritte zu Schaden kommen. Daher trifft ihn im Falle eines Unfalls auf jeden Fall eine Mitschuld!!! Das wird Ihnen jeder Jurist bestätigen.
            Davon abgesehen haben Autos einen gewissen Nutzwert und sind aus unserem Alltag nicht völlig wegzudenken, was man von Seil- und Bergbahnen wirklich nicht behaupten kann.

  • Heinz Buz sagt:

    Der einfachste 4000 er ist das Breithorn in Zermatt und nicht der Mönch im BEO. Try it!!

  • Diego sagt:

    Eine haarsträubende Leichtsinnigkeit sieht man jeden Sommer auch auf Motorrädern betreffend Schutzkleidung! Nur schon ein Sturz mit 50 kmh ohne Handschuhe endet meist mit schwersten Handverletzungen. Das könnte mir ja wurscht sein. Ist es mir aber nicht, weil ich die Heilungskosten dieser „Helden“ mitbezahlen muss!

  • Markus sagt:

    Ein interessanter Artikel !

    Ich persönlich meide die Normalrouten auf Gipfel wie: Mönch, Lagginhorn, Bishorn etc. gerade aus dem Grund das dort ein Risikofaktor durch eine hohe Zahl von Anfängern und extrem unqualifizierten gegeben ist.

    Mich würde aber auch mal die andere Seite interessieren, ich frage mich was überlegen sich Leute die unangeseilt über Gletscher gehen, was überlegen sich jene die den Mönch Gipfelgrat unangeseilt gehen(die Cracks ausgenommen). Ist es einfach pure Dummheit ? Niemand riskiert doch einfach mal so, in so hohem Masse sein Leben !?

    • Lukas sagt:

      Vielleicht ist es pure Falscheinschätzung der Situation?
      Die REGA kommt dann schon… oder ein Sturz in eine Spalte kann so schlimm nicht sein… Oder, es ist ja schönes Wetter und bleibt auch so… dann machen wir mal eine Wanderung auf den Mönch.
      Gerade durch Aktionen wie Ueli Stecks Speedbegehungen entstehen vielleicht falsche Bilder der Gefahren am Berg einerseits und des ungemeinen Know-Hows des Athleten andererseits…

      Was meinen Sie?

      • Markus sagt:

        Wirklich schwer zu sagen!

        Vermutlich ist es schon primär Fehleinschätzung, wobei ich kann mir einfach schwer vorstellen das jemand übersieht dass es auf einer Hochtour bzw.
        allgemein in den Bergen gefahren gibt. Also ich glaube darauf müsste grundsätzlich noch jeder kommen. Was sich mir jetzt
        aber nicht erschliesst: Wenn man doch schon merkt dass es wohl Gefahren gibt, geht man als einigermassen vernünftiger
        Mensch hin und prüft welche Gefahren das sind und wie man diesen begegnen kann. Sprich: Man informiert sich und eignet sich
        alles notwendig an, man will ja schliesslich mit der grösstmöglichen Sicherheit heil zurückkehren?

        Aber klar, Überschätzung ist auch eine Fehleinschätzung – sprich wenn Leute bereits geführte Touren unternommen haben und dann denken: „So schwierig war’s gar nicht
        das können wir auch ohne Führer“. Führt das vielleicht schnell zu Bildern wie denen im Artikel.

        Ich hoffe wirklich nicht dass durch die Leistungen der Profis eine subjektive Verharmlosungen von „normalen Bergtouren“
        entsteht. Das wäre ja höchst anmassend!

        • Lukas sagt:

          @ bin deiner Meinung. Und dass Leistungen der Profis eine subjektive Verharmlosung von „normalen Bergtouren“ entstehen lassen könnten, ja das hoffe ich wirklich auch nicht. Aber in der heutigen Welt weiss man halt nie. Die Leute überschätzen sich einfach am Laufmeter und in den Alpen verträgt es einfach weniger.
          Ich hoffe einfach es passiert nicht eines Tages ein ganz grosses Unglück, im Stile von „Eine Seilschaft riss zwei Weitere in den Tod“. Wenn man sich die wahnsinnigen Menschenmassen auf gewissen Gipfelrouten ansieht, vielleicht dauert’s nicht mehr lange. Und der Mensch (ist langweilig, weil schon tausend Mal gehört) lernt immer erst hinterher.

          • Markus sagt:

            Ja ich denke auch dass das der Super-GAU wäre – wenn eine fragwürdige Seilschaft weitere mitreisst.

            Im Endeffekt ist dass eigentlich auch das einzige Problem, ich meine schlussendlich kann man niemanden „zwingen“. Es wird immer unverbesserliche geben die nicht hören wollen. Aber ich sag jetzt mal, so lange die nur sich gefährden ist das zwar schade, aber irgendwie deren Sache. Das ändert sich aber dramatisch sobald andere gefährdet werden!

  • Bernadette sagt:

    genialer Artikel, spricht mir aus dem Herz.
    Ich glaube dass eben heute jederman/frau alles machen will
    auf was er Lust hat, auch wenn seine Begabungen oder Ausbildungen unausreichbar sind. Recht auf alles , heisst oft die
    Forderung .
    Mir würden oft die Haare zu Berge stehen, wenn ich am Berg sehe wer und wie alles herumsteigt , wenn nicht der
    Helm zum Glück, jeweils dagegen drückt…)
    Ich nehme mir für anspruchsvolle Touren jeweils einen Bergführer, und
    geniesse eine kompetente Person vor mir zu wissen.
    Es kostet seinen Preis , aber es ist echt lohnenswert!

  • popcorn sagt:

    Ob nun ohne oder am kurzen Seil muss je nach Situation und Können entschieden werden. Generell von Richtig oder Falsch kann man da nicht sprechen. Auf dem Grat bin ich aber der Meinung, wäre das kurze Seil angebracht (wie schon erwähnt kann der Sturz durch einen Sprung auf die andere Gratseite aufgefangen werden).
    Interessant finde ich aber vor allem die Unfallzeiten, welche fast alle sehr spät sind. Wer um diese Zeit noch am Berg ist, ist definitiv zu spät los. Bei einer Tourenzeit von 6 Stunden sollte man nachmittags nicht mehr unterwegs sein, was erfahrene Berggänger wissen sollten.
    Eine Prüfung für Berggänger wäre vielleicht hilfreich, aber nicht wirklich praktikabel. Kann mir nicht vorstellen wie man das überprüfen soll am Berg. Würde wohl nur schon für die Kontrolle der Einheimischen einen enormen bürokratischen Aufwand bedeuten, geschweige denn bei der Kontrolle von Touristen.
    Ich denke unerfahrene Berggänger, welche sich selbst und andere gefährden, werden bei der Masse an Menschen die sich in den Bergen bewegen immer mehr zu einem Problem. Etwas dagegen unternehmen kann man wohl kaum, ausser sich selber richtig zu verhalten und andere, auch wenn man sich keine Freunde damit macht, auf Fehler aufmerksam zu machen.

  • mel sagt:

    sorry, aber mit so blöden aufhängern wie „Der Mönch gilt als einfachster Viertausender der Schweiz. Vermutlich sterben deshalb dort am meisten Alpinisten.“ trägt ihr auch nicht gerade viel zur verbesserung der situation bei…

  • Pille sagt:

    Für Diejenigen, welche sich gleich wieder durch den obigen Bericht genötigt fühlen; …im Text ist vorallem vom Mönch die Sprache und von denen die frischfröhlich Seilfrei über den Grat watscheln. Dort ist nämlich das Seil absolut am Platze, weil ein möglicher Ausrutscher relativ einfach durch Springen auf die andere Seite, aufgefangen werden kann.
    Ansonsten ist es eine Frage des Momentes und des Könnens der Bergsteiger !

  • Beat sagt:

    Schön gezeigt, den Unsinn mit dem Seil um den Hals. Allerdings scheint zumindest der Herr oder die Dame in der Blauen Jacke nicht gerade im extermen Steilhang zu stehen. Vielleicht ist er/sie auf dem Rückweg zur Hütte, braucht das Seil nicht mehr und legt es sich einfachheitshalber um den Hals (was natürlich etwas blöd ist). Die Sache mit dem Gehen ohne Kurzseil habe ich auch schon gehört. Da würde mich mehr Input an dieser Stell interessieren. Es gibt nämlich – wie angesprochen – Argumente dafür und dagegen. Also bitte, Meinungen posten.

  • Ernst Ebert sagt:

    2007 bestieg ich als Letzter einer Dreier-Seilschaft den Mönch. Beim Abstieg war dann der Bergführer letzter Mann am kurzen Seil, ich war vordester Mann. Und als vordester Mann hast Du einen freien Blick auf die beidseitigen Abgründe (freier Blickwinkel). Was ich damit sagen will: der Mönch ist technisch sicher nicht schwierig. Der Gipfelgrat hat es aber in sich. Absolute Trittsicherheit mit Steigeisen und Schwindelfreiheit müssen vorausgesetzt werden, um den luftigen Abstieg vom häufig total vereisten Gipfelgrat bis zur ersten Eisenstange heil zu überstehen. Und wer als Hobbybergsteiger am Leben bleiben will, macht sowieso keine Hochtouren ohne Bergführer. Ernesto

    • Florian sagt:

      Zu: „Und wer als Hobbybergsteiger am Leben bleiben will, macht sowieso keine Hochtouren ohne Bergführer.“
      Wer sich für’s Thema interessiert und sich entsprechend fortbildet, kann ohne Probleme mit entsprechender Umsicht auch ohne Bergführer Hochtouren gehen.

  • Alex sagt:

    In der Liste der einfachen 4000er fehlen noch Bishorn und Alphubel, welche allesamt technisch weitaus weniger anspruchsvoll und ebenfalls recht leicht erreichbar sind. Die Situation am Mönch würde ich jetzt nicht so dramatisch darstellen. Was am Mönch pro Jahr runter fällt kann am Mont Blanc an einem „guten“ Wochenende aus Spalten und vom Fels geborgen werden. Zum Thema Sicherungstechniken reicht auch ein Tag in der Ecke aus, um noch viele weitere hübsche Varianten ablichten zu können.

    Das Ganze ist eben ein Effekt, wenn Sportarten (wieder) populär werden und somit viele Unerfahrene unterwegs sind.

    Ein „Bergschein“, sprich ein Permit halte ich für wenig sinnvoll. Wo sollen denn die Kontrollen durchgeführt werden und wer ist berechtigt, die Massstäbe zu setzen, ob jemand qualifiziert ist oder nicht? Imo gehört es dazu, als Erwachsener selbst entscheiden zu dürfen, ob man ein Wagnis eingeht oder nicht – mit allen Konsequenzen.

    Wenn hier aber schon über Sicherheit geredet wird, wäre auch mal ein Blick auf die Kleidung sinnvoll. Viel zu viele rennen am Berg in Tarnklamotten herum (schwarz, braun, dunkles grün, beige), ohne sich im Klaren zu sein dass man bei schlechterer Witterung und Sicht schlichtweg nicht mehr gefunden wird. Ist leider Mode und die Aussage „ich will die Jacke auch in der Satdt nutzen und daher kein papagei sein“ höre ich auch zu oft.

  • Alex sagt:

    Aus meiner Sicht liegt das Problem nicht bei der Frage, ob man angeseilt oder seilfrei gehen soll, sondern bei der Erfahrung der Bergsteiger. Einem erfahrenen Bergsteiger kann man zumuten, gewisse Passagen seilfrei zu gehen, ohne dabei andere zu gefährden. Mich stören die Berichte in den Medien, welche das seilfreie Gehen verteufeln. Sobald irgendwo jemand abstürzt und es heisst, er sei unangeseilt unterwegs gewesen, schüttelt man gleich den Kopf ob der Verantwortungslosigkeit des Bergsteigers. Vielmehr sollte man sich fragen: War er erfahren oder nicht? Unerfahrene sollten definitiv nicht alleine auf den Mönch. Dies sollte man aber nicht mit Gesetzen (Ausbildungszwang, Permits) regulieren, sondern höchstens mit Warntafeln oder Informationskampagnen.

  • Hans Abächerli sagt:

    Wenn ich die Bilder im Beitrag so anschaue (Seil um den Hals!!!) treibt es mir den Schweiss schon beim Anschauen aus den Poren! Ich frage mich ernsthaft, ob dies ganz einfach Lebensmüde sind? Dass jemand nichts versteht von Kurz-/ Langseiltechnik, das geht mir noch ‚rein, aber das Seil um den Hals zu tragen!?

  • Gunvald sagt:

    Das gehen am kurzen Seil ist gemäss neueren Tests nicht zu empfehlen bzw. sogar gefährlich (vgl. http://www.alpenverein-bayerland.de/module_requirements/bayerlaender/2008/pdf/317-335%20Verbunden%20bis%20in%20den%20Tod%20und%20Schneeanker,%20G.%20Braun-E..pdf).

    Bei einem Sturz wäre der Seilpartner in den meisten Fällen nicht mehr in der Lage, den Stoss abzufangen und würde ebenso mitgerissen. Das seilfreie gehen ist deshalb überall dort, wo keine fixen Sicherungspunkte angebracht werden können, die richtige Methode.

    Der Schlussgrat vom Mönch ist so eine Stelle; fixe Sicherungen können auf dem schmalen Schneegrat nicht angebracht werden. Das einzig Richtige und Ehrliche ist deshalb das seilfreie gehen, so gefährdet man bei einem Sturz wenigstens nur sich selbst.

    Das Ganze ist also nicht „lebensgefährlich“ wie im ersten Bild zu lesen ist, sondern entspricht der neueren Lehrmeinung und in dieser Situation vollkommen korrekt.

    • Roger sagt:

      Die Aussage „Das gehen am kurzen Seil ist gemäss neueren Tests nicht zu empfehlen bzw. sogar gefährlich“ würde ich gerne korrigieren zu “ „Das gehen am kurzen Seil ist sehr kritisch zu betrachten und in gewissen Situationen nicht zu empfehlen.“ Es ist richtig, dass das Gehen am kurzen Seil unter Umständen die schlechtere Variante ist.

      Dia Aussage, dass auf dem ersten Bild am Grat seilfrei die einzig richtige Variante ist, ist falsch. Ein Grat bietet bei richtiger Seilhandhabung sogar gute Möglichkeiten, einen Sturz des Seilpartners zu halten.

      Zudem ist die Entscheidung seilfrei oder nicht von sehr viel mehr Faktoren abhängig als die von ihnen geschilderten. Zudem sind Lehrmeinungen oft auch länderspezifisch und sollten sowieson nie völlig unreflektiert übernommen werden. Wenn schon dieser Bergundsteigen-Artikel erwähnt wird…
      http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2008/2/print/54-61%20%28verbunden%20bis%20in%20den%20tod%29.pdf

      dann sollte dieser auch nicht unerwähnt bleiben…
      http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2008/3/print/32-39%20%28kurz%20schmerzlos%29.pdf

      Die Diskussion „Seil oder nicht“ wird seit Jahren intensiv geführt, was angesichts der Mitreissunfälle auch dringend nötig ist. Falsch oder nicht ist meistens von vielen Faktoren abhängig und nicht immer eindeutig zu bestimmen.

      • Andreas Kaufmann sagt:

        Danke für die beiden interessanten Artikel.
        Beim Thema Sicherheit beim Bergsteigen wird gerne mit Pauschalurteilen um sich geworfen. So wird der Alleingang am Mönch als „lebensgefährlich“ bezeichnet, ohne den Mann und sein Können zu kennen. Bergführer & erfahrene Tourenleiter können in der Regel in solchem Gelände nicht nur sich selbst, sondern noch einen strauchelnden Gast halten.
        Ich habe schön öfter als Tourenleiter gestrauchelte Teilnehmer in schwierigen Situationen gehalten. Dazu möchte ich immer wieder wissen, wieviel ich halten kann und übe Stürze zu halten in ungefährlichem Gelände oder mit zusätzlicher Sicherung von oben. So kenne ich meine Grenzen.

        Was mich jedoch erstaunt ist, dass sich nun zu den bekannten Bergwanderern in Turnschuhen auch noch Anfänger mit ebenso offensichtlichen Mängeln an Sicherungskenntnissen ins Hochgebirge wagen. Ein Kletterkurs in der Halle reicht eben nicht zum sicheren Bergsteigen! Die korrekte Seilverkürzung muss man eben lernen und nicht den anderen abschauen und sich auch Schlaufen um den Hals legen ohne Abzubinden… Grauenhaft diese Bilder! Da müssten wirklich die Versicherungen im Schadenfall Regress nehmen wegen grober Fahrlässigkeit.

  • bop sagt:

    Die Bergen und vor allem die 4000er sind leider ein Konsumgut geworden. Das ist das Problem. Jeder will Gipfel konsumieren, von der 4000er Liste streichen und den Arbeitskollegen von der Heldentat erzählen. Man geht nicht auf dem Berg, weil man die Bergen, die Natur und die Anstrengung liebt, sondern zum sagen „ich habe ein 4000 gemacht“.
    Uebrigens, man sieht auch komische Verhalten bei geführte Gruppe. Diesen Winter auf die Palü Ueberschreitung ein österreicher Bergführer mit 6 Personen am Seil auf dem Grat, alle auf dem Karabiner angeseilt.

    • bcs sagt:

      Da sieht man auch im Berner Oberland so manches. Ende Juli ist uns ein Bergführer am Tierberg mit 11 Leuten am Seil begegnet, von denen bis zu vier gleichzeitig über eine nicht unbedingt Vertrauen erweckende Schneebrücke gegangen sind.

  • Am 9.9.09 war ich auf dem Mönch.

    Wir stiegen rauf, mit Steigeisen, Seilen, Pickel, Helmen und was es sonst noch alles gibt. Die Gruppe im Link haben wir staunend unterwegs angetroffen…

    http://img843.imageshack.us/img843/7626/img1761jz.jpg

  • Lukas sagt:

    Habe auch den einen oder anderen Bekannten aus dem Ausland, der das Gefühl hat, die Alpen seien ein Kinderspielplatz. Danach sieht man die Fotos auf Facebook und fragt sich, welcher normale Mensch so ein Himmelfahrtskommando durchzieht und danach noch damit angibt. Ähnliches hört man aber auch in Ländern am Meer, in denen sich Einheimische fragen, weshalb denn jetzt dieser Depp in die Strömung geschwommen oder gepaddelt ist, ohne sich vorher auch nur ein bisschen über die lokale Lage zu informieren.

  • captain kirk sagt:

    Mit ein Grund dafür, dass viele Ausländer in den Schweizer Bergen verunglücken, ist dass diese meist im Urlaub hier sind und somit nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung haben. Dann geht man halt auch mal los auch wenn die Bedingungen nicht gut sind. Wir Schweizer stehen da weniger unter Druck. Der Berg ist schliesslich nächste Woche auch noch da.

  • Roger sagt:

    Seilfrei kann – und diese Tatsache vermisse ich im Beitrag – in bestimmten Situationen und Konstellationen durchaus eine bewusste und auch richtige Entscheidung sein.
    Die Schwierigkeitsbewertungen sind aus meiner Sicht nur anwendbar auf Berggänger mit einem bestimmten Ausbildungsstand und entsprechender Erfahrung. Einige mit WS (wenig schwierig) bewertete Touren stellen für Ungeübte bereits unüberwindbare Hindernisse dar.
    Beim Bergsteigen muss zum Glück nicht jeder Fehler zum Unfall führen, wenn dem nicht so wäre, würden sich sehr viel mehr Unfälle ereignen. Aber jeder Fehler kann auch der letzte sein. Auf fast jeder Tour sieht man Sachen, die fahrlässig und schlicht gefährlich sind und wie der zitierte Bergführer bereits erwähnt hat, sind viele Bergsteiger nicht willens, gut gemeinte Ratschläge anzunehmen.

  • ovy_ho sagt:

    Den Mönch habe ich selber über drei Routen bestiegen, Nollen-, Westgrat und die Nordostwand. Selbst der Abstieg über die Normalroute mit den nachfolgenden „Schotterstellen“ ist einigermassen anspruchsvoll, trotz Sicherungsstangen. Den Mönch über die Normalroute als leichte Tour einzustufen, ist fahrlässig…

    Die Berge sind öffentliches Gut. Darum ist es in der Praxis nicht möglich, eine allgemeine „Bergprüfung“ einzuführen. Wer prüft denn, ob einer im Besitz des „Ausweises“ ist, bevor er losgeht? Natürlich könnte nach einem Unfall die Versicherung einfacher Leistungen kürzen bei grobem Selbstverschulden, aber das sollte schon heute mit der bestehenden Gesetzgebung möglich sein.

    Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, Leute mit mangelnder Ausbildung gehören nicht an den Berg ohne erfahrenen Führer (ob Bergführer oder erfahrener Seilerster spielt keine Rolle). Die Feststellung, dass Schweizer in der Regel ihr Können besser einschätzen als Berggänger aus unseren Nachbarländern kann ich nur bestätigen.

    Die Gefährdung anderer Bergsteiger ist ein absolutes Verbot und muss vermieden werden. Was in diesem Zusammenhang am unberechenbarsten ist, sind Steinschläge die von unerfahrenen oder unachtsamen Kletterern ausgelöst werden. Solche Stein- oder Eisschläge hätten mich ohne das nötige Glück schon öfters Kopf und Kragen kosten können (und haben mir auf meinen Helmen Dellen eingebracht und den Helmherstellern zusätzlichen Umsatz) …

  • Thomas sagt:

    War dieses Jahr am 10. Juli mit einem Arbeitskollegen auf der Mönch Normalroute unterwegs und habe Seilschaften gesehen, welche mit Halbseil und Gletscheranseilung auf dem Grat unterwegs waren. Ich sehe auf Hochtouren immer wieder Personen oder Gruppen, welche ohne entsprechenden Kenntnisse unterwegs sind; so habe ich noch eine 3er Seilschaft in Erinnerung, welche auf dem Nadelgrat (Nadelhorn, Wallis) mit einem Einfachseil und in Gletscheranseilung unterwegs war, die Person in der Mitte mit in einem Karabiner gelegten Mastwurf gesichert. Es ist erstaunlich, dass nicht noch mehr Bergunfälle auftreten.

  • Brönnimann Christoph sagt:

    In den USA muss man für Unternehmungen im Hinterland eine „backcountry permit“ erwerben. Mit dieser werden dann Ausbildungen über lokale Verhältnisse und Regeln verknüpft. Wer zum Beispiel im Bärengebiet ohne geeigneten Pfeffersrpay unterwegs ist, wird an dieser Ausbildung darauf aufmerksan gemacht und kann dann im Feld auch gebüsst werden.
    Vielleicht müssen wir über ähnliche Massnahmen nachdenken?
    Jeder erfahrene Bergsteiger könnte hier X ähnliche Geschichten zu diesem Bericht ergänzen!

    • Patrik sagt:

      Ich stimme dem zu. Wir waren vor Kurzem in den USA und mussten für alle Aktivitäten
      bei den lokalen Ranchern einen „permit“ lösen. Bzw. vor der Reise sich schon um einen
      bemühen da sie pro Tag und Jahr beschränkt sind. Ich bin der Meinung, dass dies in
      der Schweiz eingeführt werden muss. Somit wäre sichergestellt, dass sich nicht zu viele
      Bergsportler am Berg behindern, dass beim Lösen des „permit“ die Ausbildung über-
      prüft wird wie auch die Ausrüstung und die Verfassung.
      Somit hat uns das Land der unbegrenzten Möglichkeiten was vor und kontrolliert die
      Unbegrenztheit und schützt somit die Natur von zu vielen Nutzern und zu vielen Un-
      fällen.

      • Christian sagt:

        ….. ist doch ein selbstregulierendes System, die Natur. Warum Ausweise und Permits?
        Einziger Jammer, wenn schwarze Schafe weisse Schafe mit in den Tod reissen. Aber man muss ja nicht zwingend auf den prestigeträchtigen Mönch auf die Bergsteigerautobahn.

        • Patrik sagt:

          Selbstreguliert?! Der Trend zeigt ganz anders in eine andere Richtung und deshalb auch die Auswüchse.
          Somit muss dies reguliert werden. Nur dann gibt es eine Chance die Unfälle zu redu-
          zieren, die Natur von einem Massentourismus zu schützen und wieder Ordnung in das
          Chaos zu bringen.

      • Markus Vogel sagt:

        Ein „Permit“ resp. die Fähigkeit zu erlangen, anspruchsvollere Hochtouren selbsständig zu unternehmen dauert Jahre und kann nicht in 20 Lektionen wie beim Autofahren erlernt werden. Die Gefahren im Leben, sei es in den Bergen oder auf der Strasse, lauern vielerorts. Besonders beim Autofahren ist die Situation vergleichbar, viele glauben nach absolvierter Prüfung sie hätten die „Lizenz zum rasen“. Ein „Permit“ könnte u.U. sogar negative folgen haben und die Selbstüberschätzung fördern. Das Erlangen der Erfahrung ist wie bereits geschrieben ein Prozess der Jahre dauert und nie abgeschlossen ist. Daher ist es m.M. nach auch zwingend, dass das gelernte auch in div. (SAC)-Repetitionskursen immer wieder aufgefrischt wird. Eine „Bergsteigerlizenz“ ist nur bei lizenzierten Bergführern sinnvoll, damit sich nicht jedermann als Bergführer ausgeben kann.

    • Mark Mathis sagt:

      Mir scheint das eine sehr schweizerische Idee zu sein mit dem Permit. Sobald irgendwo in einem Bereich des Lebens ein Problem auftaucht, setzt man eine Prüfungspflicht fest und denkt, das mit dem erworbenen Papierli das Problem aus der Welt geschafft ist. Will hier jemand eine Alpen-Polizei einrichten, oder denkt jemand ernsthaft, das sich alle freiwillig an Regeln halten, die möglicherweise gar nicht allen bekannt sind, sicher aber vielen als absurd erscheinen werden? Ich bin für die Freiheit, was leider auch die Freiheit beinhaltet, aus Ignoranz zu sterben. Scheint mir grundsätzlich aber immer noch verlockender als so zu tun, als könne man das Leben – besonders lächerlich, wenn es um ein Alpinisten-Leben geht – zum Versicherungsgeschäft umfunktionieren mit Vollkasko und so. Generell wüde ich es mit verbesserter Aufklärung am Fusse dieser Mode-Berge versuchen. Wäre einen Versuch wert.

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