Fünf Dinge, die den Bikesport revolutionieren

Kontrolliert zum Sieg: Auch im Schlamm von Champéry funktionierten Danny Harts Bremsen einwandfrei und er flog zum DH-WM-Titel. (Bild: Keystone)

Kontrolliert zum Sieg: Auch im Schlamm von Champéry funktionierten Danny Harts Bremsen einwandfrei und er flog zum DH-WM-Titel. (Bild: Keystone)

Jedes Jahr werden Dutzende Innovationen für die Mountainbikes präsentiert, doch nur wenige Erfindungen erreichen die grosse Masse der Biker. Entweder sind sie nur für eine kleine Gruppe spezialisierter Fahrer (wie zum Beispiel die Rohloff-Nabenschaltung) oder sie setzen sich nicht durch, obwohl Branchen-Riesen sie weit verbreiten (wie die ovalen Biopace-Zahnkränze von Shimano).

Vielen Erfindungen gemein ist, dass sie anfangs skeptisch angeschaut oder gar belächelt werden. Meist schaffen sie es am Anfang nicht, eine breite Käuferschicht zu erreichen. Erst wenn sie stetig verbessert werden und je länger je weniger kosten, setzen sie sich in der Breite durch. Im optimalsten Fall verändern sie gar den Bikesport. Das haben die folgenden fünf Innovationen geschafft – oder werden es noch tun. Und sie haben Verbesserungspotenzial, wenn auch nicht alle im gleichen Mass.

Scheibenbremsen
Obwohl seit Jahrzehnten im Motorsport weiter entwickelt, brauchte eines der elementarsten Teile eines Bikes lange Jahre, bis es endlich dort war, wo es die Kunden wollten. Lange war die Scheibenbremse störanfällig, quietschte oder bremste sogar schlecht. Mittlerweile haben die meisten Modelle die Kinderkrankheiten hinter sich und garantieren zwei wichtige Dinge: Viel Bremspower, auch auf langen Abfahrten – und einwandfreie Funktion bei Regen und im Schlamm.
Zukunft: Detailverbesserungen. Die Bremsen werden noch leichter, stärker und langlebiger. Zudem wird die Wartung einfacher. ABS-Systeme sind denkbar, nicht aber für sportliche Biker.

Intelligente Federungen
Spätestens seit Profibiker im Ausdauer-Bereich vor einigen Jahren auf vollgefederte Bikes umstiegen, sind die Fullys je länger je mehr in der Überzahl. Der Komfort und die Geschwindigkeit im Gelände sind vergleichen mit den Bikes von früher markant gestiegen. Wesentlich zum Erfolg beigetragen haben die Federelemente. Besonders wichtig sind dabei Federungen geworden, die sich schnell verstellen lassen oder sogar automatisch reagieren, je nach dem, ob ein Schlag oder ein Pedaltritt auf das Federlement einwirkt (wie z. B. das Brain von Specialized). Elementar ist zudem ein geringes Gewicht. Dabei sind Luftelemente unschlagbar.
Zukunft: Luftelemente, die ähnlich fein und progressiv ansprechen wie Stahlfedern, dabei aber viel leichter sind und auch im Downhill bestehen. Die Federungen werden zunehmend individuell auf den Untergrund reagieren, bzw. nur noch Schläge von den Rädern aufnehmen, nicht aber Tritte des Fahrers.

Karbon
Die leichten Karbonfasern, die mit Kunstharz zu steifen Rahmenkonstrukten verarbeitet werden, schaffen im kommenden Jahr endgültig den Durchbruch in allen Disziplinen. Einzig Dirtjumper und Metall-Puristen winken ab. Doch das leichte Material wird längst nicht mehr nur bei filigranen Rahmen für Cross-County-Fahrer eingesetzt, sondern seit kurzem auch erfolgreich im rauen Downhill-Segment. Nachdem unzählige Modelle der vergangenen Jahrzehnte am Preis, der Stabilität oder Haltbarkeit scheiterten, setzen sich die Fasern durch – auch beim Zubehör.
Zukunft: Noch leichtere, stabilere Rahmen, die durch flüssige Formen bestechen und dabei den Konstrukteuren noch mehr Freiheiten geben. Die Karbon-Bikes werden je länger je günstiger. Immer mehr Parts folgen dem Trend. Bald werden Dutzende Teile eines Bikes aus Karbon zu haben sein, die sich nicht mehr nur wenige leisten können.

Verstellbare Sattelstützen
Anfangs belächelt, so setzen sich absenkbare Sattelstützen immer mehr durch. Die Idee gibt es bereits seit Jahrzehnten, den Durchbruch schaffte das Teil aber erst, seit man es vom Lenker aus bedienen kann. Wer sich eine sogenannte Vario-Stütze einmal an ein Trailbike montiert hat, wird sie nicht mehr hergeben wollen. Die Vorteile des schnellen Verstellens beim Bergab- und anschliessendem Bergauffahren sind bestechend.
Zukunft: Leichter, günstiger, stabiler – und künftig elektronisch verstellbar.

Strom
Elektrizität wird zunehmend im Bike-Bereich eingesetzt. Dabei sind E-Bikes stark im Trend, wenn auch oft noch zu schwer für das Gelände. Das grosse Potenzial, dass in den Stromantrieben steckt, motiviert die Hersteller jedoch zu stetigen Verbesserungen und die Nachfrage wird die Produktion weiter ankurbeln. Daneben gibt es auch elektronische Schaltungen, die ihren Weg von der Strasse allmählich auf die Trails finden.
Zukunft: Wenn auch bei Rennen, im Downhill und in den Köpfen vieler Freizeit-Biker derzeit noch undenkbar, so haben E-Bikes mittel- bis langfristig eine grosse Zukunft. Sie erhöhen die Reichweite und Geschwindigkeiten massiv und werden einen festen Platz in der Bike-Welt erobern. Parallel dazu werden Schaltungen, Federlemente, Sattelstützen und andere Teile immer öfters elektronisch gesteuert.

Welche Erfindungen sind Ihrer Meinung nach Wegweisend für den Bikesport? Welche Innovationen werden das Biken in der Zukunft verändern?

16 Kommentare zu «Fünf Dinge, die den Bikesport revolutionieren»

  • Velomaid sagt:

    Finde den Hinweis von Marc Peer wichtig und richtig. Solange es dahingehend keine sinnvollen Lösungen gibt, befürworte ich Carbon-Bikes als „Innovation“ nicht.

    Biken macht am meisten Spass, wenn das Material zuverlässig ist. Reparaturen kosten Zeit und kein Biker/keine Bikerin sieht sein/ihr Bike gerne in in der Werkstatt stehen, während das Wetter zum Biken einlädt.
    Neuerungen am Bike auszuprobieren heisst, wenn es schlecht läuft, zum B-Tester zu werden. Das heisst das, dass man mit Kinderkrankheiten des Materials testen muss.
    Ich bin ehrlich und entscheide mich daher öfters für das erprobtes Material, zumindest währned der Hauptsaison. Wenn mir die Hersteller garantieren würden, dass ich adäquaten Material-Ersatz bekommen, wenn die neue Technik oder das neue Produkt versagt, würde ich viel öfters Ja sagen zu Neuerungen.

    Daher denke ich, guter Kundenservice wird u.a. entscheiden, welche Produkte man zukünftig vermehrt „in freier Wildbahn“ finden wird.

    • Steve Loch sagt:

      @Marc Peer und James Lehmann: Carbon, also CFK lässt sich problemlos recyceln. Aber da ist auch jeder der einen Carbonrahmen kauft gefragt. Wenn die Kunden sich nicht informieren und den Carbonrahmen einfach in den Abfall schmeissen wird sich das Problem nie lösen.

      Zuverlässiges Material ist auch ein relativer Begriff. Wer weiss schon wie lange die Haltbarkeit von z.B. Carbonlenkern ist. Wer weiss schon das man einen Velohelm nach 3 Jahren austauschen muss, auch wenn er noch wie neu aussieht, bei täglichem Gebrauch schon nach ca. 2 Jahren. Viele betreiben auch lebensgefährlichen Leichtbau an ihren Bikes, obwohl der Nutzen fast gleich null ist.

      Neuerungen ausprobieren mach ich fast jedes Jahr. An der Eurobike werden die Teile vorgestellt und kurz danach hat man sie schon am Bike. Bis jetzt hatte ich mit ganz neuen Teilen nicht mehr Probleme als mit altbewährten.

  • James Lehmann sagt:

    Der vollautomatische Veloroboter, damit man nicht mehr selber Velofahren muss.

  • Marc Peer sagt:

    Was beim Thema Carbon immer gerne vergessen wird: Nach dem Ende des Bikelebens ist der Rahmen Sondermüll. Aus Alu kann einfach wieder ein neuer Rahmen gemacht werden. Oder Bierdosen.

  • Daniel Heierli sagt:

    Ein E-Bike ist ein Elektro-Mofa

    Die meisten Innovationen sehe ich auch positiv. Ich fahre gerne ein Velo, das auf neustem technischen Stand ist.
    Aber:
    Für mich ist ein Velo per Definition ein Gefährt, das rein mit Muskelkraft angetrieben ist.
    E-Bikes sind für den Nahverkehr eine willkommene Alternative. Mögen sie die stinkigen Benzin-Roller und -Mofas möglichst vollständig ersetzen!
    Ein E-Bike ist kein Velo. Sondern ein (Elektro-) Motor-Fahrrad, kurz Mofa.

    • Urs K. sagt:

      Die Autos haben sie noch vergessen. Stellen Sie sich vor, alle würden ihr Auto gegen ein E-Bike eintauschen… Diese Ruhe, diese saubere Luft etc.! Das E-Bike sehe ich auch als Ersatz für benzingetriebene Fahrzeuge, nicht als Ersatz für herkömmliche Bikes. Wer in die Natur will, soll dies aus eigener Muskelkraft machen,, oder die Bergbahnen benützen (von denen es genug hat).

      • Eduard J. Belser sagt:

        Richtig, das E-Bike soll wo möglich das Ressourcen verschleudernde Auto ersetzen. Neue Konzepte wie das E-Liegetrike mit Wetterschutz Hase Klimax setzen hier die Landmarken. Ich persönlich setzte auf die Kombination öV mit einem faltbaren Liegetrike ohne Elektromotorunterstützung von HP Velotechnik, damit kann ich auch den vom im Büro sitzen angehäuften „Hüft-Gold-Diesel“ sinnvoll verbrennen.

    • Guido Müller sagt:

      Ihr sprecht mir aus dem Herzen. Wenn E-Mountainbikes tatsächlich mal populär werden sollten, werde ich mein MTB verkaufen ;o)

      • Alexander Meier sagt:

        mich hat erstgerade einer mit seinem e-mtb auf dem trail fast abgeschossen, weil er den gashebel nicht im griff hatte…

        mit dem motocross-töff würde auch niemand ernsthaft auf den bike trail gehen, aber nur weil jetzt ein akku und ein emotor drinn ist, ists jetzt ok?!?

        • R. Stoll sagt:

          Also die ganzen Gümmeler die herum gurken und meinen sie sind zu gut für den „Veloweg“ etc.
          Wanderer können sicher auch tolle Geschichten erzählen von Lebensmüde Downhiller.
          Ich brauche dafür kein E-Bike, einen Überschuss an Geschwindigkeit kann ich auch so erreichen. Erst vorgestern hat eine MTB-Fahrerin denn Asphalt geküsst und wurde mit der Rega ausgeflogen, auf mein Arbeitsweg.

          Einem Wanderer sagt man auch nicht er soll Joggen damit er sich mehr anstrengt, eine körperliche Verausgabung findet auch auf einem Ebike statt.
          Das beste finde ich ja die Fahrradfetischisten, die nicht täglich mit dem Bike kommen weil es zu anstrengend ist (zugeben tut das keiner :))! Aber am Weekend sich verausgaben, für jene wäre ein Ebike doch das beste, somit kämen sie Täglich in den Genuss eines „Zweirades“.

          Wenn wir alle unser Ego im griff kriegen und merken das es kein Bergpreis gibt für den ersten, da wäre allen geholfen. Teilweise macht es denn Anschein, das auf dem Fahrradwege/ Trails etc, primitiver zu und her geht als im Strassen-verkehr :).

          Die Ebike, Fahrrad Diskussion mutiert zu einem Twist mit fast religösen Züge! Vor allem wenn man bedenkt das erste „Zweirad“ wurde nicht mittels Pedale angetrieben (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Draisine1817.jpg&filetimestamp=20060423093902)! Carbon statt Kondition, spart mal überall „Grämmchen“ ein warum eigentlich? Will man nicht seine Fitness trainieren :), oder ist das einfach ein Statussymbol oder Ersatz von sonst was :) !

        • Peter K. sagt:

          Richtig, R. Stoll. Scheint, dass jetzt die klassischen MTB-Fahrer ins selbe Sandwich kommen, in dem sich Wanderer schon eine Weile befinden. Ein bisschen Schadenfreude darf wohl noch sein.

  • independent sagt:

    Warum technische Innovation nur langsam angenommen werden?

    Zwei Gründen:
    a) Viele Innovationen haben Kinderkrankheiten; es besteht also Vorteil, „early Adoptor“ zu sein.
    b) Bike-Spass hängt nur zu einem kleinen Teil vom Material ab; das Material muss zum Fahrertyp passen und für den Einsatzzweck gut genug sein. Für praktisch alle Einsatzzwecke gibts bereits seit Jahren Bikes, die gut genug sind.

  • Oliver sagt:

    Leider sind vor zwei Jahren die Shimano-Integral hebel wieder „verschwunden“ mit denen man bremsen und schalten konnte, wie das schon jahrelang am Rennrad möglich ist. Leider waren die Biker offenbar nicht so weit. Ich würde diese nie mehr tauschen,
    schaltet viel schneller und man hat immer den Finger an der Bremse.

    • Alexander Meier sagt:

      und wenns zu fest schüttelt beim abfahren schaltet es… dann doch lieber grip shift oder trigger – und die trennung bremsen und schaltung hat auch den grossen vorteil, dass man nicht beides vom gleichen hersteller nehmen muss…

      aber aber fürn stadtfahrrad sicher angehem und eine variation die verschwindet ist immer schade…

  • Steve Loch sagt:

    Scheibenbremsen: Ich fahre schon seit ewigkeiten mit Scheibenbremsen und es hat sich über die Jahre wirklich viel verändert. Im Moment fahre ich eine Formula The One, es ist schon erstaunlich, extrem leicht und voll Downhilltauglich, vor ein paar Jahren wäre dies undenkbar gewesen. Ich glaube aber nicht das in naher Zukunft Bikes mit ABS augestattet werden. Dazu bruacht es komplizierte Elektronik und diese müsste dann auch immer aufgeladen werden oder mit einem z.B. Nabendynamo betrieben werden. Dazu kommt noch das extreme Rattern beim bremsen. Jeder der mal auf einem Motorrad mit ABS gefahren ist weiss was ich meine. Für mich ist ABS am Velo absolut unnötig.

    Intelligente Federungen: Naja, was soll am „Brain-System“ intelligent sein? Ein Trägheitsventil hat nichts mit Intelligen zu zutun :D Die Zukunft gibt es auch schon, Rockshox Vivid Air oder Cane Creek Double Barrel Air sind zwei Luftdämpfer für Downhillbikes. Wenn man aber ein Bike richtig konstruiert, dann braucht man auch keine intelligenti Federung :D

    Carbon Rahmen: Ich würde es besser finden wenn nicht (fast) alle Bikerahmen in Fernost produziert würden. Ausser Intense gibt es nur wenige Marken die an dem Ort Produzieren wo sie auch den Firmensitz haben. Carbon ist natürlich schon die Zukunft, aber warum sollte ich gleichviel für einen Rahmen aus Taiwan bezahlen wie wenn er von BMC in der Schweiz produziert wird?

    Verstellbare Sattelstützen: Ganz klar, ohne geht nicht mehr! Aber eine Fernbedienung vom Lenker aus benötige ich nicht.

    E-Bikes: In der Stadt, sofern man damit umgehen kann, ok! Aber ich sehe immer wieder irgendwelche Anfänger die mit den E-Bikes viel schneller fahren als ihre Fahrtechnik es zulässt. Die Entwicklung finde ich sehr gefährlich. E-Mountianbikes sind wegen dem hohen gewicht nit wirklich geländetauglich, wer will schon mit einem 25 Kilo Bike eine Singletrailabfahrt fahren :D

    Die Zukunft sind ganz sicher Getriebebikes. Pinion macht es vor.

  • Eduard J. Belser sagt:

    Bikesport ist nicht alles. Gefragt sind alltagstaugliche Lösungen für Pendler. Dazu gehören u.a.:
    – Faltbare Liegevelos, insbesondere Liegetrikes mit gutem Wetterschutz wie z. B. das Hase Klimax
    – Leichtere, stufenlose Nabenschaltung wie z.B. die NuVinci N360
    – Neuartige, vandalen- und diebstalsichere Veloparkiermöglichkeiten an Umsteigepunkten zum öV

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