Mit SF auf den Berg


Von Einsiedeln nimmt man den Bus bis Brunni, steigt um auf das Seilbähnli, und schwupps, schon ist man auf der Holzegg. Die Wirtschaft mit der Prachtsterrasse ist sozusagen das Basislager für Expeditionen aufs «Matterhorn der Bergwanderer», wie ich den Grossen Mythen gern nenne.

Anderthalb Stunden dauert die Besteigung des Grossen Mythen allerhöchstens. Kürzlich brauchten wir allerdings etwas mehr als vier Stunden, bis wir oben waren. Die Erklärung in einem Wort: Fernsehen. Es ist aufwendig, televisionäre Natürlichkeit herzustellen. Nur schon all das Zubehör: Kameramann Samuel Gyger hatte zum Beispiel eine Schiene dabei, in die er seine Kamera klinkte, um so auf dem ruppigen Boden erschütterungsfrei zu drehen: Ich ging vorbei, er fuhr auf Wadenhöhe mit.

Der Chefstatist auf dem Mythen

Aber wieso wurden meine Schuhe gefilmt? Ein paar Wochen zuvor hatte ich ein Mail von «Kassensturz»-Redaktor Adrian Zehnder bekommen. Er sei an einem Beitrag über Wanderschuhe, die er im Labor testen lasse. Ob ich Lust hätte, für die Rahmenhandlung einen Berg meiner Wahl zu besteigen, quasi als Chefstatist? Ich hatte Lust.

Und daher bestiegen wir an einem heissen Sommertag in aller Langsamkeit den Grossen Mythen. Wieder einmal begeisterte mich der Berg, 1898 Meter hoch, der wie ein Findling im voralpinen Gelände hockt. Die Wegführung durch die praktisch senkrechte Fluh ist vergnüglich. Das Zählen der von einem Enthusiasten mit Kreide durchnummerierten 47 Kehren lenkt vom eigenen Keuchen ab. Der rötliche Mergelkalk ist eine Augenweide ebenso wie das generöse Innerschweizer Bergpanorama zuoberst. Und eine weitere Freudenquelle: Auf dem Gipfel hat es eine Wirtschaft.

Schlussszene

Wir bestellten am Schalter bei der ruppigen Innerrhödlerin. Ich nahm eine Rösti mit Käse. Wir assen, umkreist von enthemmten Bergdohlen. Danach die letzte Einstellung: Widmer, ein wenig hüftsteif aufgrund seiner lädierten Bandscheibe, erkraxelt die letzten zwei Meter des Berges und blickt sinnierend in die Ferne.

Der Abstieg war effizient: Der junge Gyger aus Thun, der seine Kamera nunmehr im Rucksack verstaut hatte, hüpfte wie ein Gemslein den Steig hinab. Ich und Adrian folgten gemesseneren, aber doch zügigen Schrittes. Bei der Holzegg nahmen wir einen Schlussdrink. Verabschiedeten uns voneinander. Und ich beschloss angesichts des schönen Wetters, noch ein wenig mehr zu wandern.

Testergebnis

Durch eine gewaltige Geröllhalde hielt ich hinüber zur Alp Zwüschet Mythen, linste hoch zum Kleinen Mythen, der im Unterschied zum Grossen kein Wanderberg ist, und nahm die Route hinab nach Schwyz. Es folgten zwei genussreiche Stunden: Ich querte den zum Kantonshauptort abfallenden Mythenbann, dessen Flanken und Runsen mit Bohlen und Stufen versichert sind. Märchenhaft ist der Wald dem fernen Autolärm zum Trotz geblieben, so dass es mich nicht verwundert hätte, wenn mir ein kleines Mädchen mit roter Kappe begegnet wäre, umschlichen von einem Wolf.

In Schwyz nahm ich den Bus zum Bahnhof. Dort trank ich im Pub gegenüber ein Kilkenny, ein irisches Bier. Und ich betrachtete meine Lowa-Schuhe. Wie sie wohl im «Kassensturz»-Test abschneiden? Gut, hoffe ich. So verlässlich, wie sie mich Wanderung für Wanderung durch ruppiges Gelände führen, haben sie es verdient. Nächsten Dienstagabend sollten wir mehr wissen.

Route: (Bus ab Bahnhof Einsiedeln nach Brunni, dann Seilbähnli zur Holzegg). Holzegg – Grosser Mythen – retour zur Holzegg – Zwüschet Mythen – Günterigs /Mythenbann – Tschütschiwald – Schwyz Zentrum. (Bus nach Schwyz SBB).

Karte: Wanderkarte 1: 50 000 Nr. 236 T «Lachen».

Gehzeit: 4 ½ Stunden.

Höhendifferenz: 600 Meter aufwärts, 1400 abwärts.

Charakter: Der Weg auf den Mythen ist breit und hervorragend gesichert, erfordert aber Trittsicherheit. Für Leute mit starkem Schwindel ist er ungeeignet, bei Nässe gefährlich. Die Fortsetzung hinab nach Schwyz durch den Mythenbann ist leichter, aber der Weg ist ebenalls sehr steil. Ungewöhnlich aussichtsreiche Route.

Höhepunkte: Der ingeniöse Pfad am Grossen Mythen. Die vielen Berge und Seen. Das Gipfelbier. Die Alp Zwüschet Mythen im Banne der Geröllhalden. Der Flecken Schwyz mit seinen Prachtspalästen.

TV: Im «Kassensturz» vom 6. September soll der Wanderschuhtest ausgestrahlt werden.

Privater Blog: widmerwandertweiter.blogspot.com

3 Kommentare zu «Mit SF auf den Berg»

  • Thomas sagt:

    Auch der grosse Mythen sollte nicht unterschätzt werden. Dort droht die Gefahr allerdings nur, wenn sehr rasch abgestiegen wird (Stolpern) oder von anderen Berggängern, die stoplpern und/oder Steine auslösen. Dehalb empfehle ich den Mythen nicht an schönen Wochenenden zu den „Hauptverkehrszeiten“ zu besteigen.

    Ansonsten aber eine schöne und sichere Bergwanderung mit herrlichem Ausblick.

  • Sonderegger Bruno sagt:

    Für ambitionierte Bergwanderer wäre folgende Variante sehr empfehlenswert :

    Haggenegg-Haggenspitz-Kl-Mythen(kl.Kamin)-Zwüschetmythen-Chrützplangg-Gr.Mythen-Abstieg Normalweg
    nach Haggenegg
    -Schwierigkeit T4-6 (WS II-III Müllerkamin)
    -Material 20Meter Seil , 2Express Schlingen (für Versierte auch seilfrei )
    -Zeitbedarf ca. 6-7 Std
    -Nur bei trockenen Verhältnissen (zum Teil Rasen-6er)

    • Mürmo sagt:

      Bruno’s Variante über Haggenspitz und kleinen Mythen etc. ist für unerfahreren Berggänger (Kletterer) gefährlich und nicht zu empfehlen – sollte in einem Wanderartikel NICHTvorgschlagen werden.

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