Ist Sex vor Sport ein Leistungskiller?

Sobald sie ihre Gliedmassen entwirrt haben, steht dem Sport nichts mehr im Weg: Stil aus Ang Lees Film «»Lust.

Sobald sie ihre Gliedmassen entwirrt haben, steht sportlichen Höhenflügen nichts mehr im Weg: Stil aus Ang Lees Film «Lust».

Immer wieder taucht das Gerücht auf, dass Sex am Abend vor einem Wettkampf die Leistung vermindern soll und es hält sich hartnäckig in den Köpfen vieler Trainier und Sportler. Wir fragten unseren Running-Doc *Dr. Martin Narozny-Willi, was es damit auf sich hat.

Woher kommt diese Vorstellung?

Mohamed Ali verzichtete sechs Wochen vor einem Boxkampf auf jeglichen Sex. Er behauptete, damit seine Aggressivität steigern zu können. Der 5000-Meter-Läufer Mary Liquori meinte, dass Sex Leute glücklich macht und glückliche Menschen keine Meile unter 3:47 Minuten rennen. Der eigentliche Kalorienverbrauch kann wohl nicht zur Leistungsverminderung führen. Eine Minute Sex verbraucht etwa 4 Kilokalorien, vergleichbar mit Billard. Gibt es also andere Faktoren, die einen Leistungsverlust begründen könnten?

Die Wissenschaft schreckt auch vor der Untersuchung solcher heikler Themen nicht zurück.

Interessanterweise wurden solche Studien immer nur mit Männern durchgeführt, wohl in der Meinung, dass der Sex Testosteron entziehen könnte und somit die Aggressivität, die für einen Wettkampf nötig ist, vermindert. In den 90er Jahren befasste sich eine erste Studie mit diesem Thema und die letzte publizierte wissenschaftliche Studie wurde im Jahr 2000 in der Schweiz durchgeführt. 
Acht Teamsportler, fünf Ausdauerathleten und zwei Gewichtheber nahmen daran teil. Die Sportler mussten im Abstand von zwei Tagen am Morgen einen Ausbelastungstest auf dem Fahrradergometer, am Mittag einen leichten Ausdauertest mit Konzentrationsübungen und am Nachmittag nochmals einen Ausbelastungstest durchführen. Die Athleten wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe hatte am ersten Tag zwei Stunden vor dem Test Sex und am zweiten Testtag nicht, die zweite Gruppe umgekehrt. Es konnte bei keiner Gruppe ein Unterschied in der Leistung auf dem Fahrradergometer, im Sauerstoffverbrauch, der Herzfrequenz, Blutdruck oder Testosteronspiegel im Blut gefunden werden. Der einzige Unterschied war eine leicht erhöhte Herzfrequenz in der Erholungsphase nach dem morgendlichen Ausbelastungstest am Tag mit Sex. Dieser Effekt war aber bereits am Belastungstest am Nachmittag nicht mehr nachweisbar. Auch die älteren Studien führten zum selben Resultat.

Ein Mythos wird begraben

Alle Studien zusammengefasst kann gesagt werden, dass Sex vor Sport, ob zwei Stunden oder die Nacht davor, zu keinerlei Leistungsverminderung führt.

Psychologisch können noch andere Faktoren eine Rolle spielen. Wenn Sportler in der Nacht vor dem Wettkampf nervös sind, kann Sex eine willkommene Entspannung sein. Wenn sie schon entspannt sind oder vor lauter Anspannung keine Lust auf Sex haben, dann ist Schlaf alles, was sie brauchen.

Der Baseball-Trainer Casey Stengel hat es auf den Punkt gebracht: Dass meine Spieler Sex in der Nacht vor einem Spiel haben, ist nicht das Problem, sondern dass sie die ganze Nacht danach suchen.

Welches sind Ihre Erfahrungen?

Dr. med. Martin Narozny-Willi

Dr. med. Martin Narozny-Willi, unser Doc bei «Running im Outdoorblog».

* Dr. med. Martin Narozny-Willi, Facharzt Orthopädische Chirurgie, Sportmedizin SGSM und Verbandsarzt Swiss Ice Hockey. SportClinic Zürich, Sportmedizin und Leistungsdiagnostik. Die Klinik ist eine Swiss Olympic Medical Base. www.sportklinik.ch/sportmedizin/toedi

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24 Kommentare zu «Ist Sex vor Sport ein Leistungskiller?»

  • Christian W. sagt:

    Ich bin da ganz anderer Meinung.
    Ich bin Sportler (Fussball Torhüter) Und wenn man Sex vor 2 stunden macht, kann es vlt nichts ausmachen, im gegensatz wenn man es vor einer stunde macht! Habe leider nur schlechte erfahrung gemacht mit sex vor dem Training. Macht es nie liebe Sportler! Ihr seit dann Komplett weg und unkonzentriert und habt keinerlei willenskraft!

  • Michael sagt:

    Das Sex ein Leistungskiller sein soll gehört doch zu den Mythen des Sports.

    • Sabrina sagt:

      @Michael: Kommt drauf an, wie man es macht! Wenn der Mann einfach passiv dasteht bzw. liegt ist es sicher (für ihn ;-) )kein Leistungskiller, wenn hingegen auch der Mann aktiv ist oder sogar sehr aktiv beim 6 ist, dann ist es sehr wohl ein Leistungskiller für andere Aktivitäten.

  • Achilles (männlich, läuft schon ewas länger 15 km) sagt:

    Ich laufe selbst und treibe Sport, wobei ich mich davor über Jahrzehnte nie ansatzweise sportlich betätigt habe (v.a. aus Scham wegen meiner Kondition/ Koordination). Daher kenne ich die Unterschiede recht gut:

    Nach dem Sport (wie nach dem Sex) ist man i.d.R erschöpft und braucht erstmal eine Pause.
    Während beidem geht Lust (in Form männlicher Aggression) mit erhöhter Leistung einher:
    Wenn ich mich auf einen Konkurrenten fixiere, laufe ich deutlich schneller.

    Da aber beim Sex nicht allzu viele Muskeln beansprucht werden und der durchschnittliche Mann etwas Reserven hat sowie nicht professionell trainiert, dürfte der Einfluss auf die Leistung gegen Null gehen. Andere Faktoren in der Vorbereitung sind da viel wichtiger. Bei Profis ist sicher der Aberglaube mit im Spiel sowie der Wunsch, sich vor dem Wettkampf wo es nur geht zu schonen, um dann wie ein Löwenmännchen zu explodieren.

  • Pille sagt:

    Und noch ein Tipp; hat man keinen Sex vor einer sportlichen Leistung, hat man mehr Energie übrig beim Sex an der Siegerehrung ! Das ultime Winner-Gefühl…

  • Juiz de Ojantes sagt:

    „Ein Mythos wird begraben“

    Nein

    Danke jedoch für den Artikel, ein interessantes Beispiel dafür, wie für eine Studie ein komplexer Sachverhalt so weit vereinfacht wird, dass er mit der eigentlichen Thematik nicht mehr viel gemein hat. Grobe Fehlschlüsse vorprogrammiert.

  • Chris sagt:

    Von welcher Art Sex ist eigenlich hier die Rede? Von der Zweiminuten-Session oder vom Sex mit Vorspiel und mindestens 30 Minuten Penetration. Denn die zweite Variante ist echt anstrengend (und geil), während die erste wirklich mit Billard Spielen zu vergleichen ist!

  • Roland sagt:

    Ist Sex vor Sport ein Leistungskiller? Nein, ist es „normalerweise“ nicht, ausser man(n) verwechselt Sex mit Leistungssport! Übrigens, gibt es auch viele Frauen die das Sexualleben mit Leistungssport verwechseln. Die Ursache dafür liegt im Kopf aber das ist ein ganz anderes Thema und passt somit nicht hier her.

    • Severin Brunner sagt:

      Bin ganz ihrer Meinung. Bei gewissen Leuten ist Sex eine Leibesertüchtigung. Genau ! Warum auch immer ! Traurig !

  • Jlsd sagt:

    Nach meine Erfahrung: Eigentlich ist Sex nicht vor Sport sonder waehrend der Sport gefaerhlich…

  • Pille sagt:

    Vielleicht sind auch da Unterschiede in der Konstitution. Selber will ich lieber keinen Sex am Morgen, wenn ich später arbeiten muss. Auch hatte ich genug Schlaf, ich fühle mich den ganzen Tag danach irgendwie 90% und dies ist sicher keine Einbildung ! Andere Männer schwören darauf, weil sie ihre Morgenlatte nicht alleine lassen wollen…

  • Thomas Ernst sagt:

    Ich würde die Frage mal andersrum stellen. Ist (zuviel) Sport vor dem Sex ein Lustkiller ?

    • independent sagt:

      Zuviel ist nie gut, egal wovon.

      Viel und intensiver Sport hingegen steigert die Lust langfristig sehr deutlich.

  • Leo Schmidli sagt:

    Ich denke, dass nach den falschen Faktoren gesucht wird. Nicht der Sex ist das „Problem“, sondern eher der fehlende Schlaf. Wenn man nach dem Sex vor einem Wettkampf so 1-2 Stunden weniger Schlaf hat, dann wirkt sich das durchaus aus – es liegt dann aber an mangelndem Schlaf, nicht an Sex.

  • Petter Rettenmund sagt:

    Sex baut Aggressionen ab, genauso wie Sport. Die „Übungen“ sagen leider gar nichts darüber aus, wie der Körper sich in „Extremsituationen“ wie einem Match oder Wettkampf verhält.
    Wenn man nun eine aggressive Sportart wie Eishockey oder Boxen ausübt, ist Aggressivität durchaus hilfreich. Diese Werte mögen vielleicht nicht messbar sein, jedoch weiss ich aus meiner eigenen Erfahrung, dass Sex am Abend vor dem Spiel durchaus Einfluss auf das Verhalten hat. Man ist zufriedener und ruhiger. Und in einem Full-Contact-Sport kann dies nicht wirklich hilfreich sein…
    In dem Sinn verzichte ich am Abend vorher auch auf Sex.

    • R. Beer sagt:

      Wie kommen Sie darauf, dass Sport oder Sex Aggressionen abbauen? Diese Annahme basiert auf dem längst widerlegten „Triebmodell“ auch „Hydraulisches Modell“ genannt (s. S. Freud, K. Lorenz). Ihre Behauptung ist eingängig und besitzt eine gewisse Augenscheinvalidität und wird daher von Leuten kolportiert, die keine Kenntnis der relevanten physiologischen und psychologischen Prozesse haben. Sport/Sex KÖNNEN entspannen und den Körper ermüden, wodurch man weniger Energie für aggressives Verhalten haben KANN. Aggressive Menschen sind nach dem Sport aber genau so aggressiv wie vorher und die allenfalls geringere Wahrscheinlichkeit für aggressives Verhalten geht auf Ermüdungseffekte zurück. Aggressive Verhaltensweisen haben zudem keinesfalls die Tendenz im Zeitverlauf abzunehmen, vielmehr tendieren sie – einmal angestossen – zur Eskalation.

    • Severin Brunner sagt:

      Was mich interessieren würde: Welchen Einfluss hat Sex auf das Sportverhalten der Frauen? Das wäre mal was Neues.

  • c.p.casparis sagt:

    gewichtheben, marathonlaufen etc. ok. aber als ehemaliger fechter muss ich sagen: sex vor allem vor dem finaltag hielten wir (d.h. im ungarischen fechtclub zürich) immer für sehr positiv, weil es unseren körper auf eine ganz besondere art lockerte. ob es dazu studien gibt? jedenfalls müssten verschiedene sportarten untersucht werden, denn ausdauer, reaktionsgeschwindigkeit, mentale kompetenz sind doch sehr unterschiedliche anforderungen.

  • A Lien sagt:

    Also wieviel Energie Sex braucht, hängt sicher entscheidend ab von der Stellung, der Geschwindigkeit und der Praktik. Passives Daliegen braucht sicher bedeutend weniger als der Beischlaf hängend an der Liane im Dschungel. Die 4 kCal pro Minute sind also sicher höchstens ein grober Näherungswert.

    Ich verbrauche rund 10 kCal pro Minute bei anstrengendem Velofahren, das ich so vielleicht 50 Minuten durchhalte.

    • Robert sagt:

      Vielleicht hat die Studie den Teilnehmenden ja ein genaues Programm abgegeben, das „Sex haben“ definiert, sozusagen eine Art „Roadbook“.

      Wobei aber halt wiederum zu berücksichtigen wäre, dass das allenfalls erfolglose aber beharrliche Versuchen, so ein Programm abzuarbeiten wie auch die emotionlae Befindlichkeit hinterher, allenfalls auch mehr Energie kosten könnte als normal.

  • A. Nussbaumer sagt:

    Die alten Taoisten widersprächen heftig. Man(n) lese in entsprechenden Schriften über den Verlust an Essenz, den Energieaufwand, den das männliche System bewältigen muss für die immer wieder erneute Samenbildung. Sex nach taoistischer Lehre verfeinert die Essenz, verschleudert sie nicht. Die Shaolin Mönche zum Beispiel speichern durch spezielle Übungen und nutzen die Sexualenergie für den Qi-Aufbau, z.B. auch den Qi-Gürtell, der ihnen ermöglicht, bäuchlings auf eine Lanzenspitze zu liegen oder mit einem konzentrierten Schwerthieb hartgepresste Bambusbündel wie Butter zu zerschneiden, etc.
    Mantak Chia veröffentlichte diese alten Kentnisse und Praktiken, zu denen intensives Meditieren gehört.
    Wer schon einen Feuerlauf gemacht hat, kann in etwa verstehen, worum es da geht.
    Das indische Pendant zu den taoistischen Disziplinen/Praktiken lässt sich in fundierten tantrischen Schriften erforschen.
    Und: letztendlich selber Ausprobieren geht dann weiter als studieren.

    • Rima sagt:

      Da haen Sie sicher recht. Aber was die Taoisten wissen, können die westlichen Wissenschaftler (noch) nicht messen. Die Methoden sind zu grob. Sex mit einem Mann der von Tao auch nur eine Ahnung hat, ist einiges genussvoller.

      • Pedro Sivana sagt:

        Das uralte Geheimwissen über die Nutzung der sexuellen Energie ist auch für den Leistungssport höchst wirksam. Sowohl für die Frau (=Verkürzung bis Aussetzung der Menstruation, also kein Eisprung mehr) wie auch den Mann (=Umelenkung des Samens, also kein Samenerguß mehr nach Außen).
        Die Sexualenergie wird dabei einbehalten und für den eigenen Körper und Geist zugänglich gemacht,
        und nicht mehr völlig ungenutzt nach Außen abgegeben.
        Gerade im Leistungssport biete dies noch ungeahnte Möglichkeiten.

        … und natürlich steigt dadurch auch der sexuelle Genuss

  • Jan Klaassen sagt:

    Bei der Studie wurde das Verhalten von Männer untereinander beim möglichen Zuschauen des weiblichen Geschlechts im Bezug auf dem Testosteronspiegel nicht berücksichtigt. Persönlich habe ich das Gefühl, dass meine Aufmerksamkeit nach dem Sex etwas nachlässt.

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