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Das Luxusproblem der «NZZ am Sonntag»

Christian Lüscher am Samstag den 18. Oktober 2014
Eine Sorge, die sonst kaum eine Zeitung kennt: Die «NZZ am Sonntag» kämpft mit Übergewicht. Foto: Flickr

Eine Sorge, die sonst kaum eine Zeitung kennt: Die «NZZ am Sonntag» kämpft mit Übergewicht. Foto: Flickr

Man liest in diesen Tagen auffallend oft Krisenreportagen und Sterbeanalysen zum Thema Zeitung. Es ist en vogue, sich zum bemitleidenswerten Zustand der Papiertechnologie zu äussern. Meinetwegen. Ich setze mal einen Kontrapunkt: Ich lobe eine Zeitung, und ausgerechnet eine der Konkurrenz.

Ich habe den Eindruck, dass die Kollegen der «NZZ am Sonntag» vieles richtig machen. Inhaltlich setzt sich die Sonntagsausgabe aus dem Hause NZZ von den anderen sechs Wettbewerbern ab: Man legt Wert auf Hintergrund und Meinung. Die Redaktion hat einen hohen Anspruch, recherchiert präzis und kommentiert klug und überraschend. Chefredaktor Felix E. Müller hat eine publizistische Kultur entwickelt, die unverkennbar ist. Man verweigert sich den branchenüblichen Standards wie der Primeurbolzerei, dem Verschenken von Inhalten im Web oder dem Servieren von Enten.

Der Kurs zahlt sich aus. Die «NZZ am Sonntag» ist die sympathischste Zeitungsmarke im Wirtschaftsraum Zürich. Auch meine Kollegen aus der Werbebranche bestätigen diese Beobachtung. Und jetzt wirds spannend: Obwohl die «NZZ am Sonntag» wie alle anderen Zeitungen in den vergangenen Monaten im Lesermarkt einbüsste – im Werbemarkt ist sie ein Juwel.

Die Zeitung ist erstens voller Beilagen. Und zweitens voller Werbung. Ein Blick in die Inseratestatistik der Wemf AG für Werbemedienforschung beweist es. Lange führte der «SonntagsBlick» die Statistik an. Neuerdings trocknet die «NZZ am Sonntag» (598 Seiten, seit Januar 2014) den «SonntagsBlick» (546 Seiten) ab.

Kommen wir zu einer hübschen Anekdote, die den Anlass für diesen lobenden Blogbeitrag lieferte. Die Zeitung kämpft seit drei Wochen mit einem Luxusproblem: Weil die «NZZ am Sonntag» voller Beilagen, Magazine («Stil», «Bücher am Sonntag», «Z», «Residence», «Frame») und Werbung ist, kämpft die Druckerei mit dem Gewicht. Die dicken und schweren Ausgaben fielen aus den Halterungen. Als Folge musste das Immobilienmagazin «Residence» auf zwei Sonntagsausgaben verteilt werden. Der Vorfall ist ein Kompliment an den Chef und an sein Zeitungskonzept.

Die Zeitung in der Krise? Bei der «NZZ am Sonntag» trifft das offensichtlich nicht zu.