Beiträge mit dem Schlagwort ‘Migros’

Alles nur geklaut

Christian Lüscher am Donnerstag den 5. März 2015
Off the Record

Geklauter Slogan, mehrere Urheber: Zwei Sujets aus der aktuellen Nachhaltigkeitskampagne von Coop. Bilder: PD

Greift im Kampf um Kunden und Marktanteile keine eigene Idee, dann kupfert man notfalls bei der  erfolgreichen Konkurrenz ab. Eine bewährte Strategie. Wir hatten kürzlich den Fall Cablecom gegen Swisscom. Der Werbespot von Swisscom hat auffallend viele Ähnlichkeiten.

Dieser Fall ist allerdings recht harmlos. Ich fand einen anderen; einen recht peinlichen. Vor zwei Wochen berichtete meine geschätzte Kollegin Benita Vogel über das Kopier-Duell zwischen Migros und Coop. Es ging um die neue Nachhaltigkeitskampagne von Coop als Antwort auf die erfolgreiche Aktion «Generation M» von Migros. Ich fand die erdachte Offensive von Coop clever. Der Slogan «Taten statt Worte» ist eindringlich. Irgendwie ja ein Seitenhieb auf die Konkurrentin. Und er hört sich nicht wie das übliche Blabla an. Soweit, so gut.

Tage später recherchierte ich auf einem Branchenportal ein paar Fakten.  Zufällig stolperte ich auf eine Meldung aus dem Jahre 2004. Die Redaktion dokumentierte eine Kampagne der Werbeagentur Publicis. Es ging um Migros Engagement, den Vorgänger von «Generation M». Der Stil: Die Migros liefert statt lavert. Dreimal dürfen Sie raten, wie der Slogan damals hiess: «Taten statt Worte». 

Im Archiv fand ich eine weitere Kampagne aus dem Jahr 2006. Wieder für einen eigenständigen Werbeauftritt für das Ethik-Programm «Engagement». Und wieder mit dem Slogan «Taten statt Worte». Ich fand dann auch die Anzeigen dazu.

tatenstattworte

Taten statt Worte: Die Engagement-Werbung aus dem Jahr 2006. (Quelle: rauertext.com)

Ich halte es ja mit dem Spruch: Gut geklaut ist besser als schlecht erfunden. Anlass für diesen Blogbeitrag ist allerdings die PR von Coop. Im Interview mit dem «Blick» antwortete Coop-Chef Joos Sutter auf die Frage, ob Coop in Sachen Nachhaltigkeit generell von der Migros abkupfert habe, so: «Ach was! Wir haben vor 25 Jahren als Erste schon mit Nachhaltigkeit begonnen. Wir haben einen grossen umfassenden Nachhaltigkeits-Geschäftsbericht. Wir fragten uns, wie wir einen solchen Bericht in einer Form kommunizieren, die auch aktuell leicht zu lesen ist. Mit «Taten statt Worte» bringen wir den Bericht in eine einfache, klare Form.»

Im «Tages-Anzeiger» sagte Sutter zur Umsetzung der Kampagne: «Die Idee für ‹Taten statt Worte› ist intern entstanden. Wir fragten uns Jahr für Jahr, wie wir unseren Nachhaltigkeitsbericht plakativer und einfacher kommunizieren können.» Und in einem Branchennewsletter sagt ein Coop-Manager: «Coop hat vergangenes Jahr einen Pitch zum Thema Nachhaltigkeit durchgeführt. Hierzu waren unsere gängigen Agenturen eingeladen, aber auch Havas. Wir sind aufgrund der Kampagnen für andere Firmen auf sie aufmerksam geworden und das Kommunikationskonzept von Havas hat uns am meisten überzeugt.»

Wer hat den Slogan erfunden? Wie ging das? Fazit: In der Kommunikation hat Coop grossen Nachholbedarf. Wir haben folgendes: Eine abgekupferte Nachhaltigkeitskampagne. Einen geklauten Slogan. Wort für Wort notabene. Und wir haben mehrere Urheber der Idee.

Mir fällt an dieser Stelle ein passender Migros-Slogan ein: So oder so, die Sache mit der Nachhaltigkeit ist für Coop keine Glanzleistung.

Und noch ein kleiner Nachtrag: Ich habe kurz im Web recherchiert. Die Migros ist nach dem Oekom Industry Report von 140 untersuchten Detailhändlern weltweit der Nachhaltigste. Da sag ich doch: Taten statt Worte.

SRF, Migros, NZZ, «Blick», Buzzfeed

Christian Lüscher am Dienstag den 24. Februar 2015
Festhalten, Raser am Werk: Gehört «Top Gear USA» zum Service public? Foto: PD

Festhalten, Raser am Werk! Gehört «Top Gear USA» zum Service public? Foto: PD

Zum Titel eine kurze Erklärung. Dahinter steckt Kalkül. Textet man eine Schlagzeile mit einem dieser bekannten Markennamen, erhöht man die Klickquote um gefühlte 50 Prozent. SRF, Migros, NZZ, «Blick», Buzzfeed: Im Onlinegeschäft sind das Reizwörter, auf die der Leser anspricht, auf die er reagiert und die er sofort anklickt.

Ich habe diese Namen allerdings nicht einfach aus Spass in den Titel gesetzt. Ich habe auch was zu erzählen.

Beginnen wir mit Migros

Kürzlich traf ich einen Werber in einer Zürcher Szenebeiz. Werber sind interessante Gesprächspartner, weil sie stets hervorragend informiert sind. Ausgesprochen gut ist die Stimmung in der Werbebranche derzeit nicht. Schuld ist der starke Franken. Seit SNB-Chef Thomas Jordan die Frankenuntergrenze aufgehoben hat, geht es bei den Werbern drunter und drüber. Mein Kollege berichtet von Panikreaktionen auf Kundenseite. Werbeausgaben würden drastisch gedrosselt, Kampagnen verschoben oder ganz eingestellt. Über Nacht wurden die Leistungen der Schweizer Werbeagenturen im Vergleich zur internationalen Konkurrenz um 20 Prozent teurer.

Zu reden gibt in der Branche die Migros. Vor ein paar Wochen hat die Tochter Interio nämlich eine Schweizer Werbelegende zu Grabe getragen. Interio kündete ihre Verträge mit der langjährigen Werbeagentur Neuen LGK, die nun ihre Tore schliessen muss. Dafür macht nun die Münchner Agentur Fashioncom neu Werbung für Interio. Das ist natürlich legitim. Und hat vermutlich wenig mit dem Frankenkurs zu tun. Irritierend ist allerdings ein Interview mit Migros-Chef Herbert Bolliger in der «SonntagsZeitung». Er sagte: «Es gibt viele Leute, die gehen aus Prinzip nicht über die Grenze einkaufen, weil sie das einheimische Gewerbe unterstützen wollen. Dazu gehöre auch ich. Ich lebe in diesem Land, zahle hier Steuern und konsumiere auch in der Schweiz.» Interio verdient gutes Geld mit einer Kundschaft, die ausschliesslich in der Schweiz zu Hause ist.

Kommen wir zu SRF

Letzte Woche war ich in den Bergen Ski fahren. Wir hatten in St. Moritz perfekte Schneeverhältnisse. Dafür kein Internet. Weil ich auf der Zugfahrt ins Engadin mit Youtube-Videos mein Datenkontingent aufgebraucht hatte, musste ich mich via Fernsehen auf dem Laufenden halten. Aufgefallen ist mir die Sendung mit dem Namen «Winter Challenge». Obwohl schon vor einem Jahr ausgestrahlt, zeigte SRF kürzlich eine Episode, in der drei Extremskifahrer die Nordostflanke des Schreckhorns runterschwingen. Ziemlich gefährlich. SRF machte aus der Übung eine Heldengeschichte. Die Leistung der drei Amateurfahrer wurde verherrlicht, obwohl bei den Dreharbeiten die Skifahrer mit dem Heli ausgeflogen werden mussten, wie mein TA-Kollege Stefan Häne dokumentierte.

Ich fragte mich: Gehören solche Sendungen überhaupt zum Service public? Was haben solche Risikoübungen im Programm zu suchen? Die «Winter Challenge» ist auch kein Einzelfall. SRF zeigt auch Autotester, die das Rasen mit Sportwagen verherrlichen. Oder nehmen wir die Sendung «Das Experiment». Auch hier begeben sich Teilnehmer in Extremsituationen, indem sie zum Beispiel von Felswänden runterspringen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier die Einschaltquoten im Vordergrund stehen. Wo bleibt aber die Verantwortung? Ich kam zum Schluss, dass die SRG sich am Vermitteln von Informationen orientieren und das Drehen von Extremskiübungen Red Bull überlassen soll. Oder was denken Sie?

Noch was zur NZZ

Hier mache ich es kurz. Seit Wochen ist die NZZ das dominierende Stadtgespräch. Es wird spekuliert, wer nun auf Markus Spillmann folgen wird. Der neue Chefredaktor wird allerdings nicht wie erwartet Ende Februar bestimmt. Wie man hört, sollen der neue Chefredaktor und der Leiter Neue Publizistik (Digitalchef) erst Mitte oder Ende März bestimmt werden. An der Favoritenlage hat sich aber wenig geändert. Es bleibt also noch eine Weile spannend an der Falkenstrasse.

Und zum Schluss zu «Blick» und Buzzfeed

Kürzlich haben wir hier über die Pläne von Marc Walder berichtet. Die «Blick»-Gruppe wird bald einen Digital-Crack aus den USA erhalten. Er soll die Marke in die Digitalära führen. Was das heisst? Einen Vorgeschmack kriegt man auf der Mobile-Version von Blick.ch. Wer sie nutzt, hat neuerdings Zugriff auf Buzzfeed-Inhalte. In einer eigenen Sektion werden den Usern Videos des berühmten US-Portals aufgetischt. Zum Beispiel Videos mit dem Titel «Why Tea Is Better than Coffee». Da fällt mir nur ein Kommentar ein: Aufgewärmter Kaffee schmeckt immer bitter.