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SRF, Migros, NZZ, «Blick», Buzzfeed

Christian Lüscher am Dienstag den 24. Februar 2015
Festhalten, Raser am Werk: Gehört «Top Gear USA» zum Service public? Foto: PD

Festhalten, Raser am Werk! Gehört «Top Gear USA» zum Service public? Foto: PD

Zum Titel eine kurze Erklärung. Dahinter steckt Kalkül. Textet man eine Schlagzeile mit einem dieser bekannten Markennamen, erhöht man die Klickquote um gefühlte 50 Prozent. SRF, Migros, NZZ, «Blick», Buzzfeed: Im Onlinegeschäft sind das Reizwörter, auf die der Leser anspricht, auf die er reagiert und die er sofort anklickt.

Ich habe diese Namen allerdings nicht einfach aus Spass in den Titel gesetzt. Ich habe auch was zu erzählen.

Beginnen wir mit Migros

Kürzlich traf ich einen Werber in einer Zürcher Szenebeiz. Werber sind interessante Gesprächspartner, weil sie stets hervorragend informiert sind. Ausgesprochen gut ist die Stimmung in der Werbebranche derzeit nicht. Schuld ist der starke Franken. Seit SNB-Chef Thomas Jordan die Frankenuntergrenze aufgehoben hat, geht es bei den Werbern drunter und drüber. Mein Kollege berichtet von Panikreaktionen auf Kundenseite. Werbeausgaben würden drastisch gedrosselt, Kampagnen verschoben oder ganz eingestellt. Über Nacht wurden die Leistungen der Schweizer Werbeagenturen im Vergleich zur internationalen Konkurrenz um 20 Prozent teurer.

Zu reden gibt in der Branche die Migros. Vor ein paar Wochen hat die Tochter Interio nämlich eine Schweizer Werbelegende zu Grabe getragen. Interio kündete ihre Verträge mit der langjährigen Werbeagentur Neuen LGK, die nun ihre Tore schliessen muss. Dafür macht nun die Münchner Agentur Fashioncom neu Werbung für Interio. Das ist natürlich legitim. Und hat vermutlich wenig mit dem Frankenkurs zu tun. Irritierend ist allerdings ein Interview mit Migros-Chef Herbert Bolliger in der «SonntagsZeitung». Er sagte: «Es gibt viele Leute, die gehen aus Prinzip nicht über die Grenze einkaufen, weil sie das einheimische Gewerbe unterstützen wollen. Dazu gehöre auch ich. Ich lebe in diesem Land, zahle hier Steuern und konsumiere auch in der Schweiz.» Interio verdient gutes Geld mit einer Kundschaft, die ausschliesslich in der Schweiz zu Hause ist.

Kommen wir zu SRF

Letzte Woche war ich in den Bergen Ski fahren. Wir hatten in St. Moritz perfekte Schneeverhältnisse. Dafür kein Internet. Weil ich auf der Zugfahrt ins Engadin mit Youtube-Videos mein Datenkontingent aufgebraucht hatte, musste ich mich via Fernsehen auf dem Laufenden halten. Aufgefallen ist mir die Sendung mit dem Namen «Winter Challenge». Obwohl schon vor einem Jahr ausgestrahlt, zeigte SRF kürzlich eine Episode, in der drei Extremskifahrer die Nordostflanke des Schreckhorns runterschwingen. Ziemlich gefährlich. SRF machte aus der Übung eine Heldengeschichte. Die Leistung der drei Amateurfahrer wurde verherrlicht, obwohl bei den Dreharbeiten die Skifahrer mit dem Heli ausgeflogen werden mussten, wie mein TA-Kollege Stefan Häne dokumentierte.

Ich fragte mich: Gehören solche Sendungen überhaupt zum Service public? Was haben solche Risikoübungen im Programm zu suchen? Die «Winter Challenge» ist auch kein Einzelfall. SRF zeigt auch Autotester, die das Rasen mit Sportwagen verherrlichen. Oder nehmen wir die Sendung «Das Experiment». Auch hier begeben sich Teilnehmer in Extremsituationen, indem sie zum Beispiel von Felswänden runterspringen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier die Einschaltquoten im Vordergrund stehen. Wo bleibt aber die Verantwortung? Ich kam zum Schluss, dass die SRG sich am Vermitteln von Informationen orientieren und das Drehen von Extremskiübungen Red Bull überlassen soll. Oder was denken Sie?

Noch was zur NZZ

Hier mache ich es kurz. Seit Wochen ist die NZZ das dominierende Stadtgespräch. Es wird spekuliert, wer nun auf Markus Spillmann folgen wird. Der neue Chefredaktor wird allerdings nicht wie erwartet Ende Februar bestimmt. Wie man hört, sollen der neue Chefredaktor und der Leiter Neue Publizistik (Digitalchef) erst Mitte oder Ende März bestimmt werden. An der Favoritenlage hat sich aber wenig geändert. Es bleibt also noch eine Weile spannend an der Falkenstrasse.

Und zum Schluss zu «Blick» und Buzzfeed

Kürzlich haben wir hier über die Pläne von Marc Walder berichtet. Die «Blick»-Gruppe wird bald einen Digital-Crack aus den USA erhalten. Er soll die Marke in die Digitalära führen. Was das heisst? Einen Vorgeschmack kriegt man auf der Mobile-Version von Blick.ch. Wer sie nutzt, hat neuerdings Zugriff auf Buzzfeed-Inhalte. In einer eigenen Sektion werden den Usern Videos des berühmten US-Portals aufgetischt. Zum Beispiel Videos mit dem Titel «Why Tea Is Better than Coffee». Da fällt mir nur ein Kommentar ein: Aufgewärmter Kaffee schmeckt immer bitter.