Service public: Die Generation Y geht vergessen

Blog-Redaktion am Mittwoch den 6. Januar 2016

Ein Beitrag von Flavia Forrer*

(Keystone/Christof Schuerpf)

Zuhause vor dem TV? Generation Y konsumiert Medien vorwiegend unterwegs. (Keystone/Christof Schuerpf)

Die Debatte um den Service public kocht. Nicht nur wegen der neuen Werbeallianz zwischen SRG, Ringier und Swisscom. Überwiegendes Thema im Service-public-Diskurs ist das bereits bestehende Programm von SRF. Heisse Fragen sind: Welche Sendungen sollen abgeschafft werden? Was ist bei den einzelnen Programmpunkten nicht in Ordnung? Wieso zählt jene oder diese Sendung nicht zum Service public?

Doch was wirklich untergeht bei der ganzen Diskussion, ist die Zukunft der Medien. Wie lange gibt es lineares Fernsehen überhaupt noch? Die sogenannte Generation Y schaut kaum noch pünktlich um 19.30 Uhr die «Tagesschau» oder um 20.05 Uhr die Unterhaltungssendung «Top Secret» mit Roman Kilchsperger. Letztere Sendung kann SRF sowieso getrost aus dem Programm streichen, nebenbei bemerkt. Ich zähle mich zu denjenigen, die hauptsächlich über das Web Medien konsumieren. Eine Fernsehsendung schaue ich – so wie viele andere in meinem Alter – online. Dann, wenn gerade Zeit und Lust vorhanden sind. Radiosendungen höre ich nicht analog. Da helfen Podcasts, welche ebenfalls nur mit Internetzugang funktionieren. Kurz: It’s all about the web. Das Internet ersetzt in naher Zukunft den Fernseher, das Radio, die Printzeitung. Dieses Thema geht in der Service-public-Debatte unter. Eigentlich absurd, wenn man bedenkt, dass auch Smartphone- und Laptop-Besitzer die Billag-Gebühren bezahlen.

SRF macht es sich noch einfach mit dem Internet: Sendungen stellt es eins zu eins auf die Website. Online konsumieren kann man sie erst nach der Ausstrahlung im TV. Oder die Web-User schauen/hören das aktuelle Programm «live» mit. Für junge Konsumenten schlicht ein Graus. Im Internet wird anders TV geschaut. Besonders in der Schweiz, dem Pendlerland schlechthin, werden vor allem unterwegs Medien konsumiert. Unterwegs ist es kaum möglich, eine über einstündige «Arena»-Sendung zu schauen. Zu lang. Die meistbefahrene Strecke von Bern nach Zürich dauert knapp eine Stunde. Ist es nicht Aufgabe des Service public, alle Konsumenten angemessen zu versorgen? SRF überlegt sich bereits, Sendungen anders zu produzieren. In der Digitalstrategie von SRF ist vermerkt, dass beispielsweise «Einstein»-Sendungen anders für die junge Zielgruppe produziert werden müssen. Mein Vorschlag für die restlichen Sendungen: zusätzlich eine Zusammenfassung – sozusagen das Best-of der Sendung für den Onlineauftritt.

Ein weiteres Problem ist, dass man unterwegs kaum problemlos konsumieren kann. Immer wieder hängt die Sendung, wird nicht richtig geladen. Die Signalverstärker, welche die SBB in den Zügen einbauen, sind verbesserungsfähig. Es ist zudem kompliziert, die Sendungen auf der mobilen Version von Srf.ch zu erreichen. So schleppe ich gar ein Buch mit, damit ich im Zug beschäftigt bin. Das funktioniert wenigstens. Ein gutes Internetnetz innerhalb der Schweiz gehört auch zum Service public.

Höchste Zeit, das Problem einer besseren Internetverbindung in Angriff zu nehmen. Eine Lösung liegt auf der Hand: Die Werbeallianz zwischen Ringier, Swisscom und dem Schweizer Fernsehen wird zu einer Internetallianz erweitert. In meinem Traumszenario arbeiten die SBB in dieser Allianz mit. Bereits heute kooperieren SBB und Ringier beim Railcity-Netz. Wieso also nicht mit Swisscom und SRF? Das bringt gute Verbindungen und ein tolles Nutzererlebnis im Zug. Auch die zukünftig gemeinsame, individuelle Werbung kommt ohne Stocken beim Konsumenten an. Und die Billag-Gebühren werden für einen wirklichen Service public eingesetzt, welcher auch der zahlenden Generation Y dient.

Flavia Forrer* Flavia Forrer (26) ist Praktikantin im Social-Media- und Leserforum-Team des «Tages-Anzeigers».