So organisiert Wolfgang Büchner die Blick-Gruppe

Christian Lüscher am Mittwoch den 28. Oktober 2015

«Das sind aufregende, aufwühlende Zeiten – sowohl was die Nachrichtenlage angeht, als auch was unsere eigene Branche angeht», mit diesen Worten leitet Blick-Geschäftsführer Wolfgang Büchner eine Mail ein, die er kürzlich der Belegschaft schickte. Darin kündete er an, in wenigen Tagen alle Informationen zum geplanten Umbau des Newsrooms und zur Mannschaftsaufstellung zu präsentieren.

Eigentlich wäre die Kommunikation auf Freitag angesetzt gewesen. Dann aber machte der Branchendienst Horizont Büchner einen Strich durch die Rechnung. Eine Journalistin publizierte einen Artikel, wonach Chefredaktor René Lüchinger sein Amt an Iris Mayer abtreten werde. Die News sorgte in den letzten Stunden – verständlicherweise – für viel Unruhe. Denn seit Büchner als Geschäftsführer amtet, wird innerhalb der Blick-Gruppe viel über seine Pläne gerätselt.

Am Mittwoch informierte Wolfgang Büchner die Belegschaft. Und so will der Ex-«Spiegel»-Chef die Blick-Gruppe neu organisieren: Peter Röthlisberger und Iris Mayer bilden das neue Power-Duo im Newsroom der Blick Gruppe. Röthlisberger, bisher Chefredaktor «Blick am Abend», wird zusammen mit Mayer, arbeitet als Nachrichtenchefin bei der dpa, künftig den sogenannten Blick-Desk als Co-Chefredaktoren leiten. Sie verantworten das neue «Super-Ressort». Am Desk werden  «Blick», «Blick am Abend» sowie die Angebote Blick.ch und Blickamabend.ch produziert.

René Lüchinger, der vor zwei Jahren die «Blick»-Chefredaktion von Andrea Bleicher übernahm, wird weiterhin für Ringier tätig sein. Allerdings neu als «Chef-Publizist» der Blick-Gruppe, eine neu geschaffene Stelle. In dieser Funktion wird er Mitglied der Chefredaktion der Blick-Gruppe (Gremium aller Chefredaktoren) sowie der Chefredaktion des «SonntagsBlick».

Für den «SonntagsBlick» ändert sich wenig. Das heisst, es steht sogar ein Ausbau bevor: Chefredaktorin Christine Maier bekommt ab Februar 2016 Verstärkung im Kernteam. Die Sportberichterstattung unter der Führung von Chefredaktor Felix Bingesser wird nicht angetastet. Grosser Verlierer der Reorganisation Büchners ist Onlinechef Rüdi Steiner, bisher Chefredaktor von Blick.ch. Er ging bei Büchners Reorganisation leer aus.

Wie ist die neue Machtstruktur zu interpretieren? Die Schaffung eines Desks macht auf dem Papier Sinn. Auch die Co-Leitung zwischen Röthlisberger und Mayer ist sinnvoll. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass deutsche Chefs allein mit den hiesigen Verhältnissen überfordert sind und daher auf die Erfahrung  von Schweizer Kollegen angewiesen sind. Bemerkenswert ist die neue Rolle Lüchingers. Büchner hat ihm zwar den Status eines Chef-Publizisten gegeben. Faktisch ist der neue Status eine Entmachtung, weil Lüchinger die Verantwortung über das Flaggschiff «Blick» verliert. Ob diese mit den Zahlen des «Blick» zusammenhängt? Unter Lüchingers Vorgängerin Andrea Bleicher hatte der «Blick» wochentags eine verkaufte Auflage von rund 40’000 Exemplaren. Seit Lüchinger den «Blick» verantwortet, verliert der «Blick» laufend an verkaufte Auflage. Unter der Woche setzt die Zeitung noch rund die Hälfte am Kiosk ab.

Nicht nur in der Chefetage der Blick-Gruppe kommt es zu Wechseln. Auch die Belegschaft ist von der Reorganisation von Wolfgang Büchner betroffen. Ursprünglich war von 20 Entlassungen die Rede. Wie zu hören ist, sind fünf Stellen betroffen. Welche Bereiche es treffen wird, war nicht in Erfahrung zu bringen.

4 Kommentare zu “So organisiert Wolfgang Büchner die Blick-Gruppe”

  1. […] beim «Blick» (Rainer Stadler, «NZZ») So organisiert Wolfgang Büchner die Blick-Gruppe (Christian Lüscher, […]

  2. Pierre Rothschild sagt:

    Nur ein junger Chefredaktor kann eine Generation ansprechen, die jetzt am Blick vorbeilebt. Das kann Peter Röthlisberger auf ideale Weise. Dass ihm der Verlag aber auch ein gutes Werbebudget geben muss, ist klar. Hier gelten bei Zeitungen die gleichen Regeln wie sonst im Markt.

  3. Martha Meister sagt:

    Andrea Bleicher konnte die Verkaufszahlen halten, ich habe ihren Weggang bedauert, und statt den Fehler wieder gut zu machen und sie zurückzuholen holt man jetzt eine Tütsche…FAM hat sich lächerlich gemacht beim Jauch am Sonntag mit seinem Deutschland Geschleime, am mangelnden Applaus klar erkennbar: Das was selbst für das Deutsche Publikum zu viel, aber die Schweizer Blickleser werden mit solchem Schrott zugemüllt. Tütsches DDR Ideologie Geschleime für das Schweizervolk …Fehlentscheide am laufenden Band, der Blick ist nicht mehr zu rettten.

  4. Heinz Butz sagt:

    wir können eine grosse Wette eingehen, dass der deutsche Geschäftsführer Büchner weiterhin deutsche Mitarbeiter anstellt, so spart er Geld und muss sich nicht mit unbequemen Schweizern herum schlagen. Allerdings werden typisch schweizerische Ansichten durch diese Leute aus dem grossen Kanton nicht vertreten, da diese Laute die Zusammenhänge in der Schweiz sicher nicht gut kennen.
    Aber für den seichten Sensationsjournalismus reicht das halt anscheinend doch, gell Herr Ringier!!