«Watson» wirbt auf Sexportalen

Christian Lüscher am Donnerstag den 27. August 2015
OTR

Das Publikum dort abgeholt, wo es ist: Watson-Werbung auf einem Sexportal. Screenshots: TA

Hier die Branchennews der Woche:

SRF

Seit ein paar Monaten ist man in Leutschenbach mit der Einführung eines automatisierten Regiesystems beschäftigt. Es heisst News15 und hält Redaktionen und die Produktionsschwester TPC auf Trab. Wie bei Grossprojekten so üblich, kommt es zu Pannen und Verzögerungen (der «Tages-Anzeiger» berichtete). Einer unserer Reporter war kürzlich vor Ort bei «10 vor 10» und meinte: «Sie haben es schon gut im Griff.» Wie uns nun aber zugetragen wurde, hat News15 einen personellen Rückschlag an drei Schlüsselpositionen erlitten. Ein Projektleiter, ein Multitechniker und ein Kameramann sind ausgefallen. Hat der Druck so stark zugenommen? Auf Anfrage konnte und wollte TPC dazu keine Stellung nehmen.

«Watson»

Es gibt gleich drei interessante Dinge, die man über «Watson» derzeit sagen kann. Erstens: Das Medien-Start-up ist gar nicht in einer so schlechten finanziellen Verfassung, wie wir Anfang Jahr noch schrieben. Das beweist ein Video. Eine Redaktorin hat an einer Fundsachenversteigerung einen Koffer für 680 Franken ersteigert. Das grosse Los hat sie nicht gezogen. Im Koffer war kein teures elektronisches Equipment. Dafür Kleider. Im Video zeigt sie Chefredaktor Hans Voigt die magere Ausbeute. «Wenn du das zur nächsten Investorensitzung trägst, machen die bestimmt noch eine Million locker», versucht sie den sichtlich frustrierten Voigt zu ermutigen.

Kommen wir zur zweiten Beobachtung: Wie versucht Watson eigentlich, die Reichweite zu steigern? Auf eine sehr kreative Art, wie wir finden. Die Macher schalten auf Sexportalen Werbung, siehe Screenshot. Ein User hat uns via Mail darauf aufmerksam gemacht. Während einige Verlagsleute hier einen Skandal sehen, finden wir die Idee eigentlich nicht schlecht. Man muss das Publikum dort abholen, wo es nun mal ist. Vielleicht versuchen ja andere Medientitel, auf den Zug aufzuspringen. Vorschläge für kreative Headlines? Bitte bei den Kommentaren einfügen.

Last but not least:  «Watson» ist auf Partnersuche in Deutschland. Im Moment entwickeln ja alle grossen Titel Angebote für die junge Zielgruppe. Die «Zeit» mit «Ze.tt». Und am 1. September soll das Projekt  mit dem Arbeitstitel «byou» als Teil von Bild.de an den Start gehen. Auch der «Spiegel» ist nach unseren Informationen dran, etwas für die Unter-30-Jährigen aufzubauen. «Spiegel» führt mit «Watson» Kooperationsgespräche. Projekttitel: Spotson. Was sagen die Beteiligten? Aufseiten des «Spiegels» wollte der Projektleiter keinen Kommentar abgeben. «Spiegel online»-Kenner sagen, dass das Interesse hoch sei an der Technologie von «Watson». Am Inhalt allerdings zweifelt man. Was sagt Hansi Voigt? Er schreibt in einem Mail: «Ich würde nicht dementieren, dass es Gespräche gibt. Wir arbeiten ja sowieso schon sehr eng zusammen. Ob diese Zusammenarbeit in Zukunft noch enger wird oder nicht, kann ich nicht sagen. ‹Spiegel› ist in der Tat eine Option für ‹Watson› in Deutschland. Es gibt aber noch andere.» Wir bleiben dran.

«Handelszeitung»

Wie gehts eigentlich der «Handelszeitung»? Als externer Beobachter hat man den Eindruck, der einzige Wirtschaftswochentitel kämpfe gegen eine hohe Personalfluktuation. Seit Stefan Barmettler die Redaktion führt, verliessen Benita Vogel, Madeleine Stäubli, Armin Müller, Olivia Kühni, Samuel Gerber und Pascal Meisser das Blatt. In den nächsten Monaten werden noch Pascal Ihle, Stefan Eiselin und Jorgos Brouzos gehen. Es sind dies neun Leute innerhalb von eineinhalb Jahren. Die Redaktion zählt 18 Personen. Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Der «Handelszeitung»  gehts trotzdem gut. Sie konnte nämlich auch qualifizierte Leute anwerben, wie Chefredaktor Stefan Barmettler in einem Mail auflistet. Zudem hört man an der Förrlibuckstrasse, dass sich die Kernzahlen in die richtige Richtung entwickeln. Fazit: Im Wirtschaftsjournalismus ist einfach ein harter Konkurrenzkampf um Personen im Gange. Im Grunde hervorragende News für diesen Fachbereich.

5 Kommentare zu “«Watson» wirbt auf Sexportalen”

  1. Michael sagt:

    Meine Erkenntnis aus diesem Artikel: Es gibt tatsächlich noch Leute, die ohne Werbeblocker Pornoseiten besuchen, obwohl gerade diese häufig anfällig für Virenverbreitung sind.

  2. “Ein User hat uns via Mail darauf aufmerksam gemacht.” Aaah come on. Doch nicht immer alles auf die User schieben 🙂

  3. Martin sagt:

    Habe am Anfang gedacht , das ist etwas. In der Zwischenzeit habe ich alle Aps gelöscht, völliger Schrott.