SRG-Streit entzweit Verlegerverband

Christian Lüscher am Freitag den 21. August 2015
Blick in die Ausstellung "Blick" im Aargauer Kunsthaus in Aarau am Donnerstag, 26. Januar 2012. Das Schweizer Medienunternehmen Ringier hat 2009 dem Kanton Aargau sein rund sieben Millionen umfassendes Archiv ueberlassen. Fuer die Ausstellung Blick haben Kunstschaffende aus dem Material Arbeiten entwickelt. (KEYSTONE/Walter Bieri)....Visitors look at a wall painted with pages of the Swiss daily newspaper "Blick" at the press preview day of the exhibition "Blick" (View) at the Aargauer Kunsthaus in Aarau, Switzerland, Thursday, January 26, 2012. In 2009, the Swiss Media Company Ringier committed its archive of roughly seven million images to the Canton of Aargau, thus bringing a huge treasure trove of photographic documents from the 1940s to the early 21st century to the canton’s capital Aarau. Illustrating contemporary political, social and cultural history, the media images provide most interesting material to work with artistically. For this exhibition titled Blick (View), the Aargauer Kunsthaus invited artists to sound out the depths of the archive material and develop works from it. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Buntere Zeiten: «Blick»-Seiten bei einer Ausstellung in Aarau (2009). Foto: Keystone

Sie haben noch gemeinsam gescherzt: Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument und Fifa-Boss Sepp Blatter, am Dienstag vor dem Restaurant Sonnenberg in Zürich. Wenig später leitete Lebrument die schwierigste Präsidiums­sitzung seiner 13-jährigen Amtszeit. Er dürfte sich ähnlich gefühlt haben wie Blatter, als in dessen Verband vor einigen Monaten alles aus dem Ruder lief.

Es war das erste Aufeinandertreffen der Verleger nach einer eigentlichen Zäsur in der Schweizer Mediengeschichte: Am Montag hatten die SRG, die Swisscom und Ringier – das Zürcher Verlagshaus und langjährige Mitglied im Verlegerverband – eine Werbeallianz bekannt gegeben, die die Schweizer Medienlandschaft spaltet. Auf der einen Seite stehen die SRG-kritischen Verleger. Sie versuchen seit Jahren, dieSRG in Sachen Werbung zu regulieren, weil sie eine Marktverzerrung durch die öffentlich-rechtliche Medienfabrik fürchten. Auf der anderen Seite steht Ringier, seit das Unternehmen, das unter anderem den «Blick» herausgibt, neuerdings eine Ver­marktungs­allianz mit zwei halbstaatlichen Unternehmen unterhält.

Wie tief dieser Graben tatsächlich ist, zeigte sich erst Tage später: Gestern gab Ringier überraschend bekannt, dass der Verlag den Verband Schweizer Medien verlässt. Dem Entscheid war offenbar ein Eklat an der Präsidiumssitzung vom Dienstag vorausgegangen. Was sich dabei genau abgespielt hat, ist umstritten. Klar ist aber, dass offenbar ein Grossteil der Mitglieder des Verlegerverbandes den Entscheid Ringiers, eine Kooperation mit Swisscom und SRG einzugehen, als stossend empfand. Zumal der Verband im Frühjahr, laut Verband mit Zustimmung von Ringier, ein Positionspapier zum Service Public verabschiedet hat. Darin vertritt der Verband zwar die Position, sich inhaltlich nicht bei der SRG einmischen zu wollen und bekennt sich zu einem «echten Service Public». Gleichzeitig fordert der Verband einen Verzicht der SRG auf Werbung, weil das Medienunternehmen dank dem neuen Radio- und TV-Gesetz (RTVG), das auch die Rundfunkgebühren regelt, von erheblichen Mehreinnahmen profitiere.

Ob dieses Konflikts – der Werbe­kooperation zwischen Ringier, Swisscom und der SRG auf der einen Seite und der Forderung des Verlegerverbands nach einem kompletten Werbeverbot auf der anderen Seite – entzweiten sich die Parteien. Das zeigen auch Verlegerpräsident Lebruments klare Worte: «Wir empfinden das Vorgehen Ringiers als Rückenschuss.»

Die SRG sei in den letzten Jahren gewachsen, während die Privaten schwächer geworden seien. Zudem habe die RTVG-Abstimmung gezeigt, dass das Volk mit dem Kurs der SRG nicht einverstanden sei. Die Revision war im Juni mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,08 Prozent oder mit 3696   Stimmen Differenz angenommen worden.

Auch Ringier-Konzernchef Marc Walder wählt starke Worte: «Der Bogen wurde an der Sitzung überspannt.» Hinter einem kompletten Werbeverbot für die SRG will das Zürcher Medienhaus nicht stehen. «Der Verband manövriert sich mit seiner radikalen Haltung ins Abseits», sagt Walder dem TA. «Deshalb treten wir mit sofortiger Wirkung aus dem Verband aus.» Er bedaure den Schritt, sieht es aber als einen «historischen Fehler», die SRGin dieser Form zu beschränken. Walder schliesst nicht aus, dass auch Axel Springer Schweiz, ebenfalls Partner des neuen Joint Ventures, aus dem Verband austreten werde: «Wir werden gemeinsam über weitere Schritte diskutieren.»

Hanspeter Lebrument hält an der Position des Verbandes fest. «Der Verband steht geschlossen hinter dem Positionspapier. Es gilt, die Distanz zur SRG zu wahren.» Er bedaure den Austrittsentscheid von Ringier, halte ihn aber für folgerichtig. Gleichzeitig betont Lebrument, er wolle den Kontakt zu Ringier auf keinen Fall beenden: «Ich erachte es als meine Aufgabe, die Familie wieder zusammenzubringen.» Ob der Verband vor einem Scherbenhaufen stehe, könne er im Moment noch nicht beurteilen.

Ein Kommentar zu “SRG-Streit entzweit Verlegerverband”

  1. Jack Stoffel sagt:

    Das Problem heisst mit allergrösster Wahrscheinlichkeit Lebrument und nicht Ringier; auch nicht SRG.