Frank A. Meyer spricht Klartext

Christian Lüscher am Samstag den 27. Juni 2015
Swiss publicist Frank A. Meyer, pictured on the roof terrace of the Ringier building in Zuerich, Switzerland, May 21, 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)  Der Publizist Frank A. Meyer, aufgenommen auf der Terasse des Ringier Gebaeudes in Zuerich, am 21. Mai 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ereifert sich: Ringiers Publizist Frank A. Meyer. (Bild: Keystone)

Wenn Ringiers Publizist Frank A. Meyer (FAM) nach seiner Meinung gefragt wird, fällt diese in der Regel laut und pointiert aus. Der Journalist ist nicht altersmild geworden. Der 71-Jährige kann sich noch ereifern. Das beweist ein Audiofile, das in diesen Tagen per Mail die Runde macht. Wir publizieren es hier nicht. Aber wir dokumentieren die eindrücklichsten Aussagen aus dem fast anderthalbstündigen Gespräch, das er mit Hannes Britschgi, Leiter Journalistenschule, an einem Ringier-internen Event führte.

FAM über Journalisten, die Themen verpassen:

Journalismus ist, wie wenn ich einen Film sehe. Wenn der Film schlecht ausgeleuchtet ist und mir der Regisseur sagen würde, es hat leider geregnet, dann interessiert mich das als Zuschauer nicht. Mich interessiert nicht, was hinter den Kulissen passiert.

FAM über Kernkompetenzen im Journalismus:

Schreiben können, formulieren können. Die Urkompetenz im Journalismus. Schreiben können heisst denken können. Nichts ist gedacht, wenn es nicht irgendwo geschrieben wurde.

FAM über sein liebstes Ringier-Produkt:

Bei «L’Hebdo» finden noch Geschichten statt!

Warum sich FAM über die restlichen Ringier-Titel ereifert:

Warum ereifere ich mich? Das ist mein Haus. Beim Tagi würde ich das mit Ironie machen und nicht mit Engagement. Ich bin manchmal richtig verzweifelt.

FAM, wie er sich selbst sieht:

Oh, jetzt rühme ich mich wieder selber. Aber was bleibt mir anderes übrig?

FAM über die Berichterstattung zu den Bellers im «SonntagsBlick»:

Das ist ja eine Endlosgeschichte. Die sind völlig irrelevant.

FAM über die Wirtschaftsredaktion der «Blick»-Gruppe, die nichts zu Joe Ackermann und der Deutschen Bank schrieb:

Das Wirtschaftsressort ist hochkompetent. Es könnte eine solche Geschichte schreiben, wenn es ihm denn in den Sinn käme.

FAM über Peter Rothenbühler, ehemaliger Journalistenschüler von FAM und Kolumnist «Schweizer Illustrierte»:

Das ist nur noch peinlich. Jeder Brief ist peinlich. Keine Edelfeder.

Das ist eine Unterschätzung der Intelligenz der Leser. Hier sind die Leser intelligenter als der Schreiber.

FAM über die Berichterstattung zu Sepp Blatter in der «Schweizer Illustrierten»:

Das Ganze war eine Inszenierung von Lobhudelei.

FAM über «Blick»-Chef René Lüchinger und sein Glencore-Glasenberg-Interview:

Dieses Interview ist bar jeder kritischen Frage. Das ist unsäglich!

FAM über die Berichterstattung im «Blick» zum Thema Sparlüge:

Die Sparlüge ist Unsinn. Was soll denn das? Das ist schlimmster kleiner Populismus.

FAM zum Politressort der «Blick»-Gruppe:

Das Bashing der Parteien ist etwas, was mich sehr stört. Was mich wirklich stört. Unsere Kritik muss Tiefe habe, muss Breite herstellen.

FAM will im «Blick» Verbesserungen:

Die Kommentare im «Blick» sind zu klein. Sie dürfen grösser sein!

FAM über Facebook:

Man liebt nicht über Facebook. Man liebt nur, wenn man riechen kann. Man muss riechen können. Man muss sehen können.

FAM über die Leistungen der Chefredaktoren im Newsroom der «Blick»-Gruppe:

Wenn die Chefredaktoren so schwach sind wie jetzt im Newsroom, muss man ihnen den Lohn um die Hälfte kürzen.

Kommentar von Hannes Britschgi: «Da schlucken wir mal leer.»

FAM über den «Tages-Anzeiger»:

Marc (Walder), holt der «Tages-Anzeiger» uns ein? Das stört mich. Das ist mein Haus!

FAM über soziale Medien:

Was ist daran sozial? Das sind Ausbeutermedien! Wir sind in der Kindergartenzeit dieses Mediums. Wenn Sie schauen, wer das vertritt! Das sind Kinder. Das ist ein Kinderkreuzzug. Google wird zu Gott. Wenn Sie die Leute im Silicon Valley auf Podien beobachten, die sind wie Priester. Die ziehen sich auch alle gleich an. So pseudobescheiden, dabei sind sie autoritär.

FAM über Qualität im Journalismus:

Es reicht nicht mehr, was wir bis jetzt getan haben. Dieses System der Abschaffung des Journalismus durch die Vorspiegelung desselben reicht nicht mehr.

FAM über den Zeitdruck im Journalismus:

Auf das gehe ich nicht ein. Ich mag all die Ausreden nicht. Mein Bedauern bezüglich des Drucks hält sich in Grenzen, wenn ich sehe, unter welchen Bedingungen andere arbeiten müssen.

FAM über die Arbeitsverhältnisse im Journalismus:

Man soll sich gegen schlechte Verhältnisse auflehnen.

FAM über Ringier-CEO Marc Walder:

Da ist einer an der Spitze, der am liebsten im Newsroom Chefredaktor sein möchte. Ich weiss, dass das so ist.

11 Kommentare zu “Frank A. Meyer spricht Klartext”

  1. […] Er, der intern wegen seiner seitenlangen Interviews schon mehrfach in die Kritik geriet, wir haben die Rede von Frank A. Meyer hier protokolliert, rechtfertigte sich für seinen Stil. Dieser sorge bei der Leserschaft für viel […]

  2. Richard Scholl sagt:

    FAM schont seine Kollegen in einem Kernbereich: im Beherrschen der Sprache. Was wir Konsumenten /Leser feststellen ist, dass heutige Medienschaffende (früher Journalisten genannt) weder Deutsch noch Englisch beherrschen, aber tüchtig diese beiden Sprachen mischen. Ja, wenn die Polizeibewerber zur Hälfte nicht Deutsch können, dann dürfen die Journalisten………was wohl?

  3. Famonisa sagt:

    FAM hält sich für den Erfinder des Journalismus um nicht zu sagen dessen Gott. Unerträglich eitel und humorlos. Was allerdings Peter Rothebühler angeht, teile ich seine Meinung.

  4. simon sagt:

    Ich mag mich noch gut und gerne an einen Kommentar von FAM im Sonntagsblick erinnern, so etwa 1994/95.
    Die Schlussfolgerung des Artikels war praktisch wörtlich:
    “Dass die Schweiz erst im Jahr 2000 der EU beitritt, ist ja völlig unrealistisch.”
    Es gibt sie noch, die echten Perlen.

  5. crigs sagt:

    “Unsere Kritik muss Tiefe haben, muss Breite herstellen.”
    Weshalb fehlt die Länge !
    So ein Quatsch kann nur der Meyer formulieren.

  6. Meili sagt:

    FAM ist die Verkörperung des Mainstreams, wenn nicht sogar einer der Konstrukteure. Er würde nie und nimmer etwas gegen den Mainstream schreiben oder eine Gegenposition dazu einnehmen.

  7. Marc-Reto Wirth sagt:

    Die Ringier Chefetage leistet sich – wie die früheren König, ganz standesgemäss – einen Hofnarren, der Ihnen den Spiegel vor das Gesicht hält, aber nichts bewirken kann. Wenn Frank A.Meyer als Intellektueller und Publizist mit hoher Affinität zu Deutschland und seinen Eliten echte Glaubwürdigkeit verkörpern will, dann müsste er längst seine hoch dotierte und mit Sonderprivilegien versehene Funktion bei Ringier, die er seit Jahrzehnten inne hat, aufgeben.

  8. Peter Richter sagt:

    FAM über die Auswirkungen der 3 grössten (linken!) Medienkonzerne, welche in der Schweiz die öffentliche Meinung beherrschen?

  9. FAM war schon immer ein Journalist, der eine Meinung hat, wie nicht mancher in seiner Zunft. Will heissen, er schreibt Kolumnen, die sich sonst keiner getraut zu schreiben. Das hat FAM eine Wichtigkeit gegeben, die er durchaus verdient. Keiner hat so angeschrieben gegen die pervertierten Machenschaften der Finanzindustrie wie FAM. Er macht das, was der Journalismus eigentlich machen müsste: Genau hinsehen, wahrnehmen und dann schreiben. Und FAM ist ein Mann, für den Gerechtigkeit und Moral keine fossilen Eigenschaften sind. Er getraut sich, sie zu berücksichtigen, nicht wie die meisten Journalisten, vor allem die Jungen, die so tun, als hätte die Welt nichts mit diesen vergrauten Ansichten am Hut. FAM bezieht Partei, was ihn sympathisch macht. Manchmal ist FAM selbstgefällig. Nichtsdestotrotz: Gut das er schreibt und es hoffentlich weiter tut.

  10. Hebeisen sagt:

    Hat einige gute Sprüche dabei