Warum beim «Blick» bald Englisch gesprochen wird

Christian Lüscher am Mittwoch den 28. Januar 2015
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Marc Walder will sich als Themenführer in Sachen Digitalisierung etablieren. Foto: Christian Beutler, Keystone.

Am Sonntag schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Es geht um die Initiative «Digital Zurich 2025» von Ringier-Chef Marc Walder. Er will mithilfe von Vertretern aus Wirtschaft und Politik den Grossraum Zürich zu einem industrieübergreifenden Cluster für die digitale Wirtschaft machen, sozusagen zu einem Silicon Valley in Europa. Die Idee ist nicht neu, schon eine Weile weibelt Walder dafür. Nun aber ist ihm ein PR-Erfolg gelungen: Er konnte ein paar der bekanntesten Konzernchefs von der Idee überzeugen.

Damit machte Walder einmal mehr klar, dass er in Sachen Digitalisierung unter den Schweizer Medienmanagern die Themenführerschaft beansprucht. Und bald wird er wieder für Schlagzeilen sorgen. Nachdem er in den letzten Jahren unzählige Investitionen ins Digitale (1,4 Milliarden Franken) tätigte, will er für die «Blick»-Gruppe nun auch das passende Personal an Bord holen. Ende Januar soll ein neuer Digitalchef seine Arbeit aufnehmen. Es wird mit grösster Wahrscheinlichkeit kein Schweizer sein. Walders Digitalcrack wird vermutlich aus den USA kommen. Walder selbst verbringt nach eigenen Angaben viel Zeit in den USA, um sich mit den Akteuren erfolgreicher Online-Start-ups auszutauschen. Von der Digitalkultur der Amerikaner ist er begeistert. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagte er im letzten Jahr: «Die Amerikaner haben recht.»

Vier Digitalcracks und ein Deutscher sollen auf der Shortlist von Walder stehen. Sie kommen überwiegend von erfolgreichen Titeln wie «Huffington Post» und «Buzzfeed». Walder will mit der Neuverpflichtung vor allem im Bereich Social Media und Bewegtbild die «Blick»-Gruppe einen Schritt weiterbringen. Aber auch mit der Entwicklung von Apps und anderen Produkten soll der neue Digitalchef zeigen, dass der Schweizer Onlinejournalismus eine Dosis US-Innovation vertragen kann.

Demnächst dürfte die Personalie bekannt gegeben werden. Einziger Knackpunkt soll die Arbeitsbewilligung sein. Arbeitskräfte aus sogenannten Drittstaaten bekommen diese nur, wenn den Behörden glaubhaft dargelegt werden kann, dass das Know-how der Person auf dem Heimmarkt nicht zu finden ist. Dies zu beweisen, dürfte keine Herkulesaufgabe sein. Es gibt aber eine Herausforderung: Falls der US-Boy kommt, wird dann im Newsroom Englisch gesprochen?

13 Kommentare zu “Warum beim «Blick» bald Englisch gesprochen wird”

  1. […] Werk, geführt vom gebürtigen Kolumbianer Juan Fernando Baron. Wir haben in diesem Blog bereits im Januar geschrieben, dass der Ringier-CEO einen Digitalcrack holen will. Voilà, das ist er also. Der Branche […]

  2. Philipp Rittermann sagt:

    was mir auffällt beim blick. haufenweise ortografische- und auch -form-fehler. und das in unserer muttersprache. nein – ich möchte nicht erfahren, wie das unter einsatz einer fremdsprache – auch wenn das englische relative einfach ist – ausschaut. ich würde den blick-journalismus nicht gerade als “bildungsfern” bezeichnen, aber hochstehend ist er sicher nicht – wenn auch zügig und aktuell.

    • Jack Stoffel sagt:

      Rittermann: Wenn ausgerechnet Ihnen beim Lesen des Blicks “haufenweise ortografische- und auch -form-fehler” auffallen: Was fällt Ihnen denn auf, wenn Sie Ihre eigenen Texte lesen?

  3. Kaegi sagt:

    Englisch ist ja nicht schwierig für den Ringier-Konzern, ist doch jedes zweite Wort in ihren Texten schon englisch “sex”.

  4. Cornel Strasser sagt:

    Ich weiss ja nicht, ob Herr Walder oder aber sein Boss eine Beteiligung an einer Papiertaschentuchfabrik hält. Jedenfalls haben meine Kollegen und ich beim Hackathon sehr lange und sehr viele Tränen gelacht, als wir Walders “News” lasen.

  5. Peter Müller sagt:

    Habe keine Ahnung was die Blick Leser wirklich lesen wollen aber die US-Innovation von Buzzfeed geht ja mehr in die Richtung als News getarnte Werbung an die Leser zu bringen.

  6. Rudolf Heiner sagt:

    Ja dieser Marc Walder hat in seinem Leben eine Superkarriere hingelegt. Als Reporter beim Blick vor 30 Jahren arbeitete ich noch mit ihm zusammen, er war damals bei uns am gleichen Pult und macht Hilfsreporter arbeiten, und konnte kaum schreiben…..

  7. Richi sagt:

    Man darf gespannt sein… Aber vielleicht sollte man auch realistisch sein – das Grundprodukt “RingierPrint” ist einfach schlecht…., da hilft auch keine “Digitalization”… Die Kollegen vom watson machen ja schon den mit den vielen Bildern und dem wenig Text/Inhalt ziemlich erfolglos (und mussten mit Fluchwörter und Angry Cat zur als vermeintlich letzes Mittel? armselig für Aufmerksamkeit betteln)…. Auch die digitalen Marktplätze brummen nicht mehr so wie früher… Aber Herr Ringier hat ja ein grossen Geldsäckel und PR ist ja auch was…

  8. fritz sagt:

    Das sind eben die Spatzen…….die sind alle sooo………nur darf es niemand aus sprechen…..vor angst…..sie manipulieren die Menschheit in die Hölle……!!!

  9. Dirk Malesch sagt:

    Bei Menschen wie Walder frage ich mich immer, was ihr Antrieb ist. Der Mann kann ja nicht dumm sein, wie kann er seine ganze Energie für etwas einsetzen, das offensichtlich die dumme Seite der Menschheit bedienen will? Hat der keine Ansprüche, die Welt besser, differenzierter, gerechter zu gestalten? Die digtale «Führerschaft» dem Ringier-Konzern zu überlassen, wäre katastrophal für alle Beteiligten.

  10. Anton Schneider sagt:

    @Walder und Lüscher –
    Es entspricht nicht den Tatsachen, dass es eine Herausforderung ist, eine Arbeitsbewilligung für einen US-Bürger zu erhalten (generell Drittstaaten). Bei Zurich, UBS, CS werden Bürger aus den USA, Australien etc. “en masse” eingestellt für IT-“Experten”, “Controller”, “Versicherungs-Know-How”-Träger etc. . Angeblich als Positionen wo angeblich weder Experten in der CH noch in ganz Europa gibt.
    Die Einschränken existiert nur auf dem Papier – das ist eine Tatsache.

    • sepp z. sagt:

      die einschränkung drittstaaten gilt auch für uns kmu.
      wir kmu dürfen die teuren schweizer anstellen, die grossen firmen dürfen sich an den billig-ausländern gütlich tun.
      mit unterstützung der politik.