Die Angst vor dem Shitstorm

Christian Lüscher am Mittwoch den 5. November 2014
«Der Artikel war eine Fehlleistung»: NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann. (Bild: Keystone)

«Der Artikel war eine Fehlleistung»: NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann. (Bild: Keystone)

Was würden Sie tun, wenn plötzlich ein Shitstorm an Ihrer Internettür klingelt?

Nun, die meisten von uns würden versuchen, ihn möglichst schnell loszuwerden. Man entschuldigt sich, versucht die Meute zu beruhigen, verteilt Gummibärchen. Man hat ja schliesslich nicht viele Optionen.

Am letzten Freitag geriet die NZZ beinahe in einen Shitstorm. Es ging um das Outing des Apple-CEO vom Donnerstag. Eine Journalistin kommentierte im Wirtschaftsbund, dass Tim Cooks Schritt aus persönlicher Perspektive nachvollziehbar, aus einer professionellen Perspektive hingegen ein Fehltritt sei. Den ausführlichen Kommentar lesen Sie hier. Der Kommentar erntete im Web umgehend Kritik. Schliesslich reagierte Chefredaktor Markus Spillmann auf Twitter: «Unser Kommentar ist Fehlleistung. Kontrolle versagt. Bedaure das. Sexuelle Orientierung ist Menschenrecht. Auch für Apple-Chef.» In der Kommentarspalte ging seine Erklärung weiter: Tim Cook sei eine öffentliche Person, demnach sei es nachvollziehbar, dass seine sexuelle Orientierung ein Thema sein könne. «Die Argumentation, dass Apple-Chef Cook ‹Machtmissbrauch› begehe, wenn er sich zu seinem Schwulsein bekennt, ist absurd.» Die Publikation des ­Artikels sei ein Fehler gewesen, schrieb Spillmann.

Seine Reaktion war Shitstorm-Management nach Lehrbuch: Kommunikation ist Chefsache, Fehler eingestehen, Mea Culpa.

Aber Hand aufs Herz, war sie denn auch richtig? Ich fürchte nicht. Sie war eine Fehlleistung.

Markus Spillmann reagierte als Journalist zu impulsiv. Bis am letzten Freitag galt für die NZZ und insbesondere für ihre Chefs das Dogma der Unfehlbarkeit. Noch nie hat sich ein NZZ-Chef für einen Kommentar entschuldigt. Gabs nicht. Es ist natürlich richtig und vorbildlich, wenn Journalisten Fehler in Artikeln korrigieren. Zum Beispiel Fakten. Aber eine Meinung als Fehlleistung zu bezeichnen? Die von der leitenden Redaktion autorisiert wurde? Nein. Ein guter Chef schützt die Meinungsfreiheit seiner Mitarbeiter gegen aussen, auch wenn sie ihm inhaltlich nicht passt. Die Kritik der Kollegin am Coming-out dieses Topmanagers mag nicht mehrheitsfähig gewesen sein. Aber unzulässig war sie nicht.

Für mich gibt es nur eine Erklärung, warum Spillmann sich zu diesem Schritt gezwungen sah: vorauseilender Gehorsam, die Angst vor einem heftigen Shitstorm. Wer nur schon im Verdacht steht, homophob zu sein, muss mit Gegenwind rechnen. Der muss was aushalten. Und Spillmann musste schon bei der fragwürdigen #selfiegate-Story einiges aushalten. Gut möglich, dass er hier aus einem Reflex Gegensteuer geben wollte. Vermutlich aber wollte Spillmann den Imageschaden auch aus anderen Gründen begrenzen. Denn es steht mit NZZ.at die Expansion nach Österreich an. In ein Land notabene, das laut Eurobarometer-Umfrage zu den aufgeschlossenen Ländern der EU gegenüber den Rechten von Schwulen und Lesben gehört. 49 Prozent der Österreicher befürworten die gleichgeschlechtliche Ehe. Und vielleicht wollte Spillmann ja auch einen Geschäftspartner nicht verärgern. Seit einigen Tagen verkauft die NZZ das iPhone 6. Man hat eine Kooperation mit Apple.

Zu Details und Interna wollte sich Spillmann auf Anfrage nicht äussern. Wir können also nur vermuten, warum er am Freitag eine Mitarbeiterin öffentlich einer Fehlleistung bezichtigte, was ihm intern übrigens Kritik eingebracht hatte. Rückblickend wäre es journalistisch besser gewesen, wenn Spillmann mit einem eigenen Kommentar Gegenposition bezogen hätte, statt eine Kollegin zu rügen. Gegen aussen muss sich ein Chef vor seine Mitarbeiter stellen, selbst wenn der Kommentar daneben ist.

Journalisten dürfen den Shitstorm nicht fürchten. Sonst machen Sie sich erpressbar. 

85 Kommentare zu “Die Angst vor dem Shitstorm”

  1. Mario M. Montecarlo sagt:

    Es ist auch heute noch nicht die Norm,dass Homosexuelle im Beruf,im Alltagsleben generell,gleich behandelt werden wie Heterosexuelle.Daran sollten all diejenigen denken,die sich hier in den Leserspalten darüber erregen,dass Schwule sich outen.Und es bedeutet eben überhaupt absolut kein Risiko,sich als Hetero zu outen;ganz im Gegensatz zum Coming Out von Schwulen!

  2. Lukas Neukom sagt:

    unglaublich was ich hier lese. die gesellschaft heterophob usw. Um mal eins klar zu stellen. in vielen östlichen länder werden schwule verfolgt, homosexualität verboten und irgendwelche schwulenhasser in russland verprügeln schwule und filmen das z.b. mit ihrem i phone. ..hätte er sich in russland geoutet, hätte er sich strafbar gemacht. der tim cook verkörpert eine der grössten marken welt weit. und zwar in einer welt, die sehr sehr weit weg ist von heterophobie. tim cook hat meiner meinung nach mit seinem gezwungenem coming-out weltweit vielen schwulen mut gemacht. wer nicht über seinen tellerrand hinaus schauen kann sollte lieber den blick anstatt die nzz lesen.

    • marielle sagt:

      Und wenn die Situation in Russland hier thematisiert würde, dann würden die Kommentatoren hier schreiben, dass die Schwulen sich doch ein bisschen zurückhalten sollen. Sie müssen gar nicht so weit gehen. Lesen Sie einige der Kommentare hier und Sie sehen, dass die Unterschiede zu den osteuropäischen Ländern lediglich graduell sind. Man beschwert sich hier über das Outing von Tim Cook und liest gleichzeitig jede Woche in der SI die heile Welt-Family-Schwanger-Freundin-Hochzeit-Stories der Schweizer C-Prominenz. Die Norm ist immer das, was nicht mehr ausgesprochen werden muss, deshalb ist die Aussage, man könne sich als hetero “outen” vollkommen schwachsinnig. Und nun möchte ich gerne den amerikanischen Politiker finden, der seine Kinder nicht ohne mit der Wimper zu zucken als “Geschenk Gottes” bezeichnen würde. Cooks “Machtmissbrauch” vorzuwerfen ist unterste Schublade und Spillmann hat meiner Meinung nach Grösse bewiesen mit seinem Statement.

  3. Arthur Meier sagt:

    Herr Spillmann hätte mit seiner Journalistin in einen konstruktiven Dialog treten sollen. Dann wäre mehr erreicht worden als mit einer Zurechtweisung. Es mutet nämlich auch heute noch seltsam an, dass Geschäftsleiter heutzutage meinen ihre sexuellen Vorlieben preisgeben zu müssen. Offensichtlich sind wir – Hetero und Homo – noch nicht so weit, dass wir dies als Teil der Privatsphäre des Gegenübers akzeptieren. Das sollte doch einfach nicht interessant sein.

  4. Bernhard Piller sagt:

    Was hat Spillmann eigentlich gesagt als “Entschuldigung” ? Eigentlich nur, dass er weiterhin so denkt und dass seine Ansicht nicht hätte publiziert werden sollen.
    In unserer “politisch korrekten” Gesellschaft darf man zwar frisch fröhlich “politische inkorrekt” denken, es darf einfach nicht öffentlich gedacht werden. Dies nennt man Doppelbödigkeit…

  5. Nicolas Richard sagt:

    Nach dieser missglückten Intervention Spillmanns fragt sich, was Kommentare in der NZZ überhaupt noch wert sind. Da die Redaktoren wenig bis gar keine Rückendeckung vonseiten des Chefs beanspruchen können – zurückhaltend ausgedrückt -, wird wohl manch eine/r auf Klartext verzichten oder am liebsten gleich auf einen Kommentar. Zum Vergleich: In der Weltwoche widersprechen Journalisten offen ihrem Chef-Kollegen. Wers nicht glaubt: Einfach Alex Baur fragen – er arbeitet nach wie vor dort. Die Frage nach der Unabhängigkeit bzw. Abhängigkeit Spillmanns sollte mindestens gestellt werden: Im VR haben immer mehr Links-Liberale aus dem Werbe-/Marketingmilieu das Sagen. Logisch, dass das mehr Mainstream bedeutet.

  6. Georg Stamm sagt:

    Spillmann hätte sich nicht entschuldigen müssen. Sein Artikel ist vertretbar. Man kann sogar sagen, berechtigt. Vor allem, was das “Gott gegeben des schwul seins” anbetrifft. Leider hat M. Spillmann mit seinem diensteifrigen “mea culpa” gezeigt, dass es mit seinem Rückgrat nicht zum besten steht. Ein Autor sollte nicht beim ersten Luftzug umfallen.

  7. Marc Schinzel sagt:

    Ich gehe mit Christian Lüscher ganz einig. Der NZZ-Kommentar zu Tim Cook war wahrlich keine Meisterleistung, sondern unnötig, inhaltlich konstruiert und in seinen Schlüssen absurd. Spillmanns Entschuldigung ist aber ebenso fehl am Platz. Sie erweckt den Eindruck, jeder Kommentar müsse vorab vom Chef autorisiert werden und eigenständige Positionsbezüge seien bei der NZZ nicht möglich. Genau diese journalistische Eigenständigkeit erwarte ich aber von NZZ-Journalisten. Mit ihrem Kommentar hat die NZZ-Journalistin weder Tim Cook speziell noch Schwule generell diskriminiert. Irgendwelche Rechtsverstösse oder Verletzungen journalistischer Sorgfaltspflichten sind nicht ersichtlich. Damit besteht kein Grund, dass der Chefredakteur eingreift und seine Mitarbeiterin öffentlich rüffelt. Das Ganze hätte intern besprochen werden können. Der Versuch, einem aufziehenden Shitstorm Einhalt zu gebieten, wirkt erstens hilflos und zweitens servil gegenüber einer diffusen Pseudo-Öffentlichkeit, die sich via social media als Sittenwächterin gebärdet.

  8. sandro sagt:

    NZZ da kommt mit immer dürrenmatt’s spruch in den sinn: die alte hure von der falkenstrasse. zwar nicht mehr ganz aktuell aber ein körnchen wahrheit nach wie vor. die NZZ hätte eine unglaublich wichtige aufgabe in dieser ver-link-ten medienwelt. mir scheint, mit einem solchen wischiwaschi scheffredaktor wird die 4 gewalt im staate ihre aufgabe nicht wieder wahrnehmen. die aktuelle politische situation in bern mit schwachen und unfähigen bundesräten ist bezeichnend. die aktuelle lage der schweiz erfordert eine starke pragmatische presse, journalisten die kritischen fragen stellen. leider, die einzige zeitung ist die BAZ, das einzige wochenblatt die WW. zum wohle der schweiz, der bevölkerung.

  9. Stefan Moser sagt:

    Es ist eine typische Innensicht der Journalisten, dass sie zwar gerne mit Schneebällen werfen sich danach aber hinter ihrem Chef verbergen, damit sie kein Gegenangriff trifft. Nein, ein Chef muss sich nicht in jedem Fall hinter seine Mitarbeiter stellen. Ein Gegenkommentar wäre vermutlich tatsächlich die elegantere Lösung gewesen, aber selbstkritischer Diskurs war ja noch nie die Stärke der NZZ.
    Noch ein Wort in die warmen Redaktionsstuben in Zürich: Hin und wieder Lokaljournalismus auf dem Land zu machen, wo bei einem kritischen Kommentar der Gemeindepräsident persönlich mit hochrotem Kopf im Büro steht lehrt einem, selbst für die eigenen Ansichten und Recherchen einstehen zu können und nicht immer gleich den grossen Bruder (Chef) vorzuschieben.

  10. Küsel sagt:

    Hier geht es um die (wenigstens einst) renomierteste und angesehendste Zeitung aus unserem Lande – welche auch international gelesen wird. Homophobie, Rassismus oder andere Formen von Hass und Arroganz haben in so einem Medium nichts verloren. Die NZZ ist nicht die Schweizerzeit, sondern sollte auch in Kommentaren – wenn auch nicht neutral, aber korrekt und von Anstand geprägt sein. Die Entschuldigung war folglich nichts weiter als notwendig um die Integrität und das Ansehen der NZZ zu wahren.

    • Hitz sagt:

      Der Vorwurf des “Hasses” hat bislang noch gefehlt und ich war schon ein Bisschen traurig darüber, dass ich ihn bislang nicht lesen durfte. Danke, dass Sie da jetzt Abhilfe geschafft haben und diese Diskussion der Entsprechung des godwinschen Gesetzes einen Schritt näher gekommen ist.

  11. Jürgen Frischknecht sagt:

    Die NZZ verliert mehr und mehr an professionellem Profil. Sie versucht sich der Mainstream-Meinung anzubiedern. Sehr gut sichtbar war das bei der Ukraine-Berichterstattung. Da schrieb der Auslandressortchef Eric Gujer Artikel, dass die NATO aktiver gegen Russland vorgehen solle.

    Wie erklärt sich ein solcher Wandel bei der NZZ? Die Tage des ausgewogenen, objektiven und tiefschürfenden Journalismus bei der alten Tante scheinen vorbei zu sein. Es wird mehr und mehr versucht die Elitemeinung im deutschsprachigen Raum zu bedienen. Die NZZ will sich fitt machen, um nach Deutschland und Österreich zu expandieren.

    Dazu gehört es die Meinung der deutschen Elite zu vertreten. Wie Gian Trepp hat dies in seinem Blog Dies und das vorzüglich analysiert. Die NZZ hört langsam auf, eine Schweizer Zeitung zu sein. Die Expansion nach Österreich ist nur der erste Schritt.

    • Michael sagt:

      Die Ukraine Berichterstattung der NZZ ist wirklich ein absolutes Trauerspiel. Dadurch verliert die NZZ viel mehr von ihrem Ruf als wegen des Kommentars über Cook.

      • Jürgen Frischknecht sagt:

        Das sehe ich genau so. Seit diesem Sommer ist für mich die NZZ gestorben. Sie hat während des Ukrainekonfliktes völlig einseitig und tendenziös stets die Sicht der NATO und der Ukraine (Poroschenko) vertreten, anstatt beide Seiten der Medaille in gut recherchierten Artikeln analytisch aufzuzeigen.

        Vor allem Eric Gujer ist es mit seinen Kommentaren und Artikeln gelungen, der NZZ die Glaubwürdigkeit zu nehmen. Oder ich erinnere an die NZZ Standpunkte Sendung vom 21.9 bei der allen ernstes der Chefredaktor Spillmann und der Redaktor Marco Fäber der Meinung waren, dass der Ukrainekonflikt nur Russland zu verantworten haben.

        Die Politik der EU, der NATO, der USA und der Ukraine scheinen bei der NZZ gar nicht mehr einer kritischen Analyse bedürftig. Es wird bei der NZZ Claquer-mässig alles wohlwollend rezipiert was von diesen Parteien kommt. Die gute alte Tante hat sich verabschiedet.

    • SrdjanM sagt:

      Dann dürften ja die Weltwoche und die BAZ Ihre Ansprüche vollkommen erfüllen.
      Von wegen fehlende Vielfalt der Medien.

  12. HJ Werlen sagt:

    Henkels Kommentar, aus einer professionellen Perspektive, zeugt von völliger Unkenntnis des kulturellen Kontextes von Cooks Aussage (es ist nicht dasselbe, wenn man dies so in Deutschland auf Deutsch sagt, oder in den USA in völlig gängigen Floskeln ausdrückt) und der Vorwurf von Amtsmissbrauch ist einfach nur lächerlich.
    Nicht zum Lachen sind die Angriffe auf die “Schwulen Lobby” und deren vermeintliche Macht und Rachsucht. Der PC Knüppel wird herausgeholt, die Meinungsfreiheit steht auf dem Spiel, etc. etc.
    Dass Spillmann diesen Kommentar als “Fehlleistung” gekennzeichnet hat, ist richtig. Es ist auch an der Zeit, dass Leute erkennen, dass Journalisten ihre homophoben Kommentare nicht in Zeitungen sondern anderswo anbringen sollen. Das hat nichts mit “Erpressung” zu tun, sondern mit der Tatsache, dass die Zeiten sich (zum Glück) geändert haben.

  13. Patric Olivier sagt:

    Lieber Herr Lüscher
    Bitte seien Sie korrekt: Spillmann hat nicht primär den Kommentar seiner Mitarbeiterin als Fehler bezeichnet, sondern die Tatsache, dass der Text unbemerkt die internen Kontrollen ungehindert passieren konnte; er übt also primär Selbstkritik. Da Henkels Text Herrn Cook “Machtmissbrauch” vorwirft (etwas, das hier nun wirklich nicht zutrifft), bezeichnet Spillmann dies danach dann durchaus berechtigt als “absurd” und einen “Fehlgriff”.

    • Marcel Maier sagt:

      Danke für diesen guten Kommentar

    • Martin Frey sagt:

      Stellen Sie sich mal vor, Sie gehen an einen Elternabend, und der Lehrer erzählt Ihnen lange und breit von seinen persönlichen sexuellen Präferenzen. Und wie stolz er darauf sei. Wie würden Sie reagieren? Wahrscheinlich irgendwann mit dem Statement, dass das alles gut und recht sei, dies aber seine Privatsache sei die er mit dem Anlass nicht vermengen solle. Dies zumindest wäre meine Meinung dazu. Machtmissbrauch ist vielleicht nicht ganz der richtige Begriff, zugegeben, Missbrauch des Anlasses und seiner Position würde es eher treffen.

      • SrdjanM sagt:

        Nur ist ein Lehrer nicht vergleichbar mit dem Manager eines Grosskonzerns, und die Schweiz ist nicht USA, und die Welt ist nicht fair…
        Aus der Position von Cook, also eines erfolgreichen Mannes der oft genug gegen Vorurteile kämpfen musste, ist es sicher gerechtfertigt solche Statements der Ermunterung zu liefern.
        Er ist der Chef von erwachsenen Menschen und Businessweek ist ein ernstzunehmendes Medium für Erwachsene…

        Ein Lehrer oder eine Lehrerin haben eine Bildungsauftrag und müssen stets neutral kommunizieren, politisch, religiös, ethnisch.
        2 Paar Schuhe.

        • Martin Frey sagt:

          Wie gesagt, ich bin da etwas anderer Meinung. Hr. Cook kann seine Meinung äussern, und sich meinetwegen auch öffentlich outen. Er kann auch andere Leute dazu ermuntern, dies ihm gleichzutun. Bin da völllig bei Ihnen. Wenn er aber ein Interview in einer Fachzeitschrift gibt, dann gibt er dies in seiner Funktion als Angestellter von Apple. Die Frage darf daher schon gestellt werden, wie angemessen das ist. Mein Vergleich finde ich daher nicht gänzlich abwegig. Aber wie weiter oben gesagt, stören mich v.a. die etwas seltsamen, selbstgefälligen Formulierungen von Cook (“Geschenk Gottes”, “Stolz darauf”). Und das, finde ich, darf man kritisieren, ohne gleich in eine homophobe Ecke gestellt zu werden.

      • Patric Olivier sagt:

        Lieber Herr Frey
        Zufälligerweise arbeite ich als Lehrer. Sollte ich auf meine Lebensform angesprochen werden, sehe ich keinen Grund, nicht auch dazu stehen zu können, dass ich seit mehr als zehn Jahren glücklich mit meinem Partner zusammen lebe, und das ist auch gut so.
        Das bedeutet jedoch nicht, dass ich dabei “lange und breit” über irgendwelche sexuellen Praktiken reden müsste!
        Bitte unterscheiden Sie zwischen einer persönlichen Veranlagung einerseits und sexuellen Präferenzen andererseits (wobei letzteres, ja grundsätzlich intime Details aller Art (und von Personen jeglicher sexuellen Ausrichtung) rein gar nichts an einem Elternabend (oder in der Öffentlichkeit) verloren haben).

        • Martin Frey sagt:

          Bin da ganz bei Ihnen, lieber Hr. Olivier. Wobei ich meine, versucht zu haben, eben darauf hinzuweisen. Es ist auch nochmal ein Unterschied, ob jemand Sie anspricht, oder Sie selber ungefragt jemanden darüber in Kenntnis setzen. Meines Erachtens sollten derartige persönliche Dinge eigentlich kein Thema sein, wenn man sich rein beruflich trifft. Wenn es ein Thema wird, gibt es keinen Grund sich zu schämen. Aber es gibt auch keinen Grund, auf irgendetwas stolz zu sein wie Hr. Cook das tut. Nach meinem Verständnis sollte Stolz mit irgendeiner Form von Eigenleistung verbunden sein. Präferenzen, Körpergrösse, Hautfarbe zählen in meinen Augen nicht dazu. Wenn man ständig seine sexuelle Orientierung zum Thema macht, tritt der Mensch immer etwas in den Hintergrund. Aber man wird dann halt leider auch darauf reduziert.
          Was mich betrifft, sind all diese Dinge völlig belanglos, mir kommt es auf den Menschen an. Und genau das bemängle ich an der ganzen Diskussion. Denn solange das nicht so ist, hat man kein normales, natürliches Verhältnis zu sich selber, aber auch nicht zu seiner Umwelt. Ich weiss nicht, weshalb das so schwierig zu verstehen ist.

  14. Tom Lips sagt:

    Die beste Reaktion auf die „Meinung“ von Christiane Hanna Henkel wäre die Veröffentlichung der deutschen Übersetzung von Tim Cooks Beitrag aus Bloomberg Business Week gewesen. Er ist mitnichten ein Outing, weil Tim Cook schon längst geoutet worden ist, sondern schlicht und einfach ein Statement für die Toleranz. Und zwar nicht bloss Toleranz für sexuelle Minderheiten, sondern Toleranz für Minderheiten in einem sehr weiten Sinn. Dass Frau Henkel dies aus dem Originaltext in US-Englisch nicht herauslesen konnte, stellt ihre Sprachkompetenz in ein fragwürdiges Licht. Genau so, wie Markus Spillmanns übereilte Entschuldigung seine Eignung als Chefredakteur in Frage stellt. Es hätte gereicht, Tim Cooks Beitrag nachzuliefern, damit sich jeder Leser selber seine „Meinung“ bilden kann.

  15. Ruth Vetsch sagt:

    Spillmann ist ein schwacher Chefredaktor. An der Falkenstrasse ist man sich darin einig.

  16. ronny sagt:

    Die Reaktion von Hr. Spillmann ist total enttäuschend. Es geht doch nicht darum, ob man die Meinung der Journalistin teilt, sondern ob sie sich so äussern darf. Natürlich ! Ich finde es auch irritierend, wenn Topmanager ihre persönlichen Präferenzen irgendeiner Art zum Thema machen. Ist das geschäftsrelevant, interessiert das einen Aktionär ? Uberhaupt nicht.

  17. SrdjanM sagt:

    Ein guter Chef schützt die Meinungsfreiheit aber NICHT die Beleidigungen und grundlose Anschuldigungen.
    Die waren das eigentliche Problem, die sehr beleidigenden Formulierungen und der unangebrachter und ungerechtfertigter Vorwurf des „Machtmissbrauchs“ und nicht die persönliche Meinung der Journalistin.

    Haben Sie auch beide Texte wirklich gut gelesen?

    • Martin Frey sagt:

      Worin bestanden dann genau die “sehr beleidigenden Formulierungen” SrdjanM? Können Sie uns das näher erläutern? Und wie Hr. Lüscher treffend bemerkt hat, geht ein derartiger Kommentar nicht einfach so raus ohne gegengelesen und abgesegnet zu werden. Dies nur nebenbei.

      • SrdjanM sagt:

        „Es ist erstens ein Missbrauch von Macht und zeugt zweitens von Arroganz.“

        Frau Henkel bezeichnet hier Cook als arrogant was nun wirklich schwer nachvollziehbar ist, wenn man das Statement im Original gelesen hat.
        Ausserdem ist der Vorwurf von Machtmissbrauch den sie mehrmals ehrhebt absolut konstruiert. Welche Macht übt er eigenltlich aus und wofür wurde diese hier missbraucht?
        Das sich eine Wirtschaftsjournalistin in ihrem ersten gesellschaftlichen Kommentar bei der NZZ so im Ton vergreift ist schon bemerkenswert und hat einen „Shitstorm“ eigetlich verdient.

        • Martin Frey sagt:

          Zitat des Originaltextes: “Cook schreibt zudem, dass er seine Homosexualität als Geschenk Gottes sieht. Was heisst das im Umkehrschluss? Sind Heterosexuelle oder generell Mehrheiten weniger «beschenkt»? Auch sieht er in seiner sexuellen Orientierung einen Grund, stolz zu sein. Das tönt überheblich, schliesslich ist die sexuelle Orientierung so wie etwa Hautfarbe oder Geschlecht nicht ein Verdienst, sondern naturgegeben.”
          Also ich persönlich kann mich da der Autorin anschliessen, SrdjanM. Haben schon etwas sehr missionarisches, sendungsbewusstes, diese Aussagen von Cook, meine ich. Dieser Abschnitt von Cook’s Aussagen haben mich schon gestört, bevor Fr. Henkel dies thematisiert hat. Aber es ist natürlich jedem unbenommen, das anders zu sehen. Gründe für einen Shitstorm sehe ich hier aber wirklich nicht.

          • SrdjanM sagt:

            Es wurde schon oft genug geschrieben wieso es Sinn macht wenn sich jemand wie Cook so über seine sexuelle Orientierung äussert, und meinen Kommentar dazu finden Sie weiter oben.

            In einer gerechten Welt ohne Diskriminierungen wären solche Aussagen nicht notwendig und wahrscheinlich auch nur peinlich. Aber eben in einer gerechten Welt.

          • Xaver Minder sagt:

            @SrdjanM

            “In einer gerechten Welt ohne Diskriminierungen wären solche Aussagen nicht notwendig”

            Nicht sehr gut überlegt. Das heisst doch nichts anderes als: Weil ich diskriminiert werde, darf ich andere auch diskriminieren. Ist ja wohl kaum die Welt, die Sie sich wünschen, oder?

          • SrdjanM sagt:

            Wirklich Herr Minder?
            “Das heisst doch nichts anderes als: Weil ich diskriminiert werde, darf ich andere auch diskriminieren.”

            Na dann können Sie mir sicher sagen mit welchen Worten Herr Cook andere „diskriminiert“ hat?

  18. Sylvan Brigger sagt:

    Die Aussagen von Cook könnte man auch umkehren: es ist ein Gottesgeschenk, dass ich hetero bin! DEN Shitstorm hätte ich dann gerne miterlebt. Ob Missbrauch einer weltweit beachteten Stellung oder nicht spielt eigentlich keine Rolle. Cook ist ganz einfach der bekannten Manie der Schwulen-Szene verfallen, sich als ganz ausserordentlich zu fühlen. Interessant dabei sind jeweils die Forderungen, wonach Schwule ganz einfach wie alle anderen behandelt werden möchten. Der aus dieser Diskrepanz entstehende Spagat ist offenbar manchmal nur schwer auszuhalten, wie uns die Kommentare des Herrn Epiney anlässlich des ISC bewiesen haben.

    • Barbara sagt:

      Der von Ihnen angesprochenen Spagat ist für mich nicht erkennbar. Es scheint ihnen nicht aufzufallen aber wenn Sie die Berichterstattung in den Medien über diverse Prominente (egal ob aus der Showbranche, der Politik oder aus der Wirtschaft) verfolgen, wird das Thema Familie, Beziehungsstatus und Kinder, egal um welches Thema es ursprünglich geht, fast immer in der einen oder anderen weise ins Spiel gebracht (ist verheiratet mit, hat X Kinder, frisch geschieden usw.). Aber wehe ein Schwuler CEO wie Cook bringt seine sexuelle Orientierung ins Spiel, dann ist dass natürlich eine Manie und ein typisches Schwulen-Ding, weil Heteros drücken anderen Leuten ihre sexuelle Orientierung natürlich nicht aufs Auge…

      • marielle sagt:

        Sie haben vollkommen recht. Unter anderem präsentiert sich die Journalistin, die den Kommentar verfasst hat, auf der Seite der NZZ mit der Information, dass sie Kinder habe. Und als Geschenk Gottes wird in den USA schnell mal etwas bezeichnet. Was ich interessant finde in diesem Thread – wie auch immer beim Thema Feminismus zeigt sich die Notwendigkeit dieses Outings exemplarisch an der grossen Anzahl an Kommentaren, die mit ihre homophoben Haltung nicht hinterm Berg halten.

    • SrdjanM sagt:

      “Die Aussagen von Cook könnte man auch umkehren: es ist ein Gottesgeschenk, dass ich hetero bin!”

      Könnte man. Stimmt ja auch, vorausgesetzt Sie glauben an Gott natürlich.

      Wenn Sie als heterosexueller Mann täglich mit Vorurteilen von Ihren homosexuellen Kollegen konfrontiert wären und Sie deswegen nachweislich auch effektive Nachteile hätten, dann würde man Sie wohl dabei auch unterstützen.

  19. Nadja sagt:

    Es ist einfach nicht relevant ob der Mann schwul ist. Es ist für das Amt total egal. Ausser er will einen Nutzen daraus ziehen und dann kann man sich schon darob stören. Genau wie man jedes andere Prahlen mit privaten Angelegenheiten im Job auch unsympathisch findet. Darf man doch als Journalist sagen.

    • Adrian Bühlmann sagt:

      Nadja: Man darf schon. Aber der entscheidende Fehltritt war das Wort “Machtmissbrauch”. Das hätte möglicherweise sogar Potential für juristische Konsequenzen haben können – und das noch mit internationalem Kontext. Der mögliche Reputationsschaden für die NZZ wäre enorm gewesen. Erstaunlich, dass das erst auf Stufe Spillmann bemerkt wurde. Spillmann hat absolut professionell reagiert. Shades of grey waren anschliessend natürlich nicht mehr möglich.

  20. Fredi Schmidt sagt:

    Ein 3-Tage-Bart und ein offenes Hemd machen noch keinen Chefredakteur!

  21. Richard Scholl sagt:

    Empörung oder Empörungswelle. Schitstoom ist kein Wort einer unserer Landessprachen. Ist mangelnder Wortschatz in deutscher Sprache ein Berufserfordernis von MedienschaffendInnen?

    • Christian Lüscher sagt:

      Peter Studer hat im Medienclub auf SRF sicher zehnmal Schitstoom gesagt. Man darf es als Journalist verwenden.

  22. Martin Frey sagt:

    Sehr gute und wichtige Anmerkungen von Hr. Lüscher. Wahrscheinlich hat Spillmann tatsächlich in einem Anflug von Panik so reagiert und sich mit vorauseilendem Kotau entschuldigt, nachdem in ausländischen Medien von “homophobem” Kommentar in der NNZZ die Rede war. Als Shitstorm-Management mag seine Reaktion noch durchgehen, Fakt ist jedoch dass er nicht hinter seiner Redakteurin gestanden ist und sie an sich unnötig medial ans Messer lieferte. Denn was hat sie denn Schlimmes gesagt? Eigentlich nur, dass sie ein derartig öffentlich inszeniertes Coming-out unnötig fand, gepaart mit der Frage, ob Cook nicht primär für die Ausübung seines Amtes an der Spitze eines Weltkonzerns im Rampenlicht steht. Da ist nichts verwerfliches und auch nichts homophobes dran. Denn erst wenn Geschlecht und sexuelle Orientierung eines weltweit bekannten CEO keine Rolle mehr spielen, haben wir völlige Gleichberechtigung und Normalität erreicht. Shitstorms sind das Gegenteil davon.

    • Bei jedem anderen spricht man von “Grösse” wenn man Fehler erkennen und eingestehn kann.
      Nur bei Medien/Journalisten ist das dann eine Fehlleistung?
      Ich verstehe diese Unterscheidung nicht ganz. Nur, weil die Medien über Jahrzehnt ihr “Dogma der Unfehlbarkeit” aufrecht erhalten konnten, heisst das nicht, dass es gut war! Ein bisschen Selbstkritik kann der Qualität unserer Medien nur zugute kommen!

      • Martin Frey sagt:

        Pflichte Ihnen bei wenn es sich um eine Fehlleistung handeln würde. Dies ist hier aber nicht der Fall. Und im Falle von Anfeindungen sollte ein Chef sich vor seine Angestellten stellen, und ihnen nicht noch in den Rücken fallen. Wie Hr. Lüscher ausgeführt hat: “Ein Kommentar wird von der Redaktionsleitung gelesen und veröffentlicht. Es ist ja nicht so, dass die Journalistin einfach publizieren kann.”
        So etwas nennt man Bauernopfer, Hr. Tedaldi. Das hat mit Fehlerkultur aber nichts zu tun.

        • Marcel Maier sagt:

          Bauernopfer: Wenn das “Big Picture” mit den Befindlichkeiten von Individuen/Mitarbeitern kollidiert.
          Und: bei einem Publizierenden Organ soll auch nach aussen publiziert und kommuniziert werden, wenn man einen Fehler gemacht hat. Die Presse fordert ja gerade auch von den Banken etwa dasselbe.

          der Artikel war schwach, also eine Fehlleistung. Und ein Chef muss Stellung beziehen und nicht alles gutheissen was seine Angestellten rauslassen.

          • Martin Frey sagt:

            Worin genau bestand dann der Fehler, der angeblich gemacht wurde, Hr. Maier? Und wessen Fehlleistung monieren Sie da gerade?

  23. Christian Sterchi sagt:

    Diese Auslegung ist etwas seltsam. Ein Journalist hat keinen Freipass Menschen verachtende Kommentare zu schreiben. Der Tagi würde auch kaum rassistische Kommentare verteidigen. Es steht durchaus jedem frei, sich daran zu stören, dass ein Wirtschaftsführer seine Sexualität thematisiert. Man kann sich auch daran stören, dass Gott ins Spiel gebracht wird. Aber Der Vorwurf des Machtmissbrauchs ist Menschen verachtend. Wenn Tim Cook eine hübsche Ehefrau und adrette Kinder vorgezeigt und diese als Geschenk Gottes bezeichnet hätte, hätte niemand so verachtend darüber geschrieben. Deshalb ist es absolut richtig, dass Spillmann sich entschuldigt. Auch Medien haben eine Verantwortung!

    • Christian Lüscher sagt:

      Moment, Christian. Er hat sich ja nicht entschuldigt, sondern den Kommentar nur als Fehlleistung bezeichnet. Es ist doch so: Ein Kommentar wird von der Redaktionsleitung gelesen und veröffentlicht. Es ist ja nicht so, dass die Journalistin einfach publizieren kann. Die Kritik in der Öffentlichkeit mag für viele eine coole Reaktion gewesen sein. Aber im Prinzip war sie ein Eingeständnis: Wir lesen unsere Meinungen nicht. Und das ist nicht gut für eine Medienmarke mit Tradition.

      • Marcel Maier sagt:

        Spillmanns Hauptaugenmerk muss die Schadlosigkeit der Marke NZZ sein. Er hat eine Verantwortung gegenüber der ganzen Belegschaft und den Geldgebern. Eine einzelne Journalistin ist da – pardon – unwichtig. Genau deshalb hat Spillmann richtig gehandelt. Auch die persönlichen Befindlichkeiten von RedakteurInnen sind in diesem Fall unwichtig. Und im Zeitalter von Twitter muss man schnell reagieren mit einer kurzen Stellungnahme/Korrektur auf Twitter selbst. Da bleibt wenig Zeit für einen geschliffenen Kommentar im Blättchen (den notabene dann nur wenige wirklich lesen).

        Wichtig ist allerdings, dass nach der Stellungnahme das Thema auch intern nochmals intensiv besprochen wird und auch klar kommuniziert wird (gegenüber der Redaktion), weshalb so gehandelt wurde und was erwartet wird.

      • Henry Kropf sagt:

        @Lüscher. Genau dafür hat er sich ja entschuldigt: Die Kontrollmechanismen haben versagt. Niemand hat offenbar die grundlegenden Schwächen des Kommentars rechtzeitig, sprich: vor einer Publikation, gesehen. Dabei geht es in erster Linie vielleicht gar nicht so sehr um die Frage, ob man nun das sexuelle Outing eines Topmanagers kritisieren mag oder nicht. Sondern, wie man Kritik daran übt, so man das denn will. Und die Argumentationskette in dem besagten Kommentar war nun einfach einmal sackschwach, mit Logikfehlern an allen Ecken und Enden (z.B. dem völlig falschen Umkehrschluss, dass weniger beschenkt sei, wer nicht homosexuell ist). – Natürlich, das macht es für die NZZ nicht besser. Andererseits würde ich mir wünschen, dass auch andere Medientitel die Grösse hätten, sich für sackschwache Kommentare zu entschuldigen. Aber die merken wahrscheinlich nicht einmal, wie grottenschlecht ihre Argumentationslinien häufig sind.

    • Hitz sagt:

      Menschen verachtend? Wirklich grad so schlimm? Wieso nicht gerade faschistisch? Ich finde, wenn man schon die Gelegenheit zur Dramatisierung hat, sollte man nicht so tief stapeln.

      • SrdjanM sagt:

        Lesen Sie mal was über den Faschismus, damit Sie es das nächste Mal auch sinnvoller erwähnen können.

        • Hitz sagt:

          Ein super Tipp! Danke herzlich. Natürlich habe ich noch nie Etwas über den Faschismus gelesen, das haben selbstverständlich nur Sie oder Leute, die “menschenverachtend” in überaus sinnvollem Kontext verwenden.

    • marielle sagt:

      Doch, der Tagi rechtfertigt neuerdings auch Fremdenfeindlichkeit und befindet, dass diese eine schlüssige Reaktion auf eigene schlechte Erfahrungen sei und keinesfalls gesellschaftlich beeinflusst (bei Jugendlichen) bzw. aus den “berechtigen Sorgen und Ängsten der Bevölkerung” (bei Ecopop-Befürwortern) resultiere und der Bundesrat, Zitat “das Polit-Establishment”, sich nicht genügend um diese Sorgen und Ängste, notabene in einem der reichsten Länder der Welt, bemühe. Keinesfalls kann man von mündigen Bürgern Eigenverantwortung erwarten, aber nein. Ausländerhass ist für die Analysen der beiden Journalistinnen die logische Konsequenz von sämtlichen wohlstandsverwahrlosten Befindlichkeiten. Das nennen sie dann Analyse. Schon klar, dass es einem da merkwürdig vorkommt, wenn ein Kollege Haltung zeigt und sich nicht für die Klicks der Rechten prostituieren möchte.

  24. Martha Meister sagt:

    Die NZZ hatte letztes Jahr einen Lesereinbruch von 10 Prozent.
    Schwule sind sehr wenig kritikfähig und rachsüchtig, Zürich ist eine Schwulenhauptstadt,
    Schwule kritisiern-geht nicht.
    Die einzige Möglichkeit einer Schadensbegrenzung ist eine offensiven Entschuldigung.
    Und wäre die Journalistin keine Deutsche sondern eine Schweizerin,würde sich auch keiner Aufregen über das Verhalten von Spillmann, aber die Arbeit von Deutschen insbesondere Deutschen Frauen zu kritisieren in der Schweiz- geht nicht.
    Ging bis anhin noch weniger als Schwulenkritik.
    Diesbezüglich sehr mutiger Schritt von Spillmann-
    Und ich finde, Frau Henkel hat Recht mir ihrer Kritik.
    So und jetzt wollen wir mal schauen, wie meinungsoffen oder heuchlerisch dieser Blog ist.

    • Marcel Maier sagt:

      ich bin Hetero. und ich finde ihre Stimmungsmache billig. Allen Schwulen fehlende Kritikfähigkeit vorzuwerfen ist eines, aber dann auch noch zu behaupten, dass sie rachsüchtig sind?Also ich habe mal von einer was gelesen die Meister heisst. Leute die Meister heissen, provozieren gern, erwarten dann aber offenheit gegenüber ihrer Provokation. Und wenn man dann nicht gleicher Meinung ist, sagen Leute die Meister heissen, dass man nicht Kritikfähig ist oder nicht Meinungsoffen oder sogar Heuchlerisch

    • C. Engel sagt:

      Nun, Frau Meister, mit Ihrer Aussage, Schwule seien “wenig kritikfähig” oder gar “rachsüchtig”, disqualifizieren Sie sich selber. Sie zeigen, dass Sie nicht differenzieren können oder wollen, beziehungsweise outen Sie sich als homophob. Somit kann man Ihre Worte nicht weiter ernst nehmen. Oder soll ich nun hier aufgrund Ihrer Äusserung schreiben, dass alle Heterosexuellen nicht fähig seien, zu differenzieren? Wäre genauso absurd.

    • Patric Olivier sagt:

      “Schwule sind rachsüchtig”, aha. Gut, dass wir nun um Ihre Meinung wissen und sie uns das Wesen der Schwulen so präzise herausarbeiten, Frau Meister! Schön, dass Sie so gut differenzieren können und in Ihren Posts überhaput keine unüberlegten Pauschalisierungen von sich geben.

    • Bossert David sagt:

      Sie wollen meine offene Meinung lesen, Frau Martha Meister? Ich halte ihren Kommentar für aussergewöhnlich unreflektiert, undifferenziert und voller Verknüpfungen die nicht nachvollziehbar sind. Was hat der Lesereinbruch der NZZ damit zutun? Generell zeugen für mich verallgemeinernde Aussagen wie sie sie tätigen nicht von einem hohen Bildungsstand.

    • Urban Zuercher sagt:

      “Schwule sind sehr wenig kritikfähig und rachsüchtig”
      “die Arbeit von Deutschen insbesondere Deutschen Frauen zu kritisieren in der Schweiz- geht nicht.”

      Dazu vielleicht noch: “Die Erde ist eine Scheibe” und “Der Mensch hat keinen Anteil am Klimawandel” und “Den Trickle-Down-Effekt gibt’s (Wenn den Reichen gut geht, geht’s allen gut…)” und “Gott gibt’s tatsächlich”

      Alles Aussagen, die man im Rahmen der Meinungsfreiheit machen kann… Nur, wer solchen Käse behauptet, muss sich nicht wundern, wenn er ausgelacht wird….

      • marielle sagt:

        Sie haben das Gender-Mainstreaming vergessen! Das ist u.a. daran schuld, dass die Kinder in der Schule jetzt zu Schwulen erzogen werden. Oder so ähnlich halt. Die einzige Information, die ich aus Frau Meisters Kommentar herausziehen konnte, war, dass sie etwas gegen Schwule und Deutsche (insbesondere deutsche Frauen) hat. Und nun war sie in einer Zwickmühle, weil doch tatsächlich eine deutsche Frau etwas Negatives über Schwule geschrieben hat. Zum Glück konnte sie dann als letzten Ausweg noch Spillmann zujubeln, da war sie wieder mit sich und ihrer Weltanschauung im Reinen. Weshalb wird eigentlich ein Kommentar, der Schwule auf solch üble Art und Weise diffamiert, hier überhaupt freigeschaltet, frage ich mich.

  25. Leider ist dies immer noch tief verwurzelt bei vielen Journalisten/Medien!
    Fehlleistungen werden togeschwiegen oder totgeschrieben. Kaum eine Berufsgruppe reagiert derart arrogant und abweisend auf berechtigte Kritik (und Korrektur von falsch wiedergegebenen Fakten). Selbst dann wird überheblich damit argumentiert, dass man die Dinge ja “für die Leser vereinfachen” müsse. Als wären die Leser Dumm und ürden die Welt nur verstehen, wenn ein Journalist (der selbst häufig null Ahnung von der Sache hat) das ganze vereinfacht darstellt.
    Das funktionierte gut, solange die Medien ein faktische Informationsmonopol hatten. Die Leser hatte nur eine Stimme über die Leserbriefe (die ja von der Redaktion gefiltert werden konnten). Nun hat sich dank Social Media das Blatt gewendet. “Die Leute” haben eine Stimme bekommen. Und die Medien haben immer noch nicht gelernt, damit um zu gehen und jammern lieber über den Wandel statt ihn aktiv zu gestalten!
    Auch dieser Artikel seigt wieder eindrücklich wie Leute, die diesen Wandel erkannt haben und entsprechend reagieren von den Zurückgebliebenen kritisiert werden!

  26. Edgar J Wang sagt:

    glückwunsch an Markus Spillmann. Meisterhaft reagiert und klug gehandelt. Ein Chef muss sich nicht in jedem Fall vor bzw. hinter die Mitarbeitenden stellen. Das ist alte Schule. Interessen abwägen und Verantwortung übernehmen. Der Chef hat diesmal alles richtig gemacht. (Prof f European Management Practice. MiM/NTUT)

    • Xaver Minder sagt:

      Klar, ein Chef muss sofort den Mitarbeiter strafen, erniedrigen oder entlassen. Auf jeden Fall aber immer die Schuld auf diesen abschieben. Dafür sind Mitarbeiter ja da, und jeder will sofort für so eine Firma arbeiten 😉

      Das ist genau so krank, wie das Verhalten der Migros beim Kafideckeli-Gate. Da werden ja auch die eigenen Fehler dem Lieferanten angelastet und medienwirksam jegliche weitere Zusammenarbeit eingestellt. ist ja egal, wenn da eine KMU auf der Strecke bleibt.

      Charakter ist heute definitiv nicht mehr gefragt. Bücklinge und A.-kriecher, denen gehört die Zukunft.

      • Roland K. Moser sagt:

        Alle anderen werden entlassen. Das ist so, weil der Chef heilig ist.
        Beim Kafideckeli Skandal (welcher keiner ist, weil Adolf Hitler weniger Menschen auf dem Gewissen hat, als Jesus) ist ELSA schuld, und nicht der Lieferant der Deckeli, weil ELSA die falschen Deckeli genommen hat.

  27. Aebischer F. sagt:

    Unglaublich, wie die Schwulen-Lobby jede Art von Meinungsfreiheit verhindern will. Meine Güte, ist denn nun alles tabu in der Frage der sexuellen Orientierung? Ist nur schon die leiseste Kritik an einer bestimmten Verhaltensweise ein Verbrechen? Und müssen die Schwulen denn immer Politik mit ihrem Schwulsein machen und jedem unter die Nase reiben, dass sie ach so stolz auf ihre sexuelle Orientierung sind? Ich kann das nicht mehr wirklich ernst nehmen. Dieses mimosenhafte Getue wirkt langsam peinlich. Liebe Journalisten, lasst euch nicht einschüchtern, denn sonst ist es aus mit der schönen Meinungsfreiheit.

    • SrdjanM sagt:

      “Und müssen die Schwulen denn immer Politik mit ihrem Schwulsein machen und jedem unter die Nase reiben, dass sie ach so stolz auf ihre sexuelle Orientierung sind?”

      Ja, solange sie in vielen Bereichen des Gesellschaftlichen Zusammenlebens noch ausgegrenzt und benachteiligt werden, haben sie das Recht dazu.
      Und mehr noch, die Menschen welche trotz homophoben Rahmenbedienungen doch erfolgreich sind, müssen sogar noch mehr für die Rechte der Minderheiten Stellung beziehen.

      Und das sage ich als heterosexueller Mann.

      • Roland K. Moser sagt:

        Ich erlebe die Gesellschaft als zunehmend heterophob.

        • SrdjanM sagt:

          Welche, die in der Schweiz oder in den USA?

          • Roland K. Moser sagt:

            Schweiz.
            Die Verhältnisse in den USA kenne ich nicht, schätze aber, dass es dort noch schlimmer ist.
            Wenn der Apple CEO (Apple war bisher nichts anderes als eine technische Freak-Show, neuerdings ist es eine heterophoe technische Freak-Show) Homosexualität als Gottes Geschenk usw. und stolz darauf ist usw. wird es in den USA noch schlimmer sein.

          • Roland K. Moser sagt:

            Korrektur:
            … ist es eine heterophobe technische Freak-Show…

    • Andreas Schmid sagt:

      Aebischer : sie haben recht. Und im Falle von Cook war die Aussage sogar lächerlich bis grotesk :-)! Er dankte Gott, dass er schwul ist und bezeichnete es als “höchstes Geschenk des Schöpfers”. Wer – dazu al Geschäftsmann – einen derartigen Bockmist schreibt, tut mir eigentlich leid. Njcht, dass es daneben wäre schwul zu sein, oder im entscheidenden Moment auch dazu zu stehen – keine Frage! Aber diese dümmlich aufgemachten Outings schaden den Herren gesamtgesellschaftlich garantiert mehr als dass sie ihnen nützen. Diese übertrieben zur Schau getragene “Selbstbewusstsein”, dessen Übertriebenheit letzlich erkennbar doch aus einem Komplex resultiert, ist schon fast rührend. Und: es sagt auch, dass er stolz sei, schwul zu sein. Also ich war noch nie sonderlich stolz Hetero zu sein und als Gottes Geschenk kann ich es auch nicht werten :-)! Und so war der Rückzieher der NZZ genauso lächerlich, keinerlei Konsequenz.

      • Peter Strom sagt:

        Aebischer und Schmid: ich kann mich beiden Statements überzeugt anschliessen. Das Affentheater “guckt alle her, juhu ich bin schwul” geht mir auf das Zahnfleisch (wenn nicht gar weiter hinunter).

        • Barbara sagt:

          Ihnen beiden scheint nicht ganz klar zu sein, dass Tim Cook seine Aussage nicht grundlos oder aus Geltungssucht gemacht hat sondern weil ihn ein TV Moderator in einer Sendung unfreiwillig goutet hat. Das er dazu noch einen persönlichen Kommentar abgeben will bzw. das outing bestätigt, finde ich jetzt nicht so unverständlich geschweige denn lächerlich. Und wie stehen Sie eigentlich dazu, wenn heterosexuelle Menschen ihr eigenes Affentheater aufführen und als einziges Gesprächstehma ihre Bettbekanntschaften, ihre Parterin (oder den Partner) bzw. ihren Beziehungsstatus oder die eigenen Kinder kennen? Geht ihnen das auch auf den Sack oder ist das dasn aktzeptabel oder sogar interessant?

  28. Paul Meier sagt:

    Absolut einverstanden – Spillmann’s Kommentar war eines Chefs absolut unwürdig!

  29. Roland K. Moser sagt:

    Ich hätte mich auch nicht entschuldigt.
    Als CEO von Apple ein Outing zu machen, braucht keinen Mut.
    Die “alte Tante” liegt auf dem Sterbebett, und Spillmann hat dazu geholfen.

    • Mario Monaro sagt:

      Ich lese die Atle Tante täglich und kann Ihnen versichern, dass sie nicht mehr so rüstig ist wie auch schon, aber noch lange nicht auf dem Sterbebett.