Böser Klickzähler

Matthias Chapman am Montag den 15. September 2014
Frucht nach vorn: Dieser Händler auf dem Pike Place Market in Seattle will, wie Schweizer Medienmacher, seine Ware verkaufen. Foto: Scooter Lowrimore/Flickr

Frucht nach vorn: Dieser Händler auf dem Pike Place Market in Seattle will, wie Schweizer Medienmacher, seine Ware verkaufen. Foto: Scooter Lowrimore/Flickr

Mal ehrlich, würden Sie immer Boskop-Äpfel ins Schaufenster stellen, wenn die Leute doch ständig die Sorte Cox Orange kaufen? Klar, Sie fragen nun, was der Lebensmittelladen mit Journalismus zu tun hat. Oder Sie werfen mir vor, die beiden miteinander zu vergleichen, sei abartig.

Ich sehe es nüchtern. Wir führen beide, sowohl Medien wie Lebensmittelladen, ein breites Sortiment, das von Grundangebot über Genussmittel bis zu Luxusware reicht. Und natürlich möchten wir unsere Ware verkaufen – und nicht auf ihr sitzen bleiben.

Und schon sind wir beim Webseismografen, dem Pendant zur Verkaufsliste von Migros oder Coop. Eigentlich eine primitive Sache, zugegeben. Da wird nur gezählt, aufaddiert, hier die Artikelklicks und dort die Äpfel.

Spätestens jetzt dürften die Klickzähler-Verachter explodieren. Journalismus werde nicht vom Buchhalter gemacht, und sowieso führe die Rechnerei nur dazu, dass Klick-trächtige Themen dominierten!

Oder, um es mit Medienprofessor Heinz Bonfadelli (9. September 2014) zu sagen: «Die Journalisten im Newsroom sehen ständig, welche Onlinetexte wie viele Klicks generieren. In diesen Klickraten zeigt sich, dass das Interesse des Publikums an hochemotionalen und skandalisierten Themen gross ist. Diese Nachfrage nach solchen Themen hat natürlich eine Auswirkung auf die journalistische Arbeit. Qualitativ anspruchsvollere Texte und Themen werden so von den Journalisten selbst weniger beachtet.»

Hochemotional ist ein Federer-Viertelfinal am US Open mit zwei abgewehrten Matchbällen und einem Fünfsatzsieg. Fehlanzeige punkto Webseismograf-Einsatz. Hier kann ich ihn abstellen, ich brauche ihn nicht. Schlimmer noch: Weil der Ausschlag bis zur Decke reicht, versperrt er mir die Sicht auf den Rest. Gleiches mit skandalträchtigen Themen wie Gerigate.

Wozu braucht es dann überhaupt einen Webseismografen? Als Indikator. Als Messgerät, welches zeigt, wo es die Leser zwischen den Extremen hinzieht. Oder eben wo weder Bedarf noch Interesse besteht. Sie glauben, das sind leere Worthülsen? Nein. Zwei Beispiele – die zwar zu meinem Berufsgeheimnis gehören, ich aber wohl schuldig bin.

1. Wow, das zieht! Bedingungsloses Grundeinkommen. Was für eine Utopie! Geld geschenkt, fürs Nichtstun, da glauben ja wohl nur die Initianten selber dran – dachten wir damals, als die Idee an die Öffentlichkeit getragen wurde. Da reicht ein Agenturtext, das Thema machen wir klein, so unsere Überlegungen. Der Ausschlag am Webseismografen – er war unerwartet gross – liess uns umdenken. Das Interesse am Thema war – und ist immer noch – riesig. In den Kommentarspalten wird heftig diskutiert, da geht es um Demokratie, um Solidarität und um noch viel grundsätzlichere Fragen des Zusammenlebens. Unsere Reaktion? Da setzen wir nach. Mit Ökonomen, mit Philosophen, mit Initianten und Gegnern.

2. Okay, dann lassen wirs halt. Start-up an der Börse. Die Garagentüftler von Twitter tauchen in die Finanzwelt ein, wo Geld und Gier herrschen, wo bärtige Nerds zu Milliardären werden, wo beim falschen Wort Kursstürze folgen. Was für Gegensätze, was für eine Spannung in diesem Thema – dachten wir damals im November 2013. Der Facebook-Börsengang – und das rege Interesse der Leser – war noch in bester Erinnerung. Die Realität war diesmal anders, der Webseismograf zeigte keine Regung. Unsere Reaktion? Wir drosselten die Intensität journalistischer Begleitung des Twitter-IPO.

Sie finden diesen Opportunismus verwerflich, eines journalistischen Produkts nicht würdig? Keine Angst: Natürlich wird dieses Tool nicht durchs Band eingesetzt. Zwei Bemerkungen dazu:

Zu Beginn war von Grundangebot die Rede: Was im Lebensmittelladen Milch, Kartoffeln und Karotten sind, das sind bei Medien Information und Aufklärung zu relevanten Themen. Die bundesrätliche Pressekonferenz über die Energiewende wird niemals durch die Maschen fallen, nur weil der Webseismograf wegen der komplizierten Materie nicht wummert.

Ein weiterer Bereich journalistischer Bearbeitung ist aber frei wählbar. Welchen Bericht lesen Sie lieber: die 9. Fassung zur Unternehmenssteuerreform III, die relevant ist, weil es um zig Milliarden und ihr Portemonnaie geht? Oder einen Vorstoss über ein Verbot von Youtube in der Schweiz, sollte der US-Dienst weiterhin Szenen von brutaler Kriegsgewalt zeigen? Sprich: Auch Journalisten müssen die Freiheit haben, nicht den trockenen Boskop zuvorderst im Verkaufsregal präsentieren zu müssen. Und dabei kann der Webseismograf manchmal dienlich sein.

Wer jetzt immer noch um eine breite und vielfältige mediale Abdeckung besorgt ist, der sei beruhigt: Selbst die Apfelsorte Cox Orange verliert irgendwann ihren Reiz und wird abgelöst. Wenn das Momentum stimmt, sogar vom Boskop-Apfel. Der Webseismograf dient dann nur noch als Bestätigung für das Gespür des richtigen Produkts im richtigen Moment.

23 Kommentare zu “Böser Klickzähler”

  1. […] die Finger von dem Thema lässt. Auch auf unerwartete Klick-Magneten kann reagiert werden: „Da setzen wir nach“ mit Updates und weiteren Beiträgen zum […]

  2. Anton Keller sagt:

    Für den richtigen Vergleich müssten die Äpfel jeweils noch politisch richtig positoniert werden, etwa “Multikulti-Äpfel”, “Bio-Äpfel”, “SVP-Neger-Äpfel”.

  3. Anton Keller sagt:

    Die einzige relevante Grösse ist der Gewinn. Während Klickraten steigen, sinkt der Gewinn der Medien.

  4. Bernhard Kobel sagt:

    Wer sich hier über die Qualität des (Online-)Journalismus aufregt und gleichzeitig den Klickzahlen-Fetischismus einiger Redaktionen (Newsnetz inklusive) kritisiert, sollte sich mal fragen, wer die Journalisten bezahlt: Noch der dumme Zeitungsabonnent, immer schon die Inserenten (ob online oder Print). Und die Währung der Inserenten sind nun mal Views.
    Entweder akzeptiert der Online-Leser das, was er gratis vorgesetzt bekommt ODER er ist bereit auch für diese Inhalte zu bezahlen (aber dann bitte nicht auch noch mit Werbung, wie das gerade die grossen Verlage mit ihrer Soft-Paywall vorexerzieren). Wieso versucht nicht endlich ein mutiger Unternehmer oder einige aufgeweckte Journalisten ein Online-Geschäftsmodell ohne Werbung in der CH (so wie die Krautreporter das gerade in D machen)? Ich wäre bereit, für die Inhalte zu bezahlen.
    Und noch etwas zu den News, denen Heerscharen von “Journalisten” hinterherjagen: Jemand hat mal gesagt, News seien für das Gehirn, was Fastfood für den Körper. Und ich denke, der Spruch stimmt.

  5. Jean-Marc Hensch sagt:

    Ich finde es bemerkenswert, dass in diesem Zusammenhang der Begriff der Kundenorientierung nie fällt. Wenn ich ein kommerzielles Produkt anbiete, sollte ich doch versuchen, es auf den Kunden auszurichten, also wissen, wie er was einsetzt und verwendet. Dafür brauche ich intelligente Systeme. Dies ist einfach ein wichtiges Mosaikstein bei der Justierung des Angebots. Ich empfinde die autistische Strategie (Ich schreibe, was mir passt, der Rest interessiert mich nicht) im Rahmen einer Zeitung als leserverachtend (bei Buchautoren mag es anders sein).
    Es ist ja vollkommen klar, dass eine einseitige Ausrichtung auf diesen Aspekt die Kunden nicht zufrieden stellen würde. Sie erwarten auch den Pflichtstoff und eine gewisse Breite des Portfolios. Wie zu Recht ausgeführt, ist der Klick nur ein unvollständiges Mass und es wäre gefährlich und fahrlässig, sich allein darauf zu stützen.
    Jedenfalls ziehe ich den Hut vor Matthias Chapman, der hier Transparenz schafft im vollen Bewusstsein, dass er massiv unter Feuer geraten wird.

  6. Für die Gerigate-Berichterstattung braucht es keinen Klickzähler.

    Zum “wirtschaftlichen Druck, Themen aufzugreifen, welche Klicks generieren”. Die Autoren schreiben doch nicht für die Werbung. Aber jede Autorin, jeder Autor überlegt sich, wie er/sie ein grösseres Publikum für seine Geschichte erreichen kann. Entsprechend ist auch die Freude, wenn der Artikel kommentiert und gelesen wird.

  7. Hans Müller sagt:

    Hand auf’s Herz Herr Chapman, Sie haben doch jetzt hier zwei positive Beispiele des Klickzählers herausgepickt. Wie hat denn aber der Zähler beispielsweise die Berichterstattung über Gerigate beeinflusst? Oder, was mich noch sehr viel mehr interessieren würde: wie steht es um den Zusammenhang zwischen Klickzähler und Werbeeinnahmen? Je mehr Kommentare und Zugriffe auf eine Seite, desto mehr Mehrwerbeeinnahmen nehme ich an? Da besteht doch ein immenser wirtschaftlicher Druck, Themen aufzugreifen, welche Klicks generieren und nicht in erster Linie solche, die für Information und Meinungsbildung relevant sind.

  8. Hans Müller sagt:

    Der Boskoop ist ein super Apfel. Man muss ihn nur richtig zubereiten…

  9. Viktoria Steiner sagt:

    Ich finde diese Art, den Seismographen zu verwenden, nicht schlimm – aber sie verwenden ihn ja auch nicht blind (was die Kritiker wahrscheinlich befürchten). Wenn sie schon den Migros-Vergleich machen – sie haben tatsächlich ein Grundangebot plus Aktionen und Dinge, die einfach geführt werden, weil sie ziehen. Aber keine ernsthafte Marktfrau dieser Welt würde das Grundangebot, das die meisten Leute überhaupt erst in ihren Laden führt, entfernen – obwohl sie einfach immer konstant ungefähr die gleiche Menge davon wöchentlich verkauft.

    Manche Leute, die Vorgaben für Klickzahlen entwickeln, bedenken das aber nicht, sondern wollen nur noch das, was hohe Zahlen verspricht.

    Soweit, so normal – und soweit, so bekannt vom “alten” Mediengeschäft (v.a. für Verkaufszeitungen, die nicht auf Abos setzen) – es sind die klassischen Schlagzeilen, die die Verkaufszahlen steigern und das Grundangebot, das dafür sorgt, dass die Zeitung überhaupt aufgeschlagen wird.

    Schwierig wird es – und das haben Sie nicht so richtig angesprochen – wenn nun plötzlich Klicks nicht mehr in erster Linie über den “Eintritt in den Laden” (Startseite) generiert werden – oder plump gesagt von Leuten, die Onlinemedien anklicken auf der generellen Suche nach Information und dann vielleicht aus Neugier oder Affekt die Sensationsmeldungen häufiger anwählen – sondern von Leuten, die über direkte Verlinkung der Artikel via Facebook, Twitter, Whatsapp oder sonstiges reinkommen, aber nicht auf der Seite bleiben.

    So können auch Seiten wie upworthy, heftig.co etc. überleben, die überhaupt kein “Grundangebot” anbieten, sondern nur noch den “Süsswarenladen”.

    Ich würde ihnen trotzdem raten, beim Gemischtwarenladen zu bleiben – denn ein Geschäft, das sich auf eine bestimmte Art von Produkt spezialisiert hat, kann zwar im richtigen Kontext sehr viel profitabler werden als ein Gemischtwarenladen – ändert der Kontext (z.B. Facebook seinen Algorithmus), kommt der “Süsswarenladen” sehr schnell in Bedrängnis.

    Ausserdem haben Sie natürlich noch die zusätzliche Herausforderung, in der Dimension eine Abstraktionsstufe darüber – dass journalistische Inhalte als Ware (Marktlogik, wie bekommen Kundinnen und Kunden das, was sie verlangen) und Medien als Informationsdrehscheibe in einem demokratischen Prozess (wie können mündige Bürgerinnen und Bürger an die Informationen kommen, die ihnen die Entscheidungsfindung im demokratischen Prozess ermöglichen) nach unterschiedlichen Kriterien bewertet werden. In einem “Idealfall” ist das, was Kundinnen und Kunden verlangen (und damit Zeitungen auch anbieten) genau das, was auch Bürgerinnen und Bürger für ihre Entscheidungsfindung und den öffentlichen Diskurs benötigen – weniger ideal ist, wenn das eine das andere verdrängt. (Und zwar beidseitig. Ohne Marktlogik landet man sehr schnell beim Propagandablatt.)

    Hier einen Ausgleich zu finden, gehört sicher zu den spannenderen Fragen in den Medien.

  10. tststs sagt:

    WENN es wenigstens der Inhalt wäre, der Klicks generiert… Nein, lediglich der Titel (und evtl. der erste Satz) ist das Kriterium, ob ich einen ganzen Artikel lesen will…
    Und da muss ich ebenfalls etwas kritisch mit dem TA ins Gericht gehen: die Boulevardisierung der Titel ist bereits stark fortgeschritten!

    • Wenn wir sehen, dass das Thema “Bedingungsloses Grundeinkommen” die Leser interessiert, kanns nicht am Titel liegen.
      Was die Titel betrifft: Klar, Onlineleser sind im Schnitt ein paar Minuten auf der Website, da hat man es mit komplizierten Titeln schon schwerer als mit Printlesern – zurücklehnen, den Kaffee umrühren und genüsslich Titel, Lead, Bildlegende, Zwischentitel, Schlusssatz zu lesen und dann entscheiden, ob man auf den Artikel einsteigen will.

      • tststs sagt:

        Verstehe ich das richtig: Das Thema “BG” (Bedingungslosese Grundeinkommen) ist qualitativ hochstehend (also vorallem kein Boulvard/Empörungsthema) und deshalb ist es erstaunlich, dass es trotzdem so viele Menschen interessiert?
        Dann beachte man die letzten drei Titel zum Thema im TA:
        “So werden wir nicht glücklicher” (Analyse vom 30.8.)
        “Es braucht eine AHV ab dem ersten Lebensjahr” (Bericht vom 27.8.)
        “Drei Gründe gegen das GB” (Bericht vom 27.8)
        Der letzte Titel kommt tatsächlich neutral-informierend daher, aber die anderen beiden… come on… was, wenn nicht ein wtf, wird hier durch den Titel angesteuert?

  11. Noldi Schwarz sagt:

    Endlich sagt mal ein Journi die Wahrheit. Und leider ist es ein traurige Wahrheit. Das was früher den Journalisten und die Zeitung ausmachten verschwindet mehr und mehr. Es wird das geliefert, was die Mehrheit (!) der Leser wünscht. Seichte Berichterstattung, meistens bei anderen Medien abgekupfert, Tausendmal in der Welt verbreitet.

    Wo sind die spannenden Stories geblieben? Die Recherchen? Die Aufarbeitung eines Themas? Reportagen? Alles Fehlanzeige. (Online)Zeitung lesten wird zur belanglosen Freizeitbeschäftigung. Und gesteuert wird das Meiste von aussen. Wer Klicks als Massstab nimmt hat den Bezug zum realen Leben verloren. Deshalb verstehen sich Politiker und Journalisten in der Zwischenzeit so gut.

  12. Martin Salander sagt:

    In aller Ehrlichkeit sagt Chapmann, worum es im Journalismus und bei den Zeitungen geht: Um Verkauf, um Verpackung, um Window-Dresssing. Die Zeitungswerbung verspricht Tatsachen und Wahrheiten, Erstmaliges und Tiefschürfendes. Geliefert wird News-Fastfood wie bei McDonalds. Journalismus lebt wie Politik ausschliesslich im Moment und hochemotional. Was im Lebensmittelladen Milch, Kartoffeln und Karotten sind, das sollen bei Medien Information und Aufklärung zu relevanten Themen sein? Überhaupt nicht! Medienrelevanz wird nicht sachlich, sondern emotional bestimmt. Und natürlich politisch! Jeder Juso-Furz wird einen grossen leuchtenden Grossballon verpackt; die junge FDP ist nichtexistent. Und es braucht immer einen Bösewicht! Früher war das Busch, dann Papst Benedikt (zu intellektuell und inhaltlich zu anspruchsvoll), auf jeden Fall Blocher und die SVP, dann auch Assad, wobei der gerade ein Um-Styling erhält zum guten Menschen, von wegen ISIS und so. Und Putin kriegt auf jeden Fall Haue, egal was. Er ist schuld. Soll ich noch Mandela erwähnen, der zu seiner Präsidialzeit Afkrikas grösster Waffenhändler war und schweres Geschütz an kriegsführende Staaten lieferte? Dabei liess er sich nebenbei für 1.5 Milliarden USD bestechen, wovon über 100 Millionen in seine eigene private Stiftung flossen. Aber solche Wahrheiten stören nur, das sortieren die Journalisten aus wie die faulen Äpfel; Mandela als Kriegstreiber und geldgiereiger Waffenhändler (BBC: “Why do you deal weapons?” Mandela: “We need the money”) passt nicht ins buntgeschmückte Medienschaufenster. Für seinen Waffenhandel und seine Korruption erhielt er schliesslich den Friedensnobelpreis, und damit lässt sich das Schaufenster bestens schmücken. Journalismus inszeniert eine Virtualität, von der die Journalisten tatsächlich glauben, dass sie real sei. Nur schon Auswahl ist Interpretation. Doch die Leser sind nicht dumm. Artikel-Klicks sagen überhaupt nichts, verkaufte Zeitungseinheiten schon. Und die Leser holen sich ihre Informationen und bilden sich ihre eigene Meinung. Auch wenn diese von der Schreiberzunft totgeschwiegen, hyperventiliert oder verdreht dargestellt wird. Wenn der Tagi auf Boulevard macht, so zieht das. Wenn er auf Hintergrund und Philosophie macht, macht er sich lächerlich, denn keiner nimmts ernst. Denn Hintergrundexperten und Philosophen sind alle Teil derselben Virtualität eines selbsternannten Pseudointellektuellentums. Journalismus und Politiker sind beide im Opportunistengeschäft tätig, darum bedingen sie sich gegenseitig. Zwei Redundanzen, die glauben, sie seien relevant. Viele lesen die Schreibe der Journaille schon gar nicht mehr und zappen bein den Nachrichten unseres Staatsfernsehens SFR weg. Die immergleichen Leute tragen in unterschiedlichen Mediengefässen die immergleichen Predigten vor. Insignifikant. Durchaus.

    • … okay. Ziemlich viel Missmut.
      Noch eine Frage: Sind Sie von der Jung-FDP? (könnte man aus dem Text heraus vermuten …)

      • Joe Schweizer sagt:

        @Chapman: Was ich besonders schade finde ist die offensichtlich fehlende Fähigkeit zur Selbstreflexion.
        Zugegeben: Der kritische Kommentar von Herrn Salander kann etwas missmutig und schwarzmalerisch wirken. Trotzdem zeugt er von einer sehr differenzierten Denkweise.
        Ihre wenig fundierte, noch differenzierte Antwort gibt ihm aber recht. Sie scheint aufzuzeigen dass der aktuelle Journalismus mehr als auch schon in klassischen Kasten, Stereotypen und Klassen denkt. Anstatt auf den wesentlichen Inhalt seines Kommentars einzugehen spielen Sie sofort die Karte der persönlichen Diskreditierung (ziemlich viel Missmut) oder der politischen Befangenheit (Die Frage betr. Jung-FDP).^

        Ich muss auf jeden Fall eingestehen, dass ich unsere kommerzialisierten Medien auch nicht mehr für voll nehmen kann und dass ich die Einwände von Herrn Salander durchaus teile. Putin = böse, Obama = Messias, SVP = böse, Blocher = extrem böse, JUSO = aufgeschlossen und smart (dabei sind die polemischer als die SVP). Der Front national wird immer mit dem fragwürdigen Zusatz “Rechtsextrem” genannt. Von SRF, TA, BZ, 20min bis hin zu FAZ, DasErste, ZDF und Co. Spannendes Detail das gewisse Nachrichtenspreche sich sogar korrigieren wenn Sie das “Rechtsextrem” mal vergessen. Bei den Sozialisten hingegen wird durch das Band kein solch wertender Zusatz verwendet. Komisch!
        Und da sind wir genau beim springenden Punkt: der fehlenden Diversität in unserer Medienlandschaft. Alle Titel scheinen mittlerweile aus dem selben Blickwinkel zu Berichten. Die Unterschiede sind unwesentlich. Die Vielfalt, der Diskurs scheint zu fehlen. zum Glück gibt es noch das Internet mit seinen Piratenblättern!!

        • Anton Keller sagt:

          Die korrekte Bezeichnung für Linksextreme Kravallanten heisst doch Chaoten.

          Unbekannte SVP Lokalpolitiker werden mit Foto und Namen vorverurtielt. Jusos, die den Kantonsrat aus politischen Motiven gestört haben, werden selbstverständlcih ohne Foto und Namensnennung, inverviewt. Nur das Motiv muss klar kommuniziert werden,

  13. Philip Santschi sagt:

    Zum Glück muss ich in der Migros noch nicht durch Berge von Tiefkühlpizzas und Schoggi-Milchshake waten, um zu den Aepfeln zu gelangen. Bei euch sind dagegen die leeren Kalorien schon sehr prominent geworden in den letzten 2-3 Jahren…

    • “Leere Kalorien”? Ich staune. Ich sage ja nur, wo wir den Webseismo einsetzen können.
      Dabei haben wir soooooo viele Artikel, die auch für ein kleines Publikum gemacht werden. Wie zum Beispiel den hier über den neuen Chefdirigenten in der Zürcher Tonhalle.
      http://bit.ly/YL1iD4
      … sogar nich mit einem eigens produzierten Video ergänzt.

      • Philip Santschi sagt:

        Well, Mr Chapman, ich hab nicht geschrieben, dass ihr NUR leere Kalorien anbietet. Es hat tatsächlich auch Vollkorn-Pizzateig im Sortiment. Aber diese Goldstücke sind kaum je auf der Frontseite, und wenn, dann kaum länger als 30 Minuten, bevor sie von Schlagzeilen wie “HAT TONHALLE DIRIGENT AFFAERE MIT ERSTER GEIGE?” (okay, diese ist frei erfunden 🙂 verdrängt werden. DAS meinte ich mit den leeren Kalorien. Der Tagi von heute ist 100km näher am Blick von gestern. Die Leads geben zwar “klicks”, aber lassen ausser dem “Sugar Rush” bei den LeserInnen nur ein dumpfes Gefühl von verschwendeter Zeit zurück. Schade.