Weshalb Frau Merkel ein Huhn sein sollte

Angela Merkel und Mario Monti an einer Pressekonferenz in Rom, 22. Juni 2012. (Keystone)

Wer gibt zuerst nach? Angela Merkel und Mario Monti an einer Pressekonferenz in Rom, 22. Juni 2012. (Keystone)

Chicken.

Das ist im Amerikanischen die Bezeichnung für ein Spiel, in dem zwei Autofahrer auf Kollisionskurs aufeinander zu rasen. Der Verlierer – das Chicken – ist, wer zuerst ausweicht.

Spieltheoretisch betrachtet ist das Chicken Game eine knifflige Situation. Beide Spieler wissen, dass es fatal endet, wenn keiner ausweicht. Rational wäre also, wenn in letzter Sekunde beide Fahrer einen Schwenker machen. Weil das aber wiederum beide wissen, ist die Versuchung gross, doch nicht auszuweichen – in der Annahme, der Andere werde es tun. Und dann kommt es trotzdem zum Crash.

Auf höchster politischer Ebene in Europa findet dieser Tage ein Chicken Game statt. Die Protagonisten sind, auf der einen Seite, im Mercedes sozusagen, Angela Merkel. Und auf der anderen Seite, im Fiat, Mario Monti, Italiens Premier.

Die beiden liefern sich einen offenen Schlagabtausch. Hier ist er der Vollständigkeit halber nochmals kurz zusammengefasst:

Gemäss einem Bericht in Spiegel Online sagte Merkel am Dienstag vor FDP-Abgeordneten, sie glaube nicht, dass es in der Währungsunion eine gesamtschuldnerische Haftung geben werde, solange sie lebe.

Mario Monti sagte derweil vor dem italischen Parlament, die EU könne sich nicht noch einen Gipfel – es ist der neunzehnte in zwei Jahren – ohne brauchbare Resultate leisten. Wenn nötig, werde er den Abschluss des Treffens so lange verzögern, bis die Finanzmärkte am Montag wieder eröffnen. Monti fordert unter anderem, dass der ESM-Stabilitätsfonds eingesetzt wird, um die Anleihen angeschlagener Staaten wie Spanien und Italien zu kaufen. Hier eine kurze (italienische) Zusammenfassung von Montis Rede auf Il Sole 24 Ore.

Merkel hat diese Stützkäufe aus dem ESM-Fonds stets abgelehnt.

Man braucht kein Hellseher zu sein, um an den Finanzmärkten am Montag Panik zu erwarten, wenn der Gipfel im Patt endet.

Italien ist ohnehin das Land, das in den kommenden Wochen und Monaten immer mehr ins Zentrum der Eurokrise rücken wird.

Hier eine Darstellung der Entwicklung der Rendite auf zehnjährigen italienischen Staatsanleihen seit Februar (Quelle: Bloomberg):

Die Zinsen sind wieder deutlich über 6 Prozent gestiegen. Am Mittwoch musste Italien für Anleihen mit sechs Monaten Laufzeit einen höheren Zins bezahlen als die USA, Deutschland oder die Niederlande für dreissigjährige Bonds…

Wieso muss man Italien im Auge behalten?

Nun, wie wir an dieser Stelle schon mehrmals (etwa hier und hier) dargelegt haben, ist Spanien aus ökonomischer Sicht das perfekte Beispiel für die Grundübel in der Eurozone. In Italien ist das rein wirtschaftlich betrachtet weniger der Fall. Zwar besitzt der Staat Schulden in Höhe von rund 120 Prozent des BIP, aber immerhin ist der Primärhaushalt (die Staatsrechnung ohne Zinszahlungen) ausgeglichen, und (Nord)Italien besitzt eine recht gesunde, global durchaus wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur.

Nein, in Italien ist es die politische Dimension, die Sorgen bereitet. Es ist, abgesehen von Griechenland, der politisch instabilste Vertreter unter den angeschlagenen Euro-Peripheriestaaten. Mario Monti wurde im November 2011, nach dem forcierten Abgang von Silvio Berlusconi, von Staatspräsident Giorgio Napolitano als ungewählter Premier eingesetzt, mit dem spezifischen Mandat, Strukturreformen durchzusetzen.

Mittlerweile ist die Popularität Montis jedoch rasch im Sinken begriffen, das halbe Land flucht über ihn. Am Dienstag hat sich – welch Überraschung – Silvio Berlusconi vor Abgeordneten seiner Partei als Wirtschaftsminister angeboten, sollten sie die nächsten Wahlen wieder gewinnen. Hier eine (italienische) Zusammenfassung seiner Rede im Corriere della Sera.

Spinnen wir den Gedankenfaden also mal etwas weiter:

Nehmen wir an, Merkel bleibt am Gipfel hart, und Italien erhält keine finanzielle Schützenhilfe.

Nehmen wir an, dass die Zinsen Italiens als Folge davon in den kommenden Wochen weiter steigen werden, und irgendwann wird eine weitere Bank – wie am Dienstag Monte dei Paschi di Siena (hier die Details dazu) – Staatshilfe beantragen.

Nehmen wir an, dass Italien weiter in die Rezession abrutscht.

Und nehmen wir an, dass die Regierung Monti irgendwann in den nächsten sechs bis acht Monaten kapituliert und weggefegt wird.

Was dann? Staatspräsident Napolitano, einer der wenigen weisen, pragmatischen Männer in der italienischen Politik, wird im Frühjahr 2013 ebenfalls seine Amtszeit beenden. Wer folgt auf ihn?

Es besteht also ein beträchtliches «Tail-Risiko», dass Italien innerhalb der nächsten zwölf Monate eine neue, weitaus radikalere und weniger verantwortungsvolle Regierung haben wird als heute.

Angela Merkel, so wird oft kolportiert, agiert so hart, weil sie den Druck auf die Regierungen der südeuropäischen Ländern hoch halten will. Andernfalls, so die Befürchtung, würden sie nie ihre nötigen Strukturreformen durchführen.

Mag sein. Mit Monti – und auch mit Mariano Rajoy in Madrid – hat sie aber Kollegen, die genau mit diesem Mandat angetreten sind. Von Berlin werden sie trotzdem seit Monaten sträflich im Stich gelassen. Wann begreift Frau Merkel, dass Strukturreformen nicht über Nacht wirken? Dass es Jahre dauern wird, bis konkrete Resultate daraus in den Wirtschaftswachstumszahlen sichtbar sind? Dass die nächste Regierung in Rom deutlich weniger kooperativ sein wird als Monti?

Die heutige Konstellation in Europa – die fragilen politischen Verhältnisse in einem Land wie Italien sowie die latente Instabilität an den Finanzmärkten – kann jederzeit ausser Kontrolle geraten. Das darf nie vergessen werden.

Frau Merkel ist auf Kollisionskurs. Sie sollte ausweichen. Auch wenn sie dann für kurze Zeit das Chicken ist.

Keine Kommentare zu «Weshalb Frau Merkel ein Huhn sein sollte»

  • Sie haben völlig recht, Herr Dittli, Frau Merkel spielt mit dem Feuer und merkt es offenbar nicht einmal. Mehr noch: im deutschen Sprachraum wird weitherum ignoriert, dass Deutschland von dieser Situation massiv profitiert. Die Zinsen sind aufpraktisch Null und die Währung ist, verglichen mit der DMark, schwach. So bekommen die Deutschen billig Geld und können zu konkurrenzfähigen Preisen ihre Ware exportieren.

  • Georg Stamm sagt:

    Wer weiss denn schon was richtig ist, wer recht hat. Im Tagi wurde kürzlich berichtet, dass Giechenland kaum Staatsbeamte abgebaut hat (sie wurden „durch die Hintertüre“ wieder angestellt), obwohl dieses vor knapp 2 Jahre vereinbart worden ist. Da ist wohl Merkel’sches Misstrauen am Platz. Wie steht sie da, wenn ähnliches in It oder Sp auch passiert und Merkel gewährt teure Vorschusslorbeeren ? Die Frau hat wohl den schwierigsten Job in Europa. Möchte jemand tauschen ?

    • Linus Huber sagt:

      Wer unbeeinflusst überlegt, findet schon den richtigen Weg, welcher richtig ist.

      Wir befinden uns noch immer in einer Kreditblase und sämtliche Akteure versuchen diese Aufrecht zu erhalten. Allerdings ist das Volumen an bestehenden Krediten nicht mehr nachhaltig mit der gegenwärtigen Wirtschaftsleistung vereinbar und muss reduziert werden. Dies verursacht natürlich Verluste. Die Frage, welche sich stellt, besteht darin, wer diese Verluste zu tragen hat.

      In meinen Augen sollten in erster Linie jene vorerst zur Rechenschaft gezogen werden, welche diese Kreditblase hauptsächlich zu verantworten hatten. Dies fängt an mit der Politik, den Zentralbanken und last but not least den Bankern. Jedoch erst, nachdem diese von ihrem Gewinn befreit wurden, darf die Bevölkerung mit zur Leidensgemeinschaft herangezogen werden und nicht wie anhin, als erste.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Linus

        Auch wenn ich mich hier zum x-Ten Male wiederhole…

        Der Anfang des Uebels liegt darin, dass kaum jemand zwischen Investitions- und Konsumkrediten unterscheidet.

        Investitionskredite sind aufgeschobener Konsum (der Kreditgeber), in der Hoffnung auf späteren umso grösseren Konsum. Investitionen bergen immer die Chance auf Wachstum. Wachstum erlaubt sowohl dem Schuldner als auch dem Gläubiger, hinterher besser situiert zu sein, als vorher.

        Konsumkredite sind vorgezogener Konsum (der Kreditnehmer), in der Hoffnung, der Heilige Geist, der Staat, die Zeit oder Angela die Erste persönlich würde die auflaufenden Schulden später irgendwie aus dem Weg schaffen.

        Renten, Gehälter von Staatsfunktionären, Almosen, Arbeitslosengelder etc. sind leider nur Konsum, keine Investitionen. Darum geht GR, SP etc. nun auch der Arsch auf Grundeis. Man kann die Leute ja nich einfach verhungern lassen, aber die kreditbasierten Zahlungen produzieren ein unaufhaltsames Schneeballsystem (modern als Ponzi-Schema bezeichnet).

        Den Letzten (Sparer & Steuerzahler) beissen die Hunde…

        • Linus Huber sagt:

          @ Thomas ernst

          Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, dass zwischen Investitions- und Konsumkredit zu unterscheiden ist. Zusätzlich muss man die Hoehe des Zinsen berücksichtigen (welche leider massiver Manipulation unterliegt), da z.B. zu tiefe Zinsen dazu verleiten, extrem langfristige und marginale Investitionskredite zu gewähren, welche zwar die Funktion eines Investitionskredits erfüllen, jedoch aufgrund der Langfristigkeit sich in der späteren Phase als unrentabel herausstellen (z.B. aufgrund technologischer oder konsumbezogener Veränderungen oder aufgrund von Supply beeinflussenden Faktoren wie z.B. Überkapazität). Also selbst die Aufteilung des Kreditvolumens in Investitions- und Konsumkredit greift zu kurz, da das System sehr komplex ist und nicht mit ein paar Variablen simuliert werden kann (Anwendung von Modellen).

          Wie Sie anerkennen, handelt es sich um ein gross angelegtes Ponzi-Schema, wobei Sie hier andeuten, dass einzig Sparer & Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. In den USA sieht man jedoch langsam auch die Tendenz, dass die Pensionsversprechen schrittweise unter Beschuss kommen (vorerst hauptsächlich für Staatsangestellte), da der Steuerzahler zu revoltieren beginnt.

          Ebenfalls liegt ja immer auch die Frage inwieweit das gesamte Kreditvolumen sich im Verhältnis zur gegebenen Wirtschaftsleistungsfaehigkeit verhält, wie ich oben ansprach. Wenn ich Ihr obiges Beispiel der 120 Scheffel nehme, muss der liebe Mann heute eben damit ein Kreditvolumen von vielleicht 400 Scheffel bedienen, womit ihm unter dem Strich vielleicht nichts mehr übrig bleibt.

          Schlussendlich wird auch diese neue Blase im Bereiche der massiven Ausweitung von Staatsschulden platzen, da Zinsen nur tief gehalten werden können, solange die Bevölkerung resp. Investoren die in der Überzeugung verharren, dass nicht versucht wird, durch massive Inflation die Lösung zu kreieren. In meinen Augen gibt es schlussendlich nur 2 wirkliche Szenerien, entweder opfert man die Währung (welches die Zentralbanken aufgrund des damit verbundenen Machtverlustes sicherlich nicht leichtfertig zulassen werden) oder man kommt zum Schluss, nicht nachhaltige Kredite (Fehlinvestitionen) abzuschreiben. In diesem zweiten Fall wird jener, welcher als Kreditgeber figurierte in erster Linie den Verlust tragen.

          Griechenland etc. sind in diesem Zusammenhang nur ein Symptom der bestehenden Krankheit des nicht nachhaltigen Kreditvolumens und man kann erkennen, dass der private Bereich begonnen hat, das Kreditvolumen zu reduzieren, wobei sich heute die Zentralbanken und Regierungen dagegen staemmen. Dieser Widerstand wird hingegen bald einmal einbrechen, da die Wähler sich schrittweise gegen die Parteien wenden, welche sich dem Trend der Reduktion des Kreditvolumens widersetzen.

          In jedem Fall wird sich die Kaufkraft der Bevölkerung schrittweise vermindern, unabhängig davon wie die Politik sich in manipulativen Tricks übt.

    • Thomas ernst sagt:

      @ Georg

      „möchte jemand tauschen?“

      Angela die Erste, Kaiserin von EUR-Land, macht keinen schlechten Job – für ihre Dynastie, keine Frage.

      Die relevante Frage ist: Brauchen wir dieses ganze kostspielige und ineffiziente Netzwerk von verfilzten Bankern, Politikern, Bilderbergern, Mafiosi und Medienzaren wirklich, um gesund, zufrieden und friedlich leben zu können?

      Wir haben etwa 2’000 Jahre gebraucht, um uns der Könige zu entledigen. Hoffentlich dauert es nicht so lange, bis die Menschen merken, dass die Politiker genauso überflüssig sind.

  • Martin Holzherr sagt:

    Der Euro hat für mich nur eine Zukunft wenn er den Südländern nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg gewähren kann. Dazu braucht es sicher auch Transfers, in der relativen Grössenordnung etwa so wie zwischen deutschen Bundesländern oder zwischen Schweizer Kantonen. Doch es gibt momentan zuviele wirtschaftlich angeschlagene europäische Länder, als dass die in ihrer Höhe sehr beschränkten Transfers grundsätzlich an den Ungleichgewichten etwas ändern könnten.
    Mit andern Worten: Die Südländer inklusive Frankreich müssen ihre Wirtschaft vollkommen transformieren, ihre Sozial- und Wirtschaftspolitik umstrukturieren, wenn sie nicht auf dem Abstellgleis landen wollen. Der gemeinsame Währungsraum macht diese Anpassungen notwendig. Wenn es keine genügenden Anpassungen gibt werden die PIIGS marginalisiert. Dann wären sie besser dran, wenn sie aus dem Euroraum ausscheiden.

  • Andres Müller sagt:

    „Der Trend ist klar, die Euroländer werden zusammen wachsen, d.h. eine Fiskalunion und gemeinsame Wirtschaftspolitik“
    Der Trend schon, aber es wird kaum funktionieren, weil es erstens zu spät ist und die Bevölkerung irgendwann alle Europa-Befürworter in die Wüste schicken wird. Um dies zu verhindern werden immer mehr Länder mit Technokraten -Regierungen ausgerüstet, der Zusammenschluss in einen Fiskalpakt mit einer Bankenunion bedeutet gleichzeitig das Ende demokratischer Selbstbestimmung.

    • Michael Schwarz sagt:

      @Andres Müller:

      Ihnen scheint nicht bewusst zu sein, dass die Demokratie und Selbstbestimmtheit der Europäer erst gewährleistet werden, wenn die Europäer zusammen wachsen, sich gegenseitig zu stärken. Die dringlichste Aufgabe der EU-Wirtschaftspolitik ist das Ungleichgewicht innerhalb den Euroländern verringen, die ungleiche Einkommensverteilungzu verkleinen.

      Die Bankunion ist nur der Anfang der Europäischen Integration. Die Lektion aus EZB ist es, dass eine gemeinsame Geldpolitik und Währung nicht ausreichen, die Länder zusammen zu führen.

      • Thomas ernst sagt:

        @ Michael

        Ihre völlig unbegründete und tatsachenwidrige Unterstellung, dass die von ihren Saftpolitikern in die heutige EURunion geführten Länder endlich echte Demokratie bekommen würden, so sie sich denn nur dem EU-Moloch hingeben würden, entbehrt absolut jeder Grundlage.

        Das Gegenteil ist wahr: Je grösser der Moloch, dem man beitritt, desto undemokratischer werden die Verhältnisse. Schon die blosse Nähe der CH zum totalitären und faschistischen EU-Monster kostet uns mehr und mehr direktdemokratischen Einfluss.

        Welche Vorteile Versprechen Sie sich denn vom neuen Kaiserreich Europa unter Angela der Ersten?

        • Michael Schwarz sagt:

          @Thomas:

          Ohne Gemeinsamkeit wird keine Demokratie entstehen. Die EU-Krise bietet eine ausgezeichnete Chance die Euroländer zusammen zu rücken, die Gemeinsamheit zu entdecken. Der Sozialismus und Kommunismus haben nie funktioniert, deshalb sollte man den Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. Die Machtverhältnis zwischen den Euroländern werden sich mit der Zeit ändern, zur Gunst schwächer Euroländer, das ist nicht das Problem.

  • Michael Schwarz sagt:

    In Spanien und Italien haben durchaus weiteres Sparpotenzial, es muss lediglich die Zinse unterbringen, womit sie billig verschulden können. Durch der Unterstützung der EZB werden den Banken in beiden Ländern rasch stabilisiert. Der Erstschritt wurde durch Merkels Entscheidung umgesetzt. Es gibt weitere Probleme in den Euroländern, die bis heute nicht gelöst sind, wie das Problem in Griechenland, womöglich auch Portugal. Das sind Länder, die eigentlich nicht in EU aufnehmen dürfen. Die jahrelangen Subvention aus der Brüssel haben sie an Leben gehalten, ohne sich eigne Produktivität zu erhöhen.

    Die Krise ist noch lange nicht vorbei, was sollte die EU mit insolventen EU-Ländern. Das ist eine Frage, die Merkel beantwortet werden muss. Nur Spar allein kann Probleme in solchen Ländern nicht lösen – es muss gespart werden, und gleichzeitig braucht auch Wachstum. Diese trade-off Situation kann nur entstehen, weil die Problem-Länder auf Pump und Kredite das Wachstum finanziert haben, ohne sich zu sparen, das gleiche Problem sehen wir auch in den USA, die jahrzehnete solche Wirtschaftspolitik betrieben haben, ohne sich für zukünfiges Wachstum zu sorgen, nach dem Moto, wir leben heute und jetzt. Wie viel man aus diese Wirtschaftsschichte gelernt hat, wird es sich noch zeigen.

    • Michael Schwarz sagt:

      Der Trend ist klar, die Euroländer werden zusammen wachsen, d.h. eine Fiskalunion und gemeinsame Wirtschaftspolitik. Dies zeigt die Stärke der Europäer gegenüber den USA – die Demokratie und Solidalität siegt. Das entspricht die demokratische Tradition Europas. Die Tatsache ist aber, dass innerhalb der Euroländer noch viele Probleme gilt, die zur Zeit keine konkrete Lösung gibt. Die Probleme in EU sind immer noch gravierend und die Situation durch den Gipfel hat sich nichts geändert. Die Gefahr des Zusammenbruchs der besteht weiterhin.

  • Linus Huber sagt:

    Schrittweise frisst sich die Krise zum Kern vor. Bei jedem neuen Land, welches in die Krise geraet, glaubt man dies sei das entscheidende Problem. Weit gefehlt. Schrittweise wird es immer mehr Länder, und nicht nur europäische, treffen. Europa ist zur Zeit im Blickpunkt, aber Japan, USA, China um ein paar Beispiele zu nennen, haben grundsätzlich ein ähnliches Problem. Auch die Idee, dass mit einer eigenen Notenbank man im Endeffekt dieses Problem längerfristig im Griff hat, ist reine Illusion. Im Grundsatz kann man entweder die Währung vernichten, oder eben die notwendigen Abschreibungen auf nicht nachhaltige Kredite in Kauf nehmen. Aber beides geht leider nicht.

    Wir muessen nicht weiter die Kreditblase anfeuern, was grundsätzlich fast sämtliche Lösungsvorschläge beinhalten. Was wirklich notwendig ist, unrueckzahlbare Kredite gesellschaftsvertraeglich abzuschreiben. Natürlich werden wir danach allesamt ein Stück Wohlstand verlieren.

    Die Idee, dass auf wunderbare Weise, die einzelnen Staaten in den nächsten Jahren auf einmal in der Lage sein werden, ihre Staatsausgaben so zu drosseln, dass ein jährlicher Überschuss entsteht, ist eine reine Illusion. Solche Einschnitte werden den Konsum derart reduzieren, dass das Wirtschaftswachstum, sofern positiv, sehr schwach ausfallen wird.

    Es gibt keine schmerzfreien Lösungen in dieser Situation. Die Frage ist daher eher, wie wir die Kosten verteilen. Sollen die anständigen kleinen Sparer mit ein wenig Geld auf dem Bankkonto leiden, oder jene welche schon viele Jahre sich aufgrund von zusätzlichen Krediten einen nicht nachhaltigen Haushalt leisteten, zur Verantwortung gezogen werden? Sollen jene, welche sich vor jedem Risiko scheuen belastet werden oder jene, die sich mit risikoreichem Verhalten bereicherten?

    Intuitiv spüren die Menschen, dass hier etwas nicht rund läuft und werden immer vorsichtiger im Angesicht von diesen willkürlichen und teilweise sehr fragwürdigen Massnahmen, was sich in den Resultaten bei Abstimmungen schrittweise zeigen dürfte. Das Ausmass, in welchem Eigentumsrechte zwecks Stabilisierung des Systems, welches die Risikotraeger durch mangelhafte Vorsicht wiederholt in Gefahr bringen, verletzt werden, ist derart massiv gewachsen, dass langfristige Lösungen gezwungenermassen die Anreize dementsprechend setzen muss.

    • Sepp sagt:

      Ich bin der Meinung, dass wir nur weiterkommen, wenn die Diskussion von der Schuldenkrise auf die Vermögenskrise ausgeweitet wird. Wer am heutigen Zustand schuldig ist, scheint mir zweitrangig. Entscheidend ist doch, dass (Geld-)Schulden in ihrer Gesamtheit nicht reduziert werden können, wenn nicht gleichzeitig die entsprechenden Guthaben reduziert werden, da Geldschulden und Geldvermögen immer gleich gross sind.
      Wenn wir also von jemandem verlangen, er müsse Schulden abbauen, müssen wir gleichzeitig erklären, wessen Vermögen gleichzeitig schmäler werden soll. Oder wer an dessen Stelle Schulden aufbauen soll. Jedenfalls scheinen wir nicht daran interessiert zu sein, dass unsere Pensionskassen weniger Wert werden. Die Reichen haben auch nicht unbedingt viel Geld, den deren Geld ist in Sachwerten angelegt. (Am ehesten vorstellbar: Die Pensionäre müssen in Griechenland Dauerferien machen und ihr Pension dort aufbrauchen.)
      Eine Analyse dieses Themas würde mich mal brennend interessieren: WEM Schulden die Schuldner?

      • Thomas ernst sagt:

        Da ist sie wieder, die blindwütige Buchhalteroptik…

        Also, wenn der Bauer sich eine Scheffel Korn leiht, dann hat er eine Schuld von einer Scheffel Korn bei der Saatbank, welche nun ein Guhaben in gleicher Höhe hat.

        Der Bauer, der weder Buchhalter noch Grieche ist, sät das Korn auf seinem Acker. Ein mildes Klima erlaubt ihm, im Herbst 120 Scheffel Korn zu ernten. Nach Entschädigung aller Erntehelfer, dem obligatorischen Opfer an die Göttin Demeter und dervAbgeltung einiger Unkosten bleiben ihm 20 Scheffel Korn. Davon gibt er der Saatbank eine Scheffel (sein Kredit) und 1/4 Scheffel als Zins. Es verbleiben dem Bauern 18.75 Scheffel Korn, die er Anfangs Jahr noch nicht hatte.

        Nach Ihrer perversen Buchhalterlogik müsste nun irgendjemand Schulden in der Höhe von 18.75 Scheffel haben, obwohl es sich dabei um reine Wertschöpfung handelt.

        Hier bestätigen Sie das Vorurteil, dass alle Buchhalter ein Brett vor dem Hirn haben…

        • Anh Toan sagt:

          Solange der Bauer 18.75 Scheffel Korn hat, muss niemand entsprechend Schulden haben. Jedoch sobald der Bauer diese 18.75 Scheffel Korn verkauft. Der Käufer muss sich verschulden. Der Käufer kann zwar Ersparnisse abbauen, die hat er aber nur, weil sich ein anderer vorher verschuldet hat.

          Wenn Sie nachdenken Herr Ernst, erkennen Sie, dass Buchhaltung nichts als Mathe ist, und dass Leonardo Da Vinci, der „Erfinder“ der doppelten Buchhaltung, doch kein Brett vor dem Hirn hatte.

          • Thomas ernst sagt:

            @ Anh

            Eine klassische doppelte Buchhaltung ist per se ein Nullsummenspiel. Das Leben ist keines, sondern lebt von der Wertschöpfung, allgemeiner von der Erzeugung spontaner Ordnung.

            Darum ist die Buchhalteroptik limitiert und sektoriell, d.h. einschränkend. Wer die Welt durch eine einschränkende Weltauffassung wahrnimmt, limitiert sich.

          • Anh Toan sagt:

            @Thomas Ernst:

            1. Frei zitiert: Das Leben lebt von Wertschöpfung

            Wert ist aber ein abstrakter Begriff. Eine Zahl ist grundsätzlich abstrakt, wird dieser Zahl eine abstrakte Einheit wie CHF oder USD beigefügt, bleibt es dennoch ein abstrakter Begriff. Etwas Reales zu schöpfen ohne was zu zerstören, ist Gott vorbehalten, wir können lediglich etwas abstraktes schöpfen, nämlich Wert. (ich glaube es war @Ueli der Knecht der hier etwas sehr sehr gutes über Wrt geschrieben hat)

            2. Frei zitiert: Das Leben lebt von der Erzeugung spontaner Ordnung

            Leben ist Veränderung, Bewegung, Ordnung ist das Gegenteil davon. „Heaven is a place, a place where nothing ever happens.“ (Talking Heads). Im Paradies ist Ordnung, jedoch kein Leben, schliesslich muss man sterben, um dahin zu gelangen.

          • Anh Toan sagt:

            @Thomas Ernst

            Selbstverständlich ist Buchhaltung abstrakt, schon alleine, weil Buchhaltung zwingend zeitlich der Realität nachgeht, wenn damit versucht wird, Realität zu messen. Steht das Messergebnis fest (Bilanz), ist die Realität schon lange eine andere.

            Es ist jedoch ungemein hilfreich, bei der Bewertung abstrakter buchhalterischer Grössen wie Geldmengen, Forderungen, Schulden, Wert usw. die Regeln der Buchhaltung zu berücksichtigen. Selbst eine Forderung auf 20 Scheffel Korn ist etwas abstraktes, existiert lediglich als buchhalterische Grösse, real existiert das Scheffel Korn.

          • Thomas sagt:

            @ Anh

            Genau. Deshalb wächst das Korn in der Buchhaltung auch nicht und darum nützt die Buchhaltung auch nichts fürs echte Leben.

            Ordnung ist nicht der Tod, sondern Negative Entropie. Und das Sterben ist nicht das Ende des Bewusstseins, daher ist im Paradies sehr wohl sehr viel Leben, wenn auch nicht die Sorte physisch-biologisches, wie in der Buchhalterwirklichkeit. 🙂

          • Oliver sagt:

            Selbst eine Forderung auf 20 Scheffel Korn ist etwas abstraktes, existiert lediglich als buchhalterische Grösse, real existiert das Scheffel Korn.

            Das Scheffel Korn, das gefordert wird existiert per Definition (zumindest bei einer spezifischen Forderung wie corn futures) noch nicht . Sonst läge keine Forderung vor…

      • Linus Huber sagt:

        Hier eine kleine Analyse in Bezug auf jetzt wieder beschlossen wurde. Jon Hussman ist bedeutend besser, solche Aspekte in leicht verständliche Lesekost zu verarbeiten:

        The upshot here is that Spain’s banks are undercapitalized and insolvent, but rather than take them over and appropriately restructure them in a way that requires bondholders to take losses instead of the public, Spain hopes to tap European bailout funds so that it can provide capital directly to its banks through the European Stability Mechanism (ESM), and put all of Europe’s citizens on the hook for the losses. Spain has been trying to get bailout funds without actually having the government borrow the money, because adding new debt to its books would drive the country further toward sovereign default. Moreover, institutions like the ESM, the ECB, and the IMF generally enjoy senior status on their loans, so that citizens and taxpayers are protected. Spain’s existing bondholders have objected to this, since a bailout for the banks would make their Spanish debt subordinate to the ESM.

        As a side note, the statement suggests that Ireland, which already bailed its banks out the old-fashioned way, will demand whatever deal Spain gets.

        So the hope is that Europe will agree to establish a single bank supervisor for all of Europe’s banks. After that, the ESM – Europe’s bailout fund – would have the “possibility” to provide capital directly to banks. Of course, since we’re talking about capital – the first buffer against losses – the bailout funds could not simply be lent to the banks, since debt is not capital. Instead, it would have to be provided by directly purchasing stock (though one can imagine the Orwellian possibility of the ESM lending to bank A to buy shares of bank B, and lending to bank B to buy shares of bank A). On the question of whether this is a good idea, as opposed to the alternative of properly restructuring banks, ask Spain how the purchase of Bankia stock has been working out for Spanish citizens (Bankia’s bondholders should at least send a thank-you note). In any event, if this plan for a plan actually goes through, the bailout funds – provided largely by German citizens – would not only lose senior status to Spain’s government debt; the funds would be subordinate even to the unsecured debt held by the bondholders of Spanish banks, since equity is the first thing you wipe out when a bank is insolvent.

        It will be interesting to see how long it takes for the German people to figure this out.

  • Andres Müller sagt:

    Im Schatten der Ereignisse hätte ich von unseren Bord-Ökonomen gerne gewusst wie die SNB nun auf die nun wohl schnell folgende Zinssenkung der EZB reagieren sollte. Voraussichtlich wird demnächst unter den Zugeständnissen an die PIIGSS -Staaten (nun plus Slowenien) die EZB auf 1% absenken. Dies könnte vor allem für den Schweizer Immobilienmarkt und den Frankenkurs Folgen haben, wenn die SNB hier nachziehen müsste, bzw. es nicht tut.

    Was Merkel anbetrifft, ich sagte bereits das im Moment Einigkeit das Wichtigste ist. Unbeachtt der Ereignisse in der EU spitzt sich die Lage aber in den USA weiter zu. Dort steht der Konkurs diverser Kommunen an, infolge der Misswirtschaft im Gesundheits/Rentensystem und der sich kaum erholenden Immobilenmärkte. Das Blickfeld der Investoren wird sich wohl bald auch wieder den USA zuwenden müssen, was dann zu einem „Dopplereffekt“ führen dürfte. Es sollte nicht vergessen werden dass die Binnenmärkte der wichtigsten westlichen Industriestaaten nach wie vor auf dem Niveau von 1995 stagnieren, auch Deutschland. Eben wurde bekannt gegeben dass die Einzelhandelsumsätze dort relativ zum Meebeginn 1995 real um -2% niedriger sind. Das gibt ein ganz anderes Bild als was die Presse von Deutschland berichtet, im Binnensektor gibt es keinerlei Boom -im Gegenteil. Der Konsum wird die westlichen Gesellschaften also derzeit kaum retten.

    • Alois Krieger sagt:

      Ganz einfach, machen Sie es wie Hildebrand und wechseln Sie kurz ihre Währung. Bevor der Franken mit dem Euro taucht, schnell in den US-Dollar oder Sachwerte umsteigen.

      Nur blöd, wenn Sie ihr Geld in der Pensionskasse haben, wo Sie nichts mitzureden haben und schon von Gesetzes wegen etwa die Hälfte der Gelder in CHF-Obligationen angelegt wird. Aber schliesslich muss ja jemand bezahlen… Das denkt wohl auch der Levrat und die anderen Linken: wenn die Ersparnisse des normalen Volkes den Bach ab gehen, dann werden die Bürger vielleicht davon überzeugt, dass der Kapitalismus dran schlud ist. (Und nicht die Leute, die ihn zu ihren Gunsten manipulieren).

      • Andres Müller sagt:

        Herr Krieger, die Ideologie des Kapitalismus war und ist noch immer aktiver Sozialdarwinismus. Leute zu seinen Gunsten zu manipulieren finden sie weit verbreitet, nicht erst seit dem Lehman -Kollaps. Fragen Sie mal einen Werbefachmann danach wie unser Wirtschaftssystem funktioniert, nämlich nach den gleichen Gesetzen wie in der Werbebranche.
        Was die Sozialdemokraten anbetrifft, so sehe ich kaum noch einen Unterschied -etwa in Deutschland- zwischen der CDU und der SP. Denken Sie an das Hartz IV System, das hat ein Sozi installiert. In England machte Tony Blair für einen libertären Kurs seiner Partei während Jahren nichts anderes als den Hohepriestern der Märkte die Füsse zu salben.

        Was die BVG anbetrifft, so werden wir Schrittweise mir unserem Kapital in die Rettung der Banken miteinbezogen und ein höheres Rentenalter wird dafür sorgen das wir dieses Geld erst kurz vor unserem Tod sehen -wenn überhaupt. Als vor Kurzem in den USA eine Stadt mit 300000 Einwohnern insolvenz anmeldete wurde schnell klar wer nun die grösssten Opfer bringen müssen, tausende verloren dort gerade ihre Rente.

  • Martin Holzherr sagt:

    Es ist ganz klar, dass die Zinsen für italienische und spanische Anleihen nicht so hoch bleiben dürfen, sonst ist es mit dem Euro schon bald zu Ende – viel früher als der Zeitpunkt ab dem Strukturreformen ihre Wirkung überhaupt zeigen können.

    Wenn Merkel jetzt beim alten Modus bleiben würde, wäre es jetzt oder bald schon mit dem Euro vorbei. Realistisch betrachtet wäre das vielleicht das beste, denn die Chancen für echte Strukturreformen in den PIIGS-Ländern sind nicht sehr gross. Es könnte sehr gut sein, dass die PIIGS-Länder das irgendwann selbst erkennen und dann die Eurozone verlassen.

    Angela Merkel wird nicht auf der Bremse stehen bleiben, wenn das das Ende der Euro-Zone bedeutet. Dafür ist sie dann doch zuwenig mutig. Denn dann wäre sie der Sündenbock für all das Elend (?) das beim Zerfallen der Euro-Zone folgt.

    Es ist also absehbar, dass Europa schon bald in ähnliches Fahrwasser geraten wird wie die USA, wo mit viel Geld die Probleme überbrückt werden.

  • mascha sagt:

    Wieso sollte Merkel ausweichen, Herr Dittli? Können Sie ein Konzept wie die Eurobonds befürworten (und würden Sie es immer noch tun, wenn die Schweiz in der Eurozone wäre – dann wär dann fertig mit luschtigen 0.1%-Zinsen für die Eidgenossen)? Eurobonds werden m.E. nichts bringen, ausser dass sie die Refinzierungskosten für eines der wirttschaftsstärksten Länder der Welt strukturell und nachhaltig schwächen würden – und damit auch die CH.
    Warum nicht den Weg gehen, den die Baltischen Staaten gegangen sind – haircut, BIP Einbuch von 20% hinnehmen, „duresüüche“ (ich weiss, aus der wohlgenährten Schweiz kommentiert es sich leicht!!) – aber dann kann so eine Krise auch wieder vorbeigehen – s. Baltikum…
    So wie es jetzt gehandhabt wird, bürden wir uns und den nachfolgenden Generationen ein riesen Schuldenpaket auf – und „die Märkte“ applaudieren (warum nur?? aber das sei eine andere Diskussion!!)…und die wie ich finde grossartige Europäische Idee wird an dem Geld zerbrechen…
    Ich wünsche Frau Merkel weiterhin alles alles Gute, meine Unterstützung sei Ihr sicher, und ich freue mich sehr, dass Niederlande und Finland näher zu ihr rücken. Es geht um alles für Europa.

  • Mariauntze sagt:

    Dirk Müller zum Krisen-Gipfel: Ein trauriger Tag für Deutschland

    http://goo.gl/LJWTF

    • Alois Krieger sagt:

      Die Deutschen hatten gar keine andere Wahl, wenn die Italiener und Spanier nicht sparen, dann kommt es zum Austritt. Mit dem Beitritt zum Euro und vor allem seit der Implementierung des Target2 Mechanismus (googeln) können die Zentralbanken der Südstaaten einfach Geld drucken und in ihre maroden Banken stecken, dafür bekommt die EZB das Versprechen, dass diese Notenbanken das Geld zurückzahlen. So sind bereits über 1000 Mrd. Euro aufgelaufen. Die Deutschen halten davon mindestens 700 Mrd. (gemäss letzer öffentlicher Bekanntgabe).

      Monti konnte also nur mit einem Austritt drohen, dann müsste Merkel eingestehen, dass die Deutsche Regierung sich hat über den Tisch ziehen lassen und dass Deutschland nun auf 700 Mrd. Schulden von Südstaaten sitzt, die das Papier nicht wert sind, worauf sie geschrieben sind (oder eher die Harddisks bei der EZB, wo das vermerkt ist).

      Und die Deutschen Politiker haben immer noch das Gefühl, direkte Demokratie sei gefährlich. Die Nazis hätten keine Mehrheit erlangt, wenn die Demokratie nicht ausgesetzt wurde, der Euro wäre nicht eingeführt worden. Es sind immer die ehrgeizigen (und manchmal von den Interessen der Grossindustriellen gekauften) Politiker, die solche Schlammassel anrichten. Es ist sehr schwierig, ein ganzes Volk von etwas Unsinnigem zu überzeugen. Politiker bauen jedoch gerne Luftschlösser, vorausgesetzt sie bekommen einen privilegierten Platz darin.

  • Arne Tvedt sagt:

    Der Vergleich hinkt, „auf der einen Seite, im Mercedes sozusagen, Angela Merkel. Und auf der anderen Seite, im Fiat, Mario Monti“. Vielmehr müsste es heissen Mario Monti im Dienst Lancia bzw Dienst Ferrari, haben doch die -zig tausend Dientswagen – mit Chauffeur versteht sich – sowie andere „Vergünstigungen“ jedweder Couleur einen nicht unwesentlichen Anteil an der hohen Verschuldung des italienischen Staates. Diese Gewohnheiten zu brechen, ggf auch die Steuer- und Abgabeordnung im eigenen Staate zu überdenken ist Aufgabe der Schuldnerstaaten, wozu nota bene auch die BR Deutschland zählt. Zwar ist der Schuldenstand in DE (85%) niedriger als in IT (120%) doch liegen beide mittlerweile beide deutlich über dem Maastricht Kriterium von 60%, was so eine Art Grenzwert darstellt für das was nachhaltig, sprich auf Dauer ohne Fremdhilfe finanzierbar wäre …. Bürgschaften und Vergemeinschaftung der Schulden würden unweigerlich auch die deutsche Staatsverschuldung auf italienische Höhen hieven und wer könnte/ würde dennzumal die Schuldenländer refinanzieren ?

  • Oliver Burkardsmaier sagt:

    Herr Dittli, der grösste Teil Ihres Beitrags ist meines Erachtens richtig. Ich verstehe aber nciht, wie Sie zu dem Schluss kommen können, dass Frau Merkel jetzt bedingungslose Geldlieferungen gutheissen soll. Ich denke, jedem sorgfältigen Beobachter der Euro-Situation ist mehr oder weniger klar, dass der Euro vor allem an mangelnder (wirschafts – und finanz-)politischer Integration krankt. Nun wollen einige Länder, dass Deutschland mit seiner Bonität in die (jeweils hausgemachte) Bresche springt, sie sind aber nicht bereit, die Integration mitzugehen.
    Die Forderung nach Integration ist aber richtig und wichtig, und man sollte annehmen, dass im Moment eine gute Gelegenheit besteht, um diese auch durchzusetzen.
    Sie schlagen nun aber vor, Frau Merkel sollte darauf verzichten. Warum? Das würde nur kurzfristige Ziele von Bankiers bedienen, langfristig aber die Krise noch verschärfen.

    • Mark Dittli sagt:

      Hallo Herr Burkardsmaier, wo lesen Sie in meinem Beitrag etwas von „bedingungsloser Geldlieferung“?

      • Oliver Burkardsmaier sagt:

        Hallo Herr Dittli, ich lese es nicht, das ist richtig, aber ich interpretiere es in Ihren Satz „Sie sollte ausweichen“.
        Und ich interpretiere es, da Sie schreiben: „Nehmen wir an, sie bleibt hart, und Italien erhält keine finanzielle Schützenhilfe“.
        Wenn ich einigermassen korrekt informiert bin, verweigert Frau Merkel nicht die Schützenhilfe, sondern sie verweigert die Schützenhilfe dann, wenn die (m.E. nötige) politische Integration nicht im Gegenzug stattfindet.
        Da der Kurs von Frau Merkel im Wesentlichen lautet: „Mehr Geld nur bei mehr Integration“, und Sie fordern, Frau Merkel möge ausweichen, schliesse ich, dass Sie damit meinen, sie solle von Ihrer Forderung nach mehr politischer Integratoin abweichen.
        Und das finde ich keine gute Idee.

        • Oliver sagt:

          Gemeinsame Haftung =/= mehr Geld schieben. Die zwei sind unbedingt voneinander zu trennen. Wegen geringerer Zinszahlungen bedeutet gemeinsame Haftung je nachdem weniger Geld schieben. Ziemlich sicher sogar. Die Frage ist, was bedeutet ‚gemeinsam‘? Nach welchem Verteilschlüssel werden beispielsweise Verluste nach einem Austritt Griechenlands auf die übrigen Mitgliedsländer verteilt?

          • Linus Huber sagt:

            Es ist verhaeltnismaessig einfach. Zinsen beinhalten eine Risikopraemie. Die Frage, welche sich stellt, ist wer diese Prämie übernehmen soll.

            Die Idee, dass man Zinsensaetze mit etwelchen Massnahmen reduzieren kann, beinhaltet automatisch die Verlagerung der Risikopraemie auf eine andere Entity.

            Diese Entity ist heute meistens das gemeine Volk.

  • H. Trickler sagt:

    > „Wann begreift Frau Merkel, dass Strukturreformen nicht über Nacht wirken?“

    Wann begreift der Blogschreiber endlich dass Frau Merkel weder dumm noch verantwortungslos handelt?

    Eine realistische Alternative (im Sinne des Blogschreibers) besteht angesichts der innenpolitischen Situation und der Gerichtsentscheide ja überhaupt nicht.

  • Markus Moser sagt:

    Ich finde auch, Deutschland sollte die Schulden aller anderen übernehmen – immerhin schwimmen sie ja geradezu im Geld mit gerade mal 2’040 Milliarden Euro Schulden….!! Lächerliche 25’000 Euro für JEDEN Einwohner, egal welchen Alters – oder anders ausgedrückt vier Jahreseinkommen eines Hartz IV Empfängers…! Wie lange soll das deutsche Volk so etwas noch ohne Murren mitmachen?

    • Andreas Dombek sagt:

      @Markus Moser,

      Nun, eigentlich wollte ich über Ihren Beitrag nicht mosern, aber….

      Ola, Ihr doppeltes Ausrufezeichen hat mich doch animiert, über die „Internationale der Finanzscherzbolde“ dieser Gazette nachzudenken und auch noch etwas nachzurechnen.
      Ah, da ist er wieder, dieser unheimliche Schweizerwitz, der selbstzerfleischende Ansatz, auch die eigenen liebenswürdigen, klein-kleinlichen Schwächen der Deutschen auf die leichte eidgenössisch-mathematische Schulter zu stemmen.
      Hm, bei der Hochrechnung der schweizerischen aufgelaufenen öffentlichen Schulden kommt man so auf ca. 26.500 Euro, oder sogar mehr?! Pro Schweizernase.
      Hoi, da kommt aber der verwirrte deutsche Dödel mit seinen geraden minimalistischen ca. 25.000 €uros pro Grind ins arge grübeln. Sind auch hier die Deutschen nicht mehr die ewigen Europameister?

      Heia, dann taucht erneut die Frage auf, welche garantiert wieder nicht erschöpfend beantwortet wird: Ist die Schweiz etwa schon so ein abgewracktes Mitglied der EU und kein Schwein beiderseits der Grenze hat’s geschnallt?

      • Marcel Senn sagt:

        @Dombeck gemäss Schuldenuhr http://www.optimal-banking.ch/schuldenuhr.php sind Sie mit Ihrer Zahl fast richtig 26 370, liegen aber mit der Währung falsch, da es sich um Franken handelt…in Euro wären es dann nur knapp 22’000

        • Andreas Dombek sagt:

          @Marcel Senn

          Danke Herr Senn, so bleibt wenigstens auf diesem Gebiet Deutschland seiner immer gerne unterstellten Europameisterlichkeit erhalten.

          Also, wenn man die beiden Verschuldungs-Vergleiche zusammenfasst, ist das Ergebnis auch nicht dramatisch besser: Schweiz pro Nase ca. 22.000 €uro und Deutschland nicht die von mir zunächst beschriebenen ca. 25.000 sondern „nur“ noch ca. 24.950 €uro.

          Trotzdem bleibt die Frage offen, wie die Schweiz zu diesem tatsächlich hohen Pro-Kopf-Verschuldungsgrad kommt. Die CH ist kein Mitglied der EU und NATO, bescheinigt sich dauernd eine hohe Finanz- und Fiskal-Kompetenz, hat scheinbar und sich selber attestierende ordentliche Verhältnisse bei der öffentlichen Hand und so weiter und so weiter.

          Die schweizerischen Kosten für die letzte größere Eingliederung von Kantonen aus der Zeit von 1803 / 1815 und die Bundeswerdung von 1848 dürften inzwischen auch schon abbezahlt sein.

          Was mir persönlich am Schweizersystem gefällt ist deren Wahlspruch: „Unus pro omnibus, omnes pro uno“!

          • Marcel Senn sagt:

            @Dombeck: Im Verhältnis zum BSP ist die Gesamtverschuldung der CH ja „nur“ bei rund 52% – damit wären wir sogar Maastrichttauglich.
            Ueber die Gründe der schweizerischen Verschuldung – einerseits ein gewisser Hang zum Perfektionismus, was halt nicht günstig ist, die Sozialleistungen sind auch auf hohem Niveau (z.B. Arbeitslosengeld bis zu über Fr. 7000.– für ledige), Fürsorgeleistungen sind auch auf hohem Niveau im Vergleich zum Ausland, dann Tunnelröhren bauen durch die Alpen ist nicht billig, Entwicklungshilfe 0.5% des BNI, unsere „beste Armee der Welt“ kostet auch was usw usw viel Kleinmist macht halt auch einen grossen Haufen

  • Es ist gefährich, zu sagen „solange ich lebe“. Da könnten einige auf dumme Gedanken kommen…

    • Anh Toan sagt:

      @Ralph Sommerer; Ich verstehe „solange ich lebe“ anders als „nur über meine Leiche“, was die Boulvardpresse gerne falsch zitiert: Erstes kann als Umschreibung der Zeit verstanden werden, die es braucht, für europäische Bonds mit den notwendigen „flankierenden“ Massnahmen, sprich einen europäischen Bundesstaat. Dies wird wohl länger dauern, als die Lebenserwartung (nicht nur „Kanzlerschaftserwartung“) Frau Merkels. Letzteres beinhaltet aktiven Widerstand bis zur Opferung des eigenen Lebens, was, wie Sie schreiben, durchaus dumme Gedanken entstehen lassen könnte, welche aus Sicht der Befürworter nicht einmal dumm wären, schliesslich kann das Ziel nur „über die Leiche“ erreicht werden.

      • Tatsächlich bin ich aus einem seltsamen Reflex heraus gar nie auf die Idee gekommen, den Ausdruck „so lange ich lebe“ anders als „nur über meine Leiche“ zu verstehen. Die zweite — zeitbezogene — Deutung scheint mir aber nach ihrer Erklärung nun auch nicht ganz unplausibel.

  • Giordano Bruni sagt:

    Mario Monti ist in jeder Hinsicht der gewieftere Verhandler, wäre er Regierungschef von Deutschland, gäbe es nicht 17 Leerlaufsitzungen. Angela, tut mir leid, war schon immer ein „chicken“, komischerweise mit Hosen. Kann als Unikat bezeichnet werden. Wenn sie einmal den Mut aufbringt, einen Rock anyuyiehen, dann werden sogar die Zeiungsberichte mit GROSSEM Interesse gelesen. Also Forza Italia, die erste Schlacht (2:1) gegen die BESSEREN, ist schon gewonnen.

  • Chris sagt:

    Glaubt wirklich einer der Kommentatoren , dass sich nach öffnen des deutschen Geldhahns in den südlichen Ländern etwas ändern würde. Die Länder hatten 10 Jahre Zeit ihre Strukturen zu ändern. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende !!!!!!!! Merkel hat recht , wenn sie auf Kontrollen besteht. Kein Mensch bei klarem Verstand würde auf so etwas verzichten. Übrigens wer hievt die US- Märkte, und berichten Sie doch bitte über die „Effizienz“ der englischen und amerikanischen Interventionspolitik in Relation zum Erfolg – volumensmässig.

    • Cornelis Bockemühl sagt:

      Es geht um keinen Geldhahn, sondern es geht um Zinsen! Die, wenn sie zu hoch steigen, die Schulden untragbar machen.

      Und diese Zinsen reflektieren schlicht und einfach die Tatsache, dass zwischen den Euro-Ländern keine sinnvolle Kooperation besteht. Wäre hingegen nur schon der Wille zur Kooperation gegeben und sichtbar, würden die Zinsen automatisch sinken. Dass genügend Kapitalien da sind ist keine Frage: Warum sonst würden Länder wie CH und D sie sogar zu negativen Zinsen hinterher geworfen bekommen?

      Also kurz: Von Geldhahnen kann hier absolut keine Rede sein, aber von glaubwürdiger Zusammenarbeit sehr viel!

      • Anh Toan sagt:

        @Cornelis Bockemühl: Ich schlage Ihnen eine sinnvolle Zusammenarbeit vor: Sie haften für alle Schulden die ich mache, unbegrenzt solidarisch: Ich behaupte, ein Zivilrichter würde den entsprechenden Vertrag als unsittlich und damit nichtig bezeichnen, eine derartige „Selbstaufgabe“ Ihrerseits kann genauso wenig Inhalt eines Vertrages sein, wie eine allfällige Erklärung, sich als Sklaven zu verkaufen.

        • Linus Huber sagt:

          Damit sprechen Sie den Kern des Problems an.

        • Oliver sagt:

          Die Höhe der Schulden, die jeder Staat machen darf sind in einem Vertrag namens Maastricht festgehalten. Diejenigen Länder, die sich musterhaft daran hielten (Spanien und Irland) werden nun mit aller Härte bestraft, während der Staat, der sich konsequent darum foutierte und ökonomisch dadurch profitierte (Deutrschland) nun von ober herab moralisiert. Und anstatt einzusehen, dass die Kriterien an sich kontraptoduktiv sind, werden diese nun noch mit dem neuen Fiskalpakt verschärft. Eine Idiotie nach der anderen….

          • Anh Toan sagt:

            @Geregelt ist die Höhe der Schulden, die ein Staat machen darf, nicht geregelt ist die Höhe der Schulden, die ein Staat machen kann. Da liegt das Problem einer unbegrenzten Haftung. Die ganzen Rettungsschirme sind auf Summen begrenzte Instrumente, im Gegensatz zu unlimitierten Eurobonds.

      • Anh Toan sagt:

        @Cornelis Bockemühl: Eine derart strenge Solidarhaftung gibts nicht mal unter Ehegatten. Die Forderung nach Eurobonds ohne die notwendigen Voraussetzung, eine deutlich stärker integrierte Union“ ist „Entschulding,aberwiekannichjetztnichtBockmüllschreiben?“.

      • Oliver sagt:

        Herr Bockemühl hat recht, es geht vorerst nur um die Zinsen. Sobald den Ländern die Finanzierung zugesichert wird, sinken diese automatisch, ohne dadurch auch nur einen Heller mehr Staatsausgaben zu verursachen.

        Die gemeinsame Haftung gibts es auch schon lange – sie heisst Euro. Wenn das den Deutschen nicht passt, können sie aussteigen (Ich denke übrigens nicht, dass dies in ihrem Interesse wäre…). Die einzige Frage ist, ob die Eurozone insgesamt leistungsfähiger wird, wenn man die hälfte seiner Mitglieder aushungert und finanziell gegen die Wand fahren lässt, oder wenn das Zentrum solidarisch auftritt und hilft, die Wand aus dem weg zu räumen. Die Wahl ist zwischen einer überdimensionierten Bananenrepublik mit einigen Wohlstandsinseln im Zentrum oder einem einigermassen im Gleichschritt voranschreitenden föderalen Konstrukt – am besten natürlich mit möglichst hohem Wachstum. Dies war die ursprüngliche Idee. Merkel handelt in ihrem eigenen, kurzfristigen Interesse dagegen.

        Zürich könnte sich auch auf den Standpunkt stellen, die faulen Walliser und Jurassier würden durch den Zahlungsausgleich zwischen den Kantonen nur verwöhnt und selbst die hinterletzten Täler würden automatisch zu neuen high-tech Eldorados aufblühen, wenn man ihnen nur den Geldhahnen zudrehen und die Bevölkerung mit genügend Arbeitslosigkeit und einem kompletten Abbau aller Sozialleistungen disziplinieren würde. Den meisten Schweizern ist intuitiv klar, dass das Humbug ist. Aber auf Europäischer Ebene ist man scheinbar noch nicht so weit. Das Austeritätsmantra ist jedenfalls kompletter Müll und bei den sogenannten Reformen geht es immer nur darum, die Position der Arbeitenden gegenüber dem Kapital zu schwächen. Wachstum und Wohlstand bringt das nicht, schon gar nicht für die, die es nötig hätten. Und von dem konservativen Diszpilinierungswahn habe ich auch die Schnauze voll. Wer sagt eigentlich, dass Deutschland das Mass aller Dinge zu sein hat? Wer ist überhaupt diese Frau Merkel?

        • Anh Toan sagt:

          @Oliver; Im Prinzip hast Du ja recht, aber die Griechen und Italiener wollen mit 55 in Rente und dafür sollen die Deutschen bis 67 arbeiten! Sie wollen bei tieferen Lebenshaltungskosten höhere Renten als in Deutschland.

          Merkel könnte dem gar nicht zustimmen, nicht mal das Parlament, das Verfassungsgericht würde sie stoppen.

        • Anh Toan sagt:

          @Oliver: Wenn Haftung geteilt werden soll, müssen Souveränitätsrechte abgegeben werden. Haftung kann nur gemeinsam übernommen werden für gemeinsam getragene Entscheide. Wie funktioniert Gesellschaftsrecht oder Familienrecht?

          • Oliver sagt:

            Das ist so. Aber darauf zielen ja die Reformvorschläge von von Rompuy und Co., gegen die sich Merkel stellt, hin. Und wie gesagt, die gemeinsame Haftung ist via dem Euro eh schon Fakt. Aber ja, das mit dem Verfassungsgericht ist tatsächlich ein politisches Problem, auch wenn es inhaltlich meiner Ansicht nach eher archäologischer Natur ist.

            Und das mit den Renten kann ich nicht ganz glauben. Hast du Fakten dazu? Die griechischen Angestellten arbeiten jedenfalls mehr Stunden als die Deuschen und das produktiveste Gebiet Europas ist der Norden Italiens. Ausserdem halte ich die Anhebung des Rentenalters auf 67 für ökonomischen Unfug. Wenn plötzlich 2 Jahrgänge sparen anstatt zu konsumieren, kann das im momentanen Umfeld nicht hilfreich sein.

            Die Gründe für Produktivitätsunterschiede sind auch viel komplexer als irgendwelche rigiden Arbeitsmärkte oder zu hohe Sozialleistungen und sie stellen auch kein wirtschafltiches Problem dar. Wenn überhaupt, dann geht es um die Unit Labour Costs, wobei diese eine ziemlich umstrittene Messgrösse sind. Warum hat Google seinen Sitz in Zürich und nicht in Spiez? Bringt es was, wenn man die Löhne in Spiez von heute auf morgen halbiert? Und wem bringts was?

          • Anh Toan sagt:

            @Oliver; Ich habe schwere Bedenken, dass die erwartete rasante Zunahme der Lebenserwartung ohne Anhebung der Rentenalter finanzierbar ist. Ich denke man muss beim Rentenalter unterscheiden zwischen einem Bauarbeiter und einem Anwalt. Und es wird normaler werden, einen „sabbatical“ zu nehmen und dann wieder zu arbeiten. Ich meine, Renten sind durch ein Grundeinkommen zu ersetzen.

            Ich setze mich nicht detailliert mit dem italienischen und griechischen und deutschen und und Rentensystem auseinander, das ist sehr komplex.(Das gesetzliche Rentenalter ist ähnlich in Griechenland und Italien wie in Deutschland, jedoch sind die Regeln für Staatsangestellte viel besser und davon gibt es viele in Griechenland und Spanien). Es iist irrelevant ob es so ist, es genügt, dass es so dargestellt werden kann. Dem deutschen Volk ist der Souveränitätsverlust Deutschlands aus Eurobonds nur dann verkaufbar, wenn sich dies nicht so darstellen lässt, wie ich es gemacht habe, und dazu ist die Harmonisierung, sprich der Souveränitätsverlust notwendig.

            Und wenn es stimmt, dass Deutschland ohnehin haftet, waren die Banken doch doof, den Haircut in Griechenland zu akzeptieren?

          • Anh Toan sagt:

            @Oliver: Vielleicht ist Merkel nach der Wahl ein klein bisschen weniger hart. Das wichtigste in ihrem Job ist wiedergewählt zu werden, all ihre Kollegen haben dies nicht geschafft, Merkel wird sich wohl noch eine Weile kritisieren lassen.

          • Anh Toan sagt:

            Der Gipfel hat gezeigt, wie Haftung nur geteilt werden kann, wenn die Entscheidfindung geteilt wird: Die Spanier wollten direkte Hilfe für ihre Banken, dem konnte Merkel so lange nicht zustimmen, wie die Banken spanischer Aufsicht unterstehen. Unterstehen diese europäischer Aufsicht (EZB), kann Merkel zustimmen.

            @Oliver: Hast Du beim Gipfel gesehen, wie hart die Südländer verhandeln? Sie drohten mit Ablehnung des Wachstumspakts. Wie bitte, sowas haben sie doch immer lautstarkt gefordert? Ja klar, aber jetzt braucht Merkel (und Hollande) den Wachstumspakt wegen der Zustimmung der SPD zum Fiskalpakt (Hollande auf Grund seiner Wahlkampfversprechen), also sind Italien und Spanien gegen den Wachstumspakt, bzw nur dafür, wenn Merkel im Gegenzug weitere Zugeständnisse macht.

            Die moralisierende Sichtweise mit den fleissigen und ehrlichen Deutschen und faulen und tricksenden Südländern ist genauso falsch, wie die moralisierende Sichtweise der bösen ausbeutenden, ihre Wirtschaftsmacht ausnutzenden Deutschen (Mercedes fahrende Kapitalisten), welche die armen unschuldigen Südländer (das unschuldige Proletariat), nun da sie unten sind, da halten wollen, indem sie ihnen Austerität aufzwingen, welche zwingend in den Abgrund führe. Was @Chris formuliert „und berichten Sie doch bitte über die “Effizienz” der englischen und amerikanischen Interventionspolitik in Relation zum Erfolg – volumensmässig.“ sagt sehr viel über die (Nicht-)Wirkung von Deficitspending.

          • Oliver sagt:

            Ja, es sind alle gleich gut oder schlecht, was nicht heisst, dass sie auch gleich viel Macht besitzen.

            Der Wachstumspakt ist ein Witz und das Papier nicht wert, auf dem er festgehalten ist. Die Maastricher Kriterien hiessen auch ‚growth and stability pact‘. Gebracht haben sie vor allem Stagnation und Instabilität.

            Bez. USA / UK weiss ich nicht ganz genau, wovon die Rede ist. Die Engländer zumindest brillieren in selbst auferlegter Austerität, dass einem die Ohren nur so wackeln. Das Absurde ist, dass solche Sparübungen wegen ausbleibender Steuereinnahmen und erhöhter Arbeitslosigkeit zu höheren Staatsdefiziten führen… Wenigstens haben diese Transferzahlungn als Zweitrundeneffekt eine stabilisierende Wirkung, zumindest solange die Sozialwerke nich auch noch abgebaut werden. Sie sind dran. Und über die Ineffektivität von monetären Eingriffen wie QE habe ich schon einige Male geschrieben. Das Problem entsteht schon dann, wenn man irgendeine Geldmenge definieren muss. Die klassische Lehre ist hier viel zu eng und simplistisch und verkennt tatsächliche Kausalzusammenhänge in der Ausweitung von Kreditaggregaten, um relevant zu sein.

        • Maria sagt:

          Oliver geht von der naiven Idee aus, dass Schuldengarantie unbedingt zu niedrigeren Zinsen innerhalb der EU fuehren wird. Er hat das Spiel der Finanzakteure immer noch nicht begriffen. Die Euroregion wird nie 10 Jahre Zeit haben, um leistungsfaehiger zu werden. Dies koennen sie sowieso kaum unter dem Euro. Dies zeigt auch die Erfahrung der Vergangenheit. Der Markt wird auch unter Eurobonds nur maximal zwei bis drei Jahre warten. Denn Frankreich wird bald einmal sein A-rating verlieren. Dann haftet D praktisch alleine fuer die ganze Euroregion. Wenn China nicht waechst, gibt es auch in der EU kein Wachstum, denn die USA werden noch eine Weile vor sich hinkraenkeln. Besonders falls Obama wiedergewaehlt wuerde. Dies wird automatisch D finanziell so unter Druck setzen, dass es leicht sein wird, gegen die Eurobonds zu wetten. Wenn die Zinsen auch fuer D raufgehen, wird es rasch brenzlig werden. Der Vergleich mit CH Regionen ist sowieso schlecht, den die Schweiz hat doch mehr oder weniger das gleiche Arbeitsethos, gleiche Grundregeln, und relativ wenig Korruption. Der Club Med ist da in allen Belangen deutlich anders organisiert.

          • Oliver sagt:

            Siehe Japan, USA, UK, AUS etc… Allesamt haben niedrige Zinsen. Der Fehler liegt darin ein System zu konstruieren in dem die Zinsen auf Staatsanleihen tatsächlich durch Märkte bestimmt werden.

  • Anh Toan sagt:

    Merkel wäre tatsächlich ein Huhn, wenn sie freiwillig auf ihre Wiederwahl verzichten würde!

  • Marcel Senn sagt:

    Und wer garantiert Merkel, wenn sie in Brüssel das Chicken ist, dass sie zuhause nicht als Brathähnchen endet? Während sie mit einem Mercedes gegen einen Fiat eine viel grössere Chance hätte. Sie hats nicht einfach, die gute Frau und jetzt wo sie von Jogi auch noch im Stich gelassen wurde, ausgerechnet gegen die Italiener…

    • Alois Krieger sagt:

      Sie hätte jetzt zuhause eingestehen müssen, dass sie bereits fast 1 Trilliarde in den Sand gesetzt hat oder sie macht gute Miene zum Bösen spiel und wirft Geld hinterher in der Hoffnung, die Italiener und Spanier werden dann in Zukunft immer noch beteuern, die Schulden bezahlen zu wollen.

    • André Dünner sagt:

      Das ist sie ja bereits schon. Das Brathähnchen, meine ich. Denn den Euro hat sie denn doch tüchtig verbraten. Und das Volk hat bereitwillig genickt.

      Das Murren ist nun bis über den Atlantik zu vernehmen. Doch die Arroganz der U.S.-Amerikaner (Republikaner = CDU/CSU) mit der diese dem teils an finanziellen Krücken humpelnden Volk zusetzen, ist sehr vergleichbar.

      Will nun nicht ketzerisch wirken. Jeder macht in Projekten Fehler. Absolut jeder. Doch die Kontrollstellen haben jeweils versagt.

      Die Frage ist wohl nun zu beantworten, wer kommt jetzt aus der selbstgeschaffenen Finanzweltkriese wieder schneller raus?! Dies bleibt wohl noch abzuwarten.

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