Die einflussreichste Kaderschmiede

Massachusetts Intitute of Technology. (Bild: MIT)

Hat wichtige Entscheidungsträger im Bereich der Wirtschaftspolitik hervorgebracht: Massachusetts Institute of Technology. (Bild: MIT)

Die Universität Zürich ist zu Recht stolz auf ihr Institut für Volkswirtschaftslehre. Es gehört zu den besten im deutschsprachigen Raum und wird auch im übrigen Europa und den Vereinigten Staaten stark beachtet. Auch an den übrigen Schweizer Universitäten haben die VWL-Institute in den letzten Jahren stark zugelegt, wie die Rangliste von RePec belegt. Die Ökonominnen und Ökonomen suchen den direkten Wettbewerb mit dem Ausland und können offensichtlich mithalten.

Der Weg zu obersten Spitze scheint aber noch weit zu sein. Gemäss RePec sind 16 der 20 leistungsstärksten VWL-Institute der Welt amerikanisch. Nur Oxford, Toulouse, Barcelona und Paris sind in der Spitzengruppe vertreten. Zürich liegt auf Rang 59. Natürlich fällt jedes Ranking etwas anders aus. Aber die Tendenz ist überall dieselbe: Die US-Universitäten dominieren die VWL nach wie vor.

Ihr grosser Einfluss beruht nicht nur auf den Publikationen und Zitationen, sondern auch auf der Ausbildung von zukünftigen Entscheidungsträgern. Dabei sticht ein VWL-Institut besonders heraus: das Department of Economics am MIT. Praktisch alle wichtigen Entscheidungsträger in der internationalen Währungspolitik haben ihr Studium dort abgeschlossen: Ben Bernanke, Mario Draghi und Olivier Blanchard, der seit 2008 als Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) arbeitet und die Grundpositionen der Institution fundamental verändert hat. Blanchard, ein gebürtiger Franzose, hat nach allem, was man hört und liest, enormen Einfluss auf Christine Lagarde, die ehemalige Finanzministerin unter Sarkozy und seit Juni Managing Director des IWF. Auch in der Arena der öffentlichen Meinung dominieren MIT-Absolventen: George Akerlof, Paul Krugman, Gregory Mankiw, Kenneth Rogoff, Joseph Stiglitz und Robert Shiller. Im Bereich der internationalen Wirtschaftspolitik ist der Einfluss des MIT überwältigend. Es ist in diesem Bereich die einflussreichste Kaderschmiede der Welt.

Dabei waren es bei Bernanke, Draghi und Blanchard eigentlich nur zwei eingewanderte Professoren, die einen entscheidenden Einfluss ausübten: Rudi Dornbusch und Stanley Fischer. Dornbusch (*1942) stammte aus Nordrhein-Westfalen, studierte an der Universität Genf und brach Ende der 1960er Jahre nach Chicago auf, um dort zu doktorieren. 1975 kam er als Professor ans MIT. Leider verstarb er bereits 2002  im Alter von 60 Jahren. Stanley Fischer wuchs in Rhodesien (Zimbabwe) auf, studierte in London und übernahm 1977 eine Professur am MIT. Seit 2005 ist er Chef der israelischen Zentralbank. Dornbusch und Fischer begeisterten die Studierenden dadurch, dass sie die Ökonomie nicht nur als akademische Tätigkeit betrieben, sondern immer die Anwendung der Theorie auf konkrete wirtschaftspolitische Probleme («economics about the real world») einforderten.

Wenn sich also die führenden Notenbanker und Wirtschaftspolitiker jeweils im Frühling und Herbst am IWF-Treffen in Washington einfinden, so ist das im Wesentlichen eine Klassenzusammenkunft von MIT-Absolventen, die bei Dornbusch und Fischer studiert haben. Die Globalisierung ist eine Tatsache, aber die Welt der wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger ist immer noch sehr überschaubar und amerikanisch geprägt.

Keine Kommentare zu «Die einflussreichste Kaderschmiede»

  • Michael Schwarz sagt:

    Wenn die geldpolitische Entscheidungen, die heute globale Dimension erreichen, von wenigen Personen getroffen werden, was wiederum von der Laune des Entscheidungsträgers abhängig ist, laufen wir in die Gefahr der kurzfristigkeit und einseitiger Wahrnehmung. Es ist nicht die Frage von akad. Titel oder Pubblikation, sondern die Betrachtungsweise eines Problem, bzw. deren Wahrnehmung. Wenn alle das Gleich denken und Wahrnehmen, ohne sich grundlegend zu unterscheiden, entsteht Blindsfleck, der Blindsfleck in der Wirtschaftwissenschaft ist riesig, nach soviele Jahre beginnen wir erst dieses Problem zu erkennen.

  • Andres Müller sagt:

    Das Wissen aus der Kaderschmiede aus welcher Draghi zum EZB -Chef aufstieg konnte das Desaster nicht verhindern:

    Die LTRO-Injektionen der EZB in das europäische Bankensystem sind wirkungslos für die Realwirtschaft verpufft, sie dienten rückblickend offenbar der Kapitalflucht via Target2-System und weder die Kreditvergabe im Interbankenmarkt noch die Kreditvergabe an die Realwirtschaft wurde spürbar erleichtert. Im Gegenteil, ein Teil des billigen Geldes wurde von den Banken genutzt um sich selbst aufzukaufen, also die eigenen Anleihen. Gemeldet von der Realwirtschaft wird keine Erleichterung bei Kredtanfragen an die Banken, sondern im Gegenteil werden immer mehr Kredite abgelehnt, besonders sort wo Kapital benötigt würde, in den PIIGS Staaten.

    Die weiter operative Geldmenge welche die Banken sofort von der EZB abgerufen hatten lagern heute nacht auf dem Konto der EZB >803 MILLIARDEN Euro.

  • Ist es typische Schweizer Bescheidenheit, oder ist es der Röstigraben, dass eine der besten Kaderschmieden der Welt nicht genannt wird? Das IMD in Lausanne belegt weltweit Rang 1 im MBA program (Forbes) und gilt als zweitbeste Business School auf der Welt (Financial Times).

    • Mike Keller sagt:

      Das IMD ist ein fantastisches Institut für Management Education aber eher unbedeutend für Economics (Macro). Wenn ich jemals wieder zurück in die Schweiz kommen sollte, dann müsste es schon ein Job beim IMD sein. In den USA, wo ich lebe, geniesst diese Schule einen excellenten Ruf.

  • Michael Schwarz sagt:

    Das These „die derivative Finanzinstrumente den Finanzmarkt stabilisiert werden.“ ist der grösste Irrtum in letztem Jh. Die Behauptungen, die von Starökkonomen in letzten 30 und 40 Jahren aufgestellt haben, lösen in die Luft. Die Geldpolitik, die den Fed funktioniert nicht, weil wir mit dem Systemproblem zu tun haben, dies lässt sich nicht mit der Liquidität beheben. Die Förderung der US-Ökonomen wie Paul Krugman zeigt, dass sie das Kernproblem in der US-Wirtschaft bis heute nicht mal annähend analysiert und erkannt haben. Die USA und Europa haben ein strukturelles Problem, somit steckt die Lösung in Systemreformen und die Veränderung der Wahrnehmung.

    Das habe ich schon vor 3 Jahren geschrieben, das Finanzsystem und Währungssystem müssen dringend reformiert werden, womit die Stabilität des Währungsystems und Finanzsystems wiederhergestellt werden. Haben die US-Ökonomen und Wirtschaftspolitiker das Kernproblem verstanden, ein eindeutiges Nein. Sie sind nicht mal in der Lage die Krise in 2001 und 2008 richtig zu begründen – die Internetblase und Immobilienkrise sind für die Krise nicht verantwortlich.

  • Linus Huber sagt:

    Hier möchte ich den Konsum eines Interviews mit Ann Pettifor empfehlen. Frau Pettifor sah die Kreditkrise im Jahre 2003 voraus und erklärt die Schwächen des gegenwärtigen Bankensystems sowie wie man auf politischer Ebene Veränderungen vorantreiben kann. Es betrifft zwar nicht direkt den Blogtitel, dürfte aber trotzdem relevant sein.

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=La4JEwyr094#!

  • Andres Müller sagt:

    Die auf die Ökonomie einflussreichsten Institute der USA sind:

    Lernschulen:

    Harvard University
    Dartmouth College
    Princeton University
    Stanford University
    Yale University
    Massachusetts Institute of Technology
    Case Western Reserve University
    Brown University
    Columbia University

    Denkschmieden:
    The Council on Foreign Relations
    The Trilateral Commission
    The Bilderberg Group
    The Asia Society
    The Population Council
    The Council of the Americas
    The Group of Thirty
    The World Economic Forum – David.
    The Brookings Institution – Junior.
    The Peterson Institute .
    The International Executive Service Corps .
    The Institute for Pacific Relations
    The League of Nations
    The United Nations
    The United Nations Association
    Cornell University
    University of Pennsylvania

    Derzeit wichtigstes Institut in Europa: Bruegel

    Sämtliche Institute werden mehr oder weniger von der Rockefeller Foundation gesteuert und auf jeden Fall mitfinanziert.

    Zu dem Blog-Artikel hatte ich deshalb die erste Intuition Geld > Einfluss > Kaderschmiede , folge dem Weg des Geldes.

  • Uwe Kuhl sagt:

    @all: Ich sehe das Thema eher aus der europäischen Perspektive. Und somit freue ich mich über das „Dagegenhalten“ der Uni Zürich gegen die amerikanische Vormachtstellung in dem Bereich. Eine europäische Kaderschmiede täte uns per se gut. Und wenn ich ehrlich bin: Lieber in der Schweiz als in GB.

  • Timotheus Pfeiffer sagt:

    In Anbetracht der Schäden, welche die ungebremsten Kapitalmärkte bisher verursacht haben, wäre ich auf diese so-genannten ‚Elite-Universitäten‘ nicht gerade stolz. Die Entwicklungen der letzten Jahre lassen eher darauf schliessen, dass die hübschen Theorien nichts anderes als Gedankenspiele sind, die mit der Realität nicht viel gemein haben. Wie sonst kann man es sich erklären, dass die aktuellen Schwierigkeiten von keinem namhaften Modell vorhergesagt wurden?

    Mein Schluss ist klar; eine richtige wissenschaftliche Disziplin unterwirft sich der wissenschaftlichen Methode. Auf eine Theorie folgt eine Vorhersage, trifft diese nicht ein müssen die Modelle verworfen werden. Gerade aber dieses ‚verwerfen‘ erfolgt in den Wirtschaftswissenschaften nicht. Stattdessen versucht man, alte Modelle zu rechtfertigen und versteckt sich hinter Floskeln wie ‚Chaotisches System‘ und ‚Zu hohe Komplexität‘. Ergo handelt es sich bei den Wirtschaftswissenschaften keineswegs um Wissenschaft, sondern lediglich um Augenwischerei und Scharlatanerie.

    • Bingo! Studenten der Wirtschaft sollten Ihren zweiten Paragraphen jeden Morgen wie den Amerikanischen Fahneneid aufsagen müssen (mit Anwesenheitskontrolle, sonst keine Kredite).

    • Linus Huber sagt:

      Richtig Tim, oder was unser aller Freund Greenspan kürzlich in einem Interview von sich gab: „Die menschliche Natur“

      Im gleichen Interview wurde klar sichtbar, dass das Fed im Grunde keine Ahnung hat, was sie mit ihren Aktionen schlussendlich bewirken sondern es nur darum geht, die Zuversicht der Menschen zu manipulieren (Vertrauen in die Zukunft schaffen).

    • Mike Keller sagt:

      Ich stimme Ihnen gar nicht zu. Wenn Sie die letzten 100 Jahre betrachten geht es den Menschen im Westen deutlich besser, auch wenn es immer wieder Rückschläge wie die Finanzkrise gibt. Wenn ich Ihrem Argument folgen sollte, müsste man zum Beispiel die meisten Aerzte genau so verdammen wie Sie dies mit den Oekonomen tun. Denn Aerzte geben sehr oft falsche Diagnosen und Beratungen ab, sodass sogar Menschen sterben. Biologen haben bis heute nicht das Wunderheilmittel gegen Krebs oder Aids gefunden und forschen wie die Verrückten danach. Meteorologen dürfte man auch nur noch als Scharlatane bezeichnen usw. Ich glaube, Sie erwarten einfach nur unmögliches. Man kann eben das menschliche und gesellschaftliche Verhalten nicht bis ins letzte Detail voraussagen – und ebenso wenig gewisse Krankheiten und Seuchen oder das liebe Wetter. Für sowas gibt es Wahrscheinlichkeits-Modelle und mehr nicht.

      • Linus Huber sagt:

        Gewisse Aspekte des Gesundheitssystems könnte man sicherlich massiv kritisieren, da die Anreize falsch gesetzt werden.

        In Bezug auf die Entwicklungen der letzten 100 Jahre muss man schon ein wenig vorsichtig sein, diese nur positive einzustufen, wenn man die Depression und den 2. Weltkrieg berücksichtigt. Wo man lebte hat mit Einfluss, wie positive es war (Vietnam, Iraq etc.). Ich würde diese Einschätzung erst in ein paar Jahren vornehmen, nämlich nachdem die Probleme, welche über die letzten 30-40 Jahren aufgebaut wurden auch gelöst worden sind.

        • Anh Toan sagt:

          @Linus Huber: Hätten Sie vor hundert Jahren gelebt, würden Sie die Einschätzung nicht in ein paar Jahren vornehmen wollen, das Risiko wäre zu gross, dass Sie in ein paar Jahren bereits tot wären. Es wurden nicht nur Probleme aufgebaut die letzten 30-40 Jahre, weltweit haben sich harte Indikatoren (Kindersterblichkeit, Lebenserwartung, etc.) weltweit praktisch überall deutlich verbessert.

          Ihr Wohlstandsgejammer (Arme kann man nicht Enteignen, die haben kein Eigentum), Ihre Pseudoempathie (Die armen Vietnamesen, die armen Iraker, aber Ihre 10’000 wollen Sie nur Schweizer Bürgern und nicht allen Niedergelassenen Einwohnern zukommen lassen) gehen mir auf den Sack.

          Machen Sie aus 1% zu 99% 10% zu 90%, und betrachten dies global, gehören Sie wohl zu den 10%!

          • Linus Huber sagt:

            Richtig erkannt. Die Schweiz gehört weltweit zu den 1%. Dies ist eigentlich auch ein Problem in vielen Diskussionen, da wir natürlich durch die notwendige Einschränkungen für der kreditkreierenden Institute unverhaeltnismaessig stärker betroffen sein dürften.

            Es geht hier nicht um arme Vietnamesen, sondern nur um eine ausgewogene Ansicht zu gewinnen. Ebenfalls vermittelt Mike Keller’s Beitrag das Gefühl, dass diese allgemeine Entwicklung den Entscheidungsträgern zu verdanken wäre, was ich eher bezweifle.

          • Mike Keller sagt:

            @Linus Huber: Timotheus Pfeiffer spricht von Schäden, welche der ungebremste Kapitalismus dank den Elite-Universitäten verursacht hat. Ich sage nicht, dass wir aufgrund der Oekonomen irgendwie erfolgreicher sind, aber wenn man die letzten 100 Jahre beizieht, darf man schon sagen, dass es den Menschen im Westen besser geht als vor 100 Jahren. Auch darf man behaupten, dass der sog. ungebremste Kapitalismus mit all seinen Schwächen und Opfer jegliches Konkurrenzsystem überlebt hat. Ich lasse mich aber sehr gerne von anderen Formen überzeugen, wie z.B. den Staatskapitalismus in China. Mal schaun wie sich dieser behaupten wird in den nächsten 50 Jahren.

        • Anh Toan sagt:

          @Linus Huber: Habe noch keinen Vietnamesen getroffen, der sich aufgeregt hat, über meinen Einwand, dass sie vielleicht den Krieg mit den USA besser verloren hätten. Japan und Deutschland haben ihre Kriege verloren, wo stehen sie heute. Vietnam hat gewonnen, Nordkorea hat gewonnen, ich weiss nur nicht, was ausser dem Krieg sie gewonnen haben.

      • Taric Trent sagt:

        Zur Ehrenrettung der Ökonomie wären ein paar richtige Theorien angebracht, aber keine Vergleiche mit anderen Disziplinen. Das ist die Gretchenfrage nach der Tauglichkeit einer wissenschaftlichen Disziplin, die Herr Pfeiffer hier meint. Wenn sie zu einem Phänomen keine richtigen Vorhersagen machen kann, dann kennt sie die dem Phänomen innewohnenden Gesetze nicht. Falsche Theorien sowie Unwissen gehören zur Wissenschaft, ohne sie wäre sie nicht dankbar, solange es ein paar richtige Theorien gibt ist alles im Lot.

        Es mag in diesem Licht auch verständlich erscheinen, dass eine Frage der Queen of England an einer Wissenschaftskonferenz warum eigentlich niemand die Kreditklemme vorhersehen konnte, in den Reihen der Wissenschaftler grosse Bemühungen und Selbstkritik auslöst.

        Die Story: http://www.welt.de/die-welt/kultur/article4988968/Auf-der-Suche-nach-dem-wahren-Fortschritt.html

        • Mike Keller sagt:

          @Taric Trent: Die Vergleiche zu anderen Wissenschaften habe ich beigezogen, denn Herr Pfeiffer hat klar folgendes erwähnt: „Ergo handelt es sich bei den Wirtschaftswissenschaften keineswegs um Wissenschaft, sondern lediglich um Augenwischerei und Scharlatanerie“. Das ist doch ein sehr gewagtes und kräftiges Statement. Und im übrigen haben einige Wissenschafter auf die Immobilien- und Finanzkrise hingewiesen – auch wenn es die Queen nicht gehört hat. Es ist letztlich auch die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt, welche oft Tatsachen ignorieren – eine menschliche aber nicht zwingend wissenschaftliche Tugend.

  • Martin Lienert sagt:

    Alles Quatsch – wenn die Deppen im MIT nicht teuflisch verseucht waeren, koennten sie die Kriege stoppen, Umwellt und Energie probleme loesen usw usw….warum soll ich vore diesen Typen niederknien?

  • Linus Huber sagt:

    Ich glaube noch interessanter wäre die Untersuchung, welche von den heutigen Entscheidungsträgern früher bei Goldman Sachs tätig waren.

  • Betschart sagt:

    Wie kommen diese Ranglisten zu stande? Wohl wirklich wie der Titel besagt, auf Grund des Einflusses? Auf Grund des Volkswohls das ihre Le(e)heren produzieren wohl kaum. Wir stecken in einer mehrschichtigen und vielseitigen Krise und alles was unsere Wirtschaftselite hervorbringt sind Sparprogramme, nachdem sie in der vorhergehenden Bankenkrise das Geld wahrlich aus dem Fenster geworfen haben. Wobei damit nicht gegen einen haushälterischen Umgang mit Geld – sprich Arbeitsleistung – geschrieben sei. Aber Millionen von Menschen nach Hause schicken ohne ihnen zu erklären wovon sie künftig leben sollen ist mehr als zynisch.
    Wir brauchen eine Ökonomie, die sich an den Bedrüfnissen der jeweiligen Bevölkerungen und Kulturen ausrichtet. Dazu müsste die Globalisierung aber schleunigstens mit sozialen Standarts und mit ökologisch nachhaltigen Rahmenbedingungen versehen werden. Damit würden Wettbewebsräume geschaffen die von gleichen Grundlagen getragen werden. Als extreme Beispiele: Schiffsabwrackungen an Stränden in Bangladesch oder Indien kämen da nicht mehr in Frage und Ausleiharbeiter auf CH-Baustellen die keine Unterkunft haben und kaum eine Ausbildung müssten auch die Herkunftsländer interessieren. Etwas „sanftere (für Ökonomen)“ Fakten sind, dass bei Submissionen die Art wie ein Produkt hergestellt wird, ob Ausbildungsplätze oder Menschen mit Behinderungen beschäftigt werden, als bestimmende Faktoren einbezogen werden.
    Auch das Prinzip der Verursacherkosten müsste konsequenter umgesetzt werden. Fragen sie mal einen Rückversicherer wie hoch die Haftpflichtprämien dann bei den unterschiedlichen Energieträgern wird. Viele Diskussionen wären dann sofort erledigt.
    Wenn ich von ökologischen Rahmenbedinungen schreibe, meine ich, dass wir den Fokus vom Umweltschutz auf den Menschenschutz wechseln müssten. Dann würden die Ökonomen wohl eher darauf kommen, dass es bei den Menschen um die Grundlage ihres Faches ginge und es nicht um ein ökonomisches Störmanöver linksgrüner Politiker geht.
    Eine so reformierte und nicht einfach deregulierte Ökonomie würde den Menschen wohl auch wieder die Zuversicht geben, dass sie, wenn sie es denn überhaupt noch haben, auch wieder Geld ausgeben. Wenn die Ökonomen diese Zuversicht schaffen und die Bevölkerung, die noch sparen konnte, 10% des Geldes ausgeben, das sie in den vergangenen Krisenjahren auf die hohe Kante gelegt haben, ausgeben, haben wir eine Hochkonjuktur, die uns wieder ganz andere Probelme beschert. Mit Sicherheit wären es dann aber nicht mehr die Staatsschulden.
    Ich bin aber sicher, eine Lehranstalt die solchen Ansätzen nachdenkt und sie zu entwickeln versucht wird zur Zeit auf dieser Rangliste nicht einmal in der Fussnote Platz finden.

  • Gregor Müller sagt:

    Leider kann man das „Ranking“ nur bedingt gebrauchen…. Man empfehle jedem die Lekture von PD, Dr. rer. pol. Matthias Binswanger.

    Sinnlose Wettbewerbe – Warum wir immer mehr Unsinn produzieren (http://www.mathias-binswanger.ch)
    (Bsp.: weltfremder Forschungen.. http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2012/01/wie-die-uni-oekonomen-versagen–die-theorie-der-prostitution-als-mahnmal/

    Wir leben in einer gekauften, politisch motivierten Schein-Objektivität, um Macht durchzusetzen – „sinnentleert“ und oberflächlich.

    Welch Wohltat, dass es noch intelligente, integere Professoren gibt.

  • Markus Grimm sagt:

    und diese US-Universitaeten haben sehr hohe Studiengebuehren – (was eben top Prof’s und Studenten anzieht) – die liebe Uni Zuerich verschenkt sich da geradezu!. Zumindest fuer Auslaender sollten die Studiengebuehren auf das internationale Top-Niveau angehoben werden – die Resultate werden sich in ein paar Jahren sehen lassen – akademisch (und fuer den Steuerzahler der nur blecht!); was „Gratis“ ist, kann nicht auf den vordersten Raengen sein!

    • Gregor Müller sagt:

      @ „dödel – mainstreamgeschwätz…“ – Kurz: Wer Qualität mit Preis gleichsetzt, disqualifiziert sich selbst.

      • Paul Weil sagt:

        Bin ich gleicher Meinung. Was hat Qualität den mit hohen Studiengebühren zu tun? Da kommen also nur die mit Geld rein, Intelligenz und Talent bleibt draussen?

        • karl manz sagt:

          Beispiel “ George Bush“ an Harvard und Yale? only mon ey can do that. He was not qualified but money and Daddy helped him get accepted.

      • Thomas Meier sagt:

        Das macht null Sinn. 1. Ziehen hohen Studiengebühren nicht gute Studenten an (sondern der Ruf der Uni), die Gebühren sind ein Hindernis für viele 2. Müsste die Uni Zürich davon profitieren, da gute Studenten, welche sich eine Top Uni nicht leisten können, eben auf günstigere Alternativen wie Zürich ausweichen. 3. Ist da kein Grund hier mal wieder die SVP-Stammtisch-PFZ-Anti-Ausländer-Keule rauszuholen. Gerade Top Unis sind bekannt dafür, besonders international zu sein und CH sollte eher darum besorgt sein, dass die Leute nach dem Studium hier bleiben (und arbeiten, forschen, Steuern bezahlen usw.), anstatt dass sie hier studieren.

    • Sandro sagt:

      Herr Grimm’s Aussage ist nur sehr teilweise richtig. Der Grund weshalb die top US Universitaeten so reich sind, sind viel mehr die Schenkungen die sie kriegen. Beispielsweise die Schenkung ueber 150 Millionen Dollar, die Stanford letztes Jahr erhielt fuer die Einrichtung eines Zentrums in Entwicklungsoekonomie, war lediglich „eine der groessten Schenkungen die Stanford im Jahr 2011 erhalten hat“, laut der New York Times.

      Selbst wenn man die Studiengebuehren auf das amerikanische Niveau von 20’000 pro Jahr anheben wuerde, brauchte man 7500 Studentenjahre, um auf 150 Millionen Einnahmen zu kommen. Und im Vergleich zu Stanford’s endowment von ca. 17 Milliarden sind 150 Millionen ein kleiner Teil.

      Und der Grund weshalb die Top Unis so gute Leute kriegen (und der Grund, weshalb ich an einer solchen Uni studieren kann) ist, dass sie von sehr vielen Studenten und von nahezu allen Doktoranden ueberhaupt keine Gebuehren verlangen, sondern grosszuegige Stipendien vergeben.

      • Mike Keller sagt:

        Genau so ist es. Und was man auch nicht vergessen darf. Die Professoren an den Top US Unis verdienen einiges mehr als ihre Kollegen in Zurich oder sonst wo in der Welt. Deshalb darf man schon sagen, dass man durchschnittlich betrachtet sicher die bessere Ausbildung erhält als an der Uni Zürich. Natürlich gibt es immer Ausnahmen.

    • Alois Krieger sagt:

      @Müller: Ich glaube kaum, dass die Chinesen in Hong Kong mit ihrem Hochschuhlranking unbedingt die amerikanischen Unis zuvorderst haben wollen. Etwas muss schon dran sein. Etwas mehr Wettbewerb würde den Schweizer Unis guttun.

      Ob es sich für die Schweiz lohnt, die Studiengebühren der Deutschen Studenten zu finanzieren, ist eine andere Frage. Wenn sie nachher hier arbeiten (und wir dies wollen) dann lohnt es sich wohl, auf jeden Fall, wenn sie etwas studieren, wo man nachher auch einen Job kriegt.

  • Vivienne Tran sagt:

    Stmme M. Schwarz grumdsätzlich zu. Interessant wäre zu wissen, wann die erwähnten Personen am MIT aabgeschlossen haben. Das wir doch eine Weile her sein. Und das soll nun in ein aktuelles Ranking fliessen? Äpfel mit Birnen = Birchermüesli mit Schlagrahm aber ohne Logik.

  • Michael Schwarz sagt:

    Der Dominanz einzelner Universität, vor allem Professoren sind das Problem. Alle haben bei gleichen Professoren studiert, die gleiche Ansichte und Meinung über die Wirtschaftspolitik und Geldpolitik während des Studiums bereits gebildet, somit existiert die Meinungsverschiedenheit zwischen den wichtigsten Zentralbanken nicht. Das ist auch der Grund warum keine Innovation in der Geldpolitik und Wirtschaftspolitik gibt, weil keine Meinungsverschiedenheit gibt. Das ist auch der Grund warum das Wirtschaft- und Währungssystem immer instabiler werden, weil alle Entscheidungsträger das Gleiche denken.

    Das Monopol und der Dominanz von wenigen Professoren und ökonomische Meinung müssen unterbrochen werden, womit die Zentralbank und deren Entscheidungsträger unabhängige Meinung und Ansichte bilden können. Die Stabilität des Währungssystems und Finanzsystems liegt in der unterschiedlichen Ansichten und Meinungen – das ist die wahre Demokratisierung des Marktes.

    • Baer sagt:

      Völlig einverstanden mit Schwarz und Straumann. Ebenfalls interessant ist auch, dass sämtliche wirklich wichtigen Grundgedanken und -modelle der heutigen Ökonomie aus Europa stammen. Cournot und Walras legten den mathematischen Boden der Neoklassik aus, Marshall spezifizierte ihn auf das Partialmodell, Keynes spielte ein bisschen mit Gleichungen/Identitäten herum, die Österreicher legten das ideologische Fundament. Erst seit dem zweiten Weltkrieg ist die USA zum Nabel der Ökonomie geworden, gleichzeitig mit ihrer geostrategischen Rolle. Aber sie befinden sich immer noch vollkommen innerhalb von europäischen Modellwelten und haben noch kein eigenes Paradigma. Mein Lieblingsökonom am MIT ist derweil gleichzeitig ein bekannter Linguist – der hat sogar Adam Smith und Ricardo im Origingal gelesen, das können die anderen kaum bieten 🙂

      • Alois Krieger sagt:

        Na ja, Ben Bernanke und Blanchard stehen ja nicht gerade für diese Geldpolitik ein. Ich weiss nicht, wie schlimm das ist. Die Goldman-Sachs-Leute in den Regierungsjobs sind da schon eher ein Problem.

        Aber Chomsky als Notenbanker? Sie meinen so etwas wie eine Art Kulturrevolution bei den Zentralbanken?

        • Baer sagt:

          Da bin ich ganz Ihrer Meinung (bzgl. GS in der Regierung). NC als Notenbanker wäre wohl nicht sehr klug, aber immerhin hätten wir dann einen Skeptiker, der alles in Frage stellt. Ich meinte es nur halb ernst. Ernsthaft aber: NC liest sehr viel ökonomische Literatur, wie mich dünkt. Er kennt scheinbar die Klassiker alle gut, und er zitiert recht oft Paul Bairoch, Ha-Joon Chang und Thomas Ferguson, drei sehr gute Ökonomen, meiner Meinung nach. Habe letzte Woche versucht, seine linguistischen Sachen ein bisschen zu lesen. Ich bin mir Mathe ja einigermassen gewohnt, aber dass man Linguistik so mathematisch betreiben kann, finde ich erstaunlich.

    • Stadelman Reto sagt:

      Sie haben zwar teilweise Recht, das Monopol der Unis muss gelockert werden, aber ich sehe auch Probleme wenn man dies tut. VWL gehört zu den Geisteswissenschaften (auch wenn gerade Professoren dieser Richtung das wohl nicht all zu gerne hören, es ist so) und kann damit überhäuft werden mit Meinungen die so unterschiedlich sind wie in der Politik. Stellen sie sich nun aber vor, die Wissenschaft verkommt auch zu so etwas wie die Politik, einem Streit über alles und jede Ansicht… Ich bin mir nicht sicher ob das wirklich wünschenswert ist. Es würde das Wirtschaftssystem wohl weit mehr gefährden als es uns lieb sein könnte… Es hat also auch grosse Vorteile wenn alle das gleiche Grundwissen vermittelt bekommen. Für Freidenker etc. ist dann immer noch in der Privatwirtschaft platz. Leute die dort ihr Wissen in bare Münze umsetzen können und so früher oder später die nötige Anerkennung bekommen. Das muss man in die Überlegung mit einbeziehen.

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