Weihnachten – ein «Wohlfahrtsverlust»

Weihnachten ist eine «Fehlallokation von Ressourcen»: Weihnachtsbeleuchtung auf der Seebrücke in Luzern, Dezember 2010. (Bild: Keystone)

Weihnachten ist eine «Fehlallokation von Ressourcen»: Weihnachtsbaum in Stans, Dezember 2010. (Bild: Keystone)

Sprechen wir in diesem Blogbeitrag vor und über die Weihnachtstage mal nicht über die Krise, machen wir Weihnachten zum Thema. Einer der das schon lange tut, ist der Wirtschaftsprofessor Joel Waldfogel von der renommierten Wharton-School an der University of Pennsylvania in den USA.

Seine Ansicht auf den kürzesten Nenner gebracht: Weihnachten – genauer genommen das damit einhergehende Schenken – ist eine gigantische ökonomische Verschwendung. Oder in der technischen Sprache der Ökonomen: Das Fest ist eine «Fehlallokation von Ressourcen». Schon im Jahr 1993 hat Waldfogel dazu einen Artikel in der «American Economic Review» – der wohl renommiertesten Fachzeitschrift der Ökonomenzunft – unter dem Titel «The Deadweight Loss of Christmas» (PDF) veröffentlicht, der damals auf grosses Presseecho gestossen ist. Hier der «Economist» dazu. In diesem Sommer ist auch sein neustes Buch auf Deutsch unter dem Titel «Warum Sie diesmal wirklich keine Weihnachtsgeschenke kaufen sollten» erschienen.

Mit «Deadweight Loss» – zu Deutsch Wohlfahrtsverlust – bezeichnen Ökonomen einen entgangenen Nutzen für die gesamte Gesellschaft. Ein solcher Verlust unterscheidet sich von einer Situation, in der bloss einige einen Nachteil haben, der aber durch entsprechende Vorteile anderer kompensiert wird. In diesem Fall würde zumindest der Gesellschaft insgesamt nichts entgehen.

Hören wir uns doch die Argumente von Joel Waldfogel gleich selbst an:

Mehr zur «Ökonomie des Schenkens» auch in diesem Blogbeitrag aus dem Herbst 2010.

Nun denn, die Überlegungen zum Schenken sind wohl eh schon zu spät. Für dieses Jahr spielt der Geschenk-Verlust daher allerdings ohnehin keine Rolle mehr. Schliesslich lehren auch die Ökonomen, dass Fehlentscheide der Vergangenheit das aktuelle Verhalten nicht beeinflussen sollten. Das leitet sich aus dem Prinzip rationalen Verhaltens nach so genannten «Sunk Costs» ab. Was verloren ist, ist verloren. Jeder weitere Gedanke daran ist eine zusätzliche Verschwendung (abgesehen vom allfälligen Lerneffekt). Wie (nicht nur) die «Behavioural»-Ökonomen zeigen, verhalten sich Menschen allerdings nicht in diesem Sinne rational.

Dennoch: Bezogen auf  Weihnachten bedeutet das «Sunk Costs»-Prinzip, dass es auch nach wohlfahrtsmindernden Geschenkkäufen nur rational ist, die kommenden Festtage in vollen Zügen zu geniessen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesenden dieses Blogs prächtige Festtage und – wegen meiner Abwesenheit bis Anfang Januar – schon jetzt einen guten Rutsch ins Jahr 2012!

Keine Kommentare zu «Weihnachten – ein «Wohlfahrtsverlust»»

  • admin sagt:

    Sehr geehrte Blogger, die Diskussion ist leider etwas ausgeartet. Daher wurden einige Kommentare gelöscht. Die automatische Freischaltung der Kommentare wurde vorläufig ausgeschaltet. Es wird also wieder etwas länger dauern, bis Ihre Kommentare erscheinen. Sobald sich die Gemüter beruhigt haben, kehren wir zum Normalbetrieb zurück. Die Redaktion.

  • Taric Trent sagt:

    Sämtliche Geschäfte machen in der Weihnachtszeit die Hälfte ihres Jahresumsatzes und dieser vertrottelte Ökonom faselt von Fehlallokation, als ob es im Kapitalismus darum ginge dass jeder das bekommt was ihm im Verhältnis zum Wert nützlich ist und nicht darum möglichst viel Wert am Markt zu realisieren was sich in der Staatsbilanz niederschlägt und in der Weihnachtszeit kulminiert. Man kann sich auch partout nicht mit den wirklichen Zwecken der Ökonomie auseinandersetzen und sich anstelle dessen eine Nützlichkeitsmaximierungsmaschine vorstellen, nur mit der Wirtschaft in der wir Leben hat das nichts zu tun. Das Buch gehört in die Märcheabteilung für Erwachsene.

  • Urs sagt:

    Na also das Auslagern von Belegbearbeitung in Niedrig- oder Niedrigstlohnländer ist ja nicht wirklich eine Einfallsreiche Geschäftsidee. Das machen viele andere seit Jahren auch… da kann man nur hoffen das sich die Kostenstrukturen im jeweiligen Land nicht all zu schnell nach oben anpassen…

    Aber dann, man kann locker in ein anderes Land transferieren, die Webseite bleibt die gleiche, die Adressen usw. passt man an… die ehemaligen Angestellten können sehen wo Sie bleiben. Sozialleistungen etwa, Ferienansprüche, Löhne, Versicherungen sind nach wie vor nicht globalisiert…

    • Anh Toan sagt:

      @Urs:Was Sie schreiben ist nicht falsch, jedoch eine sehr einseitige Sicht:

      Warum passen sich die Kostenstrukturen im jeweiligen Land an, wie Sie richtig beschreiben? Haben da ausländische Direktinvestitionen nicht einen Anteil daran? Selbst wenn dies nie ihre Absicht war?

      Oder aus Sicht der ausgebeuteten Arbeitnehmer: Wären Sie in deren Situation, was wäre Ihnen lieber: Ein Job mit ungenügender sozialer Absicherung, oder kein Job?

      Die Jobs in amerikanischen, europäischen, japanischen und den meisten südkoreanischen Unternehmen sind hoch begehrt in Schwellenländer: Nirgendwo gibt es bessere Gehälter, bessere (wenn auch noch immer dürftige) Sozialleistungen, mehr Arbeitssicherheit, vor allem aber findet nirgendwo mehr Know Transfer statt, als in ausländischen (nicht unbedingt taiwanesischen oder russischen) Unternehmen. Ausländische Unternehmen werden am stärksten von den Behörden kontrolliert, unter http://www.vietnamembassy.org.uk/foreignlaw.html finden Sie das Gesetz zu ausländischen Direktinvestitionen in Vietnam in Englisch: Der erste Artikel unter dem Titel Rechte und Pflichten ausländischer Unternehmen sagt:

      Article 25

      Enterprises with foreign owned capital and parties to a business co-operation contract shall have the right to recruit and employ labour in accordance with business requirements and must give priority to Vietnamese citizens; shall only recruit and employ foreigners for jobs which require a level of technical and management expertise which a Vietnamese citizen cannot satisfy but must train Vietnamese citizens as replacements.

      The rights and obligations of an employee of an enterprise with foreign owned capital shall be ensured by a labour contract, the collective labour agreement, and other provisions of the law on labour.

      Ein grosser Teil der erwerbstätigen vietnamesischen Bevölkerung hat nicht mal einen schriftlichen Arbeitsvertrag, ist froh, wenn das versprochene Gehalt auch tatsächlich bezahlt und nicht geprügelt wird.

      Ich kann mir auch eine (vermeintlich?) bessere Welt ausdenken, nur machen kann ich sie nicht.

  • Ueli der Weihnachtsmann sagt:

    Die Herrschenden liessen sich früher immer mit ihren Insignien der Macht porträtieren. Heute wird Barack Obama vor einer Supermarktkasse mit gezückter Kreditkarte „porträtiert“. Die freie Wahl haben heisst jetzt: „paper or plastic“?

  • Ueli der Weihnachtsmann sagt:

    Ich bin immer wieder sprachlos wenn Ökonomoen, welche das kapitalistische System befürworten, sich gegen eine „Fehlallokation der Ressourcen“ aussprechen. Kürzlich wurde von der UNO berechnet, dass wir mit unseren modernen Maschinen, Düngern, Pestiziden, Fungiziden u.s.w. ohne Probleme 12 bis 15 Milliarden Menschen (sogar mit Fleisch) ernähren könnten und trotzdem sterben täglich zehntausende Menschen an Hunger…das nennt man mal eine „Fehlallokation der Ressourcen“!
    Herr Waldfogel wäre wohl auch über den Zusammenbruch der US-Ökonomie überrascht, falls seine Landsleute mal das Weihnachtsshopping ausfallen liessen. Immerhin sind fast 70 Prozent der Amiökonomie direkt vom Konsum der Bevölkerung abhängig! Der Kapitalismus ist die grösste Ressourcenverschwendungsmaschine, welche jemals das Licht der Welt erblickte…

  • Marcel Zufferey sagt:

    Von welchem Grad an wirkt sich die rein rationale Erfassung menschlichen Handelns eigentlich negativ auf das bewusste Erleben aus, bzw. wieviel Demystifizierung erträgt unsere Zeit? Wann hören wir auf, Freude zu haben?

    • Adrian Nyfeler sagt:

      Sie müssen die Antwort in der Vergangenheit suchen.

      Das hat mit den Repressionen im kalten Krieg angefangen. Ich würde sagen ende 60er Jahre als querbeet alle Psychedelika verboten wurden und sich so eine Art unsichtbare Paranoia und Anxiety auszubreiten begann.

      Nach dem Fall des Ostblocks war 10 Jahre lang Party angesagt. Dann platzte die Nasdaq bubble und mit 911 war der Untergang eingeleitet.

      Und heute scheint die Zukunft unsicherer und volatiler denn je und die Politik offensichtlich gnadenlos überfordert mit der Geschwindigkeit mit der sich ökonomische und geopolitische Gegebenheiten mittels Technologien ändern. Paradigmen die man über Jahrzehnte als gottgegeben für die Ewigkeit annahm gelten plötzlich nicht mehr.

      Aber es gibt jetzt kein zurück mehr. Die Macht welche wir mit den Technologien in den letzten hundert Jahren errungen haben ist zu gross. Das heisst entweder führt sie zur Befreiung von uns allen („Erlösung“. Quasi Buddha 5.1) oder sie wird einem faschistischen Ideal dienen welches uns alle marginalisiert und zu einer Nummer im System macht.

      es wird auf alle Fälle ein Foto Finish

  • Jens Gloor sagt:

    ‚Weihnachten‘ ist schlicht und ergreifend ein heidnischer Brauch und hat mit Religion oder gar Gottesglauben rein gar nichts zu tun. Erinnern wir uns auch an den Valentinstag und Halloween – beide ‚Events‘ sind eher neu bei uns, aber helfen dem Kommerz unheimlich. Ich denke Gott hat nichts mit unseren, kommerziellen Geldweihnachten zu tun. Zur Untermauerung dieser Aussage empfehle ich die Doku ‚Priesthood of the Illes‘ – extrem interessant. Wir leben nach wie vor im ‚römischen Reich‘. Die schlechten Nachrichten – z.B. der bevorstehende US-Überfall auf den Iran steht uns erst nach Weihnachten bevor um uns nicht vom Geldausgeben abzuhalten. Weihnachten? Politik? Das neue Jahr wird viele extrem schlechte Nachrichten bringen und der Versuch den Faschismus global zu instalieren wird weiter fortgesetzt. Wie dämlich sind wir eigentlich?

    • will williamson sagt:

      Herr Gloor, wir sind nicht dämlich weil einige versuchen, den Faschismus global zu installieren. Dämlich sind wir wenn wir das nicht verhindern.

      • Adrian Nyfeler sagt:

        Es waren mal vier Flugzeuge. Zwei davon krachten in die WTC. Ein drittes pulversierte beim Einschlag ins Pentagon und das vierte verschwand auf nimmerwiedersehen in einem Erdloch bei Skanksville.

        Kein Trümmerstück grösser als ein Teller wurde je gefunden. Der bestbewachte Luftraum der Welt sieht dem ganzen Treiben stundenlang zu. Unfähig zu reagieren. Das sensibelste Gebäude der USA wurde mit 800km/h auf ground level von einer Boeing getroffen (schon rein phsyikalisch unmöglich sogar für die besten Piloten) es bestehen aber weder Videoaufnahmen, noch wurden Trümmer dokumentiert.

        Das ganze ist einfach extrem dodgy und die erfundenen, gefälschten Beweise für die angeblichen Massenvernichtungswaffen von Saddam als Vorwand für den Irakkrieg nur die Spitze des Eisbergs!

        Gibts eigentlich noch das Märchentram? Das sollte dann Trudi Gerster erzählen.

        911 2011 war der moment in dem die Welt aus Mitleid und Solidarität den USA hörig werden musste. Alle haben schön brav ja gesagt zum Krieg gegen den „Terror“ (notabene ein nicht definierbarer Feind. Es kann jeder und jede sein! Daher ist auch jede Massnahme legitim)

        Seither befinden wir uns in einer Abwärtsspirale richtung orwellianischer Dystopie.

        Wer dies nicht erkennt dessen individuelle Blase wird einfach umso brutaler wenn sie nächstes Jahr platzt.

        • Adrian Nyfeler sagt:

          Es sollte natürlich heissen 9/11 2001…

        • Hampi sagt:

          Adrian Nyfeler sagt:
          25. Dezember 2011 um 14:44

          Meine erste Reaktion ist, dass man Kommentare wie die von Ihnen teilweise zensieren sollte. Doch bei genauerem Überlegen, bin ich zum Schluss gekommen, dass das falsch wäre.

          Auch sie sind eine Realität. Sozusagen die Realität unter der Gürtellinie. Und die Wahrheit/Realität sollte man nie verbieten und verdrängen. Zudem nehme ich an, dass sie selbst unterbewusst wissen, was für einen Mist sie schreiben: warum sonst würden sie an einer Stelle, wo es rational gesehen in keiner Weise, weder eine Notwendigkeit gibt, noch eine Bedeutung hat, alle wissen zu lassen, dass sie einen (fiktiven?) PhD in Neurobiologie (Wow!) haben?

        • Andreas Dombek sagt:

          @ Adrian Nyfeler

          Alle Jahr wieder die selbe lausig-traurige Verschwörungstheorie. Eigentlich beginnen so wunderbare Märchen, aber hier sind wir im undurchdringlichen Land der wildgewordenen Fantasien.

          Wenn man im Märchen wäre, würden Schneeflittchens ihre 7 Wichtel als ausgemachte Metallurgie-Fachzwerge die wahre Mär erzählen, die darin mündet, dass bei Temperaturen oberhalb von 700-800° C und einer längeren Brenndauer sich Aluminium-Metalle überwiegend in weißes Pulver wandeln. Bei einem Flugzeug mit etwa 150 t Alu-Metallen würden die verbleibenden wenige Tonnen Pulver sich gar mit den etwa 18.000 t Gipskartonagen-Platten pro jeweiligen Turm so innig vermischen, dass sie nicht sichtbar als Alu-Trümmerstücke nachweisbar sein würden.

          Die Ferro- und Titanium-Metalle der Turbinen sind als Einzelobjekte direkt durch die Turm-Konstruktion durchgerast und auf der gegenüberliegenden Seite des Aufschlagsbereiches sichtbar ausgetreten. Dieser Vorgang unterliegt der Massenträgheit. Die Alu-Teile sind großteils in den Gebäudestockwerken hängen geblieben und dort zu dem besagten weißen Pulver geworden, da die jeweiligen Alu-Teile nach der Zertrümmerung und Vereinzelung nicht eine vergleichbare Wirkung wie die der Turbinen unterliegen.

          Merke:
          Die Wahrheit muss alles an Tatsachen mühevoll und akribisch erklären und nachweisen, die Verschwörungstheorien und Phantastereien können sich jeden noch so großen Schwachsinn erlauben!

  • Urs sagt:

    Im Jahre 2012 werden die säumigen Krankenkassenprämienzahler noch mal eine Spur härter angefasst. Werden die Prämien nicht mehr bezahlt gibt es Sanktionen die sich in Totaler Behandlungsverweigerung und verweigerung der Medikamentenabgabe äussert…

    So lassen sich einmal mehr die Armen und sozial Benachteiligten ausgrenzen, ausmerzen. Kranke, Alte, rentern, Jugendliche, Arbeitslose, Invalide alle werden von der Politik und Interessenvertretern jeglicher Couleur gegeneinadenr ausgespielt und viele machen mit dem Kopf nickend mit…

    Auch so lässt sich ein Sozialsystem zu Gunsten von irgendwelchen Investoren komplett pervertieren. Ich bin sicher es folgen noch weitere solche Eingaben bei denen die Gutmenschen, die Sozialen, die Emphtie-Fähigen noch mehr für ewig gestrig, dumm, naiv und blöd verkauft werden.

    Hauptsache die Renditen und Profite sowie die Bonisysteme lassen sich Elitär weiter betreiben… auf das die Finanzmärkte ein weiteres Jahr weiterfeiern können…

    • Adrian Nyfeler sagt:

      Das ist vor allem in Deutschland extrem ausgeprägt wo Harz IV Empfänger gerne als Sündenböcke hergenommen werden und dem System dazu dienen die Arbeitsbedingung im niedriglohnbereich auf Vieh-Niveau herunterzuschrauben (weiter forciert durch die Personenfreizügigkeit welche durch Spottlöhne für Polen, Tschechen, Rumänen das ganze zuvor intakte soziale Gefüge zu 100% zugunsten der Unternehmer und zu 100% zu ungunsten der Arbeiter verschoben hat).

      Dh es werden bewusst die sozial schwachen gegen die Arbeitslosen ausgespielt und für die Unternehmen und die von den Unternehmen unterwanderten Politik ist das natürlich wie Weihnachten und Ostern zusammen!

      Aber letztlich gilt wohl ein alter Satz: Jedes Volk hat die Regierung die es verdient

      Sprich: einfach nur jammern bringt genau nix!

      • Urs sagt:

        Na, also jedes Volk hat die Regierung die es verdient… vereinfacht vieles zu sehr. Man kann sich dann passiv zurücklehnen und ob der Uebermacht an Unrecht und Verdorbenheit noch kleiner fühlen…

        Die Politik und etliche andere Interessenvertreter sind so extrem gute Dogmatiker das es für viele nicht durchschubar ist für wenn oder was diese Argumente geäussert werden. Das sollte eigentlich die Medienlandschaft regeln weild er Standardbürger ja täglich vereinahmt ist vom Geldverdienen…

        Hier im TA gibt es seit einier Zeit eine bzw. zwei in eine gute Richtung weisende Rubriken… „wie der Nationalrat und wie der Ständerat heute entschieden hat bzw. welche Vorlagen besprochen wurden“. So kann man schnell einen Ueberblick erhalten was Tag für Tag entschieden wird…

        Solche Art von Informationen fehlen auch in anderen Medien wo politische Sachlagen stets inkl. der Fraktionen und Politiker und deren Meinung und Abstimmungsverhalten zusammengeführt werden. So kann man sich als Leser im laufe der Zeit einen für eine Gesunde Demokratie und Zivilgesellschaft notweniges Wissen erarbeiten ohne gleich ganze Kataloge durchlesen zu müssen…

        Aber eben, all dies im heutigen nach wie vor Neoliberalen Zeitgeist wird schwer zu vermitteln sein…. es hat imemrhin ca. 30 Jahre gebraucht die Menschen dafür zu „begeistern“. Nun wird diese Ideologie bereits von jungen Jahren via die Schule, Fachschulen und anderen Ausbildungsystemen an die Lehrnenden weitervermittelt…

  • Adrian Nyfeler sagt:

    Keine andere Zivilisation in der Geschichte hat wohl jemals ihre kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften selbst derart verteufelt und in den Dreck gezogen wie der „Westen“ (Westeuropa und USA) in den letzten 20-30 Jahren.

    Jahr für Jahr hört man in der Weihnachtszeit ob es angebracht ist, hier einen Weihnachtsbaum aufzustellen, oder dort ein Krippenspiel aufzuführen (weil nicht politisch Korrekt). Moslems könnten sich ja durch den Baum oder Jesusfiguren angegriffen fühlen und schliesslich sind Minarette verboten also müssen auch die Bäume weg!

    In den USA (welche zweifelsohne die militanteste christliche Nation sind) ist es Kongressabgeordneten zB untersagt, Postkarten mit Weihnachtsgrüssen zu versenden. Es muss politisch korrekt heisen: Happy Holidays und nicht Merry Christmas!

    Als Nihilist könnte mir das so lang wie breit sein, aber selbst die abgebrühtesten Atheisten unter uns werden Weihnachten zumindest mit schönen Kindheitserinnerungen verbinden als man endlich das Spielzeug auf das man sich das ganze Jahr gefreut hat aus dem Geschenkpapier reissen konnte. Dazu ein Festmahl, der unverkennbare Duft von Kerzen vermischt mit dem des Nadelbaums und altbekannte Weihnachtslieder ab Tonband.

    Es wird keine Möglichkeit ausgelassen selbst die letzten verbliebenen heilen Nischen in die wir uns während ein paar Tagen im Jahr vor dem Wahnsinn des Alltags zurückziehen konnten zu verteufeln!

    All dies ist symptomatisch für den Untergang des Westens. Wir haben uns vor lauter Schuld und Vergangenheitsbewältigung nun beinahe vollständig selbst marginalisiert. Dies in einer Zeit wo die Welt im kompetitivsten Wettkampf um Know How und Ressourcen steht den die Geschichte je gesehen hat.

    PS: Ich war vor Kurzem in Phnom Penh. Man kann Kambodscha auch heute kaum christlich oder pro-westlich nennen. Trotzdem stehen überall liebevoll geschmückte (Plastik-)Weihnachtsbäume und dekorierte Geschäfte auch in teilen der Stadt wo kaum je ein Ausländer hinkommt.

    Dasselbe in Bangkok und Tokyo. Weihnachten war immer ein Fest, das nur in geringem Masse religiös besudelt war (ganz im Gegensatz zu Ostern) und daher weltweit zelebriert werden kann. Die Lichter, das Dekor, das Schenken und anderen eine Freude machen steht im Vordergrund. Wenn wir uns das auch noch nehmen lassen wollen dann gute Nacht!

    • will williamson sagt:

      Herr Nyfeler, dass die Thais Weihnachtsbäume schmücken, mag darauf zurück zu führen sein, dass eine grosse Zahl unter ihnen den Brauch in westlichen Ländern kennen gelernt haben und auch darauf, dass sich über Weihnacht/Neujahr viele westliche Touristen in Thailand aufhalten. Das ist aber durchaus o.k. In Kambodscha gibt es die Spitäler von Beatocello, dem Schweizer Arzt Dr. Beat Richner, der dort dank Spendengeldern abertausende von kranken Kindern gratis behandelt, ganz im Sinne christlicher Nächstenliebe. Inwieweit er allenfalls einen Einfluss auf geschmückte Christbäume ausgeübt hat oder ausübt, weiss ich nicht. Seine Leistung für die kambodschanische Bevölkerung ist aber auf jeden Fall von unschätzbarem Wert und verdient breiteste Unterstützung!

      • Adrian Nyfeler sagt:

        Bei allem Respekt, ich vermute Sie überschätzen den Einfluss des Westens auf die asiatische Mentalität. Ich würde auch behaupten, dass Dr. Richner den meisten Bewohnern Phnom Penhs kein Begriff ist.

        Und der Isolationismus von Japan ist legendär. Trotzdem stehen geschmückte Tannenbäume in Toyko.

        Was ich sagen wollte ist, dass diese Christbaumsache offenbar global akzeptierbar ist (nicht als christlicher Kreuzzug wahrgenommen wird) und relativ weltweit gut ankommt (ohne Zwang). Ich finde das interessant.

        Hat sicher auch damit zu tun, dass ich festgestellt habe, dass überall auf der Welt Frauen immer mit grösstem Eifer dabei sind, wenn es etwas zu dekorieren gibt – dann sind sie in Ihrem Element und kaum zu halten 🙂

        • will williamson sagt:

          Ein Grund für die weite Verbreitung der lichtergeschmückten Bäume mag auch darin liegen, dass der Brauch eigentlich heidnischen, vorchristlichen Ursprungs ist, dann aber vom Christentum adaptiert wurde. Darauf weist Will Durant in seiner Kulturgeschichte der Menschheit hin:

          „Das Heidentum überlebte… in Form von alten Riten und Sitten, stillschweigend geduldet… durch eine oft nachsichtige Kirche…. Statuen von Isis und Horus wurden in Maria und Jesus umbenannt… die Saturnalien (Feier des Saturn, um die Wintersonnenwende zu zelebrieren) wurden durch Weihnachtsfeiern ersetzt…. Weihrauch, Lichter, Blumen, Prozessionen, Messgewänder… welche die Leute in älteren [heidnischen] Kulten erfreut hatten, wurden im Ritual der Kirche domestiziert und gereinigt….“

  • will williamson sagt:

    „…der Beitrag von Joe Waldfogel zeigt mir wieder mal deutlich, wie wenig Ahnung Ökonomen von sozialer Empathie haben.“ (Müller)
    „Die soziale Dimension entgeht Ökonomen noch häufig… (Ferhadi)
    Wirtschaft ist eine soziale Angelegenheit. Wenn Ökonomen die soziale Dimension entgeht und sie keine soziale Empathie haben, dann können sie auch keine brauchbaren Theorien entwickeln. Gilt für Vögel mit V und Waldfögel mit F. Beweis? Die aktuelle Krise, die von manchen als die grösste seit den 30-er Jahren bezeichnet wird. Wenn die Modelle und Theorien der Ökonomen etwas taugen würden, hätten wir diese nicht. Peter Lynch, während vielen Jahren erfolgreicher Investmentfonds-Manager und Buchautor hat geschrieben, wenn man alle Ökonomen dieser Welt einfach aneinander reihen würde, wäre es nicht das Dümmste, was man mit ihnen machen kann. Meiner Meinung nach kann man dem beipflichten.

    • Rolf Schumacher sagt:

      Ich würde nicht so pauschal über Oekonomen und Analysten herziehen. Es gibt immer einige die die Situation richtig analysieren und korrekte Voraussagen machen. Es ist aber unmöglich immer recht zu haben. Schlimm hingegen ist, dass Politiker und das breite Volk jedem AAA-Hofanalysten BLIND vertraut haben, ohne selber zu denken.
      Wer investieren will, der muss sich schon selber den Kopf zerbrechen. Es ist einfältig die Schuld fürs eigene ökonomische Versagen pauschal den Oekonomen in die Schuhe zu schieben.
      Viel toxischer als Oekonomen sind Machtmenschen wie Berlusconi etc. welche die Justiz, Finanzüberwachungsorgane, Medien manipulieren und so ganze Völker inkl. Oekonomen verschaukeln. Schlimm ist auch die absolute Wallstreetvorherrschaft in den internationalen Finanz(kontroll??)insitutionen BIZ-IWF-WB-EZB. Es ist für keinen normalen Oekonomen möglich zu erfahren, was da hinter verschlossenen Türen gemauschelt wird. Auch der grösste Idiot kann viel Geld verdienen, wenn er an wichtiges Insiderwissen herankommt. Ketzerfrage: Gibt es eine asoziale Empathie?

    • Andres Müller sagt:

      Herr williamson,
      Karl Homann sagte: „Ökonomie ist ein System mit eigenen Sachzwängen, bei dem ethisches Handeln zu Nachteilen führt.“

      Charakteristisch an der Ökonomie des 20. Jahrhunderts war die Einführung der Wirtschaftsethik als eigener Fachbereich. Das war wohl im Zeitgeist notwendig geworden nachdem in die Ökonomie mechanistische Geldtheorien eingeführt wurden, früher aber christliche Moral und Philsophie bis zur griechischen Antike diese Theorien mitgestaltet hatten. Die Geldtheorie der 20. Jahrhundertwende wurde von der damals aufkeimenden Eugenik beeinflusst. Sozialdarwinistische Gesellschaftstheorien waren damals unter Wissenschaftlern in Mode gekommen. Die „modernen“ Geldtheorien sind sozialdarwinistische Konstrukte, wodurch die Aussage Karl Homann leider bestätigt werden muss. Genau so wie die NSDAP im Umfeld sozialdarwinistischer Lehren an die Macht gelangte, so gelang auf derselben! Basis die neuen Geldtheorien zum Durchbruch. 1939, pünktlich zur Entfesselung des sozialdarwinistisch motivierten Weltkrieges durch Adolf Hitler, gelangte die Theorie des Kaldor-Hicks-Kriterium durch Sir John Richard Hicks in die Ökonomie. Darin wurden die Theorien Keynes mechanistisch verarbeitet und fanden grosse Resonanz. Die sozialdarwinistische Mathematisierung der Geldtheorien wurden nach dem WK II fort geführt, so überlebte im Kern eine Ökonomie welche in ihren Modellen dieselben Basiswerte tragen die auch die Eugenik transportiert hatte. Die Kompatibilität des Kapitalismus mit totalitären Systemen wurde im Chicago Umfeld unter Milton Friedman während der Pinochet Diktatur studiert. Die Geldtheorien dienten auch als Waffe im kalten Krieg gegen die UDSSR, das darf man nicht vergessen. Dadurch ist erklärbar dass sich in Europa die soziale Marktwirtschaft einführen konnte, weil in diesem Fall die sozialdarwnisitsche Regulation der Gesellschaft die Abwehr der Europäer gegen den Kommunismus gefährdet hätte. Kaum aber war die UDSSR zusammengebrochen, so wurde durch die US -dominierte sozialdarwinistische Ökonomie die Zerschlagung des Sozialstaates in Europa gefordert.

      Das ist der tatsächliche Grund warum der kürzlich verstorbene Vaclav Havel als Politiker wenige Jahre später scheitern musste, Europa hatte sich sofort nach dem Sturz Gorbatschews dem US-Amerikanischen Neoliberalismus geöffnet und selbst die Sozialdemokratie hatte damals mit dem sogenannten „dritten Weg“ der Regulierung durch einen Markt zugestimmt, der an sich und in sich das gleiche Erbe transportiert wie die Nazis, die Verteidigung des Sozialdarwinismus -Dominanz des Starken über das Schwache. Dieser Weg endete kürzlich mit dem Austritt Timo Sarrazin aus der Deutschen SP und der Abwahl des Briten Tony Blair in England. Nun, Ende dieses Jahres formierte sich der Sozaldarwinismus in Form von technokratischen Regierungen um Mario Monti und Papandreos und Finanzministern wie solche in Spanien (Lehman-Banker, Bilderberger). Die Ökonomie hatte sich von der Ethik Anfang des 20. Jahrhunderts getrennt und die Wirtschaftsethik ist schon längst zum sauren Apfel für Wirtschaftsstudenten deklassiert und zum Spielzeug für Versuche aus dem Vatikan katholische Religion wieder Hoffähig zu machen.

      • will williamson sagt:

        Sehr interessante Ausführunen, Herr Müller. Mit dem Sozialdarwinismus habe ich mich zu wenig befasst, um mich dazu im Detail äussern zu können. Was hingegen die Auswirkungen der Implosion des Sowjetreichs betrifft, kann ich Ihre Ausführungen aus eigener Beobachtung bestätigen. So lange der eiserne Vorhang eisern hing, hatte man im Westen keine ausreichende Kenntnis, welche Segnungen den Völkern des Sowjetreichs zu gute kamen. Erst aus der Rückschau weiss man, dass die Ergebnisse dieses angeblich „kommunistischen“ Systems bezüglich Versorgung der Bevölkerung mehr als dürftig waren. Politisch wurden die Leute hinters Licht geführt. Voslensky, Verfasser der „Nomenklatura“ sagte an einem Vortrag, in der SU habe es keinen Privatbesitz gegeben, alles habe dem Staat gehört und der Staat eben der Nomenklatura, der Oberschicht der Parteibonzen. Die habe darüber verfügt. Der Mangel an Informationen durch die Abschottung hat dazu geführt, dass die Obertanen im Westen ihre Untertanen während der Zeit des kalten Krieges etwas netter behandelt haben als nach dem Zusammenbruch des Sowjetreiches.

        Ebenfalls eine Folge des Endes des Sowjetreichs ist die möglich gewordene Ausweitung der Globalisierung, die übrigens Karl Marx schon richtig vorausgesagt hat. Diese bewirkt ihrerseits, dass global tätige Konzerne national praktisch nicht mehr kontrolliert werden können, was sich für die Arbeitnehmer ungünstig auswirkt.

        Dass Thilo (nicht Timo) Sarrazin aus der SP ausgetreten ist, habe ich nicht mitbekommen. Die wollten ihn doch ausschliessen, nach meinen letzten Infos ist es ihnen aber nicht gelungen und er hat sich ja auch geweigert, auszutreten.

        Was die Ethik an Wirtschaftshochschulen anbelangt, ist mir bekannt, dass die UNI St. Gallen (ehemals HSG) ein Institut für Wirtschaftsethik hat:
        „Das Institut für Wirtschaftsethik zählt zu den weltweit ältesten Forschungsinstituten im Fachgebiet.
        Anstoss seiner Gründung war eine Initiative der Kirchen im Kanton St.Gallen, die eine «Humanisierung des Wirtschaftslebens» in der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung an der Universität St.Gallen zu wenig berücksichtigt sahen. Der damalige Rektor der Universität, Prof. Dr. Alois Riklin, griff diesen Impuls produktiv auf. 1983 wurde die «Forschungsstelle für Wirtschaftsethik» gegründet, die ihre Arbeit durch Finanzmittel der Universität und der Kirchen sowie unter engagierter Leitung von Prof. Dr. Georges Enderle (heute University of Notre Dame sowie Mitglied des geschäftsleitenden Ausschusses des IWE) aufnahm.“
        Inwieweit andere Hochschulen in diesem Gebiet auch noch wirken, weiss ich nicht. St. Gallen allein kann da kaum allzu viel bewirken. Ganz generell kann auch bezweifelt werden, was eine Minderzahl von „ethischeren“ Managern in einem sozial-darwinistischen Wirtschaftsumfeld überhaupt bewirken können. Wenn sie aber nichts bewirken können, geht es eben so weiter bis es knallt. Ob es nachher besser wird, darf ebenfalls in Frage gestellt werden. Wenn Darwin recht hat, muss es ja auch so weiter gehen. Meine Frau kommt auf einer anderen Basis zum gleichen Schluss. Sie sagt, es könne sich gar nichts ändern weil die Dummen immer wieder geboren werden, um sich auf dieser Erde weiter zu entwickeln bis sie schliesslich die Stufe erreicht haben, auf der sie ins Nirwana übersiedeln. Die fehlen dann natürlich bei der Bemühung, menschenfreundlichere Zustände zu erreichen.

        Trotz allem die besten Wünschen an alle Leser für die Festtage und das kommende Jahr!

        • Adrian Nyfeler sagt:

          Samsara ist je nach interpretation ein unendlicher Kreislauf und beinhaltet daher auch Individuen welche NIEMALS aus dem ewigen Teufelskreis auszutreten vermögen.

          Was man aber sicher sagen kann ist, dass die „Dummen“ sich massiv häufiger fortpflanzen als die gut gebildete Schicht.

          Das gilt sowohl innnerhalb der entwickelten Länder (auch CH) sowie global. Es kann doch einfach nicht sein, dass man für jeden $cheiss eine Lizenz braucht (Permis, Jagdausweis, Fischer-Lizenz, etc) und alles ins Detail geregelt ist, gleichzeitig aber jeder Sozialhilfe-empfänger 10 Kinder in die Welt setzen kann!

          Das darf man natürlich alles nicht ansprechen weil man sonst sofort in die braune Ecke gestellt wird.

          So oder so führt diese Diskrepanz aber logischerweise zu massiven Problemen wie sie sich jetzt langsam zu manifestieren beginnen (Immer mehr Lehrstellen können in D nicht mehr besetzt werden weil die Bewerber schlicht zu hohl sind und nicht mal mehr 2×2 ohne Taschenrechner ausrechnen können) .

          Wenn Sie einen Blick in das Resultat einer solchen Zukunft werfen wollen schauen Sie sich den Film „Idiocracy“ an.

      • Urs sagt:

        Hr. Müller

        das was Sie erwähnen gibt es auch grafisch illustriert…

        Hier ein Beispiel wie die Politische aber auch die Gesellschaftlichen Strömungen heute liegen…

        http://politicalcompass.org/euchart

        http://politicalcompass.org/germany2005

        Das gleiche Bild zeigt sich seit Jahren in allen Europäischen Ländern… es gibt vergeichende Charts welche einige bekannte Dikatoren in der gleichen Ecke plazieren. In den vergangenen ca. 0-15 Jahren waren die Pateien im links/unten Quadranten eher die Ausnahme wärend es vor ca. 15+ Jahren die Ausnahme war sich im rechts/oben Quadranten zu befinden. Die Politischen und Gesellschaftlichen Ansichten sind also in diesem Zeitraum allesamt (bis auf eine Handvoll Kleinstparteien und Minderheitsansichten bei den Bürgern) in die Authoritär-Konservative Ecke des Spektrums transferiert (worden). Liberal wird nicht mir mit Bürgerfreiheiten gleichgesetzt (das Gegenteil ist der Fall) sondern mit einer dumpfen Freiheit zu raffen was nur möglich ist..

        Resultat dessen ist eine unglaubliche Polariserung der Gesellschaft und Meinungen die ganz oben Anfängt und sich im gleichen Zeitraum bis nach unten in die Gesellschaft gefressen hat. Es werden heute Ansichten vertreten über die man vor einigen Jahren nur den Kopf schüttelte. Genauso wird heute auch oft die Ansicht vertreten „Du bist nicht für uns, dann bist Du gegen uns“… oder Varianten dessen. Entsprechnd auch die Wortwahl bei eigentlich allen Beteiligten. Kompromisse sind nicht mehr Kompromisse der Ansichten sondern Komprisse der Finanziellen und Medialen Möglichkeiten. NGO’s, einst der Ursprung linker Unabhängigkeit werden heute primär finanziert um der Demokratie und dem WIllen der Bürger ein Schnippchen zu schlagen… Selbst Wissenschafltiche Titel und Meinungen werden dafür eingekauft…

        Der Neoliberale Zeitgeist sieht halt am ENde so aus… wenn über Jahre, ja Generationen die Menschen dazu gezwungen werden nur sich selber am nächsten zu sein. Auch das war eben bis vor 20-30 jahre nicht so. Da waren etwa die bürgerlich-konservativen dort wo heute die SP’s dieser Welt stehen. Es wäre auch niemandem in den Sinn gekommen die Oekonomie, die Unternehmen und deren Anspruchshaltung dermassen über alles andere zu stellen wie das heute der Fall ist.

        Bürgerliche Freiheiten hatten sich nicht nur in Ladenöffnunsgzeiten und erfüllten Konsumwünschen zu äussern sondern eher die Befreiung dessen was uns heute einengt. Die Investoren-Finanzmärkte und deren primitivst Ansprüche angesichts dessen das nach wie vor Milliarden an Profiten abgeschöpft werden (Nimmersatt)… deren Distanz zu lokalen Gegebenheiten, konstant steigende Renditen und Profite um jeden Preis… ohne Gesellschafltiche Verantwortung zu übernehmen.

        Wie normal überlassen wir gigantischen Konzernen, den Investoren und VR’s alle möglichen Entscheidungen deren Relevanz auf die Zivilgesellschaft aber grösser ist als es die eines Politikers oder u. U. einer Partei je sein könnte. Dies alles sogar noch ohne jegliche Wirtschafltiche noch Gesellschaftiche Verantwortung noch weitere Verpflichtung. Die Diskrepanz der Authorität und Macht dieser Konzerne versus der Zivilgesellschafltichen Ansprüche, Recht und Verpflichtungen hat überbordend pervertierte Ausmasse angenommen. Wie oft stehen wir mit runtergelassenen Hosen da wenn entfernt agierende Investoren ihr Entscheidungen getroffen haben (Daumen hoch, Daumen runter)…

      • Anh Toan sagt:

        @Andres Müller: Von der griechischen Antike über christliche Moral, der Einführung der Wirtschaftsethik als Fachbereich und den Umständen bei der Machtübernahme durch die NSDAP, dem kalten Krieg, Zusammenbruch UDSSR, amerikanischer Neoliberalismus, Abbau Sozialstaat, über Sarrazin Austritt/Ausschluss, noch kurz Tony Blair, monti Papandreu, zum Vatikan,

        Wow, …………….Wow……………………..was haben Sie gesagt?

  • Katharina sagt:

    Auch ich finde den Blog Spitzenklasse und möchte mich herzlich für die vielen ausführlichen Artikel bedanken!

  • Thomas Ernst sagt:

    Auch ich schliesse mich gerne dem Dank an die Autoren Straumann und Diem Meier für den das ganze Jahr gepflegten Blog an. Die immer wieder überraschenden Beiträge, die manchmal sehr erhellende Diskussionen auslösen, und das regelmässige Ausgraben von ökonomischen Trouvaillen (wie z.B. der Artikel von Waldfogel oben) sind ein echter Lichtblick im ansonsten oft gräulichen journalistischen Einerlei der Schweizer Einheitsmedien. Super!

  • Peter sagt:

    „Das Fest ist eine Fehlallokation von Ressourcen“
    Und wie bezeichnet man es, wenn jemand den falschen Beruf gewählt hat, so wie die meisten Ökonomen. Ich frage mich seit ein paar Jahren, wen man weniger ernst nehmen kann: Politiker, Juristen oder Ökonomen. Diese Leute haben keinen für die Gesellschaft notwendigen Nutzen.

    • Adrian Nyfeler sagt:

      Genau! All diese Kasten sind parasitär und leben letztlich von öffentlichen Geldern und tragen 0.0% zur Wertschöüfung einer Gesellschaft bei. (ansonsten wären sie Unternehmer und nicht Beamte)

      Was gibt es an „Wirtschaft“ zu studieren? Wird uns nicht dauernd weis gemacht dass die Märkte sich selber regeln? Wozu also Theorien aufstellen?

      Besonders absurd ist der Nobel-Preis für Ökonomie.

      Nobels Abneigung gegen die Wirtschaftswissenschaften zeigt sich in einem Brief, den vier Urenkel seines Bruders Ludvig 2001 veröffentlichten. Darin schreibt Alfred Nobel: „Ich habe keine Wirtschafts-Ausbildung und hasse sie von Herzen.“

      Trotzdem beschenken sich die Herren Ökonomen Jahr für Jahr selbst und schmücken sich mit seinen Federn!!

      Wenn man auch nur ein Minimum an Anstand hätte würde man als nominierter für Wirtschaftswissenschaften aus Respekt an Nobel den Preis ablehnen.

      Oder man kann warte bis einem Huhn Zähne wachsen.

      Nieder mit dieser verlogenen Brut!

      • Urs sagt:

        Naja, ich denke nicht das die verlogen sind, die Oekonomen, nicht Grundsätzlich, sondern einfach andere Glaubenssätze vertreten…

        Schade finde ich, grundsätzlich, das sich die Oekonomie als ein Subset der Sozialwissenschaften mit einer eigentümlichen Arroganz aber auch Ignoranz und leider öfters als nötig schlichtweg Dummheit über alle anderen erheben. Dabei ist die Oekonomie eben nur ein Teil des ganzen. Sie tun aber so wie wenn alles ein Teil der Oekonomie ist. Derart falsch gelagert muss sich eigentlich niemand wundern wenn die Debatten zum Thema nie ein Ende nehmen…

        Wie sovieles oder besser alles andere auch in den Sozialwissenschaften… in denen nicht wirklich Beweise noch Wiederholungen mit berechenbaren Ergebnissen möglich sind…

        ..und doch hängen Mio. von Menschen an diesen Predigern die am Ende nur so glaubhaft logisch daherkommen weil die Bilanzen die ganze uns einzig erklärbar scheindende Wahrheit wiederspiegeln + oder -, schwarz oder rot, viel oder wenig

        usw.

  • Hampi sagt:

    Immer wenn ich mir ernsthaft Gedanken über Geschenke mache, ist es meistens zu spät. Auf emotionaler Ebene sind das leider auch „Sunk Costs“.

    Darum kommt mir dieser Beitrag sehr gelegen. Vor allem, weil er mein schlechtes Gewissen beruhigt 🙂

    Auch von mir vielen Dank an Markus Diem Meier, Tobias Straumann und alle Kommentarschreiber, die mir dieses Forum so wertvoll machen.

  • fischer sagt sagt:

    Vor allen Menschen aus Länder die aus Schwellenländer und weiteren desolaten Ländern hier in der Schweiz leben, haben leider sehr wenig begriffen, dass das leben in den eigenen Ländern so gar nicht existent ist, wie dies in der Schweiz zellebriert wird. Welch eine Irronie, die wir die Schweiz vielen Menschen vorgaukeln. Aber eben das Land der Schoggi und dem Mammon Geld, wird sogleich sehr weitergehen bis zum Kollaps, der mit Sicherheit kommen wird, doch dann klönnen dann die gleichen denen es heute verdammt gut geht, und so schliesst sich der Kreislauf der Irronie.

  • Anh Toan sagt:

    Das Unvernünftige bringt uns zum Lachen, Paradebeispiel ist der Clown oder das Konzept des Witzes überhaupt. Wozu sind materielle Werte da, wenn nicht, um uns zum Lachen zu bringen, Freude zu bereiten, zu empfinden? Kaufen wir uns etwas unvernümftiges selber, schieben wir rationale Argumente vor, um unser Gewissen zu übertönen. (Ich spare, wenn ich einen neuen Fernseher kaufe, er braucht weniger Strom). Schenken ist die beste Rechtfertigung für Unvernunft, ich plädiere für unvernünftige Geschenke. Schenken, was sich der Beschenkte wünscht, aber aus Vernunftgründen nicht leistet.

    Es lebe die Unvernunft, denn „Lifes‘ a joke, and the last joke’s on you“. (Monty Phyton)

    Ich bedanke mich bei Herrn Straumann, Herrn Meier und allen Kommentatoren, ein Forum geschaffen zu haben, dessen Qualität sich wohltuend von vielen anderen Foren abhebt und mir erlaubt, meine Gedanken zu reflektieren und andere aufzunehmen.

    http://www.youtube.com/watch?v=pKcwjs4iZc8 : The Dickies: Silent Night

  • Urs sagt:

    Schenken eine Fehlallokation so so… und das Ziel der Korrekten Allokation?

    Ist halt eben schon schwer die Freude zu messen die Schenken bereitet. Sich Gedanken über den Beschenkten machen, das Suchen und Aussuchen, das Verpacken, Kärtchen schreiben… sich Gedanken über jemand anders machen… Schwer zu messen die Freude die man bereiten kann…

    Ausserdem haben viele so oder so erhebliche Mühe alles was sich nicht profitabel in Bilanzen ausweisen lässt als positiv zu beurteilen… Dann aber muss man sich fragen, was für einen SInn macht die ganze Krampferei im Sinne des Shareholdervalue denn noch? Haben wir verlernt wie es wäre in einer Stakeholdergesellschaft zu leben? In einer Gesellschaft die es sich dank den gigantischen Wohlstandsfortschritten eigentlich leisten könnte noch einiges mehr an „Fehlallokationen“ zu haben…

  • Rolf Schumacher sagt:

    Weihnachten ist das Fest der Liebe, das Fest der Familie, das Fest der Feste? Rein ökonomisch gedacht, macht ein solches Fest absolut keinen Sinn. Die Vorbereitung ist oft zeitraubend und die Festingredienzen sind viel, viel zu teuer. Einer der dies eingesehen hat war der alte Geizhals Scrooge in “ A christmas carol“ von Charles Dickens. Reich, weil ökonomisch absolut berechnend denkend, war Scrooge zwar, aber auch einsam und absolut unglücklich. Weihnachtsgeister brachten Scrooge dann dazu den Sinn des unrentablen Weihnachtsfestes zu verstehen. Nach der Läuterung schickte er als erste Aktion sceinen Jungen einen sehr teuren und gigantisch grossen Truthan zu kaufen. Darauf spendete Scrooge Geld und erhöhte das Gehalt seines langjährigen Mitarbeiters. Fazit: Reich sein ist gut, gutherzig sein ist besser, reich und gutherzig sein ist das beste. Zudem ist es absolut legitim, dass ein Geschenk nicht nur den Beschenkten, sondern durchaus auch dem Schenker Freude machen soll. Mein Fazit, schenke nie etwas, das Du selber nicht auch magst. Wer ein Geschenk einer Kosten Nutzen Analyse unterzieht, sollte das Schenken sowieso gefälligst unterlassen und sich wie der ungeläuterte, vergrämte Scrooge in eine einsame Kammer zurückziehen und die Klappe halten.

  • Ueli Hoch sagt:

    Also zumindest für die, die die Ware verkaufen stimmt die Kasse. Zudem kauft sich der Beschenkte Dinge die er wirklich benötigt, aber nciht erhalten hat, später selber noch nach.

  • Waldfogel meint nicht das Schenken ineffizient sei, sondern das Geschenke oft falsch ausgewählt werden und für denjenigen, der sie erhält wesentlich weniger Wert haben, als derjenige, der schenkt, dafür ausgab. Weil man nicht genau wisse, was der Andere wirklich wolle, solle man doch Geschenkbons schenken. Deshalb deadweight-loss (=Effizienzverlust). Er spricht sich also nicht gegen das Konsumieren an Weihnachten (oder andere Feste an denen geschenkt wird) anderen an sich aus.
    Frohe Festtage.

    • Thomas Meier sagt:

      Ja das stimmt, es geht darum, dass man nicht perfekt wissen kann, was der andere will und nicht um das Schenken. Trotzdem verstehe ich es nicht, wenn sich z.B. zwei Leute gegenseitig etwas für je CHF 100 schenken und das Geschenk nicht perfekt treffen bzw. jeder sich von den CHF 100 selbst was optimaleres kaufen würde, entsteht ein Verlust (man könnte also sagen, das Geschenk ist z.B. nur CHF 90 wert). Dann kommt aber noch hinzu, dass man Freude an der Überraschung hat bzw. evtl. erhält das Geschenk mehr Wert weil es von einer bestimmten Person kommt. Dann kann das Geschenk doch sogar mehr Wert sein, als wenn es kein Geschenk ist (also z.B. CHF 110)? z.B. Mann schenkt Frau Bild von einem Ort, was an und für sich nicht speziell ist, aber vielleicht haben sie sich dort kennengelernt und die Frau hat zusätzlich Freude daran, weil es aufmerksam/“originell“ vom Mann war. Hätte sie das Bild selbstgekauft, hätte es doch nicht den gleichen Wert?

      • Da gebe ich Ihnen Recht. Es geht wohl nicht nur um den montären Wert des Geschenkes, sondern auch das Schenken und Beschenktwerden als soziale Interaktion – die man nicht in Geld beziffern kann.
        Es dürfte dem Verkäufer der Geschenke auch nicht interessieren, ob die richtigen Geschenke gekauft wurde. Er verbucht den Umsatz auf jeden Fall und die Verkaufszahlen steigen an. Damit kommen wir zum Kern des Kosumerismus unserer Zeit: Es spielt keine Rolle, ob die Dinge die produziert und verkauft/gekauft werden auch tatsächlich gebraucht werden oder von Nutzen sind. Es reicht völlig, wenn sie verkauft/gekauft werden.

    • Andres Müller sagt:

      Herr Ferhadi, der Beitrag von Joe Waldfogel zeigt mir wieder mal deutlich, wie wenig Ahnung Ökonomen von sozialer Empathie haben. Geschenkzeiten wie Weihnachten oder Geburtstage werden oft dazu genutzt nützliche Dinge zu schenken deren Nützlichkeit dem Beschenkten bisher entgangen ist. Die Schenkenden verwenden oftmals mehr Zeit um sich über den Nutzen eines Geschenkes zu vergewissern als dies üblicherweise der Beschenkte in seinem Alltagsleben tut.

      Sicher mögen Geschenke gekauft werden die der Beschenkte vielleicht selbst gar nicht gewählt hätte. Das heisst nun aber sicher nicht dass ein Ökonom nun kommen kann um zu behaupten Weihnachten sei generell ökonomische Verschwendung. Dazu fehlt Herrn Waldfogel der Beweis dass Beschenkte stets wüssten was sie brauchen und sie das immer besser wüssten als die Schenkenden. Dem ist aber tatsächlich keineswegs so (jedenfalls nicht aus der Sicht eines neutralen Beobachters).

      • Die soziale Dimension entgeht Ökonomen noch häufig. Interessant ist, dass Waldfogel den Nutzen des Konsumerismus grundsätzlich nicht in Frage stellt, sondern die Schenkerei ledliglich für eine Fehlallokation von Ressourcen hält.
        Nun ist es aber in unserem Wirtschaftssystem so, dass es keine Rolle spielt ob etwas Gekauftes/Verkauftes von Nutzen ist, oder wie hoch der für den Käufer oder Beschenkten ist – das steht in keiner Bilanz. In der Bilanz steht nur der erzielte Umsatz und daraus errechnet sich dann der „wirtschaftliche“ Nutzen der Transaktion, denn damit werden Löhne, Mieten und Kredite bezahlt.
        Der Nutzen für den Käufer/Beschenkten taucht in keiner Bilanz auf – ausser es wird umgtauscht, aber selbst da bleibt der Umsatz des Verkäufers in der Regel derselbe.

  • Michael Schwarz sagt:

    @Markus Meier:

    Vielen Dank für Ihre zahlreichen Beträge, in den Sie die ökonomische Problematik dargestellt und analysiert haben. Es war ein Vergnügen Ihr Blogs zu kommentieren, obwohl wir nicht immer die gleiche Meinung und Ansicht hatten.

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