Die Kurve, die alles erklärt

Entwicklung der italienischen Staatsanleihen seit Mai 2011.

Die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 26. Oktober haben wenig gebracht: Entwicklung der Rendite italienischer Staatsanleihen (10 Jahre) seit Mai 2011.

Die Eurokrise wird immer verwirrlicher. Der griechische Finanzminister verlässt vorzeitig das Spital, fliegt nach Cannes und veröffentlicht um 4.45 Uhr morgens ein Statement, um das Referendum abzuwenden. In Italien wird bereits offen über die Ablösung der Regierung Berlusconi diskutiert. In Frankfurt senkt die Europäische Zentralbank (EZB) unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi den Leitzins um 0.25 Prozent und spricht sich gegen ein grosses Aufkaufprogramm von südeuropäischen Staatsanleihen aus.

Wie bringt man all diese Ereignisse zusammen? Ist jetzt alles besser? Die Antwort ist einfach, man muss nur auf die Rendite der italienischen Staatsanleihen (10 Jahre) schauen. Dort sieht man auf einen Blick, dass sowohl die Beschlüsse des EU-Gipfels vom 26. Oktober, das griechische Theater rund um das Referendum und die EZB-Zinssenkung nur vorübergehenden Einfluss auf den Gang der Ereignisse haben. Seit Mitte August ist die Rendite kontinuierlich von fünf Prozent auf über sechs Prozent angestiegen. Falls sich dieser Trend in den nächsten Wochen und Monaten fortsetzen sollte, ist die Krise endgültig aus dem Ruder gelaufen.

Es ist deshalb falsch, wenn gesagt wird, dass der Gipfel vom 26./27. Oktober eine Wende zum Besseren gebracht hätte, wenn nicht Papandreou die Nerven verloren hätte. Wenn das wahr wäre, hätte die Rendite der italienischen Staatsanleihen am Tag nach dem Gipfel deutlich nachgeben müssen. Tat sie aber nicht. Es war deshalb nicht schwierig, die Gipfelbeschlüsse als unzureichend zu kritisieren.

Warum haben die Gipfelbeschlüsse kaum Wirkung gezeigt? Auch diese Frage kann man leicht beantworten, solange man sich durch die vielen Entscheidungen und Schauplätze nicht verwirren lässt. Das Grundproblem der südeuropäischen Länder ist die fehlende Wachstumsperspektive. Ihre Exporte sind durch den Beitritt zur Währungsunion zu teuer geworden. Um sich vom Schuldenproblem zu befreien, müssten sie ihre Preise und Löhne über mehrere Jahre relativ zu den deutschen Preisen und Löhnen senken. Das ist politisch kaum machbar und wird zudem das Wachstum weiter verlangsamen, was die politischen Spannungen weiter verschärft. Griechenland ist diesbezüglich nur ein Extrembeispiel. Auch Italien leidet darunter, dass die Wirtschaft seit zehn Jahren kaum mehr gewachsen ist. Die prekäre Lage der italienischen Jugendlichen hat weniger mit neoliberaler Politik zu tun als mit dem Wachstumsproblem, das mit der Einheitswährung geschaffen worden ist.

Ein Schuldenschnitt würde etwas Linderung bringen, aber löst das strukturelle Problem der südeuropäischen Länder nicht. Auch die Rekapitalisierung der Banken hilft nicht weiter. Und selbst wenn das griechische Referendum zustande gekommen wäre und die Bevölkerung mit überwältigender Zustimmung das Sparprogramm unterstützt hätte, wäre die griechische Wirtschaft weiter geschrumpft. In der Schweiz werden wir schon nervös, wenn die Wachstumsrate unter einem Prozent fällt. Zum Vergleich: Gemäss IWF-Schätzungen schrumpfte die griechische Wirtschaft 2009 um 2 Prozent, 2010 um 4.5 Prozent und dürfte im laufenden Jahr mehr als 5 Prozent einbüssen – und es ist kein Ende absehbar. Wenn ich Grieche wäre, hätte ich mein Geld schon längst ausser Landes geschafft und wäre ausgewandert.

http://www.bloomberg.com/quote/GBTPGR10:IND

Keine Kommentare zu «Die Kurve, die alles erklärt»

  • Michael Schwarz sagt:

    Italien ist jetzt auf die Reihe zum Kippen, weitere EU-Länder steht auf der Liste der gefährdete Art, solange die EU nicht von überschuldeten Ländern wie Griechenland, Portugal, womöglich auch Italien trennen, womit die Instabilität in EU eindämmt und versucht die EU zu retten, was noch zu retten ist.

    Die EU-Politiker wollen einfach nicht wahr haben, das Traum der EU-Gemeinschaft zu einem Albtraum geworden ist. Sie müssen endlich die Realität vor den Augen führen, dass die EU vor einem Zusammenbruch steht, auch wenn die Politiker so bemüht haben, das Albtraum zu retten. Die Stabilität in EU kann nur wiederherstellt werden, wenn EU-Politiker die Abtrennung von überschuldeten Staaten zustimmen, weitere Verzögerung können die EU-Politiker jetzt nicht mehr leisten.

    • Andres Müller sagt:

      Herr Schwarz, das Problem ist ja nicht die Europäische Idee, sondern deren Umsetzung. Gerade das was die Märkte nicht wollten und immer dagegen kämpften, nämlich die Regulierung, führte nun zu diesen Schwierigkeiten. Die Idee Europas wurde von der Finanzmafia unterhöhlt und korrumpiert. Genauso ist das aber auch in den USA und anderen Staatengebilde. Zuoberst auf der Pyramide der gescheiterten Wirtschaftsverbunde ist die Globalisierung, und die wurde am meisten korrumpiert und vom Markt kaput investiert. Warum sonst sollten die Aktienmärkte Weltweit einbrechen wenn Europa humpelt, wenn nicht insgesamt das kapitalistische System gescheitert wäre? Es gibt keine Lösung in Europa, weil es nirgends eine Lösung gibt, solange die Märkte so strukturiert bleiben wie sie jetzt organisiert sind. Wir haben ein globales Problem und Europas Süden ist nur eines der schwächeren Glieder. Ansonsten gibt es zu Europa keine Alternative die für alle Beteiligten günstiger wäre.

      • Michael Schwarz sagt:

        @Andres Müller:

        Das System der Marktwirtschaft ist nicht für den Systemzusammenbruch verantwortlich. Eine freiere Wirtschaft benötigt Märkte, die die Freiheit des Handels garantieren, ohne Märkte gibt es keine freiere Marktwirtschaft. Deshalb liegt die Ursache nicht in dem Konzept der freieren Marktwirtschaft, sondern bei der Wirtschaftspolitik und die Vernetzung zwischen den Politikern und Unternehmern. Die Grenzen zwischen der Wirtschaft und Politiker ist damit nicht mehr eindeutig erkennbar, bzw. trennbar. Kurz gesagt, ein Staat ist heute ein Unternehmer mutiert, obwohl er andere Aufgabe und Ziele hat, als ein Privatunternehmer. Diese Entwicklung der Deregulierung, die seit Anfang der 90er stattfand, wird durch das Glauben und die Überzeugung getrieben, dass der Staat ineffizient sei und der Markt wird alle von sich aus regeln.

        Ein gutes Gegenbeispiel ist China. Die Chinesen haben die Welt bewiesen, dass der Staat und die Wirtschaft durchaus effizient sein kann, ohne die Regulierung aufzugeben – dieses Vergleich mit China kann man natürlich nur begrenzt auf uns übertragen. Auch die Schweiz ist ein gutes Beispiel, dass der Staat effizient sein kann, ohne die Deregulierung.

        Fazit: das Versagen der Ausgleichsmechanismen ist auf die Verschmelzung der Politik und Wirtschaft zurückzuführen, sowie das Blindglauben des effizienten Marktes, welches von Wirtschaftstheoretikern in letzten 80 Jahren propagiert wurde, deren Vertreter sind die Nobelpreisträger wie Hayek usw.

  • Michael Schwarz sagt:

    Die Ära der klassisch ökonomischen Modelle haben ein Ende, aber leider sind die alternativen Theorien nicht vorhanden. Das Ungleichgewicht und Unberechenbarkeit werden zunehmen, die das Wirtschaftssystem wieder zum Kollaps bringen werden. Die nächste Krise wird das gesellschaftliche, demokratische und soziale System komplett zerstören, deshalb ist es Zeit neue Wege und Lösungsansätze zu finden, die das Ungleichgewicht im System rasch abgebaut werden kann. D.h. Abbau der Staatsverschuldung, Anhebung der Erbschaftsteuer und der Einkommensteuer.

    Die meisten Politiker in USA und EU sind nicht bereit Risiken einzugehen, die womöglich zum Abwahl führen könnte. Die Geldpolitik kann das System nicht mehr retten, im Gegenteil, die expansive Geldpolitik beschleunigt den Zusammenbruch dieses Systems. Die Ökonomen, die für Zentralbank arbeiten, sind von ökonomischen Modellen überzeugt, obwohl viele Aussage der ökonomischen Theorie nicht empirisch verifiziert sind. Kurz gesagt, man schiesst blind, ohne genau hinzu sehen, denn hofft darauf es funktioniert.

    Die expansive Geldpolitik der Fed wirkt wie eine Virus, die das globale Finanzsystem infiziert, wodurch am Ende das globale Finanzsystem destabilisiert, womöglich es kollabieren lassen. Nach zwei Jahren können wir klar erkennen. Die Immobilienkrise als Auslöser gedient wurde, mutiert zu einem globalen Systemkrise; der Katalysator war die extrem expansive Geldpolitik der USA.

    Die höhe Arbeitslosigkeit in den USA ist weiterhin auf mangelnde Investition zurückzuführen, es zeigt, dass die USA in letzten zwei Jahren nicht an das wichtigste Problem gearbeitet – das Vertrauen wieder zu gewinnen, die Investitionsfreundliche Klima wiederherzustellen. Es scheint, dass die US-Politiker und Ökonomen alle überfordert sind.

    Die Kritik der US-Politiker an EU sind eine politische Ablenkung eigner Probleme. Die US-Politiker haben in letzten zwei Jahren die wertvolle Zeit nicht richtig genutzt, das Kernproblem stückweise zu lösen, sie haben es nicht einmal angefangen. Dumme Politiker kann man verstehen, dumme Ökonomen sind unverzeihlich.

  • Anh Toan sagt:

    @Tobias Straumann: Warum war in Deutschland möglich, was Sie für Griechenland, Italien Spanien als unmöglich erachten, nämlich die Senkung der realen Löhne und Preise zur Wiedererlangung der internationalen Konkurrenzfähigkeit? Was unterscheidet Deutschland so grundsätzlich von Italien? Ist es protestantische Arbeits- und Sparsamkeitsethik gegenüber katholischer Lebensfreude? Wieso verlangen Ökonomen die Unabhängigkeut der Notenbanken, wenn sie vorschlagen, die Defizitexzesse der Politik mittels Notenpresse zu lösen? Könnte man nicht die Politiker gleich Geld drucken lassen und auf den Umweg über Zinsen, Kredite und Gläubiger verzichten?

    Eine schwache Währung erscheint mir kein nachhaltiges Geschäftsmodell für Volkswirtschaften: Es entsteht eine Wirtschaft, welche Produkte herstellt, die sich nur billig verkaufen lassen. Diese Wirtschaft ist auf eine schwache Währung angewiesen. Es entsteht ein Abwertungsspirale und -wettbewerb gegenüber anderen Staaten, die auch versuchen, mittels schwacher Währung ihre Exportwirtschaft anzukurbeln. Endergebnis ist die Wertlosigkeit der eigenen Währung, das ist wirtschaftlich betrachtet der Staatsbankrott.

    Diese Zusammenhänge lassen sich am Beispiel von FIAT sehr gut erläutern: In den Achtzigern und Neunzigern baute Fiat billige Autos, verloren dennoch Marktanteile entweder an die billigeren Asiaten oder die qualitativ viel besseren Deutschen oder etwas besseren Franzosen. Mit dem Euro war der Weg über den Preis kein valables Geschäftsmodell mehr, man wurde fast von GM übernommen. Dann entdeckte man die ursprüngliche Qualität des italienischen Automobilbaus, das Design. Italienische Autos sind qualitativ wohl noch immer schlecht, dafür wunderschön und recht teuer. Was Armani und Versace können, kann auch FIAT, es geht dem Konzern heute deutlich besser, statt von GM übernommen zu werden, hat FIAT Chrysler geschluckt. Vor zwei Wochen hat Standard & Poor’s das Kreditrating um zwei Stufen angehoben. Trotz oder wegen oder alles unabhängig von der starken Währung?

    • Michael Schwarz sagt:

      @Anh Toan:

      Die Entwertung eigner Währung wird nie das Kernproblem lösen, wenn wir die afrikanischen Länder analysieren. Die Entwertung der Währung verschafft neue Probleme, die in Zukunft auftauchen werden, gleichzeitig die bestehenden Probleme dadurch nicht direkt löst, sondern in Zukunft verschoben werden. D.h. wir haben in naher Zukunft doppelte Probleme lösen müssen – sie summiert sich bei jeder Krise, weil wir erst gar nicht versucht haben, sie an Ort und Stelle zu lösen.

      Der Rückgang des Wachstums bringen die summierten Problematik zum Vorschein, das ist Grund warum wir seit zwei Jahren von einer Krise zu anderer übergegangen sind, obwohl wir die Finanzkrise nicht vollständig überstanden haben. Wir stehen vor einem wirtschaftshistorischen Wendepunkt, d.h. wir müssen die Strukturen, in den wir seit Jahrhunderten gelebt und gearbeitet haben, gründlich überdenken. Das gesamt soziale und demokratische System steht vor einem Kollaps, was der Kapitalmarkt sicherlich auch treffen werde. Diese Gefahr wird von Politikern und Anlegern weitergehend unterschätzt, langsam wachen die Menschen auf, erkennen sie wie schwerwiegend das Problem im System ist.

      Das Systemausfallrisiko steigen durch vermindertes Wachstum, wir sind bereits in diesem Phase, dieses Risiko ist so hoch wie noch nie in der Wirtschaftsschicht letzten 40 Jahren. In diesem Punkt kann man durchaus mit der Krise in der 30er vergleichen. Aber die Vergleichbarkeit und Übertragbarkeit mit der Krise in der 30er ist eher eingeschränkt, weil heute eine ganz andere Bedingungen herrscht, als in 30er. Das ist auch die Erklärung warum das globale Handel immer noch funktioniert, obwohl das Vertrauen im Keller ist.

      • Michael Schwarz sagt:

        Die globale Konflikte wird nahe Zukunft zunehmen, weil wir gezwungen mit unterschiedlichen Vorstellungen und Ideologie auszukommen, die grundlegend sich unterscheidet. Der Terrorismus und die Finanzkrise, Banken- und Währungskrise sind die Symptome dafür, dass unseres Wirtschaftssystem bereits sehr krank ist, das System versucht das Gleichgewicht wiederherzustellen, auch wenn der Mittel nicht Human ist.

        Die Schlussfolgerung aus den Ereignissen in letzten 10 Jahren, zeigen es, dass wir mit der Geldpolitik die gegenwärtige Krise, vor allem auch die kommende Krise nicht mehr bewältigen können. Das Wachstum, welches durch Inflationen erzeugt wurden, was die Geldpolitik in der Vergangenheit versucht hat, funktioniert in gegenwärtige und kommende Krise nicht mehr. Die Notenbanken haben nach der Abschaffung des Bretton-Wood System, das Wachstum durch den Inflationsängsten der Menschen angekoppelt, aber die Grenze der Möglichkeit in gegenwärtigem System ist ausgereift – der Saft wurde vollständig ausgepresst, keine Reserve mehr vorhanden. Die nationale Notenbanken wird bald einem Ende finden, die globale Probleme benötigen globale Lösung und globale Regulierung.

  • Josef sagt:

    „Wenn ich Grieche wäre, hätte ich mein Geld schon längst ausser Landes geschafft und wäre ausgewandert.“

    Diese Haltung, aber auch ein System, dass eine solches Handeln möglich macht, ist eine wesentliche Ursache für die Probleme, die zudem letztlich dem Handelnden selber auch schadet.

    (soeben lesen wir, dass die Griechen in London investieren…)

    • Anh Toan sagt:

      @Josef: Die Systeme in Nordkorea, Myanmar, Eritrea, auch China verhindern, dass Bürger ihr Vermögen oder gar sich selbst ins Ausland schaffen. In einem System in welchem Vermögenswerte nicht ins Ausland geschaffen werden können, wäre das Streben der Bürger darauf gerichtet, die Vermögenswerte direkt im Ausland entstehen zu lassen. Systeme, bei denen die Grenzen in die Richtung gesichert sind, dass sich der Bürger nicht ins Ausland absetzen kann (sofern ein ausländischer Staat ihn aufnimmt), heissen Lager oder Gefängnis.

      • Josef sagt:

        Selbst wenn sie recht hätten, ändert das nichts an meiner Aussage!

        • Anh Toan sagt:

          @Josef: Sie halten Systeme, welche das Auswandern verhindern, für eine Ursache der Probleme, ich halte Systeme, welche das Auswandern verhindern, für totalitär. Dies ändert nichts an Ihrer Aussage, damit haben Sie recht.

          Ps: Hätten Sie den Nebensatz über die Systeme, die das zulassen, nicht geschrieben, hätte ich es nicht kommentiert, wenn auch nicht unterschrieben.

  • Yvo Pfenninger sagt:

    Guten Abend Herr XY
    Ich möchte mich für die von Ihnen verfassten Kommentare bedanken. Sie haben Dinge auf den Punkt gebracht und Sätze formuliert, über welche ich mir seit ca. zwei Jahren den Kopf zerbreche.
    Ich gehe mit Ihnen in ausnahmslos allen Punkten einig. Diese Überlegungen sind Produkt von Beobachtung und logischem Denken. Gaben, die eigentlich einem Grossteil der Menschheit gegeben sein sollten.

    Ich probiere seit langem bei mir nahe stehenden Menschen durchzudringen um ihnen die Problematik dieses Systems begreifbar zu machen. Wirklich verstanden werde ich indes aber nur sehr selten. Es scheint mir, als seien viele zu sehr damit beschäftig, genug Geld zu beschaffen um Leasingraten für teure Autos und Hypothekarzinsen zu bezahlen.

    Gewalttätige Konflikte sind logische Konsequenz, nicht ein worst case Szenario. Um eine inflationssichere, globale Währung werden wir nicht herum kommen. Die Frage ist nur, wie viel Armut, Gewalt und Schmerz ist nötig, damit Leute wie Sie von der Masse gehört und verstanden werden?

    • Patrick sagt:

      @ Herr XY: Noch etwas ist mir aufgefallen: „Die liquideste Geldumlaufform sollte unbedingt zinsfrei, dafür inflationssicher sein, damit sie als verlässliches Entlöhnungs- und Tauschmittel taugt.“

      Unser heutiges Notengeld ist ja zinsfrei. Aber wie soll Geld jemals Inflationssicher werden?

      Ist eine Inflation gänzlich ausgeschlossen, wenn die Geldmenge absolut limitiert wird? Nur, wenn die Gütermenge stetig zunimmt, was dann aber zu Deflation – dem Schreckgespenst der VWL’er – führt. Sie würden ja quasi einen konstanten Geldwert anstreben, was mir zu Erreichen eher verwegen erscheint.

  • Urs sagt:

    Der Chart dort oben… bei ihm wie auch bei vielen anderen aus dem Finanzsektor vermisse ich die Demokratische Legitimation welche der aktuellen Relevanz die diese Charts haben nicht gerecht wird…

    So oder so sind die VErhandlungen mit den Banken als Mittelsmänner eine völlige pervertierung dessen was wir über die Jahre so manchem anderen Land als Nachholbedarf unter die Nase gerieben haben. Freiheit und Demokratie stehen nach wie vor auf einem sehr hohen Podest und dienen als Legitimation u.a auch dafür die Fehlentwicklungen unter die zahllosen Teppiche kehren zu können…

    Die Mitspracherechte von Mio. Europäern werden aber mit einer selbstverständlichkeit zu Grabe getragen das wohl die Feststellung gerechtfertigt ist das sich die politischen Landschaften in den EU Ländern in die authoritär-konservative Ecke des Gesellschaftlichen und Politischen Spektrums verlagert haben. Die Demokratie wird der Effizienz, dem Rendite und Profitgedanken geopfert…

    Das Demokratische Monster das für ein paar Stunden in Griechenland aufgetaucht ist wurde und musste mit allen Mitteln bezwungen werden. Zu Gunsten von wen genau? Einmal mehr wurde den Investoren ein weiteres Opfer dargebracht und eine Kettenreaktion im rest von Europa wollte ja auch keiner…

    Wäre ja noch schöner wenn sich die Bürger zwischen die Politik und Kreditoren stellen könnten…

    • Anh Toan sagt:

      @Urs und viele andere: Soll in einer parlamentarischen Demokratie eine Frage dem Volk vorgelegt werden, wird das Parlament aufgelöst und Neuwahlen veranstaltet. Der Bürger stimmt mittels Wahl über die von den Parteien ausgearbeiteten Konzepte (EU-Spar-Terror oder Austritt aus EU) ab. Papandreou wollte an der Macht bleiben (darum keine Neuwahlen), jedoch sich mittels Volksabstimmung aus der Verantwortung stehlen. Das ist verfassungswidrig und undemokratisch. Das Jammern der Demokratieverteidiger, die nicht verstehen, dass Demokratie nur mit Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten funktioniert, ist fehl am Platz. In Demokratien regiert nicht das Volk, sondern die Regierung. (Selbst in der Schweiz mit den direkten Volksrechten regiert nicht das Volk, es ist bestenfalls Opposition gegenüber einer grossen Koalition in Parlament und Regierung.)

    • Thomas Ernst sagt:

      @Anh Toan:
      Das ist eine typisch legalistische Betrachtungsweise. Demokratie bedeutet letztlich Herrschaft des Volkes, die Idee ist One-man-one-vote. Alle sind gleichgestellt.
      Was die sog. Parlamentarischen Demokratien heute haben (und CH z.B. im Nationalrat ebenfalls) ist eine Parteienherrschaft, wo die Parteibonzen faktisch die Macht haben.

      Die Frage ist, wie die Exekutive tatsächlich kontrolliert und in ihrer Machtfülle begrenzt werden kann. In CH geht das stark via Initiative/Referendum. In DE und anderen Deppokratieren gibts die Kontrolle nicht.

      In der Schweiz haben wir auch rechtsstaatsfreie Bereiche, z.B. die Nationalbank. Was dabei rauskommt, sieht man jetzt gerade, wo Hildebrand das Helvetische Volksvermögen in das EUROfassohneboden kippt.

      Dass Demokratie nicht dasselbe ist wie Rechtsstaat ist jedem klar, der sich mal damit befasst hat. Es wäre theoretisch eine rechtsstaatliche Monarchie oder eine rechtsstaatliche Diktatur denkbar. Das Problem ist nur, dass der Diktator – eben weil er ja der Souverän ist – nicht mehr effektiv kontrolliert werden kann, und dann geht über kurz oder lang der Rechtsstaat flöten.
      Daher gibt es in der Praxis nur demokratische Rechtsstaaten.

      • Anh Toan sagt:

        @Thomas Ernst: Die Schweiz ist also die einzige Demokratie der Welt, alles andere sind bestenfalls Parteienherrschaften. Nachdem Sie alles so klar dargestellt haben, bleibt nur noch eine Frage: War die Schweiz vor oder ist die Schweiz erst seit 1971 (Frauenstimmrecht) eine Demokratie? Ist sie es heute, kann sie vor 1971 keine gewesen sein, da mehr als die Hälfte der Bürger vom Wahlrecht ausgeschlossen blieb. Da können auch direkte Volksrechte nichts helfen, wenn sie nur einer Minderheit der Bürger (den Männern) gewährt wurden.

        Mit Referendum und Initiative hat in der Schweiz das Volk einen direkten Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess, also die Legislative und nicht wie Sie schreiben, die Regierung (Exekutive). Welchen Regierungsentscheid des Bundes können Sie mit einem Referendum anfechten? (Kantone kennen zum Teil Referendum bei grossen Ausgaben.)

        Rechtsstaatlichkeit bedeutet übrigens, dass der Staat (insbesondere Regierung und Verwaltungsbehörden) an seine eigenen Gesetze gebunden ist, er eben nicht nach Gutdünken z.B. darüber entscheidet, welche Frage dem Volk vorgelegt wird und welche nicht. Die eingesetzte Regierung hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht zu regieren, und kann dies nicht aufs Volk abschieben, nur weil sie nicht die Verantwortung für einen notwendigen, wenn auch unangenehmen, Entscheid übernehmen will. Ausserdem würde ich z.B. Singapore eindeutig als Rechtsstaat bezeichnen, jedoch nicht als Demokratie. Die Frage der Kontrolle der Regierung hat wenig mit Rechtsstaatlichkeit und viel mit dem Prinzip der Gewaltenteilung zu tun (Gibt es eine unabhängige Justiz, welche Entscheide auf ihre Rechtmässigkeit überprüft?)

        Apropos „rechsstaatfreier Bereich“ Nationalbank: Die Aufgaben, der Entscheidfindungsprozess (Direktorium) die Wahl und die Kontrolle (Berichte) der NB finden sich grundlegend in der Verfassung und detailliert im Gesetz, Ich verstehe nicht, wo Sie hier einen rechts(staat)freien Raum sehen. Wollen Sie Volksabstimmungen über Währungspolitik?

        Nur wir Schweizer sind schlau, der Rest der Welt ist zu doof um zu merken, dass sie in „Deppokratieren“ von Parteibonzen unterjocht werden.

      • Thomas Ernst sagt:

        @Anh Toan:
        Soweit die Regierung im Rechtsstaat die gesetzlichen Vorgaben umsetzt, nimmt der Souverän sehr wohl Einfluss darauf, aber das sind untergeordnete Kritteleien.

        Ich habe nirgends gesagt oder geschrieben, dass die übrigen Länder bzw. deren Bevölkerung zu dumm sind, für echte Demokratie. Ich habe lediglich geschrieben, dass die Farce, die in Ländern wie den USA, BRDDR, FR, GR etc. etc. abgezogen wird, damit alle vier Jahre die immer gleichen Parteifritzen in den Hinterzimmern bestimmen, was für das Vokswohl das beste (d.h. für die eigenen Interessen das lukrativste, exklusivste und ruhmvollste) ist, mit Demokratie nichts zu tun hat.

        Dass wir z.B. im Nationalrat auch eine Parteienherrschaft haben, und dass wir Helvetier unsere Direkte Demokratie mehr aus Gewohnheit, als aus Überzeugung betreiben, würde ich noch nicht mal bestreiten. Auch bestreite ich nicht, dass die Zeit vor der Einführung des Frauenstimmrechts auch hierzulande die Demokratie arg limitiert war (wenn auch – wegen dem weiblichen Hang zum Geldausgeben wirtschaftlich solider).

        Die üble Melange aus Medien, Grossfinanz, Internationalen Konzernen, Staatsmafia (aka CIA, FBI, BND, Bundesanwaltschaft etc.) und Politikfilz grassiert überall. Nur mit direkter Demokratie, schonungsloser Offenheit (Verbot JEGLICHER Geheimhaltung aller öffentlicher Akten, Karenzfrist 2 Jahre) und Zerschlagung von Grossunternehmen könnten wir die sich anbahnende Katastrophe mit neuem Feudalismus und weltweiter Sklaverei noch Einhalt gebieten. Die Chancen dafür stehen aber nicht gut.

        Nein, wir Schweizer haben keinen Grund zur Hochnäsigkeit, sondern zur Dankbarkeit. Viele Menschen in vielen Ländern hätte gerne wenigstens soviel direktdemokratische Kontrolle, wie sie hier -noch- üblich sind. Auch hier sind aber egomane Bundesrätinnen (ja, allen voran das machtgeile bündner Bundesstilzchen), Linke Politiker und Euroturbos im Verein mit eingebildeten Bundesrichtern daran, die Kontrolle des Volkes unter allerlei Vorwänden zu beschneiden. Die Freiheit verdunstet.

        • Urs sagt:

          Hr. Ernst… Denken Sie nicht das sie beim nächsten Gang um die Ecke dafür mit Fingernägeln, Handtaschen und Fusstritten versorgt werden?

          „….(wenn auch – wegen dem weiblichen Hang zum Geldausgeben wirtschaftlich solider)….“

          😉

  • Martin Holzherr sagt:

    Dem Fazit von Herr Straumann kann ich zustimmen. Die Kräfteverhältnisse in der Eurozone machen die gemeinsame Währung zum Ballast für die schwächeren Länder. Bis jetzt meinten die PIIGS-Länder, der Euro habe ihnen einen Boom beschert. Doch der Boom war auf Pump. Der gemeinsame Währungsraum ist in dieser Form nicht nachhaltig.

    Es gibt zwei Lösungsmöglichkeiten. Die eine geht über eine stärkere politische und wirtschaftliche Integration, was aber mit einem teilweisen Souveränitätsverlust (vor allem für die schwächeren Länder) verbunden wäre oder aber eine Aufspaltung in zwei Währungszonen, also einen Nord- und einen Südeuro wie das schon zu Beginn der Krise von einigen vorgeschlagen wurde. Allerdings hört man in letzter Zeit kaum noch etwas von solch einer Aufspaltung des Währungsraums, obwohl mir das eine recht gute Lösung erscheint falls die meisten europäischen Länder ihre Eigenarten und ihre Selbständigkeit bewahren wollen.

  • Peter Burkhard sagt:

    Natürlich kann man das politisch durchsetzen: Das ist genau das, was Griechenland jetzt vordemonstriert (und Italien fängt damit auch gerade an). Entweder schleichende Entwertung der Landeswährung über die Jahre – oder alle 10 oder 20 Jahre eine Rosskur.
    Ob das die EU politisch überleben wird ist allerdings eine ganz andere Frage.

  • Hampi sagt:

    Die hohe Zinsdifferenz von Italien, Spanien und Co. ist der Preis für die fehlende Fiskalintegration im Euro-Raum. Sie ersetzt den nötigen Druck, die aus einer solidarischen und integrierten Union entstehen würde, um den Südeuropäern wieder Arithmetik beizubringen.

    Natürlich wäre es einfacher, durch eine Entwertung der Währung, die Löhne effektiv und indirekt auf einen Schlag um das Nötige zu reduzieren, als durch direkte Lohnkürzungen. Der Grund dafür ist theoretisch banal und in der Praxis kompliziert:

    Die Empfindung, dass alles 20 % teuerer wird, ist nicht diesselbe, wie die Empfindung, wenn ich 20 % weniger verdiene. Ökonomisch (auch für die Bürger) gesehen ist es aber mehr oder weniger dasselbe. Aber während ich im ersten Fall (Abwertung Währung) der Inflation, einer höheren Gewalt (eventl. böse Kräfte) oder wem weiss ich noch, die Schuld geben könnte, ist es im zweiten Fall ganz eindeutig: Der Schuldige wäre der Arbeitgeber und indirekt die Regierung. Und in einer Gesellschaft, die gespalten ist in eine linke und rechte Indoktrination, funktioniert die Möglichkeit der Abwertung der Währung leider viel problemloser, als schwerfällige und den Klassenkampf beschwördende Lohnkürzungen.

    Die Betrachtung der beiden „Möglichkeiten“ ist jedoch reine Theorie. Wenn man in der Praxis die absolute Katastrophe ausschliessen will, steht nur die Möglichkeit der Summe aus Lohnkürzungen und Produktivitätssteigerung zur Verfügung.

    Deshalb werden die Reformen im Arbeitsmarkt bei den Problemländern entscheidend sein. Die Unzahl an Arbeitslosen in Spanien sollte zu tieferen Löhnen wieder eine Anstellung finden dürfen und Arbeitgeber, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, sollten die Möglichkeit haben, anstatt den Leuten zu kündigen und/oder Konkurs anzumelden, das gesamte Lohnniveau zu senken. Der Staat müsste anstatt den Beamten eine generelle Lebensversicherung zu geben (unkündbar), Leistungen einschätzen und entsprechend belohnen/bestrafen. Somit wären sie fähig, die enormen Kosten, die durch eine langsam und schlecht funktionierende Staats-Administration entstehen, mit weniger Beamten zu senken.

    Würden die Wähler und Politiker nicht dauernd von ihren Dogmen gejagt, wäre eine Lösung durchaus möglich. Aber eben, …… zum Glück ist da noch die real existierende Zinsdifferenz!

  • Michael Schwarz sagt:

    Ein weiteres Problem in EU ist die inflationäre Entwicklung, was zum Verlust des nachhaltigen Kaufkraft führen wird. Die Zinssenkung der EZB ist nach meiner Meinung nach verfrüht, d.h. die Entwicklung des Wachstum und der Inflation könnte auseinander driftet, das wäre eine gefährliche Entwicklung für die Weltwirtschaft, d.h. wir entwickelt uns Zurück in die 80er.

    • Josef sagt:

      Inflation hat zwar niemand gerne, aber vielleicht ist es das einzige und letzte Mittel, die Vermögens- und Schuldentürme gleichmässig abzutragen. Dazu wäre es aber sehr wichtig, dass die Zinsen gleichzeitig unten bleiben, sonst profitieren nämlich doch nur wieder die Vermögen und die Inflation würde ihr Ziel verfehlen.

      • Anh Toan sagt:

        @Josef: Abgetragen werden mittels Inflation vor allem die Vermögen der Mittelklasse, nämlich Rentenansprüche und Sparguthaben. Gerade bei tiefen Zinsen, nehmen die Reichen viel Kredit auf und investieren in Sachwerte (Immobilien, Rohstoffe, Unternehmen), was dazu führt, dass sie noch reicher werden. Die Mittelklasse hat nicht den gleichen Zugang zu Kredit, ihr ist dieser Weg weitgehend verschlossen. Wollen Sie an das Geld der Reichen, bleibt nur Enteignung, welche man allenfalls freundlich bezeichnen kann (Vermögens- und Erbschaftssteuern).

        • Josef sagt:

          Egal wie man es bezeichnet, die Gleichung lautet: Vermögen = Schulden. Man kann nicht Schulden abbauen, ohne (Geld-)Vermögen abzubauen!
          Ein erschwerender Faktor ist vermutlich, dass Vermögen nicht immer Geldvermögen ist. Schulden sind aber immer Geldschulden. Früher war das anders. Da konnte man auch mit seiner Ernte bezahlen…

  • Yves Latour sagt:

    Tägliche „heatmap“ mit den EUR Bond-Renditen: http://pigbonds.info/

  • Andres Müller sagt:

    Herr XY, ich würde es begrüssen wenn ihnen Newsnetz einen Job im Bereich Finanzinformationen anbieten würde.

    • Patrick sagt:

      Herr XY, Sie überraschen mich:) Hatte ich doch kurz den Verdacht, dass da ein Soziologe schreibt, der die Notwendigkeit von Zins nicht nachvollziehen kann. Dem ist wohl nicht so:)

      Ja, unter den genannten Bedingungen ist ein Leverage doch etwas sehr Förderliches für die Output-Maximierung. Weshalb irgendjemand dem griechischen Staat Geld geliehen hat, ist eine Frage, die ich mir auch gestellt habe …

      Auch wenn mir bewusst ist, dass es immer wieder bizarre Spiele gibt, kann ich nicht an einen solchen Bund glauben. Zumindest keinen expliziten. Einen impliziten möglicherweise. Im Sinne von: Jetzt können wir die paar Mia. ja auch den Griechen geben, sollte es hops gehen wird die EU schon schauen. Dies auf Seite der Investoren und auf Seite der Politiker: Nun kommen wir endlich zu Geld! Kaufen wir uns eine Wiederwahl! Praktisch für beide Seiten, also geschah dies.

      Gegen solche Überlegungen hilft ja eigentlich nur eins und das ist nicht der Verzicht auf die Möglichkeit, sich zu verschulden, sondern ein striktes „No-Bailout-System“: Wer hineingreift, soll schmutzige Hände haben.

      Dumm nur gibt es TBTF-Institutionen. Diese gehören zurecht gestutzt, damit wieder ausbaden muss, wer’s eingebrockt hat.

      • Andres Müller sagt:

        „dass da ein Soziologe schreibt, der die Notwendigkeit von Zins nicht nachvollziehen kann.“

        Die braucht es auch nicht notwendigerweise, Herr Patrick. Ich bin zwar kein Soziologe, aber Systemanalytiker. Das Finanzsystem ist ein System -wenn auch eines das im Computer innerhalb von ca. 50 Jahren nach einer Währungsreform in einer durch das Zinsensystem verursachten Megablase kollabiert. Der Kollaps entsteht rechnerisch gesichert durch einen Investitionsstau infolge einer Umverteilungspyramide, oben nur noch ein paar hundert Multimilliardäre und unten Milliarden Menschen ohne Vermögen und mit Schulden. In der Mitte der Pyramide eine stark ausgedünnte Mittelschicht von ca. 300 Millionen Menschen. Der genaue Zeitpunkt des Kollaps kann nicht genau vorausgesagt werden, denn er geschieht erst sobald der Systemzusammebruch als mit höchster Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist. Diese Wahrscheinlichkeit können Soziologen herauszufinden versuchen, indem sie analysieren wann eine grosse kritisch Anzahl Menschen kollektiv das Vertrauen verliert.

        Den Zins benötigt es nur wenn Private anderen Privaten Geld ausleihen -und davon gut leben möchten. Ich sehe erstens nicht ein warum Geld unbedingt von Privaten ausgeliehen werden muss, zweitens sehe ich nicht ein warum überhaupt jemand von Zinsen leben muss und drittens warum Geld nicht direkt vom Staat ausgeliehen werden könnte. Herr XY hat es ja schön dargestellt was es dazu braucht das ein Geldgeber einem Antrag Vertrauen kann. Der Staat als Geldausleiher müsste praktisch keinen Zins einfordern und die Finanzberater welche das geliehene Geld besorgen könnten auch alleine von ihren Arbeitsstunden leben und diese dadurch einem Antragsteller verrechnen..

      • Andres Müller sagt:

        Herr XY, Sie schreiben: „Die liquideste Geldumlaufform sollte unbedingt zinsfrei, dafür inflationssicher sein, damit sie als verlässliches Entlöhnungs- und Tauschmittel taugt.“

        Was würden sie von Arbeitsstunden-Geld halten? Sagen wir mal jede 20te Arbeitsstunde wird nicht in Währung ausbezahlt, sondern in Arbeitsstunden. Jede Dienstleistung und jedes Produkt hat neben seinem Preis in Währung den 20tel in Arbeitsstunden eingerechnet -den Menschen für dessen Herstellung oder Leistung benötigen.

        Ich lasse einen Elektriker kommen, dazu muss ich den 20tel Teil seines Aufwand in Stunden selber in meinem Beruf leisten. Die Umrechung Arbeitsstunden-Geld in Währung ist gesetzlich verboten, die Entegennahme für den Verkäufer Pflicht. Dies würde zu einem viel gerechteren System führen, weil dadurch zu hoher Reichtum in Währung sinnlos würde. Ich müsste immer 1/20 jener Arbeit leisten die für die Erzeugung irgendwelcher Dienstleistung oder eines Produktes geleistet wird. Damit würden Ackermanns -Millionen Sinnlos, der Spielraum für Vermögensungleichheit eingeschränkt. Das einzige Problem dieses Systems wäre dessen Implementierung. Der Auszahlende des Arbeitsstunden-Geldes wäre der Staat, was über das Steuerformular gelöst werden könnte.

    • Andres Müller sagt:

      „@ Andres Müller: Zu Newsnetz … damit ich nicht mehr hier herumnerve? “

      Sie haben ja auch hier Recht Herr XY, im offiziellen Pressekodex wäre es wohl aus mit der Verbeitung von zu viel ökonomischer Glasnost. Innerhalb kommerzieller Presseprodukte ist Transparenz über die ursächlichen Hintergründe des Profit (von dem auch die Medien leben) wenig erwünscht. Aber Herr Löpfe darf immerhin in letzter Zeit ab und zu wenigstens einen Schimmer von Perestroika verbreiten.

      • Patrick sagt:

        @Herr Müller
        Das Problem bei solchen Systemanalysen ist, so schätze ich, dass sie das System nicht vollständig abbilden und deshalb zu wirren Ergebnissen kommen. Was sie schildern, klingt sehr ähnlich wie die Konzentrationsthese von einem Herrn Marx. Diese ist in der Zwischenzeit etwas in die Jahre gekommen und die Konzentration fand nicht in der prognostizierten Form statt. Ich vermute, dass es bei der von ihnen geschilderten Simulation ähnlich sein wird.

        Sie schildern nur die Ergebnisse der Simulation, aber nicht deren Parameter, weshalb ich meine Vermutung schlecht begründen kann.

        Zins benötigt es nicht nur unter Privaten, sondern grundsätzlich, wenn Kapital verliehen wird. Kapital stellt in meiner einfachen Vorstellungswelt so etwas wie kondensierte Arbeitszeit dar. Damit Kapital in Projekte fliesst, die auch etwas versprechen ist eine Hurdle Rate ziemlich notwendig, da ansonsten jenste Dinge finanziert werden, die eigentlich einen ungenügenden Nutzen bringen.

        Zudem ist es so, dass sie als Investor immer auch die Möglichkeit haben, nicht zu investieren, sondern sofort zu konsumieren. Für den Konsumverzicht heute erhalten sie ein Entgelt. Ohne einen Zins gibt es keinen Grund heute auf Konsum zu verzichten.

        Und zur Idee bezüglich des Staates als Kreditgeber. Nun ja, in der realen Welt habe ich da ganz ehrlich viel lieber Banken die in Konkurrenz zu einander stehen. Korruption als Stichwort. Filz etc.

        Und zu guter Letzt: Wenn es fast kein Zins kostet, würde ich mir, ev. zusammen mit dem genannten Berater, eine grössere Scheinfirma zimmern und mir danach – finanziert durch den Staat – ein schönes Leben machen.

        Grundsätzlich würde mich aber sehr interessieren, wie der Mechanismus funktioniert, der zu dieser Konzentration führt, den sie im ersten Teil beschreiben.

        Weil, Zinsen gibt es länger als den eigentlich Kapitalismus, die Konzentration entstand bisher nicht in dieser Form.

      • Urs sagt:

        @Patrick, das mit den Zinsen und der Akkumulation… wer hat heute Kapital zum Investieren und wer erhält demzufolge auch die Erträge der Kreditvergabe. Das dazu nötige Vermögen konzentriert sich in immer weniger Händen… doch keienr davon ist bereit Investitionen mit Verlust zu tätigen (was der akkumulation entgegen treten würde) sondern erwartet quasi als „Naturgesetz“ Renditen und Profite….

        Heute bzw. in den aktuellen Debatten wird stets nur über die Schuldner gesprochen aber nie über die Vermögen denen diese gegenüberstehen. Die Griechenland Debatte wäre für viele verm. Aufschlussreicher würde mal über die Vermögen nachgedacht. Also über diejenigen die bei dem Spiel verlieren würden…

        Die Occupy Bewegung spricht von den 99% was noch viel zu Nett und Rücksichtsvoll ist. In den eltzten ca. 20 jahren sind von 100% Wirtschaftsleistung ca. 80% zu dem Reichsten 1% transferiert worden wovon dann wieder ca. 40% weitere an die näcshten 0.1% transferiert worden sind.

        Die ürbigen ca. 20% verteilt sich auf den ganzen Rest wovon wiederum die Standardlohnempfänger nicht’s erhalten haben. Das zeigen die im Vergleich zur Teuerung flach verlaufenden Lohnraten. Die sogenannt prekär Beschäftigen haben Lohnsenkungen hinnehmen müssen und deren Anteil an der gesammten Lohnsumme einer Nation wird immer grösser…

        In Deutschland ist mittlerweile jeder 5 Beschäftigte mit seinem Lohn unter der Armutsgrenze…

  • Patrick sagt:

    …oder so ähnlich Herr XY. Wie lautet denn das neue Paradigma, das ihnen da vorschwebt? Subsistenzwirtschaft oder Tauschandel? Mindestens zurück zur Goldmünze müssen sie, wenn ihnen der Begriff finanzielle Verbindlichkeit derart unangenehm ist.

    Klar, derzeit hat eines Hochkonjunktur, nämlich die Kulturpessimisten.

    „Es sind all die Dinge, die man nicht erlebt wenn man seine Zukunft mit der Aufnahme von Schulden bereits verkauft hat.“

    Es kommt eben relativ häufig auch vor, dass man ohne die Aufnahme von Schulden weniger Zukunft hat (Studentendarlehen). Und so lange der Schuldenturm nicht wieder eingeführt wird, gibt es meist auch einen relativ einfachen, wenn auch unangenehmen Weg wieder heraus.

    • Beat Urwyler sagt:

      Sehr geehrter Herr Patrick,

      es ist leider nicht nur, dass die Kulturpessimisten Hochkunjunktur haben, sie haben sogar Recht, denn jeder Utopie des letzten Jahrhunderts ist gescheitert: Sei es Kommunismus, Sozialismus, Kapitalismus oder die freie Marktwirtschaft, das einzige was noch zieht sind radikal dümmliche Religionswahnideen, die eher ins Mittelalter gehören als in unsere heutige Zeit.

      Wo bleiben die Ideen oder Utopien die Menschheit weiterbringt, die letzte, das Internet, wurde vom Kommerz okkupiert.

      Wäre für jede neue Idee dankbar …

    • Thomas Ernst sagt:

      @Beat Urwyler:

      Wie kommen Sie denn auf die idiotische Idee, die freie Marktwirtschaft sei gescheitert? Was gerade am scheitern ist, ist eine sozialistisch pervertierte und faschistisch/korporatistisch unterwanderte, von billig gekauften Politkern zugunsten ihrer jeweiligen Klientel verfälschten Martkwirtschaft, die man uns als „frei“ zu verkaufen versucht.

      Eine wirklich freie Marktwirtschaft, gekoppelt mit einer tiefliegenden ethische Grundhaltung von Ehrlichkeit, Anstand und Mitgefühl der führenden Kräfte zur Bändigung der destruktiven Elemente, hatten wir in der ganzen Geschichte nie. Das ist aber das einzige, was langfristig sowohl die Freiheit als auch die (persönliche und wirtschaftliche) Sicherheit ALLER bringen würde.

      Heute wird die Gier und Rücksichtslosigkeit des Einzelnen gefördert, weil der Staat die soziale Komponente monopolisiert. Richtig wäre, dass Fairness und Mitgefühl des Einzelnen gefördert werden, weil der Staat die Freiheit garantiert.

      Aber – wer nicht versteht, sitzt radikal dümmliche Religionswahnideen auf, egal von welcher Seite sie ventiliert werden.

  • M.E. ist die EU nicht das geeignete Gebilde für unsere Europa-Länder. Die Mentalitäten zu unterschiedlich.
    Der Grieche arbeitet und lebt um zu essen – der Deutsche arbeitet und lebt für Reichtum, Ruhm und Macht.
    Der Mentalitätsunterschied könnte nicht grösser sein.
    Gemütlichkeit ist den Griechen alles – der Deutsche kennt dieses Wort schon gar nicht.
    Mme Deutschland muss sich endlich eingestehen, das Mamut-Konzept EU ist – so wie sie es anpackte – gescheitert.
    Mit Sturheit erreicht sie noch weniger und das ganze System wird kollabieren.
    Mit Sarko und anderen kann sie diesen Kurs wohl wieterziehen – doch warum auch?
    Die Schlafländer wie Grece und Türkei und Slowenien etc. kann man nicht mit Gewalt aus dem Rhythmus reissen daher muss die EU geteilt werden. NORD und SÜD – es gibt keine andere Lösung.
    ewz

  • Michael Schwarz sagt:

    @Straumann:

    Wie ich in mehreren Beträgen geäussert haben, das Problem liegt im Systemcore der EU-Gemeinschaft. Der unterschiedliche Entwicklungsniveau, sowie daraus resultiert Unterschiede in der Produktivität der EU-Länder, ist das Problem, welches ohne Ausgliederung der Griechen nicht mehr gelöst werden kann. Die einzige Chance für die Griechen ist die Wiedereinführung eigner Währung, womit griechische Währung abgewertet werden kann. Die Rettungsschirme sind ein Todesstössen für die Griechen, weil die Griechen gezwungen sind, zu sparen, was ein drastischer Rückgang der Wirtschaft bedeutet. Der Rückgang der griechischen Wirtschaft wird weitergehen, bis griechische Wirtschaft und die griechische Gesellschaft komplette kollabiert, denn wird ein Zustand herrschten, der mit einem Bürgerkrieg und Revolution vergleichbar wäre, danach wird die gesamte EU in Leidenschaft gezogen werden – die logische Schlussfolgerung ist der Austritt aus der EU, bevor zu spät ist.

    • Josef sagt:

      Falsch! Der Fall Griechenland sollte dazu benutzt werden, die Systemfehler zu erkennen und zu beseitigen. Ansonsten werden wir dasselbe mit Italien und später Europa z.B. gegen China erleben. Das System muss so beschaffen sein, dass auch unterschiedlich fleissige und reiche Partner miteinander auskommen können. Auch innerhalb der Schweiz ist nicht jeder gleich fleissig und gleich reich und doch funktioniert es (noch). Ausserdem ist es absolut unfair, jetzt die Griechenland einfach aus der EU zu werfen. Wir alle haben ihnen geholfen und davon profitiert, dass sie über ihre Verhältnisse leben konnten!

      • Michael Schwarz sagt:

        @Josef:

        Ob meine Prognose falsch oder richtig, wird sich bald zeigen. Der Beitritt Griechenlands in der EU haben die Griechen ermöglicht in Luxus zu leben auf Kosten der anderen EU-Mitgliedsländer. Das Geld aus Ausland war reichlich vorhanden, deshalb haben die Griechen eine sozialistische Regierung gewählt, womit die Griechen selbst von dem unerwarteten Reichtum profitieren konnten. Die Griechen haben massiv von anderen EU-Staaten finanziell profitiert, das gilt auch umgekehrt, deshalb ist die Rechnung ausgeglichen. Jeder EU-Staat kann der nächste sein, der die Krise treffen könnte, deshalb muss die EU von starkverschuldeten Staaten trennen, somit die Staaten, die noch finanziell gesund sind, auch weiterhin gesund bleiben werden. Andere Option haben die EU sich seit längerer Zeit schon verspielt, als die die EU-Regeln selbst verletzt haben.

        • Josef sagt:

          Nun, dann wage ich auch eine Prognose: Wenn die EU anfängt sich von verschuldete Staaten zu trennen, wird am Ende nicht viel übrig bleiben. Einer ist nämlich immer der Ärmste (verschuldete).

          Warum will man einfach nicht wahrhaben, dass immer jemand Schulden machen muss, damit andere reich werden? Vielleicht weil jeder hofft, wenn nicht schon jetzt, dann später zu den Reicheren zu gehören?

          Das Wirtschaftssystem will Griechenland los werden, weil es auf längere Sicht keine Hoffnung gibt, dass es zum Reichtum der Vermögenden einen wesentlichen Beitrag leisten könnte. Dass es dabei um Menschen geht, ja um ein ganzes Land, dass dann ins Chaos stürzt, ist dem System egal. Deshalb haben Sie mit Ihrer Prognose möglicherweise recht.
          Ich kann es aber nicht einfach zur Kenntnis nehmen und mich damit zufrieden geben. Ich möchte einen Schritt weiter denken und herausfinden, was denn zu ändern wäre, damit sich das System nicht so egoistisch, asozial und gierig verhält.

          • Michael Schwarz sagt:

            @Josef:

            Ich kann Ihre Analyse nur stimmen, dass das System immer mehr von Menschen entfernt wird, weil im System der Ausgleichsmechanismus versagt hat. Die sozial demokratische Marktwirtschaft ist gegenüber neoliberalistisch orientierter Kapitalismus oder Manchester-Kapitalismus weiter überlegen. Es ist ein grundlegender Missverständnis, dass die sozial demokratische Marktwirtschaft mit reinem Kapitalismus gleichsetzt. Die USA haben bis heute immer noch das primitiv kapitalistische System – Raubkapitalismus, welches man aus 19 Jh. kennt. Das veraltete System bremst die Entwicklung der sozial demokratischen Marktwirtschaft in Europa. Dies führt zum Kampf zwischen der Wertvorstellung, Ideologie und Zielsetzung, wodurch immer wieder Konflikte zwischen den USa und Europa provoziert werden.

  • Andres Müller sagt:

    Herr Strauman, der Harvard Ökonom Philippe Aghion meint, nun müsse man den Griechen mit einem „Marshall-Plan“ helfen. Als Begründung gibt er an dass sich die Griechen mit einem reinen Sparkonzert und Hilfskrediten nicht retten könnten. Das ist längst auch meine Meinung, aber:

    Die Anyalyse ist zwar richtig aber leider Unvollständig und Einseitig. Wenn es nach Aghion geht, dann müssten nämlich im Grundsatz noch solvente Staaten den Griechen unter die Arme greifen -also deren Steuerzahler. Das geht mir in die falsche Richtung, weil derart durchgeführt eine weitere Kettenreaktion entstehen würde. Erstens geht es nicht nur um Griechenland wie sie richtig darstellen und zweitens gibt es dieses Geld beim Steuerzahler SO nicht.

    Italien wird immer grösssere Schwierigkeiten bekommen Staatsanleihen loszubringen, weil die CDS-Papiere zur Absicherung von Anleihen sich vor Kurzem wieder als Zockerpapiere entlarvt haben. Das Griechen-Cutting soll ja bekanntlich gemäss den CDS-Verträgen kein versichertes Ereignis darstellen mit dem Anleger den Verlust geltend machen könnten. Dies bewirkt die „Freiwilligkeit“ der Abschreibung, wer freiwillig abschreibt kann keine Versicherungsgelder anfordern um den Verlust zu decken.

    Meine Meinung ist, wir haben seit der letzten globalen Währungsreform durch das laufende Zinsensystem eine Umverteilungs- und weniger eine Schuldenkrise eingefahren. Man könnte auch sagen wir haben eine Vermögenskrise, weil Unsummen von Kapital ungenutzt bei zum Beispiel der EZB parkiert werden und Investoren keine sichere Anlageform mehr finden können. Da stehen sich Schuldentürme und Vermögenstürme gegenüber, die sich drohen nicht mehr gegenseitig austauschen zu können.

    Deshalb schlage ich folgendes vor:

    Die Staatsschulden werden durch ein progressives Steuersystem abgebaut, und zwar Weltweit, weil es sonst keinen Sinn macht. Die Vermögen müssen anders abgebaut werden können, wenn es durch Investion nicht mehr sinnvoll im gesamtgesellschaftlichen Nutzen geht. Die Vermögen müssen deshalb solange abgebaut werden, bis auch die Schuldentürme auf Null reduziert sind. Gleichzeitig mit der Einführung einer Progressionssteuer für hohe Vermögen sind die Zinsen der Nationalbanken auf 3% zu erhöhen. Der Erfolg müsste durch die Gini Bemessung klar eine Umverteilung von Oben nach Unten belegen, ansonsten wäre die Massnahme nichts als Kosmetik. Dieser Marshall-Plan heisst aus meiner Sicht also nicht für Griechenland alleine, sondern er soll von den hohen Vermögen finanziert werden. Falls sich die Reichen hier weigern würden, so wären Sie dumm, denn auch ihnen würde es letztlich nutzen wieder mehr Sicherheit zu erreichen, wenn dann halt auch auf einem niedrigeren Niveau. Nichts anderes hat man in Deutschland nach dem WKII versucht, dort wurde die Umschuldung zu einer Erfolgsstory. Wir haben im Westen keinen heissen Krieg, daher müssen wir nun so agieren wie wenn einer stattgefunden hätte. Das Zinsensystem hat auf den Finanzmärkten kriegsähnliche Zustände ausgelöst und die hohen Vermögen führen Krieg gegen die Schuldenträger. Das macht keinen Sinn, weil wir so schliesslich alle Alles verieren.

    Der Marshall-Plan muss daher heissen -globale Umschuldung-

    • Andres Müller sagt:

      Glanost und Perestroika für die Blackbox der Ökonomie ist zu fordern, Demokratie ist danach in das Finanzsystem einzuführen. Ohne Bildung keine Demokratie, die Bürger müssen auf die Übernahme von Verantwortung mit finanzwirtschaftlicher Bedeutung jetzt endlich transparent vorbereitet werden. Wir stehen vor dem Ende der Zinsenspirale, den Bürgern sind die Zusammenhänge zu erklären, ansonsten kommen Wirren.Chaos ja vielleicht Krieg. Ich erwarte von der Presse entsprechend ausgeweitete Anstrengungen auf der „Hauptseite“. Anstelle Occupy gewalttätge Demonstrationen vorzuwerfen wäre es an der Zeit das Phänomen das uns auf die Strasse getrieben hat endlich ernst zu nehmen. Das Symptom ist nicht die Krankheitsursache.

      Es muss aus sein mit dem Versteckspiel der superreichen Vermögensträger vor dem Auge des demokratisch denkenden Beobachters, denn nun fordern die Beobachter Mitbestimmung beim „Schuldenservice“ der Banken und bei staatlichen und privaten Investitionen. Glasnost muss heissen, die Politiker müssen Auskunft über den Zitronen-Sozialismus für die Banken geben, den sie eingerichtet haben, über Milliarde- Rettungspakete ist abzustimmen, und zwar wenn nötig auch Rückwirkend.

      Es ist eine Umschudlung vorzunehmen, damit das Zinsensystem überhaupt wieder funktioniert. Auch das Zinsensystem selbst muss überarbeitet werden, Geld muss zerfallen können -wird es nicht reinvestiert. By by Kapitalismus, es lebe die Demokratie durch Aufklärung.

      • Thomi Horath sagt:

        Nicht jeder, der aufgeklärt ist, macht auch etwas Aufgeklärtes… :/ Ausserdem, sagen Sie mal jemandem, der viel hat, er soll viel geben… (mehr Steuern). Good luck! 🙂

  • Hotte sagt:

    Könnte die Lösung nicht sein – wenn überhaupt – dass wir, die Deutschen endlich unsere „Lohnzurückhaltung“ aufgeben? Warum verlangen sie schon wieder, dass die anderen Länder „Zurückhaltung“ üben sollten?

  • Thomas Steffen sagt:

    Griechenland ist als Thema „gegessen“. Das Land ist Konkurs und wird die Schulden nie zurückzahlen – Punkt. Dieser Fakt ist im Markt bereits konsolidiert. Italien ist ein viel grösseres Problem. Die jährliche Zinslast der Italiener ist grösser als die Gesamtschulden der Griechen ! Also wird jetzt Italien von den Hedgefunds „attakiert“. Darum hat sich die Rendite nicht stabilisiert. Zudem weiss jeder, dass der Rettungsschirm bei weitem nicht gross genug ist um Italien zu retten – einmal davon abgesehen, dass die Beträge erst gesprochen wurden, einbezahlt sind sie noch lange nicht (also nicht sofort verfügbar).

  • Patrick sagt:

    Tja Herr Straumann. Das ist ja nett und offensichtlich, aber hilft nicht. Was sie konkret ja implizieren ist, dass es wenig Chancen gibt für die Südeuropäer, aus dem Schlamassel heraus zu kommen, ohne dass die Währungsunion einige Mitglieder verliert. Irgendwie scheinen die Iren den Rank besser gefunden zu haben. Woran liegt das? Weniger reguliert? Es ist ja kaum anzunehmen, dass die (nun nur noch) PIGS-Länder ihre wirtschaftlichen Strukturen und gesetzlichen Rahmenbedingungen rasch genug werden ändern können, um einen weiteren Krebsgang zu verhindern. Somit bliebe eigentlich nur noch eine Lösung…

    Aber ja, als Grieche hätte ich die Euros auch längst zu Hause. Ev. in Form von Gold.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.