Babysitting-Ökonomie reloaded

Tagesmutter mit Kindern.

Wenn Babysitting-Gutscheine zu einer Währung werden, unterliegen sie den gleichen Gesetzmässigkeiten wie echtes Geld: Eine Babysitterin erzählt eine Geschichte.

«Free Exchange», ein Blog des «Economist»  macht sich hier neue Gedanken zu einem viel beachteten Text von Paul Krugman aus den 90er-Jahren über den tieferen ökonomischen Sinn der Erfahrungen einer Babysitting-Genossenschaft. Krugmans Vergleich hat wahrscheinlich nicht nur mir als Wirtschaftsdozent (eine Nebenbeschäftigung) wertvolle Dienste geleistet, um eher technisch anmutende  Zusammenhänge eingängiger als mit den üblichen Modellen zu vermitteln.

Worum geht es? Eine real existierende Babysitting-Genossenschaft hauptsächlich unter Anwaltsfamilien in Washington hat mittels Gutscheinen versucht, für einen Ausgleich von Babysitting-Tätigkeit und kinderfreiem Ausgang unter den Mitgliedern der Genossenschaft zu sorgen. Bei diesem Versuch ist der Genossenschaft das Äquivalent einer Rezession wiederfahren. Die Gründe dafür waren laut Krugman dieselben, die auch zur Rezession einer ganzen Volkswirtschaft führen können. Auch die mögliche Lösung zeigt Krugman an diesem Beispiel auf. Hier mehr Details – gleich auch in einen verdaulichen Ökonomenslangübersetzt:

  • Die Genossenschaftsmitglieder, die ausgehen wollen, sind die Nachfrager nach dem einzigen Gut der Genossenschaft: der Babysitting-Dienstleistung. Das nachgefragte Produkt erfordert nur einen Produktionsfaktor: die Arbeit des Babysittens.
  • Für ihre Nachfrage mussten die Ausgehwilligen Gutscheine bezahlen.  Diese hatten also die Funktion des Geldes. Die Arbeitsanbieter – andere Genossenschaftsmitglieder – hatten einen Anreiz, solche Gutscheine zu verdienen, um selber Kaufkraft zu erlangen, um sich das Genossenschaftsgut Babysitting leisten zu können.
  • Wer viel konsumiert (wer viel ausgeht), dem geht mit der Zeit das  Geld (Gutscheine) aus. Um wieder Kaufkraft (die Möglichkeit des Ausgehens) zu erlangen, muss man erst dafür arbeiten (babysitten). Der über die Gutscheine vermittelte Tausch zwischen Arbeit und Gütern entspricht in einer simplen Form dem Kreislauf jeder Wirtschaft, wo alle Anbieter von Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital und Ressourcen) mit den Erlösen daraus letztlich die Nachfrager nach den Produkten sind, die mit diesen Faktoren erzeugt werden.
  • Nun ist es in dieser Babysitting-Genossenschaft geschehen, dass die Zirkulation an solchen Gutscheinen durch die Art der Administration des Systems verknappt wurde. Wichtig für den Zusammenhang und «ökonomisch» gesagt ist hier nur von Bedeutung, dass eine Verknappung der umlaufenden Geldmenge stattgefunden hat.
  • Diese Verknappung hatte dramatische Konsquenzen: Die Paare wollten zwar nach wie vor gerne in den Ausgang gehen, doch durch die Verknappung der Gutscheine waren diese den Genossenschaftern nun mehr wert und sie gaben sie weniger gerne aus, um sich nicht um künftige Ausgeh-Gelegenheiten zu bringen. Die anfängliche Verknappung verschärfte sich weiter. Ins «Ökonomische» übersetzt führte die Geldverknappung zu einem steigenden Geldwert (einer Deflation), weshalb die Genossenschafter das Geld horteten.
  • Für die ganze Genossenschaft entpuppte sich dieses Verhalten als Katastrophe. Kaum jemand hat mehr Arbeit (Babysitting) nachgefragt, obwohl das Bedürfnis ohne Kinder auszugehen nach wie vor gegeben war. Übersetzt war das Resultat eine unfreiwillige Arbeitslosigkeit und eine Produktion unter dem Potenzial (Output-Gap) der Genossenschaft und damit eine Rezession.
  • Die Lehrbuch-Lösung eines solchen Problems liegt darin, dass wieder genügend Gutscheine geschaffen werden. Damit verlieren die gehorteten Gutscheine an Wert, so dass sie wieder ausgegeben werden und das Babysitting wieder nachgefragt wird. Übersetzt: Die Zentralbank erhöht die Geldmenge (gleichbedeutend: senkt die Leitzinsen), was die Deflation behebt oder sogar zu einer leichten Inflation führt. Unter diesen Umständen macht es keinen Sinn mehr, Geld zu horten. Es wird wieder zum Konsum verwendet, was die Nachfrage nach Arbeit erhöht, die Arbeitslosigkeit senkt und ebenso den Output-Gap beseitigt.

Tatsächlich war das Drucken von Geld (Gutscheinen) aber nicht die Lösung, die die Genossenschaft anfänglich in ihrer «Rezession» angestrebt hat. Zuerst haben die Mitglieder sich selbst schlicht einen vermehrten Ausgang ohne Kinder vorgeschrieben – eine für Krugman typische Lösung von Anwälten. Erst nachdem das gescheitert ist, haben sie «Geldpolitik» betrieben und allen Genossenschaftern zusätzliche Gutscheine ausgehändigt.

Doch damit haben sie es übertrieben und ein neues Problem trat ein: Nun waren die Gutscheine den Genossenschaftern zwar wie erwünscht weniger wert und sie gaben diese vermehrt für Babysitting aus. Doch nun überstieg die Nachfrage nach Babysitting die Bereitschaft der Genossenschafter zu dieser Dienstleistung. Übersetzt setzte eine Inflation ein, die (Gesamt-)Nachfrage der Genossenschaft stieg über das Produktionspotenzial der Genossenschaft hinaus und die Arbeitsmärkte waren überhitzt.

Bisher zeigt die Geschichte praktisch einen Konjunkturkreislauf – mit der Bewegung von einer Rezession zur Hochkonjunktur – immer vermittelt durch die Verfügbarkeit an Geld.

Der eingangs erwähnte Blogbeitrag von «Free Exchange» legt nun den Finger darauf, dass das Problem der Genossenschaft weniger in technischen Details wie der Geldversorgung, als im Grundvertrauen der Genossenschafter gelegen habe. Zum Beispiel sei es die anfängliche Angst gewesen, keine Gutscheine mehr verdienen zu können, die dafür verantwortlich war, dass am Ende die Nachfrage nach Babysitting tatächlich einbrach und keine Gutscheine mehr zu verdienen waren.

Tatsächlich liegt auch in einer Liquiditätsfalle das Problem darin, dass die simple Lehrbuchlösung mittels einer Erhöhung der Geldmenge schlicht nicht funktioniert. Ein Grund dafür ist, dass zusätzliches Geld angesichts von hohen Schulden und Zukunftssorgen noch eher gehortet, als ausgegeben wird. Die einzige Möglichkeit, die der Geldpolitik theoretisch bliebe, besteht darin, die Erwartung einer Geldentwertung zu schüren. Wenn dies aber allgemein mit einem Akt des Teufels gleichgesetzt wird, kann das nicht gelingen. Wenn aber die Geldpolitik nicht mehr greift, dann muss  die Regierung mit einer vernünftigen Ausgabenpolitik wieder für die nötige Nachfrage sorgen. Vernünftig sind zum Beispiel Ausgaben durch eine Neuverschuldung in der Krise für langfristig benötigte Infrastrukturanlagen, während gleichzeitig Sparpläne für wieder bessere Zeiten vorbereitet werden.

Doch in Europa und in den USA verweigert sich die Politik gleich beidem: sowohl einer Geldpolitik wie auch einer Fiskalpolitik, die aus der wirtschaftlichen Misere führen würde.

58 Kommentare zu «Babysitting-Ökonomie reloaded»

  • Michael Schwarz sagt:

    Die nächste Krise wird nicht mehr nur das Kreditsystem bzw. Zahlungssystem treffen, viel mehr wird die einen Kompleten Systemausfall bewirken, was die Politiker erst jetzt bewusst geworden sind. D.h. das Währungssystem, das politische System könnten Komplet zusammenbrechen, die Wahrscheinlichkeit nimmt zusehend zu mit zunehmender Instabilität im globalen Finanzsystem. Die Politiker vertiefen in dem Glauben, dass das System noch zu retten wären. Während letzten zwei Jahren haben die Politiker wenige Anstrengung unternommen, um eine rasche und effektive Reform in den Banken, Unternehmen und politischer Struktur zu bemühen. Dieses Erkenntnis muss das Volk wieder teuer bezahlen werden – ein kompletter Systemausfall.

  • tststs sagt:

    Hilfe, ich verstehe den vierten Punkt in der Aufzählung nicht: „Nun ist es in dieser Babysitting-Genossenschaft geschehen, dass die Zirkulation an solchen Gutscheinen durch die Art der Administration des Systems verknappt wurde.“
    Heisst doch, dass die Administration einen Teil der Gutscheine vernichtet. Ok, dem kann ich folgen. Aber wer in Gottes Namen (oder was) ist diese Administration? Es wären ja dann die Eltern selber… bitte helfen Sie mir auf die Sprünge.
    Resp. weshalb braucht es überhaupt diese Gutscheine? Reichen sie nicht in gedachter Form?

  • Andres Müller sagt:

    Wir haben ein schwerwiegendes Problem, die Politik wurde von der Finanzlobby gekauft. Die Bürger sind aufgerufen jeder für sich abzuklären, werdet ihr wirklich von euren Parteien die ihr wählt vetreten? Ich glaube, unabhängig davon welche Partei ihr wählt, bereits im Vorfeld werden Politiker durch den Filz der Wirtschaftslobby getrieben. Natürlich lässt sich nicht jeder Politker durch Geld beeinflussen, aber derzeit sind dies in der Schweiz über 70%.

    Es ist ein globales „abuses of governmental powers“ entstanden, ein globales Banken-Watergate. Dies erkennt man auch daran welch elitären Begriffe in der Regierungspolitik gegen die Grundwerte der Demokratie eingeführt wurden, typisches Beispiel ist der Begriff „Wirtschaftsregierung“.

    Wenn die Bürger spüren dass selbst der US-Präsident gegen die Finanzlobby machtlos vor sich hin vegetiert, und aus dem „yes we can“ inzwischen ein resigniertes Schulterzucken wurde, dann gehen die Menschen auf die Strasse. Ihr Präsident, Barack Obama, kann nichts mehr für sie tun, so die Botschaft von Obamas iPad. Anstelle nützlicher Realpolitik gegen Arbeitslosigkeit, Werbung für Apples Kleincomputergeschäft. Global abuse of governmental power, die Parlamente sind an die Wirtschaftslobby verkauft, ein Zitronen -Sozialismus wurde im Westen installiert und droht nun die alten Demokratien in den Abgrund zu treiben.

    Das YES WE CAN! ist aber nicht veschwunden, es befindet sich derzeit aber auf den Strassen und wird jeden Tag um einige tausend Menschen grösser. Die Politiker müssen damit rechnen dass der Souverän den Parteien das Vertrauen entzieht, sich revolutionäre Stimmung ausbreitet. Erste Forderungen an die Politik betreffen die Parteienfinanzierung, die Menschen beginnen die Macht des Geldes als die wahre Achse des Bösen zu erkennen. Es ensteht die Forderung: Politiker werden vom Staat bezahlt und arbeiten für den Staat, sie dürfen kein Geld von der Privatwirtschaft mehr annehmen.

    Wie Roosevelt, der in einer seiner berühmtesten Reden vor dem WK II zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen hatte, so werden die Politiker nun nicht an einen Hitler, sondern an den Amerikanischen Bürgerkieg erinnert, die Abschaffung der Sklaverei.

    Der US-Amerikaner Jefferson hatte noch selbst Sklaven, als er öffentlich gegen die Unfreiheit der Schwarzen votierte, er besass gemäss Thomas Moore auf seiner Farm eine Peitsche mit der er „Neger“ bestrafte, welche gegen seine eigenen Worte um ihre Freiheit kämpften. Von Freiheit sprechen und sie Vorleben, das sind zweierlei Dinge. Man kann auch von freien Bürgern sprechen und sie wie Sklaven halten, oder noch schlimmer.

    Heute sagen viele der in die Freiheit entlassenen Nachfahren der Sklaven, auf der Farm eines Herren war es gegen unser heutiges Leben vielleicht fast schon Vorteilhafter. Und der schwarze US-Präsident Obama sitzt heute machtloser im Oval Office als Martin Luter King zuletzt mächtig war. Verursacht hat dies das Banken-Watergate, ein Waterloo der westlichen Demokratien welche von der Finanzlobby gewonnen wurde. Und die Menschen auf der Strasse beginnen das zu begreifen, unser Präsident sitzt im Exil auf Saint Helena im Oval Office.

    • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

      das unterschreibe ich dick und fett!
      wir leben tatsächlich in einem wirtschaftsfaschismus. und tatsächlich beginnen sich die massen langsam zu bewegen. bei uns spürt man dies noch nicht so stark, weil es uns noch zu gut geht, aber die wirtschaftsdiktatoren werden auch vor uns nicht halt machen. working-poor sind bloss ein kleiner anfang. die politik ist zu einer farce verkommen. das volksvermögen wird gleich in milliardentranchen an private firmen und banken transferiert, die sich einen dreck um die völker kümmern. zeit die mistgabeln in die hand zu nehmen! die wirtschaft ist global, die revolution muss demnach auch global sein. ein erster vorgeschmack liefern uns die occupy-bewegungen. die werden zwar wieder verschwinden, weil sie letztlich tatenlos bleiben, aber das wichtige ist, dass die menschen wieder merken, dass sie zusammenstehen können und dies weltweit. somit wäre der keim für eine tatsächliche revolution gesät. revolution bedeutet nicht zusammenbruch des ganzen systems, sondern nur eine radikale bereinigung. die wichtigkeit der finanzwelt muss gebrochen werden, der mensch muss wieder beginnen einen sinn im leben zu haben, der über das tragen einer kravatte hinausgeht.

      • Hampi sagt:

        @VB

        Es ist beruhigend, dass die irrationale “Tea-Party-Bewegung” nun einen Gegenpol in der “Occupy-Bewegung” gefunden hat. Denn eine irrationale Bewegung neutralisiert sich am besten durch eine andere irrationale Bewegung. In Krisenzeiten radikalisieren sich die Menschen immer, weil sich der Schwerpunkt der Meisten in Richtung Überlebensfragen bewegt. Aber wenn es einen Ausgleich (Balance) zwischen den äussersten ideologischen Flügeln gibt, dann kann hoffentlich nur eine „Patt-Situation“ entstehen (und deshalb nichts Schlimmeres).

        Weder die eine, noch die andere Bewegung wird jedoch verhindern können, dass die Banken so oder so neue Finanzspritzen erhalten werden. Weil das ist schon fast „Höhere Gewalt“ und hat nicht viel mit Ideologie zu tun!

        • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

          @ hampi

          ich sehe die occupy-bewegung nicht als gegenpart zur tea-party. occupy ist global und fokussiert die wirtschaft. tea-party ist nur in teilen amerikas und vor allem religiös/patriotisch gefärbt. einen tatsächlichen gegenpart zu der ‚höheren macht‘ der banken und globalen unternehmen gibt es nicht. den sollte die politik stellen, aber die ist völlig unterwandert. also muss das volk her – oder die völker. es wäre tatsächlich wünschenswert, wenn eine globale widerstandsbewegung entstehen würde, die diesen namen auch verdient. nicht nur ein paar studenten, die auf dem paradeplatz campieren und wenn die polizei kommt, gleich wieder abbrechen. es braucht wieder leute die zu opfer bereit sind. die gibts in der schweiz noch nicht. es geht uns hier noch zu gut. aber die umverteilung wird weitergehen und vor allem immer schneller. irgendwann ist ein kritischer punkt erreicht.
          schau mal über europa. jugendaufstände in frankreich, italien, england. deutschland wird bald folgen. die occupy bewegung ist innert wochen global geworden. die arabischen diktaturen bröckeln eine nach der andern. der westen versinkt in den schulden und hält sich mit letzter kraft an der illusion fest, dass alles so bleiben wird, wie es mal war. asien ist im aufbruch. es beginnt eine zeit des umschwungs. das ist selten ohne tränen passiert. die gewalt der banken und der reichen muss mit einer gegengewalt bekämpft werden. und das sage ich jetzt bewusst in einer kriegsrethorik. denn darauf läuft es hinaus, wenn nicht die oberen bereit sind, endlich konzessionen einzugehen. wenn weiterhin so rücksichtslos ausgebeutet wird, wird sich das volk irgendwann erheben und merken, dass 99% mehr sind als 1% und das man kein geld braucht um etwas zu erreichen.

      • Josef sagt:

        Von der Occupy-Bewegung verspreche ich mir vor allem, dass sich ein breiterer Bevölkerungskreis mit dem Thema Geld und Wirtschaft auseinandersetzt und weiterbildet. Das ist eine wesentliche Grundvoraussetzung, damit sich überhaupt etwas ändert. In meinem Bekanntenkreis ging das Interesse jedenfalls selten viel weiter als der eigene Geldbeutel – bisher.

        • tststs sagt:

          Naja, die Frage ist doch, ob nicht gerade das „Wissen“ um Geld (sprich Wirtschaftstheorien), den Karren in den Dreck gefahren hat? MMn liegt eines der Hauptprobleme darin, dass einige wenige Wirtschaftler solche, nicht mehr verständlichen Theorie-Konstrukte geschaffen haben (um kurzfristige Gewinnmaximierung zu generieren), die eben der Praxis nicht standgehalten haben! Getreu dem Motto: Papier ist geduldig…

        • Thomas Ernst sagt:

          @tststs:
          Eben gerade nicht!

          Es ist gerade ein Merkmal des ganzen Desasters dass sich die führenden Akteure (Bankster, Politiker) um elementarste ökonomische Zusammenhänge foutieren. So haben über 100 renommierte Ökonomen vor dem EURO gewarnt, weil eine Einheitswährung für derart unterschiedliche Volkswirtschaften zu üblen Verzerrungen führen muss. Hats was genützt? Kohl und Konsorten haben in ihrer grenzenlosen Überheblichkeit alle Argumente ignoriert – und heute haben wir den Schlamassel.

          • Tststs sagt:

            @ Th. Ernst. Natürlich haben Sie auch recht! Aber, wenn ich gerade den gestrigen 10vor10-Beitrag zu den CDCs nehme: da haben doch einige, „schlaue“ Banker ein neues Konstrukt geschaffen (das zwar den grundsätzlichsten ökonomischen Zusammenhänge in den Hintern tritt), welches doch nur von einem wirklichen Kenner erfunden werden konnte… oder? Jemand, der nicht Wirtschaft studiert hat (des Pudels übler Kern), käme doch gar nie auf die Idee, so etwas zu schaffen…

  • Mathias Knobel sagt:

    @M.Schwarz Ich bin auch der Meinung dass die langfristige Anleihe bevorzugt werden sollte. Aber am 14.10. schreiben Sie //… „der Staat die Möglichkeit der Umschichtung der Verschuldung von Kurz- auf Langfristig hat. D.h. der Staat muss langfristige Schuldscheine verkaufen, kurzfristige zurückkaufen.“…// Bei dieser Aktion verlängert sich der Schuldendienst für den Staat. Ich bin anfäglich über die Konsequenzen von Kauf/Verkauf aus der Sicht des Staates gestolpert. Nun ist es für mich auch ok.

  • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

    ich lese richtig? „Vernünftig sind zum Beispiel Ausgaben durch eine Neuverschuldung“ verschuldung ist also vernünftig? also langsam begreife ich glaub, warum ich nichts von wirtschaft verstehe, wenn dort sowas als vernünftig gilt…

    • Hampi sagt:

      vietnamesische begleiterscheinung sagt:
      17. Oktober 2011 um 08:58

      Das aktuelle ökonomische „Schuldenproblem“ ist vergleichbar zum medizinischen „Suchtproblem“. Und was man darüber auf Wikipedia lesen kann, trifft sinnbildlich auch auf unser „Schuldenproblem“ zu. So gesehen ist Neuverschuldung (bei gleichzeitigem Plan, mittel/langfristig Schulden zu reduzieren) vernünftig. Vor allem aus sozialer und humanitärer Sicht aus gesehen!

      Aber wie ihre Aussage zeigt, ist es nicht einfach. Wenn die „Vernunft“ mit einem „Volksdogma“ (keine Schulden um Schuldenproblem zu lösen) in Konflikt gerät, dann wird es schwierig. Wie wir gerade eben sehen….

      Wikipedia (Teilausschnitt „Abhängigkeitssyndrom“)
      In der Behandlung Opiatabhängiger kann die (manchmal dauerhafte) Verabreichung eines Substitutionsmittels im Rahmen einer Substitutionstherapie zu einer deutlichen Schadensbegrenzung (engl.: harm reduction) führen, sodass hier die Forderung nach Abstinenz als alleiniges Behandlungsziel aufgegeben wurde bzw. jeweils im Einzelfall (und eventuell immer wieder neu) entschieden werden muss. Die Wirksamkeit einer Dauersubstituton ist überzeugend belegt und wird auch vom Gesetzgeber anerkannt.

      • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

        @ hampi

        so funktioniert also unsere wirtschaft? wie ein süchtiger, den man ins metadonprogramm aufgenommen hat? sorry aber je länger je mehr habe ich das gefühl, all die leute in der wirtschaft sind entweder blind, blöd, oder dann tun sie es mit absicht und dann sind sie alle verbrecher. man kann doch nicht ernsthaft das gefühl haben, ein system betreiben zu können, das auf diese weise funktioniert? ich kann doch nicht das gefühl haben, meine schulden jemals zurückzahlen zu können, wenn ich geld aufnehme auf das ich zinsen zahle, das mich also mehr kostet, als es wert ist. so tausche ich ja nur mein geld gegen wertloseres geld ein… langsam habe ich das gefühl, der kapitalismus ist nur eine form der feigheit, des von den problemen davonlaufens, des vertuschens, der absoluten idiotie, dem sich retten wollen vor der nächsten krise und sich zu alledem einfach noch zu bereichern so schnell und viel es geht, weil das ende jeden moment eintreten kann. ich glaube fast, der kapitalismus hat sich schon längst selbst überwunden und das was wir noch von ihm sehen sind bloss noch die letzten paar gurgelnden luftblasen die eine nach der andern zerplatzen.

        • Josef sagt:

          Im heutigen System entsteht Geld ausschliesslich durch gleichzeitiges Schulden machen. Daher kann man bestehende Schulden nur durch andere Schulden ersetzen ODER man nimmt das Geld von denen, die es bereits haben. Da Letzteres aus vielfältigen Gründen niemand gerne tut, bzw. hergibt, bzw. wegnimmt, bzw. den Mut nicht hat, bleibt nur der erste Weg.
          Oder man nutzt die Gelegenheit und entwickelt das System weiter, so dass auch Geld generiert werden kann, dass nicht gleichzeitig Schulden voraussetzt. Stichwort: Vollgeld.

          • tststs sagt:

            Noch einfacher gesagt: wenn die Regierung bei ihrer Notenbank Geld „holen will“, zahlt sie eben nicht 1000$ und erhält 1000$, sondern sie muss 1000$ plus Zinsen bezahlen. Jeder gedruckte Dollar ist also per se schon schuldenbelastet…

          • Josef sagt:

            Das sind zwei unterschiedliche Probleme: Der Staat muss sich mit den 1000$ verschulden, wenn er sie haben und ausgeben will. Wenn er die Banken retten will, muss er bei den Banken Geld borgen (und verzinsen). Gerade bei dieser Situation kommt die Absurdität des Systems besonders gut ans Tageslicht.
            Der Zins kann im Gesamtsystem nur durch wachsende Geldmenge und damit weitere Schulden gedeckt werden. Dieser zweite Fehler kann nur durch Wachstum vertuscht werden. Daher: Wehe, wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst.

          • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

            hm, ok, dachte ich mir irgendwie, dass dieses ständige um jeden preis wachsen müssen, mehr als nur einen haken hat. mal ganz davon abgesehen, dass es schon ganz grundsätzlich nicht funktionieren kann. langsam gehen mir ein paar lichter an. und je länger je mehr muss ich mich fragen, wie dumm die leute eigentlich sind, die sich so an diesem system festklammern…

  • Peter Burkhard sagt:

    Herrlich beschrieben. Auf uns bezogen: wo sind denn nun unsere Babygutscheine? Bei dem einen Prozent! Und wir 99% haben nichts davon.

  • Josef sagt:

    Diese Babysitting-Ökonomen haben das bestehenden System auf ihre Gemeinschaft angewendet und mussten folglich auch alle negativen Eigenschaften dieses Systems erfahren.

    Es ist nicht einzusehen, warum es überhaupt eine Gutscheinbeschränkung braucht. Das einzige, was man wissen muss, wie oft welche Person die Leistung in Anspruch genommen hat und wie oft sie Leistung selber erbracht hat. Das ist die Grundvoraussetzung für Vertrauen, welches der Leistungserbringen benötigt, um sicher zu sein, dass er selber mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf Leistungen anderer zurück greifen kann. Ob das nun mit Gutscheinen passiert oder einem guten Gedächtnis ist letztlich unwichtig.

    Welches ökonomische System diese Voraussetzung erfüllt ist auch von der involvierten Gruppengrösse abhängig. In einer Familie oder WG funktioniert die soziale Kontrolle sehr direkt und daher ist hier Beitragen statt Tauschen problemlos möglich. Wird die Gruppe grösser, wird es unübersichtlich, wenn man keine Buchungssystem für die Leistung der Einzelnen hat. Spätestens wenn wir es mit einem unbekannten Gegenüber zu tun haben, wissen wir nicht, ob er auch „beigetragen“ hat oder später dazu bereit ist. Wenn er Geld hat, gehen wir heute stillschweigend davon aus. Allerdings macht uns Geld hier allzu oft etwas vor.

    Bei grösseren Gemeinschaften muss also auf andere Art Transparenz ins System gebracht werden. Wenn wir jederzeit wissen, wie viele Babysitting-Gutscheine mein Gegenüber bereits „geschöpft“ hat, kann ich selber beurteilen, ob ich ihm noch trauen will. Es kann nämlich auch gute Gründe geben, warum der eine viele Gutscheine schöpft und der andere diese hortet. Der erste hat selber zu tun mit eigenen kleinen Kinder, der zweite hat noch keine, spart aber an für den Fall, wenn er später welche hat. Solche Situationen sieht die „Zentrale“ nicht voraus. Gutscheine fehlen ja nur punktuell. Das einzige, was QE kann, mehr Wasser in der Nil schütten, doch damit wird die Sahara nicht besser bewässert!
    Das „Geldschöpfen“ gehört in die Hand der Teilnehmer; unter der Voraussetzung der Transparenz. Nur dann kommt es nicht zu einer Blockade oder ein Überangebot an Gutscheinen. Sind da willige Leistungserbringer und solche, welche die Leistung in Anspruch nehmen wollen, darf es doch nicht an der beschränkten Zahl Gutscheinen liegen, dass der Deal nicht zu Stande kommt.
    In Amerika, und anderen Ländern, gibt es zehntausende von arbeitslosen Bauarbeitern und ein Staat, der Strassen und Brücken reparieren möchte. Angebot und Nachfrage ist also da. Es ist doch absurd, die Sache zu blockieren, nur weil das Abrechnungssystem damit nicht klar kommt.

    Albert Baer schreibt weiter oben: „Damit Kooperation auftritt braucht es aber einen Kontakt zum DU. Ein Wirtschaftssystem in dem die Menschen vor allem über anonyme Märkte (“Unsichtbare Hand des Marktes”) miteinander (nicht) in Beziehung treten, unterbindet im hohen Masse Kooperation.“

    Dazu ist Transparent zu schaffen. Vielleicht sogar die radikale Abschaffung des Bankgeheimnisses. Solche Transparenz ist in Onlineplattformen wie eBay oder Ricardo.ch durch die Bewertung der Tauschpartner gewährleistet und hat sich auch hervorragend bewährt.

    • Andres Müller sagt:

      Herr Josef, was in den USA das Babysitting zu einem unsicheren Geschäft hat werden lassen, das ist eindeutig die Umwandlung von Arbeitszeit Geld. Mich wundert es keineswegs dass die US-Amerikaner auf eine solche Lösung mit Gutscheinen gekommen sind, sie sind dahingehend Gehirn gewaschen und können sich kaum andere Systeme als eines mit integrierter Spieltheorie vorstellen.

      Ich als IT -Analytiker hätte das ganz anders gelöst, nämlich mit einer Datenbank der die effektiven Arbeitszeiten der Babysitter erfasst hätte. 5 Stunden Babysitting hätte bedeutet, dass der Babysitter von der Gemeinschaft 5 Stunden für seine eigenen Kinder wieder hätte abrufen können. Das System würde nicht erlauben: Stunden jemandem anderen gutzuschreiben, Arbeitszeit in Geld auszuzahlen. Der Handel mit Arbeitszeiten natürlich nicht gestattet, da kann auch kein Bubble mit Deflation oder Inflation entstehen.

      Übrigens stelle ich mir in der Art auch ein funktionsfähiges gerechtes Wirtschaftssystem vor. Das Wirtschaftssystem mit Geld ist entstanden bevor es Computer -Datenbanken gab, mit denen man die Arbeitszeiten effektiv neutral und unbestechlich verwalten könnte. Um eine Volkswirtschaft betreiben zu können mit einem solchen einfachen aber extrem mächtigen System, benötigt man lediglich noch eine Instanz die Arbeit bewilligt, analog zu einem Kreditgeber. Zum grossen Teil kann diese Arbeit von der Datenbank selbst durchgeführt werden, weil die Software erkennen würde welche Nachfrage für bestimmte Arbeiten wie viel vorhanden ist. Um ein Produkt zu kaufen, „bezahlt“ man elektronisch mit seiner Arbeitszeit. Ab Pensionsalter erhält man pro Monat freie Arbeitszeiten, wenn man jung ist zwischen etwa 30-65, würden bei jder geleisteten Stunde 1 Minute Arbeitszeit abgezogen zur Altersfinanzierung. Das System würde sogar erkennen wenn eine neue Fabrik gebaut werden müsste, indem sie ja feststellt welche Produkte mit welcher Arbeit gekauft werden. Das System würde sodann, ohne irgenwelche geldgierigen Investoren, Arbeitszeit für für den Fabrikbau auf der integrierten Arbeitsbörse inserieren. Das System würde genauso erkennen welche Fabriken rentieren oder nicht, weil das System umfassend EInblick in das Kaufverhalten der Bürger erhält. Ich schätze dass die Entwicklung eines elektronischen Wirtschaftssystems nicht komplizierter wäre als die Software die dazu dient ein grosses Passagierflugzeug zu bauen.

  • Mathias Knobel sagt:

    @M.Schwarz: 14.10. 17.10h Warum verlängert der Staat den Schuldendienst, wenn langfristige Anleihen verkauft und kurzfristige gekauft werden ? Sollte es nicht umgekehrt sein ?
    Weitere Kommentare: ich sehe keine „Worthülsen“ sondern echtes oekonomisches Wissen. Ähnlich wie zB. von Prof. Dr. Gunnar Heinson, Uni Bremen, von malik-management im April 2009 (!) veröffentlicht – „Warum Weltfinanzkrise ? System-Unkenntnis als schwerstes sysemisches Risiko“. Aber auch Prof. Heinson hat nichts neu erfunden und zitiert Walter Bagehot als Nestor der Zentralbanktheorie: „Für Kredite ist ein sehr hoher Zinssatz zu verlangen. Das wird die Mehrzahl der Anträge von Personen verhiindern, die sie gar nicht brauchen. Auch sind erstklassige Sicherheiten notwendig“ (Lombard Street: 1873). Die Erkenntnis liegt bald 140 Jahre zurück – und wir steuern mit „full power“ auf die nächste Krise zu … !

    • Michael Schwarz sagt:

      @Mathias Knoble:

      Würden Sie Ihre Gedankengänge besser formulieren, bzw. warum meinen Sie, dass die kurzfristige Anleihen bevorzugt werden soll und welcher Vorteil oder Nutzen für die wirtschaftliche Stabilität sollte erzeugt werden? kurz gesagt, ich verstehe Ihre Frage nicht vollständig.

  • Michael Schwarz sagt:

    Krugmans simples Beispiel verdeutlicht wo das Problem liegt, welches ich seit zwei Jahren über dieses Thema im diesen Blog schrieb. In der Vertrauenskrise Geld zu drucken, ist das Schlimmste was man tun kann, weil das Vertrauen, welches bereits durch der Krise geschwächt war, schwächt das Vertrauen durch die Geldentwertung zusätzlich, weil die eigne Zentralbank eigne Währung destabilisiert, dies hat zur Flucht der Investoren und Horten vom Unternehmenskapital geführt.

    Bernanke und Fed haben die Ursache der Krise nicht mal richtig verstanden, deshalb haben sie die falsche Massnahme ergriffen. Die Lösung liegt in der Stabilität, bzw. starke Währung, wo das Vertrauen bei Investoren wieder erlangt wird, wodurch die Investoren wieder in den USA direkt langfristige Investition tätigen werden. Es ist die Aufgabe der US-Regierung solche günstige Voraussetzung für die Investition zu schaffen, wie gesagt, die USA kann von der Schweiz viel lernen. Aber wie wir immer wieder feststellen können, dass die Amis nicht lernfähig und Überheblich sind, deshalb begehen sie immer den gleichen Fehler in unterschiedlichen Variation, der am Ende zur Krise führt.

    Die expansive Geldpolitik der Fed verursacht nicht nur in den USA das Leiden, auch in anderen Industrieländern und Schwellenländer. Das Ungleichgewicht in der globalen Wirtschaft wurde durch Bernankes Geldpolitik zusätzlich verstärkt. Die Flucht des Kapitals in den Schwellenländern hat dort zur einen Investitionsfalle geführt, wodurch die Inflation in einem rasanten Tempo stieg, die Elend in solchen Ländern nimmt mit steigender Inflation rasant zu, dies verstärkt wieder um das soziale Ungleichgewicht in der Gesellschaft, ein gutes Beispiel ist China. Die USA versucht China finanziell zu ruinieren und Druck auf China auszuüben, das ist das dümmste, was die USA während einer Krise tun kann, weil dadurch wird nicht nur China wirtschaftlich geschwächt, auch USA selbst.

    Fazit: Die Regierung Obama hat keine Ahnung von Wirtschaftspolitik. Bernanke ist ein Niete in der geldpolitischen Steuerung, er hat das getan, was Greenspan auch getan hätte; obwohl Greenspan selbst zugab, durch seine jahrelange expansive Geldpolitik die spätere Krise begünstig hat. Obama und Bernanke sind die falsche Person, durch deren Wirtschaftspolitik bzw. Handels- und Währungskrieg mit China, haben sie die US-Wirtschaft so geschwächt, dass die US-Wirtschaft zusehend in zweite Rezession zusteuert.

    • Maria Halder sagt:

      Man kann annehmen, dass die Amis dumm sind. Sie haben durchaus recht, wenn Sie annehmen, dass die USA = US Buerger sind. Allerdings denke ich eher, dass Obama und Bernanke im Dienste der Banken und Grosskonzerne sind. Man muss auch die Ruestungsindustrie mit einbeziehen. Dann macht das Handeln der US Regierung wieder Sinn. Inflation wird als Waffe benutzt, um in Laendern mit Oelvorhaben neue US-freundliche Regierungen einzusetzen. Inflation wird auch im Moment benutzt, um in China das System umzustuerzen. Natuerlich leiden US Buerger darunter. Allerdings nehme ich an, diese sind den Grosskonzernen egal, denn Sklaven haben sie schon genug im Ausland. Falls die Rezession kommt, hat diese den Vorteil, dass sich die USA bald in ein Billiglohnland verwandelt. Dann koennen die Konzerne das ganze System wieder umpolen. Verkauft wird dann im Ausland und billig produziert zu Hause. Das Oel gehoert den Amerikaners und China is am Boden.

      • Michael Schwarz sagt:

        @Maria Halder:

        Ich habe nicht gesagt, dass die US-Bürger dümmer sind als wir. Aber die Lernunfähigkeit aus eigner und fremder Erfahrung kann man als Dummheit bezeichnen. Das ist eher eine Frage der Haltung und Wahrnehmung gegenüber seinen Umfeld, in diesem Punkt ist die Schweiz nicht besser daran. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass die Schweiz sich besser verbergen kann, als die Amis.

  • Baer sagt:

    Die Babysitter-Genossenschaft von Krugman ist brilliant, weil sie ziemlich exakt die Liquiditätspräferenztheorie von Keynes‘ 1936-Werk wiedergibt. Sie ist auch genial, um zu zeigen, dass Keynes‘ Liquiditätstheorie nichts mit der monetären Realität zu tun hat. Die Liquiditätspräferenztheorie von Keynes beruht auf der widerlegbaren Annahme einer exogenen Geldmenge. Die Gutscheine werden „aus dem Nichts“ geschaffen und in den Umlauf gebracht. Banken können das nicht. Jede Gutschrift führt zu einer entsprechenden Lastschrift, Schöpfungen ex nihilo sind im Bankenwesen unmöglich und ausserdem verboten.

    • Michael Schwarz sagt:

      @Baer:

      Der Handlungsgrund Berankes(QE1 & QE2) extrem expansive Geldpolitik basiert auf das Verständnis der Liquiditätspräferenztheorie, was nach zwei Jahren als gravierenden Fehler herausgestellt hat. Solche Theorie ist zwar leicht verständlich, aber die liefert nicht immer die Lösungsansätze für aktuelle Probleme. Es gibt die Variablen, die als exogenen angenommen wurde, nicht exogenen sind, oder eine Wechselwirkung zwischen beiden aufweist – so einfach ist die Sache nicht.

      • Baer sagt:

        @Schwarz: Sie vermeiden mit solcher Effektivitaet jegliches Hinterfragen Ihres universitaeren Wissens, dass ich ernsthaft glaube, Sie koennten es noch zum VWL-Professor bringen. Sie schreiben in Worthuelsen. Werden Sie konkret. Die Geldtheorie ist potentiell eine exakte Wissenschaft. Nicht, wie sie heute betrieben wird, aber sie koennte es sein, denn Zahlungen sind exakte Vorgaenge.

        • Michael Schwarz sagt:

          @Baer:

          Von Sicht eines Geldtheoretikers ist die Geldtheorie eine exakte Wissenschaft, aber die Geldmenge nicht nur von den Geldmengen der Notenbank abhängig, sondern viel mehr von der Wirtschaft selbst, bzw. die Nachfrage nach Geld. Deshalb ist die Geldtheorie auf mittel- und langfristige Sicht der wirtschaftlichen Entwicklung keine Bedeutung. Ob die Geldtheorie eine exakte Wissenschaft ist, möchte ich hier nicht kommentieren. Das Ergebnis der Bernankes geldpolitischen Massnahme, sowie deren Auswirkung auf die Weltwirtschaft nach zwei Jahren spricht eine eindeutige Sprache.

          • Baer sagt:

            „Deshalb (hat) die Geldtheorie auf mittel- und langfristige Sicht der wirtschaftlichen Entwicklung keine Bedeutung.“ Was bedeutet dieser Satz? Was ist denn die eindeutige Sprache des QE von Bernanke? Werden Sie verbindlich, machen Sie eine konkrete Aussage. Sie reden in Worthuelsen, in Bedeutungslosigkeiten. Moechten Sie nicht kommentieren, ob die Geldtheorie eine exakte Wissenschaft ist, weil Sie nicht wissen, was eine exakte Wissenschaft ist? Oder weil Sie keine Meinung dazu haben? Werden Sie konkret, sonst sind Ihre Aussagen bedeutungslos.

          • Michael Schwarz sagt:

            @Baer:

            Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Geldtheorie bzw. geldpolitische Massnahme das Heilmittel sei, welches bei dem Geldpolitiker auch seit langem so verstanden wurde. Die Geldtheorie leistet lediglich einen Anstoss, womit die Wirtschaft wieder im Fahrt kommt. Was die Geldtheorie nicht kann, ist ein totaler Trendwende zu erzeugen.

            Was fasziniert uns die Wissenschaft, weil die Wissenschaft die Antwort auf die Frage, die wir seit langem beschäftigt haben, liefert, sowie zuverlässige Prognose und Voraussage liefert. Das kann die Wirtschaftswissenschaft nur bedingt, deshalb kann man die Wirtschaftswissenschaft nicht als exakte Wissenschaft bezeichnet werden. Die Wirtschaftswissenschaft gehört zum Bereich der Sozialforschung und Verhaltensforschung.

            Fazit: Das menschliche Verhalten kann nicht vollständig enträtsle werden, das ist auch gut so.

          • Baer sagt:

            @ Schwarz: „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Geldtheorie bzw. geldpolitische Massnahme das Heilmittel sei, welches bei dem Geldpolitiker auch seit langem so verstanden wurde.“ Habe ich das behauptet? Weshalb weigern Sie sich mit solcher Vehemenz, konkret zu werden? Ist ein Preis ein psychologisches oder soziologisches Phaenomen? Ist Einkommen eine philosophische Groesse, oder Inflation ein mathematisches Konzept? Nein, es sind oekonomische Phaenomene, OEKONOMISCHE. Sie werden es, wenn Sie so weitermachen, schaffen, nie einen originellen Gedanken zu haben. Jeder Ihrer Saetze ist 1:1 uebernommen aus dem Lehrbuch eines VWL-Einfuehrungskurses.

  • Anh Toan sagt:

    „Vernünftig sind zum Beispiel Ausgaben durch eine Neuverschuldung in der Krise für langfristig benötigte Infrastrukturanlagen,“

    Investitionen sind dann vernuenftig, wenn sie einen Mehrwert schaffen. Investitionen vorziehen ist grundsaetzlich ineffiziente Mittelverwendung. (Fuer Laender mit tiefen Refinanzierungskosten koennen in der Krise durchaus attraktive Chancen fuer Infrastrukturprojekte entstehen, dennoch ist die Denkweise: „Jetzt muss Kohle raus, was koennten wir denn tun?“, schlicht falsch.) Die Politik soll in der Krise aber auch nicht sparen. Weder Steuern erhoehen noch Ausgaben senken und auch nicht nuetzliche Investitionen verschieben. Für die entsehenden Defizite (weniger Steuereinnahmen, mehr Sozialausgaben) muss sie Spar- oder Einnahmenpläne für nach der Krise machen.

    Die Kontrolle der Gutscheinmenge im System ist Aufgabe der Notenbanken, nicht der Politik.

    • Michael Schwarz sagt:

      @Anh Toan:

      Wie ich vor zwei Jahren schrieb, die US-Regierung muss die Liquidität in der Wirtschaft umleiten, d.h. von Kurzfristige auf Langfristige Verschuldung umsteigen. In der Krise muss die Verschuldung des Staates nicht massiv ansteigen, weil der Staat die Möglichkeit der Umschichtung der Verschuldung von Kurz- auf Langfristige hat. D.h. der Staat muss langfristige Schuldscheine verkaufen, kurzfristig zurückkaufen. Aber das hat Bernanke in 2008 und 2009 nicht getan, weil er vor steigenden Zinsen Angst hatte, was eigentlich unbegründet war. Wie gesagt, die Überschuldung des US-Staates ist ein Hausgemachtes Problem, weil die US-Regierung die falsche Wirtschaftspolitik trieb, Bernanke die falsche geldpolitische Massnahme ergriffen hat. Die Liquidität war und ist nicht die Ursache der Krise, sondern das Vertrauen an dem System als Ganzes. Jetzt zeigt das Ungleichgewicht in der Wirtschaft, welches seit Jahren sich summiert hat, seine schlimmste Seite – die Destabilisierung des gesamten Finanzsystems, des politischen Systems(Demokratie).

      PS: Wir leben wieder in einer Art modernes Mittelaltes. Die Multikonzerne ersetzen das Fürstum in mittelalterlich gesellschaftlicher Organisation.

  • Eigentlich absurd, dass die Eltern in dieser Babysittiging-Genossenschaft ihre Freizeitplanung sowie ihre Babysitting-Einsätze nach einer Anzahl vorhandener Gutscheine (bedrucktes Papier) richtet. Das setzt voraus, dass das reale Angebot, die reale Nachfrage und die Anzahl Gutscheine miteinander übereinstimmen. Das kann gar nicht aufgehen. Wer bestimmt denn die Anzahl Gutscheine und aufgrund welcher Kriterien? Das sind dieselben unrealistischen Ansprüche wie in einer zentralen Planwirtschaft.

    Die Gutscheine sind also ein aufwändiger, unnötiger und unrealistischer Umweg zur Selbstorganisation der Sache, um die es eigentlich gehen sollte.

    Stattdessen wäre es so einfach, genossenschaftsintern mitzuteilen oder auszuschreiben: „Mein Mann und ich wollen am 4. Nov. ausgehen. Kann/will dann jemand Hütedienst machen?“ Oder im Gespräch zuhause: „Schatz, am 4. Nov. haben wir ohnehin nichts vor und unsere Kinder haben frei. Wollen wir dann den Kinderhütedienst machen? Vielleicht gibt es ja Leute, die an dem Datum froh drum wären. Ich trag uns gleich in den Genossenschaftskalender ein, falls sich da nicht schon jemand anders eingeschrieben hat. Dann check ich gleich, ob sowieso schon jemand einen Hütedienst will“.

    Angebot und Nachfrage sollten nicht gehandelt sondern einfach auf der einen Seite angeboten und auf der anderen Seite nachgefragt werden – ganz ohne ein künstliches Verbindungsglied zueinander (Geld, Geldmenge). Jeder Mensch steigt am Morgen aus dem Bett (oder Mittags, Abends…wann auch immer) und kann sich selber und zusammen mit seinem Umfeld überlegen: „Was brauche ich? Was brauchen wir? Was benötigen andere?“ sowie „Was kann ich beitragen? Was können wir beitragen? Was tragen andere bei?“. Man kann alleine produktiv sein oder gemeinsam mit anderen. Man kann die Produkte alleine konsumieren oder gemeinsam mit anderen. Wenn das, was ich produziere, nicht konsumiert wird, dann höre ich bald einmal auf damit. Es macht so einfach keinen Spass undzehrt an meinen persönlichen Ressourcen. Aber wenn die Nachfrage grösser ist, als was ich leisten kann, dann gibt es unter den vielen begeisterten Nachfragern bestimmt jemanden, der Lust hat, mitzuproduzieren. Und falls wider Erwarten doch nicht, dann ist die Nachfrage halt einfach doch zu wenig grundlegend.

    Was nicht nur auf der individuellen Ebene sondern auf einer höheren, gesellschaftlichen Ebene benötigt wird (z.B. Schule, öffentlicher Verkehr, Wasserversorgung, etc.) kann an Gemeindeversammlungen oder bei anderen öffentlichen Diskussions- und Abstimmungsgelegenheiten vorgeschlagen, diskutiert und beschlossen werden. Dort können auch gleich die zur Ausführung der Beschlüsse notwendigen Aufgaben direkt an interessierte Freiwillige verteilt werden. Falls es keine Freiwilligen gibt für die gemeinsam beschlossenen Aufgaben, dann ist etwas faul am Beschluss – oder an der Selbstverantwortung der Menschen bzw. an ihrem Umgang mit ihrer Freiheit.

    Dieses „System“ nennt sich Peer-Economy und beruht auf dem Prinzip des Beitragens statt des Tauschens. Es ist ein extrem freies und selbstverantwortliches System, das gleichzeitig stark auf Kooperation und Solidarität unter den Menschen angewiesen ist. Es fördert die Eigeninitiative und ermöglicht deren Erblühen, für jeden und ganz ohne bürokratische Hindernisse. Produktionsmittel sind Gemeingüter, damit niemand daran gehindert wird, seine Unternehmenslust auszuleben. Arbeit gibt man sich selber. Man will nicht arbeitslos sein, denn die ätzende Langeweile von einem Monat Liegestuhl führt zwangsläufig zu einer anschliessenden Hyperaktivität. Aber man will auch das Leben geniessen statt sinnlose Überproduktion zu betreiben (Grenznutzen). Im Gegensatz zu heute kämpft man sich nicht alleine und eigenbrötlerisch durchs eigene Leben, sondern ist ständig in Kontakt mit dem Umfeld, das man selber weitgehend mitgestaltet, gleichberechtigt mit allen anderen.

    Fazit: Geld hat zentralplanwirtschaftliche Eigenschaften, die die Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Menschen untergraben. Der seit Jahrhunderten stetig wachsende Mangel an Gemeingütern potenziert diese Wirkung. Wir müssen uns schleunigst sowohl vom Zantralstaat als auch von der reinen Privatwirtschaft befreien, bevor wir komplett vergessen haben, was Selbstverantwortung und Eigeninitiative ist!

    • artie sagt:

      Chapeau, Frau Binsberger, ihr erster Abschnitt bringt ein Teil der Problematik dieses Vergleiches auf den Punkt!

      Allerdings stimme ich mit ihnen nicht überein, dass es kein Geld brauch. Das Problem ist nicht das Geld, das Problem ist die zentrale Verwaltung von Geld, Zinsen und Geldmenge.

      Geld ist eine extreme Erleichterung des Handels.

      • @artie 13:07:

        Ja, Geld ist eine extreme Erleichterung des Handels. Aber wenn der Tausch wegfällt, gibt es auch den Handel nicht mehr. Da es den Handel nicht mehr gibt, muss er auch nicht erleichtert werden. Also braucht es auch kein Geld mehr. Handel scheint etwas mühsames zu sein, sonst müsste man ihn nicht erleichtern. Den Handel ganz abzuschaffen ist die konsequenteste Erleichterung.

        „Beitragen STATT Tauschen“ bedeutet, dass nichts mehr getauscht wird, also auch nichts gehandelt wird. Der Güterumlauf ist in der Peer-Ökonomie unabhängig von Handel – und dadurch sogar flüssiger und freier.

        • artie sagt:

          Ach Gott…

          Was meinen Sie denn mit ‚beitragen STATT tauschen‘? Und wie werden diese Beiträge getauscht/gehandelt/gegeneinander aufgerechnet? Oder braucht es in diesem System keine Aufrechnung? Oder ist ein Beitrag, einen Apfel zu pflücken gleich zu betrachten wie ein Beitrag, ein Fahrrad herzustellen? Was ist, wenn ich ein Fahrrad herstelle und das nur jemand will, der etwas beiträgt, dass ich gar nicht brauche?

          Sie reden von Naturaltausch, wie es in den Anfangszeiten der Menschheit der Brauch war. Denken Sie, dass es menschlich ist, in dieses System zurückzuwollen? Verkennen Sie nicht die menschliche Natur?

          Ich möchte Sie fast kennenlernen, um das näher zu diskutieren…

          Geld ist eine sehr wertvolle Errungenschaft der Menscheit. Leider wird Geld durch zentrale Verwaltung und Kontrolle pervertiert. Das sollte Sie aber nicht dazu verführen, Geld im Grundsatz abzulehnen…es sei denn, sie wollen zurück in die Steinzeit (was natürlich möglich ist, aber nur wenige Menschen wollen)

          • @artie 15:23:

            „…statt tauschen“ heisst wirklich das Tauschen abschaffen, loslassen, nicht mehr machen. Es geht also auch nicht um Naturaltausch. Weg damit. Aber lesen Sie doch in diesem Link herum, dann merken Sie sicher, wie’s gemeint ist:

            http://peerconomy.org/text/peer-oekonomie.pdf

            Oder suchen Sie nach „Peer-Economy“ oder „Peer-Production“.

            Geld kann man mit guten Argumenten grundsätzlich ablehnen. Denn Geld entpersonalisiert unsere ökonomischen Beziehungen. Wir werden dadurch immer mehr von den wesentlichen ökonomischen Informationen abgeschnitten. Das entfremdet uns von der realen Welt und der sozialen Umwelt. Beziehungen finden „nur“ noch über die nicht ganz so wesentlichen Dinge statt. Klar, das ist natürlich auch sehr wertvoll. Aber eine Gesellschaft, deren Mitglieder über existenzielle Themen miteinander verbunden sind, ist mit Abstand besser über die Gesamtheit infomiert, verhält sich solidarischer und ist somit viel stabiler, als unser zerbrechliches System von vielen Individualisten, die nur technisch miteinander verbunden sind.

    • Anh Toan sagt:

      Wurde hier eh schon als Blutsauger bezeichnet:

      In Ihrem Genossenschaftskalender würde ich meine Kinder jeden Abend zum Babysitten eintragen, ich kann Kinder, meine und andere, nicht ausstehen, dann werde ich wohl ausgeschlossen, ist Ihre Genossenschaft ein Land, werde ich zumindest ausgewiesen/ausgebuergert, vielleicht als Verräter erschossen.

      Ihr Konzept, angewendet auf einen ganzen Wirtschaftsraum, ist totalitär. Kleine Gruppen funktionieren so wunderbar, ausser es handelt sich um Anwälte oder Oekonomen.

      • Nadine Binsberger sagt:

        @Toan 13:24: Wenn Selbstverantwortung, Eigeninitiative und direkte Demokratie für sie totalitär sind, dann gehe ich davon aus, dass Sie nur eine Toan-Diktatur als nicht-totalitär betrachten können. Denn nur in einer Toan-Diktatur ist Toan total hindernislos frei. In allen anderen Gesellschaftsformen muss Toan sich mit seinem widerspenstigen Umfeld arrangieren – oh was für eine Qual für das freie Individuum!

        • Anh Toan sagt:

          @ Nadine Binsberger: Nein, ich will nicht Diktator sein, ich poche nur auf mein Menschenrecht, ein Arschloch zu sein. In Ihrem System sind Arschlöcher für die Gemeinschaft unerertäglich und müssen darum beseitigt werden. Es ist totalitaer, wenn alle Menschen gut sein muessen.

          Nochmals: In einer WG funktioniert Ihr System wunderbar, da kann man diejenigen, welche nichts für die Gemeinschaft beitragen, rausschmeissen, ohne deren elementare Menschenrechte zu verletzen, in ganzen Volkswirtschaften bleibt nur Umerziehung oder Beseitigung der Arschlöcher.

          Jeder Mensch ist frei, ein Arschloch zu sein.

          • Albert Baer sagt:

            Natürlich dürfen sie ein Arschloch sein, doch müssen sie auch die Verantwortung dafür übernehmen. Das heisst Sie müssen auch mit den Reaktionen auf ihre „Arschloch“-Aktionen leben. Soziale Kontrolle und soziale Ächtung waren und sind Mechanismen um „schädliches“ Verhalten zu „bestrafen“. Strafe, Ächtung, Kontrolle sind natürlich alles Begriffe, die dem modernen „Single-ach-ich-bin-so-frei-Konsum“-Menschen schräg einfahren.
            Freiheit ist ein wichtiges menschliches Grundbedürfnis. Er wird aber zum Fetisch, wenn man nicht mehr sieht, dass eine andere Grundkomponente des Menschseins die „Abhängigkeit“ ist. Überlegen Sie mal, was sie mit nur sich selber erreichen können. Ausser Tagträumen so ziemlich nichts. Sie sind darauf angewiesen, dass andere für sie tätig sind (Menschen, Tiere, Natur) und genauso sind andere darauf angewiesen, dass Sie für sie tätig sind.
            „Arschlöcher“ brauchen nicht umerzogen oder beseitigt zu werden, aber auch sie brauchen soziales Feedback.

          • Anh Toan sagt:

            @Albert Baer: Mit sozialer Ächtung muss ich leben, aber Sie erwaehnen Strafe: Um jemanden zu bestrafen, müssen vorher die Bedingungen der Strafbarkeit definiert werden (keine Strafe ohne Gesetz). Das heisst, nur weil jemand präzis umschriebene Verhaltensnormen verletzt, kann er bestraft werden. Sonst ist es eben totlitär. Frau Binsberger will jedoch die Bedingungen gar nicht vorher festschreiben, die Leistungen an die Gemeinschaft erfolgen je nach Bedarf und Fähigkeiten. Das geht im Eherecht, nicht aber in einer Volkswirtschaft.

            Ohne Strafe lebe ich und ein paar andere (ich bin nicht das einzige Arschloch auf dieser Welt) wie die Maden im Speck nach dem Motto „ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt sich weiter völlig ungeniert“. Die jenigen, welche Leistungen an die Gemeinschaft erbringen, sehen die Schmarotzer und stellen einer nach dem anderen ihre Leistungen ein, bis niemand mehr was leisten will. Den meisten Menschen ist soziale Achtung durchaus wichtig, in einem Binsbergerschen System wuerde jedoch eine kleine Minderheit die Mehrheit mit ihrem Schmarotzertum anstecken.

          • Albert Baer sagt:

            Kommt halt darauf an was man für ein Menschenbild hat: Sieht man den Mensch als homo oeconomicus, der nur seinen Eigennutz im Sinn hat, dann helfen halt nur Prügel, Ächtung, Herrschaft um ihn zu sozialem Verhalten zu zwingen. Oder aber man sieht den Menschen als kooperatives Weesen.

            Neueste Forschungen zu Kooperation und Fairness zeigen, dass der Mensch von Natur aus kooperativ ist. Es ist seine natürliche Veranlagung und nicht etwa eine kulturell vermittelte! Diese unsere Natur hat erst unsere Sprache und unser Empathievermögen hervorgebracht.

            Im Unterschied zu ihnen glaube ich nicht, dass „Arschlöcher“ nur durch Ächtung, Strafe, Herrschaft (Gesetze) „korrigiert“ werden können. „Arschlöcher“ sind eh menschliche Konstrukte ohne Entsprechung in der Realität. Was es gibt sind Verhaltensweisen. Über Verhaltenweisen kann man kommunizieren, sich verständigen, Verhaltensweisen kann man aushandeln.

            Damit Kooperation auftritt braucht es aber einen Kontakt zum DU. Ein Wirtschaftssystem in dem die Menschen vor allem über anonyme Märkte („Unsichtbare Hand des Marktes“) miteinander (nicht) in Beziehung treten, unterbindet im hohen Masse Kooperation. Was wir brauchen ist mehr genossenschafliches Wirtschaften, wo alle Beteiligten miteinander in Beziehung stehen und treten.

            Wenn es Sie interessiert:
            Weiter unten habe ich 2 Links zur Kooperations-/Fairnessforschung angegeben.

          • Anh Toan sagt:

            @Albert Baer: Menschen sind nichts ausser unterschiedlich. Zwar teile ich die Ansicht, dass die meisten Menschen von Natur aus kooperativ sind. In grossen Gruppen gibts jedoch immer auch eine unkooperative Minderheit, die sich vielleicht in ihrer kleinen Gruppe kooperativ verhaelt, auf die groessere Gruppe jedoch zersetzend wirkt, da sie vormacht, dass sich ganz gut leben lässt, ohne etwas an die Gemeinschaft zu leisten. In den AJZs der 80ger konnte man derleben, wie eine ihre persönliche Wut als Destruktivismus auslebende Minderheit, die Träumer von einem Binsbergerschen System aufgeweckt hat, bis diese die Minderheit von der SS oder Gestapo (als das wurde die Polizei von allen Autonomen gesehen) abholen liess. Dort reichte Ausperrung aus einem Haus, bei einem Land bleiben nur Umerziehungs- und Straflager.

          • Albert Baer sagt:

            Klar haben es „naive Friedensträumer“ schwer gegen „destruktive Arschlöcher“. Es braucht viel Mut, Präsenz, Energie – oder moderner – Konfliktfähigkeit um mit jemandem in Beziehung bzw. in Konflikt zu treten. Wer meint Frieden sei es, wenn alle lieb miteinander sind und alle die gleichen Ansichten haben, bescheisst sich selbst.
            In diesem Sinne gebe ich Ihnen Recht: Wenn alle zuerst gleich gemacht werden müssen, damit es funktioniert, dann ist das totalitär.
            Wenn Menschen wirklich nur „Nichts als Verschieden“ sind, dann gibt es wirklich keine Hoffnung auf Kommunikation, Verstehen, Verständigung, Kooperation. Dann verfolgt jeder Mensch autistisch seinen Eigennutz. Wie gesagt hält die neuere Sozialforschung den homo oeconomicus als ein zu einseitiges Bild für den Menschen.

            Ich glaube viel mehr dass der Mensch verschieden UND gleich ist.

          • Andres Müller sagt:

            @Anh Toan, Sie schrieben „@Albert Baer: Mit sozialer Ächtung muss ich leben, aber Sie erwaehnen Strafe: Um jemanden zu bestrafen, müssen vorher die Bedingungen der Strafbarkeit definiert werden (keine Strafe ohne Gesetz). Das heisst, nur weil jemand präzis umschriebene Verhaltensnormen verletzt, kann er bestraft werden. Sonst ist es eben totlitär.“

            Sie vegressen dabei das Gerechtigkeit ein vom Menschen geschaffener Begriff ist, das heisst, jedes Gesetz muss zuerst erkämpft werden. Es kann nicht Totalitär sein um Gerechtigkeit zu kämpfen, selbst wenn das betreffende Gesetz (noch) nicht existiert.

            Thomas Moore schrieb nach einem Besuch auf der Farm des berümten US-Amerikaners Jefferson und Begründers der Amerikanischen Verfassung „Vom Freiheitstreffen kommt der Patriot nach Haus und prügelt erst mal seine Neger aus.“

            Tatsächlich war Sklaverei noch in den USA erlaubt, als Jefferson sie in einem Gerichtsfall gegen einen Sklaven so ablehnte: „Jeder Mensch muss die Freiheit haben dahin zu gehen wo er will“.

            Tatsächlich lebte Jefferson seine Freiheitsideale nicht zuerst selbst vor, die USA galt in diesem humanitären Bereich als sehr Rückständig. Jefferson spürte lediglich dass die französische Revolution ein neues Gerechtigkeitsempfinden gebracht hat, eines dem man sich öffentlich besser nicht widersetzt, noch besser -der Taktiker Jefferson setzte sich an die Spitze der Verfechter von Menschenrechten auch für Schwarze. Er schwieg sich aber nachhaltig in der Öffentlichkeit über seine eigenen Sklaven aus und dahingehend dass er tatsächlich zu Hause stets mit der Peitsche ausgeritten ist.

            Was ich sagen will Anh Toan, das Gerechtigkeitsempfinden kommt oft vor einem Gesetz, und Rückwirkend war die Sklaverei wohl sicher für die Schwarzen Totalitär, ohne dass die weissen Sklavenhalter gegen die Gesetze verstossen hätten. Und der oberste hgesetzgebende Richter war in den USA in dieser Sache ein extrem blutiger Bürgerkrieg.

          • Thomas Ernst sagt:

            @Albert Baer:
            „Neueste Forschungen zu Kooperation und Fairness zeigen, dass der Mensch von Natur aus kooperativ ist. Es ist seine natürliche Veranlagung und nicht etwa eine kulturell vermittelte!“

            Korrekt – aber nur die Hälfte der Wahrheit. Wie ausgedehnte Forschungen von Prof. Fehr (Uni Zürich) und weltweite Versuche zur Kooperation ergeben haben, sind IN JEDEM KOLLEKTIV immer etwa 8-10% Spielverderber / Schmarotzer. Wenn es KEINE Möglichkeit gibt, diese Querschläger zu disziplinieren, dann sinkt die Kooperation der übrigen 90% innert kurzer Zeit auf etwa 10% (das sind die „unermüdlich Kooperativen“).

            Wenn es die Sanktionsmöglichkeiten gibt – selbst wenn es die „Rechtschaffenen“ selber etwas kostet, werden die Schmarotzer diszipliniert und die Kooperation steigt wieder auf nahezu 100%.

            Lehre: Der Mensch ist ziemlich kooperativ, aber nur, wenn er sicher ist, dass Schmarotzertum auch bestraft wird. Das bedeutet, dass ein funktionsfähiges kooperatives Wirtschaftssystem eben auch Sanktionen, damit – siehe Anh Toan – eben auch Spielregeln und damit auch Austauschregeln haben muss.

            Die Schmarotzerqoute von rund 8% ist übrigens quer durch alle Kulturen, Gesellschaften, Sprachen, Hautfarben gleich und auch unabhängig von der Höhe des Spieleinsatzes. Das deutet darauf hin, dass es eher tief in den Verhaltensschichten eingebaut ist, und nicht nur oberflächlich antrainiert.

        • Albert Baer sagt:

          @Thomas Ernst

          Das Thema der 8-10% „Spielverderber / Schmarotzer“ ist hoch interessant und sollte von der (ökonomischen) Sozialforschung unbedingt vertieft untersucht werden (soziologisch, psychologisch, biologisch, neurologisch).
          Ich bezweifle, dass 8-10% „Arschlöcher“ (Anh Toa) in einer Gruppe ein quasi „natürliches“ und somit unveränderbares Phänomen ist.
          Interessant wäre zu erforschen, inwieweit Umweltvariablen wie z.B. die Art der Interaktion/Kommunikation (z.B. herrschaftslos, konsensorientiert) in einer Gruppe, diesen „Arschlochanteil“ beeinflusst.

    • Peter Garstig sagt:

      „Falls es keine Freiwilligen gibt für die gemeinsam beschlossenen Aufgaben, dann ist etwas faul am Beschluss – oder an der Selbstverantwortung der Menschen bzw. an ihrem Umgang mit ihrer Freiheit.“

      Und dann was? Geht man nach Hause und lässt diese Dinge, die keiner Freiwillig machen will einfach sein? Oder nimmt sich selber an die Nase? Oder nimmt jemanden anderen an die Nase? Oder zwingt gar jemanden dazu?

      Marx hat ähnliches geschrieben, völlig hirn- und sinnlos am Menschen vorbei.

      • @Garstig 17:14:

        Sie wissen aber, wie die von Ihnen beschriebenen Situationen heute gelöst werden? Es gibt Menschen, die die Drecksarbeit machen und solche, die von den Zinsen ihres Vermögens leben und deshalb zu nichts gezwungen sind. Ausgerechnet die Drecksarbeit wird mit Tiefstlöhnen und sehr oft miesen Arbeitsbedingungen entschädigt. Häufig müssen sich diese Leute zudem unter der Existenzgrenze durchschlagen. Was würden Sie zu diesem System sagen, wenn es noch nicht real wäre, aber es Leute gäbe, die es einführen wollen würden? Völlig gaga, oder nicht?

        Dann lieber die Drecksarbeit liegen lassen, bis die Gemeinschaft eine Lösung findet, wie man sie zuverlässig und gerecht verteilt. Z.B. jeder muss halt mal ran und hat dann für eine Weile Ruhe damit? Es gäbe viele andere Möglichkeiten. Wo bleibt die legendäre Innovationsfreude und der Erfindergeist der Schweizer?

        • Melanie Meier sagt:

          @Nadine Binsberger

          Ihr Vorschlag tönt super – aber ich glaube der Mensch ist zu egoistisch um das umzusetzen. Ausserdem, tut mir leid wenn ich damit jemanden beleidige, sind gewisse Menschen nicht dazu in der Lage, wirklich Verantwortung zu übernehmen. Dadurch wird wieder jemand gebraucht, der führt. Wenn jemand führt, so wird das über kurze oder lange Zeit wieder zu Ungleichheit führen. Und Ungleichheit bedeutet, dass gewisse Menschen mehr haben als andere. Ob man noch Geld hat oder nicht, spielt keine Rolle schlussendlich. Wir Menschen sind ja keine Maschinen die ohne Emotionen berechnen können – und auch wenn wir gemäss Mikroökonomie unseren Nutzen maximieren wollen, so tun wir dies immer mit einer Prise „Menschheit“ die nicht vorausgesehen werden kann.

        • Peter Garstig sagt:

          Schon klar: wenn’s nicht anders geht, werden die Leute halt zu den Drecksarbeiten gezwungen.

          Die Ideee scheint mir nicht wirklich neu oder revolutionär zu sein. Die Sklaverei lässt grüssen.

          Wie gesagt, sie verstehen die menschliche Natur nicht.

          • Albert Baer sagt:

            Na wie ist sie denn, die menschliche Natur Herr Garstig?

            Und kommen Sie mir nicht mit dem abgelutschten Homo oeconomicus, der nur seinen Eigennutz sucht und als Rechfertigung für ein egoistisches, entmenschlichendes Wirtschaftssystem herhalten muss.

            Wenn Sie sich schlau machen über die aktuelle Forschung zur Fairness/Kooperation dann erkennen sie, dass kooperatives Verhalten ein grundlegender Teil der menschlichen Natur ist? Darum haben wir Menschen überhaupt Sprache und Einfühlung entwickelt.

            Als Einstieg zwei Links:

            http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-10/21632136-klaus-j-jacobs-preise-2011-vergeben-095.htm

            http://www.uzh.ch/news/articles/2008/3175.html

          • Thomas Ernst sagt:

            @Albert Baer:

            Wie schon oben dargestellt, ist der Mensch weitgehend kooperativ, aber damits klappt, müssen zwingend Sanktionen gegen Schmarotzer vorgesehen sein UND AUCH angewendet werden.

            Unser aktuelles Politik-, EUR- und Bankenschlamassel lässt sich im wesentlichen drauf zurückführen, dass führende Figuren gegen klare Regeln (z.B. No-Bailout-Klausel, EU-Verträge etc.) verstossen haben, sie aber nicht abgestraft, sondern mit dem Geld der Steuerzahler noch belohnt wurden.

            Kein Wunder, wollen die übrigen nicht mehr in dem Scheissspiel mitspielen.

          • Tom Baer sagt:

            @Albert Baer: Danke für die Links. Ja, ich stimme ihnen zu, dass wir von Natur aus kooperativ sind. Ich glaube, dass wir durch unsere Erziehung/Bildung viel von den Kompetenzen, wie Kooperation, Kommunikation und Empathie verlieren.
            Ich zweifle daran, dass diese Forschungen zur Fairness/Kooperation, die mit Personen und von Personen gemacht wurden, die 20 Jahre auf optimales Funktionieren in einer Leistungsgesellschaft getrimmt wurden, viel aussagen. Der Schulkritiker und Lehrer John Taylor Gatto, benennt treffend in seinem Buch “Verdummt noch mal!” als die wirklichen Lehren der Schule sieben Lektionen: Verwirrung des Schülers, Wecken von Klassenbewusstsein, Erziehung zur Gleichgültigkeit, Herstellung intellektueller und emotionaler Abhängigkeit, Schwächung des Selbstbewusstseins und Gewöhnung an dauernde Überwachung. Die Schule verdamme die meisten Menschen zu niederen Bausteinen in einem pyramidalen Gesellschaftsmodell.

            Ich denke, dass wir die Fairness/Kooperation in Montessori/Sudbury-Schulen nicht verlieren und hoffe, dass der Staat diese Schulen mehr unterstützt. Unsere Kinder sind unser grösstes Kapital und wir gehen mit diesen Ressourcen sehr verschwenderisch um.

            Auch Marshall B. Rosenberg sagt in seinem Buch „Gewaltfreie Kommunikation”, dass wir von Natur aus perfekt kommunizieren und diese Fähigkeit durch unsere Erziehung verlieren. Mehr über die Gewaltfreie Kommunikation:
            http://books.google.cl/books?id=I04Z9dUhwK0C&pg=PT117&dq=gewaltfreie+kommunikation+dummies

            @Thomas Ernst: Wenn die Mehrheit der Menschen in der zivilisierten Welt die Kompetenzen Kooperation, Kommunikation und Empathie beibehalten kann, wie er sie von Natur aus hat, brauchen wir auch keine Sanktionen gegen Schmarotzer und irgendwann könnten wir Schmarotzer aus unserem Wortschatz streichen.

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