Der grosse Unterschied

Der Staat soll mit eigenen Ausgaben für Nachfrage sorgen: John Maynard Keynes.

Konjunkturstimulierung über ein erhöhtes Defizit, Finanzierung der Staatsschulden durch die Zentralbank, Inkaufnahme einer erhöhten Inflation: Das galt noch vor wenigen Jahren beinahe als wirtschaftliches Verbrechen. So werden entsprechende Vorschläge, die zum Beispiel von der Obama-Regierung oder bei der US-Zentralbank debattiert werden, in vielen Debatten auch heute beurteilt, zuweilen auch auf diesem Blog. Dieses Urteil beruht auf den Prinzipien, die für normale Zeiten Gültigkeit haben, nicht aber für die aktuelle Krise. Hier die wichtigsten davon:

  • Konjunkturpolitik sollte auf keinen Fall durch erhöhte Ausgaben des Staates über Budgetdefizite gemacht werden. Denn die Neuverschuldung führt auf den Kapitalmärkten zu einer erhöhten Mittelnachfrage durch den Staat, was dort die Zinsen steigen lässt. Die höheren Zinsen wiederum schrecken Private ab, die sonst Geld für produktive Investitionen aufnehmen würden. Das heisst, staatliche Ausgaben verdrängen zumindest teilweise private Investitionen, das nennt man den «Crowding Out»-Effekt.
  • Konjunkturpolitik ist hauptsächlich die Aufgabe der Zentralbank. Sie kann mit ihren Leitzinsen viel flexibler auf wirtschaftliche Schwankungen reagieren. Droht eine Rezession, senkt sie die Leitzinsen, wodurch das Zinsniveau insgesamt zurückgeht. In diesem Fall werden private Investitionen nicht verdrängt, sondern im Gegenteil dazu sogar gefördert.
  • Doch der Aktionsradius der Zentralbank soll eng begrenzt bleiben (hier die Überlegungen dahinter): Ihr einziges Instrument soll der Leitzins sein und sie soll ihre Politik hauptsächlich an einer Grösse ausrichten: der Inflationsrate. Wenn sie dafür sorgt, dass die Inflation eine Maximalhöhe von 2 Prozent nicht überschreitet, dann – so das Credo – sorgt sie automatisch auch für den konjunkturellen Ausgleich. In einer Rezession fällt die Inflation gewöhnlich stark ab, was der Zentralbank eine Senkung des Leitzinses erlaubt.

Doch dies sind keine normalen Zeiten. Wie wenig die obigen Prinzipien jetzt Gültigkeit haben, zeigt der Blick auf einige ökonomische Daten:

  • Japan erreicht im laufenden Jahr gemäss dem Internationalen Währungsfonds (IWF) eine Staatsverschuldung von rund 230 Prozent, die USA eine von knapp unter 100 Prozent gemessen am Bruttoinlandprodukt. Das Budgetdefizit der USA soll sich laut diesen Daten 2011 auf rund 11 Prozent und jenes von Japan auf 10 Prozent des BIP belaufen. Gemäss den obigen Prinzipien müssten unter diesen Umständen die Zinsen für die Staatschuld dramatisch ansteigen und damit das Zinsniveau generell. Wir erinnern uns, selbst die Ratingagentur Standard & Poor’s hat den USA die höchste Bonitätsnote entzogen. Doch wie sieht es beim Zinsniveau tatsächlich aus: Sowohl in Japan, wie auch in den USA sind sie im historischen Vergleich rekordtief und im laufenden Jahr sind sie noch weiter gefallen. Nein, die Staatsanleihenkäufe der Notenbank in den USA sind nicht dafür verantwortlich. Auch nach dem Auslaufen des Quantitative-Easing-Programms sind die Sätze weiter gefallen. Hier eine Grafik zur Entwicklung der Langfristzinsen in den USA:
  • Auch in der Geldpolitik waren sowohl die USA wie auch Japan weit weg von den engen Begrenzungen, die ihnen die alten Prinzipien vorschreiben würden. Vor allem haben sie die Geldmenge über verschiedene unkonventionelle Massnahmen massiv ausgedehnt. Gemäss den obigen Prinzipien müsste also die Inflation drastisch ansteigen. Auch das ist nicht geschehen, wie die untenstehende Grafik für die USA zeigt. Die Inflation ist zwar leicht angestiegen, doch das dürfte sich um einen temporären Effekt handeln, der auf vergangene Ausschläge bei den Rohstoffpreisen zurückgeht.
  • Noch wichtiger: Die Inflationserwartungen sind zurückgegangen, wie ein Blick auf den Unterschied zwischen inflationsidexierten und nichtindexierten zehnjährigen    US-Staatsanliehen zeigt:

Hier mehr zu den inflationsindexierten Bonds und in diesem früheren Blog-Beitrag weitere Grafiken zum Inflationszusammenhang.

Der wesentliche Unterschied zwischen normalen Zeiten und jetzt hat einen Namen: Liquiditätsfalle. Für Japan wurde sie schon vor mehr als zehn Jahren prognostiziert, für die USA seit der Finanzkrise. Einige Ökonomen sehen diesen Zustand auch in Kerneuropa.

Hier die Symptome dieser «Krankheit»

  • Unternehmen, Banken und gewöhnliche Bürger bleiben auf dem Geld sitzen, statt es für Konsum oder produktive Investitionen auszusetzen. Entweder halten sie es in bar oder sie parken es in der relativ gesehen sichersten Anlage: Staatsanleihen von Ländern wie den USA, Japan oder (in Europa) Deutschland oder der Schweiz.
  • Ein Motiv für dieses Verhalten ist die Angst vor einer anhaltenden Wirtschaftskrise. Sie lässt die Banken Kreditausfälle befürchten, die Unternehmen ausbleibende Erträge nach Investitionen und gewöhnliche Bürger den Verlust ihrer Stelle. Doch diese Reaktion auf die Angst führt zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung: Wenn Konsum und Investitionen ausfallen, bricht die Gesamtnachfrage ein und die Krise hält tatsächlich an.
  • Ein weiteres Motiv für das Geldhorten ist der Schock, den die hohe Verschuldung in der Gesellschaft auslöst. Sparen wird zum wichtigsten Zweck für alle. Und die Anhäufung von Cash bewahrt vor einer nötig werdenden Neuverschuldung. Der Japaner Richard Koo hat dafür den Begriff «Balance Sheet Recession» geprägt. Weil die Stärkung der Bilanzen wichtiger wird als jede andere wirtschaftliche Tätigkeit wie zum Beispiel Investition, hält die Rezession an.
  • Um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, kann eine Zentralbank wie oben erwähnt in gewöhnlichen Zeiten den Leitzins senken, was die Kosten von Investitionen, jene von Krediten und jene für den Schuldendienst senkt. Das treibt normalerweise den Konsum und die Investitionen wieder an. Doch in der Liquiditätsfalle ist der Leitzins schon nahe oder gänzlich bei Null Prozent und kann nicht mehr gesenkt werden. Eine anhaltende Krise lässt die Inflationserwartungen einbrechen oder sogar eine Deflationserwartung aufkommen: Beides führt zu steigenden Realzinsen. Das verteuert Investitionen und den Schuldendienst. Anders formuliert steigt bei fallenden Preisen der Wert des bar gehaltenen Geldes.
  • Etwas technischer ausgedrückt: Um die Ersparnisse und die geplanten Investitionen in einer Gesellschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sind in einer Liquiditätsfalle Zinsen von weniger als Null nötig, was die Zentralbank nicht bewerkstelligen kann. Noch technischer: Die so genannte Taylor-Regel weist klar einen negativen Wert aus. Also auch diese für die Zentralbanker wichtige Daumenregel besagt, dass die Leitzinsen unter Null fallen müssten, um die gesamte Wirtschaft wieder zu einem Zustand zurückzuführen, in dem die Produktionsfaktoren – allen voran die Arbeit – wieder normal ausgelastet sind und die nachfragebedingte Arbeitslosigkeit verschwindet.
  • Wenn die Zentralbank die Geldmenge ausdehnt, passiert in der Wirtschaft kaum etwas. Sie bleibt als Ersparnis bei den Banken, den Unternehmen oder den Konsumenten hängen. Das Geld kommt daher kaum im Wirtschaftskreislauf an. Technisch ausgedrückt: Der Geldschöpfungsmultiplikator sinkt.

Die Liquiditätsfalle erklärt besser als alle anderen Ansätze die aktuellen Probleme und die beobachtbaren Daten etwa in Japan im letzten Jahrzehnt und aktuell in den USA: tiefe Zinsen und eine ausbleibende Inflation trotz hohen Staatsdefiziten und einer an der Notenbankgeldmenge gemessen äusserst expansiven Geldpolitik.

Was wären die Rezepte? All das, was gewöhnlich für verantwortungslos gehalten wird:

  • Der Staat soll mit eigenen Ausgaben für Nachfrage sorgen. Er verdrängt keine privaten Investitionen, weil die Zinsen nicht steigen und ausbleibende Investitionen ohnehin nicht verdrängt werden können. Schulden, die er dafür zusätzlich aufnimmt, kosten ihn angesichts der rekordtiefen Zinsen so wenig wie nie sonst. Ist der Stimulus gross genug, um das Land aus der Liquiditätsfalle zu befreien, soll er den Schuldenabbau dringend an die Hand nehmen. Versucht er das aber in der Liquiditätsfallen-Krise, fällt noch mehr Nachfrage aus und die Lage – samt Verschuldung – verschlimmert sich weiter. Ja das war das ursprüngliche Anliegen von John Maynard Keynes.
  • Die Zentralbank hat nur wenige Möglichkeiten, wie oben klar geworden sein sollte. Sie kann höchstens versuchen, höhere Inflationserwartungen zu etablieren. Das senkt den Realzins und macht das Horten weniger attraktiv, senkt die Schuldenlast und sorgt so dafür, dass das Geld wieder in Konsum oder Investitionen fliesst.
  • Während der Vorschlag, höhere Inflationserwartungen zu schüren, immer wieder auf empörte Reaktion moralischer Art stösst, ist das wahre Problem vielmehr ökonomischer Natur: Da die Zentralbank in einer Liquiditätsfalle kaum Wirkung auf die Realwirtschaft nehmen kann – und damit auch nicht auf die Inflation und die Zinsen – muss sie glaubhaft zusichern können, dass sie auch in der weiteren Zukunft die Inflation hoch halten wird. Nur das erhöht die Inflationserwartungen und führt zum gewünschten Effekt auf den Konsum und die Investitionen.

Ökonomen wie etwa Kenneth Rogoff oder Gregory Mankiw wollen dennoch bei den Inflationserwartungen ansetzen, weil sie gegenüber fiskalischen Massnahmen skeptisch bleiben. Joseph Stiglitz andererseits zweifelt an den Möglichkeiten dieser Geldpoltik und setzt auf Fiskalpolitik und Paul Krugman findet, man soll gleich beides versuchen, zweifelt aber ebenfalls an den Möglichkeiten, eine höhere Inflationserwartung durchsetzen zu können.

Fazit: Was viele – geprägt von den Zeiten vor der Finanzkrise – momentan für «verantwortliches Handeln» halten, ist genau das Gegenteil von dem, was erforderlich wäre. Kein Wunder nimmt die Krise kein Ende und verschärft sich sogar von neuem.

Hier für Freaks drei spannende, wenn auch nicht ganz einfach zugängliche akademische Papiere zum Thema: Krugman 1998, Eggertson/Krugman 2010 (hier eine kurze und besser lesbare Version) und Eggertson/Woodford 2004.

Die Überlegungen sind also weder neu, schon gar nicht auf eigenem Mist gewachsen, noch besonders ketzerisch im Sinne der ökonomischen Wissenschaft. Nur in der öffentlichen Debatte wird Wirtschaftpolitik zuweilen debattiert, wie wenn der grosse Unterschied in dieser Krise nicht existieren würde. Und es wird klar: Wenn in den USA die von der Tea-Party getriebenen Republikaner sich mit ihrer Fundamentalkritik sowohl an den Ausgaben der Regierung wie auch an den Geldspritzen der Notenbank durchsetzen, dann kommt das Land noch sehr lange nicht aus dem Jammertal, in dem es sich befindet.

74 Kommentare zu «Der grosse Unterschied»

  • Michael Schwarz sagt:

    Der theoretische Ansatz S=I gilt nur auf sehr langfristige Betrachtungsweise. Durch das Prinzip des Geldschöpfens haben wir ein Geldsystem geschaffen, welches in der Lage ist, die Geldmenge nach den Bedarf der Nachfragen nach Geld selbst zu regulieren. Das Gesetz S=I ist tendenziell und langfristig richtig, das bedeutet aber nicht , dass S zwangsläufig an I gebunden ist. Das I kann von S sehr stark abweichen für eine längere Zeit. In der Phase der Inflation ist I>S, in der Phase der Rezession I<S. Es wird nichts nutzen, auch wenn die Zentralbank sich so bemühte die Geldmenge zu erhöhen, die Umlaufgeschwindigkeit nimmt ab, somit die gesamte Geldmenge verändert sich nur geringfügig, oder sogar rückläufig – das System der Geldschöpfung bricht zusammen. Die Bedingung S=I ist der Goldstandard, wo die gesamte Geldmenge an Goldmenge gebunden wäre.

  • Torsten Hunke sagt:

    Ihm haben wir das heutige Dilemma zu verdanken. Ueberall sehen ich Keynes. Ueberall wird mit Schulden Sinnlosigkeit gebaut. Keiner rechnet mehr in Wirtschaftlichkeit und so steigt die Verschuldung, die unsere Kinder und Kindeskinder ausbaden dürfen. (Nee, wir werden es ebenfalls ausbaden, denn die Folgen stehen vor der Tür)

    Dumm ist der, der Dummes tut

  • Ueli sagt:

    Die Zukunft des Kapitalismus scheint äusserst prekär, da nur noch ein riesenhaft aufgeblähter Staat, welcher sich aber dummerweise nicht ewig weiter verschulden kann, die Maschine am laufen hält. Dumm auch, dass Vater Staat sich beim Stemmen der letzten Krise einen gewaltigen Hexenschuss geholt hat und nun nicht mehr ganz so frisch ans Werk gehen kann.
    „Die Gesetze“ von annodazumal gelten nicht mehr – aber es muss weitergewurschtelt werden. Also wird die Leiche schön zurechtgeschminkt und die Zeche zahlt dann der Teufel.

  • Michael Schwarz sagt:

    Die Krise, die wir seit zwei Jahren erleben, sind auf die klassische ökonomische Theorie zurück zu führen. Das ist auch der Grund warum die Industriestaaten nach der Abschaffung des Bretton-Wood, stark verschulden können. Die Ideologien der Ökonomen haben die Bernanke veranlasst, Geld zu drucken.

    Das Ergebnis ist ein globaler Währungskrieg, und Handelskrieg. Die klassischen Ökonomen haben in anderer Zeit gelebt, wo die Wirtschaft und Gesellschaft haben noch nicht so vernetzt, wie heute der Fall ist. Die theoretischen Ansätze aus vergangenen Zeiten müssen die zeitgenössische Ökonomen genau überprüft werden. Was funktioniert, was nicht. Allein das Glauben ohne die aktuelle Beweisführung wird nicht ausreichen, die komplexe Struktur der modernen Wirtschaft unter Kontrolle zu halten – das Problem ist die extreme Vernetzung der Märkten, dies verbergt nicht-kalkulierbare Risiken. Die Zentralbanker müssen heute viel besser sein, als von 15 Jahren, was ich nach meiner Beobachtung nicht feststellen kann.

    • Baer sagt:

      Konkreter? Was genau ist falsch bei den Klassikern und Neoklassikern, das würde mich jetzt wunder nehmen? Bitte keine Allgemeinplätze wie „die Klassiker glaubten an Say’s Gesetz“ oder „die Neoklassiker glauben an die Effizienz der Märkte“, sondern eine konkrete Kritik der Grundlagen der Neoklassik, wie sie von Walras, Marshall, Arrow, Debreu, Pigou, Samuelson etc. ausgearbeitet wurde. Oder die Klassik, wie Sie wollen. Bin gespannt.

      • Taric Trent sagt:

        Hallo Baer, schön mischen sie wieder mit!

        Neoklassik gibt es nur in der Musik und in der Volkswirtschaftlehre, neuerdings auch in der Physik, wobei die Klassik der Physik da noch gelehrt wird, sehr im Gegensatz zur Vwl. Das ist ein Hinweis darauf inwiefern sich die moderne Vwl und die Quantenmechanik von anderen Disziplinen der Wissenschaft unterscheidet. Es gibt offenbar einen Wendepunkt in der ökonomischen Wissenschaft und in der Vwl selbst existiert ein Bewusstsein darüber.

        • Baer sagt:

          Trent, auch hier. Schön. Ich konnte es wieder mal nicht lassen. Wird Sie freuen: Las letzte Woche gerade das Manifest von Karl (nicht Hirschmann, der andere), ein sehr kluges Büchlein.

          • Michael Schwarz sagt:

            @ Baer:

            Ein gutes Beispiel der Unverständlichkeit Keynes (Keynes Kreuz) Konjunkturtheorie ist der Grund warum die Konjunktur sich schwankt. Das kann Keynes nicht begründen. Er hat lediglich die Verbindung zwischen Micro und Macro herstellt, mehr ist nicht, er erklärt nicht warum die Demand in zyklischen Wellen sich bewegt, einfach weil er es nicht verstanden hat. Aber trotzdem schlägt er die Politiker vor, dass die Konjunkturprogramme während der Krise durch die Verschuldung zu finanzieren, obwohl man die Schwankungen nicht mal richtig verstanden hat.

            Ich möchte Keynes Leistung nicht aberkennen, das steht mir nicht zu, aber in seiner „General Theory…“ gibt es wohl entscheidende Frage, die offen sind, wo man sein theoretischen Konstrukt ernst in Fragen stellen muss.

            Ich wäre mit Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir die Ursache der Konjunkturschwankungen erklären könnte, bzw. warum die Demand in regelmässigen Zyklen sich bewegt. Ich habe Wirtschaft studiert wie Sie, viele Fachliteratur gelesen, aber bis heute ist meine Frage offen geblieben. Bis heute habe ich kein Prof. und Ökonomen getroffen, die mir meine Frage beantworten können. Vielleicht wissen Sie es besser.

          • Michael Schwarz sagt:

            Zur Ergänzung meiner Frage an @ Baer.

            Die klassische ökonomische Theorie basiert auf Annahme des Gleichgewichtes, also Symmetrie im System. Aber dieser Zustand findet man im Finanzmarkt selten, oder nur für kurze Zeit. Die meiste Zeit findet die Finanzmärkte weltweit in Ungleichgewicht. Deshalb funktioniert die klassische Theorie auch so schlecht, weil die nicht Wirklichkeit wiedergegeben wird, oder nur für eine kurze Zeit. Die Asymmetrie in Finanzmarkt wird durch die Erwartung der theoretischen Symmetrie erst verursacht. Es hört sich unlogisch an, aber die Logik steckt in der Wirklichkeit.

          • Baer sagt:

            @ Schwarz: Nicht ganz. In Kapitel 22 seiner General Theory schreibt Keynes über Konjunkturzyklen, er widmet sogar das ganze Kapitel der Frage der Zyklen – wobei er wissen will, weshalb die Beschäftigung hoch und runter schwingen kann. In seiner Treatise on Money schreibt er ausführlich über die Frage, weshalb Preise schwanken. Das heisst nicht, dass ich diese Theorien teile, aber er schrieb sehr viel darüber, er hat es also versucht zu begründen. Er hat also sehr wohl einen Grund dafür geliefert, weshalb die Nachfrage schwankt: weil die Investitionen schwanken, und diese wiederum schwanken, weil die erwartete Rendite schwankt, und diese wiederum schwankt wegen dem Herdentrieb (animal spirits etc.), welche auf spekulative Änderungen überreagiert. Also: über die Bücher gehen. Die Konjunkturtheorie seiner Treatise ist aber ein bisschen anders, und, wie ich finde, interessanter. Aber item.

            Ich werde nichts zu den Ursachen von Konjunkturschwankungen sagen, aus demselben Grund, weshalb zwei Physiker, die nicht wissen, was ein Atom ist, nicht gleich über den Urknall reden sollten. Beginnen wir bei A, und gehen dann zu B, etc.

            Ich glaube, Sie verwechseln die Klassiker mit den Neoklassikern (ein Fehler, der Keynes komischerweise auch passierte, er nannte Neoklassiker meist Klassiker). Die Klassiker, das waren Smith, Ricardo, Malthus und Marx, und die vertraten das Überschuss- und Arbeitswertprinzip. Im Gegensatz dazu waren die Neoklassiker Leute wie Walras, Jevons, Menger, Wicksell und Samuelson, und die vertraten das Marginalprinzip. So ist das. Die Idee des Gleichgewichts in der Ökonomie finden Sie zwar schon früher (die früheste Version, die ich kenne, ist vom Ökonom James Stuart, der 1767 von „prices vibrating around equilibrium“ sprach), aber erst die Neoklassiker bauten ihre ganze Theorie darauf auf, vor allem Walras baute es zum generellen Modell auf.

            Nun behaupte ich etwas, in der Hoffnung, dass Sie darüber nachdenken: Angebot und Nachfrage, im ökonomischen Sinn, sind immer identisch. Oder haben Sie je etwas für 5.- gekauft und haben 6.- bezahlt? Die Idee ist absurd. Die Nachfrage wird effektiv, sprich realisiert sich erstmals ökonomisch, wenn sie bezahlen. Aber sobald Sie bezahlen, ist der Preis des Objekts notwendigerweise IMMER IDENTISCH mit dem Kaufpreis. IMMER. Vor der Bezahlung war die Nachfrage eine psychologische Erwartungshaltung und der Preis existierte erst im Kopf der Leute, noch nicht als wirkliches, ökonomisches Phänomen. Aus dieser Sicht sind die Begriffe „Übernachfrage“ und „Überangebot“ keine ökonomischen Konzepte, da im Moment des Tausches A=N gilt, gezwungenermassen. Denken Sie darüber nach.

        • Michael Schwarz sagt:

          @Taric Trent:

          Die marxistische Theorie der Überproduktion ist mir durchaus bekannt, aber diese Theorie entstand aus der Zeit, die die Wirtschaft von einer Agrarwirtschaft in Industrielle Wirtschaft mit Massenproduktion umstieg. Dadurch entstand auch die Konsumgesellschaft, weil man immer mehr Waren in kurzer Zeit produzieren kann, dieser Prozess kann man bei Schwellenländern gut beobachten. Die Vorteile für die Schwellenländer sind die Produktionsmethode und die Technologie bereit steht, somit müssen die Schwellenländer sie nicht von anfangen an selbst entwickeln. Dies führt zu einer rasanten Zunahme der Konsumgüter.

          Die Überproduktion ist in der modernen Wirtschaft ein dauerhaften Zustand. Man kann heute alles und in jeden beliebigen Menge Produktion herstellen. D.h. die Produktherstellung ist heute kein Thema. Die Frage ist es, warum die Demand in Zyklen sich bewegt, nicht das Supply. Das Angebot ist immer da, wenn die Demand da ist. Zwischen Supply/Demand besteht keine gegenseitig abhängig, sondern die Demand das Supply bestimmt wird.

          Ich habe eine grundlegende Frage gestellt, die alle Theorie darauf mehr oder wenig bezieht. Wenn man das Warum nicht versteht, versteht man die Wirtschaft nicht.

          • Taric Trent sagt:

            Wenn sie ihnen bekannt ist warum verzapfen sie dann so Mist wie Überproduktion sei die Möglichkeit Sachen in beliebiger Menge herzustellen? Wenn sie es nicht durchlesen wollen weil „Marxismus-Leninismus“ draufsteht ist das ihr Problem. Hier nochmals der relevante Teil:

            Diese Form der Wirtschaftskrise, „welche allen früheren Epochen als ein Widersinn erschienen wäre“ (Manifest), sei bedingt durch die Widersprüchlichkeit der kapitalistischen Akkumulation selbst. Einerseits strebt das Kapital danach, möglichst viele Waren zu produzieren und zu verkaufen, um einen möglichst hohen Profit zu erzielen. Andererseits strebt es Aufgrund der Profitmaximierung auch dahin, den Preis der Arbeitskräfte, daher der potentiellen Käufer ihrer Waren, möglichst niedrig zu halten und zu drücken. In der Konsequenz bedeutet dies, dass die produzierten Güter aus Mangel an realen Käufern nicht mehr zur Gänze abgesetzt werden können. Die mangelnde Kaufkraft betrifft nicht nur jene Waren für die unmittelbaren Konsumenten, sondern wirkt in weitere Wirtschaftsbereiche fort. So werden beispielsweise keine neuen Aufträge zwischen Unternehmen mehr erteilt oder alte storniert, die Lager bleiben voll, die Produktion steht still wie das Transportwesen. Entlassungen finden statt, welche die Gesamtkaufkraft weiter reduzieren usw. usf., ein Teufelskreis bildet sich aus, der erst durch die Erweiterung des Marktes oder die massenhafte Zerstörung der gesellschaftlichen Produktivkräfte bereinigt wird, was gemeinhin in der apologetisch-bürgerlichen Vorstellung als ein „Gesundschrumpfen“ oder ähnliches bezeichnet wird.

        • Michael Schwarz sagt:

          @Taric Trent:

          Die marxistische Theorie der Überproduktion ist mir durchaus bekannt, aber diese Theorie entstand aus der Zeit, die die Wirtschaft von einer Agrarwirtschaft in Industrielle Wirtschaft mit Massenproduktion umstieg. Dadurch entstand auch die Konsumgesellschaft, weil man immer mehr Waren in kurzer Zeit produzieren kann, dieser Prozess kann man bei Schwellenländern gut beobachten. Die Vorteile für die Schwellenländer sind die Produktionsmethode und die Technologie bereit besteht, somit müssen die Schwellenländer sie nicht von anfangen an selbst entwickeln. Dies führt zu einer rasanten Zunahme der Konsumgüter.

          Die Überproduktion ist in der globale Wirtschaft ein dauerhaften Zustand. Man kann heute alles und in jeden beliebigen Menge Produktion herstellen. D.h. die Produktherstellung ist heute kein Thema. Die Frage ist es, warum die Demand in Zyklen sich bewegt, das war meine Frage und was wird die Zyklus verursacht. Die Ökonomen argumentieren mit Unsicherheit, wo entsteht plötzlich solche Unsicherheit. Wie zu solcher Wahrnehmungsveränderung geführt haben soll.

          • Michael Schwarz sagt:

            @Taric Trent:

            Karl Marx argumentiert mit Produktionsmitteln, welches die Arbeiter nicht besitzen, deshalb sind sie erpressbar, was wieder auf niedrigen Lohn auswirkt. Wenn Sie mit makroäkonomischen Daten auseinander gesetzt haben, werden Sie feststellen, dass der reale Einkommen der Arbeiternehmer in Industrieländern, jetzt auch in Schwellenländern, permanent gestiegen sind. Deshalb kann man nicht von Kaufkraftverminderung durch die Ausbeutung begründet werden. Das zeigt auch die Ausgabe für die Konsumgüter, Jahr für Jahr stieg – der Kaufkraft nimmt zu, nicht ab.

            Die Behauptung Marx ist ein ideologischer Unfug, was mit der Realität des 20/21 Jhs nichts zu tun hat. Ich kann weder mit Sozialismus noch mit Kommunismus etwas anfangen, ich muss zugeben, dass ich Karl Marx bewusst nicht gelesen habe, aber seine Theorie ist mir bekannt.

          • Anh Toan sagt:

            @Michael Schwarz und Taric Trent: Wenn die „Wissenschaftler so aneinander vorbeireden, kann ich ja auch noch meinen Senf dazugeben:
            Die Zyklen in der Nachfrage (auch im Angebot) entstehen meines Erachtens schlicht aus dem menschlichen Herdentrieb: Sind die Menschen optimistisch, konsumieren sie, somit gehts der Wirtschaft gut. Sind sie pessimistisch, fangen sie an zu sparen, somit gehts der Wirtschaft schlecht. Gleichzeitig investieren Sie bei Optimismus in riskantere Anlagen, bei Pessimismus in (vermeintlich sichere). Bei Optimismus sehen sie Chancen (Loesungen), bei Pessimismus Risiken (Probleme). Gehts der Wirtschaft gut, muessen alle Konkurrentenen gute Zahlen ausweisen, gehts der Wirtschaft schlecht, haben die starken Unternehmen Moeglichkeiten, Altlasten erfolgswirksam auszubuchen, unrentable Mitarbeiter abzufinden. Und dies wird immer mehr in einer Art Rueckkoppelung von den Medien verstaerkt. Menschen machen, denken, glauben, sind, was andere Menschen machen, denken, glauben, sind.

          • Taric Trent sagt:

            Die Kaufkraft im Lohn nimmt im Verhältnis zum Gesamtreichtum der Gesellschaft stetig ab. Wenn sie zunehmen würde, dann müssten die Löhne inflationsbereinigt mit dem Wachstum mithalten. Tatsächlich ist die Inflation das einzige vom Kapitalisten anerkannte Argument für eine Lohnerhöhung. Davon ist aber nicht die Rede, es handelt sich um Massnahmen wie Kurzarbeit, Lohnsenkung, Freistellen (bei vermindertem Lohn für eine Zeit) und Entlassungen, die die Produktivitätssteigerung möglich macht. Ich kann ihnen nur empfehlen wenigstens das erste Kapitel des Kapitals in die Hand zu nehmen, damit sie überhaupt eine Ahnung haben was der Wert ist und man ihnen nicht jeden Bären aufbinden kann. Nur schon da werden sie merken inwiefern der sehr wohl etwas mit der Realität des 20ten Jahrhunderts zu tun hat und zwar mehr alls alle anerkannten Ökonomen des 20ten und 21ten Jahrhunderts zusammen, die vom Wert überhaupt nichts mehr wissen wollen. Und im Übrigen habe ich diese Medien- und Schulindoktrination über Marx gestrichen satt, woher wissen eigentlich all die schönen Urteile über die Untauglichkeit von Marx, sie haben ihn ja gar nicht gelesen? Schwatzen sie grundsätzlich einfach alles nach was ihnen in den ideologischen Kram als Volkswirt passt?

    • Michael Schwarz sagt:

      @Baer:

      Vielen Dank für Ihre Erklärung, die von den Prof. der Macro mir das gleich erklärt haben. Diese Erklärung findet man auch in vielen primären und sekundären Fachliteraturen. Wie Sie selbst bereits sagten, dass wir die grundlegende Ursache der konjunkturellen Schwankung, bzw. heute müssen wir von massigen Ausschlägen sprechen, nicht verstanden haben. Solange wir die Ursache nicht verstehen, können die Ursachen-Wirkungskette nicht unterbrechen, deshalb werden wir die konjunkturelle Entwicklung in Zukunft weiterhin nicht effektiv steuern können, und immer wieder in Elend und Staatsverschuldung landen.

      Ob die Investition und Nachfrage sich immer im Gleichgewicht befindet, zweifele ich daran. Beispiel die Macro-Daten aus USA in letzten zwei Jahren zeigen, obwohl die Konsumausgabe permanent anstieg, aber die Investition in USA zieht trotzdem nicht an. Was das Standardmodell völlig widerspricht. Dies hat den Grund, weil die USA von Import abhängig ist, die Investition nimmt in Schwellenländer rasant zu, endet mit Investitionsfalle, gleichzeitig gerät die USA in Liquiditätsfalle.

      Die Ursache warum das Standardmodel nicht funktioniert, liegt in der schlimmsten Kombination zwischen extrem tieferem Zins und dem Gelddrucken. Dies hat die Ängste der in- und ausländischen Investoren in gleicher Ausmasse ausgelöst. Einerseits befürchten die Unternehmen höhere Inflation, gleichzeitig niedriges Wachstum. Andererseits die ausländische Investoren die Flucht ergriffen haben, weil sie Angst vor der Abwertung des Dollars haben. Das alles haben dazu geführt, dass die US-Unternehmen mit vollen Kassen dastehen, ausländische Investoren verschwunden sind.

      Das Fazit: die Zentralbank muss mit der Zinsentscheidung und geldpolitischen Massnahmen gut überlegen, bevor sie umgesetzt werden. Die Grosszügigkeit der Zentralbank gegenüber der Wirtschaft ist die falsche Strategie, dies zeigt auch die Schwachstelle in diesem System.

      • Baer sagt:

        Sie haben nicht gelesen, ich schrieb: „Angebot und Nachfrage, im ökonomischen Sinn, sind immer identisch. Oder haben Sie je etwas für 5.- gekauft und haben 6.- bezahlt? Die Idee ist absurd. Die Nachfrage wird effektiv, sprich realisiert sich erstmals ökonomisch, wenn sie bezahlen. Aber sobald Sie bezahlen, ist der Preis des Objekts notwendigerweise IMMER IDENTISCH mit dem Kaufpreis. IMMER. Vor der Bezahlung war die Nachfrage eine psychologische Erwartungshaltung und der Preis existierte erst im Kopf der Leute, noch nicht als wirkliches, ökonomisches Phänomen. Aus dieser Sicht sind die Begriffe “Übernachfrage” und “Überangebot” keine ökonomischen Konzepte, da im Moment des Tausches A=N gilt, gezwungenermassen. Denken Sie darüber nach.“

        Ich sagte nichts von Gleichgewicht, ich spreche von Identität. Ich bin kein Anhänger des Standardmodells, verstehen Sie, und doch, Investitionen und Ersparnisse sind immer identisch, immer, keine Ausnahme, denn das ist die logische Folge der Funktionsweise von Transaktionen, welche einen exakten Mechanismus aufweisen. Ihre Ersparnisse sind bereits investiert, müssen es nicht noch werden. Sonst klicken Sie auf den Link oben auf meinem Namen, wenn Sie wissen wollen, was ich meine.

  • Tim Wallace sagt:

    Keynes war ein Trottel: Was geht nicht für Menschen, Haushalte und Gesellschaften, geht auch nicht für Regierungen. Es ist wahnsinnig zu glauben, dass ein Staat seine Schuldenlast mit weiteren Schulden erleichtern kann.

    • Baer sagt:

      @ Danke für den informierten und differenzierten Beitrag. Falls du einmal Keynes lesen solltest, was ich nicht annehme, würdest du bemerken, dass er nie sagte, ein Staat soll sich ständig verschulden. Er sprach sich sogar für einen schlanken Staat aus und für ungleiche Löhne (wegen den Anreizen und so). Aber eben, man müsste selbst lesen.

      • Tim Wallace sagt:

        Ich finde es mindestens bemerkenswert, dass die meisten modernen Wirtschaftler im Westen sich „Keynesian“ nennen, und sie haben seit langem (zumal kürzlich) immer grösser Staatsschuld erfordert. Vielleicht haben sie ihn nicht selbst gelesen?

        • Baer sagt:

          Ich bin zwar Volkswirt, aber bestimmt nicht Keynesianer. Und ja, ich habe viel von Keynes gelesen, weil ich mir gerne eine eigene Meinung leiste, anstatt nachzuplappern. Ich kann Ihnen versichern, dass es an den Universitäten wenige Professoren gibt, die sich Keynesianer nennen, die meisten sind neoklassisch oder monetaristisch, wobei alle mit linearer Algebra arbeiten. Staatsschulden sind ein Problem, das wusste Keynes auch, kein Geheimnis. Aber wenn Sie Ihre Meinungen von Websiten über Verschwörungstheorien beziehen, dann ist das halt so.

          • Tim Wallace sagt:

            Verschwörungstheorien spielen gar keine Rolle. Auch nicht Akademiker im Elfenbeinturm. Ich spreche aber von den Wirtschaftler, die die Geldpolitik ihren bezüglichen Regierungen steuern — die nennen sich „Keynesianer“ und sie beeinflussen Leute wie Ben Bernanke — zum Beispiel — die Geld aus nichts als Papier, Tinte … und Schulden … erschaffen. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern feststehende Tatsache.

          • Baer sagt:

            Geld wird IMMER gleichzeitig als Schuld und als Guthaben emittiert, Mr Wallace, davon gilbt es keine Ausnahme.

    • Andres Müller sagt:

      Meine Herren, das Ziel der Ökonomie (egal welcher ideologischer Richtung) ist qualitativ nachhaltiges Wachstum. Im Gegensatz zu kursierenden Thesen denke ich nicht das es nur eine richtige Methode gibt um Wachstum zu erreichen. Man erinnere sich, eine gewisse Zeit lang gelang es sogar Stalin Wachstum zu realisieren, ganz ohne kapitalistisches Weltbild. Als der Sputnik im All zu piepsen begann, befürchtete man in den USA gar gegenüber dem Kommunismus den Kampf um Innovationen zu verlieren 😉

      • Tim Wallace sagt:

        @BAER: Sie tönen aber wirklich selbstbewusst, mein Herr. „IMMER“? Wirklich? Haben Sie aber vergessen, dass vor weniger als ein Jahrhundert Geld aus Silber und Gold hergestellt worden wurde? Damals wurde Geld ganz und gar NICHT „als Schuld“ emittiert, weil das Geld selbst eigentlichen Wert hatte. Solche Zeiten drohen zurück zu kehren und mindestens einige Lieblingstheorien widerlegen.

        • Baer sagt:

          Wir leben nicht im 12. Jahrhundert, Herr Walace. Wann haben Sie das letzte mal mit einer Goldmünze bezahlt? Wenn Sie etwas bezahlen, wird Ihnen ein Betrag vom Bankkonto abgezogen, und jemandem anderen wird derselbe Betrag gutgeschrieben. Für Sie eine Schuld, für den anderen ein Guthaben. Das ist heute immer so, Banken können nicht anders, es gibt keine Ausnahme. Wenn Sie mir eine Ausnahme aufzeigen können, eine einzige Ausnahme für eine Transaktion in der Schweiz der letzten paar Jahrzehnte, dann nehme ich das gerne zurück. Das meine ich mit immer. (Es gibt Banken in wirtschaftlich unterentwickelten Ländern, die sich nicht daran halten, was natürlich kriminell ist, und in westlichen Staaten nicht vorkommt). Ich bin so selbstbewusst, weil ich seit Jahren Zahlungssysteme studiere.

          • Tim Wallace sagt:

            Vielen Dank für die geruhende Erklärung. Gold und Silber sind erst weniger als ein Jahrhundert als echtes Geld gebraucht worden. (Man muss nicht so weit nach hinten als im 12. Jahrhundert schauen.) Depositenbanken oder Geschäftsbanken müssen alles richtig und rechtlich machen, wie Sie sagen, aber Zentralbanken nicht. Nur sie können Inflation generieren, und sie tun das mit der Druckerpresse. Ueber die SNB kann ich nicht von persönlicher Kenntnis sprechen, aber die sogenannte „Federal Reserve“ Bank in den Vereinigten Staaten bekräftigt die neu gedruckten Noten immer mit nichts ausser Schuld — d.h. gesteigerte Staatsschulden, die letztendlich die Last des Volks wird. Das, sagen die „Keynesianer“ Wirtschaftler in Amerika, hat Herr Keynes befürwortet als Rezept für eine gesunde Ökonomie.

          • Baer sagt:

            Falsch, definitiv falsch. Die SNB und die Fed können niemals eine Transaktion tätigen, welche diesen Grundsatz verletzt. Wenn die SNB Devisen kauft, verschuldet sie sich ggü. der verkaufenden Institution, und wenn sie einer Geschäftsbank etwas gutschreibt, verschuldet sie sich bei der anderen. Wie gesagt, finden Sie mir eine Ausnahme – ich kann Ihnen versichern, Sie finden keine. Wenn eine Zentralbank einer Geschäftsbank eine Banknote gibt, erhält sie dafür eine entsprechende Überweisung derselben Geschäftsbank. Keine Bank kann jemandem eine Gutschrift tätigen, ohne dass jemand sich verschuldet. Geben Sie mir ein einziges Beispiel einer solchen Transaktion, bitte, exakt, mit dem entsprechenden Buchungseintrag.

          • Tim Wallace sagt:

            Jede Transaktion unter dem QE1 Programm, unter dem QE2 Programm, u.s.w., oder unter irgendeinem Programm bei dem die US Staatsschulden (und Inflation) gesteigert worden ist — die sind ALLE nur die am neusten Ausnahmen von Ihrer ökonomische Fantasie. Ich spreche von wirkliche Volkswirtschaft, Sie aber nicht — sonst könnten Sie zwingend erklären warum der Dollar von heute kauft was vor 70+ Jahre nur $0.05 kaufen konnte UND warum das Volk während der selben Jahre mit immer höher Staatsschulden beschwert worden ist. Sie tun als ob alles in Ordnung ist, so lange Sie eine schöne Bilanz mit Wörter beschreiben können. DAS ist aber was „falsch, definitiv falsch“ ist. Sie sind „bestimmt nicht Keynesianer“ aber Sie tönen deutlich genau wie sein Jünger.

            „Education is to teach men not what to think but how to think.“ — Calvin Coolidge

  • Michael Schwarz sagt:

    Der Grund warum die US-Wirtschaft in eine Liquiditätsfalle geraten ist, hat viele Ursache. Die Banken und Finanzbetrüger haben die schlimmste Krise in der Geschichte der USA ausgelöst. Dies zeigt nicht nur die Schwachstelle im System, auch die Schwäche und die Gier der Menschen – die Korruption, Absprache in Privatunternehmen, sowie der Politik, das alles macht das System instabil. Wir benötigen dringend politische Systemreformen, wo die Käuflichkeit und Bestechlichkeit der Politiker härtest bestraft wird, es reicht nicht mehr aus, dass solche Politiker aus dem Amt ausgeworfen werden. Die Konsequenz müssen sie auch in ihren zukünftigen Karriere, wenn sie in der Privatwirtschaft Fuss fassen wollen, spürbar sein.

    Die politische Leistung muss genau wie in Privatunternehmen der Bonuszahlung nachhaltig beurteilt werden. Die durch Defizite finanziert Stimulus, wie Keynes in seiner Theorie beschrieben hat, ist Keine Lösung für die Probleme der modernen Wirtschaft. Vor allem die Wirtschaftsstruktur heute nicht mit den Wirtschaftsstrukturen der 30er vergleichbar. Heute haben wir eine Wirtschaft, die von Dienstleistung und Service dominiert sind. D.h. solche Privatunternehmen absolut mobil sind. Deshalb können wir ein globales Problem nicht mehr auf regionale Ebene gelöst werden, was in 30er nicht der Fall gewesen war. Die Wirtschaftstheorie Keynes versucht die Konjunkturschwankungen auf regionale bzw. nationale Ebene zu stabilisieren, was vor 80 Jahren auch sinnvoll war, aber für eine hypoglobale Wirtschaft nutzlos und eine Währung- und Handelskrieg auslösen werde können.

    Das Fazit: Die moderne Wirtschaft braucht moderne Ansätze, ohne Vorurteil, oder ideologisches Glauben, die Welt aufzuzwingen. Kurzzusammengefasst: Globale Probleme benötigen globale Lösungsansätze, dies führt zur Verminderung der Bedeutung der nationalen Staaten, somit ist eine grundlegende Veränderung der Einstellung nötig, was die Menschen schwer tut.

    • Thomas Ernst sagt:

      @M. Schwarz:
      Und was nützen ihre modernen Ansätze und schönen Regeln, wenn sich keiner daran hält? Das Problem mit dem EUR kommt ja gerade NICHT davon, dass sich die EURopolitmafia eisern an die selbstverordneten Obergrenzen, Non-bailout-Klauseln und ähnliche Versprechen gehalten hätten. Sonst hätten wir den Schlamassel nicht (jedenfalls noch nicht, und nicht in dieser Grösse).

      Das zuunterstliegende Kernproblem der aktuellen Krise, ist dass – zu recht – keiner mehr den Politikern, Bankern und anderen Grosskopfeten mehr glaubt. Das Vertrauen ist weg. Damit bricht die Zusammenarbeit weg.

      In 2008 wurde das Problem ja ausgelöst, als die Banken sich gegenseitig kein Geld mehr leihen wollten, weil keiner dem anderen über den Weg (bzw. über die Bilanz) mehr traute.

      • Michael Schwarz sagt:

        Wenn der EUR abschmiert, schmiert die Schweizer Wirtschaft auch ab. Der Franken wird die Stärke wieder gewinnen, dies verleitet die Spekulanten gegen die SNB Wetten zu platzieren. Lange kann die SNB 1.20 Untergrenze nicht mehr halten, wenn die SNB nicht bald die Untergrenze nach Oben revidieren. Somit leitet die SNB den Finanzmarkt seine Beitrag zur Stabilisierung des EUR. Gleichzeitig profitiere die Schweizer Wirtschaft von schwächerem Franken.

        Ich habe in mehren Beiträgen diese Massnahme von SNB gefordert. Offensichtlich hat Hildebrand von der vergangenen Erfahrung wenig gelernt, man darf nicht auf letzten Moment aktiv werden. Das war der Fehler, den Hildebrand machte. Das Problem der Überbewertung ist weiterhin nicht gelöst, d.h. der Franken ist immer noch weiter weg von seinem Gleichgewichtspreis, welcher jede Zentralbank als Leitfade halten muss. Alllein die Preisstabilität zu Wahren wird nicht mehr ausreichen, nämlich wir leben in einer globalen Wirtschaft, die Geldpolitik der Industrieländer hat auch eine globale Auswirkung.

        Die isolierte Betrachtungsweise wie Keynes propagiert hat, ist nicht nur falsch, sondern produziert Staatsverschuldung ohne ende. Am Ende ist der Zusammenbruch des gesamten Systems. Was sich logisch tönt, bedeutet lange nicht, es logisch ist. Die Logik entsteht durch die Vernachlässigung scheinbar unwichtige Variable in der Wirtschaft, die am Ende die entscheidende Rolle spielen werden. Das Verständnis in der Wirtschaftswissenschaft ist der Anfang, aber nicht das Ende.

  • F. Bringer sagt:

    Der Staat muss das Geld gar nicht aufnehmen. Der Staat kann aber Rahmenbedingungen schaffen, dass Unternehmen und Private Kredite aufnehmen um z.B. Gebäude zu sanieren oder um erneuerbare Kraftwerke zu bauen mit Einspeisevergütungen (siehe Deutschland). Damit werden Arbeitsplätze geschaffen und über diese Arbeitsplätze nimmt der Staat zudem Geld ein. Die dafür notwendigen Einspeisevergütungen werden vom Stromkonsumenten bezahlt, welcher dadurch zudem einen Anreiz erhält in effiziente Geräte zu investieren (was wiederum Arbeitsplätze schafft.)

    Es wäre besser wenn unsere Pensionskassengelder in erneuerbaren Kraftwerken und effizienten Gebäuden mit garantiertem Return on Investment sitzen würden, als in spekulativen Derivaten. (Die Einspeisevergütungen zahlen letztlich die Zinsen für unsere Pensionskassengelder, welche z.B. in einer Windfarm oder Biogasanlage oder Wasserkraftwerk oder Photovoltaikdach stecken).

  • Baer sagt:

    Ein sehr umfassender Beitrag, danke. Ein theoretischer Kritikpunkt: Sie scheinen davon auszugehen, dass sparen und investieren voneinander abweichen können, und beziehen sich dabei auf Keynes. Doch Keynes schrieb sehr explixit z.B. in Kapitel 7, S. 81, seiner GT, dass das nicht möglich sei: „The prevalence of the idea that saving and investment, taken in their straightforward sense, can differ from one another, is to be explained, I think, by an optical illusion due to regarding an individual depositor’s relation to his bank as being a one-sided transaction, instead of seeing it as the two-sided transaction which it actually is.“ Die ganze Idee der Liquiditätsfalle beruht auf der „optical illusion“ (so Keynes), dass S grösser sein könne als I, was Keynes selbst in mehreren Textstellen verneint. Jede Transaktion respektiert und belässt die Identität von I und S, womit der Ausgleich zwischen diesen zwei Grössen keine Gleichgewichtsbedingung, sondern ein buchhalterisches Gesetz wird. Das war die Kernaussage von Keynes, war es doch sein erklärtes Ziel, die (mathematische) Gleichgewichtsökonomie zu überwinden und zu ersetzen durch ein System logischer Identitäten.

    • Thomas Ernst sagt:

      @Baer:
      Mir scheint aber, dass da Keynes irrt. Zum einen, kann eine Bank mehr Geld ausleihen, als sie Spargelder eingesammelt hat, zu einen über den Geldmengenmultiplikator, zum anderen (heute) über die internationalen Geldmärkte. Zum andern ist es durchaus möglich, dass Spargelder, die man als Bank eingesammelt hat, nicht ausgeliehen werden können, weil keine plausiblen Investments verfügbar sind. Meines Wissens ist das der ZKB und der Raiffeisen passiert beim vorletzten UBS-Desaster, weil die Leute ihr Geld von der UBS weggezügelt hatten, die Krise aber nur wenige risikomässig akzeptablen Kreditschuldner übrigliess, welche auch noch Geld gesucht hatten.

      Mindestens können sich (imho) zeitliche Verzögerungen zwischen S und I ergeben, welche genügen, sich selbst destabilisierende Schwankungen in einem eng gekoppelten System von Märkten zu produzieren.

      Oder glauben Sie an die von Keynes postulierte identität von I = S ?

      • Josef sagt:

        Nach meinem Verständnis spielt die Bank nur Vermittler zwischen I und S. Beispiel: Jemand will ein Haus bauen und holt sich dafür einen Kredit bei der Bank. Wenn das Haus fertig ist, hat der Hausbesitzer eine entsprechende Schuld bei der Bank und die Handwerker das genau gleich grosse Guthaben (bei der Bank). Vor der Aktion war beides nicht da, weder die Schuld noch die Guthaben (und kein Haus). I und S bleiben, was die Liquidität betrifft, immer gleich gross. Es gibt natürlich andere Vermögenswerte (zum Beispiel das Haus) welche dieser Gleichung „entrinnen“. Es sind letztlich nur die Werte, die real erschaffen wurden, welche der Gleichung entrinnen können.

        Überwunden werden kann die Gleichung nur, wenn schuldenfreie Liquidität in Umlauf gebracht wird. Unser Metallgeld ist derzeit das einzige schuldenfreie Geld, aber in der Menge leider unbedeutend.

        • Baer sagt:

          Lieber Josef, deiner Analyse stimme ich bis zu 2/3 zu, ich habe vor einiger Zeit einen Artikel über die buchhalterischen Vorgänge bei Hypothekarkrediten geschrieben, hier:

          http://tracksofthoughts.blogspot.com/2010/11/die-funktionsweise-von-konsumkrediten.html

          Leider stimmt der letzte Satz bestimmt nicht, auch hierüber schrieb ich einen Artikel, hier:

          http://tracksofthoughts.blogspot.com/2010/11/was-sind-banknoten-das-seignorage.html

          Kurz: Banknoten und Münzen sind nicht selbst nicht „schuldfreies“ Geld, sondern blosse Anrechte auf Guthaben ggü. der Zentralbank. Du wirst sogleich erkennen, dass all dein Bargeld noch immer in der Bilanz der SNB registriert sind, auf der Passivseite als Schuld dir gegenüber. Dein Bargeld ist somit bloss eine Art Inhaberpapier auf ein Bankdepot, welches noch immer in der Bilanz der ZB gespeichert ist. Geld wird immer (!) zugleich als Schuld und als Guthaben emittiert, es gibt in modernen westlichen Ländern keine einzige Ausnahme von dieser Regel. Selbst wenn die SNB Fremdwährungen auf dem Devisenmarkt kauft, verschuldet sie sich dabei um den exakt selben Betrag, den sie der anderen Partei gutschreibt.

          • Andres Müller sagt:

            Das ist bei Fiat Money nicht anders möglich, unser gesamtes Vermögen basiert darauf dass die Zentralbank als deren Regulator die Oberhoheit über alle Vermögen besitzen muss um deren realen Wert gegenüber materiellen Gütern entweder anzuheben oder zu senken (Währungspolitik). Wir haben keinen Anspruch auf gleichbleibende Kaufkraft des Geldes, was kürzlich die SNB mit ihrer Euro-Anbindung demonstrierte. Wir sind nicht Besitzer von realen Werten, während wir Fiat Money halten, unsere Vermögen sind virtuelle Werte, und auf dem Sparkonto nur noch Forderungen an die Bank. Es handelt sich um ein Glaubenssystem welches von der Staatsmacht mit Gesetzen am Leben gehalten wird und von der Zentralbank reguliert. Fiat Money kann deshalb innert Minuten jeglichen materiellen Wert verlieren, weil Papiergeld nicht den realen Wert sichert den wir mit Arbeit erbracht zu haben glauben. Auch die Goldpreise und vor allem die Silberpreise entsprechen teilweise nicht dem realen Wert, weil es weit mehr Papiergold und Papiersilber als reales Edelmetall gibt. Eine Zusammenbruch der Weltwährungssysteme in welchem der Glaube an Papierwerte zerfliesst, würde zum Beispiel auch Silber und Gold mit einem Schlag nicht mehr über die Börsen handelbar machen.

          • Josef sagt:

            Geschätzter Bear, ich habe mich wahrscheinlich zu wenig exakt ausgedrückt. Ich habe nicht gesagt, dass man heute schuldenfreies Geld in Umlauf bringen kann. Dazu bräuchte es eine „Monetäre Modernisierung“, welche dies ermöglicht. Joseph Huber hat in einem gleichnamigen Buch detailliert dargestellt, wie das funktionieren könnte.

            Im weiteren wird nach meinem bescheidenen Kenntnisstand eine Banknote nicht auf die gleiche Weise in Umlauf gebracht wie eine Münze. Die Münzhoheit hat nach wie vor der Staat und gibt die Münzen selber in Umlauf. Weil Münzgeld aber im Wert unbedeutend ist (weniger wie 1% des umlaufenden Geldes), spielt das eine sehr untergeordnete Rolle. Der Prägungsgewinn (Seignorage) wird in der Schweiz für kulturelle Zwecke verwendet.

          • Baer sagt:

            @ Müller: Ihr Einkommen haben Sie doch durch Arbeit erziehlt, nicht? Und jemand muss Ihnen Einkommen überwiesen haben, sprich sich verschuldet haben, um Ihnen etwas gutzuschreiben? Also hat ihr Einkommen sehr wohl einen direkten Zusammenhang mit Ihrer Arbeit – das bedeutet nicht, dass Sie Kaufkraft über Ihren ganzen Output besitzen, da Unternehmen durch den Mark-Up Kaufkraft von den Lohnempfängern abschöpfen. Mit ihrem Sparkonto besitzen Sie reale Kaufkraft über Produkte, aber Ihr Sparkonto ist natürlich rein buchhalterisch vorhanden, eine Zahl auf einem Stück Papier. Das ist schon sehr lange so, auch wenn Ökonomen, wie die Bullionisten, immer wieder glaubten, Geld müsse doch etwas fassbares sein. Dabei ahnten einige Ökonomen bereits im 18. Jh, dass Geld nichts materielles ist, auch wenn Gold als Anrecht auf Depots verwendet wurde.

            @ Josef: Okay, dann sind wir beide derselben Meinung, dass es keine Schöpfung aus dem Nichts gibt, da jede Emission von Geld immer als Schuld und als Guthaben geschieht. Huber ist ein Vollgeldtheoretiker, wie mir scheint, der aber genau davon ausgeht, nicht?

            Haben Sie je eine Münze vom Staat erhalten? Natürlich nicht, denn Münzen gelangen hauptsächlich via Banken in den Umlauf. Denken Sie, Banken und Unternehmen, die Münzen vom Staat beziehen, erhalten diese Münzen geschenkt? Denken Sie nicht, dass diese Unternehmen dem Staat den exakten Betrag überweisen müssen, den sie in der Form von Münzen erhielten. Natürlich müssen sie das. Es gibt keine Schöpfung aus dem Nichts. Im Studium von Transaktionen liegt der Schlüssel zum Verständnis begraben.

          • Josef sagt:

            @Bear: Heute habe wir ein Schuldgeldsystem. Da gibt es kein Guthaben ohne Schulden. Dieses System ist aber nicht gottgegeben, sondern in den meisten Staaten im Gesetz verankert. Gesetze könnte man ändern und könnte zumindest partiell auf das Schuldgeld verzichten, wenn man das möchte.
            Beim Münzgeld läuft es nach meinen Vorstellungen wie folgt: Der Schweizer Staat lässt das Münzgeld in der Swissmint herstellen. Er verkauft die Münzen der Nationalbank zum aufgeprägten Wert. Mit diesem Geld bezahlt er zunächst mal die Herstellung der Münzen. Da dies aber weniger kostet, wie auf den Münzen aufgeprägt ist, bleibt etwas übrig, die Seignorage. Diese wird in der Schweiz für Kulturelle Zwecke ausgegeben und auf diese Weise in Umlauf gebracht. Nachzulesen auf http://www.swissmint.ch. Das ist natürlich ein eher bescheidener Betrag, aber dieser ist schuldenfrei!
            Beim Vollgeldsystem nach Huber wird das Prinzip auch auf die Banknoten angewendet UND auf Kredite. Die gesamte Wirtschaft (und vor allem der Staat) hätte erheblich weniger Schulden und trotzdem genügend flüssige Mittel.
            Man kann sich über die Sinnhaftigkeit von Vollgeld ausgiebig streiten. Mir geht es hier aber vor allem um die Aussage, dass Schuldgeld nicht zwingend, sondern lediglich vom heutigen Gesetzt so vorgesehen ist.

          • Baer sagt:

            @ Josef: Nicht ganz. Die Swissmint verkauft nicht das Geld, sondern erhält einen Leistungsauftrag vom Bund und verteilt dann die Münzen an die SNB, die Post und die SBB. Diese geben die Münzen derjenigen Institution, welche ihr dafür den Nennwert zahlt. „Seignorage“ gibts nur aus der Produktion von Gedenkmünzen, und das ist kein Geld, sondern ein Stück Metall ohne Kaufkraft, sondern Tauschwert.

      • Baer sagt:

        @ Ernst: Es ist nicht eine Frage des Glaubens. Glücklicherweise folgt jede Transaktion einer strengen buchhalterischen Logik, die keinen Spielraum lässt für kreative Interpretationen. Eine Bank kann ganz bestimmt nicht mehr Ersparnisse schaffen, als sie erhält. Ein Beispiel: Sie sind ein Unternehmer und wollen Ihre Angestellten auszahlen, indem Sie sich bei der Bank verschulden. Das Resultat der Transaktion ist Ihre (neue) Schuld ggü. der Bank und des Angestellten Guthaben ggü. seiner Bank. Die Aktiv- und Passivseite des Bankensystems sind um den Betrag der Lohnzahlung verlängert worden – die Ersparnisse des Angestellten sind nun identisch mit dem Wert seiner produzierten Güter, welche noch unverkauft im Laden liegen (Investitionen). S=I. Sie können das für jede mögliche Transaktion durchdenken, und immer kommt dasselbe heraus. Mit einem „Gleichgewicht“ hat das nichts zu tun.

        Spargelder, die eine Bank „einsammelt“, sind bereits investiert worden in unverkaufte Produkte, da ja gerade eine Lohnzahlung eines Angestellten auf dem Faktormarkt zu diesen Ersparnissen geführt hat. Sie dürfen nicht vergessen, dass alle Banken miteinander verbunden sind durch den Interbankmarkt, weshalb Sie bei Ihren Überlegungen die einzelnen Bankbilanzen „mergen“ müssen.

  • Max Lenz sagt:

    Glücklich ist, wer weiss, dass er nichts weiss!
    Dann gibt es jene, die nachquasseln, was sie irgendwo in einem entsprechenden Dunstkreis gehört haben und dies als eigene Erkenntnis verkaufen wollen.
    Die schlimmsten aber sind jene, die tatsächlich glauben, zu wissen!
    Ich gehöre zu den glücklichen…

  • Hampi sagt:

    Wie im Blogbeitrag gesagt, wir brauchen gleichzeitig: kurzfristig Erhöhung der Inflationserwartung, fiskalpolitische Massnahmen, um wieder Wachstum zu generieren, und zur gleichen Zeit einen seriösen, glaubhaften und konkreten Plan, wie mittel/langfristig die Schulden allmählich und unwiderruflich reduziert werden können.

    Ökonomisch gesehen, das heisst als theoretisches Denkspiel, würde dieser Plan, wenn genügend glaubhaft, in kurzer Zeit zur Überwindung der Hauptkrise führen. Die einzige Einschränkung ist, dass zurzeit in Europa nur Deutschland das Prädikat „glaubhaft“ in Anspruch nehmen darf.

    Die Entscheidungsgewalt liegt aber sowieso nicht bei den Ökonomen, sondern beim Volk und bei den Politikern. Somit wird alles komplizierter, denn für einen Politiker bedeutet dies, dass er zum Beispiel zuerst typische Massnahmen der „Linken“ und dann eine klassische Massnahme der „Rechten“ etc.etc., anwenden müsste. Das verwirrt ihn und seine Wähler so sehr, dass beide sich schutzsuchend in ihre einfältigen Dogmen verkriechen. So sagt dann dieser, mit aufgesetzten Scheuklappen: „Die EZB darf keine Schulden einzelner Staaten aufkaufen“, oder jener sagt: „Wir dürfen unsere Finanzsouveränität niemals aufgeben“. Und genau dieses sture Verhalten (inside the box) verunmöglicht eine Lösung der Euro-Krise.

    Die Konsequenzen für „Keine Lösung“ wären für die gesamte Welt düster und insbesondere in Europa katastrophal. Italien und Spanien bankrott, Griechenland eh klar und dann deshalb sogar Frankreich oder mindestens deren Banken, was fast dasselbe ist. Und Irland, Belgien und natürlich auch Portugal. Deutschlands Banken wertlos, die Exportindustrie im Freifall…… Man nehme ein paar Millionen Beamte, die zwar ineffizient, aber doch bisher alleine für das Funktioneren des Staates zuständig sind,und gebe ihnen keinen Lohn mehr. Das Ganze schüttelt man schliesslich kräftig durch und beobachte das Spektakel.

    Es handelt jeder gemeingefährlich, der diese einfach nachvollziehbaren Prognosen unterschlägt und so tut als existierten sie nicht. Ich möchte auf jeden Fall nicht zu denen gehören, die den Stein ins Rollen bringen….. (und zum Glück ist da noch China. Wie ein „Fortune-Cookie“ im Hintergrund… 🙂

  • Beat Zugger sagt:

    Im Unterschied zur USA ist Japan in erster Linie bei seinen eigenen Bürgern verschuldet. Dieser Umstand gibt Japan im Vergleich zur USA einen ganz anderen Handlungsspielraum.
    Erhöht Japan seine Steuern so kann es mit diesen Steuern vorzugsweise seine Schulden bedienen. Da die Schulden in erster Linie bei den eigenen Bürgern gemacht wurden fließt dieses bei einer Schuldentilgung direkt wieder an diese zurück und steht damit für Konsumausgaben zur Verfügung. Diese Politik war möglich, da Japan, ähnlich wie Deutschland, fast mit jede seiner Handelspartner ein positives Handelsbilianzdefizit aufweist. Darüber hinaus ist es Japan mit dieser Politik seit Jahren gelungen die Steuerlast möglichst niedrig zu halten. Um eigentlich notwendige Steuererhöhungen zu vermeiden hat man sich lieber bei den eigenen Bürgern verschuldet, in der Hoffnung diese über ein höheres Wirtschaftswachstum irgend wann mal wieder begleichen zu können.

    Im Vergleich dazu weist die USA mit der Mehrheit ihrer Handelspartner seit Mitte der 90-ziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein Handelsbilanzdefizit aus. Dies bedeutet, daß der Warenwert, welcher in die USA importiert wird größer ist, wie jener, der aus den USA ausgeführt wird. Die Differenz zwischen Import und Export, also das Handelsbilanzdefizit, ist im Grunde nicht anderes wie ein Kredit, welcher von den Gläubigerstaaten erteilt wird. Der größte Gläubiger der USA ist China!
    Erhöht nun die USA seine Steuern um damit seine Schulden zu begleichen fließt diese Geld direkt ins Ausland und kommt nicht dem Konsum zu Gute! Aus diesem Grund bleibt den USA nur eine Lösung, nämlich mehr Geld in Umlauf zu bringen. Umgangssprachlich spricht man dabei vom „Geld drucken“

    Die momentan anstehende Krise ist aber immer noch eine Folge der Finanzkrise von 2008, welche durch das Platzen der Immobilienblase der USA zu stande kam.

    Der Grund für die Immobilienblase war eine massive Überbewertung von US-Immobilien. Diese Überbewertung hatte ihre Gründe im Konsumverhalten der US-Bürger. Mit diesem Konsumverhalten ging das Handelsbilanzdefizit ein her.

    Der größte Importeur und damit Gläubiger der USA ist China. Der größte Impoteur von China ist Deutschland. China liefert billige Konsumware in die USA, welche auf Maschinen vorzugsweise aus Europa hergestellt werden.

    Vor 2008 haben gleichzeitig eurpäische Banken versucht an der Immobilienblase in den USA mit zu verdienen. Dieses ist bekanntlich schief gegangen, weshalb die Banken durch die Staaten gestüzt werden mussten. Im diesem Zuge wurden gigantische Bürgschaften geschnürt. In diesem Zusammenhang fragte man sich, wie diese Summen jemals wieder zurück bezahlt werden sollen. Gleichfalls ist mit diesem Vorgang erst die Verschuldung der einzelen Staaten ins Bewustsein der Investoren gerückt, welche von den Staaten gerade gerettet wurden. Somit ist eine paradoxe Situation entstanden in welcher wir uns jetzt gerade befinden.

    Auch wir in der CH befinden uns in Mitten dieser paradoxen Situation! Unsere Eigenständigkeit ist aufgrund unserer eigenen Währung massiv in Gefahr!

    Aufgrund der enormen Aufwertung unserer Währung ist es zu einem dramatische Einbruch in unseren Kernkompetenzen Maschinenbau und Tourismus gekommen. Gleichfalls haben wir einen nördlichen Nachbarn, von dessen Arbeitskraft und Know-How wir in den vergangen Jahren enorm profitiert haben. Die CH musste sich in keinster Weise an der Ausbildung dieser Fachleute beteiligen.
    Mittlerweile strozt unserer nördlicher Nachbar nur so von wirtschaftlicher Stärke! Ganz Europa schaut mit Neid auf die Wirtschaftliche Bedeutung von Deutschland. Selbst die USA ziehen den Hut und machen indirekt den Bittsteller bei den Deutschen.
    Durch die wirtschalftliche Schwäche der CH besteht die Gefahr, daß die Fachkräfte wieder in ihre Ursprungsländer zurück gehen. Damit erleidet die CH einen enormen Know-How-Verlust!

    Viele CH Unternehmen, gerade im Maschinenbau, produzieren mittlerweile schon im €-Raum. Vorzugsweise in Deutschland, aber auch verstärkt in Frankreich. Allerdings weist Deutschland die deutlich besseren Rahmenbedingungen auf. Niedriges Lohnniveau, attraktive Steuerpolitik für Unternehmen, attraktive Abschreibungsrichtlinien und wenig streikbereitschaft. Darüber hinaus gibt es eine hohe Akzeptanz für unentgeltliche Überstunden.

    Die CH hat sich nun mit ihrer Währung aus wirtschaftlicher Not an den € gebunden ohne ein Mitspracherecht zu haben. Aus meiner Sicht wird sich das noch rächen. Ein EU Betritt in Kombination mit einem Beitritt zur Währungsunion, wohlwissend aller Nachteile die damit verbunden sind, wäre besser gewesen, denn man hätte ein Mitspracherecht gehabt.
    Wie es richtig geht zeigt nun ein kleines Volk wie die Finnen, das gerade mal 5 Mio Einwohner zählt. Aber alle hören zu! Selbst der US-Wirtschaftsminister

    • Hampi sagt:

      @ Beat Zugger

      Ihren Kommentar finde ich sehr interessant. Aber am Schluss verstehe ich nicht richtig, was sie damit meinen, wenn sie sagen, dass uns die Finnen zeigen „wie es richtig geht“. Ich hoffe, sie meinen damit nicht etwa die Wahlgewinne der „wahren Finnen“.

    • Andres Müller sagt:

      Herr Zugger, es gibt einen Trick um die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge noch besser zu verstehen, indem man aus der Blackbox üblicher ökonomischer Betrachtungsweise hinaustritt. Wir sind in eine Situation geraten wo nationale Politik fast vollständig vom Finanzmarkt diktiert wird, und dieser arbeitet mit Erwartungen. Die Systemprobleme der Weltwirtschaft entstanden wie sie richtig darauf hinweisen durch Ungleichgewichte im Export/Import. Aber diese Ungleichgewichte bilden für den Markt die Basis zu wirtschaftlicher Expansion. Dies ist der Fall, weil der Markt nach sozialdarwinistischen Regeln arbeitet. Die verschiedenen Kulturen (ich spreche absichtlich nicht von Nationen) verhalten sich unter dem expandierendem Sozialdawinismus aus der Vorgeschichte erklärbar voraussagbar. Dazu ist es hilfreich einen Blick in die Geschichte zu werfen. Für den Finanzmarkt gibt es Absatzmärkte und Märkte wo Werte produziert werden. Die deutsche Kultur ist eine der wenigen, welche tendenziell ein Gleichgewicht zwischen Konsum und Produktion anstreben. Die USA sind ein Vielvölkergemisch, das sich in den vergangenen Jahren infolge Kultureinwanderung Richtung Konsum fort entwickelt hat. Der Markt unterstützt diese Tendenz durch die Erwartung, dass die US-Amerikaner mehr konsumieren als produzieren. Die Erwartung ist nicht durch Geld abgesichert, vielmehr durch deren militärische Bedeutung. Der Markt weiss, die USA werden falls nötig, den Konsum mit Waffengewalt durchsetzen. China und Indien wurde vom sozialdarwinistischen Markt zur Produktion gezwungen, und deren Produktion als Arbeitssklave des Westens neigt sich nun dem Ende zu, weil der Markt neue produzierende Kulturen gefunden hat, in Asien (etwa Vietnam) und demnächst in Afrika. Infolge der beschränkten Dimension unseres Globus stösst nun der Sozialdarwinismus an Grenzen, so dass er seine wahre Gestalt vermehrt auch dort zeigt, wo der Markt vor allem Konsumenten erwartet. Aus diesem Grund erodieren die westlichen Sozialsysteme. Durch Rationalisierung der Produktion ist zudem eine Überproduktion entstanden, ein gordischer Knoten den der Markt von sich aus nicht auflösen kann. Auch wenn die Notenbanken quantitative Easing betreiben, es wird nicht mehr höher konsumiert, das Wachstum gerät an Grenzen. Der Sozialdarwinismus des Marktes verhindert qualitatives Wachstum, seine Lösung für die Probleme waren daher seit jeher der Übergang zum Krieg. Offene Gewalt ist bisher die natürliche Fortsetzung bei globalen Wirtschaftskrisen gewesen. Der Ausbruch dieses Krieges wird derzeit noch durch die Nuklearbewaffnung der grossen Player verhindert, folglich wird er sich vor allem in der Peripherie vermehrt abspielen. Wir stehen deshalb vor grossen globalen Umwälzungen, der Markt strebt nach einem neuen Ungleichgewicht (nicht Gleichgewicht). Das ist der Trick der Betrachtungsweise, hohe Ungleichgewichte sind das natürliche Ziel der Ökonomie, während die Ökonomen behaupten es wäre umgekehrt.

      • Michael Schwarz sagt:

        @Andres Müller:

        Die Faktum, die Sie aufgelistet haben, sind die Ökonomen allgemein bekannt. Die ökonomischen Modelle haben sich auf globale Ebene nicht versagt, d.h. Von Sicht der globalen Wirtschaft ist die im Gleichgewicht. Das Ungleichgewicht bzw. Verschiebung entstehen auf der Ebene der nationalen Ökonomie. Dieses Ungleichgewicht zeigt am Devisenmarkt deutlich. Die Länder, die kaum noch Wachstum erzieht wird, versuchen eigne Währung abzuwerten, wodurch der Überschluss gefordert wird, die Staatsverschuldung reduziert wird. Aber dabei verlieren sie den Kaufkraft auf internationale Märkte, die Gefahr späterer Inflation steigt, dadurch werden einen Handel- und Währungskrieg zwischen den konkurrierenden Zentralbank provoziert.

        Wie ich wiederholt geschrieben habe, ein globales Problem benötigt eine globale Lösung, deshalb benötigen wir eine globale Zentralbank, die für das Gleichgewicht in der nationalen Ökonomie sorgt, eine internationale Geldpolitik als Leitpfade für alle Nationalbank formuliert und steuert. Die heutige IWF ist ein Witzfigur und eine Lachnummer.

  • Holzherr Martin sagt:

    Warum halten Firmen und teilweise auch Private in Europa ihr Geld zurùck? Wegen der ungewissen Zukunft Europas. Größere Umwälzungen wie ein Zerfall der Währungsunion könnten Investitionen entwerten. Deshalb ist weiterwursteln über mehrere Jahre Gift für die Konjunktur.

  • Marcel Zufferey sagt:

    Wir laufen also direkt auf eine Japanisierung unserer Volkswirtschaft zu. Das wäre dann eine Deflation im Rahmen einer hohen Staatsverschuldung und einer stagnierenden Wirtschaft. Gegen eine Deflation ist kein Kraut gewachsen. Das andere Szenario, dass mir schon seit geraumer Zeit durch den Kopf geht: Wir bewegen uns auf eine Stagflation zu. Wie sich die Zinsen in einem solchen Umfeld entwickeln, weiss ich allerdings nicht. Alles, was ich weiss ist das: Eine Japanisierung kann ewig dauern, eine Stagflation hingegen nicht. Aber eben: Wie entwickeln sich die Zinsen bei einer Stagflation?

    Was mich weiter beschäftigt: Die im Blog beschriebenen Szenarien bewegen sich alle innerhalb der engen Grenzen unserer Nationalökonomien. Sind diese Grenzen in einem globalen Umfeld nicht zu eng? Was vermag die Nationalbank in einer einzigen Volkswirtschaft alles zu bewirken? Was vermag ein Nationalstaat unter vielen volkswirtschaftkich heute überhaupt noch zu bewirken?

  • Michael Schwarz sagt:

    Wie ich bereits nach dem Ausbruch der Krise in 2010 in diesen Blog schrieb, dass die Zentralbank einen entscheidenden Fehler gemacht hatte – QE2 Prog. Als man bemerkt hat, dass die expansive Geldpolitik der Fed auf die Investition nicht positiv gewirkt hat, sollt man eigentlich klar sein, dass man in einen Liquiditätsfalle geraten ist. D.h. der 10Y Zinssatz wird nicht weiter stark steigen, als man zuvor vermutet wird, deshalb ist die dringende Aufgabe der Zentralbank die Liquidität nicht mehr weiter ausweiten, weil die Lösung nicht in der Liquidität liegt, das sagt ich seit zwei Jahren. Im Gegenteil, die Zentralbank muss die Liquidität aus dem Markt entfernen, d.h. kurzfristige Anleihe durch langfristige ersetzen. So kann der Zentralbank die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes erhöhen, womit die gesamte Geldmenge erhöht wird.

    In dieser Situation muss der Staat mit erhöhter Verschuldung rechnen, aber die neu aufgenommen Gelder kann der Staat für die Investition in Infrastrukturen und andere Projekte verwenden, somit wird die Gelder, die jetzt gehörtet werden, in der Wirtschaft umgeleitet, bzw. investiert. Die Investition generiert Jobs, verbessert die Infrastruktur, sowie die Ausbildungsqualität und fördert die Forschung, was wiederum positiv für die Zukunft auswirken wird, wenn die Konjunktur sich langsam verbessert.

    Das Gelddrucken war und ist zerstörerisch; es treibt die Investoren in die Schwellenländer, verursacht dort eine Investitionsfalle. Gleichzeitig verstärkt das Ungleichgewicht zwischen den Währungen. Die Verunsicherung de Anleger zeigt bei dem Goldpreis, wo täglich stieg. Es staune mich wieder, dass Bernanke es nicht gemerkt hat, wie seine Geldpolitik die Weltwirtschaft und Investoren so verunsichert, dass alle die Flucht ergriffen haben. Der Investitionsfalle hat die USA selbst zu verantworten, durch das Gelddrucken und die Gesundheitsreform in der Zeit der Krise.

    Das Fazit: Bernanke muss weg. Er ist der schiechste Zentralbankchef in den letzten 30 Jahren in den USA, deshalb sollte er sich schämen. Obama ist zwar ein guter Politiker, aber von der Wirtschaft hat er keine Ahnung, er ist der falsche Man in der Zeit der Wirtschaftskrise. Die Republikaner müssen wir erst gar nicht erwähnen.

  • Jens Gloor sagt:

    Wer sich heute noch an Keynes orientiert, dem ist nicht mehr zu helfen. Keynes hat den Grundstein zum systemischen Problem in den USA gelegt, das dank der FED im Kamikaze-Stil und unbeirrt weiter verfolgt wird. Das Finanzsystem mit der First Bank of the United States war um Welten nachhaltiger als Keynes, der den Bankstern zugetan ist und deren ‚kalte Ubernahme‘ der Volkswirtschaften argumentiert und rechtfertigt. Keynes ist ein unsozialer Verbrecher, wenn man das Kind einmal beim Namen nennen darf. Carl Menger hat da seine Hausaufgaben schon wesentlich besser gemacht; Kontinuierliches Wachstum ist Schwachsinn, sozial unverträglich und noch gravierender; Ein massives Schneeballsystem, was eigentlich verboten sein müsste. Fraktionales Banking ist der Untergang unserer ‚westlichen Zivilisation‘, indem ein meist unentdeckter Vermögenstransfer (Enteignung, Vernichtung der Kaufkraft, Inflation, Depression, etc.) von arm zu reich weiter gefördert wird. Auch das demokratische ‚System‘ hat (auch in der Schweiz) massiv versagt. Meritokratie wäre ein Lösungsweg über den Herr Diem-Meier einmal nachdenken sollte.

  • John Peer sagt:

    Die Optionen für die Schweiz sind also ein sinkender Lebensstandard durch Einbussen bei den Exporten, nur teilweise aufgewogen durch billigere Importe und eventuell mittelfristig aufgefangen durch Effizienzsteigerungen, oder ein sinkender Lebensstandard durch Anpassung an das Geld- und Wirtschaftssystem Resteuropas (mit einigen löblichen Ausnahmen?, aufgewogen und aufgefangen durch…?

  • Fritz Miehl sagt:

    Das ist ja alles so stimmig! Der Weg zum Weltfinanzamt ist eben hart un entbehrungsreich- für die „Überflüssigen“

  • Hansjürg Kaiser sagt:

    @ Peer, genau da liegt doch der Hund begraben. Diese Geldschwemme macht doch den hart erarbeiteten Franken zur Farce.
    Wir müssen uns wahrscheinlich auf Monopoly Scheine einstellen.

  • John Peer sagt:

    Was ist, wenn die Rezession nur das Ergebnis von falschen Investitionen ist, verursacht durch billiges Geld, tiefen Hypothekarzinsen und sonstigen Eingriffen in die Wirtschaft, und die Rezession diese nicht nachhaltigen Investitionen, die sichals nicht langfristig profitabel aufweisen, nur aufdeckt und disziplinieren will? Was ist, wenn die Geldschwemme diese Fehlallokationen nur noch weiter fördert, statt die bittere Pille Rezession wirken zu lassen und die Restrukturierung der Wirtschaft gemäss den Wünschen aller Menschen zuzulassen? Was ist, wenn sich die Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts mit allen zerstörerischen Booms und Crashes als ein von den Zentralbanken künstlich gedoptes Konstrukt erweisen würde?
    Wer von den einflussreichen Personen, denen man zuhört – Politiker, Banker, Medienvasallen -, hätte dann ein Interesse daran, die Wahrheit zu sagen? Nämlich, dass der Versuch, die Menschen und ihre Handlungen von oben herab beeinflussen und lenken zu wollen, langfristig IMMER zum Scheitern verurteilt ist?

    • Anh Toan sagt:

      @John Peer: Dann ist unter anderem Facebook 60 Mia USD wert, alleine wegen der Marktanteile, um Cash zu haben brauchts keine Gewinne, Cash kommt vom Kapitalmarkt. Gleiches gilt fuer Salesforce, Groupon ua. Dann ist, dass die US Eigenheimbauer ihren Austoss steigern, obwohl bereits ein Ueberangebot vorhanden ist.
      Ihre im zweiten Absatz geauesserte Meinung teile ich nicht: Schuld sind nicht die Personen, denen man zuhoert, Schuld sind wir Alle, die nur hoeren wollen, was uns gefaellt: Wir koennen Steuern senken, staatliche Leistungen ausbauen, jeder der sich ein neues Auto (auf Kredit) kaufen kann, erhaelt ein paar Tausender vom Staat (geil!), der Konsument wird zum Helden,konsumiert er auf Kredit, wird er zum Doppel- oder sogar Trippelhelden (er kauft das Produkt UND einen Kredit UND eine Kreditausfallversicherung). Das Stueck auf der Wahlkampfbuehne mit „wir muessen sparen, unsere Ansprueche an Lebensstandard herunterschrauben, unsere Rentenansprueche auf die hoehere Lebenserwartung anpassen (Umwandlungssatz), unsere privaten und staatlichen Haushalte in Ordnung bringen“ wird mangels Publikum nach kurzer Zeit abgesetzt, es gilt als groesster Flop der Demokratie.

    • Michael Schwarz sagt:

      @John Peer:

      Sie habe die Kernfrage der Probleme gestellt, was ich vor einem Jahr nach dem Zusammenbruch des Finanzmarktes auch gestellt habe. Die Heftigkeit der konjunkturellen Schwankung nimmt bei jedem Zusammenbruch zu. Das hat ein einfacherer Grund, weil die Zentralbank die Referenzzinssätze zuvor zu tief und zu lange auf tieferen Niveau gehalten hat, dies verleiten die Menschen die Kredite aufzunehmen, Projekte zu finanzieren, die zuvor nicht-profitable waren. D.h. die zu niedrige Zinssatz führt zur Verschwendung der Ressource, fördert die spätere Blasenbildung, wenn die Referenzzinssätze wieder ansteigt, müssen die nicht-profitable Objekte wieder geschlossen werden – ein Projekt, der nicht-profitable ist, wird auch nicht profitable werden.

      Wir wollen den Schmerz des Rückganges vermeiden, deshalb schöpfen wir den zukünftigen Kaufkraft heute schon aus, mit niedrigen Zinssätzen. Diese Vorwegnahme der Konsums und Kaufkraft vermindert das zukünftige Wachstum. Es kommt zusätzlich die Aufgabe der nicht-profitable Projekte durch den Anstieg der Zinssätze, so verstärkte sich die Rezessionsgefahr. Das ist der Hauptgrund warum der Konjunktur zyklisch sich bewegt. Die Zentralbank ist für die konjunkturelle Schwankung, sowie die Heftigkeit der Schwankung verantwortlich, weil die geldpolitische Massnahme der Zentralbank die Krise erst verstärkt, die Finanzmärkte nachhaltig destabilisiert. Die Anti-zyklisches Handel Keynes verursacht gravierende Schäden in der Wirtschaft, Staatsfinanz und Privathalten. Seine Konjunkturtheorie bereitet dem Weg der nächst noch schweren Krise.

      Ein gutes Beispiel: einen erkrankten Patient kann man nicht heil, wenn er mit allen möglichen Medikamenten voll gepumpt wäre. Der Heilungsprozess braucht Zeit. Der Zustand des Patient an Anfang zu stabilisieren ist eine notwendige Massnahme, aber was danach passiert, muss der Arzt die richtige Analyse anstellen, was die Ökonomen leider nicht tun wollen, weil die grossen Ökonomen wenn sie Ruhm erlangt haben, zu Geldpoltikern mutiert werden. Das ist gut für eigne Karriere.

  • Norbert Wey sagt:

    Die Amerikaner und Japaner müssten die Energiesteuer insbesondere auf Benzin und Diesel erhöhen damit in nachhaltige Energieerzeugung und das Energiesparen investiert wird. Die Steuereinnahmen könnten direkt als Investitionsbeihilfen wieder ausbezahlt werden. Dies würde sowohl die Inflationserwartung erhöhen und gleichzeitig den Schuldenstand nicht verändern. Abgesehen davon hätte auch die nächste Generation etwas davon. Schade dass die Ökonomen nicht etwas praktischer denken.

  • Hansjürg Kaiser sagt:

    Das mag ja alles stimmen. Wie steht es aber mit den älteren Leuten welche nicht mehr im Arbeitsprozess stehen und von ihrem Ersparten leben müssen? Die bekommen nicht einfach eine, der Inflation angepasste, „Lohnerhöhung“. Diese Menschen sind doch die eigentlichen Verlierer dieser Sachlage. Ihr erspartes schmilzt wie Schnee an der Sonne.
    Für mich hat die SNB immer noch die vordringlichste Aufgabe, die Inflation weit unter 2% zu halten.

    • Thomas Ernst sagt:

      Hätte ….
      Offenbar sieht sie ihre Aufgabe darin, den EUR zu stützen und buttert 100e von Milliarden CHF in dieses Fass ohne Boden, ohne sich um die Inflationswirkung zu kümmern.

  • Urs sagt:

    Konjunkturstimulierung über ein erhöhtes Defizit? Warum nicht mit höheren Löhnen? Scheint nach wie vor ein gröberes Tabu zu sein obwohl es nicht am Geldmangel liegen kann…

    Finanzierung der Staatsschulden durch die Zentralbank? Mit gigantischen schwarzen Löchern die sonst in keiner Buchhaltung eine Ueberlebenschance haben? Warum nicht mit Steuern, Progressive natürlich denn die wurden in den letzten 20-30 Jahren ja über all flachgelegt, von Anfang an anstatt mit Staatsverschuldung Kreditgeber zu bedienen?

    Warum üerhaupt hat man sich so stark darum bemüht die Arbeitskosten mit allen möglichen Tricks u.a. mit möglichst maximaler Unverbindlichkeit der Arbeitgeber, zu senken anstatt von Anfang an eine Partizipation der Arbeitnehmer „einzubauen“?

    Warum blos muss sich der Staat mit Krediten finanzieren wenn es auch mit Steuern geht?

    Nach wie vor werden alle 3 Monate Milliardenbeträge an Profiten von Unternehmen Weltweit ausgewiesen. Nach wie vor werden Milliarden für Aktienrückkäufe aufgewendet. Nach wie vor werden Milliarden für Dividenden aufgewendet? Nach wie vor werden Milliarden für Uebernahmen bezahlt? Nach wie vor werden Hedgefonds mit Milliarden an Kapital ausgestattet…

    Warum lässt man nach wie vor die Investoren, die Kreditgeber als primäre Anspruchshalter unbehelligt im Raum stehen und vergreift sich an allen anderen die da so rumstehen?

    • Thomas Ernst sagt:

      @Urs:
      „Warum blos muss sich der Staat mit Krediten finanzieren wenn es auch mit Steuern geht? “

      Wenn Sie den Beitrag von MDM verstanden hätten, würden Sie diese Frage nicht stellen: Wenn der Staat Kredite aufnimmt, generiert er zusätzliche Nachfrage, während bei Steuern die Nachfrage erst vernichtet wird (man nimmt den Konsumenten Geld weg), um es hinterher wieder in den Markt zu pumpen, in der Hoffnung, es entstehe Nachfrage.

      Wie Berechnungen zeigen, vernichtet der Staat etwa 15%-20% der eingesetzten Mittel durch Bürokratie, Schlendrian, Trägheit, Entscheidungsschwäche, Vetternwirtschaft und ähnliche Friktionen, so dass von 100 Steuerfranken nur noch etwa 85 auf dem Markt nachfragewirksam werden. Ausserdem neigen Staatsprojekte zu Fehlallokation, da da immer Prestigeüberlegungen und sachfremde Einflussnahmen mitspielen. Kein Auftraggeber verbockt derart viele Projekte wie der Staat.

      Wenn man den Konsum ankurbeln will, muss man brachliegendes Geld nehmen (z.B. via Schulden von der Zukunft borgen), nicht den Leuten das Geld wegnehmen.

      • Olaf Garber sagt:

        @Thomas Ernst
        Es gibt Bevölkerungsschichten, die fast jedes zusätzliche Einkommen in den Konsum stecken: Geringverdiener bis weit in die Mittelschicht. Sie haben zur Zeit, jedenfalls in D, jeden Monat zu wenig Geld. Andere Schichten, mit hohem Einkommen, erhöhen ihren Konsum nicht bei steigendem Einkommen. Somit könnte man schon von den einen wegnehmen (höhere Steuern ab 100.000,- oder so) und den anderen geben (höhere Löhne, z.B. über Mindestlohn oder gesenkte Sozialabgaben) und über den Konsum die Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

      • Thomas Ernst sagt:

        @Olaf:
        Da wäre ich ja grundsätzlich bei Ihnen – wenn es denn funktionieren würde! Je höher die Einkommens- und Vermögensniveaus sind, desto leichter fällt es, Einkommen und Vermögen wegzutransferieren, verschwinden zu lassen, oder die Politik zu manipulieren. Deshalb zeigt sich empirisch, dass alle „Rechtungssteuern“ am Schluss am staatstragenden Mittelstand hängen bleiben. Dieser hat zuwenig, um effizient flüchten zu können, aber zuviel, um von den Sozialvergünstigungen zu profitieren.

        Da Kredite ja Zins abwerfen, kann man damit die brachliegenden Mittel der Reichen rezyklieren.

        Oh, natürlich, man könnte die Reichen schlicht enteignen. 100% Steuer auf Vermögen über 10Mio CHF/Person. Genau einmal. Dann sind die, die wir hatten, nicht mehr reich und andere werden sich hüten, in unsere Nähe zu kommen. Wie immer, ist Diebstahl keine Option, auch wenn man ihn als „Steuer“ bezeichnet.

        • Andy sagt:

          Und das sind Gründe, die Reichen laufen zu lassen!? Unglaublich!
          Steuern sind kein Diebstahl, sondern, richtig – und da liegt der Hase im Pfeffer – konstruiert, ein Umverteilungsmittel. Aber lieber nach dem Motto „Wer hat, dem wird gegeben“ leben …

  • Frank Z. Marg sagt:

    Das nennt man auch Deflation.

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