Was das Schweizer Lohnniveau bedroht

Ein Coiffeur in der Schweiz ist im Vergleich zu Kollegen im Ausland nicht so viel leistungsfähiger, wie die Lohndifferenz es glauben machen mag. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Dass das Schweizer Lohnniveau im internationalen Vergleich zu den höchsten gehört, ist kein Geheimnis. Das wirft immer wieder Fragen auf – gerade im Zusammenhang mit offenen Grenzen und dem internationalen Handel. Wie gesichert oder gefährdet ist diese Position?

Ökonomen lehren, dass der Lohn im Wesentlichen von der Produktivität, also der Leistungsfähigkeit der Arbeit abhängt – zumindest wenn wir von einem einigermassen funktionierenden Wettbewerb ausgehen. Denn es lohnt sich für einen Arbeitgeber, mehr für einen Beschäftigten zu bezahlen, wenn die von jenem gelieferte Leistung dem Unternehmen einen entsprechenden zusätzlichen Ertrag generiert. Eine erste Erklärung für die vergleichsweise hohen Löhne in der Schweiz ist deshalb, dass in der Schweiz auch die Produktivität, also die Leistungsfähigkeit der Arbeit, im internationalen Vergleich hoch ist.

Technologisch vorne mit dabei

Beruhigend ist diese Erkenntnis für sich gesehen noch nicht. Denn es liegt nichts in der Natur der Schweizer, das sie produktiver arbeiten lässt als Beschäftigte aus anderen Ländern. Der entscheidende Punkt ist, dass die Arbeitsproduktivität der Beschäftigten nicht bloss von ihnen selbst abhängt, sondern das Ergebnis sehr vieler Faktoren ist, die mit dem gesellschaftlichen Umfeld zu tun haben, in dem die Beschäftigten tätig sind. Man könnte auch sagen, dass die Produktivität vom Land abhängig ist, in dem die Arbeit erbracht wird.

Im Vordergrund steht die Technologie. Es sind vor allem ausgeklügelte technische Innovationen, die zu einer Steigerung der Arbeitsproduktivität geführt haben. Und international agierende Schweizer Unternehmen sind technologisch ganz vorne mit dabei. Doch für die Entwicklung, Instandhaltung und Anwendung der Technologie braucht es Fachleute. Und deren Expertenwissen existiert meist in Netzwerken. Jeder Experte würde auf sich allein gestellt nicht viel leisten können, genauso wenig wie jeder Beschäftigte in den arbeitsteiligen hochproduktiven Bereichen.

Es erfordert eine Reihe von historisch gewachsenen Faktoren, die dafür sorgen, dass eine fruchtbare Zusammenarbeit zustande kommt und verbleibt: Ein funktionierendes Rechtswesen, eine unternehmerische Marktkultur und politische Stabilität haben einen grossen Anteil. All diese sogenannten Standortfaktoren sind nicht leicht in anderen Ländern reproduzierbar, deshalb ist ein Produktivitätsvorteil nicht über Nacht gefährdet und damit ebenso wenig das Lohnniveau.

Zuwanderer können Inländer ersetzen

Das bedeutet umgekehrt aber nicht, dass die Löhne für alle immer gesichert wären. In einigen Bereichen ist die Produktivität nicht viel höher als in anderen Ländern: Ein Coiffeur oder Krankenpfleger in der Schweiz ist selbst dank Technologie im Vergleich zu Kollegen in anderen Ländern nicht so viel leistungsfähiger, wie die Lohndifferenz es glauben machen mag. Und Zuwanderer können Inländer grundsätzlich in allen Jobs ersetzen – womit dem Inländer ein Abstieg droht.

Wenn deshalb die Öffnung der Arbeitsmärkte zu weit geht, droht die Legitimität des gesamten Systems bei den Inländern Schaden zu nehmen, und damit die Kultur, die für den Erfolg, die hohe Produktivität und für das hohe Lohnniveau mitverantwortlich ist.

35 Kommentare zu «Was das Schweizer Lohnniveau bedroht»

  • Maike sagt:

    Seit wann hat den die Höhe eines Lohnes etwas mit der Produktivität zu tun ??? Die Höhe eines Lohnes richtet sich doch eher nach der Reputation des Jobs. Pflegekräfte, wichtig aber geringe Reputation – geringer Lohn. COO eines grossen Unternehmens, relativ unwichtig (weil die wichtigen Dinge von seinen Untergebenen geleistet werden), aber hohe Reputation – hoher Lohn.
    Und an dem Lohnniveau in der Schweiz zu schrauben geht nur dann gut, wenn auch alle anderen Kosten entsprechend gesenkt werden.

  • Peter Colberg sagt:

    „Und Zuwanderer können Inländer grundsätzlich in allen Jobs ersetzen – womit dem Inländer ein Abstieg droht.“ Ja. Bei zirka 2 Milllionen ausländischen Einwohnern, zirka 80,000 Einwanderern und Zehntausenden Asylbewerbern pro Jahr, sowie etwa 300,000 Grenzgängern, liegt die Vermutung nah dass viele Schweizer Arbeitgeber inzwischen viel tiefere Gehälter als früher zahlen, und schweizer Bewerber eher meiden bzw. schweizer Angestellte wegen deren höheren Gehältern vor die Tür setzen. Die Schweiz ist unter den westlichen Industriestaaten kein Unikat punkto „funktionierendes Rechtswesen, eine unternehmerische Marktkultur und politische Stabilität“. Vielmehr war die Schweiz einst ein sicherer Standort für ausländisches Kapital (Bankgeheimnis), jetzt hat die EU die Oberhand.

  • Philippe Thalmann sagt:

    Die Produktivität der Arbeit bestimmt die Lohnzahlungsbereitschaft der Arbeitgeber, also die Nachfrage, aber der Lohn selber entsteht aus dem Zusammenspiel von Nachfrage und Angebot. Nimmt das Angebot zu, z.B. dank der Freizügigkeit, dann können die Löhne durchaus zurückgehen. Wir sehen dies auf anderen Märkten: die Zahlungsbereitschaft der Schweizerkonsumenten für elektronische Güter oder PV-Module z.B. ist sehr hoch, und trotzdem kriegen sie diese Güter zu günstigen Preisen dank dem grossen Angebot aus China.

  • Claire Deneuve sagt:

    Zuwanderungsteuerung mittels dem Brexit, dem Flop aller Flops!
    2014-16 kamen pa rund 200’000 Zuwanderer ins UK, davon rund 180’000 EU Europäer.
    Mittlerweile sind es 30% mehr – total 260’000, aber nur noch 60’000 aus der EU, dafür 200’000 „Fachkräfte“ aus Pakistan, Indien, Afrika und den West-Indies – also total 260’000!
    Ob die Brexiteers sowas wohl im Sinn hatten — Pakistanis statt Polen, Muslime anstatt Christen???
    Viel scheine sich Nigel in bierseliger Runde beim Ausdenken des Brexits und die anderen nationalistischen Gruppierungen wirklich nicht gedacht — die haben sich ihr künftiges Brexit-Britannien damals im Pub vermutlich einfach schöngetrunken!!

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/brexit-wie-sich-grossbritannien-verrannt-hat-kolumne-a-1258166.html

  • Claire Deneuve sagt:

    Gemäss der schweizer Beschäftigungsstatistik ist die Zahl der Beschäftigten seit dem Ende 2. Q 2007 (Einführung PFZ) von 4.4082 Mio auf 5.068.1 Mio gestiegen also um 660’000.
    Die Bevölkerung ist seit 2007 um 1 Mio gestiegen, wenn man da die Kinder, Rentner, Hausfrauen, Privatiers, IV Rentner abzieht, da liegt das doch alles ziemlich im Rahmen.
    Erst wenn die Anzahl der Beschäftigten beginnt zu sinken, dann wird es zu Verdrängungswettbewerben und massiveren Lohneinbussen kommen.

  • E. Paulus sagt:

    Die Gedanken sind in sich kohärent. Die Beispiele der Krankenpflege wie des Coiffeurebereich stimmen, allerdings trifft dies ebenfalls auf den Wissenschaftsbreich wie Journalismus zu.
    Dr. E. Paulus, DE-78337 Öhningen

  • Martin Fehse sagt:

    Die Leitungsfähigkeit wird u.a. auch beeinflusst durch Moral, Gesundheit, Freude, Spass u.v.m. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Produktivität eines Betriebes in dem viele Ausländer arbeiten, weitaus geringer erscheint, als wenn ausschließlich Landsmänner zusammen arbeiten. Wer arbeitet schon gerne für ein fremdes Land? Genau da haben wir ein Problem, denn in der Schweiz fehlen tausende von Facharbeitern, die aus dem benachbarten Ausland geholt werden müssen. Sogar Spitzenposten im Managementbereich werden von Ausländern besetzt. Wer Fachkräfte aus dem Ausland holt, macht sich abhängig. Folglich muss die Aus- und Weiterbildung staatlich gefördert werden. Ein langwieriger Prozess, aber effektiv.

    • Anh Toàn sagt:

      In der Schweiz muss nicht die Aus- und Weiterbildung mehr gefördert werden, die ist auf sehr hohem Niveau, es müsste wenn schon Elternschaft gefördert werden: Mit einer Geburtenrate von etwa 1.5 lässt sich keine Bevölkerung erhalten, sie stirbt ohne Zuwanderung ziemlich schnell aus.

      • Anh Toàn sagt:

        Lukrativer als Kinder auf zu ziehen, auszubilden usw. ist natürlich, dies anderen zu überlassen und diese später, als ausgebildeten Arbeitskräfte zu importieren.

      • Claire Deneuve sagt:

        Anh: “ sie stirbt ohne Zuwanderung ziemlich schnell aus.“
        Na ja übertreiben Sie mal nicht. So 12 Generationen gehts dann schon bis eine Bevölkerung mit 1.5 K/F fast ausgestorben ist. (1.5/2.1 = 0.714^12, dann bleibt rund 1.7% Restvolch übrig)
        Das wäre dann ungefähr auf den 1. August 2291 zur Milleniumsfeier und der letzte Eidgenoss dürfte dann nicht vergessen das Licht auszumachen!
        .
        Aber dank Zuwanderung wirds ja nicht soweit kommen!

        • Anh Toàn sagt:

          Bereits nach 2 Generationen wäre es nur noch rund die Hälfte. Ob dann noch viele Lichter brennen würden?

          Ausserdem dürfte die Quote bei Schweizerinnen sogar noch deutlich tiefer liegen als bei den in der Schweiz lebenden Migrantinnen.

          • Anh Toàn sagt:

            Was würde bei einer halbierten Bevölkerungszahl mit unseren Immobilienpreisen und damit den Pensionskassen geschehen? Wie wäre das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentner und was würde dies mit unserer AHV machen?

          • Claire Deneuve sagt:

            Ahn: So schnell gehts dann auch wieder nicht, da der Reproduktionszyklus zw. 20 bis 40 Jahre liegt, der Lebenserwartungszyklus aber über 80 Jahre ist.
            2001 bis 2003 gabs bei den nur Eidgenossinen eine eklatante Postmilleniumsgebärschwäche mit nur noch 1.22 K/F. Dank der Einbürgerung von über 300’000 Ausländerinnen (plus noch über 300’000 Ausländern) konnte sich die standartisierte Geburtenziffer bei den Eidgenossinnen wieder auf 1.40 erholen. Bei den Ausländern hierzulande lag die schon immer zw. 1.8 bis 1.9!
            Ohne unsere gebärfreudigeren Ausländerinnen würden wir wirklich relativ schnell vergreisen und irgendwann sang- und klanglos aussterben.

          • Claire Deneuve sagt:

            Anh: Eben wegen der Ueberalterungs- Immo- und AHV Problematik brauchen wir eine Zuwanderung von 30’000-40’000 pa am besten mittel bis hochqualifizierte, dazu kommt der noch aktuelle Geurtenüberschuss von rund 20’000 pa, der sich in den 30er Jahren dann in einen Sterbeüberschuss verwandeln wird
            Eine CH von 9.3 bis 9.5 Mio bis 2035 wäre ideal, dann könnte man stabilisieren und die Babyboomer wegsterben lassen und wir hätten eine gesunde säulenartige Bevölkerungsstruktur. Zuwanderung würden wir in geringem Masse immer noch brauchen.
            Aber ein Vorteil der Ausländer ist, dass die mit 60-65 dann oft wieder in die Heimat zurückkehren! Ausländeranteil bei Ue65 ist unter 10%, gut von den CHler Ue65 hats noch Eingebürgerte – aber das sind ja dann Eidgenossen wie wir!

          • Claire Deneuve sagt:

            Anh: Was die meisten Zuwanderungsphobiker eben nicht checken, es kommt nicht nur auf die Quantität einer Bevölkerung an, sondern auch auf die altersdemographische Qualität.
            Ein zu grosses Altersheim ist nicht gut, ein zu grosses Kinderheim wie oft in Afrika anzutreffen ebensowenig. Das eine ist eine Urnenform graphisch dargestellt nach Geschlecht/Altersklassen, das andere eine Pyramidenform. Aber das ideal ist eine Säulenform und eine solche sollte die CH anstreben. Gut vielleicht hilft der Klimawandel mit Extremhitzesommern und ein paar starke Grippewellen auch noch etwas mit, aber solche Ereignisse kommen dann einfach oder auch nicht, die sind bevölkerungsdemographisch etwas schwierig einplanbar.

      • Josef Marti sagt:

        Geht schon ein Weilchen, das machen die Japaner so, die sind führend in der Automatisierung und Roboterisierung und steigern so mit einer schrumpfenden Bevölkerung das BIP pro Kopf, gleichzeitig wird die Umwelt und das berühmte Klima entlastet. Das Gegenteil mach Europa insbes. Deutschland, es importiert massenweise unqualifizierte Leute und erodiert damit mittel bis langfristig den Kapitalstock.

  • Ralph Scheidegger sagt:

    Es ist auch sehr unwahrscheinlich, dass ein CEO eines SMI Konzernes 100x Leistungsfähiger ist, als ein guter Arbeiter. Dennoch gibt es diese Unterschiede, weil das offenbar rein gar nichts mit der Leistung zu tun hat.

  • Guido Biland sagt:

    Die Produktivität mit der Standortqualität zu verknüpfen, ist ein holistischer Ansatz, der in der Ökonomie oft vermisst wird.
    Da ältere inländische Arbeitnehmende in der Regel über ein gutes Netzwerk verfügen, das für produktives Wirtschaften sehr nützlich ist, ist es in der Tat ein Problem, wenn sie aus Kostengründen durch jüngere ausländische Arbeitnehmer ersetzt werden. Allerdings darf man sich keine Illusionen machen: Das Produktivitätselement „Netzwerkwissen“ wird durch das Produktivitätselement „tiefere Lohnkosten“ kompensiert. In grösseren Unternehmen sind die Arbeitsprozesse ohnehin so geregelt, dass „Netzwerkwissen“ bei der Produktivität nicht mehr so relevant ist. Hingegen dürfte dieses Wissen im KMU-Bereich relevanter sein.

  • Josef Marti sagt:

    Im Prinzip müsste die CH das deutsche Modell kopieren um konkurrenzfähig zu bleiben und einen staatlich subventionierten Billiglohnsektor schaffen um die Dividendenrenditen im hochwertschöpfenden verarbeitenden Gewerbe weiter zu steigern. Dies hätte den Vorteil dass der Zustrom aus der EU gebremst würde. Unverständlich dass dies von bürgerlicher Seite zwecks Umsetzung der MEI nicht schon längst gefordert wurde.

  • Max Bader sagt:

    Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit 2007 gab es praktisch kein Wachstum in der Produktivität. Das bedeutet, dass das wenige echte Wachstum nur ein Schein war und wir vor allem quantitativ gewachsen sind.
    Das Problem bei der PFZ ist, dass vielleicht 10-20% der Arbeitskräfte aus der EU tatsächlich die Produktivität nach vorne bringen, aber eben 80-90% eben überhaupt nicht. Denn es gab vor allem Einwanderung in das unproduktive Gast- und Baugewerbe, sowie in den Sozial- und Gesundheitsbereich, der uns sogar viel höhere Kosten verursacht. Unproduktive Firmen versuchen sich mit Billigarbeiter aus der EU über Wasser zu halten. Das schadet aber der Schweizer Wirtschaft massiv.

    • Josef Marti sagt:

      Der Unternehmer braucht keine Steigerung der Produktivität, die Dividendenrendite steigert man auch mit stagnierendem oder sogar sinkendem BIP pro Kopf. Gemäss Theorie müssen nur die Löhne ausreichend sinken und es lohnt sich wieder mit veralteter Technologie zu produzieren. In der Praxis wird die neue Technologie aber transferiert in noch billigere Länder. Kein Unternehmer der kein Pestalozzi ist verzichtet auf mögliche Gewinne.

  • Sandro Studer sagt:

    Unsere Schulden Hypotheken sind im Verhältnis zu den Löhnen, wenn diese erodieren dann gehen wir alle Bankrott. Wer glaubt alle Rechnungen und Verpflichtungen würden sich halbieren wenn alle Löhne um die hälfte sinken, der täuscht sich gewaltig. Länder haben genau deswegen Grenzen und eigenständige Gesetze, diese haben auch Schutzfaktoren für die jeweiligen Bewohner. Wer nun denkt alles regle der Markt, versteht schlicht nicht was auf dem Spiel steht. Die Schweiz ist reif um, im wirtschaftlichen Sinne, auf die Schlachtbank geführt und an die umliegenden Länder verfüttert werden kann. In den Augen der EU ist die Schweiz zu Wohlhabend und zu Eigenständig, aus diesem Grund muss sie EU tauglich gemacht werden.

  • Sandro Studer sagt:

    Unsere Schulden Hypotheken sind im Verhältnis zu den Löhnen, wenn diese erodieren dann gehen wir alle Bankrott. Wer glaubt alle Rechnungen und Verpflichtungen würden sich halbieren wenn alle Löhne um die hälfte sinken, der täuscht sich gewaltig. Länder haben genau deswegen Grenzen und eigenständige Gesetze, diese haben auch Schutzfaktoren für die jeweiligen Bewohner. Wer nun denkt alles regle der Markt, versteht schlicht nicht was auf dem Spiel steht. Die Schweiz ist reif um, im wirtschaftlichen Sinne, auf die Schlachtbank geführt und an die umliegenden Länder verfüttert werden kann. In den Augen der EU ist die Schweiz zu Wohlhabend und zu Eigenständig, aus diesem Grund muss sie EU tauglich gemacht werden.

  • Anh Toàn sagt:

    Seit über 25 Jahren haben wir die Personenfreizügigkeit für die ganze EU, also so rund 200 Millionen potentielle Arbeitnehmer könnten aus Ländern mit teilweise viel tieferen Löhnen, Arbeit in der Schweiz suchen. Und noch immer ist die Schweiz ein Hochlohnland.

    Die Fakten widersprechen den Aussagen des Textes.

    • Max Bader sagt:

      Wir haben nicht mal heute die PFZ für die ganze EU. Aber das Jahr, dass man für die Einführung der PFZ benennen kann, ist das Jahr 2007, als die Beschränkungen für die alten EU-Länder aufgehoben wurden.

      • Anh Toàn sagt:

        Sind seit 2007 die Löhne gesunken? Sind immerhin auch 12 Jahre.

        • Martin sagt:

          Ja, mein Lohn ist gesunken und bei vielen hat er stagniert. Was Real auch einer Lohnsenkung entspricht. Gerade bei explodierenden KK Prämien, Wohnkosten und Steuern. Natürlich ist bei denen die sich statt mit Landesgrenzen mit Bildungsgrenzen schützen der Lohn gestiegen. Genau das ist unser Problem, es gibt durch die PFZ viele Verlierer aber das Establishment profitiert dank Abschottung via Bildungstitel.

    • Anh Toàn sagt:

      Wenn die Löhne in Zürich höher sind als in Sitten, warum gehen nicht alle Walliser nach Zürich arbeiten und drücken da die Löhne auf Sittener Niveau?

      Weil in Zürich auch die Lebenshaltungskosten höher sind! Letztlich kann man sich mit einem hohen Schweizer Lohn nicht mehr in der Schweiz kaufen, als mit einem tiefen sizilianischen Lohn in Sizilien: Einzig im Urlaub im Ausland und beim Einkaufen über der Grenze merken die Schweizer, wie hoch ihre Löhne sind, da sind sie die Könige zusammen mit den Norwegern, zu Hause, 48 Wochen im Jahr können sie sich nicht öfter einen Friseurbesuch leisten, wie ein Sizilianer.

      • Anh Toàn sagt:

        Ausserdem sind die Löhne in der Schweiz gar nicht so viel höher als sonst in West- bis Mitteleuropa: Man muss diese um die deutlich höhere Jahresarbeitszeit, Lebensarbeitszeit bereinigen (längere Wochenarbeitszeit, weniger Ferien, weniger Feiertage, weniger Mutter-, oder gar Vaterschaftsurlaub usw.usw): Der Schweizer erhält am Monatsende mehr Geld, aber er arbeitet auch länger.

  • Peter Pfister sagt:

    Die Schweiz ist eines der teuersten Länder in der Welt,mit den höchsten Preisen,Krankenkassenprämien, Ausländern,ein Land in dem die Reichen und Superreichen den Hals mir Geld nie voll genug bekommen können ,indem die Leute gern nach oben buckeln und nach unten treten.Ganz im Sinne der Geldelite_Danke für Ihre „Offenbarungen“ Herr Diem Meier. Es ist jetzt Fasten-Zeit und ich bin drum müde .Es ist mir darüm völlig überdrüssig dazu mehr zu kommentieren.Bringt sowieso nichts.

    • marie sagt:

      sehr geehrter herr pfister
      sie haben brachial den nagel auf den kopf getroffen – dafür braucht es kein rhetorisch ökonomisches geschwurbel.
      nur einen ihrer punkte würde ich gerne ergänzen. die hohe ausländerrate ist nur aufgrund der schweizer einbürgerungspolitik so hoch. sie wäre geringer, wenn die einbürgerungspolitik weniger restriktiv wäre.

  • Urs Huber sagt:

    Glaubt Herr Diem wirklich, dass die von ihm definierte „Kultur“ für die hohe Produktivität in der Schweiz verantwortlich ist. Man sollte keinesfalls derart schwammige Begriffe bemühen, um die notwendige Öffnung der Arbeitsmärkte zu verhindern. Die wirtschaftliche Stärke der Schweiz beruht im Gegenteil auf der Tatsache, dass der Staat (fast) nie versucht hat, konkurrenzunfähige Industrien am Leben zu erhalten, sondern sie hat „sterben“ lassen um neuen, zukunftsgerichteten Ideen Platz zu machen. Diese, auf liberalen Werten beruhende „Kultur“ ist die Basis für den Erhalt der hohen Wertschöpfung. Das Alte stirbt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben strömt aus den Ruinen. (w. Tell, F. Schiller)

  • Rolf Rothacher sagt:

    Die Antwort auf die wichtigste Frage fehlt: Ist es Aufgabe eines Staates, das Maximum für seine Bevölkerung herauszuholen oder ist es seine Aufgabe, möglichst viele Arbeitsplätze zu schaffen, die man nur mit Zuwanderung betreiben kann? Zuwanderung via PFZ drückt das Lohnniveau. Zuwanderung verursacht riesige zusätzliche Infrastrukturkosten. Von der BIP-Steigerung profitieren nur die Unternehmer/Aktionäre und noch ein wenig die Bundeskasse, weil die nicht direkt für die zusätzliche Infrastruktur aufkommt (Schienen/Autobahnen genügen zwar schon lange nicht mehr, doch Bundesbern reagiert kaum, liebt Staus und volle Züge).
    Das Missverhältnis wächst, weil Gemeinen/Kantone in diesem System verlieren, zusammen mit der bisherigen Bevölkerung.

    • marie sagt:

      der staat hat u.a. die aufgabe, rahmenbedingungen zu schaffen, d.h. möglichkeiten, damit die bevölkerung in sicherheit ein möglichst eigenverantwortliches leben führen kann. d.h. der staat (inkl. kanton/gemeinde) ist verpflichtet die öffentliche infrastruktur der allgemeinheit zur verfügung zu stellen und diese auch in zukunft zu gewährleisten. und diese untersteht nicht ökonomischen prinzipien, da die schweizer verfassung den minderheiten ebensogleichberechtigt rechnung tragen muss.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.