Weiche und harte Landungen

Die US-Wirtschaft wächst seit längerem überdurchschnittlich: Jerome Powells Fed ist gefordert. Foto: Kevin Wolf (Keystone)

Der deutsch-amerikanische Ökonom Rudi Dornbusch schrieb 1998, kein Aufschwung sterbe eines natürlichen Todes. Stets mache ihm die Zentralbank den Garaus. In den markigen Worten des 2002 verstorbenen Dornbusch:

«None of the postwar expansions died of natural causes, they were all be murdered by the Fed.»

In den kommenden zwei Wochen werden alle wichtigen Zentralbanken darüber beraten, wie es geldpolitisch weitergehen soll. Die Europäische Zentralbank macht am Donnerstag den Anfang. Nächste Woche folgen die Währungshüter in den USA. Am 21. März tritt das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank zu seiner vierteljährlichen Lagebeurteilung zusammen.

Die Konjunktur soll weich aufsetzen

Dornbuschs viel zitiertes Bonmot kommt einem unweigerlich in den Sinn. Denn in allen drei Währungsräumen ist plötzlich die Frage in den Vordergrund gerückt, wie man am besten auf den konjunkturellen Tempoverlust reagieren sollte. Alle wollen eine harte Landung vermeiden. Die Konjunktur soll weich aufsetzen.

Aber was heisst das konkret? Die folgende Grafik fasst die unterschiedlichen Konzepte einer konjunkturellen Landung sehr anschaulich zusammen.

Es fällt auf: Die allseits gewünschte klassische Variante eines «soft landing» – in der Grafik durch die grüne Linie dargestellt – kommt für die meisten Länder gar nicht mehr infrage. Hier müsste die Notenbank die Zinsen frühzeitig ausreichend gegensteuern, damit sich das Wirtschaftswachstum auf den langfristigen Potenzialpfad einpendelt, bevor es überschiesst.

Aber die Praxis sieht anders aus. Jahrelange Tiefzinsphasen haben dazu geführt, dass die Wirtschaft vielerorts über ihrem Potenzial wächst. Dadurch ist es schwieriger für die Notenbanken, die Zügel zu straffen, ohne eine scharfe Korrektur auszulösen. Bestenfalls gelingt ihnen noch, was gemäss Lehrbuch «reverse soft landing» heisst (in der Grafik: blaue Linie): die bereits stark überhitzungsgefährdete Konjunktur abzukühlen, sodass die Wirtschaft auf ihr langfristiges Potenzialwachstum zurückfindet.

Das Fed fürchtet die eigene Überreaktion

Die USA befinden sich in einer Situation, die am ehesten zum befürchteten «hard landing» führen könnte. Die Wirtschaft wächst seit längerem überdurchschnittlich. Die Steuererleichterungen der Trump-Regierung kurbelten die Konjunktur zusätzlich an. Sie drohte sich zu überhitzen, weswegen die Notenbank die Leitzinsen erhöhte und seit Herbst 2017 zusätzlich Liquidität abschöpft.

Beides kam zu spät, denn als die Geldpolitik mit der üblichen Verzögerung zu wirken begann, kühlte sich die Konjunktur schon wegen des von der US-Regierung vom Zaun gebrochenen Handelskonflikts und der auslaufenden Steuergeschenke ab. Die Notenbank fürchtet sich nun vor einer eigenen Überreaktion. Der Kurseinsturz an den Aktienmärkten 2018 wird als Warnsignal gedeutet, dass die wirtschaftspolitische Steuerung schiefläuft.

Die SNB hängt von der EZB ab

Auch in der Schweiz ist das BIP in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen. Es herrscht Vollbeschäftigung. Die Kapazitäten sind ausgelastet. Es wäre längst an der Zeit gewesen, die Zügel etwas anzuziehen, um das Risiko einer Überhitzung zu verringern. Aber die Nationalbank kann nicht, denn sie versucht den Euro-Wechselkurs stabil zu halten. Zu diesem Zweck hält sie eine ausreichend grosse Zinsdifferenz zur Europäischen Zentralbank aufrecht. Damit hängt sie davon ab, was die EZB als nächstes unternimmt.

Dort ist die Lage besonders unübersichtlich. In den meisten der 19 Mitgliedsstaaten der Euro-Währungsunion wuchs die Wirtschaft bis vor kurzem ebenfalls überdurchschnittlich, angeheizt durch über Jahre viel zu tief gehaltene Leitzinsen und zusätzliche Liquiditätsmassnahmen. Aber einzelne wichtige Länder, wie Italien, bewegen sich am Rande der Rezession.

Niemand wolle den Aufschwung abwürgen: Rudi Dornbusch am WEF 1996. Foto: Keystone

Dass sich die internationale Konjunktur in den vergangenen Monaten stark abgeschwächt hat, macht es für die Notenbanken nicht einfacher, die richtige geldpolitische Dosis auszutarieren, um die umgekehrte weiche Landung hinzubekommen. Geldpolitische Feinsteuerung ist nur möglich, wenn rechtzeitig damit begonnen wird. Reagieren Notenbanken spät, geht es häufig nur noch um Schadensbegrenzung.

In dieser Situation befinden wir uns heute. Niemand will schuld sein, den Aufschwung abgewürgt zu haben – so wie es Rudi Dornbusch prophezeite. Aus dieser Erkenntnis heraus halten sich nun erst einmal alle zurück. In den kommenden Wochen werden die Notenbanken daher wohl beschliessen, gar nichts zu unternehmen.

36 Kommentare zu «Weiche und harte Landungen»

  • Anh Toàn sagt:

    “ Jahrelange Tiefzinsphasen haben dazu geführt, dass die Wirtschaft vielerorts über ihrem Potenzial wächst. “

    Wächst die Wirtschaft tatsächlich über dem Potentialwachstum, müssten sich doch Inflationstendenzen zeigen, also insbesondere steigende Löhne, wenn doch die Kapazitäten ausgelastet sind. Die wichtigsten Kapazitäten in entwickelten Volkswirtschaften sind Arbeitnehmer, Kapital ist ja da, eine „Fabrik“ schnell gebaut. Inflation sehe ich in den grossen Volkswirtschaften nirgendwo.

    Das Potentialwachstum ist eine schwer zu messende oder berechnende Grösse. Vielleicht ist ja das Potentialwachstum höher als angenommen.

  • Max Bader sagt:

    Die letzte grosse Finanzkrise hätte einmal mehr eine Warnung sein müssen, dass eine Niedrigzinspolitik der Notenbanken die Wirtschaft zum Überhitzen bringt und der Absturz katastrophal sein wird. Damals gab es zu wenig warnende Stimmen. Heute gibt es aber genug Ökonomen, die davor warnen. Trotzdem machen die Notenbanken wieder die gleichen Fehler. Das FED hat wenigstens spät reagiert, aber die EZB und in ihrem Schlepptau die SNB sind aber Kamikazepiloten und diesmal werden die Notenbanken wegen der nochmals tieferen Zinsen wenig Möglichkeiten zur Reaktion haben.
    Die EZB hält die Zinsen aus politischen Gründen tief, statt endlich den Euro zu reformieren. Zeit hätte man gehabt. In der Schweiz müsste man endlich sehen, dass die wirtschaftliche Zukunft nicht der Euroraum ist.

    • Claire Deneuve sagt:

      Bader: Auch wenn es Sie nicht wahrhaben wollen, die letzte Finanzkrise wurde primär ausgelöst durch Fehlentscheide der Politik (Aufhebung des Glass Steagal Actes und vor allem die Einführung des Commodity Actes 2000, welches Derivate bei Hypothekargeschäften zuliess), dann einem systematischen Betrug durch Verschleierung mittels Verbriefungen, falschen Ratings, neuen Finanzinstrumenten wie den CDS Scheinversicherungen, kaum Bonitätsprüfungen mehr ab 2004, Verkauf von derivativ manipulierten 3-Jahres Zeitbombenhypotheken ab 2004/05 die dann ab 2007/08 losgingen und ein irrationaler Hype in der Bevölkerung leistungsfrei durch Immoaufwertungen wohlhabend zu werden.
      Die FED hat in der Tiefzinsphase nach Dot.Com/9/11 bis 2004 sicher auch mitgeholfen, war aber nicht primärer Auslöser

      • Max Bader sagt:

        Sie sehen nicht die Ursache, sondern nur die Wirkung. Natürlich hatte dies auch alles seine verstärkende Wirkung. Aber die Verbriefung der Hypothekarkredite wären gar nicht das Problem gewesen, wenn die zugrunde liegenden Hypotheken nicht schlecht kapitalisiert gewesen wären. Und die massive Hypothekenvergabe an schlechte Schuldner war den Niedrigzinsen geschuldet.
        Ich weiss, Sie leugnen den Zusammenhang zwischen Kreditvergabe und Zinsniveau, da ich mit Ihnen schon über die Immobilienkrise in der Schweiz anfangs der 90er Jahre diskutiert habe, aber man muss ja nicht immer gleicher Meinung sein.

        • Claire Deneuve sagt:

          Bader: Ich leugne diesen Zusammenhang nicht per se, aber ich bin einfach mit dieser simplifizierten monokausalen Sichtweise nicht ganz einverstanden!
          Ich würde die „Schuld“ der FED an der Finanzkrise 2008/09 mit ca 25% gewichten, das Versagen der Ratingagenturen mit 10%, die kriminelle Energie der Banker/Hypoverkäufer mit 25%, das Versagen der Politik mit 15%, die CDS-Scheinversicherung mit 5% und die grassierende Gier und Hype der Menschen nach leistungsfreiem Einkommen durch Immowertsteigerungen mit 20%!
          .
          Ich leugne nicht per se, sondern denke scheinbar einfach etwas differenzierter als Sie, werter Herr Bader!

          • Claire Deneuve sagt:

            Bader: Im übrigen habe ich auch nie dem EWR Nein monokausal die Schuld für die „verlorenen 90er Jahre“ gegeben (zumindest bis 1998, dann besserte es sich zum Glück wieder u.a dank dem Dot.Com Hype)
            Es ist mir sehr wohl bewusst, dass die geplatzte Immobubble sicher noch bis ca. 1994/95 Nachwehen verursachte, auch die miserable restriktive Geldpolitik der SNB in den 90ern war schädlich, aber eben auch das EWR Nein hat seine nicht wegzuredenden Schäden hinterlassen mit einem massiv geringeren Exportwachstum in die EU Länder im Vergleich z.B. mit Oesterreich, Schweden, Finnland etc und dann haben die Wettbewerbsrestriktionen im EU Raum ab 1.1.93 auch unserer Swissair massiv geschadet und zu dieser verhängnisvollen Hunterstrategie geführt. Der Rest ist Geschichte…

          • Max Bader sagt:

            @Claire Deneuve: Die Exporte in die EU sind in den letzten 10 Jahren gar nicht gewachsen und das mit Bilaterale, während sie noch in den 90er Jahren deutlich gewachsen sind. Die Exporte in die übrige Welt sind hingegen in den letzten 10 Jahren massiv gewachsen ohne Bilaterale.
            Das reale Wirtschaftswachstum pro Kopf in den Jahren zwischen dem EWR-Nein und den Bilateralen war höher als in den letzten 10 Jahren, die Erwerbslosenquote deutlich niedriger und das Produktivitätswachstum wesentlich höher.
            Wir hatten Nein zum EWR gesagt, als wir schon mitten in der Rezession waren und darauf wurde eine der grössten Propagandalügen aufgebaut, dass das EWR-Nein etwas mit der Krise zu tun hat.

          • Claire Deneuve sagt:

            Bader: Sie berücksichtigen nicht, dass ab 2012 Gold und Goldbarren und münzenexporte auch in der Exportstatistik mit dring ist. Da hats die Exporte in die EU eben gleich mal von 57% runter auf auf 38%-48% nur wegen einer statistischen Umstellung und logisch verkauft die SVP resp. EU No etc. ihnen das als Veränderung, obwohl die statistische Basis geändert wurde!
            Ja Herr Bader Leute wie Sie kann man ganz einfach an der Nase rumführen — leider!!
            Wo SVP drauf steht, da muss man 3x ganz genau hinschauen, denn meist ist schamlose Lüge drin!

            Ueberprüfen Sie es doch bitte einfach selber:
            https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/industrie-dienstleistungen/aussenhandel/handelsbilanz-einfuhr-ausfuhr.assetdetail.5128685.html

          • Claire Deneuve sagt:

            Bader: Und hier noch der Beweis für meine Vorwürfe (vermutlich Ihre „Quelle“ oder vermute Sie kennen die Seite mindestens)
            Kein Wort davon, dass ab 2012 die statitischen Grundlagen doch wesentlich verändert wurden!
            Einmal mehr Betrug am Volk aus Ihren Kreisen — ohne Tricksereien und Statistiken bewusst unkommentiert zu lassen schafft Ihr es einfach nicht!
            So sad, so sad!

            https://eu-no.ch/wp-content/uploads/2018/07/eu-no-newsletter-vom-26-april-2018_69-1.pdf

          • Linus Huber sagt:

            „Ich würde die „Schuld“ der FED an der Finanzkrise 2008/09 mit ca 25% gewichten“

            Man kann eine solche Gewichtung vornehmen, muss sich jedoch dabei bewusst bleiben, dass die Geldpolitik der letzten 30 Jahre die Ursache bildet für

            – „Financialization“
            – weit über jenem der Wirtschaft liegenden Wachstum der Finanzindustrie und deren damit zunehmenden hohen Einflusses auf die Politik
            – Erzeugung von hohen Ungleichgewichten inkl. Blasen und den nachfolgenden Verwerfungen

            Es besteht die Gefahr, dass Symptome mit der Ursache verwechselt werden.

    • Zufferey Marcel sagt:

      Zu den Ursachen der Subprimekrise, wie die kurz darauf folgende Finanzkrise ursprünglich geheissen hat, kann ich nur den stillen aber absolut brillanten Film „The Big Short“ (USA, 2015) empfehlen: Von Fanny Mae und Freddy Mac über die Hypo-Broker, CDO und CDS ist darin alles enthalten. Die Ursprünge der Finanzkrise von 2007 gehen freilich weiter zurück. Aber kurz vor ihrem Ausbruch haben buchstäblich alle Beteiligten beide Augen ganz fest zugedrückt. Den Vogel abgeschossen hat dabei seinerzeit u. a. Josef Ackermann in einem Gespräch mit der FAZ vom 20.03.2008 (online verfügbar):

      „Ich habe keine Zweifel an der Stabilität des Banksystems.“

      Dieser Satz sollte eigentlich in die Annalen der Wirtschaftsgeschichte eingehen!

  • Hans Ulrich BON sagt:

    Notenbanken reagieren immer aus Angst. Paul Volcker ragierte völlig falsch auf eine spekulative Welle welche die Rohstoffpreise antrieb, Markus Lusser von der SNB reagierte völlig falsch auf die Wiedervereinigung Deutschlands. Das waren Zeiten als Notenbanken Angst vor Inflation hatten. Seither befindet sich die Wirtschaft in einem deflationären Zyklus, welcher Notenbanken ermöglichte die Zinsen massiv zu senken. Verantwortunglos kreierte man Blasen, und vorallem einen riesen Schuldenberg. Jetzt ist die Inflation auf einmal zu tief, und Notenbanker haben wieder Angst, vor Deflation, was wiederum zu einer völlig verblödeten Politik führt. Zinsen zu lange irrational tief halten kann ja keinen Schaden anrichten, oder? Gefangen, in einem Berg von Schulden, Notenbanker weiter so!

    • Marcel Senn sagt:

      Der historisch absolute Brüller war aber die FED von 1930 bis 1934, die die Geldmenge M1 aus irgendwelchen unerfindlichen Grund massiv reduzierte und so die Great Depression wirklich great machte!

      http://www.sjsu.edu/faculty/watkins/depmon.htm

      • Hans Ulrich BON sagt:

        Danke, sehr interessant. Dabei ist zu erwähnen, dass die Politik Ender 20er Jahre genau die selbe war wie heute unter Trump. Massive Steuersenkungen und Deregulation. Danach kam ein Absturz nach dem andern.

        Zurzeit wächst M2 mit 4 % annualisiert. Ökonomen finden, das sei zu wenig um die US Wirtschaft in Schwung zu halten. Heute empfiehlt die Deutsche Bank der FED die Zinsen zu senken. Dies würde einen Schuldenabbau völlig verhindern. Noch nie hat die USA in einem starken Aufschwung derart viel Schulden angehäuft. Danke Barack, danke Donald! Die USA kann wählen was sie will, am Schluss bekommt sie einfach mehr Schulden.

        • Marcel Senn sagt:

          Bon: Ein massgeblicher Punkt war in den „Roaring Twenties“, die zwar 1921/22 mit einer Rezession begannen, dann die technologische Entwicklung wie Massenautomobilbau und dann auch Radio etc.
          Es entwickelte sich landesweit ein Massenhype auf Aktienkäufe, die Menschen standen Schlange an den Telegraphenhäuschen um Aktien zu kaufen und alle träumten vom leistungsfreien Reichtum (ähnlich wie bei der US Immobubble bis 2007), bis es dann im Okt. 1929 kehrte. Der Börsentiefpunkt wurde dann aber erst im Juli 1932 erreicht, als der Dow Jones sagenhafte 89% vs. den Höchstwerten von Sept. 1929 verloren hat.
          Die FED, EZB etc. hatten eben genau das FED Szenario 1930/34 vor Augen und das wollten sie auf keinen Fall wiederholen und haben sich darum für eine expansive Geldpolitik entschieden.

    • Marcel Senn sagt:

      Le Bon: Die SNB hat aber schon 1988 (nach 1987er Crash, modernisiertes Bankenclearing ab Mitte 1987 und geringerer Nachfrage, revidierte Liquiditätsvorschriften ab 1.1.88) versagt vor der Wiedervereinigung und dann auch nach dem Platzen der Immoblase 1991 und 1992 EWR Nein hat sie mit einer viel zu restriktiven Geldpolitik mitgeholfen die 90er Jahre zumindest bis 1998 zu einem miserablen Jahrzehnt für die CH zu machen.

      https://www.nzz.ch/wirtschaft/snb-die-geldpolitik-der-nationalbank-in-den-spaeten-1980er-jahren-ld.1445505

  • Rolf Rothacher sagt:

    Die Zentralbanken haben einmal mehr völlig versagt. Mit der Geldpresse pumpten sie die Sachwerte künstlich auf (Liegenschaften, Aktien, Anleihen, Kunst). Zudem förderte die Geldflut eine Verschuldung im Übermass von Staaten und Unternehmen.
    Die Politik hat den Zentralbanken zu viel Macht gegeben, denn sie sollten all das richten, was die Politik nicht mehr vermag. Doch mit Geldpolitik kann man keine Ursachen bekämpfen. Man kann nur Folgen auf Zeit etwas beeinflussen.
    Was die Japaner ab 1991 verbockt haben (Null-Zins-Politik über bald 30 Jahre), haben die Europäer 2011 kopiert. Dümmer geht fast nicht. Die Folgen werden grausam sein, für uns alle. Der nächste Krieg ist wohl nicht mehr weit. Leider.

    • Claire Deneuve sagt:

      Rothacher: Seit wann sind denn Anleihen „Sachwerte“? Dass irgendwelche Leute mit zuviel Geld aus China oder den VAE bis zu 450 Mio $ für einen Salvador Mundi etc. bezahlen, ist eigentlich volkswirtschaftlich irrelevant.
      In der CH gibts zum Glück die 5% Tragbarkeitsfähigkeitsklausel, die zumindest die zu irrationalsten Auswüchse der Immopreissteigerungen verhinderten. Gut leider gilt die nicht für die PK’s, die weiterhin fleissig Geistersiedlungen bauen irgendwo in der Peripherie wo kaum jemand wohnen will.
      Nun die Alternative zu Draghis „Whatever it takes“ 2012 wäre gewesen nichts zu machen, dann wäre aber der ganze Club Med jetzt schon pleite und die wären noch viel mehr nach Mitteleuropa geströmt.
      Vermutlich hätten wir jetzt schon 7 Jahre the Great European Depression…

      • Claire Deneuve sagt:

        Rothacher: Die Eurozonen Geldmenge M1 ist von 2007 von rund 3.8 Bio € auf 8.3 Bio aktuell gewachsen, die Geldmenge M3 aber von rund 8 Bio € auch nur auf 12.3 Bio €, also in absoluten Werten ziemlich gleich viel. Die EZB hat es nicht geschafft die Kreditvergabe der Banken für neues Wachstum durch ihre Geldmenge zu erhöhen. Und die Banken haben immer mehr Zombiefirmen Geld durch neue Kredite nachgeschossen, damit die nicht pleite gehen und die Banken ihre Forderungen abschreiben müssen.
        Das ist zugegebenermassen sicherlich kein gutes Szenario, nur alle anderen Szenarien wären noch viel hässlicher gewesen, das ist das Problem.
        Dass bei einer nächsten grossen Finanzkrise rechtspopulistische Kräfte vermehrt das sagen haben werden glaube ich auch, die Linke hat keine Rezepte mehr.

      • Zufferey Marcel sagt:

        @Claire Deneuve: „Nun die Alternative zu Draghis „Whatever it takes“ 2012 wäre gewesen nichts zu machen … Vermutlich hätten wir jetzt schon 7 Jahre the Great European Depression…“

        Aber das derzeitige Programm der EZB wirkt auch nicht mehr allzu überzeugend:

        https://www.fuw.ch/article/der-chart-des-tages-1499/

        • Claire Deneuve sagt:

          Zufferey: Nun dann wäre aber der Einkäuferindex bis Ende 2017 gar nie mehr auf über 60 Punkte gestiegen, sondern schon seit 2012 irgendwo unter 50 dahingedümpelt, die SNB hätte jetzt vermutlich schon Devisenbestände gegen 2 Billionen, die Schweiz eine noch viel höhere Zuwanderung.
          .
          Es ist einfach die Frage was wäre das idealere Szenario gewesen? Länder ab 2012 reihenweise in den Bankrott zu treiben? Gut die ganzen EU/€ Hasser hätten sich sicher gefreut, wenn alles auseinandergebrochen wäre und wir wieder Nationalstaaten hätten, allerdings die desolate finanzielle Situation hätte das auch nicht wirklich gemildert und irgendwann hätte man sich dann einen Sündbock von aussen gesucht und einen Krieg angefangen, wie das die Unfähigen in der Regel immer gerne wieder mal machen.

          • Zufferey Marcel sagt:

            @Claire Deneuve: Die Frage, die sich heute stellt, wurde bereits im letzten NMTM-Blogbeitrag gestellt: Warum, zum Teufel, schaffen es Draghi & Co. partout nicht, die Zinsen wenigstens auf null hoch zu schrauben? Sowohl Inflation und Wirtschaftswachstum entsprachen 2018 nahezu das ganze Jahr über den Erwarungen der EZB. Selbst die Beschäftigung nahm im Euroraum wieder stark zu, sogar in Spanien und in Deutschland natürlich sowieso. Doch an den Zinsen wird nicht gerüttelt. Das mutet allmählich schon selltsam an.

          • Claire Deneuve sagt:

            Zufferey: Weil in einer partiell immer noch massiv überschuldeten € Zone negative Realzinsen immer noch das einzige Mittel zumindest der EZB ist die Schulden der Staaten und auch vieler Firmen nicht noch weiter ansteigen.
            Gemäss diesen Konzepten hat das UK gemäss Vorgabe von Keynes (gest. 1946) mit seiner Verschuldung von fast 250% bis 1975 auf 50% des GDP abgebaut (plus noch Kapitalverkehrseinschränkungen und £-Abwertung)!
            .
            Ich habe das Gefühl die EZB will eine ähnliche Strategie (allerdings bei viel tieferen Wachstumsraten) wie das UK von 1945-75 anwenden. Das würde noch sehr lange sehr tiefe Zinsen bedeuten, natürlich auch von der Inflation abhängig, aber man kann auch auf höherem Level ein negatives Realzinsumfeld kreieren.

          • Zufferey Marcel sagt:

            @Claire Deneuve: Interessante Ausführungen zu Grossbritannien, danke! Alle Zeichen deuten darauf hin, dass Europa einen ähnlichen Weg gehen wird / könnte, wie Japan. So sind die Volatilitäten auf Europäische Bonds auf historische Tiefstände gefallen- genau so, wie die Japanischen auch:

            https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-03-06/death-of-bond-volatility-has-pimco-fearing-for-europe-s-future?srnd=premium-europe

            Europa ist auch Japan..!

        • Max Bader sagt:

          Das Problem war nicht Draghis „whatever it takes“, sondern dass seit damals einige Jahre vergangen sind und man in der EU keinen Schritt weiter ist, sondern immer noch blockiert. Das künstliche Wachstum seit damals hätte man zu Reformen nutzen können, aber man hat sich darauf ausgeruht.
          Das liegt daran, dass die EU-Politiker den Leuten keinen reinen Wein einschenken wollen. Es braucht einen mutigen Entscheid, entweder zur Rückabwicklung des Euros in gewissen Ländern oder zum EU-Bundesstaat. Aber das Verschieben von Lösung auf Merkel-Art ist eine Katastrophe. Merkel wird nicht nur wegen der Migrationskrise in der Zukunft bei der Bewertung sehr schlecht wegkommen.

          • Claire Deneuve sagt:

            Bader: Nun ein wesentlicher Mitauslöser für die Schuldenkrise war doch wohl die US Finanzkrise resp. all diese toxischen Papiere die die Amis irgendwelchen biederen deutschen Sparkassendirektoren und irischen Banken etc etc verkauft haben und die dann ihren Kunden, was dann zu all den Rettungsaktionen der Staaten und Zentralbanken geführt hat, die sehr viel Geld und Substanz verschlungen haben.
            Bis 2007 war sogar die Verschuldung von Griechenland „nur“ bei 103%, Italien sogar noch unter 100%, UK 42%, Spanien 35%!
            .
            Sicher wären die heutzutage auch ohne US Finanzkrise höher verschuldet und es hätte auch so einige Probleme in der EU gegeben, aber höchstwahrscheinlich nie in dem Ausmasse wie wir sie jetzt haben. Darum ist wohl auch der Spielraum zu klein um wirklich zu agieren.

          • Max Bader sagt:

            @Claire Deneuve: Die Finanzkrise von damals ist schon lange verflogen gewesen, als sich die Eurokrise noch immer hinzog und sie tut es bis heute. Oder wollen Sie sagen, dass die Südeuropäer wegen amerikanischen Hypothekenanleihen solche Probleme haben?

          • Claire Deneuve sagt:

            Bader: Reden Sie doch mal mit einem Schuldenberater wie schwer es ist wieder von einem grösseren Schuldenstock wieder runterzukommen!!
            Die europäische Schuldenkrise hat sich denk ziemlich nahtlos an der Finanzkrise 2008/09 fortgesetzt und da ist es unmöglich noch schnell die Schulden aus der Finanzkrise mal abzubauen, sondern das kumuliert sich immer mehr mit hohen Zinsen (bis dann Draghi 2012 ein Einsehen hatte), Austerität und darum auch nur schleppendem Wachstum etc.
            Finanzkrisen scheinen nicht so Ihre Kernkompetenz zu sein…

  • Zufferey Marcel sagt:

    Wirft man einen Blick auf die Terminmärkte, rechnet eigentlich niemand mehr mit einem baldigen Zinsschritt der EZB oder der SNB. Dafür wird in Brüssel dem Vermehmen nach bereits laut über Helikoptergeld nachgedacht. Die FED ist in einer ganz anderen Situation.

    • Linus Huber sagt:

      Sicher doch, Marcel, die Künstler der Manipulation laufen immer stärker auf Hochform auf; mal sehen welche abstrusen Instrumente sie noch aus dem Köcher ziehen um das System vor der Implosion zu bewahren. Das Grundproblem wird weder erkannt noch je angesprochen. Wenn die Macht über eine uneingeschränkte und ankerlose Geldpolitik bei Regierungen (resp. Zentralbanken) liegt, endet die Angelegenheit seit Menschen gedenken darin, dass das „John Law of Economics“ Modell in Anwendung kommt.

      • Anh Toàn sagt:

        „…bei Regierungen (resp. Zentralbanken) liegt.“

        Sie liegt eben bei Zentralbanken, damit sie nicht bei Regierungen liegt.

        Was wäre denn die Alternative:

        a) Goldstandard, wurde probiert, hat nicht funktioniert

        b) Volksabstimmungen zur Geldpolitik? Weil das Volk schlauer ist als die indoktrinierten Eliten, aus dem Bauch heraus weiss. Aber wenn das Volk regiert und auch noch die Geldpolitik bestimmt, liegt die Macht ja wieder bei der Regierung…..

        Mann!

        • Anh Toàn sagt:

          Nehmen wir doch mal den EUR Raum, da ist ja zur Zeit die Geldpolitik am schrankenlosesten (um Ihre konnotative Diktion zu verwenden).

          In wie fern haben da (nationale) Regierungen Einfluss auf die Geldpolitik?

          Prüfen Sie Ihre Absonderungen wenigstens gelegentlich mal an Fakten!

          • Linus Huber sagt:

            Glauben Sie wirklich, dass Draghi seine Entscheide nicht mit Merkel abspricht. Derart naiv möchte ich auch einmal sein.

          • Anh Toàn sagt:

            Ich bin sicher, dass Draghi seine Entscheide nicht mit Merkel abspricht, warum sollte er das machen?

            Sie behaupten etwas, Draghi spreche seine Entscheide mit Merkel ab, haben null Beweise, Indizien, Anhaltspunkte dafür, dass dem so sei und wer es nun nicht glaubt, ist naiv.

        • Linus Huber sagt:

          Goldstandard, wurde probiert und hat anhand der historisch ausgezeichneten Wachstumsraten gut funktioniert; das Scheitern beruht auf dem Umstand, dass Regierungen sich über Zeit immer mehr Macht anzueignen pflegen.

        • Linus Huber sagt:

          Was wäre denn die Alternative?

          Je länger desto weniger besteht eine Alternative zum bestehenden Vorgehen, denn die Weichen wurden schon lange gestellt, ob z.B. anhand des Greenspan-puts oder Bernankes Immoblase oder die Rettung der Banken und Reichen in 2008. Die Intensität der Manipulation wird bis zum Zusammenbruch des Geldsystems schrittweise erhöht und die Bevölkerung zunehmend durch dieses Vorgehen genötigt, enteignet oder was immer notwendig ist um den Zerfall zu verhindern. Die politische Reaktion ist zugleich am aufkeimen. Wir leben wahrlich in interessanten Zeiten.

Kommentar

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