Die Negativzinsen haben ausgedient

Das Festhalten an Negativzinsen ergibt keinen Sinn mehr: Die EZB in Frankfurt. (Foto: Keystone/Arne Dedert)

Fünf Jahre negative Leitzinsen sind genug. Am 4. Juni 2014 beschloss die Europäische Zentralbank, den Einlagesatz unter null auf –0,1% zu schieben. 2016 setzte sie ihn auf –0,4% fest. Damals herrschten andere wirtschaftliche Bedingungen als heute. Wenn gegenwärtig über Zinserhöhungen diskutiert wird respektive darüber, dass die EZB die Leitzinsen noch lange nicht erhöhen kann, sollten die Argumente nicht für die Negativsätze gelten. Eine Rückkehr auf null ist längst überfällig. Dieser Sachverhalt darf inhaltlich nicht in denselben Topf geworfen werden wie die Frage, ob Euroland Leitzinsen von 0,5%, 1% oder 2% verkraften kann.

Nominale Minuszinsen sind ein Anachronismus. Sie stellen die Basis für jede Finanzierungsrechnung auf den Kopf: Wer Geld anlegt, zahlt drauf; wer es sich leiht, wird bezahlt. Jahrzehntelang verkündeten Notenbanker, dass es sie gar nicht geben könne. Bei 0% sei Schluss. Einlagen bei Banken zu besteuern, ergebe nur Sinn, wenn Geldzuflüsse aus dem Ausland abgewehrt werden sollen, um die eigene Währung vor einer übermässigen Aufwertung zu verteidigen, wie es die Schweiz in den 1970er-Jahren erstmals versuchte. Sie jedoch zu verhängen, ohne primär den Wechselkurs im Auge zu behalten, wie es die EZB vierzig Jahre später praktizierte, stellte alles auf den Kopf.

Negativzinsen waren nur Beiwerk

Warum ging die EZB – anders als das Federal Reserve in den USA – dieses Risiko überhaupt ein? Als Hauptargument wird meist die Furcht vor einer Deflation angeführt, die damals herrschte. Allerdings war davon im Sommer 2014 gar nicht so sehr die Rede. In der Medienkonferenz rechtfertigte EZB-Chef Mario Draghi den Schritt unter die Nulllinie eher als technische Massnahme: Man hatte den zentralen Leitzins (Hauptrefinanzierungssatz) um 0,1 Prozentpunkte auf 0,15% senken wollen, und da man den Zielkorridor der Leitzinsen nicht übermässig einengen wollte, musste die EZB auch den um einen Viertelprozentpunkt tiefer liegenden Einlagesatz entsprechend herabsetzen: Er lag bereits auf null und wurde daraufhin auf –0,1% geschoben.

«You see, one good thing about the negative deposit rate is that it helps to keep the corridor size unchanged. It has avoided the narrowing of the corridor, which would be counterproductive for the functioning of money markets in the short term. So that’s the answer.» (Mario Draghi, EZB-Medienkonferenz vom 3. Juli 2014)

Minuszinsen stellten für die EZB nur Beiwerk dar. Die Hauptmassnahme bildeten damals milliardenschwere Liquiditätskredite an die Banken: TLTRO (Targeted long-term refinancing operations). Mit diesen gezielten Finanzierungen konnten sich Banken Geld von der EZB besorgen. Im besten Fall, wenn sie die Mittel in Form von Krediten an Kunden weiterverkauften, zahlten sie dafür nur den EZB-Einlagesatz. Als dieser Zins unter null rutschte, wurden Banken de facto sogar bezahlt, wenn sie Geld bei der EZB aufnahmen.

Das gleiche Schema wiederholte sich im März 2016, als die EZB den Zins noch tiefer senkte: Damals kündigte sie eine neue Runde von TLTROs an und wollte deren Wirkung stärken, indem sie den Einlagesatz auf –0,4% herabsetzte.

Weil die Banken enorme Überschussreserven halten, kommt dem Einlagezins grosse Bedeutung bei. Tatsächlich wurde aus der Nummer zwei über die Jahre die Nummer eins unter den EZB-Leitzinsen. Die wichtigsten Geldmarktsätze richten sich am negativen Einlagesatz aus. Trotzdem bleibt die Erkenntnis bestehen, dass die Negativzinspolitik der EZB letztlich nur an die Verkündung von TLTRO-Geschäften gekoppelt war.

Die Zeiten haben sich geändert

Inzwischen hat sich die wirtschaftliche Lage in der Eurozone allerdings verbessert. Die Kreditklemme wurde überwunden. Einige Banken haben ihre TLTRO vorzeitig zurückgezahlt. Selbst wenn die Konjunktur in diesen Monaten an Schwung verloren hat, steht fest: Der Grossteil des Euroraums befindet sich in einem Aufschwung.

Im Umkreis der EZB wird derzeit zwar debattiert, ob sie neue TLTRO ausgeben soll. Das bedeutet aber nicht, dass die Realwirtschaft dringend auf sie angewiesen ist. Es droht kein neuer «credit crunch». Die EZB will nur verhindern, dass zu viel Liquidität auf einmal abgeschöpft wird, wenn ab Juni 2020 bis März 2021 die vor vier Jahren aufgelegten TLTRO im Umfang von 740 Mrd. € auslaufen und zurückbezahlt werden. Die EZB-Bilanz schrumpft daraufhin und somit die Liquidität. Die Wirkung ist vergleichbar mit einer substanziellen Straffung der Geldpolitik, die niemand will. Neue TLTROs auszugeben, lässt sich also geldpolitisch rechtfertigen. Darüber hinaus den Einlagesatz tief im Minus zu halten, ergibt dagegen keinen Sinn. Denn es besteht kein Bedarf mehr, um die Kreditvergabe zusätzlich zu stimulieren.

Die EZB sollte den Einlagesatz sobald wie möglich von –0,4 auf 0% zurückführen. Allenfalls in Verbindung mit neuen TLTRO-Geldkrediten. Das wäre keine Zinserhöhung, welche die EZB für das laufende Jahr implizit bereits ausgeschlossen hat. Sondern nur die längst überfällige Abschaffung eines Relikts aus vergangener Zeit.

79 Kommentare zu «Die Negativzinsen haben ausgedient»

  • Rolf Zach sagt:

    Ich bin nach wie vor überzeugt, dass jetzige Negativ-Zins Regime der SNB ist zu lieb für die Hot-Money Kunden der Schweizer Banken, die sich ein Schatz-Kästchen an SFr. angehäuft haben für alle Fälle. Da bevorzuge ich das ehemalige Vorgehen der SNB unter Leutwiler 1978, dass war in jedem Fall zielgerichteter und effizienter.
    Eine Reservewährung ist immer eine Schuldner-Position und der betreffende Staat oder Staatenbund profitiert vom Vertrauen von Gläubigern, die für ihre Liquidität Schutz suchen. Wir sind der seltene Fall, wo eine Reservewährung zur Belastung unserer wirtschaftlichen Aktivität wird. Ein Krug voller Wasser von Hot Money wird in die Tasse von SFr. hin eingegossen, was zu einem Überlauf führt und unsere Volkswirtschaft ruiniert.

    • Rolf Zach sagt:

      Wenn man keine Negativzinsen will, führt der einzige Weg für die Stabilisierung unserer Volkswirtschaft, indem man das Hot Money misstrauisch macht und verhindert, dass der SFr. die grösste Aufwertung gegenüber dem $ ständig wiederholt, mehr als der japanische Yen. Man verwendet die Devisenbestände als Grundlage, um dem Bund SFr. für Infrastruktur-Aufgaben zukommen zu lassen. 5 bis 10 Milliarden SFr. sind zu wenig, es muss mindestens 20 bis 30 Milliarden SFr. sein. Die macht das Hot Money misstrauisch, weil sie dann begreift, dass die ständige Aufwertung gegenüber $ und auch dem € ein Ende hat, sonst schmilzt ihr Schatzkästchen an SFr. in der Sonne einfach dahin.

    • Jan Svoboda sagt:

      auf Zach und Anh Toàn ist immer Verlass, da ist ein Lacher nicht mehr weit.))))

  • Anh Toàn sagt:

    TLTRO Kredite werden von Banken in Anspruch angenommen, denen andere Banken kein Geld leihen wollen, sondern lieber Überschussreserven bei der EZB haben und darauf negative Zinsen bezahlen. Also die TLTRO Kredite sind in erster Linie Hilfen für schwache Banken (insbesondere italienische und spanische Banken haben bei den TLTRO praktisch das Maximum ausgeschöpft). Während die Negativzinsen auf die Überschussreserven von starken Banken bezahlt werden (die keine guten Schuldner finden). Wenn die EZB den negativen Einlagesatz auf Null erhöht, werden die starken Banken erst recht kein Interesse haben, Geld an schwache Banken zu verleihen, und Geld von schwachen Banken abziehen und die EZB müsste ihr TLTRO Programm noch ausweiten, oder die schwachen Banken brechen zusammen.

    • Anh Toàn sagt:

      Solange die schwachen Banken, insbesondere das italienische und spanische Bankensystem keine höheren Zinsen als +/- 0.00 (auf TLTRO oder Kredite von anderen Banken) bezahlen können, kann die EZB den (negativen) Einlagesatz für die starken Banken nicht erhöhen. Den Spread zwischen dem Einlagesatz und den TLTRO Satz kann sie nicht verkleinern, im Gegenteil müsste sie diesen Spread erhöhen um ihr TLTRO Programm auslaufen lassen oder zumindest reduzieren zu können. Bei Zinsen von 0% für schwache Banken, hätten die starken Banken eher Interesse, denen Geld zu leihen, wenn sie auf die Überschussreserven bei der EZB 0.75 wie in der Schweiz statt „nur“ 0.4 bezahlen müssten.

      • Anh Toàn sagt:

        Kurz: Solange das italienische Bankensystem wackelt, kann die EZB auch den negativen Einlagesatz nicht erhöhen, ohne dass das italienische Bankensystem zusammenbricht, obwohl dieser direkt für die schwachen Banken bedeutungslos ist. Schwache Banken haben kaum Überschussreserven.

        • Rolf Zach sagt:

          Eine einleuchtende Erklärung, warum die EZB noch in den Negativzinsen verharrt.
          Es sind aber noch 2 Dinge, die bei den Negativzinsen der EZB zu beachten sind. Ebenso ausschlaggebend ist die Zinspolitik der FED, solange diese bei ihren Sätzen auch gegen 0 % tendiert, engt dies auch die Zinspolitik der EZB ein. Was die Finanzminister der €-Länder nicht wünschen ist, dass das Relation €/$ sich zugunsten des € verschiebt und dieser gegenüber dem $ aufwertet. Die EU-Konjunktur kann dies gemäß €-Finanzminister nicht brauchen, gilt auch etwas für den Minister aus Deutschland und er Niederlande.
          Was bei den italienischen Banken wichtig ist, dass sie keine Depositen-Rückzüge ihrer Kunden erleiden und das laufende Geschäft einen Cash-Flow erwirtschaftet.

  • Rolf Zach sagt:

    Es war der Crash von 2008 (schlimmer als 1929) in den USA, der die Einführung von Negativzinsen hervorrief. Anders als 1929, wurde eine Depression wie nach 1929 in den USA vermieden mit der Lehre nach Keynes. Das Verdienst der FED und der Obama-Administration.
    Infolge dieser Krise meinten Schlaumeier und Geschockte der Euro werde zusammenbrechen und verschwinden. Ein Satz von Draghi verhinderte dies und rettete den Euro gegen diese Schwarzseher und Panikmacher. Um die Konjunktur am laufen zu halten, kaufte die EZB zu Recht Staatsanleihen und drückte das Zinsniveau bis zur Negativzins. Solange aber die Republikaner trotz guter Konjunktur im Kongress die Steuern noch senken und das riesige Haushaltsdefizit Trump und seinen Republikanern gleichgültig ist, wird die FED
    vorsichtig sein.

  • Hansueli Wermelinger sagt:

    Die Tiefzinspolitik bewirkt, dass der übliche Ausfallsatz von 2% (Konkurse bei Unternehmen pro Jahr) auf 0.5% gesunken ist. Und dies schon seit mehr als 10 Jahren. Doch ist es vermutlich wie bei einem Stausee – die 1.5% über 10 Jahre haben sich auf 15% aufgestaut und werden irgendwann „nachgeholt“. Es gibt einfache Marktgesetze, die auch eine oder alle Notenbanken der Welt nicht ausser Kraft setzen können. Für jeden Normalbürger ist dies ersichtlich, nur nicht für die ach so gescheiten Akademiker, denen häufig der Bezug zum realen Leben fehlt. Ich frage mich in diesem Zusammenhang, wie es möglich ist, dass einige wenige, total Realweltfremde das Sagen über die Masse haben können, wenn es, wie die Geschichte beweist, doch regelmässig in die Hosen geht, wenn man ihnen vertraut.

    • Marcel Senn sagt:

      Wermelinger: Da sagen die Statistiken aber was anderes. Die Zahl der Firmenpleiten in der Schweiz ist seit 2008 mit Ausnahme 2014 jedes Jahr gestiegen.
      Von rund 3900 2008 auf über 4800 pa. 2017
      .
      Was für eine Quelle haben denn Sie, oder ist das einfach ein Bauchgefühl? Wo ist denn Ihr Bezug zum realen Leben?

    • Rolf Zach sagt:

      Solange der Trump Administration das gewaltige Haushaltsdefizit völlig gleichgültig ist, muss die FED
      sehr dosiert und vorsichtig mit Zinserhöhungen umgehen. Folgerichtig ist auch die EZB ein Gefangener der FED, weil es nicht im Interesse der ganzen EU ist, eine Aufwertung durch substanzielle Zinserhöhungen zu riskieren und damit die Erholung der Konjunktur abzuwürgen.

      • Rolf Zach sagt:

        Es war ein Fehler der SNB 2012 den Mindestkurs
        von 1.20 SFr. zu 1 € aufzugeben. Die SNB handelte da in Panik und glaubte der € werde untergehen.
        Es war auch ein Fehler ein Regime des Negativzinses einzurichten, dass nicht nur das Hot Money in die Pflicht nahm, sondern auch den inländischen Spar-Kreislauf, der sowieso spart, ob es regnet oder die Sonne scheint, wie dies bei den Pensionskassen der Fall ist. Das Regime der Negativzinsen von der SNB unter Leutwiler war 1978 erfolgreicher. Es war härter, aber nur gegen das Hot Money gerichtet.

        • Rolf Zach sagt:

          Nach meiner Ansicht (sehr singulär) können wir die Negativzinsen mit Leichtigkeit abschaffen, wenn die SNB 100 Mia. SFr. dem Bund für die Finanzierung unserer Infrastruktur übergibt.
          Das ist ein Zeichen, dass wir Abschied nehmen vom Gold-Franken mit seiner ständigen Aufwertung des Wechselkurses gegen alle übrigen Währungen der Welt, inklusive dem Yen.
          Es ist übrigens nicht gerade klug, Wechselkurs-Rückstellungen in der gleichen Währung auf der Passivseite zu halten wie die Guthaben mit gleichem Risiko auf der Aktivseite.

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: Die Aufgabe des Mindestkurs war aber erst im Januar 2015, nachdem Ende 2014 grosse Mengen an Fluchtgeldern vor allem aus Russland (70 Mrd CHF zw. 11/2014 und 1/2015) in die CH geflossen sind und Herr Jordan schnell mal kalte Füsse bekam.
            .
            Nun wenn die SNB den Negativzins aufgibt, dann wertet der Franken schnell auf und das Eigenkapital würde dahinschmelzen wie Butter an der Sonne.
            Die SNB hat keine Wechselkursrückstellung auf der Passivseite, die sind alle in CHF im EK, gut Verbindlichkeiten in Fremdwährungen von umgerechnet akt. 34.8 Mrd Franken, aber die sind ja kein Problem, die kann man locker mit den Aktiv-FX Beständen bezahlen bei Fälligkeit.

          • Rolf Zach sagt:

            Man wird alt, natürlich war es Januar 2015, dämliche Erinnerung!
            Was die Rückstellungen betrifft für Währungsrisiken werden die wohl in SFr. bilanziert, aber das Risiko dahinter sind die Devisenbestände auf der Aktivseite. Ich bleibe dabei, es ist eine Katze, die in den Schwanz beißt. Der Gegenwert dieser Rückstellungen sind keine Aktiven in SFr., keine SFr. Obligationen und Aktien, wie zum Beispiel eine Nestle dies wäre, auch nicht US-Aktien dafür sind genügend vorhanden. Es ist alles Zeugs, dass dem Wechselkurs-Risiko unterworfen ist. Es ist ein Kredit der billigsten Art für die US-Defizitfinanzierung, bei den € Papieren betrachte ich die Wertigkeit höher. Was sagen Sie, Herr Senn, zu den £ Obligationen der SNB, würden Sie auch so handeln? Googeln Sie einmal über Roosa-Bonds!

          • Rolf Zach sagt:

            Natürlich will ich sagen, auch für Rückstellungen hat es nicht einmal genügend US-Aktien als Wertpapiere in der Bilanz SNB, die mehr von der Börse abhängig sind und nicht sosehr vom Wechselkurs.

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: 237 Mrd $ in US-Treasuries und Notes waren es per Ende 2018, die in der CH gehalten wurden, der grösste Teil von 210 Mrd bei der SNB.
            Gut mittlerweile gibts ja auch wieder was an Zinsli dafür, der $ ist aktuell stark vs. CHF.
            Pfund hatte sie 53 Mrd in CHF = ca 41 Mrd in £).
            .
            Logisch gibt es Risiken, darum bin ich auch nicht einverstanden mit Ihren Verteilideen. Wenn die Bilanz mal wieder auf 200 Mrd geschrumpft ist, dann kann man sicher was verteilen, wenn es noch Reserven hat.
            Im übrigen ist es technisch gar nicht möglich 100 Mrd CHF zu verteilen, weil die SNB auf der Aktivseite gar keine 100 Mrd in CHF hat und müsste beginnen FX Devisen zu verkaufen, was den CHF Kurs wieder nach oben katapultieren würde

          • Anh Toàn sagt:

            Rückstellungen sind Fremdkapital, die SNB bilanziert diese, richtigerweise aber als Eigenkapital und nennt sie ganz paradox „Rückstellungen für Währungsreserven“. Eigentliche Rückstellungen sind für Risiken, die ihre Ursache in der Vergangenheit haben, deren Höhe und Fälligkeit jedoch erst in der Zukunft bekannt sein werden. Typisches Beispiel sind Prozessrisiken, z.B. bei der UBS in Frankreich. Die „Rückstellungen“ in der SNB Bilanz sind für zukünftige Wertschwankungen auf Aktiven, für zukünftige Risiken. Das wäre, wie wenn eine Immobiliengesellschaft „Rückstellungen“ bildet dafür, dass in Zukunft die Immobilienpreise sinken könnten. Das kann man machen, es sind dann aber Reserven, die Gegenbuchung bei der Bildung ist nicht im Aufwand, sondern es ist Gewinnverwendung.

          • Anh Toàn sagt:

            Man könnte dies genau so gut freie Reserven nennen, oder als Gewinnvortrag stehen lassen, ausser dass eben dann eher andere Gewinnverwendungsideen Chancen hätte.

            Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Bund für Investitionen keine Ausschüttungen der SNB braucht, er kann sich zu 0% auf 10 Jahre am Kapitalmarkt finanzieren. Und wenn er dies täte, müsste die SNB vielleicht ihre Bilanz weniger aufblähen. Und der Bund müsste vielleicht dann auch mal 0.5% auf 10 Jahre zahlen. Wär‘ jetzt auch nicht so tragisch. Und dann würden die PK’s auch weniger leiden. Der Fehler liegt nicht bei SNB, der Fehler liegt in der bürgerlich-konservativen Sparpolitik des Bundes, insbesondere bei unserem ueli, der immer jammert, es sei Geld da und nicht weiss, wo er es verstecken soll.

          • Marcel Senn sagt:

            Anh: Nun nach dem fair Market Value Prinzip gehören Gewinne ins EK, aber da die SNB eh eine spezialrechtliche Gesellschaft ist, muss man vor zu grossen Begehrlichkeiten der Kantone (und auch Herrn Zach 😉 und einigen anderen die meinen man könne jetzt einfach beginnen zu verteilen) das begrifflich noch etwas feiner abgrenzen.
            Bei der EZB sind die separat aufgeführt unter Pos 10 Revaluation Accounts akt. 376 Mrd € und Pos 11 EK und Reserven 104 Mrd €

            https://www.ecb.europa.eu/press/pr/wfs/2019/html/ecb.fst190219.en.html

  • Jan Svoboda sagt:

    na gut, viel Glück bei der Normalisierung, gerade jetzt wo die welweite Rezession unterwegs ist. Ob die Marktmanipulierer keine schwache Beine kriegen?

    • Claire Deneuve sagt:

      Svoboda: „weltweite Rezession unterwegs ist“ – vielleicht auf dem Planeten Svoboda, aber auf der Erde ist die noch ganz nicht angekommen, auch wenn die Wachstumsaussichten nicht mehr ganz so rosig sind wie auch schon.
      .
      Und selbst die von Ihnen vermutlich gelesenen sehr dubiosen „Deutschen Wirtschaftsnachrichten DWN“ schreiben erst von einer gestiegenen Wahrscheinlichkeit einer weltweiten Rezession!

      • Jan Svoboda sagt:

        @Claire
        im Gegensatz zu Ihnen brauche ich keine fremde Köpfe um es beurteilen zu können, ich kann mir die Daten selber aussuchen. Was Sie offensichtlich nicht verstehen, schon bei einer leichten Abschwächung werden die Berge fauler Kredite rasant wachsen. Die Fed hat übrigens schon schlapp gemacht und ihr Schosshündchen EZB wird es bald auch tun, damit könnten sie es um 1-2 Quartale verschieben, das ist alles, um so heftiger wird es dann krachen. Sie haben einen Flaschengeist herausgelassen den sie nie mehr zurückkriegen.

        • Pius Tschirky sagt:

          Wurde ja wohl überall auf der Welt ein Wirtschaftswachstum auf Pump praktiziert, Frau Deneuve. Natürlich kann man das wie es auch die Japaner tun noch über Jahrzehnte so weiter tun. Irgendwann aber mal muss ja das ein Ende haben. Könnte noch ein böses Erwachen geben, eines Tages. Bin sehr gespannt!

          • Claire Deneuve sagt:

            Tschirky: Kann sein, oder auch nicht. Den mittlerweile 244 Billionen $ Schulden weltweit stehen über 650 Billionen Assets gegenüber – soviele wie noch nie zuvor. Blasengefährdet sind davon max. 50-80 Billionen, selbst wenn die platzen wird es irgendwie weitergehen. Einen Teil der vor allem finanziellen Schulden könnte man buchhalterisch auch einfach offsetten durch netting.
            Und ansonsten gibt es bei den Reichen in den Steuerparadiesen und auch lokal auch noch einiges zu holen, die meisten zahlen viel zu wenig Steuern, aber das wäre dann ein politisch notwendiger Akt. Bis in die 70er Jahre gings ja auch mit Spitzensteuersätzen von 60, 70, 80 oder gar bis 91%, da war die Welt auch noch nicht ganz so gierverseucht.

          • Jan Svoboda sagt:

            @Pius
            von wegen Wachstum, Japan hat aktuell 30 Jahre Stagnation hinter sich, offiziell, in Wirklichkeit gab es jedesmal wenn es begonnen hat zu stinken Anpassung der statistischen Berechnungen. Die heutige Situation ist völlig anders, in den 90 hatte Japan nur 65% BIP Schulden und bis 2005 gute Überschüsse der Handelsbilanz und gesunde Industrie, beides haben die Amis nicht, ihre Industrie liegt jetzt in Asien und Defizite und Schulden wohin das Auge reicht. Auch ihr „Wachstum“ ist nur Luft und Bilanzakrobatik,, seit mindestens 25 Jahren. Es werden keine Jahrzehnte QE folgen, der Tag der Erwachung kommt näher.

          • Jan Svoboda sagt:

            @Claire
            Sorry aber Ihre Vorstellungen sind völlig blauäugig und Sie scheinen nicht viel wissen wie Märkte funktioniren.. Von einem netting der hoch gehebelten Papiere kann man nur träumen, man sieht es immer wieder an der Eurex, schon bei kleinerer Panik verschwinden die Geldkurse und es gibt keine Gegenpartei die es kauft. Und, allein beim US Anleihenmarkt gibt es etwa 6.5 Bill. $ Papiere die investment grade haben, 60% davon haben BBB rating (ditto EU). bei einem Trendumkehr werden die Meisten BBB in Junkstatus abgestufft und es kommt zur Lavine, denn viele Institutionellen dürfen Junk nicht halten. Und die über 500 Bil.$ Derivate meistens mit Bezug zu Zinsen und Kreditmarkt werden 100% nicht genettet, wer es glaubt, kommt noch auf die Welt.

          • Claire Deneuve sagt:

            Svoboda: Und Sie haben scheinbar nicht viel bis keine Ahnung von Derivaten, dass Sie hier die positivierten Notionals erwähnen und sich in Untergangsszenarien schwelgen.
            Der Gross Market Value aller positivierten Derivate beträgt aktuell gerade noch knapp 10 Billionen $ und der Gross Credit Exposure auch positiviert noch 2.6 Billionen $. Net Credit Exposure dürfte noch tiefer sein, wird aber nicht angegeben.
            Im übrigen haben Sie sicher auch schon mal den Begriff Margin Call gehört, eine Alltäglichkeit zur Risikominimierung im Derivatebusiness.
            .
            Studieren Sie erst mal folgendes Dokument gründlich, dann können wir allenfalls weiterstreiten:
            https://www.bis.org/publ/otc_hy1810.pdf

          • Claire Deneuve sagt:

            Ach Herr Svoboda, Die Institutionellen wie Pensionfunds, Versicherungen oder Public Institutions plus Zentralbanken machen nicht mal 29% aller Financial Institutions aus per 2016, heute vermutlich noch weniger der total 340 Billionen $ Papierliwerte. Das OFI Business und die Schattenbanken sind kräftig am wachsen und immer noch risikohungrig. Und alle Bonds von den 3 Bio $ BBB in USA werden auch nicht Junk werden, auch wenn es mittlerweile historisch gesehen mit fast 60% viel von dem Zeug gibt.
            .
            Darum nochmal was zum studieren für Sie.
            http://www.fsb.org/2018/03/global-shadow-banking-monitoring-report-2017/
            .
            Sie reden doch den Untergang schon seit Jahren herbei, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, vielleicht kommt er bald, vielleicht auch noch nicht so bald.

          • Jan Svoboda sagt:

            @Claire Sie amüsieren mich,Sie plappern einfach die Märli nach die man schon vor 2008 herumgereicht hat wo doch alles so prima nach den Computermodellen funktionierte,war z.B. so perfekt berechnet bei der AIG und so ein Pech, in der Praxis sah es plötzlich anders aus, plötzlich waren die Geldkurse 3-5 Cent auf 1 $ Nominal.So sehen die Vorstellungen der Theoretiker aus die dazu geimpft sind ewig steigende Kurse zu erwarten.Natürlich muss die Bankenmafia ständig neue „Beweise“ liefern dass der Laden noch nicht in die Luft fliegt.Ich muss Sie enttäuschen,ich brauche den Untergang gar nicht herbeizureden,der irreparabel Schaden ist längst passiert,man muss nur die Rosabrillle abnehmen und wissen wie Praxis funktioniert.Die Bilanzakrobatik funktioniert nur bei schönem Wetter.

          • Claire Deneuve sagt:

            Jan: Sie amüsieren mich auch indem Sie hier den systematischen Betrug von damals einfach 1:1 als Vergleichsbeispiel heranziehen wollen. Neues Spiel, neues Glück oder Unglück…
            Nun auf 3-5 cents pro $ sind nur die wenigsten toxischen Papiere gefallen und viele davon haben sich bekanntlich wieder erholt, denn sonst hätte die SNB am Ende mit ihrer UBS Rettungsaktion nicht sogar noch einen Gewinn rausgeholt.
            Ich bin übrigens keine Theoretikerin, wie Sie mir das unterstellen, sondern war live mit dabei als keine Preise mehr gestellt wurden und ich für meinen damaligen Arbeitgeber aufs Quartalsende jeweils miträtseln durfte mit was für einem Preis wir jetzt diesen Junk bewerten sollen. War eine aufregende Zeit!

          • Jan Svoboda sagt:

            @Claire
            so wie es aussieht, glauben Sie auch an den Weihnachtsmann, die wundersame „Erholung“ hatte einen Grund, die strengen Bewertungsregeln,2007 eingeführt, wurde 2009 wieder gelockert, und siehe da, die Finanzleichen waren wieder am Leben, sofort ab dem Moment war es den Banken wieder erlaubt,ihre Leichen wieder nach ihrem Computermodell zu bilanzieren, nämlich FASB 157, Level 3, also Fantasiepreise. Der systematische Betrug geht weiter Claire und viele dieser Leichen liegen noch weltweit in den Bankendepots.Wenn die Eurozone 1 Bill. Euro NPA zugibt, können Sie sicher sein, dass es 3 mal so viel ist, und in der Rezession noch mehr wird.

          • Claire Deneuve sagt:

            Jan: Nun für die SNB wurde das Weihnachtsgschichtli zumindest wahr, der Stabilsierungsfonds konnte geschlossen werden, die Gewinne wurden realisiert und die Geschichte abgeschlossen, das können auch Sie nicht negieren.
            Ob die heutigen Bestände der Banken auch wirklich noch so dermassen toxisch sind wie die damals beim grossen Betrugssystem 2007 mit dem ganzen instransparenten verbrieften Schrott glaub ich jetzt nicht in dem Ausmasse.
            Sie behaupten schon, wir werden es ja sehen, falls die nächste grosse Kriese wirklich mal eintritt – bis dann ist vieles Spekulation.

          • Jan Svoboda sagt:

            @Claire
            na ja, dafür hat die SNB inzwischen viel grössere Risiken eingegangen, viel Glück damit. Vom verbrieftem Schrott liegt vielleicht nicht mehr alles herum, dafür ist jede Menge vom neuen Schrott dazu gekommen. Die nächste Krise kommt wahrscheinlich auf der Firmenanleihenseite und Falls es Ihnen entgangen ist schon 10% Defaultrate wird etwa 7 mal grössere Verluste bedeuten als 2007 bei den US Hypotheken, aber das ist das optimistische Szenario. Ich will es nicht weiter detailiert behandeln, lassen Sie sich überaschen.

    • Linus Huber sagt:

      Ja, Jan, vielleicht kommt die nächste Rezession auch erst 2021, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wir eine weitere Rezession erleben, gleichwohl was immer die Fixer in den Zentralbanken anstellen. Ich bin bei Ihnen und ziehe es vor ungenau richtig zu liegen als genau falsch.

      • Anh Toàn sagt:

        Ja Linus, überall gibt es eine Rezession, ausser in UK, die treten aus, da wird es ganz toll. Und den USA auch nicht, da ist Donnie vor.

      • Jan Svoboda sagt:

        Hallo Linus
        ich kann mich zwar irren aber in den USA ist der Industriesektor bereits jetzt in der Rezession und die Konjunktur wird nur noch von der Dienstleistungen gezogen, meine Meinung nach braucht es noch 2-3 Quartale bis es auch dort so weit ist. Die Fed hat zwar eingeknickt aber ob sie wirklich wieder QE statret ist fraglich,sie wissen, im Endefekt kann es nicht funktionieren. Ausserdem stehen die Zeichen weltweit auf rot, das wird es möglicherweise noch beschleunigen.

        • Linus Huber sagt:

          Nun, Jan, trotz formellem Abbau der Bilanz des FED ist das Geldmengenwachstum (M2NSA) in den letzten 10 Wochen gegen den normalen Trend einer Abschwächung um diese Jahreszeit höher, was die Gefahr einer Rezession z.Z. noch stark reduziert. Natürlich handelt es sich einzig um einen, wenn auch wichtigen Aspekt, welcher zusätzlich mit viel „lag“ wirkt, trotzdem bietet er ein wenig Gewissheit.

          • Jan Svoboda sagt:

            Linus, das Geldmengewachstum ist nicht mit Wirtschaftsleistung gleichzusetzen, die Geldmenge ist praktisch in jeder der früheren Rezessionen gestiegen, es reicht wenn die Sparquote steigt was eigentlich typisch für Rezession ist und das Rätsel ist gelöst. Umlaufgeschwindigkeit ist massgebend (unter anderem), sehen Sie sich diese Charts an, von Gewissheit keine Spur.Die Fed kann drücken bis sie blau wird, nutzen wird es etwa gleich als wenn man einer Leiche den Wintermantel kauft.
            https://fred.stlouisfed.org/series/M2
            https://fred.stlouisfed.org/series/M2V
            https://fred.stlouisfed.org/series/PSAVERT

          • Linus Huber sagt:

            Jan: Es geht nicht um Wachstum per se sondern um die Veränderung des Wachstums. Öffentlich zugänglich sind hier wohl die diesbezüglich besten Analysen:

            https://acting-man.com/?p=54002

          • Jan Svoboda sagt:

            @Linus welches Wachstum? Ich habe es hier schon geschrieben, ohne die Berechnungsschwindel bei CPI und BIP hätte die USA seit mindestens 25 Jahren kein Wachstum gehabt, das Einzige was wächst sind die Schulden und die tut man dann als Wachstum einberechnen. Warum müssen wohl die US Konzerne Hunderte von Milliarden $ zum Kauf eigener Aktien einsetzen, damit der Gewinn /Aktie scheinbar wächst? Und das Meiste davon auf Pump. Das sind Potemkinsche Dörfer 1A.

          • Anh Toàn sagt:

            „trotzdem bietet er ein wenig Gewissheit.“

            Da bin ich mir ein wenig sicher. Oder ich bin mir da ein wenig unsicher. Ein wenig Gewiss ist da meine Unsicherheit, oder meine Sicherheit oder beides?

        • Linus Huber sagt:

          Dies soll natürlich nicht die Möglichkeit ausschliessen, wie John Hussman vermutet, dass es sich z.Z. um ein „bearmarket rally“ wie in 2001 oder 2008 handelt. Einige Daten wie z.B. Consumerconfidence haben sich im Feb. aufgrund der Beendigung des „shut downs“ verbessert, was den Zyklus zeitlich ein wenig beeinflussen mag.

          • Anh Toàn sagt:

            Von wann hatten wir dann einen Bärenmarkt, in welchem es jetzt eine Rally gibt?

            Seit 10 Jahren haben wir einen Bullenmarkt, mit gelegentlichen Korrekturen, aber einen Bärenmarkt lässt sich seit 2008 nirgendwo erkennen. (Zwei Monate ging es abwärts, von Oktober bis Mitte Dezember 2018, das ist doch kein Bärenmarkt!)

          • Linus Huber sagt:

            Das ist genau der springende Punkt: Sollte sich herausstellen, dass die Aktienmarkthöchstwerte hinter uns liegen, handelt es sich z.Z. um ein bear market rally.

          • Anh Toàn sagt:

            Heute ist der letzte Tag der Menschheit! (Sollte sich herausstellen, dass morgen die Welt untergeht)

          • Anh Toàn sagt:

            „Sollte sich herausstellen, dass die Aktienmarkthöchstwerte hinter uns liegen, handelt es sich z.Z….“ um eine Topbildung.

          • Linus Huber sagt:

            Sie scheinen sich an belang- und bedeutungslosen Wortspielchen zu erfreuen; verständlich unter Berücksichtigung des Umstandes, dass Sie nichts gehaltvolles beizusteuern wissen, aber offensichtlich in jeder Diskussion dabei sein wollen.

          • Anh Toàn sagt:

            Ach „bearmarket rally“ war ein Wortspielchen?

        • Linus Huber sagt:

          Jan: Hier ein Vergleich zu 1937:

          https://twitter.com/jessefelder

  • Nadine Binsberger sagt:

    Egal ob negativ oder positiv: Zinsen sind so oder so Diebstahl an jemandem, der Werte erarbeitet hat, dann aber nicht selber davon profitieren kann.

  • Josef Marti sagt:

    Bei diesen Dingern handelt es sich um Offenmarktgeschäfte welche die Zinsen am langen Ende insbes. von Staatsanleihen Südeuropas drücken sollen, und der negative Einlagesatz soll indirekt die Neuverschuldung der Staaten fördern resp. erleichtern, es zwingt die Geschäftsbanken ihre Bilanzen stark zu verlängern um den impact der negativverzinsten Überschussliquidität auf die Zinsmarge abzumildern. Insbes. der Zustand Italiens erlaubt es vorerst nicht den negativen Einlagesatz aufzuheben. Dabei nicht zu vergessen, dass die Abwicklung jeweils über die nationalen Notenbanken erfolgt.

    • Zufferey Marcel sagt:

      Völlig richtig: Die EZB verfolgt eben doch eine „Hidden Agenda“. Und die beinhaltet weder Preisstabilität noch Wirtschaftswachstum, zumindest nicht prioritär. Es geht (mittlerweile nur noch) darum, u. a. Italien weiter bei der Schuldenstange zu halten. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Heimat von Pizza, Tagliatelle und Spaghetti die am zweitstärksten verschuldete Volkswirtschaft der Welt ist (in Prozent vom BIP)! Ein Blick auf die Risikoaufschläge bei den CDS, die auf Italien laufen, weisen mittlerweile Rekordwerte aus- und das nicht ohne Grund!

      • Rolf Zach sagt:

        Von welcher Verschuldung reden Sie, Herr Zufferey?
        Was Sie über die Ziele der EZB verkünden, ist, verzeihen Sie mir für meine Unhöflichkeit, blanker Unsinn. Fragen Sie doch die Italiener, ob sie den € abschaffen wollen. Sie schimpfen natürlich lieber über die EU, aber die stabile Währung wollen sie behalten und was zahlen diese alttestamentlichen Kläger für ihre Hypothekar-Zinsen, einiges weniger als unter der Herrschaft der Lira.

        • Zufferey Marcel sagt:

          @Rolf Zach:

          https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Staatsschuldenquote

          Okay, Italien ist nicht an zweiter, sondern erst an sechster Stelle.

          CDS Italien:

          http://www.worldgovernmentbonds.com/cds-historical-data/italy/5-years/

          Zum Vergleich:

          http://www.worldgovernmentbonds.com/cds-historical-data/greece/5-years/

          Und jetzt Norwegen:

          http://www.worldgovernmentbonds.com/cds-historical-data/norway/5-years/

          Ergänzend:

          http://bit.do/eJGeK

          „(…) Die Beharrlichkeit der EZB-Politik liess manche Beobachter vermuten, sie verfolge die «hidden agenda», die Refinanzierungskosten von hochverschuldeten Euro-Mitgliedstaaten zu begrenzen oder zu senken. In der Tat bleibt der massive Ankauf von Staatspapieren durch die EZB umstritten.“

        • Zufferey Marcel sagt:

          Eine Antwort ist in der Warteschlaufe, Herr Zach.

          • Marcel Senn sagt:

            Zufferey: Interessante Seite, kannte ich noch nicht.
            Der CDS Governement Spread von Venezuala ist ja echt far out mit 72’150.20. Dürfte vermutlich ein neuer Negativweltrekord sein!

          • Zufferey Marcel sagt:

            Senn: Ich weiss nicht, wie seriös diese Site ist, habe ich so auf die Schnelle ergoogelt. Zuhause habe ich einen CBS-Link, item: Getoppt wurde / wird Venezuela wohl nur noch von Simbabwe.

          • Marcel Senn sagt:

            Zufferey: Kenne ähnliche Seiten, auch die von Ihnen erwähnte Seite würde ich als seriös einstufen, die zeigen auch nur auf, was der Markt für CDS Spreads hat.
            Zimbabwe war gar nicht auf der Liste, ob die in Zeiten der Hyperinflation höhere CDS Spreads hatten ist mir nicht bekannt.
            Das Country Risk ist aktuell auf jeden Fall in Zimbabwe einiges tiefer als in Venezuela.

            http://pages.stern.nyu.edu/~adamodar/New_Home_Page/datafile/ctryprem.html

          • Zufferey Marcel sagt:

            @Senn: Auch sehr gute Seite. Interessant ist auch, wo genau die heutigen Unternehmenssteuer-Paradiese liegen.

            Sie leben ja in Paraguay oder Bolivien, wenn ich mich nicht irre. Wie gross werden die Auswirkungen der Venezuelakrise auf Südamerika sein?

          • Rolf Zach sagt:

            @Zufferey Marcel
            Habe zu meiner Verteidigung auch so eine nennenswerte Liste gefunden. Übrigens danke ich Ihnen sehr für Ihre Hinweise, solche gute Statistiken sind immer ein Rüstzeug für gutes Verständnis, auch wenn man sie für die eigene Sache hübsch zurechtbiegt.
            https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der Länder_nach_Haushaltsverschuldung
            Daraus ersehen Sie, dass Italien mit 41 % im 33. Rang ist, die Schweiz ist an der Spitze mit
            128,3 %, Deutschland mit 52,5 % und Frankreich mit 58,6 %. Wie gesagt, auch Frankreich hat eine Wohneigentums-Quote von 64,4 %, die Schweiz ist das Schlusslicht in Europa mit 43,4 %. Als Gesamtverschuldung ergibt sich daraus für Italien 174,4 % für Italien bezogen auf das Volkseinkommen und 171,3 % für die Schweiz, was sagen Sie dazu?

          • Marcel Senn sagt:

            Zufferey: In Uruguay – ist doch ein wesentlicher Unterschied zu Paraguay und Bolivien.
            Ja es kommen immer mehr Venezuelaner auch hierher. Für Uruguay ist Venezuala weniger bedeutend, ausser bei den Treibstoffen, wo die ein paar unglückliche Geschäfte mit Venezuela gemacht haben und einiges abschreiben mussten. Uruguay ist auch ein Hochpreisland, im Gegensatz zu Bolivien und Paraguay, wo es ziemlich günstig ist.
            Die schlechte Situation in Argentinien und vielleicht auch auch bald mal in Brasilien schlägt den Urus mehr aufs Gemüt. Es kamen im Januar 29% weniger Touristen, was für ein Sommerferienland wie Uruguay einiges an Einbussen bedeutet und schon ein paar Hotels und Restaurants den Todesstoss gaben.

        • Zufferey Marcel sagt:

          @Zach: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Hier ist so Eines:

          https://www.fuw.ch/article/der-chart-des-tages-1499/

          Da tauchen natürlich schon langsam Fragen auf- und zwar Berechtigte, wie ich meinen würde!

        • Zufferey Marcel sagt:

          Zach & Senn: Meine Antworten lösen sich leider in Luft auf.

    • Rolf Zach sagt:

      Diese armen Italiener, sie sind einfach zu bedauern, haben ein Eigenheim-Quote von 72 %, dagegen die Schweiz von 42 %, sogar die USA hat nur 64 %. Italien hat einen Leistungsbilanzüberschuss von 2,6 %, dass stolze England mit seinem BREXIT Wahn ist im Minus mit 4,1 %. Die private Spar-Rate ist immerhin 8,3 % und damit über der von der reichen USA von 6 %. Bekanntlich ist auch das durchschnittliche Vermögen der Italiener höher als das der Deutschen.
      Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten will niemand in Europa, aber die Italiener sind Spezialisten im Geschrei darüber, was andere Länder wie Frankreich still und hart verhindern, dass solche nach Frankreich kommen. Die übrige EU bezahlt diskret Mittelmeer-Anrainer, dass diese Flüchtlinge gar nicht das europäische Ufer erreichen.

      • Josef Marti sagt:

        Italien hat seit einiger Zeit LB Überschüsse va. wegen rückläufiger Importe und die Aussenverschuldung ist gering. Man ist aber noch lange kein Nettogläubiger wie Japan welches seit dem 2. WK in absoluten Zahlen die mit Abstand grösste Nettoauslandsposition der Welt aufgebaut hat; dass dabei die Staatsverschuldung fast doppelt so gross wie in Italien ist macht im Gegensatz zu Italien null Eindruck auf die Finanzmärkte. Kommt hinzu dass Italien noch mit ca 400 Mia Targetschulden in der Kreide ist.

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