Was die Krisen in Argentinien und der Türkei verbindet

Wird früher oder später gezwungen sein, Kapitalverkehrskontrollen einzuführen: Argentiniens Präsident Mauricio Macri. Foto: Marcos Brindicci (Reuters)

Nach der Türkei hat es auch Argentinien voll erwischt. Der Peso hat seit April fast die Hälfte seines Werts verloren, das Vertrauen in die argentinische Währung ist verschwunden.

Argentinean Peso

 

Warum das Vertrauen gerade jetzt verschwunden ist, lässt sich bei beiden Ländern nicht genau erklären. Die Gründe, die zurzeit kursieren, sind erst im Nachhinein entstanden. Die Chronologie der Ereignisse ist immer unberechenbar.

Trotzdem kommt der Vertrauenverlust nicht zufällig. Beide Länder, die Türkei und Argentinien, sind äusserst verwundbar, weil sie stark von Auslandskrediten in ausländischer Währung (Dollar, Euro) abhängig sind. Sobald die ausländischen Gläubiger das Gefühl bekommen, ihre Anlagen seien nicht mehr sicher, gerät die Währung unter Druck, was wiederum weitere Abflüsse auslöst. Es handelt sich in beiden Fällen um eine typische Schwellenland-Finanzkrise.

Der Grund zur Sorge der ausländischen Investoren

Die Abhängigkeit lässt sich an einer Kennzahl leicht ablesen: dem Leistungsbilanzdefizit (Current Account Deficit). In der Türkei betrug es 2017 5,5 Prozent des BIP, in Argentinien 4,8 Prozent. Die Leistungsbilanz drückt aus, wie viel ein Land an Gütern, Dienstleistungen, Finanzerträgen und Löhnen exportiert und importiert. Wenn ein Defizit entsteht, ist das Land auf Kapitalimport angewiesen. Wenn ein Schwellenland über eine längere Zeit Leistungsbilanzdefizite anhäuft, ist praktisch garantiert, dass früher oder später die ausländischen Gläubiger den Stecker ziehen.

Turkey Current Account to GDP Argentina Current Account to GDP

Eine weitere Kennzahl zeigt, warum die ausländischen Gläubiger Grund zur Sorge haben: die Inflation. In der Türkei kletterte sie über die 10-Prozent-Grenze, in Argentinien erreichte sie bereits 2016 mehr als 40 Prozent und konnte 2017 nur bis 20 Prozent reduziert werden. Der jüngste Inflationssprung in beiden Ländern ist eine Folge des Währungszerfalls.

Turkey Inflation Rate Argentina Inflation Rate

Unterschiedlich ist nur die Reaktion der Regierung. In der Türkei verweigert sich Präsident Recep Erdogan einer Zusammenarbeit mit den USA und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Er möchte auch keine Austerität durch Sparprogramme oder Zinserhöhungen. Da die Devisenreserven als Folge des Kapitalabflusses knapp werden, müssen früher oder später Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden.

Die Regierung in Buenos Aires hingegen kooperiert mit dem IWF. Präsident Mauricio Macri hat eben die Zentrale in Washington ersucht, die nächsten Kredittranchen schneller auszuzahlen – mit dem Versprechen, das Haushaltsdefizit mit Sparmassnahmen und neuen Steuern schneller zum Verschwinden zu bringen. Der Notenbankzins ist bereits auf 60 Prozent erhöht worden, um die Abwertung zu bekämpfen.

Im Unterschied zu Erdogan muss Macri auch teilweise ausbaden, was seine Vorgängerregierung unter Cristina Fernández de Kirchner angerichtet hat. Die Präsidentin hat die argentinische Notenbank entmachtet, ihre Devisenreserven entfremdet und eine expansive Geldpolitik durchgesetzt. Die hohe Inflation von 2016 ist auf ihre Misswirtschaft zurückzuführen.

Vermutlich wird aber auch Argentinien nicht darum herumkommen, Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Das Vertrauen ist verschwunden, und in der Regel helfen Austeritätsmassnahmen kurzfristig nicht, es wiederherzustellen. Argentinien ist gezwungen, dem gleichen Drehbuch zu folgen wie die Türkei, auch wenn der liberale Macri mit dem autoritären Erdogan wenig gemeinsam hat.

43 Kommentare zu «Was die Krisen in Argentinien und der Türkei verbindet»

  • Rolf Zach sagt:

    Ein großes Fragezeichen ist der Besuch des türkischen Präsidenten in Berlin.
    Die deutsche Elite ist gegenwärtig auf der Strasse des Masochismus und nimmt mit Kusshand jede Beleidigung der Türken entgegen. Sieht man auf den Bildern, wie jetzt der türkische Präsident den deutschen Außenminister empfängt. Man sieht nur die türkische Nationalflagge und zwar doppelt, von der deutschen gar nichts. Auch früher, bei Besuch von Kanzlerin Merkel bei Präsident Erdogan, war nur ein kleines deutsche Mini-Fähnlein auf dem Tisch, im übrigen Raum riesige Flaggen der Türkei.
    Kann sein, dass die deutsche Regierung dem türkischen Präsidenten ohne Auflagen erneut Geld gibt und dafür dies bei ihren Bürgern einspart, inkl. den Deutsch-Türken, die in ihrer Mehrheit über Präsident Erdogan begeistert sind.

    • Anh Toàn sagt:

      Ach gehen Sie an eine Pegida Demo, da gibts Deutsche Fahnen und die Forderung nach Deutschem Geld für Deutsche Loser. Und wenn Muslime und Juden verkloppt werden, brüllts Hurra!

      • Anh Toàn sagt:

        Die auf Rechten „besorgten Bürger“ besorgen es den Niggern, den Kopftuchmädchen, den Zigeunern, den Schwuchtlen und den Kommunisten.

        • Anh Toàn sagt:

          Leute wie Sie her Herr Zach, und darum greife ich Sie an, geben diesem braunen Mob die Rechtfertigung.

          • Anh Toàn sagt:

            Die Deutsche Regierung gibt dem Erdogan deutsches Geld dafür, dass er die Nigger weghält von Deutschland.

            Das ist für nichts in meinen Augen, rausgeworfenes Geld, aber doch nicht in Ihren Augen.

            So und jetzt mach ich mich an die Grundstückgewinnsteuererklärung meines türkisch-muslimischen Klienten, der in die Schweiz kam, ein Restaurant übernahm, Wohneigentum für seine Familie erwarb und etwas zum vermieten dazu:

            Wäre der nicht gekommen, hätte dies ein Schweizer machen können, der jetzt wegen diesem Türken Alkoholiker ist und von Sozialhilfe lebt.

            Die Beurteilung eines Menschen auf Grund dessen Hautfarbe, Religion, Nation ist dumm.

            Rassen gibt es keine, die Franzosen haben das Wort gestrichen aus der Verfassung, mit Null Gegenstimmen im Parlament.
            Chapeau!

        • Rolf Zach sagt:

          Wegen der Hautfarbe wollen wir nicht diskutieren, dass für zu nichts und ist eine Diskussion der Blödheit, wie Sie gesagt haben. Es gibt unter uns Menschen keine Rassen, dass würde nämlich biologisch bedeuten, dass wir uns untereinander nicht fortpflanzen können. Immerhin haben sich auch der Neandertaler und der heutige Mensch gepaart.
          Aber der Mensch erfand die Zivilisation dafür, um sich von den anderen zu unterscheiden und bis in die Aufklärung hinein, hat er daran fröhlich herumgebastelt. Warum hat Rousseau eigentlich den edlen Wilden vor der Zivilisation gebracht? Denn gab es nie, aber er konnte doch nicht sagen, Leute alles was hier habt, ist Humbug, ihr müsst eine diesseitige Zivilisation erschaffen, die sich um eure realen Probleme kümmert.

          • Rolf Zach sagt:

            Eine Konsequenz von Rousseau ist die Erklärung der Menschenrechte, nicht gerade ein Lieblingsthema unserer christlichen Kirchen. Auch die übrigen Religionen haben diese Erklärung nicht in ihren Kanon aufgenommen.
            Aber nur eine einzige Glaubenslehre hat es gewagt die Erklärung der Menschenrechte öffentlich zu desavouieren, nämlich der Islam.
            Er hat seine eigene Erklärung verkündet, dass haben nicht einmal Mao, Stalin und Castro gewagt. Da wurden 1,5 Milliarden Menschen zu einem Stamm erklärt, der sich von der übrigen Menschheit abspaltet und alle seine Riten gegen den menschlichen Fortschritt verteidigt. Zurück zu einem Art universalen Stamm, der sich einmauert. Es gibt Leute, die bezeichnen dies als Multi-Kulti. Da bin ich so intolerant wie Rousseau.

          • Anh Toàn sagt:

            „Da wurden 1,5 Milliarden Menschen zu einem Stamm erklärt, der sich von der übrigen Menschheit abspaltet und alle seine Riten gegen den menschlichen Fortschritt verteidigt.“

            Bei den Juden sind es nur zig Millionen, die sich zu einem Stamm erklären und alle Riten gegen den menschlichen Fortschritt verteidigt. So rückständig bescheuert sind die Juden.

            Franziskus desavouiert die Menschenrechte nicht, er sagt öffentlich, man müsse die so auslegen, dass die dem übergeordneten Willen Gottes entsprechen (Neujahrsansprache 2018): Darum keine Abtreibung, keine Homosexualität (Gott will, dass Mann und Frau heiraten und viele kleine Kinder machen, und das müssen die, das ist Menschenpflicht, nicht Menschenrecht). Er stellt das göttliche Recht über jedes positive Recht (=Gesetz).

          • Anh Toàn sagt:

            Wenn dies der Papst tut, oder die jüdischen Theologen, sagt mir dies jedoch rein gar nichts darüber, ob jetzt Katholiken oder Juden rückständiger, dümmer, frauenverachtender oder was weiss ich als Atheisten sind. Es sagt mir gar nichts darüber, wie der einzelne Jude, der einzelne Katholik, ist oder denkt.

          • Anh Toàn sagt:

            Und wenn die das machen, die Muslime und die Katholiken und die Juden, ihr göttliches Recht übers Gesetz stellen, in ihren Reden und Schriften und Dogmen, ist es weder an mir noch an einem modernen freiheitlichen Staat, dies zu verurteilen und zu sanktionieren. In aufgeklärten Staaten darf jeder so rückständig sein wie er will, im Denken und Reden und Schreiben. Sanktionen gibt es erst, wenn konkrete Handlungen konkrete Gesetze verletzen.

          • Rolf Zach sagt:

            Na, dann gehen Sie, geehrter Anh Toàn, einmal zu den progressiven und liberalen Engländern nach London, wo die öffentliche Rechtssprechung Teile der Scharia akzeptiert
            und nach dieser auch Urteile verfasst. Das heißt, man verletzt unser universales Recht für alle, nach Rousseau den Volonté générale. Überall in Europa ist es eine Mode-Erscheinung Verständnis für das islamische Gesetz aufzubringen, betrifft auch das jüdische. Nur der Papst hat Schwierigkeiten seine Glaubens-Vorstellungen in staatliche Gesetze einzubringen, mit Ausnahme von Polen und Lateinamerika. Und wo befindet sich die Entwicklungsstufe dieser Länder, die Frauen verbieten Abtreibungen nach Vergewaltigungen vorzunehmen?

          • Anh Toàn sagt:

            „Na, dann gehen Sie, geehrter Anh Toàn, einmal zu den progressiven und liberalen Engländern nach London, wo die öffentliche Rechtssprechung Teile der Scharia akzeptiert“

            Werden Sie konkreter: Ich glaube nicht, dass in UK ein staatliches Gericht irgendetwas anderes anwendet, als UK Recht.

            Ob mir die Schweiz Polygamie verbietet oder erlaubt, sie wendet nicht religiöse Regeln an, beim Verbot keine christlichen und bei Erlaubnis keine muslimischen, sie tut dies auf Grund von staatlichen Gesetzen.

          • Anh Toàn sagt:

            Erlaubt ein Staat Polygamie, ist er doch eigentlich liberal, aber die Christen brüllen dann mit den Braunen: Sharia mrd eingeführt!

  • Rolf Zach sagt:

    Türkei Ende 2017 453 Milliarden $ Auslandschulden (5’500 $ pro Kopf Ausland-Schulden, Pro-Kopf Einkommen 10,500 $), Argentinien 363 Milliarden $ Auslandschulden ( 8,280 $ pro Kopf Auslandschulden, Pro-Kopf Einkommen 14,460 $). Diese Zahlen beider Volkswirtschaften sind nicht erfreulich, aber Argentinien hat trotz allem die reichere Bevölkerung und ein sehr großes privates Ausland-Vermögen, ähnlich wie Israel, was die Türkei definitiv nicht hat.
    90 % der argentinischen Exporte werden für die Weltwirtschaft durchaus benötigt, dagegen ist diese Zahl bei den türkischen Exporte nur 60 % und bei diesen 60 % hat sie die Konkurrenz von Indien, China und Bangladesh. Die türkische Exportstruktur ist in ihrer Wertschöpfung sehr schwach.

    • Rolf Zach sagt:

      Seit Jahrzehnten versteht es Argentinien nicht, seine auf dem Weltmarkt stark nachgefragten Güter mit mehr Wertschöpfung auszustatten. Dies hat Brasilien in jeder Hinsicht besser gelöst.
      Bei der Türkei kommen noch ihre ständig mottenden Unruhen in ihren östlichen Provinzen dazu. Ferner wird mit dem Sieg von Assad in Syrien wahrscheinlich das Erdöl von Kirkuk nicht mehr über die Pipeline auf türkischem Staatsgebiet zu ihrem Mittelmeerhafen Ceyhan gehen. Eine Bankrott-Erklärung für die Ziele der türkischen Außenpolitik.
      Man kann ruhig erklären, Ende Sept. 10 Lira für 1 $ und ein Moratorium für sämtliche Fremdwährungsschulden der Türkei Ende 2018.
      Wo hat der Gläubiger von Argentinien und der Türkei bessere Aussichten. In beiden Ländern sind sie nicht gut, aber negativer in der Türkei.

  • Rolf Zach sagt:

    Es ist der Türkei absolut unmöglich, auf ihren Exporten Steuern zu verlangen, wie dies Argentinien in grotesk übertriebener Weise die Kirchner Regierung gemacht hat und die Regierung Macri als Nachfolgerin das komplette Gegenteil davon. Neoliberalismus bis zum Exzess und Abschaffung jeglicher Export-Steuern, die Herr Macri jetzt wieder einführen muss. Diese Hütt und Hot-Politik ist alles andere als gut für eine langfristige Entwicklung. Bösartig gesagt, ja nicht selber denken, entweder Chicago oder eine peronistische Almosen-Wirtschaft ohne langfristigen Verstand.
    Was Argentinien fehlt, dass es ihre von der Welt begehrenswerten Güter nicht versteht mit mehr Wertschöpfung zu verbinden und so ihre Konjunktur zu stabilisieren und auf langfristiges Wachstum zu bringen.

    • Rolf Zach sagt:

      Argentinien ist ohne Zweifel das beste Land für Rindviecher. Aber was exportiert man heute Sojabohnen bis zum Exzess, damit wir anstatt Fleisch von dort, unsere einheimischen Antibiotika Rinder mit Genuss verzehren. Wohl bekommst! Was hat Argentinien für Beamte für ihre Exportwirtschaft?
      Die Rindviecher liefern nicht nur Fleisch, sondern auch Häute. Was macht man? Man exportiert die Häute, anstatt sie selber zu gerben. Warum nicht Schuhe der besten Qualität aus Argentinien, anstatt aus Italien? Denn Chinesen kann man immer noch den Schrott-Markt an Schuhen überlassen.
      Die Argentinier sollten sich ebenso für einheimische Schuhe von hervorragender Qualität begeistern wie für Fußball.

  • Rolf Zach sagt:

    Wenn der IWF zielt immer in seinen Maßnahmen darauf hin, mittels einer disziplinierten Geldpolitik bei Staat und Zentralbanken Gläubiger in Fremdwährungen zu beruhigen, damit sie keine Verluste erleiden und ihr erneutes Vertrauen auch auf die Gläubiger in heimischer Währung überspringt.
    Der IWF versucht immer die akute Krise eines Landes möglichst schnell zu lösen, aber nie deren langfristige Wirtschaftsplanung zu steuern.
    Wenn aber Länder, immer wieder seit 1950 auf dem Radar des IWF erscheinen, was bei diesen beiden Ländern der Fall ist, muss man sich schon Fragen, ob die überhaupt jemals eine seriöse Wirtschaftspolitik hatten.
    Was sind die bedeutendsten Gradmesser über den Erfolg der Wirtschaft dieser beiden Länder?

    • Rolf Zach sagt:

      Nach meiner Ansicht sind es die Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens. Hier hat die Türkei eindeutig besser abgeschnitten als Argentinien, obwohl natürlich die Türkei in der Vergangenheit ein viel ärmeres Land war als Argentinien.
      Ebenso wichtig ist der Harvard Index der Komplexität der Exportwirtschaft dieser Länder. Hier ist die Türkei auch besser dran, nämlich bei Rang 43, Argentinien auf Rang 83.
      Was aber nie beachtet wird, ist ob ein Land mit Vollkosten oder Deckungsbeitrag exportiert. Wahrscheinlich die Hälfte der türkischen Exporte findet so statt. Industrielle Exporte, die immer auf entsprechende Importe für ihr Segment angewiesen sind mit geringer eigener Wertschöpfung und einem schwachen Absatzmarkt. Der Harvard Index ist gut, aber leider zeigt er nur Quantität nicht Qualität.

  • Rolf Zach sagt:

    Bei Argentinen wird man philosophisch und kann es mit rationaler Ökonomie eigentlich nur oberflächlich erklären. Wenn man eine Welt ohne Staaten und Soziologie hätte, würde Argentinien sicher diejenige Ecke auf unserem Planeten sein, wo sich das Paradies befindet. Im Grunde genommen ist Argentinien mehr natürliches Paradies als mein Heimatland. Es ist wahrscheinlich nicht gut, wenn ein Land zuviel davon hat, irgendwie reitet uns dann der Teufel.
    Sicher sind die Argentinier so fleißig wie wir Schweizer, aber sie leben in der besseren Natur und da darf das vollkommene Glück nicht einziehen. Seit 1890 (Baring-Krise) haben wir diese ständig wiederkehrenden finanziellen Schwierigkeiten dort. Argentinen hatte 1913 ein höheres Pro-Kopf Einkommen als Kanada und ich glaube als die Schweiz.

    • Josef Marti sagt:

      Man kann zwar mit Rohstoffen allein reich werden und LB Überschüsse machen, hat dann aber ein einseitiges Preis Klumpenrisiko mit entsprechendem Absturz der terms of trade, siehe Venezuela und früher auch Russland, das haben inzwischen auch die Saudis gemerkt.

    • Marcel Senn sagt:

      Zach: Die CH hatte 1913 zu 1990er Geary Khamis-US$ ein GDP pro Kopf von 4266 und Argentinien 3’797, Kanada hatte 4’447 und die USA 5’301, auch Australien und NZ hatte über 5000 $

      http://www.ggdc.net/maddison/historical_statistics/horizontal-file_03-2007.xls

      Nur war Argentinien 1913 fest in den Händen weniger Grossgrundbesitzer und einer kleinen oligarchischen Elite, die allesamt ein Faible für Paris hatten und in Buenos Aires auch Paris kopierten.
      Der argentinische Landarbeiter musste hingegen in fast schon sklavenähnlichen Verhältnissen malochen. Erst Peron und Evita haben die Verhältnisse in den 40er Jahren verändert, darum wurden sie von der Oligarchie und den Grossgrundbesitzern auch gehasst

      • Rolf Zach sagt:

        Senn, besten Dank für Ihre Ergänzung, besonders wegen 1913. Ich bin immer noch von der Lektüre des Buches von „Hans und Fritz in Argentinien“ beeinflusst, dass ich als Zehnjähriger lesen durfte.
        Der Schweizer Onkel, der diese beiden Buben nach Argentinien einlud, war Verwalter einer riesigen Estanzia, die einer vornehmen Dame in Buenos Aires gehörte. Da wurde da von ihrem Luxuswagen Packard und weiteren solchen Schlitten, die sie besaß, gesprochen. Die Gauchos kamen auch vor, aber nicht in ihrer sozialen Stellung, sondern wegen ihrer Reitkünste.
        Argentinien wie auch Uruguay waren noch bei unseren Großvätern die Traumländer der Auswanderung und nicht so sehr die USA.
        Übrigens mit unseren 400’000 Höflein noch 1950, war die Agrarwirtschaft dort ultra modern.

        • Rolf Zach sagt:

          Trotzdem war der Peronismus nie sozialistisch, sondern ihre Gewerkschaften interessierten sich nur an einer grösseren Teilhabe am Kuchen. Warum man in dieser europäischen Einwanderer-Nation, die gleich wie Kanada in der westlichen Hemisphäre keine Rassenprobleme hat, nicht vorwärts gekommen ist, ist ein Rätsel? Der Literatur-Nobelpreisträger Naipaul hat wahrscheinlich am besten darüber geschrieben.

          • Marcel Senn sagt:

            Zach: Es gab schon 1928 rund 15’600 Auslandsschweizer in Argentinien. 2018 sind es übrigens immer noch ähnlich viele. In Uruguay sind wir nur rund 1000, davon 800 Doppelbürger.
            .
            Dass die Bücher damals nur von der Sonnenseite Argentiniens berichtet hat, erstaunt nicht. Literatur über das Elend war damals nicht so en vogue.
            Vielleicht wollte man mit diesen Büchern auch nur noch mehr potentielle Auswanderer „gluschtig“ machen.
            Beim Peronismus gibt es einen Links- als auch Rechtsperonismus. Dass man den nicht 1:1 mit Sozialismus gleichsetzen kann ist mir klar.

  • Beat Müller sagt:

    Es stellt sich einfach die Frage was ist besser? Eine Regierung die zwar auch korrupt war, aber sich noch um das Volk kümmert oder ein korrupte unfähige Regierung, denen das normale Volk eigentlich sch…egal ist, die nichts besseres weiss als sich dumm und dämlich in Devisen zu verschulden und jetzt fast schon ähnlich wie Griechenland unter der IWF Knute ist und sein Volk ausbluten lässt.
    Argentinien ist als Finanzparia der Welt gar nicht so schlecht gefahren, es wurde notgedrungen mehr im Land produziert, der Normalbevölkerung ging es definitiv viel besser als heute.
    Ob das Modell „Bienestar“ (Wohlergehen) Argentinien auch so schnell ins Elend geführt hätte wie der inkompetente Schuldenmacher Macri, der den Geierfonds das Geld nachgeworfen hat um sich zu verschulden, fraglich?

  • Rolf Zach sagt:

    Die Entwicklung in der Türkei kann man mit Leichtigkeit erklären. Mann muss nur ihre Exportstruktur untersuchen und ihre Komplexität der Volkswirtschaft bei den Exporten. Natürlich ist der Agrar-Sektor, zusammen mit gewissen Erzen, wie Chrom, am stärksten innerhalb der türkischen Wirtschaft für Exporte. Auch die Exporte der Textilwirtschaft sind erfreulich, aber da sind Bangladesh und Indien viel stärker und China tummelt sich immer noch als Elefant in diesem Markt. Dabei ist zu bedenken, dass wegen dem Islam die türkische Mode ein trauriges Dasein fristet. Mailand und Paris kassieren diesen Markt zulasten von Istanbul.

    • Rolf Zach sagt:

      Der Export von technischen Fertigwaren ist nur eine Station des Durchgangs von Importen zu Exporten mit geringer Wertschöpfung der türkischen Industrie. Wer kauft schon Vestel-Produkte in Europa, etwas für die Ärmsten der Armen.
      Auch ist die natürliche Bevölkerungszunahme in der Türkei, wenn auch nicht mehr so lebhaft wie früher, immer noch da und einiges mehr als die der Deutschen.
      Kommt noch das politische hinzu. Die jetzige Regierung schätzt Loyalität und nicht Kompetenz. Ebenso ist die türkische Außenpolitik ein völliges Desaster.
      Man verschuldete sich mit Milliarden von Euro und Dollar im Ausland, um einen völlig spekulatives Immobilien-Bubble zu finanzieren. Was passiert bei einem Erdbeben in Istanbul? Ist die Vorsorge genügend?

    • Maiko Laugun sagt:

      @Rolf Zach: „Dabei ist zu bedenken, dass wegen dem Islam die türkische Mode ein trauriges Dasein fristet.“

      Meinen Sie die Verschleierung?

      Falls ja, dann haben Sie entweder keine Ahnung, liegen komplett falsch oder Sie hetzen gegen den Islam. Welche Variante trifft zu?

      • Rolf Zach sagt:

        Es ist mir schon bewusst, es besteht ein riesiger Unterschied zwischen den Damen der obersten islamischen Gesellschaft und den einfachen Frauen, die mit Kopftuch oder mehr in den armseligen Stadtviertel in den Riesen-Städten der islamischen Ländern für ihre Familien versuchen, deren Leben sicher zustellen.
        Wie ist es im Iran? Die dortigen Frauen hassen das Kopftuch und wollen deren Abschaffung, obwohl die Iranerinnen und vor allem die jüngeren bezogen auf die islamische Welt das Kopftuch am elegantesten tragen.
        Jedes Modezentrum ist doch bemüht, dass ihre Modelle auf der Titelseite von „Vogue“ erscheinen und deren Chefredaktorin Anna Wintour so etwas wie die Päpstin der Mode ist. Bin überzeugt, gilt auch das ehrgeizige Schanghai.

        • Rolf Zach sagt:

          Für Anna Wintour ist Paris und Mailand entscheidend, ob sie zu dieser komischen fashion week in Istanbul erschienen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf alle Fälle mit diesen Frauenkleider des Alltags, die aussehen wie Vogelscheuchen, ist kein wirtschaftlicher Erfolg auszumachen und diese Alltags-Kleidung bestimmt auch den Erfolg bei der gehobenen Kundschaft, die Namen und Markenartikel sucht.
          Man macht die Stoffe und den Profit davon haben die Italiener und die Franzosen und dies nur wegen der Religion, dabei heißt es nur im Koran, man soll sich sittlich kleiden, gilt für Männer und Frauen. Auch wir laufen nicht nackt oder halbnackt in Unterhosen durch unsere Städte und gehen so einkaufen. Ist das Kopftuch ein intelligentes und immer gesundes Kleidungstück und der Schleier auch?

          • Maiko Laugun sagt:

            @Rolf Zach: „Auf alle Fälle mit diesen Frauenkleider des Alltags, die aussehen wie Vogelscheuchen, ist kein wirtschaftlicher Erfolg auszumachen …“

            Eben, Sie haben keine Ahnung: Unter dem Schleier tragen die Frauen westliche Mode und sind süchtig danach. Habe selber in Saudi Arabien gearbeitet/gelebt, zusammen mit meiner Ehefrau. Ich weiss, von was ich rede. Damit meine ich den Konsum von westlichen Textilien und nicht die Produktion dieser.

            Bei Ihnen geht es wohl eher um ein Islam-Bashing.

          • Rolf Zach sagt:

            Welche Frauen tragen darunter westliche Kleidung? Die Armen sicher nicht, und die sind im Orient die Mehrheit! Der große Schriftsteller George Simenon hat einmal gesagt, in seinen Romanen kommt Politik und Religion nicht vor.
            Wollen wir hier also Max Weber’s Gedanken hinsichtlich von Religion und Wirtschaft völlig auf die Seite tun. Also tun wir es und wir sprechen nicht mehr darüber, aber es wird uns beide weiter verfolgen!

          • Maiko Laugun sagt:

            „Die Armen sicher nicht,…“

            Klar, im Heidiland tragen ja alle Gastarbeiterinnen nur teure Edel-Klamotten.

            *Seufz*

  • Gianni Dal Pont sagt:

    Das Erdogan Trump die Schuld des Lirazerfall gibt , liegt auf der Hand , im anbetracht seiner Waehler . Wer aber nicht dermassen hörig ist , der konnte bereits vor 7 Jahren beobachten , also ohne Trump , dass die TL in grossen Schritten am sinken war . Ebenso waren die Leerstaende im Immobiliensektor ein Indikator , obschon dort die Regierung den Altbaubesitzer entgegenkam und die Miete bis zur fertigtellung der neuen Immobilien bis 1200TL übernahm ! Den ersten Schritt hat Erdogan bereits eingeleitet , Dollar Konten werden um einiges höher besteuert , er hofft damit , dass die Besitzer ihre Reserven in TL wechseln , was ein Traum bleiben wird . Was die Kapitalverkehrskontrolle anbelangt , die reichsten Türken , meistens AKP nahe Bürger , haben ihr Vermögen bereits im Ausland .

  • Josef Marti sagt:

    LB Defizit und Inflation hängen immer zusammen. Es gibt kein Land mit chronischem LB Defizit ohne stark inflationäre Tendenz; Ausnahme natürlich wie immer der ans Öl gebundene Petrodollar.

    • Anh Toàn sagt:

      Ein chronisches LB Defizit führt zu Abwertung der Währung gemessen an anderen Währungen. Wird die Abwertung der Währung an inländischen Preisen gemessen, spricht man von Inflation. Inflation und Währungsabwertung sind das Gleiche, halt an etwas anderem gemessen. Das muss nicht gleichzeitig geschehen, auf Dauer kann aber keine Währung zu anderen abwerten, ohne dass sich Inflation in den Inlandpreisen zeigt.

      Ein steigender USD fördert also Inflation ausserhalb der USA. Das kann man auch in Einzelkomponenten zerlegen, Importe, insbesondere Öl, werden teurer. Um die Abwertung zu dämpfen, müssen die Zinsen der Lokalwährung erhöht werden, was aber inländische Produkte, insbesondere Wohnungsmieten, verteuert.

      Der USD ist die Währung der Amis, und damit das Problem des Rests.

      • Rolf Zach sagt:

        Wenn wir es genau untersuchen, haben die Amis eigentlich die Weltwirtschaft immer genügend mit dem kostengünstigsten Goldbergwerk der Welt, nämlich ihrer Noten-Druckerei in Washington mit Geld versorgt. Natürlich war Greenspan die Verantwortungslosigkeit in Person als Leiter der FED.
        Die Gretchen-Frage ist doch ganz einfach, hat der Dollar-Standard die wirtschaftliche Tätigkeit weltweit behindert oder gefördert? Ist die Welt im Zeichen des Dollar-Standards ärmer oder reicher geworden. Ein sehr seriöser Wirtschaftswissenschafter wie Denton ist der Überzeugung die einzelnen Länder, aber auch die einzelnen Individuen, sind heute reicher als vor 50 Jahren. Die Armut ist zurückgegangen. Natürlich haben wir Tropisch Afrika und die islamischen Länder, aber im Durchschnitt ist es besser.

        • Rolf Zach sagt:

          Alle Länder, die ein GDP von weniger als 35’000 $ pro Kopf haben und deren Regierungen heute in der Bredouille finden, sind in diesen Zeiten des leichten Geldes mit dem $-Standard selber Schuld, wenn sie nicht mehr vorwärts kommen.
          Die Türkei und Argentinien sind ein Muster-Beispiel dafür. In Ostasien haben die Länder, die Chance des leichten Geldes genutzt, sogar die notorisch korrupten Philippinen und mit Einschränkung (Islam) Indonesien. Auch Mexiko wurde trotz Drogen-Banden reicher.
          Länder, die heute den IMF anrufen müssen, haben keine Verantwortung, fängt bei der Elite an und das Volk stellt sich auf diese verbrecherischen Eliten ein.
          Da gibt es dann das Elend der illegalen Auswanderung und der ständigen Berieselung der Schuld der reichen Länder, noch heute mehr als früher.

        • Anh Toàn sagt:

          @Rolf Zach „Die Gretchen-Frage ist doch ganz einfach, hat der Dollar-Standard die wirtschaftliche Tätigkeit weltweit behindert oder gefördert? “

          Der Dollar befriedigt ein Bedürfnis, eine Nachfrage, die nach einer globalen Währung und war damit der Welt zweifellos nützlich, besser als nichts. Aber gleichzeitig geben sich die Amis nach Kräften Mühe, ja keine Alternativen zum USD aufkommen zu lassen. Warum wohl? Weil diese, ihre eigene Weltwährung den Amis ganz besonders nützt.

          Und ja, die Amis müssen Schulden machen, damit die Welt reicher werden kann. Aber trotz der Schulden sind die deswegen nicht arm dran: Fressen und Saufen und Anschreiben lassen können auf ewig ist ja nicht soooo schlimm.

        • Anh Toàn sagt:

          @Rolf Zach: „Länder, die heute den IMF anrufen müssen, haben keine Verantwortung, fängt bei der Elite an und das Volk stellt sich auf diese verbrecherischen Eliten ein.“

          Ich würde sagen, Länder die früher keine Verantwortung hatten, rufen heute den IMF.

          Und nun handeln die Amis verantwortungslos, das Volk will es so, „me,myself and I“ ersetzt die Weltpolizei, der IWF wird den Amis nicht eine neue Weltreservewährung bringen.

      • Josef Marti sagt:

        Der nominelle Wechselkurs reflektiert die Inflationsdifferenzen, sofern keine Interventionen und Spekulationen stattfinden. Bei LB Defiziten und FW Verschuldung ist die Inflation vorprogrammiert. Bei fixen Wechselkurssystemen resp. Währungsunion droht anstelle der anfänglichen Inflation die nachfolgende Deflation, siehe Griechenland 2010-15.

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