«Kanzler-Brüning-Politik»

Sieht Parallelen zur desaströsen Geldpolitik Brünigs in den 30er Jahren: Krugman (l.) und der deutsche Brünig (r.).

Sieht Parallelen zur desaströsen Geldpolitik Deutschlands in den 30er Jahren: Krugman (l.) und der damalige deutsche Kanzler Brünig (r.).

Vor zwei Wochen hätte die Eurokrise einmal mehr entschärft werden sollen. Und einmal mehr ist kurz darauf alles noch schlimmer. Hier ein Blogbeitrag des schwer frustrierten Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman zum Thema. Krugman verweist dabei auf einen anderen Beitrag von Ryan Avent von «Free Exchange», dem Blog des «Economist». Avent bezieht sich dort seinerseits auf eine Bemerkung von Krugman. Avents Beitrag empfiehlt sich sehr zur Lektüre in ganzer Länge. Seine Themen sind die Ähnlichkeit der Deflationspolitik unter Kanzler Brüning im Deutschland der Weltwirtschaftskrise mit der Krisenpolitik der Eurozone und die möglichen politischen Folgen dieser Politik.

Die unautorisierte, freie Übersetzung des Krugman-Blogbeitrags ist von mir. Das englische Original befindet sich hier. Die Links entsprechen jenen im Originaltext:

Der düstere Eurogedanken dieses Morgens

Ryan Avent hat einen weiteren Beitrag zum Durcheinander in Europa verfasst:

«Die Europäische Union mit ihrer Währungsunion wurde in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg im Bemühen geschmiedet, sicherzustellen, dass nie mehr ein Krieg den Kontinent heimsucht. Doch seltsamerweise hat Europa sich selbst einigen der gleichen fiskalischen und monetären Fesseln unterworfen, die zum Kollaps in den 1930er Jahren geführt haben. Und jetzt sehen wir wie sich die Geschichte wiederholt. Innerhalb eines von Ungleichgewichten zerrissenen Europas werden die fiskalischen und monetären Schrauben in Ländern erneut angezogen, die keine Chance haben, ihren finanziellen Lasten zu entkommen. Die Märkte greifen an. Aber die Bemühungen, die Situation durch massive Hilfspakete zu retten, erweisen sich als unzureichend und zu spät, um etwas zu nützen. Der Druck innerhalb der ausgepressten Volkswirtschaften wird immer grösser. Dieser Druck wird sich entladen – auf die eine oder die andere Art. Ein Europa, das gehofft hat, dass sich seine historischen Tragödien nie mehr wiederholen, hat selbst Institutionen geschaffen, die die gleichen Tragödien wahrscheinlicher machen. Das europäische Projekt, so wie es jetzt aussieht, ist gescheitert.»

Tatsächlich. Die Grosse Depression in Europa, die für das politische Desaster der 1930er Jahre verantwortlich war, hat viel zu tun mit den Beschränkungen des Goldstandards.

Es ist daher eine bittere Ironie, dass die europäischen Führer in ihrem Bemühen, eine Widerholung der Geschichte zu vermeiden, erneut Bedingungen geschaffen haben, die dem Goldstandard entsprechen. Und als das nicht funktioniert hat, haben sie von den leidenden Nationen verlangt, eine Wirtschaftspolitik im Stile eines Kanzler Brünings zu verfolgen.

Avent hat recht, dass all dies in einem viel geringeren Ausmass als in den 1930er Jahren abläuft. Ich erwarte keine fanatischen griechischen Armeen, die den Kontinent überrennen. Aber es ist dennoch eine schreckliche Geschichte der Torheit.

Soweit Krugman.