Amerikanische Lektionen für Europa

Die Bildung einer Union ist ein hoch komplexer Prozess: Flaggen der EU und der USA. Foto: Eeas

Der europäische Integrationsprozess ist in vielerlei Hinsicht ein neuartiges historisches Experiment. Noch nie haben sich einzelne Nationalstaaten so stark zu einer Zusammenarbeit verpflichtet. Die UNO, der Völkerbund, der IWF oder die WTO sind mit der heutigen EU nicht vergleichbar.

Ganz präzedenzlos ist die europäische Integration gleichwohl nicht. Ein anderes grosses Wirtschaftsgebiet hat sich ebenfalls nur ganz langsam zu einer modernen Union entwickelt: die Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Bundesstaaten hatten nämlich lange Zeit grosse Macht und nutzten diese, um eine Zentralisierung zu verhindern. Besonders deutlich war dies bei der Bildung einer politischen Union. Die 13 Kolonien, die von 1775 bis 1783 ihre Unabhängigkeit von der englischen Krone erkämpften, gaben sich zwar 1787 eine Verfassung. Doch damit war die Union keineswegs unerschütterlich. Mitte des 19. Jahrhunderts spaltete die Sklavenfrage das Land. Von 1861 bis 1865 bekämpften sich deswegen die Nord- und Südstaaten in einem Bürgerkrieg. Erst nach dem Sieg des Nordens war die Union unangefochten.

In drei Anläufen zur Notenbank

Der Bürgerkrieg war ausserordentlich verlustreich. Nie mehr haben mehr amerikanische Soldaten ihr Leben während eines Kriegs verloren als im Bürgerkrieg. Selbst im Zweiten Weltkrieg war die Opferzahl geringer, wie die Grafik zeigt (Quelle). Es erstaunt nicht, dass die Wunden des Civil War bis heute nicht ganz verheilt sind.

Casualties by War

Auch die Währungsunion war keineswegs von Beginn in vollendeter Form da. Zwar galt der Dollar von Beginn weg als Währung, aber die dauerhafte Gründung einer nationalen Notenbank (Federal Reserve) gelang erst 1913. Die ersten beiden Versuche hingegen waren gescheitert. Die Bank of the United States und die Second Bank of the United States existierten jeweils nur zwanzig Jahre, von 1791 bis 1811 und von 1816 bis 1836.

Noch länger dauerte es, bis die Bankenunion vollendet war. Im 19. Jahrhundert kam es wiederholt zu grossen Konkurswellen. Das Bankensystem war schlecht reguliert, es gab keine Einlagenversicherung und keinen Abwicklungsmechanismus. Die Bundesregierung versuchte zwar mit der Gründung von sogenannten National Banks eine Integration des Bankenwesens zu erzwingen, aber dies gelang nicht, weil die Bundesstaaten immer wieder neue Wege fanden, um ihre Interessen im Bankenwesen zu sichern. Die folgende Grafik zeigt, wie instabil das US-Bankensystem in den Jahrzehnten nach Ende des Bürgerkriegs (1865) war (Quelle).

Image result for us bank failures

Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sah es keineswegs besser aus, obwohl die Gründung der Federal Reserve unter anderem deswegen erfolgt war, weil man Bankenkrisen besser eindämmen wollte. Während der Grossen Depression der frühen 1930er-Jahre gingen von rund 25’000 Banken etwa 10’000 Banken unter.

Die Lage beruhigte sich erst mit der Gründung der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), die primär einer modernen Einlageversicherung entsprach, aber auch die effiziente Abwicklung von insolventen Banken erlaubte. Zudem domestizierte die Bundesregierung das Bankensystem durch umfangreiche Kontrollmechanismen. Dazu gehörte auch der Glass-Steagall Act, der die Aufspaltung des Bankensystems in Investmentbanken und Geschäftsbanken durchsetzte.

Bankenunion erst seit den 90ern

Von einer Bankenunion konnte aber noch immer keine Rede sein. Die Aufsicht war weiterhin noch gespalten zwischen den Bundesbehörden, welche die nationalen Banken regulierten, und den Behörden der einzelnen Bundesstaaten, welche die übrigen Banken beaufsichtigten. Ausserdem war es den meisten Banken verboten, ein nationales Filialnetz aufzubauen. Erst in den 1990er-Jahren fiel das Filialverbot im ganzen Land. Erst jetzt konnte von einer vollendeten Bankenunion die Rede sein.

Der Weg zu einer modernen Union war also auch in den USA äusserst langwierig und von zahlreichen Rückschlägen gekennzeichnet. Gleichwohl wäre es verfehlt, die amerikanische Erfahrung ohne weiteres auf die europäische Integration zu übertragen. Die USA hatten von Beginn weg eine Bundesebene, die den Einzelstaaten in wichtigen Fragen übergeordnet war und ihre Macht kontinuierlich ausbaute, während die EU nach wie vor nur über eine schwache Superstruktur verfügt – mit Ausnahme der Europäischen Zentralbank (EZB).

Ausserdem wissen wir nicht, wie lange die EU Zeit hat, um ihr Haus in Ordnung zu bringen. Es ist möglich, dass die Zentrifugalkräfte noch lange zu schwach bleiben, um die bisherigen Integrationsschritte rückgängig zu machen. Aber darauf verlassen sollte man sich nicht.

71 Kommentare zu «Amerikanische Lektionen für Europa»

  • Fassbind Nader Rodolfo sagt:

    Ich weiss nicht, ob man von einer amerikanischen Lektion für Europa reden kann. Europa ist mit ihren unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten dermassen heterogen, dass es sehr fraglich ist, ob es jemals gelingen wird einen Bundesstaat nach amerikanischem Vorbild zu kreieren. Das müsste ein politischer Entscheid sein, dabei stellt sich auch die Frage ob die Politiker in den einzelnen Ländern bereit wären, Macht abzugeben und das bezweifle ich sehr. Dazu kommt, dass jede Nationalität Europa nach eigenen Kriterien umformen will. Es müsste ein gründliches Umdenken stattfinden! Vielleicht in 50 oder 100 Jahren? Wie wird die Welt bis dann aussehen? Grosse Reiche sind kollabiert (das Perserreich, das antike Makedonien, das Alte Ägypten, das römische Reich, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, usw.). Wer das Buch gelesen hat „Aufstieg und Fall der grossen Mächte“ (sehr empfehlenswerte Lektüre) weiss, dass auch der amerikanische Bundesstaat einmal kollabieren wird.

    • J. Kuehni sagt:

      Selbstverständlich kollabiert jede menschengemachte Struktur irgendwann. Ich frage mich, woher dieser Drang kommt, immer alles für die Ewigkeit bauen zu wollen und bloss das absolut perfekte für gültig zu halten. Man muss wohl davon ausgehen, dass dies dem Unvermögen entspringt, die eigene, individuelle Sterblichkeit zu akzeptieren.

      Politische Entitäten müssen nicht ewig gültig sein. Sie müssen bloss eine brauchbare Antwort auf zeitlich und räumlich limitierte Herausforderungen liefern.

      Angeblich ist ja das Gute der Feind des Besseren; Ich glaube, viel öfter ist falscher Perfektionismus der Feind jeder Lösung.

    • Marcel Senn sagt:

      Nader: Finden Sie es nicht fast schon etwas gar anmassend und auch unpassend historische Reiche die hunderte oder wie Aegypten sogar tausende Jahre bestanden haben und dann halt irgendwann mal aus verschiedendsten Gründen wieder zerfallen sind im Laufe der Geschichte mit so einem jungen Pflänzlein wie der EU zu vergleichen, die gerade mal 25 Jahre alt ist.
      Vermutlich haben alle Ihre erwähnten Reiche in deren ersten 25 Jahren ähnlich viel Zwist und Zank Probleme gehabt, bevor sie dann gross geworden sind.
      Vielleicht hat die EU ihre besten Zeiten auch noch vor sich, wer weiss das schon….

  • Monique Schweizer sagt:

    @Boehringer: Viel Ahnung scheinen Sie aber auch nicht zu haben.
    Schon die Bank of England, die durch einen Debt Equity Swap entstand, hielt nur eine Teilreserve bei sich und verlieh darüber hinaus Geld. Ihre Rolle als Lender of last Resort entwickelte die Bank über die Südseeblase. Europaweit entstand ein Teilreservesystem.
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    Und das £ gibt es immer noch, zwar etwas schwächelnd genauso wie Yen, Can-$, CHF und den US$!
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    Dann zeigen Sie mir doch in der Geschichte mal Währungen die länger gehalten haben? Allenfalls die Muschelwährungen in grauen Vorzeiten in einfachsten Volkswirtschaften!
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    Und ja die VSA betreiben eine noch viel grössere sozialistische Transferunion via die NIIP, die mittlerweile schon bei fast minus 8 Bio $ vs. dem Ausland ist. Die USA sind Nettoschuldner

    • Monique Schweizer sagt:

      Im übrigen arbeiteten auch zuvor schon die Goldschmiede und zugleich Geldverleiher nur mit einer Fraktional Reserve. Die gaben immer mehr Papiere raus als dass sie effektiv Gold hatten.

  • randi brunn sagt:

    Ein gravierender Fehler um solche Vergleiche zu machen, ist die Zeit, denn ohne die Zeit, und die Rede ist hier von einer Zeitachse von fast 300 Jahren, fehlt die tragende, entscheidende menschliche und technlogische Entwicklung. Die EU ist kein Experiment sondern rundum eine Fehlgeburt! Je schneller sie aufgelöst wird, umso geringer fallen die Kosten an. Eine Euro-Zentralbank, die laufend Geld druckt um dadurch nur einen Teil der massiven Kosten auffangen kann, welche die EU verursacht, ist Augenwischerei und kann nicht die Lösung sein.

    • Monique Schweizer sagt:

      Die EZB hat doch noch Luft nach oben, deren Assets betragen erst 40% vom €-Zonenbip, in Japan hat die BOJ bald mal 100% und unsere SNB ist schon bei gut 125%…
      .
      Ausserdem hat die EZB von Ihre 4’538 Mrd € Assets 103 Mrd € Eigenkapital, 357 Mrd € Schwankungsreserven und 1’154 Mrd € ausstehende Banknoten, die Quasieigenkapital sind! Und auf der Aktivseite noch Gold für 376 Mrd €, welches gemäss den Krisentheoretikern und Goldgläubigen im Krisenfall ja angeblich steigen soll…
      .
      Die einte oder andere Schockwelle mag die EZB schon noch vertragen, da ist unsere SNB doch etwas fragiler dran.

      • Peter Halter sagt:

        Eine Sichtweise die mir bis dahin unbekannt war aber durchaus Sinn macht. So gesehen ist es eigentlich erstaunlich dass die ganze Welt immer gleich in den CHF flüchtet wenn die Wirtschaft nicht rund läuft.

        • Rolf Zach sagt:

          Weil wir die Tendenz haben, als einzige Währung der Welt nicht das Gedeihen unserer Volkswirtschaft zu betrachten, sondern sich in Deflation zu suhlen. Es ist besser, das Gold verbilligt sich gegenüber dem Schweizerfranken, damit dieser eine bessere Anlage ist als Gold!Eine richtige „Schatzkästli“ -Währung. So denkt der große Manitu aus Herrliberg, so denken unsere Privat Banker in der Zürcher Bahnhofstrasse. Der Bankenplatz ist alles, der Werkplatz ist nichts. Deswegen hat unsere SNB auch den Mindestkurs zum Euro von 1.20 aufgehoben, nur konnten sich dann die Deflationisten nicht so durchsetzten, wie sie wollten.
          Dies heißt nicht, man muss die Inflation fördern, aber das Geld ist im Dienste des Wohlstandes des Schweizer Volkes zu benützen und nicht für Onkel Dagoberts weltweit.

  • Anh Toàn sagt:

    „Die USA hatten von Beginn weg eine Bundesebene, die den Einzelstaaten in wichtigen Fragen übergeordnet war“

    Und dies resultierte im verfassungsrechtlich legitimierten blutigsten Krieg der US Geschichte: Die Sicherung des Staatsgebietes ist oberste Aufgabe eines (Bundes-)staates, Sezession muss mit Gewalt verhindert werden: Eien Sezession einer Minderheit verletzt die demokratisch mehrheitlich beschlossene bundesstaatliche Verfassung:

    Wäre die EU ein Bundesstaat, hätte sie das Brexit Referendum verbieten müssen. So können die austreten und werden doch dabei bleiben, irgendwie: Pragmatismus halt. Den Unterscheid sieht man in Spanien / Katalonien.

    Letztlich ist der entscheidende Unterschied zwischen Staatenbund und Bundesstaat das Sezessionsrecht.

    • Anh Toàn sagt:

      Dieser rechtliche Unterschied erscheint mir ziemlich irrelevant: Ist der Bund nützlich für alle Mtglieder, wird keines austreten wollen, ist er schädlich für ein Mitglied, wird es entweder rausgelassen auch ohne Sezessionsrecht oder es gibt Bürgerkrieg.

      Staatenbünde können pragmatischer handeln. Vielleicht macht dies Staatenbünde, wenn genügend interne wirtschaftliche und persönliche Vernetzungen und genügend externer „Druck“ (China / USA) zum Zusammenhalt besteht, sogar beständiger als Bundesstaaten.

      Aber genau diesen Pragmatismus werfen die Kritiker der EU dieser vor. „Was die EU mit der Kirche gemeinsam hat (TS 15.05.2017 NMTM)“.

      • Anh Toàn sagt:

        Der Zynismus der Nationalen ist zum Kotzen:

        Die 600’000 Toten des Bürgerkriegs und ihre Witwen und Waisen waren bestimmt froh, dass die USA schon lange ein Bundessaat waren, und sie abschlachtete und Bestand hatte:

        Die Nation steht über dem Bürger: Der Bürger hat das Recht zu wählen, für seine Nation als Held zu töten oder zu sterben, oder nur zu sterben, indem er sich als Deserteur, Terrorist, Verräter erschiessen lässt: The Kinks: Victoria:

        I was born, lucky me
        In a land that I love
        Though I’m poor, I am free
        When I grow, I shall fight
        For this land, I shall die
        Let her sun never set

        • Anh Toàn sagt:

          Keine Sau würde für die EU töten oder sterben wollen, das ist das Beste an der EU, aber Euch Nationalisten ist das zu fad.

          • Reto Stadelman sagt:

            Ich kann ihren Optimismus nicht teilen. Es mag ja schön und gut sein, dass niemand für die EU in den Krieg ziehen und sterben will. Die jetzige Situation (Gesetze erlassen die Befugnisse und Ressourcen eines Bundesstaates voraussetzen, aber nur ein Staatenbund sein wollen) kann aber langfristig nicht zum Erfolg führen.
            Entweder wird die EU irgendwann den Schritt hin zum Bundesstaat machen oder sie wird immer ein Spielball von Partikularinteressen bleiben.
            Einer der grössten Fehler der Befürworter des Bundesstaates war (und das habe ich schon mal geschrieben) darauf zu bestehen, dass die EU nur ein innereuropäisches Friedensprojekt sei. Die EU muss europäische Interessen in der Welt schützen können. Das geht ohne „Europatriotismus“ nicht. Da können sie spotten so lange sie wollen.

          • Reto Stadelman sagt:

            Die EU muss sich entwickeln. Sie muss zum Bundesstaat werden oder scheitern. Und das geht ohne die von ihnen verhassten Nationalen bzw. deren Ansichten einfach nicht. Die neue Parole muss klar lauten: Wir als EU schützen europäische Interessen vor denen anderer Global Player. Sie müssen das nicht mögen. Aber sie sollten akzeptieren, dass eine EU die z.B. ihr Territorium nicht schützen will/kann, dazu verdammt ist zu verschwinden bzw. bedeutungslos zu sein.

          • Anh Toàn sagt:

            Die Schweiz war von 1315 bis 1815 ein Staatenbund: Weniger eng als die EU heute verbunden, aber im Kern durch gemeinsame innere Interessen (Ausbeutung der gemeinen Herrschaften) und äusseren Interessen (gegen die grossen damals Österreich und Frankreich.

            Die Grenzen der EU sicher militärisch die Nato: Wären die besser geschützt, wenn die nicht neutralen EU Mitgliedssaaten aus der Nato austreten würden und eine europäisches Verteidigungsbündnis schliessen?

            Die EU schützt europäische Interessen vor den global Playern, ob Staaten oder Grosskonzerne wie Google / Facebook. dazu braucht sie kein Bundesstaat zu sein.

            Man kann nur etwas nicht als Staatenbund: Völkerrechtskonform den Austritt eines Mitgliedes verhindern.

          • J. Kuehni sagt:

            @Stadelmann. Tatsächlich wird sich die EU desto schneller vom Staatenbund zum Bundesstaat wandeln, je intensiver Herr Drumpf und der neue Kaiser von China ihre Länder wieder „Great“ machen wollen.

          • Hans Hödli sagt:

            Stadelmann: Dafür mussten Russen und Amis für die dekadenten degenerierten und unfähigen Europäer in den Krieg ziehen und ihr Leben lassen um jene zu befreien. Immerhin sind die Westeuropäer dafür jetzt moralisch den Amis und Russen überlegen und haben eine EMRK.

          • J. Kuehni sagt:

            „Immerhin sind die Westeuropäer dafür jetzt moralisch den Amis und Russen überlegen und haben eine EMRK.“

            Genau. Man soll ja schliesslich aus seinen Fehlern lernen.

          • Rolf Zach sagt:

            Interessanter Kommentar wegen Unterschied zwischen Bundesstaat und Staatenbund.
            Man kann auch die Sowjetunion herbeiziehen, die auch der flächenmäßig grösste Staatenbund der Welt war, wenigstens juristisch. Wahrscheinlich hätte es einen schlimmen Bürgerkrieg abgesetzt, wäre sie wie 1917 ein Zarenreich gewesen. Die Auflösung der UdSSR bedauert ja Putin zutiefst, was sich bereits jetzt in kriegerischen Konflikten zeigt und es wird noch mehr, während Kollege Erdogan vom Osmanischen Reich träumt. Auch so ein Kriegstreiber, die gegenwärtig von Theorie zur Praxis übergehen.
            Bei Trump ist dies nicht der Fall. Sein Ziel ist nicht der Krieg, sondern die extreme Bereicherung der Super-Reichen in den USA. Haiti wird er bestimmt nicht erobern.

          • Rolf Zach sagt:

            Was die EU als Staatenbund natürlich braucht ist eine gemeinsame ideologische Grundlage. Kein Staat der EU kann nicht eine andere Staatsform haben als die Demokratie und als Grundlage die allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Deshalb ist ein Beitritt eines islamischen Landes wie die Türkei eine Illusion. Demokratie und die Grundsätze der Aufklärung sind nicht in der DNA des Islams, ob sie es werden, ist dahingestellt. Es gab noch 1945 gute Ansätze dafür, heute schämen sich die Moslems darüber und wollen unbedingt die gute alte Zeit vor 1800.
            Auch in Ostasien ist so etwas wie die EU absolut unmöglich. Konfuzius war ein Pragmatiker, aber nicht unbedingt ein Vertreter der Menschenrechte und der Gnade. Mehr als eine Zollunion bringen sie dort nicht zustande und auch die nur mit Krücken.

          • Maiko Laugun sagt:

            Die EU ist per Definition ein Staaten-VERbund, Herr Zach.

        • Rolf Zach sagt:

          Was ich noch unbedingt zum Sezessionskrieg anmerken möchte, ist dies. Lincoln ging es nicht erster Linie, um die Abschaffung der Sklaverei, sondern den Erhalt der Union. Dies ist bekannt.
          Was aber die Witwe des gefallenen Soldaten der Union wirklich real bekam, war freies Land westlich des Mississippi (Homestead Act 1862).
          Hätte der Süden gewonnen, wäre eine weiße Einwanderung dorthin erschwert worden und die Plantagen-Wirtschaft mit Sklaven hätte sich bis Kalifornien ausgebreitet. So hat der Weiße mehr profitiert als der Schwarze, ist aber nicht so bekannt in den US-Schulen. Sollten sich eigentlich die weißen Rassisten im Süden zu Gemüte führen.

  • Peter sagt:

    Der EU fehlt die Legitimierung durch die Bürger! Sie ist damit lediglich eine verkorkste Idee von Bürokraten.

    • Rudolf Hagmann sagt:

      Wie wahr !! Und diese Legitimation würde sie bestimmt nicht bekommen.

    • Alexander Wetter sagt:

      damit haben Sie alles gesagt – aus diesem Grunde hat die EU in der gegenwärtigen Form auch keine Zukunft – Oppositionen, auch zur Währung €, werden langsam immer lauter, selbst in D und NL

      • Franz Marke sagt:

        SVP-Illusionen. Ja wo denn? Ok, Brexit. Und dann? Selbst die Visegrads wollen vielleicht etwas anderes als Macron und Merkel, aber aus der EU will keiner von denen.

    • Franz Marke sagt:

      Wann werden schweizerische EU-Hasser zu begreifen und zu akzeptieren lernen, dass sie nicht repräsentativ für die EU-Bürger sind? In den EU-Staaten herrscht Demokratie. Falls die EU so eine allgemeine Landplage wäre, wie sie unterstellen, würden Mehrheiten für EU-Gegner zusammenkommen. Das hat jetzt knapp beim Brexit geklappt, aber ansonsten auf weiter Flur: Nichts. Dann empfehle ich Ihnen wärmstens, sich über die Anfangsjahre des Schweizerischen Bundesstaates zu informieren. Das war auch kein Volksprojekt.

      • J. Kuehni sagt:

        Passt Herr Marke. Sie rütteln an heiligster Schweizer Volchsmythologie…

        • Rolf Zach sagt:

          Na, wegen der ewigen EU-Feindschaft der Schweizer der Rechten fehlt mir der Glaube. Wenn es nämlich um das liebe Geld geht, sind wir knochenharte Realisten. Nur unser Realismus geht ungefähr so weit wie ein einzelner Fußtritt, aber es ist ihm unmöglich, die nächste Strassen-Ecke zu erkennen oder noch weniger sich die nächste Strasse um die Ecke vorzustellen. Für uns ist dies nicht vorausschauender Realismus, sondern eine Phantasterei. Deshalb muss man Verständnis haben für diese Kommentare wegen nichtsnutziger EU-Bürokratie als Versammlung der verblödesten Menschen in Europa und die EU ist deshalb dem Untergang geweiht. Etwas Argumentation und logische Begründung ist da fehl am Platz. Braucht es nicht, wir leben schließlich nicht bei „Alice im Wunderland“, obwohl es Realismus hat.

  • Hans Hödli sagt:

    Die EU hat keine übergeordnete Armee und keine Bundespolizei. Die Währungsunion ist unvollendet da 10 EU Länder gar nicht dabei sind. Der wichtigste Punkt wird nirgends erwähnt: Die USA hat neben der Fed 12 untergeordnete District Feds, der Euroraum dagegen überlässt jedem Einzelstaat seine eigene Notenbank, dies torpediert die Währungsintegration weil die Geldversorgung dezentral im Interesse eines einzelnen Landes unabhängig und entgegen der bei der EZB zentralisierten Geldpolitik betrieben werden kann, z.Teil ersetzt dies die offiziell fehlenden Ausgleichsmechanismen. Auf der anderen Seit ist es den nationalen Notenbanken verboten ihre eigenen Pleitebanken zu retten, dies muss wie in Irland gesehen vollumfänglich auf Staatsschulden umgebucht werden. Ein chaotischer Flickenteppich.

    • Rolf Zach sagt:

      Was Sie schreiben, ist schlichter Blödsinn. Ich empfehle Ihnen die entsprechenden Satzungen der EZB zu lesen und die sind nicht da, dass sich jede Zentralbank eines einzelnen Landes sich selber ihren Reim darauf machen kann. Die EU wird von einem Exekutiv Board von 6 Leuten geleitet, die für das Tagesgeschäft verantwortlich sind. Diese sind verantwortlich für die Geldpolitik zusammen mit 19 Chefs der Zentralbanken der Länder der EUROZONE und die entscheiden darüber nach Mehrheit in ihrem Rat.
      Punktum und brauchen dafür nicht die Zustimmung einer Regierung, eines Parlamentes und auch nicht des Europäischen Parlamentes und der EU-Kommission. Sie müssen aber über ihre Tätigkeit Rechenschaft ablegen und der Executive Board wird auf 8 Jahre ernannt durch die Regierungschefs.

      • Rolf Zach sagt:

        Zugegen ist die EZB nicht die lupenreine Demokratie, aber bei Geld ist es so eine Sache, da führt zuviel Demokratie zur Verluderung der Organisation. Kann jedermann in seinem privaten Haushalt nachvollziehen.

  • Peter Boehringer sagt:

    Bis hierher ist der Artikel stimmig: „Der europäische Integrationsprozess ist in vielerlei Hinsicht ein neuartiges historisches Experiment. Noch nie haben sich einzelne Nationalstaaten so stark zu einer Zusammenarbeit verpflichtet. Die UNO, der Völkerbund, der IWF oder die WTO sind mit der heutigen EU nicht vergleichbar.“

    Gefragt wurde in EUropa übrigens niemand, ob wir so etwas auch WOLLEN. Ganz im Gegenteil verbürgen die EUropäischen Verträge eben KEINE „Vereinigten Staaten von Europa“, sondern nur einen losen Staatenbund. Für diesen und NUR für diesen gäbe es wohl auch eine demokratische Mehrheit. Ansonsten gilt das bewährte Subsidiaritätsprinzip. Kein Volk Europas will mehr als diesen losen Staatenbund. In dem ganz sicher keine „Bankenunion“ Bestandteil wäre – warum auch?!

    Und genau hier hinkt der ganze Artikel, obwohl er die historische Situation in den völlig anders gelagerten USA korrekt darstellt: Europa war nie ein (fast) unbesiedeltes Gebiet ohne Sprach- und Kulturdifferenzen (die Indianerfrage mal außen vor gelassen – dieses im US-Monokulturalismus störende Element haben die frühen US-Amerikaner ja schon bis zum 19. Jhdt „friedlich“ entsorgt). Europa war seit 2000 Jahren ein kulturell und vor allem sprachlich heterogenes Gebilde. 2000-jährige Kulturen aber schmilzt man nicht einfach so zusammen. In den USA ab dem 17./18. Jhdt ging das noch; und irgendwann verstand man sich als VSA. Die VSE aber will hierzulande außer einigen EUlitären NIEMAND – und wie oben gesagt gibt es weder eine Rechtsgrundlage noch eine demokratische Mehrheit für einen Bundesstaat EU (VSE)!
    => Damit aber ist dieser Folgesatz im Artikel, aus dem alles andere abgeleitet und eine Analogie VSE zu den VSA gezogen wird, falsch: „Ganz präzedenzlos ist die europäische Integration gleichwohl nicht.“

    => Doch: Ein derart antidemokratisches und ahistorisches Experiment wurde eben noch nie gemacht – jedenfalls nie ohne Gewalt und nie erfolgreich. Multiethnische Großsstaaten sind NIE demokratisch und brechen fast immer zusammen. Erst recht solche mit vielen Sprachen (besonders absurd ist, dass nach dem Brexit das Mutterland der einzigen lingua franca in EUropa nun gar nicht mehr Bestandteil dieses EUropas ist noch sein wollte! Noch Fragen??)!

    Der ganz Artikel baut also seine Analogie auf falschen Prämissen auf. Man kann nicht einfach von dieser Fehlannahme her kommend eine scheinbar stimmige Finanzanalogie aufschreiben. Hier muss auch ein FINANZblog mal einen Schritt zurücktreten und die gesellschaftlichen Voraussetzungen, ohne die es keine Ökonomie gibt, ansehen. Und die sind im multikulturellen Babel von Brüssel im 21. Jhdt völlig anders als 1776 in den maximal zweisprachigen (dt-engl) VSA.

    PS: Übrigens hat auch noch nie in der Finanz-Geschichte eine Währungsunion auf Dauer Bestand gehabt! Weder mit noch ohne Bankenunion. Und auch der Dollar als (einziger und längstlebender) fiat Währung der Welt wird eines Tages enden. OBWOHL er die Währung eines halbwegs homogenen und von den Menschen akzeptierten Bundesstaats ist. Ohne Golddeckung existiert auch der Dollar erst seit 1971. Das ist ein historisch kurzes Experiment. Es wird enden (vorige WOCHE alleine haben die VSA 300 Mrd Dollar Neuschulden gemacht!!). Obwohl die Bankenunion der VSA zum Glück der Amerikaner keine echte ist wie sie in EUropa geplant ist. In der EUdSSR ist das schon heute nicht mehr vorgesehen. In den VSA dürfen immerhin kleinere Banken noch ab und zu pleite gehen – transfersozialistischen Dauerwahnsinn wie in EUropa gibt es da nicht – weder über endlose Target2-Aufschuldung noch über ESM oder den in Brüssel geplanten grenzüberschreitenden Einlagensicherungswahnsinn.

    • J. Kuehni sagt:

      @ Boehringer: Die Frage, ob „Sprach- und Kulturdifferenzen“ eine politische Union auf einem bestimmten Gebiet verunmöglichen, hängt ja ganz davon ab, wie gross diese Unterschiede relativ zu den „Sprach- und Kulturdifferenzen“ hinsichtlich externer Mächte sind, nicht wahr? Bestes historisches Beispiel dafür ist die Schweiz.

    • J. Kuehni sagt:

      Der Prediktor für den Erfolg oder Misserfolg eines jeden politischen Gebildes, egal ob Imperial-, Feudal-, National- oder eben Vielvölkerstaat ist hauptsächlich geopolitisch determiniert: Die EU ist eine direkte Konsequenz des relativen Machtverlustes von europäischen Nationalstaaten durch zweifache Selbstzerstörung im letzten Jahrhundert und die Bildung von aussereuropäischen „Superstaaten“. Solange diese existieren, bleibt der Impetus zugunsten der EU erhalten, auch wenn gaaanz viele Leute (besonders in der Schweiz) ihren Kopf vor diesen Realitäten in den Sand stecken.

      • J. Kuehni sagt:

        Jenseits der EU liegt im Zeitalter der USA und China für die Europäer *vielleicht* doch nicht die vielbesungene nationale Selbstbestimmung.

        Da hilft dann auch die Beschwörung von angeblich 2000-jährigen Kulturdifferenzen nichts.

    • J. Kuehni sagt:

      Apropos: Ihre Darstellung der europäischen Geschichte ist extrem einseitig auf Differenzen fokussiert, als gäbe es keine Gemeinsamkeiten (was wohl die selbsternannten Verteidiger unserer christlich-abendländischen „Werte“ dazu sagen würden?)

      In der europäischen Geschichte sind die durch bewaffnete Grenzen markierten Nationalstaaten die Ausnahme und nicht die Regel. Die meisten davon künstliche, jedoch geopolitisch determinierte Gebilde aus dem 19. Jahrhundert, ausgestattet mit geschichtsgeklitterten Mythologien, approbierten Identitäts-Konstrukten und mehr oder weniger erzwungenen Sprachmonopolen.

      • J. Kuehni sagt:

        Davor war Identität lokal gebunden (der „Fremde“ wohnte im Nachbarskaff), Europa hingegen voll von ständig hin- und herziehenden Gelehrten, Kaufleuten, Handwerkern, Wanderarbeitern, Pilgern, Flagellanten und anderen Almosenbezügern, die sich allesamt als der in Rom domizilierten „Christenheit“ zugehörig fühlten, so wie ihre Vorfahren dem europäischen Superstaat „römisches Reich“ als Bürger oder Sklaven verbunden waren.

        Da herrschte (von Wegzöllen abgesehen) volle Personenfreizügigkeit …

        • Erich Ruoff sagt:

          Wohin das mit dem römischen Reich geführt hat, ist hinlänglich bekannt! Schon der Turmbau zu Babel hat nicht funktioniert. Aber da die Menschen nichts lernen aus der Geschichte, versuchen wir es halt ein weiteres Mal!

          • J. Kuehni sagt:

            Tja, Herr Ruoff, nichts hält ewig, am wenigsten wir selber. Sollen wir uns deswegen gleich die Kugel geben?

          • J. Kuehni sagt:

            Wären wir doch in den Höhlen sitzengeblieben, was wär‘ uns da nicht alles erspart geblieben …

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Europa war und ist erfolgreich genau aufgrund dessen, dass es sich aus friedlich miteinander kooperierenden Staaten zusammensetzt. Der letzte Versuch ein europäisches Grossreich zu errichten war wie viele zuvor nicht von Erfolg gekrönt, sondern produzierte viel Not und Leid. Es gilt die machthungrigen politischen Eliten, welche ihre feuchten Träume zu verwirklichen versuchen, im Zaun zu halten, was bei den schwachen demokratischen Mitteln in repräsentativen Demokratien schwierig ist.

          • Anh Toàn sagt:

            „….aus friedlich miteinander kooperierenden Staaten zusammensetzt“

            „Kooperation“ verlangt eine gesellschaftsähnliche vertragliche Bindung: Mittel werden für ein gemeinsames Ziel eingesetzt: Die EU ist dieser Gesellschaftsvertrag, in welchem die europäischen Staaten kooperieren.

            Oder wollten gar nicht „kooperieren“ schreiben?

    • Linus Josef Anton Huber sagt:

      @ Peter

      Sehr guter Kommentar. Wie man langsam und schrittweise aus der Reaktion der Bevölkerung bei Wahlen wahrnehmen kann, mangelt es dem EU-Projekt an genügender demokratischer Legitimation.

      • J. Kuehni sagt:

        So kann man das sehen, so man denn will, Herr Huber.

        > Die Briten haben mit einer Differenz von 4% entschieden, auszutreten. Diese 50/50-Entscheidung führt seither zu einer ausgesprochen hässlichen Spaltung dieses Landes, nicht nur zwischen Ja- und Neinsagern, sondern auch zwischen den einzelnen Mitgliedern dieser um einiges älteren Union. Langsam wirds den Leuten auch bewusst, dass ausserhalb der EU ein deutlich kälterer Wind pfeifft, als man sich das im „Afterglow“ des Empire vielleicht vorgestellt hat.

        Als Resultat des Brexit herrscht ironischerweise unter den Resteuropäern eine bisher unpräzedierte Einigkeit in der Behandlung des Ex-Mitgliedes und ein neuer Schwung in diversen, vom UK bisher blockierten Initiativen zur Vertiefung der Union.

        • Tofa Tula sagt:

          Alles schoene Theorien, mit herbeigezogenen Argumenten unterstuetzt. Wir duerfen…. die EU laesst uns… wenn die EU nicht willl … etc. etc..
          Handel ist nicht, weil die EU will oder nicht will. Sondern weil jemand etwas anzubieten hat wofuer der andere bereit ist, etwas zu bezahlen, weil es ihm das wert ist. Solche Banalitaeten sind ausschlaggebend, werden aber, mit fadenscheinigen Begruendungen und an den Haaren herbeigezogenen Beispielen, einfach zur Seite geschoben. Die EU ist bereit, den neuen Mitgliedern aus dem Osten Geld zu bezahlen, weil es gegenwaertig aus geostrategischen und politischen Gruenden offenbar opportun ist (Waffenexporte). Dass man damit aber den Einfluss Chinas in der EU staerkt (riesige Investitionen in einigen der neuen EU Landern) ist aber nirgendswo zu lesen.

          • J. Kuehni sagt:

            Blogorkus

          • J. Kuehni sagt:

            Handel befriedigt ein Bedürfnis und geschieht nach den Regeln des stärkeren Partners. Der braucht im 21. Jh nicht notgedrungen ein Nationalstaat zu sein und seine Regeln nicht notwendigerweise bösartig. Der stärkere Partner wird aber Kraft seiner Macht versuchen, missbräuchliche Praktiken des schwächeren zu unterbinden.^

          • J. Kuehni sagt:

            Ausserdem möchte ich Sie noch darauf hinweisen, Herr Tula, dass es zwischen blossem „Handel“ und der Integration in einen Binnenmarkt nicht unwesentliche Unterschiede gibt.

            Die Schweiz ebenso wie das UK wird nach einem Ende der Bilateralen (resp. der Mitgliedschaft) weiterhin mit der EU Handel betreiben können, allerdings auf deutlich geringerem Niveau.

      • J. Kuehni sagt:

        > Die Schweiz geniesst den Luxus, kein EU-Mitglied sein zu müssen, weil die EU ihr die wesentlichen (lebenswichtigen) Zugangsrechte zum Binnenmarkt bisher unter einigermassen günstigen Bedingungen gewährt hat. Der Status der Schweiz als Rules-taker passt aber nicht ins Selbstbild einer lautstarken Fraktion von Rechtsnationalen, die mit ihrem konstanten Geschrei vor allem die eigene, nationale Regierung zu plumpen Spagatbewegungen gegenüber der EU zwingen, weswegen die Geduld mit der Schweizer Extrawurst in Brüssel langsam zu Ende geht.

        Ironischerweise könnte die Torpedierung der Bilateralen durch die rechten Scharfmacher dazu führen, dass sich die Schweiz urplötzlich gezwungen sieht, dem Club beizutreten, dannzumal dann ausschliesslich zu EU-Bedingungen…

      • J. Kuehni sagt:

        > In diversen EU-Mitgliedern sind rechtspopulistische Regierungen mit teilweise autokratischen Zügen im Amt: Ungarn, Polen, neuerdings Österreich, vielleicht in Zukunft Italien. Gemeinsam haben die meisten davon das stetige Abrackern am Brüsseler Sündenbock mitsamt Euro.

        Warum sind all diese Länder trotz all dieser Anti-EU-Parteien an der Macht noch nicht dem Beispiel der Briten gefolgt? Warum werden die, sobald sie sich auf Brüsseler Parkett bewegen, so verdammt kleinlaut? Weil Sie Netto-Empfänger sind? Das wäre ja dann ein billiger Nationalismus. Weil sie ausserhalb der Brüsseler Sphäre wieder unter die Kuratel des Onkel Vladimir fallen würden? Weil ihnen das Beispiel der Briten vor Augen führt, dass es ausserhalb der EU doch nicht sooo einfach ist?

        Sagen Sie’s mir, Herr Huber?

      • J. Kuehni sagt:

        Demokratische Legitimität:

        Ein Staatenbund kann nur indirekt demokratisch legitimiert werden. lehnt der Demos in einem einzelnen Mitgliedsland eine neue kollektive Bestimmung ab, müsste die Konsequenz der Austritt dieses Mitgliedes sein (das wollen die aber meistens nicht). Würde man steinhart auf Einstimmigkeit bestehen und keinerlei Nachverhandlungen zulassen, würde nie ein Club zustande kommen. Und die Überstimmung aller anderen Mitglieder durch ein einzelnes Land kann kaum als demokratisches Glanzstück bezeichnet werden.

        Wollte man auf EU-Ebene demokratisch legitimieren, müsste sich der Staatenbund zum Bundesstaat mitsamt europäischem Demos wandeln, in dem das Parlament Gesetze beschliessen und eine Mehrheit der Stände eine Minderheit überstimmen kann.

        • J. Kuehni sagt:

          EU-Gegner, die einen europäischen Bundesstaat strikt ablehnen, aber trotzdem eine Demokratisierung auf EU-Ebene verlangen, habe ich immer als heuchlerisch empfunden.

          Solange ein Mitglied frei austreten kann, wenn ihm die Bedingungen des Clubs nicht mehr passen, ist der demokratischen Legitimität Genüge getan.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Na ja, eine Form des Stockholm-Syndroms scheint auch in zwischenstaatlichen Beziehungen zu wirken. Warten wir ab, bis der Leidensdruck sich weiter erhöht. Dass ein Netto-Empfänger die temporären
            ökonomischen Vorteile nutzt, ist eine legitime Entscheidung. Die osteuropäischen Staaten brauchen Zeit, sich des Traumas als Teil UdSSR zu fungieren, zu entledigen und das notwendige Demokratieverständnis zu entwickeln, sich nicht einzig als Spielball zwischen West und Ost zu verstehen. Die Demokratie ist ein Reifeprozess, in welchem die Bevölkerung sich schrittweise stärker mit politischen Themen auseinandersetzt und die Elite überwacht anstatt willensfrei zu gehorchen. Genau aus diesem Grunde kann man Demokratie nicht von aussen aufoktroyieren.

          • Anh Toàn sagt:

            „Die Demokratie ist ein Reifeprozess, in welchem die Bevölkerung sich schrittweise stärker mit politischen Themen auseinandersetzt und die Elite überwacht anstatt willensfrei zu gehorchen.“

            Ja und wir Schweizer sind die reifsten von allen. Repräsentative Demokratien (Huberchen weiter oben) sind für unreife Bevölkerungen.

            Mann, du bist der Inbegriff eines Rassisten: Wir Schweizer sind reif, der Rest sind Kindsköpfe, unmündige willfährige Abnicker welche trotz Leidensdruck die Elten nicht bändigen können.

            Aber niemand sagt schöner als Sie, dass die Schweizer und die Schweiz das Mass aller Dinge sind, zumindest seit Gott abgeschafft wurde.

          • Anh Toàn sagt:

            Die Osteuropäischen Staaten sind in der EU, weil deren demokratisch minderwertige Bevölkerung noch nicht so reif ist, wie die Schweizer, welche ihr Demokratieverständnis, man weiss es nicht so genau, entweder mit der Muttermilch aufsaugen oder mit dem Käse und der Butter aufnehmen. Die späte Einführung des Frauenstimmrechts lässt Käse und Butter wahrscheinlicher Erscheinen, Frauen sind eigentlich im Demokratieverständnis auch minderwertig, etwa wie die Ossi-Nigger.

          • Anh Toàn sagt:

            Gell. wenn alle so wären, wie die Schweizer und die Schweiz, dann wäre es viel besser.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Wenigstens stehen Sie offensichtlich dazu, dass Sie den Nationalstaat zu „überwinden“ versuchen und Ihnen eine Art NWO vorschwebt. Sie scheinen sich nicht bewusst zu sein, dass damit die Demokratie schrittweise gleich mit eliminieren wird. Aber zu träumen, dass sich die 0,01% bei fehlender Demokratie und damit zwangsfrei zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen und verhalten werden, ist jederzeit erlaubt.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Wenn jemand sein ganzes Leben mit diktatorischen Strukturen konfrontiert ist, erzeugt dies eine Konditionierung und ein Verhaltensmuster, welches nicht über Nacht verschwindet, sondern seine Zeit in Anspruch nimmt zu ändern. Das hat nichts mit Rassismus oder sonstigen Unterstellungen zu tun, sondern mit dem Verständnis für Zusammenhänge des menschlichen Verhaltens.

          • J. Kuehni sagt:

            @Huber: Ob es jemals eine NWO geben wird, ist offen, offensichtlich ist aber, dass die AWO nicht mehr funktioniert. Darüber jammern Sie ja auch dauernd in diesem Forum, gell.

            Und die Demokratie, wie wir sie kennen (an den Nationalstaat gebunden), wird vor unseren Augen durch transnationale Finanz-, Technologie- und Informationsströme aufgelöst (von deren Kontrolle hing das Funktionieren des Nationalstaates ab), eine Entwicklung übrigens, die Sie als libertärer Anarchist ja stets begrüsst haben, nicht wahr.

            Sie können gerne weiterhin ihre Augen davor verschliessen und mir vorwerfen, ich strebe eine NWO an.

            Sue me!

            Sue me!

          • J. Kuehni sagt:

            Der Nationalstaat ist impotent. Er kann sein materielles Sicherheitsversprechen gegenüber den eigenen Bürgern je längers, je weniger erfüllen, sondern bloss noch Standortmarketing betreiben: Sparen bei den Massen, Steuererleichterung für die Mehrbesseren.

            Was von der nationalen Demokratie noch übrig ist, stimmt fleissig (und mit wachsender Verzweiflung) zu, man hofft, dass es bloss die anderen trifft, dafür kann man ja ein bisschen auf den üblichen Sündenböcken herumreiten…

          • J. Kuehni sagt:

            Interessant ist ja, dass diejenigen, die sich lautstark den omnipotenten Nationalstaat samt starkem „Führer“ zurückwünschen (auf dass der ihre alten Privilegien vor den „anderen“ wieder schützen möge) selber mit Hochdruck am Auflösungsprozess arbeiten: White Supremacists aller Länder, vereinigt euch (zur transnationalen Truppe), auf dass wir den Islamo-Faschismus (ebenfalls eine transnationale Truppe) besiegen mögen. Und die transnationale Truppe der „liberalen Kosmopoliten“ wendet sich mit Abscheu von ihren jeweiligen neoauthoritären Landsleuten ab, während die transnationale Gruppe der Ultrareichen sich schon längst in ihr postnationales Steuerparadies verabschiedet hat.

            Ja, hoffentlich erleben wir alle zusammen noch mal eine „NWO“. Sieht aber leider düster aus.

          • Maiko Laugun sagt:

            @J. Kuehni: Danke für den sehr interessanten Link.

            Der rückwärts denkende Linus erkennt nicht, dass es hier um einen Lösungsansatz nach vorne – und nicht um eine simple Abschaffung geht.

          • Linus Josef Anton Huber sagt:

            Nun, Kuehni, natürlich besteht ein Spannungsverhältnis zwischen dem demokratischen Nationalstaat und der Globalisierung, welche in erster Linie von Banken, Grossunternehmen und internationalen Organisationen zwecks Machtgewinn vorangetrieben wurde. Dies wie auch die temporären ökonomischen Vorteile daraus bestreitet niemand.

            Der Fehler liegt darin, dass diese Globalisierung durch etliche politische Entscheide zugunsten der Finanzwirtschaft und den Grossunternehmen mit einem viel zu hohen Tempo vorangetrieben wurde und die damit verknüpften Ungleichgewichte nicht regelmässig bereinigt wurden. Wenn Sie nun die Augen öffnen und sich der fehlenden Nachhaltigkeit dieser gleichförmigen Entwicklung bewusst sind, erkennen Sie, dass sich eine korrigierende Gegenbewegung formiert hat.

    • Taric Trent sagt:

      Ich kann diese Kulturtheorien nicht mehr hören, so ein grobe Verwechslung von Ursache und Wirkung, meistens ein Leben lang. Aber konservative Ideologen haben es gerne einfach wie Psychologen: Das Oben entspricht dem Unten wie das Aussen dem Innen. Voilà fertig die Theorie, der Standpunkt. Schlichte Gemüter, mit wenig zufrieden!

  • W. Hauser sagt:

    Ein sehr guter Artikel mit sehr informativen Zahlen, aberTatsachen sind schwerer zu vermitteln.

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