Das Genossenschafts-Paradox

Das Logo der Bank Raiffeisen an einer Filiale in Köniz. (Foto: Gaëtan Bally, Keystone)

Sollten die Selbstbereicherungsvorwürfe der Staatsanwaltschaft gegenüber dem einstigen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz zutreffen – und das muss sie erst beweisen –, dann wirft das ein sehr schlechtes Licht auf die Genossenschaftsbank.

Die Genossenschafter sind die Eigentümer einer genossenschaftlichen Unternehmung. Meist stehen hier Selbsthilfe und weitere ideelle Ziele im Vordergrund. Sie orientieren sich am Gemeinwohl und verzichten auf eine Gewinnmaximierung. Die demokratische Mitbestimmung hat hier ein besonders grosses Gewicht, und es ist, anders als etwa bei Aktiengesellschaften, nicht möglich, sich durch Geld eine stärkere Mitbestimmung zu erkaufen.

Auf den ersten Blick müsste daher erwartet werden, dass derart motivierte Genossenschafter besonders gut auf das Verhalten ihrer Führung schauen und dass sich die Spitze einer Genossenschaft durch ein Verhalten auszeichnet, das stärker im Sinne der Allgemeinheit oder zumindest der Genossenschafter ist als bei anderen Unternehmen. In der Sprache der Ökonomen bedeutet das: Die Corporate Governance müsste besser sein.

Die Grösse macht den Unterschied

Der 1998 verstorbene US-Ökonom Mancur Olson hätte diesem positiven Bild zur Führung von Genossenschaften klar widersprochen. Nicht weil er etwas gegen Genossenschaften hatte, sondern weil er in seinem Werk «Logik des kollektiven Handelns» gezeigt hat, dass grosse Gruppen mit gemeinsamen Interessen deutlich weniger tun, um diese durchzusetzen, als kleine. Die Konsequenz davon: Je grösser eine Bewegung mit einem gemeinsamen Interesse ist, desto weniger wird ihre Führung durch diese Bewegung eingeschränkt und kontrolliert. Ihre Macht ist daher besonders gross. Auch die Macht zum Missbrauch.

Die Logik ist relativ simpel: Es hat in einer grossen Bewegung wie einer Genossenschaft schlicht niemand einen Anreiz, die Führung zu kontrollieren. Denn das ist mit sehr viel Aufwand verbunden: Man muss sich Informationen beschaffen, man muss sich hervortun und damit Risiken eingehen, man muss Zeit und Geld aufwenden. Doch wenn man damit für die Bewegung insgesamt etwas Positives bewirken kann, dann kommt das allen ihren Mitgliedern im gleichen Mass zugute wie jener Person, die dafür den Aufwand betrieben und die Kosten auf sich genommen hat und das Risiko eingegangen ist.

Kurz: Jedes Mitglied einer Bewegung oder Genossenschaft sagt sich «Warum soll ich es tun?» und wird tendenziell darauf warten, dass jemand anders handelt. Doch weil sich alle in der genau gleichen Ausgangslage befinden, tut niemand etwas.

In Aktiengesellschaften spielt die gleiche Dynamik

Ganz anders sieht es in kleinen Gruppen aus, wie Olson in seinem Werk überzeugend aufzeigt: Denn hier ist die Wahrscheinlichkeit deutlich grösser, dass das einzelne Mitglied durch sein Engagement einen Vorteil erzielt, der sich nicht nur für die Gruppe, sondern auch für das sich engagierende Mitglied lohnt.

Für eine grössere Bewegung und damit auch für eine grosse Genossenschaft hat das zur Folge, dass die meist kleine Führungsgruppe oder sogar die Person an der Spitze einen besonders grossen Einfluss hat. Durch die grosse Mitgliederschaft wird die Macht jedenfalls kaum beschränkt.

Bei sehr grossen Aktiengesellschaften mit einem sehr breit gestreuten Aktionariat, und wenn niemand darunter über einen bedeutenden Anteil verfügt, besteht das gleiche Problem wie bei den Genossenschaften. Ganz anders sieht es aber aus, wenn einzelne Aktionäre oder Aktionärsgruppen über einen bedeutenden Anteil an einem Unternehmen verfügten: Für diese lohnt sich der Kontrollaufwand, weil sie direkt davon profitieren. Das Management wird in diesem Fall in seiner Macht stärker eingeschränkt.

Während die Machtkontrolle bei grossen Organisationen kaum durch eine grosse Masse an gleichberechtigten Mitglieder ausgeführt wird, können andere Mechanismen die Macht deutlich besser begrenzen. Dazu gehören zum Beispiel explizite und kulturelle Regeln und Gesetze, Konkurrenz um die Macht oder der Zwang zu Transparenz.

33 Kommentare zu «Das Genossenschafts-Paradox»

  • Linus Josef Anton Huber sagt:

    Interessanter wäre wohl ein Vergleich zwischen „partnership“ (mit persoenlicher Verantwortung) und „limited company“ (ohne persoenliche Verantwortung).

  • Maiko Laugun sagt:

    „Sie orientieren sich am Gemeinwohl und verzichten auf eine Gewinnmaximierung. Die demokratische Mitbestimmung hat hier ein besonders grosses Gewicht, und es ist, anders als etwa bei Aktie.“

    Eben, ein nur theoretisch vorgegaukelte soziales Gedankengut. Eine Truglösung, nichts anderes. Die aktuelle Praxis zeigt das pure Gegenteil.

    • Rolf Zach sagt:

      In unseren Alpen bestehen Genossenschaften, die seit Jahrhunderten zufriedenstellend ihren Zweck erfüllt haben. Bei diesen Genossenschaften haben Fremde keinen Zutritt, es zählen nur die Bauern, die dort über Land im Tal verfügen. Über diesen Gemeinschaftssinn, der auch langfristig den Interessen jedes einzeln Mitgliedes entgegenkommt, hat Elinor Ostrom, die darüber schrieb, den Nobelpreis für Wirtschaft 2009 bekommen.
      Wenn dagegen Mitglieder dabei sind, die fremden Interessen einfließen lassen, sei es aus Druck oder Habgier, ist die Idee der Genossenschaft kaputt.
      Es ist die Aufgabe der Politik, dass Genossenschaftsrecht so zu gestalten, dass es nie seinen gemeinnützigen Zweck aufgibt und verleugnet mit eigentlich Auswärtigen.

      • Rolf Zach sagt:

        Die Kolchose war eine Vereinigung der Faulen und Drückeberger. Jeder, der dort fleißig war, war ein Dummkopf.
        Es ist aber zu bemerken, dass unsere Rentenanstalt sehr erfolgreich war, so lange sie als Genossenschaft tätig war. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft hat weder der Firma, den Genossenschaftern noch den Kunden viel gebracht.
        In unseren Breitengraden war im allgemeine eine Umwandlung von einer Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft nicht unbedingt von Vorteil, vor allem nicht für die Kunden.

      • Markus Ackermann sagt:

        „Über diesen Gemeinschaftssinn, der auch langfristig den Interessen jedes einzeln Mitgliedes entgegenkommt“
        Richtig, Herr Zach.
        Es lohnt sich wirklich, die Studien von Elinor Ostrom zu lesen
        … über Alpgenossenschaften und die Wasser-Versorgungen im Wallis
        … über schnelle Wassergerichte in Spanien
        … über Polizei-Organisation in Kalifornieren
        Immer sind die schnellen, direkten feedback-cycles ein wichtiges Korrektiv und vor allem anderen: die Langfristigkeit der Mitgliedschaft bzw. des Interesses an der subject matter
        … und damit wären wir bei
        der Rechnungskommission in der Gemeinde,
        der Gemeindeautonomie,
        dem Föderalismus und
        dem Nationalstaat
        .
        Analoge Überlegungen machte Rousseau zur Demokratie im Contrat Social
        .
        Heute redet man vom principal-agent-problem

        • Markus Ackermann sagt:

          „Sitôt que quelqu’un dit des affaires de l’Etat, que m’importe ? on doit compter que l’Etat est perdu.
          L’attiedissement de l’amour de la patrie, l’activité de l’intérêt privé, l’immensité des Etats, les conquêtes, l’abus du Gouvernement ont fait imaginer la voye des Députés ou Réprésentans du peuple dans les assemblées de la Nation. … La Souveraineté ne peut être réprésentée, par la même raison qu’elle ne peut être aliénée ; elle consiste essentiellement dans la volonté générale, & la volonté ne se réprésente point : elle est la même, ou elle est autre ; il n’y a point de milieu. Les députés du peuple ne sont donc ni ne peuvent être ses réprésentans, ils ne sont que ses commissaires.“
          Quelle: Rousseau, Contrat Social, Chapitre XV, Des Députés ou Réprésentans

        • Markus Ackermann sagt:

          Sobald wir Funktionäre einsetzen, dann definieren wir eine „Funktion“ für diese.
          -> Und diese Funktion UNTERSCHEIDET SICH VOM EIGENINTERESSE des Funktionärs (zB von Pierin Vincenz … oder sonst einem Beamten oder CEO): principal-agent-problem
          -> Im Artikel wird von „Governance“ gesprochen. Was soll denn das sein?
          Die Walliser Bauern, die das Wasser verteilen, haben alle ein an sich den anderen Bauern widersprechendes, aber höchst EIGENES Interesse
          … und anders als bei Nomaden und Heuschrecken ein AUF KÜNFTIGE GENERATIONEN sich erstreckendes Interesse: das haben Funktionäre und Beamte nicht. Und genau dieses Interesse der Sesshaften ist Basis und Umfang des Gemeinschaftssinns, den Sie erwähnen. Und DARAUS ergibt sich der set an Werten, die die Bauern im Verhalten steuern

        • Markus Ackermann sagt:

          Das bewirkt zweierlei: Die Genossenschafter sind nicht die Regierung und die Regierung ist nicht der Souverän (d.h.: die Regierung KANN NICHT in LETZTER Instanz entscheiden):
          „Le pouvoir Législatif une fois bien établi, il s’agit d’établir de même le pouvoir exécutif ; car ce dernier, qui n’opere que par des actes particuliers, n’étant pas de l’essence de l’autre, en est naturellement séparé. S’il étoit possible que le Souverain, considéré comme tel, eut la puissance exécutive, le droit & le fait seroient tellement confondus qu’on ne sauroit plus ce qui est loi & ce qui ne l’est pas, & le corps politique ainsi dénaturé seroit bien-tôt en proye à la violence contre laquelle il fut institué.“
          Ein Vertrag (inkl. „Governance“) genügt nicht, sondern ist sogar dysfunktional
          ???

        • Markus Ackermann sagt:

          „Plusieurs ont prétendu que l’acte de cet établissement [d’un Governement] étoit un contract entre le Peuple & les chefs qu’il se donne ; contract par lequel on stipuloit entre les deux parties les conditions sous lesquelles l’une s’obligeoit à commander & l’autre à obéir. …
          Premierement, l’autorité suprême ne peut pas plus se modifier que s’aliéner, la limiter c’est la détruire. Il est absurde & contradictoire que le Souverain se donne un supérieur ; s’obliger d’obéir à un maitre c’est se remettre en pleine liberté.
          De plus, il est évident que ce contract du peuple avec telles ou telles personnes seroit un acte particulier. D’où il suit que ce contract ne sauroit être une loi ni un acte de souveraineté, & que par conséquent il seroit illégitime.“
          Contrat Social, Chapitre XVI

        • Markus Ackermann sagt:

          Die Einsetzung der Regierung (durch den Souverän!!) kann also kein vertraglicher Akt sein, sondern muss ein normativer Akt (des Souveräns) sein, auf der Basis der Interessen (dem „Gemeinsinn“) der Genossenschafter:
          Der konzepzionelle Bruch im Raiffeisenverband liegt in der Auslagerung (der „Ausgründung“) von Tochtergesellschaften für die de-facto-Führung der Raiffeisenbank, die nicht der Souveränität der Genossenschafter unterstellt ist
          … und für DIESE Schwachstelle hilft „Governance“ nicht weiter: wer vereinbart was mit wem?
          … die langfristigen Eigen-Interessen der Genossenschafter (= „Gemeinsinn“) spielen dabei nur semantisch eine Rolle, denn die Eigeninteressen der Funktionäre übersteuern die ersteren
          … weil die Genossenschafter NICHT den LETZTEN Entscheid haben

        • Anh Toàn sagt:

          „Der konzepzionelle Bruch im Raiffeisenverband liegt in der Auslagerung (der „Ausgründung“) von Tochtergesellschaften für die de-facto-Führung der Raiffeisenbank, die nicht der Souveränität der Genossenschafter unterstellt ist

          … weil die Genossenschafter NICHT den LETZTEN Entscheid haben

          Die Genossenschafter haben dieser Ausgründung zugestimmt und könnten diese mit entsprechenden Anträgen rückgängig machen.

          Und die Frage ist, warum lassen die sich über den Tisch ziehen.

        • Anh Toàn sagt:

          Die Raiffaisen hat doch so viele Genossenschafter, die müssten doch immer Recht haben, mit allem was sie beschliessen und auch mit dem, was sie nicht beschliessen.

          Der Beitrag sagt übrigens, dass Aktiengesellschaften ohne Grossaktionäre genau das gleiche Problem haben. Es aus Sicht eines Kleinaktionärs keinen Sinn macht seine berechtigten Interesse gegen die Führung durchzusetzen. Zu gross der Aufwand, zu klein sein Ertrag, zu gering sein „Darinsein“ sein Interesse.

  • Maiko Laugun sagt:

    Den Steuerzahler hat nur eines zu interessieren, nämlich dass die Raiffeisen als System-relevant eingestuft wurde. Es geht hier nicht um ein kleines, schon fast romantisch anmutendes genossenschaftliches Bauern-Bänkli. Es geht um eine System-Relevanz. Die Firmen-/Gesellschaftsstruktur ist dabei zweitrangig.

    „Genossenschafts-Paradox“? Nö!

    Trotz der geltenden Unschuldsvermutung – der mutmassliche Verbrecher Vincenz hat eben genau dies zu seinem eigenen Vorteil ausgenutzt. Er hat – im negativen Sinne – eine genossenschaftliche Bank zu einer Grossbank mutiert, mit all den negativen Nebenerscheinungen.

    Bei deiner Deklarierung zur System-Relevanz hätte der Staat und vor allem die FINMA eine Pflicht, diesem Rechnung zu tragen. Aber eben, es bleibt leider beim „hätte“.

    • Rolf Zach sagt:

      Die Zentralkasse in St. Gallen wurde für eine Geschäftspolitik eingespannt, deren neuartige Bereiche mit diesen vielen Bauern- und Gewerbebank im dörflichen Bereich wenig oder gar nichts zu tun hat.
      Das klassische Beispiel ist der Kauf der Privatbank Notenstein, wo man sich schon damals fragte, warum der Kaufpreis für die Raiffeisen so hoch war. Er wurde ja nie vollständig kommuniziert.
      Wo natürlich die meisten Mitglieder einverstanden waren, war die Ausgabe neuer Hypotheken, wo bei einem erneuten konjunkturellen Abschwung schon eine Krise für die Raiffeisenbanken ergeben kann, unabhängig von Vincenz und seinen Machenschaften.

      • Maiko Laugun sagt:

        @Rolf Zach: „..der Kauf der Privatbank Notenstein..“

        Da hätten schon bei der FINMA die Arlarmglocken läuten müssen.

        Zudem bestätigt auch dieses Beispiel, dass genossenschaftliches Denken genau dann aufhört, wenn Profite winken. Kann mich nicht erinnern, dass es im Falle der Notenstein einen grossen internen Aufschrei gegeben hat.

        Das immer stärker forcierte Hypotheken-Geschäft der Raiffeisen kann man auch als ein Klumpenrisiko sehen. Auch das ist den Genossenschaftern offensichtlich egal.

  • Sabine Schmid sagt:

    Ich sehe das Problem anders: Es ist nicht ein wie auch immer hergeleitetes Paradox, es ist vielmehr der Kontrast zu anderen, privaten Banken, der genossenschaftlichen Banking-Konzepten einerseits Druck beschert hat, sie müssen ja im Markt bestehen, andererseits aber auch entgegenkommende Sympathien entstehen ließ. Genossenschafter wissen das. Dass sie demokratisch abstimmen, Filialen unterschiedlichster Grösse im Verbund erhalten, hat schon auch einen Coolness-Faktor, wenn man sieht, welche Branchen-Giganten im letzten Jahrzehnt ins Wanken kamen. Dass unter diesen Umfeldbedingungen an der Raiffeisen-Spitze der Schweiz gravierende Unregelmässigkeiten und evtl. Vergehen festzustellen sind, ist Gegenstand von Ermittlungen, aber man kann das mutmassliche Delikt nicht dem Genossenschaftsprinzip per se anlasten. Es steht allerdings ausserhalb jeder Debatte, dass ein solchermassen begründeter Vorwurf vielen Personen, Organisationen, Institutionen und privatwirtschaftlichen Finanzunternehmen gerade so in den Kram passen würde.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Sabine Schmid: „…aber man kann das mutmassliche Delikt nicht dem Genossenschaftsprinzip per se anlasten.“

      Das sehe ich anders. (Siehe mein Kommentar oben.)

  • Wälti Hans sagt:

    Als Genossenschafter einer lokalen Raiffeisenbank zahle ich für Börsentransaktionen, Depotgebühren etc. einiges mehr als bei den Grossbanken (s. NZZ am Sonntag vom 18.3.2018). Der Genossenschaftsanteil wird wohl attraktiv verzinst aber diese Verzinsung ist ja Peanuts – das reicht im Restaurant nicht mal für einen Kaffee… Dann bekomme ich auf irgendwelchen Theatervorstellungen und Seilbahnen noch Discount, welche jede andere Bank auch anbietet. Also wo bleibt denn der Anreiz Genossenschafter zu bleiben ? Bei der Mobiliarversicherung wird ein grosser Anteil der Gewinne in Prämienverbilligungen gesteckt, da profitiere ich als Versicherungsnehmer ganz direkt. Aus welchen Gründen gibt’s das (wie günstigere Spesenansätze etc.) bei der Raiffeisen nicht ? Ach ja, Herr Gisel zockt ja auch noch.

    • Rolf Zach sagt:

      Weil die Zentralkasse von Leuten geführt wird, die die gleichen Löhne haben wollen wie ihre Kollegen bei den Großbanken. Die St.Galler Geschäftsleitung hat ein napoleonisches Machtstreben erfasst und machte im Börsenbereich ihr eigenes Ding, anstatt dies mit Mengenrabatt bei der UBS, CS, ZKB oder Pictet einzukaufen. Mit Vontobel wurde zusammengearbeitet, aber dann gab es das Abenteuer Notenstein, wofür einfach die Masse Kunden bei den Raiffeisenbanken fehlte. Wegen diesen Gründen, Herr Wälti, zahlen sie mehr.
      Die Mobiliar-Versicherung ging nicht auf Einkaufstour im Ausland und wurde nicht größenwahnsinnig wie ihre Schwester Rentenanstalt.

  • Otto Guldenschuh sagt:

    Als der schwyzer Rechtsaussen SVP SR Peter Föhn von ein paar Jahren in einer Würdigungn schrieb für den parteilosen Pierin Vincenz unter dem Titel:
    «Einä vo üüs»
    «Pierin Vincenz verstand es immer und immer wieder, mit seinem Charme und seinem Können das Beste für Raiffeisen und ihre Zukunft herauszuholen.»
    Heute meint Föhn: «Einä vo üüs ist er immer noch. Aber egal, wer vo üüs ä Seich macht, er muss dafür geradestehen!»
    Bedeutet dieses „aber egal“ wohl, als SVPler darf man schon kriminell sein, man darf sich einfach nicht erwischen lassen? Nur passiert das in der SVP vermutlich mehr als in allen anderen Parteien zusammen, dass Politiker angezeigt und verurteilt werden.

    • Rolf Zach sagt:

      Die SVP war die Partei der Gewerbler und der kleineren, mittleren und grösseren Bauernschaft.
      Seit dem Manitu aus Herrliberg sind Milliardäre aufgetaucht, die eigene Fabriken besitzen, aber weder ihre Arbeiter und erst recht nicht ihre Kader anständig bezahlen wollen. Dann kam noch die ganze oberste Manager-Klasse des Finanzplatzes Schweiz dazu, mit ihren etwas politisch naiven Angestellten, wobei die Kader in der Politik nicht mal wissen, was ihre eigenen Interessen sind. Mit Verlaub gesagt, sie sind politisch verblödet. Und so macht halt die SVP Politik und ist gleichzeitig die grösste Arbeiterpartei, weil die oberen Funktionäre der SP ein weiches Herz haben für die multikulturelle Welt und darauf ungemein stolz sind.

      • Rolf Zach sagt:

        Die kleinen Leute müssen dann den Sozialabbau der SVP mit ihrer Schiene der Bereicherung für Import-Monopolisten (wir haben das höchste Preisniveau in Europa) ertragen. Gleichzeitig sind sie von der SP aufgefordert, bei der Einwanderung von ungelernten Arbeitskräften aus Gebieten außerhalb der Euro-Zone frenetisch zu klatschen und die Flüchtlinge, die mit ihrem Hintergrund uns als Industriestaat gar nichts bringen und nur kosten, christlich demütig zu empfangen, vor allem dann wenn sie mehr Geld und Unterstützung erhalten als ausgesteuerte Arbeitslose inklusive Familienväter mit unmündigen Kindern. Kommt noch dazu, dass viele dieser Flüchtlinge unsere normalen Leute verachten. Da kann ich einfach nicht ganz rational denken, es kommen die Emotionen.

  • Hannes H. Müller sagt:

    Das erinnert schon etwas an unseren Staat und – zum Beispiel – an den Verein, der Radio und Fersehen macht. Oder an KESB.

    • Rolf Zach sagt:

      Zu ihrem Kommentar kann man einiges anfügen.
      Entscheidend ist die rechtliche Seite. Eine Genossenschaft hat auch als SRG eine hoheitliche staatliche Seite und untersteht direkt einem betreffenden Gesetz. Es hat als hoheitliche staatliche Aufgaben. Die KESB ist meines Wissens keine Genossenschaft.

  • Wenger Werner sagt:

    Wenn Herr Vincenz zu unrecht Gelder einheimste, sind diese vermutlich nicht von der Raiffeisen zu ihm geflossen. Ergo, hätte kein einziger Genossenschafter irgend etwas herausfinden können. Also ist nicht die Genossenschaft an sich das Problem, sondern die VR-Engagements und den sich für Herrn Vincenz daraus ergebenden Möglichkeiten eine Art Gewinnabschöpfung zu erwirken. Das könnte sogar legal sein. Moralisch jedenfalls nicht. Hier könnte der Gesetzgeber oder die Genossenschaft ansetzen indem sie den Topkadern solche Engagements während der aktiven Zeit verbietet!

    • Florian Bachtel sagt:

      Könnte, könnte, sollte, nur eben es macht keiner aus den oben beschriebenen Gründen. Sind Sie Genossenschafter der Raiffeisenbank? Schlagen Sie es als Traktandum in der nächsten Versammlung vor.

  • Peter Meier sagt:

    Als ich vor einigen Jahren hörte, dass Vinzens, häufig per Helikopter an die Sitzungen flog, wusste ich, dass da noch ein Nachspiel kommt.

  • David Keel sagt:

    Die Vorfälle um Vincenz als Anlass für eine Kritik an den Genossenschaften zu nehmen, ist an den Haaren herbeigezogen. Ist Raiffeisen eine Genossenschaft? Nein. Raiffeisen sind 255 lokale Genossenschaften. Sie zusammen haben eine schweizerische Genossenschaft als gemeinsames Tochterunternehmen gegründet. Und dieses hält Beteiligungen an mehreren Aktiengesellschaften. Die problematisierten Geschäfte sind auf schweizerischer Ebene und in diesen AGs erfolgt. Genossenschafter*innen von Raiffeisen haben in ihrer Bank am Wohn- oder Geschäftsort Stimmrecht, nicht auf Schweizer Ebene. Dort sind es bloss die Delegierten. Und das wäre genauso, wenn die 255 Filialen AGs wären, die zusammen die Zentrale als AG betrieben.
    Wie die Geschichte zeigt, sind AGs keineswegs gefeit vor ähnlichen Vorfällen.

    • Anh Toàn sagt:

      In kleinen Genossenschaften hat der einzelne Genossenschafter viel mehr Bedeutung und viel mehr „Interesse“ im eigentlich Sinn des Wortes; inter-esse, darin sein. Nirgendwo ist der Genossenschafter mehr drin als in einer Wohngenossenschaft. Aber wenn diese zehntausende Einheiten umfassen würde, würde er auch zum kleinen, gewichtslosen Abnicker der Entscheide der Führung degradiert.

      Genossenschaft ist weder besser noch schlechter als AG: Die Fragen sind, was, wann, wo und wie besser ist. Die Genossenschaft ist nicht für grosse Organisationen konzipiert.

  • K.A. Barett sagt:

    Olson hatte völlig recht. Wenn die Macht atomisiert wird, lassen alle die Zügel schleifen. Keiner hat ein vitales Interesse an einer Kontrolle. Dieser Faktor ermöglicht es Alphatieren, ausgestattet mit einem grossen Ehrgeiz und einem ebensolchen Zielwillen, meistens handelt es sich um archetypische Parvenüs, die Kontrolle an sich zu reissen und ihre eigene Macht und somit den eigenen materiellen Gewinn zu maximieren.
    Ideelle Ziele werden bei zunehmender Macht eines Einzelnen und der damit synchron wachsenden Bedeutung des materiellen Erfolgs schnell ad absurdum geführt.

  • Maximilian Gerber sagt:

    Für die Kontrolle hätten wir bei Banken eigentlich die FINMA. Aber diese scheint durch die ungeheuerlichen Missstände bei Raiffeisen nicht sonderlich beeindruckt.

  • Anh Toàn sagt:

    Genossenschaft ist doch ein wenig wie (halb-)direkte Demokratie: In einer parlamentarischen Demokratie gibt es „Konkurrenz um die Macht“, Die Opposition deckt Misstände auf. In der halbdirekten Demokratie ist die Opposition das Volk, regieren tut die politische Elite in einer super GroKo, in der Schweiz nennt man die Zauberformel. Je mehr abstimmen dürfen, umso besser, richtiger wird das Ergebnis.

    Genau so hohl wie Genossenschaft ist besser, ist (halb-)direkte Demokratie ist besser: Die Kommentarspalten (inklusive Herr Somm und Köppel) sind voll von dieser Ansicht, wer die Defizite (halb-)direkter Demokratie aufzeigt, gilt in der Schweiz als Landesverräter: Die Opposition zum System wird mundtot gemacht.

    So Huber und Ackermann, jetzt kommt ihr dran.

    • J. Kuehni sagt:

      Der Ackermann ist drüben bei „History Reloaded“ und lässt da dieselben Textbausteine ab wie immer. EU-Diktatur und so.

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