Finanzkrise: Nichts gesehen oder nichts verstanden?

Zweifelt an den Grundlagen des Modells: Nobelpreisgewinner Joseph Stiglitz. Foto: Edgard Garrido (Reuters)

Die «Oxford Review of Economic Policy» hat ihre neuste Ausgabe der Frage gewidmet, ob das makroökonomische Theoriegebäude in Folge der Finanzkrise neu geschrieben werden müsse. Dazu haben die Herausgeber eine Reihe von amerikanischen Ökonomen gefragt, die dem neukeynesianischen Lager zuzurechnen sind.

«Die grosse Mässigung» war eine Fehlannahme

Man nennt die Neukeynesianer auch Salzwasser-Ökonomen, weil ihre Anhänger meist an den Universitäten der Ost- und der Westküste beheimatet sind. Sie glauben, dass der Staat mittels Geldpolitik die Konjunktur gut zu steuern vermag. Demgegenüber sind die Neuklassiker, die wegen ihres Schwerpunkts in Chicago auch Süsswasser-Ökonomen genannt werden, staatskritischer. Sie glauben, dass die Konjunktur weniger von geldpolitischen Massnahmen als von Produktivitätsschwankungen getrieben wird.

Will das bisherige Modell korrigieren und erweitern: Der französische Ökonom Olivier Blanchard. Foto: Mike Theiler (Reuters)

Die Finanzkrise brachte die Neukeynesianer in Verlegenheit, weil sie vor der Finanzkrise die Botschaft verbreiteten, dass die Geldpolitik so gut geworden sei, dass das Problem der Konjunkturschwankungen fast verschwunden sei. Um zu verdeutlichen, dass ein neues Zeitalter angebrochen sei, sprachen sie von der «Great Moderation», der grossen Mässigung.

In der Tat wurden die Ausschläge seit den 1980er-Jahren kleiner, wie die Grafik zeigt (Quelle):

Image result for great moderation

Die Finanzkrise widerlegte das Vertrauen in die mässigende und allmächtige Rolle der Geldpolitik. Offenbar hatte man etwas Wichtiges ignoriert.

Alles andere als einig

Die «Oxford Review» fragt nun, wie wichtig die ignorierte Realität für die Zukunft der makroökonomischen Theorie sei. Erwartungsgemäss fielen die Antworten auf die Frage der Herausgeber alles andere als einheitlich aus. Hier eine Auswahl von drei Antworten.

  • Eine versöhnliche Position nimmt Olivier Blanchard ein. Er glaubt, dass man immer noch auf dem richtigen Pfad sei und die Grundannahmen des neukeynesianischen Modells (bekannt unter dem Namen DSGE-Modell) richtig seien. Man müsse aber das DSGE-Modell korrigieren, erweitern und mit weiteren Modellen ergänzen.
  • Kritisch reagiert hingegen Joseph Stiglitz. Er hält die Grundannahmen des DSGE-Modells für unbrauchbar. Die sogenannte Mikrofundierung des Makromodells, das heisst die Annahme, dass die Grundlage der Makroökonomie das nutzenmaximierende Individuum (Homo oeconomicus) sei, habe zu wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Drei Dinge müssten viel stärker berücksichtigt werden: die Ergebnisse der Informations- und der Verhaltensökonomie, der Finanzsektor und die heterogenen Interessen der Marktteilnehmer.
  • Paul Krugman sieht hingegen überhaupt keinen Handlungsbedarf. Man habe das Ausmass der Krise überschätzt – nicht weil das theoretische Rüstzeug und die relevanten Daten gefehlt hätten, sondern weil man den relevanten Daten nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt habe: «While there was a failure to forecast the crisis, it did not come down to a lack of understanding of possible mechanisms, or of a lack of data, but rather through a lack of attention to the right data.»

Glaubt, man habe relevante Daten übersehen: Nobelpreisträger Paul Krugman. Foto: Brendan McDermid (Reuters)

Von allen drei Antworten ist aus meiner Sicht diejenige von Krugman am wenigsten überzeugend. Wenn man relevante Daten übersieht, hat das in der Regel systematische Gründe. Anderseits ist es zweifellos richtig, dass ein Paradigmenwechsel wie in den 1930er- und den 1970er-Jahren nicht stattgefunden hat. Offenbar hält sich die theoretische Erschütterung durch die Finanzkrise in Grenzen. Die Lehrbücher sind nicht umgeschrieben worden. Woran dies liegt, ist Thema für einen weiteren Blogbeitrag.

41 Kommentare zu «Finanzkrise: Nichts gesehen oder nichts verstanden?»

  • Markus sagt:

    hey,bin gespannt sowas ähnliches habe ich schon auf https://coozzy.ch/ gelesen – abwarten – mega gruss

  • Claude Lengyel sagt:

    Claude Lengyel
    Wo bleibt die liberale österreichische Volkswirtschaftslehre?
    Bürokraten und Interventionisten können noch so viele Daten analysieren und interpretieren, die Zukunft sehen sie nicht: Der Mensch handelt! Und er handelt frei!

    • Michael Stöcker sagt:

      Sie bleibt in ihrer Versenkung, da sie sich stoisch weigert, ihre partiell guten Erkenntnisse (Stichwort Kreditzyklus) konstruktiv weiter zu entwickeln. Kruder Apriorismus und der infantile Glaube an den schwachen Staat ohne Zentralbanken ist mehr Religion als Wissenschaft. Insofern sollte man diese Apologeten vom Finckenstrich nicht allzu ernst nehmen (einfach mal August von Finck und Thorsten Polleit googeln). Ich empfehle insbesondere Lord Adair Turner: https://youtu.be/i2Sh9iX0EZ0?t=263.

      LG Michael Stöcker

  • Jan Svoboda sagt:

    die Definition des Wahnsinns ist bekanntlich immer das Gleiche tun und jedesmal andere Resultate zu erwarten. Das ist das Kredo dieser keynesianischer Clowns.

    • J. Kuehni sagt:

      Die Wirkmächtigkeit der „keynesianischen Clowns“ war eine relativ kurze Angelegenheit, den meisten Profiteuren davon (dem westlichen Mittelstand ca. 1950 – 1990) durchaus in angenehmer Erinnerung.

      „Immer das Gleiche“ machen die Aristokraten (echte und Möchtegern), Räuberbarone, Oligarchen und Potentaten, die von der neoklassischen Deregulierung und Kapitalismus- & Marktgläubigkeit der neueren Zeit am meisten profitiert haben.

      • Jan Svoboda sagt:

        @Kühni
        Mittelstand ca. 1950 – 1990, Lach, auch eine kaputte Uhr geht zweimal pro Tag richtig, es den Clowns zuzuschreiben ist Schwachsinn, der einzige Motor der Nachkriegszeit war der Investitionsbedarf bedingt durch die Kriegszertörungen, nur für die Ahnungslosen war es ein Wirtschaftswunder. Später dann hat es durchaus noch Profiteure gegeben aber zum Nachteil der Allgemeinheit und mit katastrophalen Folgen. Die Konsequnzen kommen immer später. Und es war keine kurze Angelegenheit, man braucht nur die Charts der Schulden nach 1971 anzuschauen.

        • J. Kuehni sagt:

          Ja in der Tat! Und es war sogar noch schlimmer, *Herr* Svoboda: Der Krieg war der grosse Egalisierer, weil er die global agierenden Kapitalisten auf ihre Heimmärkte zurückgeworfen und die konservative Besitzerklasse zu Zugeständnissen gegenüber den Arbeitern gezwungen hat (vgl. Einkommensdisparitäten vor und nach dem Krieg). Also brauchen wir doch bloss ein neues Grossreinemachen, vielleicht finden wir ja ennet dem nuklearen Niederschlag den *reinen* echten Kapitalismus wieder, das zarte Pflänzlein…

        • J. Kuehni sagt:

          Die soziale Marktwirtschaft im Nachgang von WWII ist nicht vom Himmel gefallen. Die europäische Nachkriegszeit hätte auch ein endloser Alptraum von Aufständen, niederschwelligen Bürgerkriegen, Seuchen und Hungersnöten sein können.

          Stattdessen waren die rechten Schreier angesichts der totalen Katastrophe erstmal für ein paar Jahrzehnte diskreditiert und zum Schweigen gebracht. Ahhh, was für eine wohltuende Ruhe! In Absenz der tollwütigen Rechten (Barbara Tuchman) konnten sogar konservativ-bürgerliche Politiker vernünftige Kompromisse schliessen.

          • Jan Svoboda sagt:

            @kühni
            die soziale Marktwirtschaft war nur ein Tarnbegriff für Planwirtschaft und den schleichenden Sozialismus an dem überhaupt nichts soziales ist. Und nur die völlig Ahnungslosen wollen die ruiniösen Folgen von diesem Schwachsinn in Osteuropa nicht sehen. Eine Marktwirtschaft zu sehen wo überhaupt keine freien Märkte existieren, dazu braucht man schon eine grosse Portion Ignorranz. Und diskreditiert waren keine Rechten,wenn man an National noch Sozialismus anhängt, ist es immer noch Sozialismus.

          • J. Kuehni sagt:

            Ich rede nicht von Osteuropa, Herr Svoboda. Osteuropa hatte nie eine soziale Marktwirtschaft. Die wurden bei ihrer Transformation weg vom Kommunismus von den Chicago-Boys (Freshwater-Economists) gebrieft, schon vergessen? Stichwort „Schocktherapie“ und ab in den hyperglobalisierten „Wettbewerb“.

            Freie Märkte? Perpetuum mobile? Stein der Weisen? Einhörner? Bauern- und Arbeiter-Paradiese? Tja, das ist halt immer relativ. Es gibt keinen Markt ohne Authorität. Polis und Markt sind zwei Seiten der gleichen Münze. Sie können bloss wählen (meistens nicht mal das), ob Sie ihre Handelsaktivitäten lieber von einem Staat (Rechtsstaat oder Diktatur) oder vom organisierten Verbrechen regulieren lassen (je nach Situation sind dann Steuern oder Schutzgelder fällig).

          • J. Kuehni sagt:

            „Und diskreditiert waren keine Rechten, wenn man an National noch Sozialismus anhängt, ist es immer noch Sozialismus.“

            Wirklich, Herr Svoboda, so ein Dummspruch. Hängen Rechte an ihren Nationalismus noch Sozialismus dran, hören sie ja nicht plötzlich auf „rechte Nationalisten“ zu sein, gell.

            Der Unterschied zwischen Nazis und Kommunisten einerseits und Sozialdemokraten andererseits ist, dass erstere die absolute Herrschaft ihrer Partei anstreben, während letztere einen – gezwungenermassen – moderaten Sozialismus im Rahmen einer Demokratie verwirklichen wollen. Die einen wollen ideologische Reinheit, die anderen sind bereit zum Kompromiss.

            Ich weiss, welche Sorte ich lieber mag, Sie auch?

  • Hans Hödli sagt:

    Es gibt nichts Unnützeres und Überflüssigeres als Ökonomen, sie sind Wahrsager, Gesundbeter und Quacksalber, man sollte diese Disziplin endlich der theologischen Fakultät anhängen wo sie hingehört.

  • J. Kuehni sagt:

    Bin nicht einverstanden mit der Charakterisierung der Neo-Keynesianer hier im Artikel als „Ökonomen, die glauben, dass der Staat mittels Geldpolitik die Konjunktur gut zu steuern vermag.“

    Wiki meint dazu: „Saltwater Keynesian economists“ argue that business cycles represent market failures, and should be counteracted through discretionary changes in AGGREGATE PUBLIC SPENDING and the short-term nominal interest rate.

    • J. Kuehni sagt:

      „Aggregate Public Spending“ ist eben nicht bloss Monetarismus. Monetarismus wurde im Gegenteil von den Chicago-Boys als einzig legitime Massnahme der Konjunktursteuerung durch den Staat übriggelassen, nachdem sich im Friedmann’schem Supply-Side-Neoliberalismus weder Staatsmonopole noch fiskalische (und schon gar nicht nachfrageorientierte) Interventionen mit der absoluten Herrschaft des Gottes „Markt“ vereinbaren liessen.

      Friedman und die Chicago-Boys waren Freshwater-Ökonomen.

  • Rolf Zach sagt:

    Mit anderen Worten, Krugman ist der Ansicht, wir haben genug wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen und Daten, um vorauszusehen, wann ein System Amok läuft und eine Krise produziert. Shiller ist da ja ein gutes Beispiel, weil er auf Grund seiner Forschungen mit seinem Buch den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes 2007 voraussagte.
    Ich lese die Kolumnen von Krugman mit Genuss. Er ist scharfer Verfechter vom Versagen des Marktes in einem kapitalistischen System, dass durch korrupte und Macht geile Eliten in Gefahr gebracht wird. Aus diesem Grund hat er bereits mehr als einmal eine Krise vor 2008 vorausgesagt, die nie eingetreten ist, aber sich dann mit einem um so grösseren Knall 2008 bemerkbar gemacht hat.

  • Markus Reichmuth sagt:

    Niemand hatte die Finanzkrise vorausgesehen? Stimmt nicht ganz, es gab Rufer in der Wüste. Aber das gibt es fast immer und niemand weiss, welcher Rufer dann zufällig recht hat… Die Zukunft sieht nun mal kein Finanzpolitiker oder -professor voraus. Immerhin ist’s kleine schlechte Idee, überzeugend zu erklären versuchen, wie’s zur Finanzkrise gekommen ist und was es daraus zu lernen gibt. Da fällt Krugman wohl durch. Bei Blanchard und Stiglitz wär die Diagnose interessant, aufgrund deren sie zu ihren Schlüssen kommen. Aber abgesehen davon, für FinanzPOLITIKER muss zur Zeit ein Schwerpunkt offensichtlich auf Eingrenzung öffentlicher Schulden liegen, was immer Akademia fabuliert.

    • Monique Schweizer sagt:

      Der Ex-BIZ Chefökonom William White hat schon 2003 am FED Meeting in Jackson Hole ziemlich detailliert in einer aufwändigen Präsentation die Finanzkrise 2008/09 vorausgesagt. Nur Alan Greenspan & Co haben ihn einfach ignoriert!
      Das war nicht irgendein Rufer in der Wüste, sondern der hat das in einem der Epizentren der Zentralbankerwelt kundgetan.

      http://www.spiegel.de/international/business/the-man-nobody-wanted-to-hear-global-banking-economist-warned-of-coming-crisis-a-635051.html

      • Rolf Zach sagt:

        Nun, das Buch von Batra mit dem Titel „Greenspan’s
        Betrug“ war nicht eine Vorausnahme der Krise, die 2008 eintrat, aber immerhin eine Beschreibung des Weltbildes und der politischen Handlungen dieses ehemaligen vergötterten Mannes von Wall Street.
        Bevor der Leiter des FED wurde, hat er immerhin es fertig gebracht die US-AHV im wesentlichen kaputt zu machen. Any Rand ist seine Ideologin, die Lehre eines zutiefst inhumanen Weltbildes.

        • Monique Schweizer sagt:

          In einem Interview schildert Greenspan seine Entwicklung:
          „Bevor ich Ayn Rand begegnete, war ich freier Marktwirtschaftler im Sinne von Adam Smith, beeindruckt von der theoretischen Struktur und Effizienz der Märkte. Ich verdanke ihr die Einsicht, dass der Kapitalismus nicht nur effizient und praktisch ist, sondern auch moralisch.“

  • Peter Schenk sagt:

    Es will doch von diesen Typen niemand was dazu lernen, sondern nur abzocken und rechtzeitig aussteigen. Das ganze Finanz- und Wirtschaftswesen ist seit eh und je eine reine Scheinwelt.

    • Adrian Wehrli sagt:

      Achtung, das sind Wirschaftsprofessoren, die zocken nicht. Es ist aber gut möglich, dass Sie keine Ahnung haben.

      Ihr Urteil ist trotzdem unfair und fällt eher auf Sie zurück.

      • Hans Hödli sagt:

        Richtig, die zocken nicht. Die Ök Nobelpreisträger und Betreiber des LTCM mussten gerettet werden weil sie eben nicht gezockt hatten. Sie hatten entsprechend eine überzeugende Begründung: die angewendeten mathematischen Modelle waren 100% wasserdicht, dafür habe sich die Realität aber völlig falsch verhalten.

      • Alexander der Kleine sagt:

        Und Sie sind immer noch der irrigen Ansicht, Wirtschaft oder Oekonomie hätte auch nur das Allergeringste mit einer Wissenschaft zu tun…. oh jeee

  • Jonas sagt:

    Es gibt doch andere Okonomen als Stiglitz und Krugman, warum fragt man nicht beispielsweise Sergio Rossi aus der Schweiz oder Piketty aus Frankreich. Stiglitz und Krugman sind gut das ist zweifellos aber langsam will man auch von anderen horen. Die Medien konnten ihre enge und schmale Sicht etwas offnen. Ich habe das Gefuehl niemand hat eigentlich gar nichts verstanden …

    • J. Kuehni sagt:

      Guter Input. Aber die Ökonomiezunft ist traditionell stark anglozentrisch und als Europäer muss man sich durchaus immer wieder mal eingestehen, dass wir uns nach wie vor (seit 1945 und auch auf anderen Gebieten) trotz weitverbreitetem Antiamerikanismus immer noch an den Amis orientieren. Man zähle bloss mal die Artikel zu irgendeinem Gesellschaftsthema, die mit der Zitation von irgendwelchen US-„Experten“ legitimiert werden. They lead, we follow.

      • Rolf Zach sagt:

        Englisch ist nun einmal die Weltsprache und die US-Wirtschaft ist nun einmal die grösste und vorher war es Großbritannien. Deutschland hat sich wohl zwischen diese beiden Nationen in den Wirtschaftswissenschaften hineingedrängt, aber diese hat durch die Hitlerei und die darauf folgende Katastrophe viel an Kredit und Beachtung verloren.

        • J. Kuehni sagt:

          Die Amis (und Engländer) verfügen aufgrund der Sprache und historischen Bedeutung ihrer Nationen einfach über das grösste Megaphon. Piketty zeigt aber, dass eine andere (Outsider-)Perspektive durchaus fruchtbringend sein kann. Die „Barbaren“ müssen sich einfach im neuen Latein ausdrücken, dann werden sie auch zunehmend gehört.

          Immerhin hat ein Franzmann das bisher bedeutendste Buch zum Thema Ökonomie im 21. Jahrhundert geschrieben.

          • Jonas sagt:

            Ja eben das ist ein Problem, automatisch fragt man in Amerika wenn man Probleme hat. Aber hier in Europa gibts sehr gute Okonomen auch, ich nenne Rossi weil er eben die Finanzwelt sehr gut versteht und Schweizer ist. Die Medien aber folgen diese Gotterverehrung und fragen immer die gleichen.

  • Roman Günter sagt:

    Vielleicht wurde auch alles richtig verstanden und gesehen, aber Fair Value Accounting und Peer-Pressure machten einen Strich durch die Great Moderation.

  • Joe Amberg sagt:

    Ökonomie ist eine ähnlich seriöse Wissenschaft wie Astrologie. Jeder kann alles behaupten, und am liebsten immer das Gegenteil vom Vorredner. Und die Trefferquote der Prognosen ist auch absolut vergleichbar mit derjenigen der Astrologie. Und für sowas gibt es dann sogar noch Nobelpreise – eine sehr gute Marketingleistung!

    • Monique Schweizer sagt:

      Astrologie ist einfach esoterischer Habakuk, da kann jeder irgendwas behaupten.
      Das Problem der theoretischen Oekonomie ist primär, dass die Modelle zu stark vereinfacht sind!
      In der Praxis hingegen fährt Black Rock (und mittlerweile über 75 andere Banken, die diesen als Kunden benutzen) mit dem Wunderrechner Aladdin (Asset, Liability, and Debt and Derivative Investment Network) nicht schlecht, wenn man z.B. die rasant wachsende Assetsumme von Black Rock so anschaut (6.3 Billionen $)
      .
      Vermutlich an der Zeit, dass die Oekonomen von ihren Elfenbeintürmen runtersteigen und sich auch mal einen Aladdin basteln — dann klappts vielleicht etwas besser mit der Erkenntnis. Ohne Einbezug der übermächtigen Finanzindustrie und deren Auswirkungen wird die Oekonomie auch weiterhin scheitern

      • Rolf Zach sagt:

        Ich habe nichts gegen eine Software wie Aladdin und als Vermögensverwalter wäre ich der Letzte, der ein solches Programm nicht verwenden würde, aber die eigene Skepsis und das Hinterfragen der Resultate einer solchen Software muss bleiben.
        Ich schätze Krugman sehr, aber mir ist der ungläubige Thomas, nämlich Stieglitz in seiner Grund-Analyse lieber.
        Der Homo oeconomicus ist immer der Angehörige einer Klasse, die ihre ökonomischen Ziele definiert durch ihre sozialen Ansichten und Realitäten.
        Eine Macht-Elite kann sich total nach gängiger Ökonomie irrational verhalten, aber für die Absicherung ihrer Stellung verhält sie sich rational.
        Wirtschaftswissenschaft ist in der Regel die Dienerin ihres vorhandenen wirtschaftlichen Systems und versucht vor deren Fehlleistungen zu warnen.

        • Marazzi Marco sagt:

          Ich dachte, der homo oekonomicus sei ein abstrakter wissenschaftlicher Begriff, unabhängig von Zeit und Ort. So gesehen könnte er sogar auf einer anderen Galaxie leben …

  • Monique Schweizer sagt:

    Stiglitz sieht wenigstens die Mängel des Modelles, eben unter anderem auch dass der Finanzsektor zuwenig berücksichtigt wird. Ein Sektor der schon 2015 mit 321 Bio $ inkl. OFI und Schattenbanken 400% des Welt-GDP an financial Assets gehalten hat und mit immer neuen und komplexeren Modellen versucht Rendite aus allem zu holen so sträflich zu vernachlässigen, vermutlich auch weil viele der Profs an den Unis schlichtweg zuwenig Ahnung haben (denn sonst wären sie ja Banker oder Hedge Fundler geworden) und man vieles daher einfach unter den Tisch kehrt und verniedlicht.
    Aber bei Krugman habe ich langsam meine Zweifel, der Typ wird wirklich massiv überbewertet. Kein Wunder bekam er neulich von Trump den grossen Fake News Award, so ganz Unrecht hat in dem Falle der Trump mal nicht!

    • Rolf Zach sagt:

      Lesen Sie die Blog von Krugman in der New York Times, sie sind sehr verständlich und betreffen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die US Politik. Ich habe da viel darüber erfahren wie bei Kilian vom Tagi.

  • Monique Schweizer sagt:

    Ironie der Geschichte. Ausgerechnet im Jahr bevor Maggie und Ronnie den Raubtierkapitalismus entfesselt haben und das grosse Finanzcasino definitv eröffneten mit dem Big Bang soll das Jdie great Moderation eingetreten sein.
    Die Real-GDP-Schwankungen wurden zwar langweiliger, dafür die Finanzkrisen umso intensiver und heftiger, 1987, 1990, 1994, 1998, 2000, 2008, 2009 gabs globale Events und seither schwelts mit der Ueberschuldung.
    .
    Solange die Oekonomen sich fast schon starrsinnig dagegen wehren, die Inputs der Finanzindustrie inkl. Schattenbanken und deren Instrumente inkl. Leverage zu ignorieren, werden deren Modelle immer mehr zu Rubbish in – Rubbish out verkommen.
    Kein Wunder sind soviele Oekonomen 2008/09 wie begossene Pudel dagestanden, sie haben wenig bis nix gerafft!

  • Robert F. Reichmuth sagt:

    Mikroök >:< Makroök hin oder her – nach meinem gestrigen ausgedehnten Besuch in meiner früheren Arbeitsstadt Zürich (nein, nicht an der NO-TRUMP-Demo) – mache ich mir absolut keine Illusionen mehr über den Zustand dieser meiner geliebten Z-STADT:

    STICHWORT: anorganisches Wachstum à la Turmbau zu Babel-babel-babel

    NEIN – ich glaube nicht mehr an eine Mässigung durch neue KÖPFE in der
    REGIERUNG – weder in BERN, BERLIN … noch in Z wie Tzsüriiiiiiiiii …

  • Marco Marazzi sagt:

    Salzwasser- und Süsswasseroekonomen ? Ich schlage Kaffeesatz- oder Ziegendärmeleser vor …

  • Joe Cool sagt:

    Krugman: Man habe das Ausmass der Krise überschätzt … Gemeint ist wohl „unterschätzt“.

    Müssen Sie nicht veröffentlichen, wollen Sie aber vielleicht korrigieren.

    • Michael Berger sagt:

      Ohne englisches Original müsste man davon ausgehen, dass Krugman die Auswirkungen der Finanzkrise für nicht so gravierend hält und daher nichts geändert werden muss.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass angesichts der aktuellen Börsenhausse und der eigenen finanziellen Situation mach ein Börsenspekulant diese Meinung vertritt, aber Krugman meint offenbar etwas anderes.

Kommentar

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