Drei Überraschungen im Export

Nächster Halt Russland: Ein Zug von Stadler Rail wird im Rheinhafen Muttenz für den Export verladen. Foto: Patrick Straub (Keystone)

Alle Jahre wieder in den Sommerferien erscheint der Jahresbericht zum Schweizer Aussenhandel (Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung). Weil er dadurch ins Sommerloch fällt, wird er kaum beachtet. Zu Unrecht, denn man findet immer wieder interessante Dinge, zumal sich die Zollverwaltung darum bemüht, nicht nur die Zahlen aufzulisten, sondern sie in einen grösseren Zusammenhang zu stellen.

Diesmal sind mir drei Dinge als überraschend vorgekommen, nicht weil sich 2016 alles geändert hätte, sondern weil das letzte Jahr eine mittelfristige Entwicklung in einen Trend zu verwandeln scheint.

Die erste Überraschung besteht darin, dass der Bilanzüberschuss im Güterhandel trotz Frankenstärke nicht geschrumpft ist, sondern zugenommen hat. Im Lehrbuch steht, dass eine Aufwertung der Währung zu einer Steigung der Importe und einer Senkung der Exporte führt, das heisst, dass der Handelsbilanzüberschuss abnehmen muss. Die tatsächliche Entwicklung des Schweizer Güteraussenhandels sieht aber so aus:

Zweitens ist überraschend, wie einseitig die schweizerische Exportstruktur geworden ist. Heute stammen fast 50 Prozent der Exporte aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Ihre starke Dominanz ist auch der Grund für die positive Handelsbilanz, wie die folgende Grafik zeigt:

Die dritte Überraschung ist, dass Europa als Exportmarkt seit der Finanzkrise deutlich an Bedeutung verloren hat. Mittlerweile gehen noch 56 Prozent aller Schweizer Güter in die Nachbarländer. Nimmt man die EU ohne Grossbritannien, sind es sogar deutlich unter 50 Prozent. Die Grafik zeigt, wie die Schere ab 2009 aufgegangen ist:

Berücksichtigt man zudem nicht nur Waren-, sondern auch Dienstleistungsexporte, ist die Bedeutung Europas noch geringer (Quelle: Bundesamt für Statistik). Die EU ohne Grossbritannien nimmt nur noch 37 Prozent unserer exportierten Waren und Dienstleistungen auf:

Region / Land Anteil an Schweizer Exporten in %
Europa 50
EU 48
Deutschland 14
Vereinigtes Königreich 11
Frankreich 6

Widersprüchliche Folgen

Die Verschiebung ist zum einen auf das höhere Wachstum der aussereuropäischen Märkte zurückzuführen, zum anderen auf den günstigeren Wechselkurs des Frankens gegenüber dem Dollar im Vergleich zum Franken-Euro-Kurs. Im Jahr 2017 dürfte dieser Trend etwas gebremst werden, da der Euro stärker geworden ist und das Wachstum der EU-Länder angestiegen ist. Aber eine Rückkehr zur alten Welt, wo zwei Drittel der Schweizer Exporte in den EU-Raum gegangen sind, ist unrealistisch.

Was folgt daraus? Die Internationalisierung des Handels hat regional gesehen widersprüchliche Folgen. Innerhalb des Landes wird die wirtschaftliche Struktur immer einseitiger (Konzentration auf die Chemie- und Pharmaindustrie), im Handel mit der Welt wird die Struktur immer vielfältiger.

43 Kommentare zu «Drei Überraschungen im Export»

  • Rolf Zach sagt:

    Wir vergessen in einer solchen Diskussion, dass die Leistungsbilanz, wie auch diejenige des Handels in einem mit der Weltwirtschaft so vielfältigen verbundenen Industriestaat wie die Schweiz etwas ganz anderes ist in seiner Qualität, als z. Beispiel ein Land, wo hauptsächlich Rohstoffe und Halbfabrikate exportiert werden und Fertigwaren importiert. Kommt noch dazu, dass der Außenhandel eines solchen Landes mit Rohstoffen der Staat oft den Export und sogar den Import vollständig kontrollieren kann. In den Öl exportierenden Länder sind es die Staatskonzerne, die die Devisen beschaffen und so hat der Staat auch leicht die Möglichkeit die Importe zu kontrollieren.
    Beim Schweizer Außenhandel hat eigentlich unser Staat praktisch keine Möglichkeit mehr diesen irgendwie zu kontrollieren.

    • Rolf Zach sagt:

      Damit stellt sich unweigerlich für die Schweiz die Frage, was verbleiben für Möglichkeiten der Schweizer Politik unseren Außenhandel überhaupt zu gestalten. Ich bin überhaupt skeptisch, wenn man meint unsere Exporte werden in der überwiegenden Mehrheit in Schweizerfranken abgewickelt, der Euro ist hier bereits prominent vertreten. Bei den Importen ist die Sache noch klarer, da herrscht bei Rohstoffen der Dollar und bei den Fertigwaren der Euro. Man zahlt in unserem Außenhandel in Schweizerfranken nicht mehr nur wegen der Kalkulation, sondern aufgrund der Spekulation mit einer Schatzkästli-Währung. Der grösste Nachteil des Schweizerfrankens ist, wir verschulden uns gegenüber dem Ausland nicht in unserer Währung zugunsten unserer Volkswirtschaft.

      • Rolf Zach sagt:

        Der Schweizerfranken ist eine reine Reservewährung für Portfolio der ausländischen Kundschaft unserer Banken und die Aufhebung des Mindestkurses durch die SNB von 1.20 war ein veritables Geschenk für unsere Banken, die aus diversen Gründen begannen Kundschaft zu verlieren. Was die SP früher sagte, nämlich Finanzplatz gegen Werkplatz wurde im Januar 2015 zum ersten Mal Realität.
        Wer meint, die Politik von Herrn Jordan habe keinen Schaden angerichtet, irrt. Wenn man die Sache tiefer anschaut, sind die Margen in der Maschinen-Industrie erheblich reduziert worden und wo früher eine Maschine verkauft wurde mit 50 % Ausland-Anteil (Importe) und 50 % Schweizer Wertschöpfung, sind es heute nur noch 30 % Schweizer Wertschöpfung.

        • Rolf Zach sagt:

          Was ist das Beste, um die Schweizer Volkswirtschaft wirksam durch unsere Politik zu unterstützen?
          Ganz einfach! Vollmitglied der EU zu werden und den Schweizerfranken abzuschaffen und den Euro einführen!!! Würde zum Beispiel einen AHV Fonds von 500 Milliarden Schweizerfranken bedeuten!!

  • Franz Gödl sagt:

    Wie kommt man darauf, von Frankenstärke zu reden? Das ist allenfalls ein nicht überprüfter Glaubenssatz, den man immer in den Mund nimmt ohne darüber nachgedacht oder geprüft zu haben. Der Franken wird gegenüber USD seit 2011 schwächer. Das sind nun schon 6 Jahre und immer noch geister die Frankenstärke herum. 2011 lag der USD/CHF in den tiefen 0.70-er Niveaus und heute liegt er bei 0.96. Wieso ist man also erstaunt, dass der Export anzieht?

    • M. Stadelmann sagt:

      Das tiefe 0.70er Niveau war ja nur eine sehr kurze Zeit und kann als Ausreisser nach unten angesehen werden. 2011 lag der Durchschnitt aus dem Chart geschätzt etwa bei 0.90. Dennoch haben Sie natürlich recht – seit unser liebe SNB so massiv Geld ins Ausland schauffelt, kann man nicht mehr von einer Frankenstärke sprechen (Mindestkurs hin oder her). Zudem hat die SNB ja bereits im Mai die Eckwerte des Aussenhandels Total 1 publiziert (sogar nach den wichtigsten Währungsräumen aufgeschlüsselt). Die 37 Mrd CHF sind seit Mai bekannt. Auch die Dominanz der pharmazeutisch-chemischen Industrie ist schon lange ein Trend.

    • Monique Schweizer sagt:

      Gödl: „2011 lag der USD/CHF in den tiefen 0.70-er Niveaus“
      .
      Aber hallo Herr Gödl – der lag da keine 10 Tage im August 2011 auf „tiefen 0.70er“ Niveaus – wieviel Tage hat das Jahr nochmals???
      Und dann am 15.1.2015 hat er nochmals einen Touchdown in die 0.7X gemacht — für einen oder zwei Tage….
      Sie wollen doch nicht ernsthaft aus wenigen Eintagsfliegen etwas ablesen? Habe gemeint Sie kämen aus der Finanzbranche – da müssten Sie es doch eigentlich besser wissen!

      • Franz Gödl sagt:

        Auch der Durchschnittskurs (z.B. 12-Monate Durchschnitt) ist steigend. das Tief lag in 2012 bei 0.876 und liegt heute knapp unter 1. Der 15.1. hat, wie sie selbst sagen kaum Relevanz, weil es nur eine Eintagsfliege war und dazu noch von unseren Notenbankern ausgelöst wurde.

  • M. Stadelmann sagt:

    Zu den 37 Mrd CHF Überschüssen aus dem Aussenhandel (Waren ohne Transitgüter) kommen 26 Mrd CHF aus dem Transithandel (Rohstoffe) und 19 Mrd CHF aus den Dienstleistungen (Tourismus, Finanzdienste, Transport, Lizenzen, u. a.) dazu. Leider konzentriert sich der Autor in diesem Artikel nur auf ersteres, also auf den Warenhandel ohne Transitgüter und Dienstleistungen. Für eine volkswirtschaftliche Betrachtung ist jedoch das Total der Überschüsse (Leistungsbilanz) relevant (z.B. Ursache für Frankenstärke). Wenn man für jede Branche den Überschussfranken pro Arbeitsstelle ausrechnet, zeigt sich, dass die Rohstofffirmen viel mehr Überschüsse generieren als die Maschinenindustrie. Es sind v. a. die grossen Rohstoff- und Pharmamultis, die den KMU und der Maschinenindustrie die Luft abschneiden.

    • Marcel Senn sagt:

      Stadelmann: Die Zollstatistik ist nun mal ohne Dienstleistungen.
      Und an die Mär, dass die Frankenstärke primär durch den Leistungsbilanzüberschuss kommt glauben Sie scheinbar immer noch, obwohl der Grossteil derselben wieder reexportiert wird in Form von Auslandsinvestitionen und Dividenden.
      Wieso nehmen Sie sich nicht mal einen halben Tag Zeit, laden die detaillierte NIIP und die Kapitalbilanz auf allen Ebenen und Betrachtungsweisen auf Excel runter und beginnen dann mal selber zu denken und zu rechnen anstatt irgendwelches Lehrbuchwissen mantramässig zu repetieren?
      Dass die Rohstofffirmen den KMU die Luft abschneiden ist doch auch Unsinn – Rohstoffe werden in $ gehandelt und beeinflussen die Fränkli kaum!
      Pharma/Chemie könnte vermutlich auch mit 1:1 (zum €) sehr gut leben

      • M. Stadelmann sagt:

        Senn: Wissen sie was die holländische Krankheit ist? Die Rohstoff- und Pharmamultis infizieren die Schweiz mit der holländischen Krankheit.

        Offenbar verstehen Sie noch immer den Unterschied nicht zwischen einer Leistungs- und einer Kapitalbilanz. Auslandinvestitionen werden über die Kapitalbilanz erfasst.

        Rohstoffe werden zwar in $ gehandelt, der Gewinn wird aber in der Schweiz versteuert und über die Leistungsbilanz in CHF erfasst. Der Anteil dieses Gewinns, der im Ausland in $ reinvestiert wird, zeigt sich dann wieder in der Kapitalbilanz. In der Summe (Zahlungsbilanz) hebt sich ein Teil wieder auf. Aber eben nur ein Teil!!
        Aber glauben Sie ruhig weiter an die Màr von Fluchtgeldern und analysieren Sie weiter Ihre NIIP bis zum geht nicht mehr..

        • Marcel Senn sagt:

          Stadelmann: Jetzt kommen Sie noch mit der holländischen Krankheit, als sässen wir in der CH auf riesigen Rohstoffvorkommen, die wir einfach aus dem Boden saugen könnten und die das einheimische Gewerbe verdrängt, resp unprofitabel macht!
          OMG Stadelmann – Ihre Phantasien werden immer bizarrer
          Und wenn wir schon von Kapitalbilanz sprechen, dann bitte richtig:
          Total KB 2007-2016
          Summe Kapitalbilanz 565 Mrd Zusammensetzung:
          Direktinvestitionen +265 Mrd
          Portfolioinvestionen: +162 Mrd
          Derivate minus 2 Mrd
          Ubrigre Investitionen minus 483 Mrd
          Währungreserven (SNB) +633 Mrd
          Die Zahlen zeigen eindeutig, dass Sie einfach einen Schwachsinn behaupten! Die Kapitalbilanz der letzten 10 Jahre wurde primär durch die SNB geäufnet und dies w. ausländ. Flucht/Investgelder

          • Marcel Senn sagt:

            Stadelmann: Wenn Sie schon die holländische Krankheit erwähnen, dann doch bitte im Zusammenhang mit Venezuela — die sind da schon im pathologischen Endstadium, weil die fast zu 95% von Erdölexorten leben und sonst zu nicht mehr viel anderem Exporten fähig sind und sich faul auf dem Oel ausgeruht haben!
            In der CH sind Chemie/Pharma zugegebenermassen sehr stark mit 94 Mrd Exporten (und 44 Mrd Importen des Sektors – v.a. Rohfabrikate), aber das ist dann ja wohl etwas anspruchsvoller und schafft pro Export Mrd mehr Arbeitsplätze als einfach das Geld aus dem Boden zu saugen, wie das typisch ist für die Länder mit holländischer Krankheit!

          • Maiko Laugun sagt:

            Trifft die „holländische Krankheit“ auch auf die Kryptowährungen zu?

          • M. Stadelmann sagt:

            Senn: Mit ihren Kommentaren qualifizieren Sie sich gleich selbst. Sie haben nicht viel verstanden.
            Die Essenz der holländischen Krankheit ist, dass durch das plötzliche Auffinden von Gasvorkommen in den Niederlanden die Leistungsbilanzüberschüsse anstiegen und dadurch die inländische Währung erstarkte. Das führte dazu, dass insbesondere die exportabhängige Industrie zunehmend ihre Wettbewerbsfähigkeit verlor. Überschüsse haben immer einen Einfluss auf die inländische Währung und damit auf die Exportwirtschaft. Dabei spielt es keine Rolle ob die Überschüsse durch den Verkauf von Erdgas, Tabletten oder Lizenzen erzielt werden. Schlimm ist es, wenn eine Branche mit wenigen Arbeitsplätzen so grosse Überschüsse generiert, dass dadurch andere mit vielen Arbeitsplätzen in die Bredouille kommen.

          • Marcel Senn sagt:

            Sorry Stadelmann wenn sich jemand disqualifiziert, dann ja wohl Sie, weil Sie mit keiner Silbe auf die Zahlen eingehen, die im „Sonderfall“ Schweiz halt etwas anders sind als vielerorts sonstwo!
            Hätte die SNB nicht 500-600 Mrd Flucht- und ausländische Investitionsgelder aufnehmen müssen um den Franken nicht zu stark werden lassen, dann hätten wir ein kleineres Kapitalbilanzdefizit über die letzten 10 Jahre von ca 80 Mrd – also fast ausgeglichen, weil wie ich Ihnen schon x-mal aufgezeigt habe, dass die CH Firmen einen grossteil der Ueberschüsse wieder im Ausland reinvestiert haben oder an die über 80% ausländischen SMI/SPI Besitzer ausbezahlt haben als Dividenden.
            Wieso sind Sie eigentlich so faktenresistent — das sind SNB Zahlen und nicht meine Erfindungen – alles klar?

          • Marcel Senn sagt:

            Stadelmann: Glaub ausser Hongkong hat kein anderes Land eine Zentralbankbilanz die bei über 110% des BIP liegt!
            .
            Wieso? Weil wir ein Sonderfall sind und weil das ausländische (Flucht)Kapitalien sind, die die SNB Bilanz so aufgepumpt haben, die nämlich in den Franken wollten!
            Wir waren auch im WK I und WK II der Sonderfall, darum haben wir jetzt auch dieses Image und viele Kapitalien (neben Menschen) wollen zu uns….auch das Grosskapital sucht Asyl! (in einer sicheren Währung)
            .
            Wir sind ein Sonderfall – darum stimmen weder Ihre deutschen, englischen oder was weiss ich für Lehrbücher, die Sie auf die CH münzen wollen!
            .
            !!!SONDERFALL STADELMANN!!!

          • Marcel Senn sagt:

            PS Im übrigen ist das was Sie als holländische Krankheit auf die CH Münzen wollen eher die Lehre von David Ricardo
            „Der komparative Kostenvorteil besteht im Rahmen der volkswirtschaftlichen Theorie, wenn ein Land, eine Region, ein Unternehmen oder eine Person fähig ist, ein bestimmtes Gut zu geringeren Alternativkosten (Opportunitätskosten) zu produzieren als die Konkurrenz.“
            .
            Bei uns sind nun mal Chemie und Pharma die besten Pferde im Stall – die alleine machen mehr als alle anderen, die ja eine negative Bilanz haben.
            Unter anderem (wie marktfähigen Qualitätsprodukten) wegen den SNB Interventionen geht es auch den Blochers mit der EMS so gut.
            Vielleicht sollte die CH nur noch Chemie und Pharma produzieren und exportieren, dann könnte auch der Franken durch die Decke schiessen..

          • M. Stadelmann sagt:

            Senn: Der Sonderfall Schweiz bezieht sich auf vieles, u. a. auf die Geschichte und die Politik (direkte Demokratie, Neutralität, Föderalismus) aber sicher nicht auf die volkswirtschaftlichen Marktgesetzte. Diesen ist die Schweiz genauso unterworfen, wie jede andere Volkswirtschaft.

            Die 500-600 Mrd CHF, welche die SNB in den letzten 10 Jahren ins Ausland schaufelte, sind eben keine Fluchtgelder, wie Sie behaupten, sondern die Überschüsse, welche die inländischen Firmen (Investoren) eingenommen haben und seit 2007 nicht mehr im nötigen Umfang bereit sind ins Ausland zurückzuführen.
            Die Schweiz nimmt übrigens deutlich mehr Dividenden ein als sie abführt (Kapitaleinkommen in der Leistungsbilanz).

          • M. Stadelmann sagt:

            Senn: Zur Pharmaindustrie. Wenn man von einem Sonderfall sprechen will, dann vielleicht am ehesten bezüglich der Pharmaindustrie. Diese ist aufgrund unseres kranken Gesundheitssystems keinem echten Wettbewerb ausgesetzt. Resultat: völlig überteuerte Medikamentenpreise. Wieso erlaubt man beispielsweise keine Parallelimporte in der Schweiz? Parallelimporte wüden mit Sicherheit die Überschüsse der pharmazeutischen Produkte reduzieren.

          • Marcel Senn sagt:

            Sorry Herr Stadelmann: Ich habe Ihnen die Saldi der Kapitalbilanz aufgezeigt, aus den NIIP-Details können Sie sehen, dass der grösste Teil der Handelbilanzüberschüsse von CH Firmen wieder im Ausland angelegt wurde, ebenso sind die CH-Dividenden die an ausländer fliessen ein hoher % Satz der ausbezahlten Dividenden.
            .
            Die SNB musste z.B. am 15.1.2015 den Mindestkurs aufgeben, weil im Dez./Jan massivste Geldmengen vor allem aus Russland in die CH flossen und Sie ignorieren das alles, nur weil Sie weiterhin nur an Ihre alleinige Leistungsbilanzüberschusstheorie glauben.
            Die Zahlen sagen mir einfach etwas anderes. Zudem fakturieren die Pharma/Chemieunternehmen ihre Exporte eher selten in CHF – also braucht der Käufer gar keine CHF.
            .

          • Marcel Senn sagt:

            Dass die ausländischen Gesamtinvestment in der CH in der NIIP „zufälligerweise“ in die CH von 2007 bis 2016 von 3.015 Bio auf 3.623 Bio angestiegen sind – also ganz per „Zufall“ um 608 Mrd oder in etwa soviel wie die SNB an Bilanzsumme zugelegt hat, dass ignorieren Sie auch geflissentlich – schlichtweg aus purer sturer Rechthaberei!
            .
            Sie sind mir ja noch ein „Oekonome“! Nehme an Sie sind auch einer der sich nach 2007-09 damit sich rausredete man hätte nicht wissen können, dass es zu einer systemgefährdenden Finanzkrise kommen werde, wie über 85% der 0815 Oekonomen!
            Ich habe meine Chefs schon Ende 2004 darauf aufmerksam gemacht, dass etwas am „stinken“ sei (gut stand auch im „The Economist“ und dann habe ich selber mal etwas gerechnet und bin auf ein ähnliches Fazit gekommen)

          • Marcel Senn sagt:

            Zum Abschluss noch eine Frage: Wo bitte hätten denn die CH Exportfirmen ihre riesigen Ueberschüsse in der CH überhaupt noch investieren sollen.
            Die Roche hat zwar ein Türmli gebaut, aber das sind doch auch nur Peanuts.
            .
            Die CH Exportfirmen haben mit dem Grossteil dieser Ueberschüsse ihre Präsenz im Ausland ausgebaut, dort wo man noch günstig produzieren kann.
            In Real Estate in der CH haben die sicher nicht gross investiert – dieses Segment grasen schon die Pensionskassen, CH Immofonds und Privatpersonen ab (sowie die Asiaten u.a. die Hotels etc. kaufen)

    • Marcel Schmid sagt:

      @stadelmann… das primäre Problem dabei ist, dass der Aussenhandel Jobs schafft… bei den restlichen Bilanzen in der Leistungsbilanz muss und ist dies nicht zwingend der Fall… denn häufig wird dabei einfach nur Kapital verschoben!

      • M. Stadelmann sagt:

        Schmid: so können Sie es nicht formulieren, denn die Dienstleistungsbetriebe schaffen ja auch sehr viele Jobs (beispielsweise Tourismus oder Finanzsektor). Aber ich gebe Ihnen insofern recht, dass zum Beispiel die Maschinenindustrie pro erziehlten Überschussfranken in der Schweiz wohl sehr viel mehr Jobs schafft als beispielsweise die Rohstofffirmen. Glencore, der weltweit grösste Rohstoffkonzen beschäftigt in Baar nur gerade 770 Nasen. Nimmt man all die 250 Rohstofffirmen im Kt. Zug zusammen sind es vielleicht 5000 mehrheitlich ausländische Arbeitnehmende. Diese Firmen sind jedoch allein für ein Drittel der schweizerischen Leistungsbilanzüberschüsse verantwortlich und tragen mit Sicherheit wesentlich zur Frankenstärke bei. Die USRIII hätte diesen Mechanismus noch stark verstärkt.

        • Marcel Senn sagt:

          Stadelmann: Betreffend der 500 Rohstofffirmen mit 10’500 Angestellten: die hatten schon 2011 einen Transithandel von 763 Mrd (BIP damals 580 Mrd) – hängengeblieben sind in der CH 20 Mrd – aber Transithandel geht eben nicht über die Im-/Exportstatistiken und da das ganze Zeugs in $ abgewickelt wurde, hatte das auf den Frankenkurs nur einen beschränkten Einfluss.
          Hier noch eine interessante Lektüre zum Thema:
          http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/30133.pdf

          Allerdings wenn ich die CH Zollstatistik anschaue sind da bei den Importen bei Energieträgern gerade mal 6.776 Mrd oder 3.9% der Importe angegeben. Wo die obenerwähnten 20 Mrd (oder 2016 verm. weniger infolge tiefer Oelpreise) dann wirklich hängenbleiben ist mir ein Rätsel, zumal die CH auch Energie braucht

          • M. Stadelmann sagt:

            Die importieren Energieträger haben nichts mit dem Transithandel zu tun. Das sind zwei völlig verschiedene Positionen. Beim Transithandel geht es um Güter (v.a.. Rohstoffe, ein Grossteil davon ebenfalls Energieträger), welche die Schweizgrenze gar nie passieren. Ein paar Nasen in Baar, Zug und Genf versenden für Hunderte von Mrd $ Öltanker und Frachtschiffe rund um den Globus. Die Gewinne in $ fallen zumindest auf dem Papier in der Schweiz an und machen ganz wenige sehr sehr reich. Ob diese Leute die umgerechnet 20 Mrd CHF / a Leistungsbilanzüberschüsse schön brav wieder ins Ausland bringen, wie Sie Herr Senn behaupten, während andere die wenig bis kein Bezug zur Schweiz haben ihre Mrd an Fluchtgeldern hierhin bringen, wage ich doch ernsthaft zu bezweifeln.

          • Marcel Senn sagt:

            Das Transitrohstoffe nix mit dem Eigenenergieverbrauch zu tun haben ist mir auch klar.
            Nur wie werden die damals 20 Mrd in der nationalen Volkswirtschaftsrechnung verbucht? Als normale „Wertschöpfung“ in der Schweiz? Wird das alles in CHF umgetauscht? Gut die (exorbitanten) Löhne im Rohstoffhandel werden wohl in CHF ausbezahlt -aber die machen auch nur ca 2.5 bis 3 Mrd aus pa, dazu noch Miete und der übliche Pipifax.
            Ob der grosse Rest in CHF gewechselt wird, das glaube ich nicht wirklich. Sie behaupten das einfach mal…
            Zumal es in den grossen Rohstofffirmen von Ausländern nur so wimmelt, Glencore z.B. eine brit. Firma ist, fliesst sicher ein wesentlicher Teil dieser Gelder auch wieder ins Ausland

  • Thomas Baumann sagt:

    Zur angeblichen Überraschung Nummer 1 ist zu sagen, dass dies mittelfristig gemäss Lehrbuch schon zutrifft, nur braucht es eine gewisse Zeit bis die Exportvolumina abnehmen und die Importvolumina zunehmen. In der kurzen Frist sind diese Volumina stabil und weil der Wert der Importe dadurch in Schweizer Franken abnimmt, kann in der kurzen Frist der Aussenhandelsüberschuss sogar zunehmen.

  • Beat S. Eberle sagt:

    Besten Dank für den Artikel und den Hinweis auf die interessanten Statistiken.
    Zum Bild: Warum fährt ein Zug mit dem Schiff von der Schweiz nach Russland? Ist das billiger, Spurbreite, … ?

  • hjh sagt:

    Sehr interessant zusammengefasst, was ich schon lange sage. Sehr informatif ist auch der Bericht der Zollverwaltung.
    Markus

  • Peter Schneider sagt:

    Was stören mich Handelsbilanzen, wenn derweil die Maschinenbauer Leute entlassen? Das ist die DIREKTE Folge des starken Frankens. Ob nun die Blochers mit der Feinchemie immer noch profitieren und darum rumsülzen, dass der starke Franken zu einer Stärkung der Wirtschaft führt (weil schwache Industrie wegbricht): sie disqualifizieren sich trotzdem von der Wiederwahl.

    • Rolf Zach sagt:

      Wissen Sie, Herr Schneider, auch bei den Blochers wächst nicht alles in den Himmel. EMS ist stark abhängig von Patenten, die bald auslaufen werden, wie zum Beispiel bei der Druckvorrichtung beim Airbag. Gibt es keine neuen Patente, wird sich der Gewinn zurückbilden, darum ist es auch so interessant, warum die Blochers derartig viel Dividende aus der EMS-Chemie nehmen.
      Wir sind ja Meister darin, unser Risikokapital nach Silicon Valley zu exportieren und dort zu verlochen, anstatt hier unsere talentierten Leute zu fördern. Herr Jordan ist da mit Hilfe der patriotischen NZZ ein Meister solche Silicon Valley Aktien zu kaufen und die Amerikaner zu fördern und zu verwöhnen.

      • Maiko Laugun sagt:

        „..derartig viel Dividende“ wird durch Inhaber (ohne oder mit kleinem Salär/Vergütungen) meistens herausgenommen, um die Steuern zu bezahlen; so jedenfalls deren eigenen Begründungen.

        SNB = Hedge Fund; zusätzlich noch Aktien von US-Rüstungsherstellern; selbstverständlich alles im Namen der Unterstützung der CH-Export-/Tourismus-Industrie. Im Namen Gottes (Jordan) sozusagen …

    • Anton Keller sagt:

      Die Maschinenbauer verkaufen weniger, weil ihre EU-Kunden wegen des Euros zu teuer produzieren und deswegen weniger verkaufen können, nicht weil der Franken zu teuer ist. Sonst müssten die Unternehmen in den Euroländer Italien, Frankreich und Griechenland ja boomen. Das erklärt auch, weshalb die Kunden von ausserhalb des Euro-Raumes weiterhin fleissig Schweizer Maschinen kaufen.

      • Rolf Zach sagt:

        Leider nicht gerade das Wahre! Sie wissen genau so wie ich, dass Griechenland ein Leistungsbilanzdefizit von 0.6 % des BSP aufweist, Frankreich ein solches von 0.9 % und Italien eines von +2.6 % (!). Der Euro hat gar nichts mit dem zu teuer produzieren zu tun, sonst würde Mr. Trump nicht derart gegen die Euro-Zone wegen ihrem Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA reklamieren.
        Was unsere Maschinenbauer betrifft in Ostasien, müssen sie sich enorm gegen die Deutschen und die Japaner wehren, die ihnen mit Vergnügen die Marktanteile abnehmen. Auch sind unsere Freihandels-Verträge mit China, Japan etc. für uns nicht so stark wie diejenigen der EU. Auch Deutsche haben in China Schwierigkeiten, aber noch lieber trampeln die Chinesen höflich auf uns Schweizern herum.

  • Glaset sagt:

    NIcht vergessen die ganzen Textilexporte die in den vergangenen Jahren explosionsartig zunahmen, Rücksendungen von in DE bestellten Textilien, die wieder zurück an den Absender gehen die weissen Päckli…
    So viel zu Exporterfolgen der Schweiz.

    • tommaso sagt:

      Rücksendungen haben keinen Einfluss auf die Handelsbilanz, schliesslich wurden sie zuerst importiert.

      • Marcel Senn sagt:

        Tommaso: Es gibt einen „Z A L A N D O“ Effekt – vor allem auf Schuhen und Kleidern, der die Export und Importzahlen hochtreibt und die Statistiken verfälscht – auch wenn der Saldo sich deswegen nicht verändert.

        Kann man auch googeln

  • Marcel Senn sagt:

    Da wir eigentlich schon seit langem unsere Handelsbilanzüberschüsse nur noch durch Chemie/Pharmaprodukte erzielen und bei den anderen Produktegruppen kumuliert Handelsbilanzdefizite haben, muss man sich schon mal fragen, ob die ganzen SNB Interventionen so sinnvoll waren.
    Chemie/Pharma sind relativ wenig währungssensitiv und darum sind in die Handelsdefizite auch mit einem starken Franken nicht zurückgegangen, wie das im Lehrbuch so steht. Und eben wie schon gesagt das meiste Gold gehört auch nicht in diese Aussenhandelsstatistik, da dies sowieso $-Preisabhängig ist und diese nur verzerrt.

  • Marcel Senn sagt:

    Die Zahlen im Gesamthandel in der Grafik sind ja schon etwas verzerrt durch den Edelmetallhandel, der bei den Importen satte 87 Mrd ausmacht und bei den Exporten über 25%

    Siehe Bulletin der Zollverwaltung. Dort sind auch die Zahlen vom Total 1 ohne Gold/Silberim- und Exporte!
    Ohne wärens noch 210 Mrd Exporte und 173.5 Mrd Importe für 2016
    .
    Gold/Silber hin- und herschieben (dazwischen noch schnell im Tessin zu Barren umgiessen) hält vielleicht unser Mitkommentator Linus Huber als Goldfan noch für eine „wirtschaftliche Tätigkeit“ im weiteren Sinne – aber unter dem Strich ist es mehr ein aufgeblähtes Geschachere, denn eine echte wirtschaftliche Wertschöpfung! (Gold für Schmuckverarbeitung, Medizin, Industrie etc vorbehalten, aber das ist der kleinste Teil davon)

    • Rolf Zach sagt:

      Ich bin Ihnen zu Dank verpflichtet, dass Sie diese Realitäten zu Recht hervorgehoben haben. Gilt übrigens auch für den Handel mit Diamanten.
      Der Artikel erwähnt auch nicht wie viel einzelne Exportsektoren Arbeitsplätze für unsere Volkswirtschaft bereitstellen. Dies ist nun einmal in der Pharma trotz Forschung weniger als in der Uhren- und Maschinenindustrie, die im gesamten eindeutige mehr Arbeitsstellen kreieren als die Pharma, auch indirekt!
      Diese unterschwellige Annahme, dass unser Außenhandel sich immer mehr von Europa entfernt und deshalb die EU nicht mehr die gleiche Bedeutung hat, finde ich äußerst gefährlich. Unsere Region ist nun einmal die Blaue Banane und wir als Teilhaber haben alles Interesse daran, dass es gut läuft. EU-Freihandel ist besser als CH-Verträge darüber.

      • Marcel Senn sagt:

        Zach: Bei Bijouterie- & Juwelierwaren hatten wir Importe von 9 Mrd und Exporte von 10.9 Mrd – also einen Exportüberschuss von 1.9 Mrd.
        .
        Diamanten spielen glaub nicht mehr so eine grosse Rolle wie z.B. in den 80er Jahren als ich noch kurz mal im Diamantenbusiness tätig war beim Quasimonopolisten De Beers in London, die die politisch heiklen Geschäfte (z.B. wegen Apartheid in SA) über die Zweigstelle Luzern abwickelten und so auch einiges an Diamanten in die CH kamen und von hier weiterverschachert wurden z.B. nach Israel, USA, Antwerpen oder Indien.
        Die meisten Diamanten werden heute im Zollfreilager abgewickelt und kommen so gar nie in die CH Statistiken.

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