Seltsame Zeiten in der Schweiz

Un employe travail sur la confection d'une montre de Haute Horlogerie au siege de la marque horlogere Tag Heuer ce jeudi 3 decembre 2015 a La Chaux-de-Fonds. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Die Uhrenindustrie schwächelt: Ein Angestellter von TAG Heuer in La Chaux-de-Fonds. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Die Schweizer Wirtschaft durchlebt seltsame Zeiten. Auf der einen Seite scheint alles bestens zu sein. Das BIP wächst seit 2009 ohne Unterbruch. Im Vergleich zur Eurozone und Japan stehen wir besonders gut da (Quelle).

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Auf der anderen Seite zeigen die neusten Exportzahlen, dass der Industriesektor immer noch nicht richtig vom Fleck kommt. Die saisonbereinigten nominalen Exportwerte zeigen, dass wir uns immer noch auf dem Niveau vom Sommer 2014 befinden (Quelle). Real sieht es etwas besser aus, aber das Bild ist ähnlich.

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Betrachtet man die Exporte noch etwas genauer, wird noch deutlicher, wie unterschiedlich die Schweizer Wirtschaft aufgestellt ist. Die Chemisch-pharmazeutische Industrie boomt, während alle anderen Branchen entweder stagnieren oder stark zurückgegangen sind. Einzige Ausnahmen sind die Textil-, Bekleidungs- und Schuhbranche. Ihr Beitrag an den Gesamtexport ist allerdings gering. Was viel mehr ins Gewicht fällt, ist der Rückgang von beschäftigungsstarken Branchen (Uhren und Maschinen/Elektronik).

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Die Spaltung der Schweizer Wirtschaft, die wir seit 2009 beobachten, hält also weiter an und wird in jüngster Zeit von einer Spaltung der Schweizer Exporte begleitet.

Wird sich dies bald ändern?

In den USA ist nach wie vor alles offen. Viele gehen davon aus, dass Trump die Staatsdefizite durch höhere Staatsausgaben und Steuersenkungen vergrössern wird, was die Weltkonjunktur ankurbeln würde. Das wäre gut für die Schweizer Exporte. Aber es gibt auch gute Einwände dagegen.

In Europa ist die Lage nach wie vor unbefriedigend. Zwar steigt das BIP wieder, aber das Niveau der Industrieproduktion ist immer noch unter demjenigen von 2007/08 (Quelle). Das bremst die Schweizer Investitionsgüterindustrie (MEM).

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So bleibt die Lage äusserst seltsam. Es geht der Schweiz wirtschaftlich gut, aber alle wissen, dass sich grosse Ungleichgewichte aufgebaut haben.